Legio I Adiutrix

Aus Theoria Romana

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Die Legio I Adiutrix, auch die Helferin genannt, wurde zwischen 67 und 68 n. Chr. von den Kaisern Nero und Galba aus Seeleuten und Marineinfanterie des Misenischen Flottenstützpunktes aufgestellt. Es wird vermutet dass unter Nero die Aufstellung der Legion begann und unter Galba fertiggestellt wurde. Das Zeichen der Legion waren der Pegasus, der Steinbock, aber auch der Capricorn. Die Legion wurde als minderwertig angesehen, da sie nur teilweise aus römischen Bürgern bestand und sich zum Großteil aus Soldaten zusammensetzte, die nicht das römische Bürgerrecht besaßen. Gerade bei der Flotte konnte man auch ohne römischer Bürger zu sein als Soldat eingestellt werden.

Während des Bürgerkrieges von 68 und 69 n. Chr. (Vierkaiserjahr) unterstützte die Legio I Adiutrix zuerst Galba, danach Otho, unterlag aber mit ihm Vitellius in der Schlacht von Bedriacum. Hierbei gelang der Legion die Eroberung des Legionsadlers der Legio XXI Rapax. Wohl aus diesem Grund löste Vitellius die Legion nicht auf, sondern beorderte sie nach Hispania. Im Jahr 70 n. Chr. wurde die Legion dann unter Quintus Petillius Cerialis an den Rhein verlegt um den Bataveraufstand niederzuschlagen. Nach Beendigung der Militäraktion verblieb die Legion mit der Legio XIV Gemina als Besatzungstruppe in Mogontiacum, dem heutigen Mainz. In der Folgezeit kennzeichnet ein reger Bauboom die Aktivitäten beider Legionen. Zuerst wurde die alte Holz-Erde-Konstruktion des Lagers komplett in Stein errichtet, danach erfolgte der Bau eines Aquädukts zur Versorgung von Legionslager, canabae und Bädern mit einer täglichen Wasserleistung von 6500 qm ebenfalls in Steinbauweise. Weiterhin wurden in Aquae Mattiacorum (Wiesbaden) die Thermen ausgebaut. Die Legio I Adiutrix verblieb bis zum Jahr 86 n. Chr. in Mogontiacum. Danach wurde sie nach Pannonien verlegt und durch die Legio XXI Rapax in Mogontiacum ersetzt.

Im Jahr 83 n. Chr. zog Kaiser Domitian die Legionen I Adiutrix, XIV Gemina, XXI Rapax, VIII Augusta, XI Claudia und Abteilungen der britischen Legionen II Augusta, IX Hispana und XX Valeria Victrix in Germania superior zusammen um mit ihnen gegen die Chatten Krieg zu führen. Der Feldzug wurde erfolgreich beendet und so entstanden die Limesbefestigungen des Taunus und der Wetterau. Domitian begann mit einer Neuordnung der Grenze und bildete zwei Germanische Provinzen. Unter Caius Velius Rufus, Primus pilus der Legio XII Fulminata, wurden aus den Streitkräften acht Vexillationen herausgezogen, die im Gebiet der Lingonen (Nordfrankreich) umfangreiche Bautätigkeiten durchführten. Teile der Legio I Adiutrix wurden im Kastell Wagbach stationiert.

Ab 86 n. Chr. war die Legio I Adiutrix in Brigetio (Komarom) in Pannonien stationiert. Dort nahm sie an den Dakerfeldzügen Domitians teil und siegte unter Lucius Tettius Iulianus 88 n. Chr. in der Schlacht von Tapae.

Unter Kaiser Nerva wurde die Legio I Adiutrix im Bellum Suebicum eingesetzt. Da sie nach der Adoption Trajans treu zu diesem stand, erhielt sie von ihm den Zusatz pia fidelis (treu und ergeben). So erfolgte auch ihr Einsatz mit den Legionen IV Flavia Felix und XIII Gemina in den Dakerkriegen 101 bis 106 n. Chr. unter Trajan.

Unter dem Legaten Aulus Platorius Nepos kämpfte die Legio I Adiutrix von 115 bis 117 n. Chr. gegen die Parther. Unter Kaiser Hadrian kehrte die Legion wieder nach Brigetio zurück und ersetzte dort die Legio XXX Ulpia Victrix. Im Jahr 119 n. Chr. wurde anscheinend das Lager der Legio I Adiutrix durch eine Überschwemmung zerstört und von der Legion neu errichtet. Die Legion unterhielt in Dömös eine Ziegelei zur Unterstützung ihrer baulichen Tätigkeiten.

Die Legio I Adiutrix verblieb nun als Besatzungstruppe mehrere Jahrzehnte an der ruhigen Donaugrenze. Einige Abteilungen wurden in der Zwischenzeit nach Nordafrika und Pontus verlegt. In den Jahren 172 bis 175 n. Chr. unterstand die Legion dem Legaten Publius Helvius Pertinax, dem späteren Kaiser, und war in den Markomannenkriegen im Einsatz. Hier erfolgte 172 n. Chr. auch das Regenwunder im Quadenland. Dabei konnte die von Quaden umzingelte Legion sich wieder freikämpfen. Auf der Marc-Aurel-Säule wurde diese Geschichte dann später festgehalten.

Als sich nach der Ermordung Pertinax 193 n. Chr. der Statthalter von Pannonia superior Septimius Severus zum Kaiser ausrief, unterstützte die Legio I Adiutrix diesen bei seinem Kampf gegen Didius Julianus und im Bürgerkrieg des zweiten Vierkaiserjahres 193 bis 194 n. Chr. gegen Clodius Albinus und Pescennius Niger. In den Partherfeldzügen 195 n. Chr. und 197-198 n. Chr. sah man die Legio I Adiutrix wieder im Kampfeinsatz unter Kaiser Septimus Severus. Danach verlegte man die Legion wieder nach Pannonien zurück. Die Legion hatte auch den Beinamen Severiana. In den Jahren 208 bis 210 n. Chr. kämpfte die Legion unter ihrem Legaten Cornelius Valens wieder mit Kaiser Septimus Severus in Nordbritannien. Unter Caracalla erfolgte wieder ein Einsatz der Legion gegen die Parther in den Jahren 214 bis 217 n. Chr.

237 n. Chr. beteiligte sich die Legion an einem Dakerfeldzug unter Kaiser Maximinus Thrax und 244 unter Kaiser Gordian III. an einem Feldzug gegen die Sassaniden. Im 3. Jahrhundert erhielt die Legion die Ehrentitel pia fidelis bis und constans ("zweimal treu und ergeben" sowie "zuverlässig"). Unter Gallienus wurde die Legion durch Münzprägungen geehrt.

Ab 400 n. Chr. existierte die Legio Prima Adiutrix als Limitanei und war immer noch in Brigetio und Transsiacinco (Transaquicum) untergebracht. Sie unterstand dabei dem Dux der Provinz Valeria Ripensis (Westungarn). Die letzte nachgewiesene Erwähnung der Legion erfolgte im Jahr 444 n. Chr. Vermutlich wurde die Legion im Kampf gegen die Hunnen aufgerieben und aufgelöst.


siehe auch: Historische Einheiten

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