Klientelgespräch mit ungeplanten Wendungen

  • Kurzzeitig senkte ich meinen Teller.


    „Zunächst ... ich möchte alle deine Anliegen kennenlernen. Nichts ist für mich so existentiell, wie Offenheit. Also sprich dich aus und halte nichts zurück.“


    Nun ließ ich die Augen entscheiden, welches Köstlichkeit als nächstes verprobt werden sollte. Währendessen ging mir Metellus’ Anliegen durch den Kopf.


    „Diese, deine Reaktion auf die Wahlniederlage deines Vaters halte ich für gut. Der politische Weg steht allen offen. Ich habe erfahren, dass du den Einführungskurs an der Schola mit Auszeichnung bestanden hast und du bist ein agiler Mensch. Fast bin ich mir sicher, dass du erfolgreich sein wirst. Ich werde dich auf diesem Weg unterstützen, denn du hast zudem die richtige politische Ausrichtung. Es liegt in meinem und dem Interesse meiner Familie allgemein, die konservativen Kräfte zu stärken. Du wirst den einen oder anderen Rat und etwas Startgeld brauchen.


    Zunächst den Rat. Normalerweise ist sehr schwer, mit einem kleinen militärischen Rang erfolgreich eine Wahl zu absolvieren. Das mindeste, was ich als Voraussetzung erachte, ist ein Optiorang. Hinzu kommt der Bekanntheitsgrad eines Kandidaten und die Sympathien, die er beim Volk genießt. Arbeite an all diesen Dingen, dann wird es dir womöglich schon zur nächsten Wahlperiode vergönnt sein, als Kandidat auf die Rostra zu treten.“


    Während einer Redepause ließ ich mir noch ein paar Happen nachlegen.


    „Bildung ist gut und richtig. Obwohl du für die Kandidatur zu einem Quaestorenamt keinen weiterführenden Kurs brauchst, kannst du natürlich aktiv die nächsten zwei Monate nutzen. Melde dich in der Schola an, bei den Kosten werde ich dir behilflich sein, und belege einen oder gern auch mehrere Kurse. Es macht sich gut im Lebenslauf, wenn einige bestandene Prüfungen vorzeigbar sind.“


    Mein Saft ging zur Neige. Ein Blick meinerseits reichte und eine Sklavin füllte den Becher auf.

  • Während der Klient seiner Patronin aufmerksam zuhörte, nahm er, ihren Worten weiterhin sämtliche Aufmerksamkeit schenkend, von den köstlichen Rindfleischhäppchen ;) Ein ganz wenig schmeckte es nach Geflügel, doch mochte er sich täuschen.


    Gerne hätte er sich nun schon dazu geäußert, doch wollte Deandra erst seine weiteren Gedanken hören.

    Da ich erst seit kurzer Zeit in Rom bin, lerne ich täglich neue Menschen kennen. Leider sind nicht alle so wie Du, Deandra. Viele tragen freundliche Masken und haben den Dolch doch schon hinterm Rücken versteckt. Erlaube mir, wenn ich mir mit dem Urteil nicht sicher bin, Dich zu befragen, wem man trauen kann....wem nicht. Auch will ich Dir berichten, was meine Planungen, ich schrieb ja oft schon darüber, angeht.


    Metellus befürchtete bisweilen, sie mit seinen Ideen und kleinen Geschäften auf das TÖDLICHSTE zu langweilen. Bevor er fortfuhr, wollte er Deandra eine Möglichkeit geben, sich zu äußern. Auch hatte er so Zeit gewonnen, um noch einen Becher Wein zu sich zu nehmen. Die Sklavin füllte ihn auch gleich so weit ein, wie er es mochte

  • Als sich Metellus von dem Fleisch nahm, sagte ich schmunzelnd: "Das sind drei Sorten exotisches Fleisch. Glaubst du, sie zu erkennen?"


    Während ich ein zartes Röschen verspeiste, hörte ich seinen Ausführungen zu. Zustimmend nickte ich zu seinen Worten.


    „Du kannst dich glücklich schätzen, wenn du den Dolch dieser Menschen beizeiten erkennst. Manch einer versteht es gut, sich über lange Monate zu tarnen. Gern will ich dir meine Erfahrungen weitergeben, wenn du mich nach bestimmten Personen befragst.


    Immer zu, ich habe ein offenes Ohr für deine Planungen und deine Fragen.“


    Mit einem freundlichen Nicken forderte ich meinen Besucher auf, loszulegen. Vorsorglich ließ ich mich mit allerlei Früchten eindecken.

  • Drei Sorten exotisches Fleisch? Metellus schaute auf seinen Teller, dann auf die Platte. Also würde es wohl kein Rind sein...hmmmm.....jetzt musste eine diplomatische Antwort her, hatte Metellus doch so gar keine Ahnung.


    Ah, Deandra, Du willst meinen Gaumen prüfen? Nun, denn. Es sind erlesene köstlichkeiten, die von weit her kommen. Sie kommen ursprünglich aus der Provinz Africa, aber werden teils auch schon im Herzen des Imperiums gezüchtet...zumindest wird es probiert. Denn diese kleinen Tiere sind wir Frauen.. Zart und nicht ganz pflegeleicht. Deshalb wohl sind sie auch so begehrt


    Er hatte keine Ahnung, ob sie wirklich aus Africa kamen, aber das Land war ja schon exotisch genug, also war die Chance eines Treffers gegeben.


    Eine Bitte dringender Natur hätte ich. Du kennst meine Bekannte Lydia. Ihr hattet euch in Germanien getroffen. Sie schwärmt noch jetzt von der Begegnung mit Dir :)
    Sie hat kürzlich eine Schneiderei eröffnet. Es ist alles bezahlt, die Rohstoffe und die Mieten. Nur ein geringer Betrag fehlt für die laufende Produktion. Könntest Du Ihr diesen betrag leihen? Sie ist fleißig und wird ihn schnell begleichen. Dafür will ich bürgen


    Sim-Off:

    Schicke PN

  • “Weil du als ihr Bittsteller kommst, will ich gern dafür einspringen.“


    Ohne Verzögerung ließ ich einen der Haussklaven kommen. Ich wies ihn an, mit dem von mir erhaltenen Geld unverzüglich das Geschäft der Lydia aufzusuchen, sich die Summe nennen zu lassen und ihr den fehlenden Betrag aufgerundet auszuhändigen. Anschließend widmete ich mich wieder der amüsanten Frage, welche Fleischsorten verkosten wir eigentlich?


    „Von weit her kommen diese Köstlichkeiten in der Tat. Allerdings wo sie herkommen, darum kümmere ich mich nicht. Auch möchte ich die Tiere niemals lebend sehen, denn dann könnte ich sie nicht mehr verspeisen. Zart und nicht ganz pflegeleicht? Das könnte auf diese Geschöpfe und gleichzeitig auf mich zutreffen.“


    Ein Nicken bekräftige die mit schmunzelndem Ausdruck vorgebrachte Aussage.


    „Es handelt sich um Flamingo- Papageien- und Straußenfleisch, Metellus.“


    Eine Frage tauchte soeben auf.


    „Warum sind Frauen denn in deinen Augen begehrt, wenn du sie doch gleichzeitig als nicht ganz pflegeleicht bezeichnest?“

  • Metellus Augen wurden groß und größer....Fla.......Pa......Stra.....mingofleisch????? Er versuchte seine Irritation zu verbergen und wollte eigentlich seinen Teller dezent zur Seite schieben. Er tat es aber nicht. Zwar schmeckte es ihm köstlich, nur die Vorstellung, einen Strauß zu verspeisen, das behagte ihm dann doch nicht. Von dem Papageien wollen wir gar nicht erst reden....Tüdelüüü.... In jedem Fall war es ein sehr anregender Abend.


    :)


    Als Metellus sah, wie mit einem Wort Deandras alle Probleme seiner Bekannten gelöst waren, da viel ihm erneut ein Stein vom Herzen, und er nickte ihr dankend zu.


    Ich danke Dir für Deine Großzügigkeit. Es wird schwer für mich werden, Dir gebührend zu danken =)


    Warum ihr so begehrt seid, obwohl es manchmal schwierig ist, Euch gerecht zu werden? Nun, Ich glaube mal, weil die positiven Augenblicke überwiegen. Euch Frauen wirklich zu verstehen, das schafft wohl kaum ein Mann. Aber wir bemühen uns, zu ERAHNEN, wie ihr "funktioniert". Naja, und wenn es uns dann einmal gelingt, dann ist es ein so schön bestätigendes Gefühl für uns. ;)
    Außerdem, ohne Euch Frauen würde uns doch etwas fehlen. Wir würden wohl in Höhlen wohnen, mit Knochen auf dem Boden. Ihr bringt so etwas Lebenswertes in unser Dasein. Da verzeihen wir Euch auch so manche Eigenart.

    Ein deutliches Augenzwinkern des Metellus sollte diese kleine Spitze deutllich abmildern.


    Und? Fällt Dir noch etwas "nettes" zu uns Männern ein?
    Diese Vorlage wollte Metellus der Deandra geben. Für den Fall einer wohl plazierten Spitze, nahm er sich vorsorglich seinen Becher zur Hand und lehnte sich gemütlich zurück.

  • „Ein verlässlicher Freund, der die selben Feinde bekämpft und die gleichen Freundschaften pflegt, ist Dank genug. Mit geistreichen und amüsanten Gesprächen kann man mich zudem immer wieder begeistern. Du merkst, es sind immaterielle Dinge, die mir von Wichtigkeit sind.“


    Während des Verzehrs eines zarten Filetstückens lauschte ich interessiert seinen Ausführungen, warum nun Frauen für Männer trotz ihrer Unzulänglichkeiten begehrlich sind. Das Kauen war schwierig, denn ich musste zwischendurch lachen.
    Dann jedoch lieferte mir Metellus eine Steilvorlage. :) Ich stockte im Kauen, beeilte mich dann aber, hastig das Fleisch hinunterzuschlucken.


    „Ob mir was „Nettes“ zu euch Männern einfällt? Na, aber sicher doch.“
    Ein helles Lachen erklang. Ich ließ mir ein neues Glas Zitrussaft einschenken und setzte mich bequem hin.


    „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es große Unterschiede innerhalb der Spezies „Mann“ gibt. In welche Richtung du tendierst, weiß ich noch nicht zu sagen. Aaaalsooo, es gibt den durchaus weichen Typ ... Er wäre praktisch für die gefühlvolle Frau, aber nein, sie schaut lieber nach den harten Kerlen. Solchen, die wenig reden, ihre Gefühle mustergültig unter Verschluss halten und es als Schwäche ansehen, sich etwas von einer Frau sagen zu lassen. Solche, für die man eine Bedienungsanleitung braucht.


    Und dann habe ich noch eine wunderbare Theorie. Mehr oder weniger ist der Mann von heute noch immer in seiner Höhle angesiedelt. Er sitzt stumm vor seinem Lagerfeuer oder geht als Einzelkämpfer auf die Jagd. Gefühle kann man dabei nicht gebrauchen, also werden sie selten zugelassen. Er liebt die Freiheit, das unabhängige Leben, und sollte einmal eine Frau in selbiges treten, muss sie lernen zu verstehen, dass ein echter Mann nicht über Gefühle spricht. Dergleichen kann man ohnehin nicht in Worte fassen, schlimm genug, dass es einem wiederfährt.“ ;)


    Ich amüsierte mich köstlich. Hoffentlich würde sich Metellus den Anflug an Spott nicht zu Herzen nehmen! Was für ein Gespräch überhaupt! Wollten wir nicht ausschließlich über das Klientelverhältnis sprechen?

  • Indess hatte Metellus der Sklavin die Karaffe abgenommen. Es ging schneller, würde er sich selber bedienen. Er trank gerade einen Schluck, als Deandra ihre "Breitseite" abgeschossen hatte, und er musste prusten, weil er sich vor Lachen verschluckt hatte. Er liebte diesen Humor. Natürlich war er sich bewusst, das er nur hier, außerhalb der Öffentlichkeit , so mit Deandra reden könnte. Auf dem Forum hätte er sich der Etikette...und Deandra zu beugen. Zum Glück waren sie aber nicht auf dem Forum:)


    Gerade als er zu einem Konter ansetzen wollte, da fiel ihm etwas an Deandra auf. Ihm fielen immer Dinge auf, die anderen verborgen blieben. Stünden auf dem Forum einhundert Bürger, und würden sie alle nach rechts schauen - bis auf einen! Diesen EINEN würde Metellus wahrnehmen. Bei Deandra fielen ihm die nagelneuen Schuhe auf. "Ja, sicher doch. Sie war Patrizier. Sie hatte sicherlich für jeden Tag drei Paar Schuhe und eine Sklavin extra, die diese nach Farben sortierte. Niemals würde sie ein Paar so lange tragen, bis sie Falten hätten" :D
    Er hoffte inständig, Deandra hätte diesen Blick auf ihre Schuhe nicht wahrgenommen.



    Verehrte Deandra, Deine Theorie gefällt mir, denn, ich muss gestehen, sie ist gar nicht so abwegig. Ja, wir Männer lieben es, den einsamen Fels in der Brandung zu spielen. Diese Rolle ist maßgeschneidert für uns. Wir sind die breite Schulter die Halt gibt, und wir sind stets wachsam auf Alles, was um uns herum geschieht. Selbst dann, wenn ein Mann herzensgut und weich, vielleicht sogar schwach ist, dann wird er diese Rolle spielen wollen. Es sei denn, er ist unendlich weise und schert sich einen Dreck darum.


    Nebenbei bemerkt: Metellus liebte Lagerfeuer...aber keine Knochen auf dem Fußboden. Seine Pritsche in der Kaserne war immer picobello, wie der Lateiner sagt.


    Aber, sind es nicht die Frauen, die sich immer wider klammernd an den Mann werfen. Möge er doch dieses tun...oder jenes. "Komm nicht so spät zurück, und trinke nicht so viel Wein." Sind das nicht die Worte einer durchschnittlichen Frau?


    Mit frech funkelnden Augen betrachtete er Deandra, währen er einen kräftigen Schluck aus dem Becher nahm. Wusste er doch, das sie nicht durchschnittlich war. Aber er liebte solche Zwiegespräche.


    Doch in einem Punkt, da irrst Du Dich. Wir können wohl Gefühle zeigen....nur nie zum rechten Zeitpunkt. Wir können sogar weinen. Allerdings nur im stillen Kämmerlein. Wir können auch unser Leid klagen. Doch nicht bei unserer Frau, nur bei unserem besten Freund...und am Besten, wenn wir Wein getrunken haben

    Sim-Off:


    Würde meine Umschalttaste nicht so spinnen, dann müsste ich den Text auch nicht so oft editieren.....ich liebe das 21. Jahrhundert

  • Metellus prustete den Wein quer durch den Raum. War der etwa schlecht? Ich ließ mir die Amphore reichen und roch hinein. Nun, in meiner Nase roch jeder Wein wie verdorbener Saft, aber offenbar schmeckte das den Männern. Dann müssen es wohl meine Worte gewesen sein, die verkehrt waren. ;) Ich stellte die Amphore ab und hatte nichts von seinen Blicken auf meine feinen Schuhe mit der Mondsichel gemerkt.


    „Nun, ich gebe zu, solch einen „weisen“ Mann, der nie als Fels in der Brandung steht oder seine Schulter anbietet, würde ich nicht attraktiv finden. Das ist ja gerade das Paradoxe an den Frauen, dass sie das anzieht, womit sie im Grunde nicht umgehen können. Deswegen starten viele von ihnen nach ihrer Eroberung eine Umformungsaktion bei ihrem Liebsten. Hat sie ihn dann umgekrempelt, stellt sie plötzlich fest, dass er unattraktiv geworden ist.“


    Ratlos zuckte ich mit der Schulter. Warum das so war, wussten nur die Götter.


    „Du siehst, ich kann auch über Frauen lästern.“


    Grübelnd nahm ich mehrere kleine Schlucke. Ein neuer Gedanke braute sich in meinem Kopf zusammen und es fiel mir immer so schwer, mein Mundwerk zu halten. Da Metellus und ich schon jede Grenzen der angemessenen Konversation gebrochen hatten, machte diese Zugabe nun auch nichts mehr. Ich blickte auf und sah mich um. Vorsorglich schickte ich alle Sklaven bis auf Assindius nach draußen. Auf dessen Aufmerksamkeit wartete ich noch immer. Schon vor Minuten wollte ich ihm etwas sagen. Nun auch egal, ich blickte Metellus an.


    „Du sagst Frauen klammern. Das stimmt und genauso bekannt ist, dass Männer das nicht mögen. Worüber sich Mann aber nie Gedanken macht, ist das damit in unmittelbarem Zusammenhang stehende körperliche Begehren der Frau.“ Meine Stimme war gesenkt. Das war kein Thema für normale Lautstärke. Schon Mutter verriet mir diese Weisheiten im Flüsterton. :) „Du wirst sicher bestätigen, dass dies wiederum sehr gern angenommen wird. ;) Wisse – eine klammernde Frau begehrt ihren Mann mit Haut und Haar. Je unabhängiger sie werden soll oder ist, desto mehr richtet sich ihre Aufmerksamkeit auf anderes und damit fort von ihrem Mann. Will Mann nach der Jagd seinen Stress loswerden, sagt die klammernde Frau: sehr gern. Ich warte schon sehnsüchtig den ganzen Tag. :) Die unabhängige Frau meint hingegen ohne aufzublicken: Momentan passt es schlecht. Komm morgen wieder.“ :D

  • Nachdem Metellus ein wenig prusten musste, da schaute Deandra quer durch den gesamten Raum, danach schnupperte sie an der Weinkaraffe. Er konnte sich das nur so erklären, das es irgendeine Patrizier-Eigenart war. So, wie das Abspreitzen des kleinen Fingers beim Trinken. Instinktiv fasste sich der Vigilus an den Mund. Sollte er etwa Wein durch den Raum geprustet haben? Nein, der Mund war trocken. Dezent schaute er auf den Boden und die Wände, nichts viel ihm auf.....jedenfalls meinte er es.


    Nachdem die sklavinnen den Raum verließen und nur noch Assindius irgendwo hinter ihm stand, da war er gespannt gewesen, was passieren würde...er hatte Phantasie, sehr viel Phantasie ;)


    Aurelia, Du bist eine Meisterin des Wortes. Du verstehst, sie so geschickt einzusetzen, das ich fast Deiner Meinung sein möchte. Und so ganz unrecht hast Du ja auch gar nicht.


    Das mit dem körperlichen Kontakt klang plausibel. Es war schon unangenehm, wenn man seinen Stress nicht abbauen könnte :D


    Doch in einem Punkt, da willst Du mich mit Deinen spitzen Worten in die Falle locken. Du sagst, wenn wir Euch unabhängig haben wollen, dann sind wir schuld, wenn Ihr woanders Ausschau haltet. Das habe ich doch richtig verstanden?


    Er legte eine kleine Kunstpause ein, in der er sehr vorsichtig an seinem Becher nippte und Deandra beobachtete.


    Aber, beweist das nicht nur Eines? Das nämlich der Mann viel mehr Vertrauen entgegenbringt, als Ihr uns zutraut? Wir wünschen uns, und Deine Worte belegen es doch auch, das Ihr eigenständig seid. Wir möchten nicht, das Ihr in klammernder Nähe stets auf uns fixiert seid, Nein, wir wollen, das auch Ihr Euch frei entwickeln könnt. Ja, sogar zu Wahlen auf der altehrwürdigen Rostra könnt Ihr Euch stellen. Soviel Freiheit wie wir Männer, die sollt auch Ihr haben. .....Doch wie dankt Ihr es uns anscheinend? Ihr schaut Euch um und verweigert Euch nach einem stressigen tag. Das sind DEINE Worte gewesen.


    Doch welchen Schluss muss ich also daraus ziehen? Wenn wir Männer unsere Freiheit haben, dann kommen wir zu Euch. Wenn Ihr aber Freiheit habt, dann geht Ihr sonstwo hin. Also sind wir Männer doch irgendwie treuer, oder? ;):D
    Selbstzufrieden lehnte er sich zurück und war gespannt, wie sie sich wohl aus diesem Angriff befreien wollte. Hoffentlich ließ sie nicht Assindius los.....;)

  • Borr die quaseln vielleicht. Männer sitzen vor dem Feuer und gehen alleine auf die Jagd, fast wie zu Hause? das kommt mir bekannt vor. Die Herrin wollte schon vor Ewigkeiten was von mir und ich weiß nicht wann und ob ich nähe treten soll. Wenn ich sie jetzt warten lasse ist auch nicht gut. Aggressiv auf eine Gelegenheit warten hat nicht geklappt. Also los.


    Ich trat also heran blicke die Herrin an und nickte.

  • Meine Unruhe wuchs, als ich Metellus Schlussfolgerungen lauschte. Ihn zu unterbrechen, verbot aber meine Erziehung. Deswegen schüttelte ich, als er geendet hatte, umso energischer den Kopf.


    „Nein, nein, nein. Du hast mich komplett falsch verstanden. Die Treue ist ein feminines Wort, die haben ganz klar die Frauen für sich gepachtet“, sagte ich in überzeugtem Tonfall. „Schau, mein freches Mundwerk verrät nicht, was mein Herz sagt. Es ist nur einem treu, auch wenn ich immer wieder von anderen Angebote bekomme und trotz seiner Zurückgezogenheit. Heute vor genau sieben Monaten hat Sophus die Aurelia geteilt“, fügte ich leise an.


    Um nicht in eine trübsinnige Stimmung zu rutschen, sprach ich schnell weiter.


    „Schau, wir Frauen sind ja auch nicht alle gleich. Da gibt es welche, die haben kaum einen eigenen Lebensinhalt und solche, die haben nie Zeit. Erstere hängen sich gern an irgendetwas, sei es ein Mann, vielleicht Kinder. Ist es der Mann, dann kletten sie. Sind es die Kinder, fühlen sich diese begluckt. Nicht zu verwechseln mit „beglückt“. ;) Begluckt kommt von Glucke, dem weiblichen Huhn.“ :D


    Es entstand eine Pause, die ich brauchte, um wieder ernster zu werden.


    „Obwohl mir nicht gefällt, wie du meine Worte vorhin aufgefasst hast, kann ich sie hier nicht richtig stellen. Es wäre zu intim, ich würde zu viel über mich selbst preisgeben. Vielleicht gelingt es dir ja auch im Nachhinein, ihren tieferen Sinn zu ergründen. Du hast zu Beginn dieses Themas gesagt, Männer bemühen sich zu ERAHNEN, wie Frauen funktionieren. Bitte sehr - du kannst es gleich probieren.“


    Ich lächelte fein und nutzte die Ablenkung der aufgetragenen Nachspeise, um Ordnung in die Gedanken und Gefühle zu bringen. In diesem Moment trat Assindius hinzu - annähernd wie gerufen.


    „Assindius, deine germanischen Kenntnisse sind erneut gefragt. Ich möchte, dass du Cadior begleitest. In Germanien kommt deine Hilfe mehr zum Tragen als hier bei mir. Eure Aufgabe wird sein, Eis aus den Alpen zu ordern und in die aurelischen Kühlanlagen der verschiedenen Villen einzulagern. Die Jahreszeit muss genutzt werden, meine Vorräte sind aufgebraucht.“

  • Mit einem Schmunzeln hörte Metellus die Worte, vor allem das Bild der Glucke gefiel ihm. Niemals würde er seine Patronin bedrängen oder verärgern wollen, aber einer spitzfindigen Diskussion konnte er ebenso wenig ausweichen. seine Augen sollten zeichen genug sein, wie er wirklich dachte und fühlte.


    Ich glaube, Deandra, ich kenne Dich durch deine Worte und Deine guten Taten. Aber ich werde mir alle Mühe geben, mit meiner Intuition weiteres über Dich zu erfahren :)


    Eine Bitte hätte ich schon noch. Sie ist, na, eher privater Natur. Wie Du weißt, organisiere ich für meine Vorgesetzten eine Veranstaltung der CV. Und wie ich hörte, so wird der Ausgang durchaus über meine weitere Karriere entscheiden. Ich habe mich weit aus dem fenster gelehnt, und darunter ist ein tiefer Abgrund. Wir Männer, und schon sind wir wieder beim Thema, lehnen uns gerne weit vor. Zum Einen wollte ich Dich fragen, ob Du teilnehmen würdest, wenn Du denn in Rom sein wirst. deine Gegenwart würde mir schon Mut machen. Mein Vater ist ja wieder nach Germanien aufgebrochen. Und ich hätte gerne einen Vertrauten bei mir:)


    Meine nächste Frage ist vielleicht nicht so einfach zu beantworten. Mein Bruder Aulus, der in Hispania wegen Gladiatorenkänmpfen verhandeln soll, berichtete, dank seiner brieftauben, das vielleicht keine Kämpfe mehr im Winter stattfinden. Soweit ich weiß, können große wagenrennen nur von den Factiones organisiert werden. Kleinere jedoch auch von privaten Leuten. Weißt Du etwas darüber? Ich fürchte mir schwimmen sonst alle Felle weg.


    Ein wenig beneidete Metellus schon den Assindius. der könnte mit seinem Kumpel cadior in die Berge fahren, um Schnee zu kratzen. Ha, das wäre ein Spaß....Aber er, Metellus, er hatte keine Wahl mehr. Entweder siegte er mit seinem Vorhaben, oder er würde sich zu Tode blamieren. Das könnte er seinem Vater..und sich selbst, niemals antun. Fragend blickte er Deandra an.

  • „So, so. Du hast dir also in den Kopf gesetzt, mehr über mich zu erfahren. Da bin ich ja mal gespannt.“


    Ein Schmunzeln zeigte meine Belustigung. Metellus war ein sehr angenehmer und zugleich witziger Gesprächspartner. Die Zeit flog nur so dahin.


    „Was deine Bitte betrifft … Selbstverständlich werde ich zu diesem Fest kommen. Findet es in der Kaserne statt?“


    Bei den Stammeinheiten durften ja Frauen das Lager betreten. Hörte man ja immerfort.


    Ein erneutes Schmunzeln legte sich auf mein Gesicht. „Männer lehnen sich weit aus dem Fenster? Oh, darüber wüsste ich auch gern noch mehr.
    Nun, was dein Hinauslehnen betrifft …“
    Ich wiegte nachdenklich den Kopf. „… Ich selbst habe zwei Wagenrennen bisher organisiert. Der Aufwand ist erheblich, ich könnte dir dabei natürlich helfen. In Anbetracht der Tatsache, dass aber entweder die Factiones oder die Aedile die Spiele abhalten, finde ich ein separates Wagenrennen zu überzogen für ein Vigilesfest. Vielleicht könntest du aber eine Absprache mit dem neuen Aedilis Plebeii treffen, dass ihr miteinander kooperiert. Das ist meines Wissens Gaius Prudentius Commodus. Ihr könntet beides auf einen Termin legen. Was hältst du davon?“

  • Nachdenklich wiegte Metellus den Kopf hin und her. Sein Bruder kam in Hispania nicht recht voran. er machte sich so langsam Sorgen. Ein Rennen schien ihm eine mögliche Alternative zu sein. Ob er mit dem neuen Aedilis Plebeii zurecht käme, das wusste er nicht. Während der Wahl hatte Metellus, als sein vater seine Wahlrede abhielt, einige schnippische Bemerkung gegen Commodus erlaubt. Aber diese bemerkungen waren auch erlaubt :D....Wie nachtragend er sein würde, das müsste er einmal in Erfahrung bringen.
    Die Veranstaltung wird sicherlich in der Kaserne abgehalten werden, so war es bislang geplant. Noch immer leicht nachdenklich, schmunzelte Metellus Deandra an.


    Du, möchtest mehr über die Fenster-Theorie hören? Ich fürchte, ICH selbst könnte mich dann wieder viiieeeel zu weit rauslehnen :)


    Er lachte und wusste, wieder steht eine Unzahl an Fettnäppfchen für ihn bereit.

    Weisst Du eigentlich, was die Hauptmotivation für viele von uns Männern ist, immer wieder aufs Neue den "Gang zum Fenster" zu wagen?

  • Wer ist denn Cadior? Nie gehört den Namen, klingt aber nicht grade römisch, na egal. Das ist bestimmt wieder irgend so ein Wichtel der mir nur im Weg steht und denn ich gez am Arsch kleben habe. Jetzt kann ich sie doch nicht fragen ob ich das nicht lieber allein machen kann, das kommt bestimmt nicht gut wenn ein Gast dabei ist.


    „Wir Ihr es wünscht Herrin. Wann soll es losgehen?“

  • ‚Zu gern wüsste ich ab und zu, was hinter dieser großen germanischen Stirn vor sich geht’, dachte ich bei der Betrachtung meines Sklaven. Wie gut, dass ich nie an seiner Zuverlässigkeit zweifeln musste.


    „Cadior ist Duumvir in Mantua. In etwas drei Wochen läuft seine Amtszeit ab. Das wäre dann in etwa der Termin für eure Reise.“


    Ein Schmunzeln erschien, ich konnte mir die Bemerkung nicht verkneifen.
    „Wenn ihr unter euch seid, dann könnt ihr meinethalben in Hosen und Stiefeln reisen. Du kannst dich zurückziehen, Assindius.“


    In meiner Vorstellung war der Anblick so komisch, es ging einfach nicht ohne erneutes Lachen.


    „Metellus, wo waren wir noch stehen geblieben? Richtig! Du hast mir eine schwierige Frage gestellt.“
    Hah, warum gehen Männer zum Fenster? Wieder einmal blies ich ratlos die Luft durch die Lippen.


    „Kann es sein, dass ihr euch ständig beweisen müsst, dass ihr die Größten seid? Euch selbst beweisen und auch den anderen? Männer stehen doch immer in Konkurrenz zueinander, so sehe ich das. Verrate mir das Geheimnis!“


    Erwartungsvoll und mit glänzenden Augen sah ich Metellus an. Es gab Birnenpatina als Sekunda Mensa, doch vor lauter Spannung hielt ich den vollen Löffel vor dem Mund, ohne ihn hineinzuschieben.

  • Seine Gastgeberin hielt ihren Löffel gefährlich lange vor ihrem Mund. Wie gebannt schaute er und erwartete jeden Augenblick, der Nachtisch könnte zu Boden fallen. Auch beneidete er Assindius ein wenig. obwohl dieser eher wenig begeistert war...Man, quer durchs Land reiten um Eis von den Bergen zu kratzten. Und das mit Cadior zusammen, ha, was für ein Abenteuer. Immerhin hatte Metellus erst kürzlich das Reiten in der Kaserne gelernt...Noch immer war er im Bann des Löffels.


    Ähm,...wie...oh, verzeih, Deandra. Ich war kurz abgelenkt. Du warst schön nah an der Lösung. Sicher wollen wir uns beweisen. Aber vielmehr noch haben wir, jedenfalls wohl die meisten, Angst, in der Mittelmäßigkeit zu verfallen. Denke nur an Caesar, als er vor der Statue des Alexander stand. Dort erst wurde ihm bewusst, das er bislang mittelmäßig war. Und dann erst raffte er sich auf zu großen Taten. Ich denke, wir versuchen jedesmal, wenn wir uns weit vorwagen, den Ansatz zu finden, selber etwas Großartiges zu bewegen.


    Auch Metellus probierte den Nachtisch. Der Geschmack war traaaaumhaft. Er hätte davon kiloweise essen können.

    Übrigens, Cadior erzählte mir kürzlich, Du hast ein Gestüt und gibst sogar Reitunterricht?


    In seiner Phantasie hatte er das absurde Bild von Deandra in Hosen und mit Stiefeln. Er verkniff sich jede Form von Mimik ;)

  • Die Spannung ließ nach und mein Löffel fand in den Mund. Dummerweise nimmt man nicht einmal von feinsten Speisen den Geschmack wahr, wenn die Gedanken ganz wo anders sind.


    „Du sagst erneut, ich sei nahe der Lösung und doch kann ich nicht von mir behaupten, euch Männer zu verstehen. Vielleicht mit Ausnahme dieses Punktes. Hoffentlich bedeutet das jetzt nicht, dass ich Testosteron in Übermenge in mir trage, wenn auch ich stets danach strebe, besser – weit besser - als Mittelmaß zu sein. Wenn ich aber an die Zeit des Unterrichts bei unserem alten Hauslehrer zurückdenke, bestätigt sich deine Theorie nicht. Nicht alle meine Brüder und Cousins waren gleichermaßen wissbegierig und ehrgeizig. Wie erklärst du dir das?“


    Nun aber nutzte ich Gelegenheit, einen Löffel Patina genussvoll zu verzehren.


    „Wir können danach gern über mein Gestüt sprechen“, fügte ich an und ließ mir die Nachspeise auf der Zunge zergehen.

  • Die Neugierde ist ein starker Antrieb. Doch nicht allen ist sie beschieden. Ich kann mir gut denken, daß Du stetig an Neuem interessiert bist. Sicher liest Du oft, und auch die alten Meister griechenlands wirst Du bestimmt nicht verschmähen, oder? Aber so mancher begnügt sich damit, in den Tag zu leben und schert sich nicht viel um das, was um ihn herum geschieht. Auf jene trifft meine Theorie sicher nicht zu, Deandra.
    Wie sagte einst ein weiser Mann:
    "Ich weiß, daß das Universum unendlich weit, und die menschliche Dummheit unendlich groß ist.....wobei, beim Universum bin ich mir nicht sicher"

    Metellus schmunzelte, diese Weisheit gefiel ihm stets aufs Neue, war sie doch (wahrscheinlich) so treffend.Auch er bediente sich kräftig vom Nachtisch

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