[TABLINIUM] Virgo Vestalis Maxima Aquilia Flavia Agrippina

  • Ich stutze, als ich ein Klopfen an der Türe zum Atrium Vestae hörte. Ich erhob mich aus dem Korbsessel, verliess mein Tablinium um nachzusehen, wer wohl nach mir suchen möge.


    Vor der Pforte stand eine junge Frau, die ich nach kurzem Nachdenken als meine Schwester Flavia Minervina erkannte. Wir hatten uns nicht viel mehr als zwei mal in unserem Leben gesehen.


    Salve Minervina!


    Rief ich mit Freude und wir fielen einander um den Hals.


    Sag, was führt dich hierher?

  • Na das war mal eine herzliche Begrüßung... so viel Freundlichkeit war sie garnicht gewohnt...


    Natürlich führst du mich hierher... ich bin schon seit längerem in Rom und frevelhafterweise finde ich erst jetzt die Zeit, dich zu besuchen.


    Sie betrachtete ihre ältere Schwester. Auch Minervina hatte Mühe sich zu erinnern, da sie noch sehr klein war, als Agrippina nach Rom musste.

  • Ich lächelte meien "kleine" Schwester an.


    Das verzeihe ich dir, keine Angst! Ich weiss es, was es heisst, keine Zeit für etwas zu haben, was man noch so gerne tun würde.


    Komm herein, ich werde gleich noch in der Küche etwas kleines zu Essen holen.




    Dannach begeleitete ich Minervina ins Tablinium. Wir setzten uns auf die Korbstühle. Ich stellte die Platte mit den kleinen Leckerein auf den Tisch und holte die schöne Silberkanne mit zwei Bechern aus dem Gestell an der Wand, goss Wasser ein und reichte Minervina einen der Becher.


    Auf die Platte weisend sagte ich:


    Bitte bediene dich.

  • Sie nahm ein Stück Brot und einen Schluck Wasser. Irgentwie war es eigentartig ihrer Schwester gegenüberzusitzen... aber einerseits auch ein gutes...


    Nein ich hätte früher kommen sollen... das war nicht in Ordnung... es tut mir Leid..


    fragend blickte sie Agrippina an


    Virgo Vestalis also... wahnsinn

  • Ich bemerkte Minervinas Unruhe.


    Du musst dich auf keinen Fall schuldig fühlen!
    Ich freue mich, dass du überhaupt kommst! Weisst du, von allen anderen Geschwistern und Verwandten ausser von dir und Gracchus habe ich seit meinem Eintritt in den Ordo vestalis nie mehr wieder etwas gehört.


    Es scheint mir manchmal, als wäre ich für sie gestorben...


    Aber lass uns über schönere Dinge reden, was hast du denn alles erlebt, seit wir als kleine Mädchen zusammen im Atrium der Villa Flavia gespielt hatten?

  • Dankend sah sie ihre Schwester an...


    Nun ja du weisst, ich war eigentlich nur mehr in Ägyptus in Alexandria ... unsere Mutter besuchte mich oft und dort bekam ich auch Ausbildung ... das übliche...


    aber Minervina lag etwas ganz anderes am Herzen...


    Agrippina... kann ich dich etwas fragen? kann ich mich dir anvertrauen?


    Schwester und Vestalin in einer Person... sie hoffte auf ein offenes Gehör

  • Ich war etwas erstaunt, als Minervina mich das so offen fragte, aber ich schenkte ihr gerne Gehör und sagte deshalb freundlich:


    Aber bestimmt kannst du dich mir anvertrauen, was belastet deine junge Seele?

  • Nachdem sie ein wenig schüchtern versucht hatte die richtigen Worte zu finden, aber nur ein wenig herumstammelte..


    Also wie schon gesagt, ich sage dir das im Vertrauen, und hoffe, dass du es niemandem, wirklich niemandem erzählst...


    Noch einmal nahm sie einen Schluck Wasser..


    Ich habe vor längere Zeit nach Spanien zu gehen...


    Nur die Frage ist, wie sage ich das Gracchus und noch besser, welche Grund kann ich ihm nennen, der nicht zu weit von der Wahrheit entfernt liegt...


    Sie hoffte, dass Agrippina den wink verstand... natürlich ging es um einen Mann...

  • Ich hörte Minervina erst einmal zu. Dann sagte ich ruhig.


    Wenn ich dich richtig verstanden habe, fürchtest du dich davor, dein Bruder Flavius Gracchus könnte dir deine Reise nach Spanien verbieten, wenn er wüsste, dass du wegen einem Mann losziehst?


    Da ich im Atrium Vestae etwas in Abgeschiedeneit lebte, wusste ich nicht mehr genau Bescheid über die häuslichen Verhältisse der Flavier. Lange war es her, seit ich noch im Schutze meiner Familie gelebt hatte. Gracchus hatte ich seit damals erst einmal wieder gesehen und ich kannte ihn als Mensch eingentlich gar nicht. Seine Persönlichkeit konnte ich kaum einschätzen, obwohl er früher ein sehr herzliche Bruder gewesen war.

  • Minervina, die Augen weit aufgerissen, nickte nur.


    Nun ja, er weiss ja dass ich nach Spanien gehe und er ist zwar nicht erfreut, aber er versteht mich... Aber er weiss nicht, dass es wegen einem Mann ist und ehrlich gesagt bin ich selber schuld, da ich es ein wenig anders ausgedrückt habe.


    Sie blickte zu Boden.


    Ehrlich gesagt habe ich einen Mann mit keinem Wort erwähnt und nur gesagt, dass ich noch nie in Hispania war und dort einmal hinreisen möchte und das bevor ich eine Ehe eingehe!


    Ganz aufgeregt blickte sie wieder auf und aus ihrem Flüstern wurde ein wenig mehr...


    Was soll ich nur tun, ich habe ihn angelogen? Ich will keinen Schaden anrichten, ich will niemanden verletzen!


    Sie wusste zwar, dass es falsch gewesen war, aber was sollte sie machen? Es brannte ihr am Herzen. Und Schwestern sind doch dazu da, sich in schwierigen Zeiten zu helfen, auch wenn sie mit ihrer nicht so ein verhältnis hatte, wie sie es wohl gerne hätte. Aber das wird schon noch... das wird schon noch...

  • Sie sah ihre Schwester schief an


    Also wenn du das zeitliche meinst, dann nur ein paar Wochen vielleicht.


    wenn du aber das andere meinst.. du weisst schon...


    ihre Augen wurden groß


    Niemals würde ich so etwas vor der Ehe tun!!! Das würde die Ehre unseres Gens und all meiner Liebsten verletzen..


    Irgentwie konnte sie sich schon denken, was Agrippina ihr sagen würde.


    Nein, wegen irgentwem, den du garnicht lange kennst, kannst du nicht weggehen, usw usf


    Es ist ja auch nicht so, dass ich ihn sofort heiraten will oder so... ich würde ihn nur gerne näher kennenlernen...


    Ihr Blick neigte sich zu Boden.

  • Nun, um ehrlich zu sein, fürchte ich, wirst du früher oder später nicht darum herum kommen, Gracchus über alles zu informieren. Ich denke aber auch, dass er, im Falle, dass es sich zu einer ernsteren Angelegenheit entwickelt, gegen eine Ehe wahrscheinlich nichts einwenden würde.


    Was Hispania angeht, so bin ich der Meinung, dass du dies für dich alleine entscheiden musst. Fragst du mich aber nach einem Rat, so würde ich sagen, kannst du dir mit einer längeren Verheimlichung durchaus gravierende Nachteile einheimsen.

  • Sie hörte zu nickte und war durchaus erstaund, dachte sie doch immer, dass ihre schwester ein wenig in ihrer eigenen Welt lebte, war sie nun eines Besseren belehrt worden.


    Ich denke schon, dass Gracchus etwas dagegen hätte, da es ein Plebejer ist. Zwar ein Reicher und Einflussreicher, aber Gracchus mag ihn nicht.


    Irgentwie hab ich das ja schon erfragt, nur so, dass er es nicht merkt.


    Minervina schnaufte. Wenn dieser besagte Mann ein Patrizier wäre, wäre alles so viel einfacher.


    Du meinst also, dass ich Gracchus die Wahrheit sagen soll? Oder sollte ich besser nach Spanien, dann sehen was passiert und bevor wirklich gravierende Dinge geschehen zu Gracchus und ihm alles erzählen?


    Nun war sie wirklich verzweifelt... der Tag der Abreise rückte näher..

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