[Officium] Kommandantur der Palastwache

  • Alcaeus war von seinem Herrn zur Palastwache geschickt worden, wo er eine Nachricht abgeben sollte, was er nun auch tat.



    Der peregrinus Cadmus Sicanus steht ab jetzt in den Diensten des Marcus Aelius Callidus, procurator a libellis. Der Zugang zur domus Aeliana soll ihm gewährt werden.


    Marcus Aelius Callidus

    Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.

  • Es war ja nicht weit vom Palasttor zur Kommandantur der Palastwache. Valerian führte den zornigen Senator dorthin und klopfte an die Tür, hinter der er seinen Vorgesetzten vermutete. Hoffentlich war dieser auch anwesend und nicht irgendwo im Palast unterwegs.

  • Tatsächlich folgte Durus dem Prätorianer, grüßte hier und da einen bekannten Palastangestellten (dabei staunte er nicht schlecht, als er seinen alten Notarius als Primicerius wiedersah). Aber als er dann vor der Tür stand, erinnerte er sich rasch wieder daran, dass er zornig sein musste.


    Eine Praetorier kamen die meisten einfachen Leute an die Tür entgegen, einem Pontifex erbot man alle Ehre, die man aufbringen konnte! Und er, der täglich einen Dolch in den Senat schleppen konnte, wurde hier durchsucht! Er, der den Kaiser in Sitzungen des Collegium Pontificium ermorden konnte, wenn dieser während seiner Amtszeit überhaupt in Rom gewesen wäre, wurde nun am leeren Palast zurückgewiesen!


    "Ist dein Hauptmann nicht da, oder wie?"


    fragte er giftig.

  • Durus wartete eine Ewigkeit, wie es ihm vorkam und wollte schon eine weitere bissige Bemerkung über die Lippen kommen lassen, als doch das 'Herein!' ertönte und er mit dem Soldaten eintreten konnte.


    "Salve!"


    grüßte er den Offizier knapp.

  • Der Offizier, der hinter seinem Schreibtisch saß, erhob sich, als der Senator eintrat. Innerlich seufzte er bereits, denn man konnte ja erahnen, dass der Tiberier nicht gekommen war, um die Palastwache in irgendeinerweise zu loben:


    Sei gegrüßt. Was kann ich für dich tun?





  • Valerian hatte schon etwas auf die bissige Frage des Senators erwidern wollen, da erklang doch noch ein "Herein" aus dem officium. Gemeinsam mit dem Tiberier trat er ein und salutierte zackig vor dem Centurio, der ihm unbekannt war. "Salve, Centurio. Senator Tiberius ist sehr ungehalten über die Notwendigkeit einer kurzen Durchsuchung nach Waffen und wünscht, ohne eine solche den Palast betreten zu dürfen." In Diplomatie war Valerian wahrhaftig nicht bewandert. Doch er fand, er hatte sich gar nicht schlecht ausgedrückt. Und damit war vor allen Dingen die Last von seinen Schultern genommen. Die Entscheidung lag beim Centurio.

  • Durus war der Meinung, dass seine Position von dem Prätorianer unzureichend, genaugenommen sogar gänzlich unpassend zusammengefasst worden war. Aus dessen Sicht schien es ja wirklich so zu sein, aber mit seiner Sicht hatte das nur wenig zu tun.


    "Um es zu konkretisieren: Ich halte es für nicht angemessen, beim Besuch des Palastes von einem Prätorianer durchsucht zu werden in Anbetracht der Tatsache, dass ich mich hochgradig um das Wohl des Staates im Allgemeinen und das des Imperator Caesar Augustus im Besonderen verdient gemacht habe und es als entwürdigend betrachte, unter diesen Umständen von einem Prätorianer durchsucht zu werden, als wäre ich ein potentieller Mörder."


    erklärte er daher. Er bemühte sich, ruhig und bestimmt zu klingen, doch ein ärgerlicher Unterton ließ sich dennoch nicht verbergen.

  • Der Centurio wollte schon direkt nach der Zusammenfassung des Soldaten zu Sprechen beginnen, doch war der Senator schneller. Auch diesem hörte er dann aufmerksam zu und nickte ab und an, wenn er es für passend erachtete.


    Ich kann deinen Ärger teilweise nachvollziehen, Senator, doch ändert dieser Ärger nichts an unseren Vorschriften. Diese sind in dieser Hinsicht doch eindeutig und somit muss ich dem Wachsoldaten recht geben: ein jeder Besucher des Palastes muss durchsucht werden. Es gibt bei dieser Vorschrift im Prinzip keine Ausnahmen, sodass ich auch keine bei dir machen kann - so Leid es mir auch tut.







  • "Ich wurde noch nie vor dem Palast durchsucht! Wieso bringt man mir also jetzt plötzlich kein Vertrauen mehr entgegen?"


    Man konnte sehen, dass dieses Misstrauen ihn tatsächlich kränkte. Insbesondere jedoch diese Prinzipienreiterei dieser Soldaten, die wahrscheinlich beiweitem kürzer im Dienst der Kaiser standen als er.

  • Diese Regelung hat nichts speziell mit dir zu tun. Ich weiß zwar nicht, wann du sonst immer im Palast warst, aber entweder gabs dort diese allgemeine Regelung noch nicht oder aber es lag ein Fehlverhalten der Wachposten vor.
    Wie auch immer, heute musst du wohl gestatten, dass man dich kurz kontrolliert, ehe du eintreten darfst.



    Der Centurio blieb weiterhin gelassen. Er hatte seine Befehle, die waren eindeutig, da gab es für ihn auch keine Diskussion.






  • "Ich habe hier lange Zeit als Procurator a cognitionibus gearbeitet - damals wäre ich wohl sehr viel wahrscheinlicher eine Gefahr gewesen, zumal damals auch der Kaiser selbst im Palast zugegen war. Und dann betrachtet man mich mit derartigem Misstrauen, schützt den Palast schärfer als mit Kaiser? Wer hat diese Neuerung denn eingeführt und seit wann ist sie in Kraft?"


    fragte er. Vielleicht konnte er ja einfach eine Station weitergehen! Sicherheitshalber betonte er seine Kampfbereitschaft durch das Verschränken der Arme.

  • 'Was weiß ich denn von wem diese Order kam. Ist mir im Prinzip auch schnurzpiepsegal! Da regt sich ein gewesener Prätor über Sachen auf, die selbst die amtierende Consule mitgemacht haben. Der Mann hatte definitiv zu viel Zeit.' dachte sich der Centurio zwar etwas geärgert, doch blieb seine Stimme und seine Mimik weiterhin gelassen und freundlich:


    Diese Neuerung ist gar nicht so neu, sondern wurde schon vor einer gewissen Weile - wahrscheinlich vom Praefectus Praetorio selbst - erlassen.





  • Durus' Blick streifte das Fenster. Die Zeit verging viel zu schnell, die Senatssitzung hatte sicherlich bereits angefangen. Und er stand hier in diesem Officium und ließ sich von einem eingebildeten Offizier sagen, dass man ihm nicht trauen könnte!


    "Dann war es ein voreilig erteilter Befehl. Werden eigentlich die Praetorianer kontrolliert, wenn sie ihren Dienst am Palast antreten? Es ist völlig absurd, einen Senator, der vom Imperator Caesar Augustus zu einem solchen gemacht wurde, zu überprüfen, während ein Praetorianer, der wahrscheinlich von irgendeinem beliebigen Offizier ernannt wird, mit voller Bewaffnung in den Palast gelangt.


    Ich verlange, dass mein Protest dem zuständigen Befehlsgeber mitgeteilt wird. Ich betrachte dieses Vorgehen als Misstrauen gegenüber meiner Person, das mich zutiefst kränkt. Nur aus dem Grund, dass der Senat zu einer wichtigen Sitzung hier her berufen wurde, beuge ich mich heute dem Befehl."


    erwiderte er, wobei diesmal geradezu vor Zorn sprühte. Dann riss er seine Toga herunter - eine Tat, die er wenige Augenblicke danach bereute.


    "Muss ich die Tunica auch ablegen?"


    fragte er mit bösartigem Unterton. Dann kam ihm, dass er ja jetzt zu einer Senatssitzung musste und größte Schwierigkeiten haben würde, seine Toga wieder einigermaßen in Form zu bringen.

  • Noch ehe der recht junge Centurio den Göttern für die Einsicht des Senators danken konnte, riss sich dieser völlig überraschend die Toga vom Leib. Erstaunt, ja beinahe geschockt sah der Centurio den Senator an. Was hatte sich denn dieser unter dieser Untersuchung vorgestellt?


    Natürlich nicht, Senator! Es wäre auch nicht nötig gewesen, dass du deine Toga... ehm ablegst. der Centurio war peinlich berührt und wollte die Sache jetzt schnellst möglich beenden:


    Ich denke, ich habe mich eben selbst davon überzeugen können, dass nichts dagegen spricht, wenn du den Palast betrittst. Ich denke du könntest beim Wiederanlegen der Toga etwas Hilfe gebrauchen?


    Soldat, hole einen Palastdiener, der dem Senator unter die Arme greift.




  • Fassungslos hatte Valerian mit angesehen, wie der Senator sich die Toga herunterriß. Daß diese Adligen immer solch ein unglaubliches Theater aus allem machen mußten! Er wäre einfach kurz abgeklopft worden, das war alles. Und nun tat er so, als müßte er sich vollständig entkleiden. Politiker eben.


    "Jawohl, Centurio", erwiderte Valerian zackig, salutierte und eilte dann davon, um einen dieser Diener aufzutreiben. Das war zum Glück nicht weiter schwer. Und natürlich dachte Valerian auch daran ihn zu fragen, ob er sich überhaupt damit auskannte, eine Toga anständig anzulegen. Daß der Diener auf diese Frage hin ziemlich pikiert reagierte, störte Valerian dabei weniger.


    Nur wenige Minuten dauerte es, bis er mit dem Diener wieder in der Kommandantur anlangte und nach kurzem Anklopfen wieder eintrat. "Der Palastdiener, Centurio", meldete er ordnungsgemäß und trat dann wieder zurück und nahm Haltung an.


    Der Diener dagegen nahm sich sogleich der am Boden liegenden Toga an und ordnete sie mit geübten Handgriffen zunächst sorgfältig auf seinem Arm, bevor er damit an den Senator herantrat. "Wenn Du erlaubst, Senator?", sagte er respektvoll und wartete höflich, bis der Tiberier ihm die Erlaubnis erteilte, ihm die Toga anlegen zu dürfen.

  • "Naja, dann hätte sie auch nichts gebracht."


    Ein wenig zufrieden stellte Durus fest, dass die Praetorianer von seiner Reaktion ziemlich beeindruckt waren. Vielleicht verstanden sie jetzt etwas besser, was diese Behandlung für ihn bedeutete. Weiter besänftigend wirkte auf ihn, dass der Centurio sofort einen Palast-Diener herbestellen ließ.


    Dennoch dachte er nicht daran, jetzt klein beizugeben und freundlich zu werden. Er verschränkte erneut die Arme und schwieg den Offizier an, bis der Palastdiener eintrat. Ein wenig mürrisch meinte er


    "Ja."


    und ließ sich von dem Diener in die Toga helfen. Zumindest würde er jetzt nicht unordentlich in die Sitzung kommen. Es dauerte aber dafür eine ganze Weile, bis die Toga wieder so saß, wie sie sitzen sollte. Dann sprach der Tiberier endlich wieder ein paar Worte.


    "Vergesst die Beschwerde nicht! Valete!"


    Damit rauschte er hinaus und in den benannten Saal, in dem die Sitzung stattfand.

  • Als sich der Senator endlich umdrehte und das Officium wieder verließ, konnte der Centurio nur mit dem Kopfschütteln. Das würde ein lustiger Bericht werden... als der Senator das Officium verlassen hatte - er wurde dabei von einem Miles begleitet - und außer Hörweite war, wandte sich der Centurio an den Miles Quintilius:


    Der Senator wird auch in Zukunft wie ein jeder anderer Besucher durchsucht. Gib das an deine Kameraden weiter. Wegtreten.



  • Valerian mußte sich schwer zusammenreißen, um nicht ebenfalls mit dem Kopf zu schütteln, nachdem der Senator mit einem Kameraden den Raum verlassen hatte. Unglaublich. Wenn er das später den anderen erzählte, würden sie es bestimmt kaum glauben.


    "Zu Befehl, Centurio", erwiderte Valerian und fand das nur richtig. Das wäre ja noch schöner, Extrawürste zu braten. Wenn sie einen Senator damit durchkommen ließen, würden es alle wollen. Schließlich behaupteten ja alle, dem Kaiser treu zu sein und nur das Wohl des Staates im Auge zu haben. Doch aus welcher Bevölkerungsschicht kamen schließlich für gewöhnlich die Verschwörer und Attentäter? Mochte ja sein, daß der Tiberier wirklich treu und zuverlässig war. Doch wenn man ihm die Durchsuchung erließ, würden andere auch Anspruch darauf erheben. Und die waren vielleicht nicht so treu und zuverlässig.


    Nachdem Valerian salutiert hatte, verließ er das Officium, um sich wieder auf seinen Posten zu begeben. Was für ein erster Tag!

  • Decius saß im Officium der Palastwache, wo er nun Dienst zu schieben hatte. Es galt, einige Dinge zu regeln, und er musste sich üebrlegen wie er seinen Auftrag am sinnvollsten umsetzen wollte.


    Dazu hatte er zunächst einmal die vertrauenswürdigsten Milites seiner Centurie zusammen gerufen, und diese waren nun im Officium versammelt um sich von ihm instruieren zu lassen. Er gab ihnen eine knappe Zusammenfassung über die anstehende Angelegenheit, gerade genau so viel wie sie zur Erfüllung ihrer BEfehele wissen mussten, aber zu wenig als dass sie damit Schaden würden anrichten können. Auch wenn er davon überzeugt war dass sie das nie tun würden; Die Männer waren ihm absolut loyal ergeben.


    nachdem er die Anweisungen erteilt hatte, stellte er ihnen den speziellen Wachplan vor, instruierte sie und ließ sie wegtreten.

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