Atrium | Tacitus, Crassus

  • Tacitus folgte dem Sklaven ins Atrium und ließ die Gelegenheit, die Casa von innen zu betrachten in keinster Weise aus und er war beeindruckt. Als Praetorianerpraefekt musste man so einiges verdienen, denn selten, genau genommen nie, war er in einer solch nobel eingerichteten Casa gewesen. Hier sah alles schon teuer aus, sogar der Boden und man wollte ihn schon nicht betreten, in der Furcht, dort etwas beschmutzen zu können. Dass dies erst der Gang vom Vestibulum zum Atrium war, war im erst bewusst, als er im Atrium ankam und der Sklave sagte, dass er den Caecilier holen wollte.
    So nickte Tacitus ein weiteres Mal freundlich, schaute dem Sklaven noch hinterher und machte sich dann weiter daran, die Einrichtung zu mustern. Für einen kurzen Moment hatte er sogar das Gefühl, dass ihm der Mund offen stand, aber das konnte auch Einbildung sein.


    “Ob so jemand überhaupt Verwendung für jemanden wie mich hatte?“ murmelte er in sich hinein und fasste sich kurz an die Schläfe. Der Tag war bisher recht anstrengend gewesen und ein Ende war bis jetzt noch nicht in Sicht.

  • Nun durfte der Artorier doch noch eine kleine Weile warten. Schließlich war ein Artorius Tacitus nun wirklich für Crassus kein Grund zur besonderen Hektik. In aller Ruhe diktierte er sein Schreiben fertig, an welchem er gerade noch in seinem Büro beschäftigt war, als ihn die Nachricht über den Besuch erreichte. Als er das dann fertig diktiert hatte, noch einmal quergelesen hatte, schlenderte er gemütlich in sein Cubiculum und zog seine Rüstung an - ließ sie sich viel eher anlegen. Alles musste seine Ordnung haben, auch wenn man nur einen anscheinenden eher unwichten Gast empfing. Da der Gast sich weder angekündigt hatte noch es absehbar war, dass er vorbeikommen würde, konnte sich Crassus ja auch nicht auf ihn vorbereiten, sodass ihn diese Wartezeit sicher nicht verwundern dürfte. Im Gegenteil, eigentlich hatte er ja sogar noch Glück, Crassus zu Hause zu erwischen, denn normalerweise war er ja über die Hälfte des Tages unterwegs, in der Castra, im Palast bei irgendwelchen Audienzen oder er kam irgendwelchen öffentlichen Verpflichtungen nach.
    Wie auch immer, nach einigen vielen Minuten kam Crassus dann endlich in das Atrium zu seinem Gast. Ah, verflixt, wie war nochmal der Name?


    Artorius, ich grüße dich. zielstrebig setzte er sich auf eine Bank nahe Tacitus und bot ihm einen Platz auf einer Sitzgelegenheit ihm gegenübergelegen an. Was kann ich für dich tun?

  • Die Wartezeit ging wie im Flug dahin, denn im Atrium gab es so allerhand zu bestaunen und außerdem überlegte Tacitus sich, wie ich Caecilius Crassus ansprechen sollte, beziehungsweise was er ihm sagen sollte. Schließlich war er ja nicht irgendwer, sondern der Chef der Prätorianergarde, der absoluten Militärelite des Imperiums und außerdem, oder vielmehr deswegen, einer der wichtigsten Personen im Imperium. Da konnte man schließlich nicht mal eben reinspazieren und es verwunderte den Artorier schon, dass er sich überhaupt die Zeit nahm, mit ihm zu reden, denn er dagegen war im Imperium ein Niemand. Ob er ihn direkt darauf ansprechen sollte? Vielleicht doch eher ein wenig vorher rumschleimen? Es in große Worte packen? Nein, das stand Tacitus überhaupt nicht. Er war nie ein Mann großer Rhetorik gewesen und das Schleimen und Speichel lecken hatte er noch nie gebraucht, wie auch gewollt. Sollte er 'Nein' sagen, so hatte das sicher seine Gründe und Tacitus würde es – wenn auch nicht gerne – akzeptieren. Die erste Möglichkeit also ...


    Wie gewollt erschien Crassus im Atrium, als Artorius Tacitus langsam auffiel, dass er nun doch schon ein wenig wartete. Prächtig sah der Mann aus, wie er in seiner schwarzen Rüstung, geziert mit den Phalerae, die ihn für außerordentlich gute militärische Dienste auszeichnteten, gekleidet war und trotzdem so selbstverständlich im Atrium herumging, ihn grüßte und einen Sitzplatz anbot. Natürlich war es selbstverständlich, denn es war seine Casa. Was gäbe er, um nicht auch einmal in einer solchen Rüstung durch die Straßen Roms zu marschieren? Er riss sich selbst aus seinen Gedanken, denn er wollte nicht unhöflich erscheinen. Caecilius Crassus konnte es sich erlauben, ihn warten zu lassen, andersherum war dies allerdings nicht der Fall und so sprach Tacitus:


    “Salve Praefetcus Caecilius Crassus.“ Er nickte nur leicht auf sein Angebot hin und nahm es war, indem er sich setzte. “Nun, ich muss gestehen, kein Mann in großen Reden zu sein und so erlaube mir, mich recht kurz zu fassen: Ich habe beschlossen, in meinem Leben einen Strich zu ziehen und etwas mit mir anzufangen. Die Militärlaufbahn hat es mir bisher immer angetan, aber gemeldet hatte ich mich nie. Das soll ab nun ein Ende haben und so habe ich beschlossen, demnächst der Legio I beizutreten. Wie gesagt möchte ich aus mir etwas machen und dafür benötige ich die Hilfe eines Mannes von Rang. Jemand, wie du es bist, Praefectus. Wer könnte besser geeignet sein, als jemand, der selbst die Klinge führte?
    Mit diesen Worte bitte ich dich, mich als deinen treuen Klienten aufzunehmen, der sich seinen Pflichten als dieser stets bewusst ist.“
    Nun hatte er es gesagt und hinterher viel ihm auf, dass seine Worte so kurz gar nicht waren, wie sie gedacht waren. Aber das konnte man eh nicht ändern.
    Et semel emissum volat irrevocabile verbum – Und, einmal entsandt, fliegt unwiderruflich das Wort hin, wie man auch zu sagen pflegte.

  • Während der Artorier schon fleißig und ausführlich mit seinen Erzählungen begonnen hatte, war Crassus noch damit beschäftigt ihn ausgiebig zu mustern und in seinem Gedächtnis nach einem bekannten Gesicht zu forschen. Allerdings fand er keins, weshalb er zu dem Schluß kam, dass er noch nicht so viel mit ihm zu tun gehabt hatte. Damit war Crassus das Anliegen, welches der Besucher sicher haben würde, schon fast klar. Denn selten verirrte sich sonst ein junger Römer in seine Casa. Doch er ließ sich von seiner Erkenntnis, die nur sehr wenig später bestätigt wurde, nichts anmerken und lauschte interessiert, zumindest so tuend als ob, den Worten von Tacitus. Als dieser dann geendet hatte, wandte sich Crassus nicht an ihn, sondern an einen Sklaven, der still an einer Wand wartete: Bring mir einen Becher Falerner und meinem Besucher ebenso einen. Das lange Reden hat ihn sicherlich durstig gemacht. mit einem Lächeln wandte er sich dann wieder seinem Besucher zu: Deine Pläne, die Zukunft in der Legio zu verbringen, sind sehr löblich und ich kann dich in deinem Entschluß nur stärken. Allerdings möchte ich von dir noch einige Sachen wissen, bevor ich dir erlaube, dich als mein Klient bezeichnen zu dürfen. er strich sich über sein Kinn und ließ seinen Blick weiterhin auf den Jungen gerichtet. Zu gut erinnerte sich Crassus an seinen ersten Besuch in Rom, nach seiner Zeit bei der Legio IX Hispana in Hispania. Denn dieser Besuch war damals in der Casa Vincia und auch bei dem damaligen Praefectus Praetorio Vinicius Hungaricus. Allerdings wollte Crassus damals nicht sein Klient zu werden, sondern hatte sich bei ihm gemeldet, um seinen Dienst bei den Prätorianern antreten zu können. Aber wie auch immer: Crassus hatte damals etwas Angst und eine Menge Respekt vor ihm, und ging davon aus, dass es bei seinem Gast nun nicht viel anders sein würde:
    Zu allererst: Ein Verwandter von dir, Artorius Corvinus, ist schon mein Klient. Bist du, und wenn ja, wie bist du mit ihm verwandt?

  • Angst und Respekt ... nun sicherlich hatte Tacitus Respekt und davon wohl nicht gerade wenig, schließlich war Caecilius Crassus, der Praefectus Praetorio wohl der derzeit mächtigste Plebejer. Führer der Cohortes Praetoriae, der Elite und Leibwache des Kaiser, Chef des kaiserlichen Postdienstes und die zweite Wahl als Stellvertreter des göttlichen Imperators, sollte sein Sohn, der Caesar einmal verhindert sein. Wer empfand vor dieser Person keinen Respekt und mitunter ein wenig Ehrfurcht? Aber Angst nicht wirklich. Zwar war im klar, dass er eines Morgens nicht mehr aufwachen könnte, sollte er den Praefekten sich zum Feind machen, aber das hatte er schließlich auch nicht vor.


    Als Crassus endlich das Wort erhob, tat er es zu seiner Enttäuschung nicht an ihn, sondern nur an seiner Sklaven. Gut, was hatte er erwartet? Dass er sofort 'Ja' schreien würde und ihn darauf hin brüderlich umarmen würde? Nein, weder das erste und das zweite erst recht nicht. Einen Klienten umarmt man schließlich nicht brüderlich. Aber er war nervös und deshalb schwirrten ihm viele Gedanken im Schädel herum. Warum er zum Beispiel denn nicht doch einfach eine klare Antwort geben konnte, aber das würde sich noch hinauszögern, als Tacitus nach einem kurzen und dankenden Nicken des Weines wegen – es war guter Farlerner, den bekam man nicht alle Tage – die nächsten Worte des Praefekten hörte. Er wollte mehr wissen ... verständlich, denn man wollte ja nicht das Patronat über irgend wen übernehmen, sondern dieser jemand sollte auch nützlich und loyal sein.


    “Ich danke Dir für Deine Bekräftigung.“ Der Artorier nickte nur und faltete unmerklich seine Hände, nachdem er seine Tunika glatt strich. Das machte er sonst nie, aber wie erwähnt war er sehr nervös und suchte eine unauffällige Beschäftigung, bei der er sich abregen konnte. “Natürlich, ich werde jede Frage beantworten.“ erwiderte er und wartete dann auf die erste Frage ab.
    Sie verwunderte ihn und für einen kurzen Augenblick fühlte er sich sehr seltsam. Hatte er gesagt, dass Corvinus bereits sein Klient war? Das war übel für ihn, warum hatte er sich nicht bei ihm erkundigt? Er hätte ihn einfach fragen müssen oder von seinem Vorhaben unterrichten können. Wieder nickte er nur, bevor er seine Antwort formulierte: “Artorius Corvinus .... ja, er ist mein Vetter. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen, heute das erste Mal seit - ich weiß nicht genau., aber das ist ja nun denke ich unwichtig. Ich wusste nicht ...“ kurz stockte er “ .... dass Du bereits einen Klienten aus meiner Familie hast.“


    Bearbeitung: Wörtliche Rede klarer formuliert

  • Der Sklave kehrte zwischenzeitlich mit zwei leeren Bechern und zwei vollen Amphoren zurück in das Atrium. Möglichst darauf bedacht nicht aufzufallen, wuselte er zu einem Tisch und füllte dort beide Becher: Crassus' becher mit einem Wein-Wasser Gemisch und der des Artorius nur mit reinem Falerner. Das hatte zwei Gründe: Zum einen, da Crassus den Tag über noch einen klaren Kopf brauchen würde - bei Tacitus konnte es ihm ja relativ egal sein - und zum anderen, da er den Geschmack des guten Weines nicht verwässern wollte und damit dem Gast gleich die Qualität - und vorallem den Preis - des Weines bewusst wurde. Crassus genoß es so noch seinen Reichtum zur Schau zu stellen. Zum einen offensichtlich mit den teuren Statuen und schweren Stoffen, und zum anderen auf eine nicht ganz so offensichtliche Weise, wie den hochwertigen Wein oder bei einem Essen auch die exquisiten Speisen.
    Er prostete seinem Gast kurz zu, nachdem der Sklave die beiden Becher verteilt hatte, und nahm dann einen kleinen Schluck daraus. Du sagtest, du hättest deinen Vetter eine lange Zeit nicht mehr gesehen. Welchen Grund hatte das? Und das führt mich gleich zur nächsten Frage, was hast du bisher in deinem Leben gemacht? Dich ganz der Bildung und Ausbildung deiner Kräfte gewidmet?

  • Neugierig nahm Tacitus die Anwesenheit des Sklaven wahr, wie er seinem Gegenüber den verwässerten Wein eingoß und ihm selbst den reinen Wein. Nun so konnte er den Geschmack des edlen roten Tropfens vollends auskosten, aber natürlich stieg er so auch schneller zu Kopf. Er hoffte, dass das nicht noch hier passieren würde, denn sonst hätte er es sich wohl mit dem Praefekten verscherzt. Das wollte er in jedem Fall vermeiden und so nahm er, nach einem dankenden Nicken zu Caecilius, den Becher in die Hand und nippte nur kurz daran. Solchen Wein musste man, musste er genießen, denn den trank er nicht oft.


    „Ich lebte in Mantua, weil ich in jüngerem Abenteuer etwas selbst auf die Beine stellen wollte. Nun dort, in Mantua, genoß ich eine ausreichende Ausbildung im Kampfe und der Kondition und arbeitete als Leibwächter für Händler und solche, die es sich leisten konnten, einen Leibwächter zu haben.“ erwiderte er und verstummte dann. Vorsichtig stellte er den Becher wieder auf den Tisch und ließ die Hände dann wieder gefaltet auf seine Tunika gleiten.
    “Ich muss zugeben, auch der Politik und der Philosophie nicht gänzlich abgewandt zu sein. Zwar bin ich lange kein Meister in allen artes liberales, aber wer ist das schon?“
    Kurz verstummte er wieder, sprach dann aber, mit leicht gesenktem Haupt, weiter.
    “Aber ich war bisher trotzdem nicht zufrieden und habe wie bereits gesagt vor, dass zu ändern und mit dem Eintritt in die Legio, oder bereits mit der Anfrage hier auf dein Patronat, mache ich den Anfang.“

  • 'Leibwächter.' Crassus verfiel in ein leises Grummeln. Das war ja nun auch nicht wirklich die Beschäftigung für einen Römer - wenn er nicht gerade in einer militärischen Einheit war und es somit seine Hauptaufgabe war. Normalerweise spielten ja eher Sklaven oder Peregreni Leibwächter von privaten Personen. Aber daran sollte es jetzt nicht scheitern. Immerhin hatte er sich ja auch der Ausbildung sener geistigen Fähigkeiten gewidmet. Aber vorallem war er ja noch jung. Er hatte noch viel Zeit seinen eigenen Weg zu finden und noch mehr Zeit in die Bildung des Geistes zu investieren. Und mit dem Eintritt in die Legio, hatte er ja schon einmal die richtige Kreuzung für den richtigen Weg gefunden.


    Du sagtest vorher wechselte Crassus plötzlich und zusammenhanglos das Thema Dass du in die Legio Prima eintreten möchtest. Welchen Grund hat das? Immerhin ist diese Legion weit von den Schlachtfeldern, auf welchen man sich auszeichnen kann, entfernt.


    ruhig lag sein Becher in seinen Händen. Er mochte es Themen plötzlich zu ändern um seinem Gegenüber nicht die Gelegenheit zu geben, sich auf die nächste Frage einstellen zu können. So würde man schnell merken, wenn sein Gegenüber sich gerade etwas einfallen lässt.

  • Tacitus war leicht überrascht über den Themenwechsel des Prätorianers, der schon fast wahllos erschien, aber es hatte sicherlich seine Gründe und wer wäre er gewesen, sollte er diese anzweifeln. Er nahm noch einen kleinen Schluck des Falerners, um seine Lippen zu befeuchten und formulierte dann seine Antwort.


    “Hauptsächlich, weil sie in Italia stationiert ist. Zwar gibt es hier nicht mehr wie politische Schlachtfelder, doch kann man hier seinen Dienst ebenso gut erweisen, wie in Germania. Ich möchte ungern Italien verlassen, fühle ich mih hier schließlich zu hause und so begrüßte ich nur, dass die Legio I in Italien -dazu bei Mantua – stationiert ist. Außerdem ist ja nicht vollständig auszuschließen, dass sie wieder an einem Kampf teilhaben wird. Außerdem zählt sie ja zu den am höchsten ausgezeichneten – oder gar die höchst ausgezeichnete – unter den Legionen. Und das sicherlich nicht grundlos.“ erwiderte er und ließ seinen Blick dann für kurze Zeit durch den Raum gleiten. Wirklich schön war es hier eingerichtet, ganz anders, als er es gewohnt war. Um seinen Gastgeber gegenüber aber nicht unhöflich zu erscheinen, wandte er seinen Blick wieder ab und schaute Crassus wieder an.
    Was er wohl mit diesem Themenwechsel bewirken wollte? War es überhaupt Absicht? Er wusste es nicht und war sich auch nicht sicher, dass er diese Antwort jemals herausfinden würde, aber das gab ihm wenigstens Stoff zum Rätseln ... das liebte er.

  • Sicherlich kann man hier in Italien auch seinen Dienst in der Legion erweisen. Crassus nickte langsam und dachte einige Momente nach: Doch ist es nicht ein Unterschied, ob man seinen Dienst einfach nur des erweisenswegen erweist, oder ob man ihn aus Überzeugung und aus Liebe zum Vaterland erweist? erwartungsvoll blickte Crassus seinen Gast an. Schließlich verlassen nur die wenigsten freiwillig und gerne ihre Heimatregion und ihre Familie - so damals auch nicht Crassus - doch wenn jeder so denken würde, dann wäre in den Legionen in den Provinzen wohl ziemlich wenig los.
    Angenommen du wärst in die Legio Prima eingetreten und diese wüde nun nach.. Syrien versetzt werden. Würdest du mit ihr gehen? Immerhin würdest du damit auch deine Familie verlassen müssen und würdest sie womöglich nie wieder sehen. das alleine wollte Crassus nicht als Argument gelten lassen. Immerhin fiel es jedem jungen Mann schwer, seine Familie zu verlassen und jeder würde gerne dort bleiben. Doch manchmal musste man eben Dinge machen, die vielleicht nicht unbedingt für einen gut waren, aber dafür für die res publica.
    Er lehnte sich noch ein Stück zurück und spielte mit dem Becher in seinen Händen. Auf die Antworten war er ehrlich gespannt.

  • Tacitus schwieg einen Moment, bevor er eine Antwort gab. Er wollte ja nicht lügen und es war eine schwere Frage. Für den ein oder anderen vielleicht nicht, aber für ihn war es eine schwere Frage, ab da man ja nicht drum herum kam, antwortete er, schließlich sollte Crassus auch nicht zu lange warten. Das würde von Unentschlossenheit zeugen und auch wenn er es in diesem Moment vielleicht war, wollte er dies nicht unbedingt nach außen hin zeigen.
    “Wem fällt es nicht schwer, seine Familie und seine Heimat zu verlassen? Dort hängt schließlich ein Teil seines Herzens, aber wenn die Legio Prima nach Syrien verlegt werden sollte, dann würde ich wohl auch dorthin gehen. Denn ich habe mich dann dazu verpflichtet, auch, wenn es wohlmöglich heißt, meine Familie nie mehr wiedersehen zu können.“ Das war aber nicht nur in der Legion so. Alleine wenn man in eine andere Stadt zieht, dort länger wohnt und dann Opfer eines Mordes, Raubüberfalls oder sonstigem wird ... im Endeffekt käme es auf das gleiche drauf hinaus, nur dass man in der Legio vielleicht noch eine Auszeichnung erhält ... selbst, oder gerade weil, man tot ist.
    Nach einer kurzen Gedankenpause fügte Tacitus aber noch einige Gedanken hinzu: “Wie gesagt, ich nehme an, dass ich es so machen würde, aber es gibt Entscheidungen, bei denen man vorher nie genau sagen kann, wie man sich entscheidet. Denn in diesem Falle hat beides seine Vor- wie auch seine Nachteile und man muss Prinzipien setzen, ob die Familie oder die Soldatenpflicht als erstes kommt ... ich bin ehrlich und sage, dass ich es jetzt nicht genau wüsste. Meine Wunschentscheidung wäre allerdings, der Legion zu folgen, egal wohin sie führt!“
    Tacitus nippte an Becher und ließ ihn wieder in seine rechte Hand gleiten. Währenddessen versuchte er, in der Gestik und Mimik des Praefekten schon jetzt eine Reaktion auf seine Antwort herauszufinden.

  • Sicherlich, die Antwort die Crassus zu hören bekam, war nicht unbedingt die, die er erwartet hatte. Nicht, dass sie ihn nicht zufrieden gestellt hätte, das nämlich nicht, sondern viel mehr, dass er von so jungen Männern meist völlig übertrieben patriotische Antworten bekam. So konnte man schon sagen, dass er von der Antwort überrascht war, aber durchaus im positivien Sinne. Denn diese hörte sich viel realistischer an und nicht so sehr nach Hurra-Patriotismus, wie ihn gerne andere Männer benutzten, wenn sie meinten, Crassus irgendwie beeindrucken zu müssen. Nicht, dass er nicht patriotisch gewesen wäre oder ihn nicht für sinnvoll halten würde, nur, wenn der Patriotismus nicht ernst gemeint war oder auf falschen Annahmen beruhte, war er eher mehr schädlich als hilfreich.
    Eine ehrliche Antwort, zugegeben. Aber du solltest dir über diese Frage klar werden, bevor du dich verpflichten lässt. Wenn du nämlich heute in die Legio eintrittst, diese Morgen versetzt werden würde und du deshalb wieder austreten würdest, würde das sicherlich kein gutes Licht auf dich werfen. Crassus machte eine Pause und dachte einen kleinen Moment nach, beschloß dann allerdings wieder das Thema zu wechseln. Schließlich war er ja nicht wegen der Legio hier:
    Etwas anderes.... Wie bist du auf mich als Patron gekommen? Was erhoffst du dir durch mein Patronat? Was glaubst wäre mein größter Nutzen, wenn ich dich als Klient annehmen würde?

  • Nervös wartete Tacitus auf eine Antwort vom Praefecten. Der Artorier fragte sich, über was Crassus alles nachdachte. War seine Antwort so „schlecht“? Er konnte wenigstens von sich behaupten, die Wahrheit gesagt zu haben, das beruhigte sein Gewissen und ließ die Welt nicht ganz so verloren aussehen, sollte er deswegen abgelehnt werden. Um die Zeitspanne zu überbrücken, legte er noch einmal den Becher an seine Lippen und trank einen Schluck. Endlich antwortete Caecilius und ein angedeutetes Lächeln huschte auf Tacitus Gesicht. Es lag eine Art Tadel in den Worten, aber trotzdem hörten sie sich gut an. Noch bevor er allerdings auf Crassus Aussage etwas erwidern konnte, wechselte dieser allerdings wieder das Thema.


    Diesmal ging es direkt um Crassus und ihn selbst, Fragen über seine Absichten. Es ging nun anscheinend in das Finale. “Ich verfolge die Neuigkeiten im Imperium so gut es geht und soweit es meine Zeit zulässt und als ich in Rom ankam, erinnerte ich mich daran, wie Du vor einiger Zeit zum Prätorianerpraefecten erhoben wurdest. Wer eignet sich besser, als einer der mächtigsten Männer in Rom selbst? Ich hätte mir auch einen Patrizier nehmen können, aber ich muss zugeben, dass ich von denen nicht viel halte. Sie halten sich für mächtiger, als sie noch sind!“ Innerlich hoffte er, nichts gesagt zu haben, was Caecilius Crassus vielleicht gar nicht gefallen würde, aber bevor er sich weiter den Kopf darüber zerbrechen konnte, sprach er weiter.


    “Ich erhoffe mir von deinem Patronat eine ... „gesicherte Zukunft“. Zweifellos hätte es Vorteile in jeglichen Beschäftigungen, vor allem aber beim Militär. Das war wohl das Hauptaugenmerk, weshalb ich auf die Idee kam, hier her zu kommen. Dein größter Nutzen wäre wohl zum einen, dass du weiteres Ansehen genießen dürftest. Wie du sicher weißt, ist die Anzahl der Klienten auch eine Art Metapher für die Beliebtheit oder den Bekanntheitsgrad. Zwar werde ich allein nicht mehr viel daran vergrößern können, aber 'Kleinvieh macht auch Mist'. Außerdem hättest Du eine Verbindung in die Legio, die Dir 'exklusive' Neuigkeiten zukommen lassen würde. Es ist immer von Vorteil, seinen Fuß, oder zumindest einen verbündeten Fuß, überall stehen zu haben.“
    Informationen würde Crassus wohl genug bekommen, aber seine Trecenarii bekommen nunmal auch nicht alles mit.


    Sim-Off:

    Sorry, hatte viel zu tun ...

  • Eine treffende Analyse. bemerkte Crassus ob der Einschätzung der Machtverhältnisse von Tacitus. Er sah es recht ähnlich, dass die Macht der Patrizier heute nicht mehr automatisch mit dem Stand gepaart war, sondern wie auch bei den Plebejern größtenteils von ihrem Amt abhängig war. Und auch Tacitus' persönliche Meinung von diesem Stand - dass er von ihnen nicht hielt - traf völlig Crassus'. Sicherlich, Crassus hatte nicht prinzipiell etwas gegen Patrizier - sonst würde er ja seinen geliebten Kaiser nicht lieben können - doch gegen den größten Teil und einige Familien dieses Standes sehr wohl.


    In erster Linie ist die Anzahl der Klienten ein Indikator für das Vermögen. sagte Crassus leicht grinsend. Dass mit dem Geld auch Macht verbunden war, war ja einleuchtend. Ebenso verhielt es sich mit der Beliebtheit: es wäre ja schon ein starkes Stück, wenn die Klienten öffentlich gegen ihren Patron wettern würde. Crassus sah das nur als Folgen von einander und nicht wie offenbar Tacitus, als Kriterium bei der Auswahl von einem Patron.
    Zu der Verbindung in die Legio nickte Crassus nur leicht lächelnd - belächelnd. Schon oft hatte er dieses Argument gehört und nur selten hatte er dadurch wirklich etwas neues erfahren. Immerhin war ja sein Patron Chef der Legio Prima, womit so eine Verbindung schon bestand. Und natürlich waren in jeder Legio auch getarnte Prätorianer, die immer Informationen schnell ausgeben konnten.


    Hast du Stimmrecht bei Wahlen zum Cursus Honorum? Schließlich gebe ich als Patron meinen Klienten ja gerade in solchen Wahl-Dingen gerne mal einen kleinen Wunsch auf....

  • Der restliche Wein schwappte mit einem leisen Gesang im Kelch umher, als er von Tiberius leicht geschwenkt wurde. Als wollte er versuchen, sämtliche roten Tropen zusammen zu raffen, um sie am Ende mit einem großen Schluck die Kehle hinunter laufen zu lassen. Doch die dazu gehörige Bewegung blieb aus. Weder hob er den Becher, noch nahm er einen Schluck vom Wein. Er ließ seinen Blick nicht einmal hinab sinken, sondern schaute unablässig in die Augen des Prätorianers, den Kelch immer noch leicht schwenkend. Schließlich gab er ein bestätigendes Nicken auf Caecilius ersten beiden Aussagen. Natürlich war Geld ein Mittel, bisweilen auch die Ursache, oder das Ziel für Macht, auch wenn es lange keine Garantie dafür gab.


    Tacitus hörte weiter aufmerksam seinem Gegenüber zu. Die Wahlen zum Cursus Honorum. Er hatte sich oft darüber Gedanken gemacht, er hatte sich beschwert über diejenigen, die ihre Aufgabe nicht richtig machten in der Politik und er hatte nicht selten laut gelacht, als er von einigen Wahlreden erfuhr. Aber hatte nie gewählt, wohl aus dem Grund, weil er eben kein Stimmrecht hatte. Aber war denn nicht bald wieder der nächste Cursus, der dies ermöglichte? Er würde hier nach wohl zur Schola gehen müssen, um sich dort zu erkundigen und gegebenenfalls sich direkt in die passende Liste eintragen. “Nein, seit meiner Ankunft in Rom gab es keinen Cursus, der dies ermöglichen würde. Allerdings – sobald der CRV angeboten wird – werde ich mich direkt dort in die Liste eintragen!“ Erwiderte der Artorier sicher. Ihm war es nicht entgangen, dass die Klienten den wählten, der von ihrem Patron vorgeschlagen wurde. Das erwartete der Patron und der Klient hatte hinterher auch noch seinen Nutzen daraus. So war jeder, bis auf den Verlierer der Wahl, zufrieden. So funktionierte das System.

  • Crassus nickte langsam und nachdenklich zu Tacitus Antwort. Er hatte eigentlich gehofft, dass dieser schon einen solchen CRV geleistet hätte und das aktive Wahlrecht besitzen würde. Dann wäre die Entscheidung schon gefallen gewesen, so musste Crassus allerdings noch überlegen. Der Artorier versicherte ja, dass er den Kurs machen werde, sobald er wieder angeboten wird - dass der Artorier da durchfallen könnte, ließ Crassus bei seinen Überlegungen außer Acht. Der Test war ja für einen Römer nun wirklich nicht so schwer, dass man da groß Angst haben musste durchzufallen.
    Gut, die nächsten Wahlen zum Cursus Honorum waren noch ein ganzes Stück entfernt, bis dahin dürften noch gute zwei CRVs angeboten werden, weshalb der Artorier bis zu diesen Wahlen also eigentlich das Wahlrecht haben sollte.


    Ich werde dich vorläufig als meinen Klienten aufnehmen. Unter der Vorraussetzung, dass du das aktive Wahlrecht schnellstmöglich erlangen wirst.

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