Villa urbana

Aus Theoria Romana

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bild:TuscumPlinius.jpg
Ausschnitt einer Rekonstruktion von Karl Friedrich Schinkel
der villa "Tuscum" des Gaius Plinius Caecilius Secundus

Der lateinische Begriff villa bezeichnete in römischer Zeit ganz allgemein ein ländliches Anwesen außerhalb der Stadtmauern. Diese konnten sich aber je nach Ausstattung und Zweck sehr stark voneinander unterscheiden.

Eine villa im Sinne eines herrschaftlichen Landhauses, das ausschließlich dem Wohnzweck diente nannte man villa urbana (vom lat. urbanus = "von städtischer Art"). Durch diesen, scheinbar widersprüchlichen Begriff kam zum Ausdruck, dass hier eine wohlhabende Familie zeitweise (seltener ganzjährig) ebenso luxuriös wie in der Stadt leben konnte. Auch das bauliche Grundschema des städtischen Atriumhauses mit einem zentralen atrium wurde übernommen. Je nach Größe des Anwesens gab es außerdem ein oder mehrere Peristyle (vom griech. peristylion, lat. peristylium). In der städtischen Architektur war das peristylium gewöhnlich hinter dem atrium zu finden. In der Villenarchitektur kam aber auch die Umkehrung dieser Anordnung vor. Der römische Architekt Marcus Vitruvius Pollio beschreibt eine solche villa in seinem Werk “De architectura libri decem“ (lat. „Zehn Bücher über Architektur“). Bei dieser betrat man zunächst das peristylium von wo aus man anschließend in das atrium, im hinteren Teil des Hauses gelangte. Auch die so genannte "Mysterienvilla" in Pompeji ist in dieser weise gegliedert. Im axialsymmetrischen Grundriss liegen bei ihr Haupteingang, peristylium und atrium auf der Mittelachse hintereinander, so dass eine Sichtachse durch die repräsentativen Haupträume der Villa entsteht.

Bei der Wahl des Bauplatzes einer villa urbana spielten verschiedene Aspekte eine Rolle. Schon in der Antike zogen wohlhabende Städter sich in den heißen Sommermonaten gerne aufs Land zurück. Deshalb wählte man für solche „Ferienhäuser“ bevorzugt Standorte an kühlenden Bachläufen, an einem See oder am Meer. Landhäuser für die Wintermonate baute man hingegen gerne an Orten mit heißen Quellen. Höhenlagen wurden bevorzugt, zum einen der Aussicht wegen, aber auch weil dort die Luft als gesünder galt.

bild:VillaMaecenasTivoli.jpg
Ausschnitt aus dem historisierenden Ölgemälde
"Villa des Maecenas mit den Wasserfällen in Tivoli"
von Jacob Phillip Hackert

Viele Villen wurden deshalb mit zum Teil hohem technischen Aufwand an Hängen gebaut. Um einen ebenen Baugrund zu erhalten legte man große Terrassen mit steinernem Unterbau an, die als basis villae bezeichnet wurden. Diese Unterbauten konnten bei sehr steilen Hanglagen mehrere Stockwerke hoch sein und enthielten oft Zisternen, Kellergewölbe oder Nebenräume. Auf der so geschaffenen künstlichen Ebene wurde dann das eigentliche Villengebäude errichtet, häufig mit einer davor befindlichen Aussichtsterrasse oder einem Garten. Der Aussicht auf die umliegende Landschaft wurde ohnehin eine große Bedeutung beigemessen und oft war auch die Raumaufteilung einer villa danach ausgerichtet, als schön empfundene Landschaftsausblicke zu ermöglichen.

Ein wichtiger Bestandteil der römischen Villenarchitektur waren außerdem Gartenanlagen, deren Gestaltung stark von hellenistischen Einflüssen geprägt war. Diese Luxusgärten verfolgten das Ziel der grandiosen Inszenierung der Natur und dienten gleichsam dem ästhetischen Genuss, als auch der Repräsentation von Wohlstand und – im besten Fall – Geschmack. Sie wurden von Anfang an gemeinsam mit den baulichen Anlagen geplant und korrespondierten mit diesen. War der hortus (lat. Garten) bei Stadthäusern aufgrund der knappen Platzverhältnisse innerhalb der Stadt oft relativ klein, konnten die Villengärten parkähnliche Ausmaße annehmen und boten viel mehr gestalterischen Raum.
Typisch für die römische Gartenbauarchitektur waren großflächige, lineare Gliederungen mit streng axial zueinander ausgerichteten Wegen, Laubengängen, Säulenhallen, Hecken, Alleen, lang gestreckten Wasserbecken und künstlich angelegte Wasserläufen. Dazu kamen Wildgehege, Volieren und Fischbassins. Die so eingefassten Innenflächen waren entweder mit schlichtem Rasen bedeckt, oder mit dicht stehenden Blumenreihen. Gerne pflanzte man auch Buchsbaum, der dann zu figürlichen Darstellungen oder zu Buchstaben gestutzt wurde, zum Beispiel die Initialien oder sogar der vollständigen Name des Eigentümers. Ein weiteres Element waren griechische Statuen, die in großer Zahl im ganzen Garten aufgestellt wurden. Bei besonders wohlhabenden Villenbesitzern waren vielleicht sogar Originale darunter, bei allen anderen und in der überwiegenden Mehrzahl waren es aber Kopien aus römischer Produktion.

Bei einer so genannten villa suburbana (lat. Vorstadtvilla) handelte es sich ebenfalls um ein Landhaus im Sinne einer oben beschriebenen villa urbana. Der Unterschied bestand lediglich darin, dass eine villa suburbana – wie die Bezeichnung schon ausdrückt – in unmittelbarer Nähe einer Stadt lag, was für die Wahl der Lage gegenüber den landschaftlichen Reizen oder klimatischen Vorzügen in diesen Fällen ausschlaggebend sein konnte.

Eine villa rustica war demgegenüber ein Gutshof, zu dem neben dem Herrenhaus des Eigentümers Unterkünfte für zahlreiche Sklaven und Lohnarbeiter, sowie Wirtschaftsgebäude, wie etwa Scheunen, Ställe Vorratshäuser, Mühlen, Backhäuser, Schmieden, Weinkeltereien oder Ölmühlen gehörten. (Weitere Informationen dazu im Artikel villa rustica)



Literatur:
Stefan Rebenich, Die 101 wichtigsten Fragen – Antike, 2006
Wikipedia

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