[Casa Helvetia] Am Fuße des Aventin - Circus Maximus

  • Tacitus begann zu lachen.


    "So schnell kommen die Germanen nicht über den rhenus. Das Wort des Imperators wird davon abhängen, ob ich mich in naher Zukunft Senator nennen darf oder nicht.


    Dein Bruder Romanus steht jetzt in Diensten der römischen Stadtverwaltung. Ich habe selbst ihn länger nicht mehr gesehen. Der Praefectus Urbi wird ihn nur selten herauslassen. Gabor dient zur Zeit bei den Cohortes Urbanae, und deine Mutter..."


    Tacitus murmelt einige Flüche, als er an die alte Xanthippe denken muß.


    "...deine Mutter dürfte mal wieder die Sklaven kommandieren."


    Ja, kommandieren war ihre Leidenschaft. Sie wäre wohl ein fabelhafter Kommandant geworden, daß die Kommandanten des Kaisers noch etwas von ihr hätten lernen können.


    "Der Umzug steht kurz bevor, die Villa in Ostia ist so gut wie gekauft. Doch sag mir, mein Kind, was hast du nun vor, wieder zurück in Rom ?"

  • Nach einen langen Arbeitstag kehrte ich wieder in mein vertrautes Heim zurück. Ich öffnete die Tür und mir standen gleich einige Gepäckstücke im Weg. 'Hatte mein Mann doch das Angebot angenommen, für eine Weile aus dem Hause zu ziehen.' Mit einem Lächeln im Gesicht ging ich weiter, plötzlich hörte ich zwei Stimmen, eine männliche und eine weibliche, die eine konnte ich sofort erkennen, es handelte sich um meinen Ehemann, aber die andere....'könnte dies eine Fremde Frau sein, dieser Schuft'.


    Ich wurde wütend und ging sofort mit heftigen Schritten hinein.


    "DU, Alter...", meine Stimme verschlang als ich meine eigene Tochter sah. "Ich wollte sagen, mein Alter Brummbär." Ich musste dabei mit Gewalt meine Lippen zum Lächeln bringen. Kurz darauf ging ich zu Severina und drückte sie ganz fest.


    "Du bist wieder daheim, meine geliebte Tochter. Ich habe dich jeden Tag vermisst, ich liebe dich doch über alles."

  • Das "liebenswürdigste" Geschöpf auf Erden hatte die Casa betreten. Tacitus erschauderte, als er die Stimme vernahm. Da hatte er sich doch tatsächlich aus seinem officium am Forum mal herausgetraut, um in seiner Casa die Ruhe zu genießen, da begegnete er ausgerechnet ihr. Da aber seine Tochter gerade erst wieder zurückgekommen war, verzichtete er auf die üblichen Anfeindungen - was sie nur wieder gedacht hatte ? - und bedachte sein Weib mit einem vielsagenden Zwischenblick.


    "Helvetia, es ist schön, Dich zu sehen."


    und wie sie diese Lüge durchschauen würde.


    "Ich hörte, du verwechselst deine Casa nun immer mehr mit der städtischen Bibliotheca. Weißt du, der Haushalt erledigt sich nicht von allein !"


    Ein kleiner Seitenhieb mußte einfach erlaubt sein.

  • Gerade wollte Severina ihrem Vater antworten, dass der Kaiser gewiss ihn bald in den Senatorenstand erheben würde, denn bisher wurden ja alle ehemaligen Aedile Senatoren, da polterte eine Frau herein. Mutter war gerade gekommen. Augenblicklich gefrierte das Lächeln von Severina ein wenig, doch sie zwang sich, sich nichts anmerken zu lassen.


    "Hallo, Mutter." entgegnete sie daher nur und liess sich von ihr umarmen. Hier hatte sich also kaum etwas verändert. Mutter und Vater waren also noch immer sich feind. Diese Feindseligkeiten zwischen ihren Eltern war das einzige, das sie nicht in Achaia vermisst hatte.


    "Ihr verzeiht, aber ich bin müde von der Reise. Gibt es mein altes Zimmer noch? Dann würde ich mich gerne zurückziehen." sprach Severina steifer als normal und blickte abwechselnd zu ihren Eltern und Philipos, dem Sklaven.

  • "Ja, sicher. Philippos wird dich hinaufbegleiten und dir bei dem Gepäck helfen."


    Tacitus sah dabei zu seinem Sklaven herüber, der untertänigst nickte und sich sofort zu den Koffern begab.


    "Nun, ruh dich aus. In ein paar Tagen wollen wir deine Rückkehr feiern."


    Daraufhin begab sich Tacitus wieder in seinen Korbsessel, in dem er saß bevor Severina gekommen war, wohlwissend, daß seine Frau noch neben ihm stand, ignorierte er sie bewusst, während er sich wieder über die eben gelesene Schriftrolle dranmachte.

  • "Ich danke dir, Vater." antwortete Severina noch immer steif und nickte ihrer Mutter zu, bevor sie sich in ihr Zimmer zurückzog. Das Gepäck musste ausgepackt werden, innerhalb der letzten zwei Jahre hatte sich vieles angesammelt, wofür noch Platz gesucht werden musste. Die alltäglichen Dinge des Lebens wie Kleidung oder ihre Kosmetika waren schnell verstaut, die Souvenirs und Geschenke für ihre Familie hingegen mussten noch richtig platziert bzw. an die anderen übergeben werden. Letzteres aber wollte Severina am heutigen Tage nicht mehr tun, nicht nach dieser Begebenheit zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter. Als die Arbeit getan war, schickte sie Philippos wieder hinaus und setzte sich auf ihr Bett. Zunächst stumm, doch dann kamen die Tränen, einerseits weil sie froh war, endlich wieder zu Hause zu sein, andererseits aber, weil sich hier nichts geändert hatte. Der Zwist zwischen ihren Eltern setzte ihr immer zu, daher dauerte es so seine Zeit, bis sie sich endlich beruhigt hatte und sie auf Grund der Müdigkeit ob der Reise einschlief.

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