Schule

Aus Theoria Romana

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Die Herausbildung eines römischen Schulsystems scheint es erst im ersten Jahrhundert vor Christus gegeben zu haben, obwohl antike Autoren auch wesentlich frühere Zeitpunkte annehmen. Trotz einiger Bestrebungen blieben diese Schulen jedoch weitestgehend ohne staatliche Organisation als Privatschulen bestehen.

Die Elementarschule

Im Alter von sechs oder sieben Jahren wurden römische Kinder für alt genug befunden, um eine schulische Ausbildung zu beginnen. Diese nahm wohl ursprünglich der Vater zu Hause vor, wie es das Vorgehen des auf altrömische Traditionen bedachten Cato schließen lässt. Später wurden diese Tätigkeiten jedoch insbesondere in aristokratischen Haushalten einem freien oder unfreien Hauslehrer überlassen, während ärmere Schichten ihre Kinder auf eine Elementarschule schickten. Dort unterrichteten honorarbasierte, freiberufliche Lehrkräfte (magister ludi), die häufig sehr schlecht bezahlt wurden. Daher scheinen in den Städten auch niederere Schichten ihre Kinder auf diese Schulen geschickt zu haben. Auch zahlreiche Mädchen sind als Schülerinnen dieser Einrichtungen belegt.

Diese Schulen werden als ludus litterarius bezeichnet. Der Unterricht wurde häufig in Portiken oder spärlich von der Außenwelt abgetrennten tabernae auf einfachen Hockern abgehalten, sodass wegen der Ablenkungen von der Straße kaum eine konzentrierte Lernatmosphäre aufgebaut werden konnte. Da außerdem nur in seltenen Fällen eine Trennung nach Klassen möglich war (die Kosten für einen Hilfslehrer (hypodidascalus) waren wohl zu hoch), konnten in der dreijährigen Schulzeit nur wenige Kenntnisse vermittelt werden. Die Unterrichtszeit erstreckte sich mit einer Mittagspause wohl über den ganzen Tag.

Entsprechend umfasste der Lehrplan nur elementare Kenntnisse wie Lesen, Schreiben und einfache Subtraktion und Addition. So wurde Lesen häufig durch kleinschrittiges Lernen einzelner Buchstaben, Silben, kleinerer Wörter und Sätze bis hin zu ganzen Texten geübt, was besonders die römische Gewohnheit, weitestgehend ohne Satzzeichen und Worttrennungen zu schreiben, erschwerte. Das Schreiben hingegen wurde entweder durch das Vorschreiben der Buchstaben durch den Lehrer und das anschließende Nachziehen der Schüler trainiert oder aber – in seltenen Fällen – sogar durch spielerische Elemente wie Plätzchen in Buchstabenform etc. aufgelockert.

Die Mathematik römischer Elementarschulen beschränkte sich auf einfache Rechenaktionen, die durch Fingerrechnen oder sogar den Abakus geübt werden konnten, wobei die Umrechnung römischer Maße für besonders schwierig erachtet wurde.

Die Grammatikschule

Nach Absolvieren der Elementarschule änderte sich schließlich die Zusammensetzung der Schülerschaft: Einfache Bevölkerungsschichten ließen ihre etwa elfjährigen Kinder meistens bereits im elterlichen Familienbetrieb mithelfen, während die Oberschicht bemüht war, ihren Kindern weitere Bildung angedeihen zu lassen. Mädchen scheinen – wenn sie überhaupt weitere Bildung erhielten – vornehmlich von Privatlehrern unterrichtet worden zu sein.

Diese höhere Bildung sollte die grammatischen und metrischen Grundlagen ausbauen, um den Schülern gepflegtes Latein und die Kenntnis der wichtigsten Literatur zu vermitteln. Als wichtigste Autoren galten beispielsweise Homer, Vergil (dessen Aeneis sehr schnell ein Standardwerk der Schulbildung in Rom wurde), Terenz, Sallust oder Cicero.

Der Unterricht an diesen Schulen wurde auf Latein und Griechisch, der Bildungssprache der Antike, abgehalten, weshalb die als grammatici bezeichneten Grammatiklehrer häufig aus dem griechischen Osten stammten. Dennoch änderte sich die Methodik des Unterrichts kaum: Weiterhin las der Lehrer laut vor, die Schüler wiederholten oder schrieben mit. Dabei wurde auf die grammatikalische Betrachtung und kaum auf die Interpretation Wert gelegt. Auch Naturwissenschaften behandelte man höchstens zur Erklärung der Texte. Einzig der praktische Nutzen des Gelernten stand im Vordergrund, auch im Hinblick auf die Vorbereitung auf die auf den Grammatikunterricht folgende Rednerschule.

Das Studium in der Rednerschule

Obwohl in der Antike nicht von einem "Studium" im modernen Sinne ausgegangen werden kann, können die Rednerschulen, die ein römischer Angehöriger der Oberschicht im Alter von etwa 16 Jahren besuchte, eher als Studium denn als Schulzeit betrachtet werden, zumal er nach Absolvieren dieser in der Öffentlichkeit als gebildet (litterarius, eruditus) galt.

In der republikanischen Zeit existierten allerdings noch keine institutionalisierten Schulen. Stattdessen musste der junge Aristokrat ein tirocinium fori, also eine Art Praktikum im öffentlichen Bereich, absolvieren. Hierzu hatte er sich einem Verwandten oder Freund, der fest im politischen Leben stand, anzuschließen und ihn überallhin zu begleiten. Hierdurch erlernte er die politische und juristische Praxis direkt durch Miterleben. Dies entsprach dem römischen des „vir bonus dicendi peritus“, der seine Redefertigkeit nur im Zusammenhang mit seiner familiären und moralischen Akzeptanz entwickeln konnte.


Literatur:
Christes, Klein, Lüth (Hrsg.): Handbuch der Erziehung und Bildung in der Antike; Darmstadt 2006
Weeber, Karl-Wilhelm: Alltag im Alten Rom. Das Leben in der Stadt; Düsseldorf 2006 (3. verb. Ausgabe)
Metzler, Gerhard: Abitur-Wissen Latein. Lateinische Literaturgeschichte; Freising 2001

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