[Ausbildung] S. Germanicus Sollianus

  • Der nächste Morgen, nachdem Germanicus Sollianus von der Legio Prima aufgenommen wurde und als Probatus galt, kam schnell. Morgens früh, die Sonne blinzelte noch nicht mal hinter dem Horizont hervor, wurde er von zwei Optios aus dem Bett geworfen, wie der Rest der Probati und ohne Frühstück erst mal einige Runden um das Kastell gescheucht. Erst dann bekamen sie einen kargen Brei, etwas verdünnten Essigwein und dann den Exerzierplatz zu sehen. Dort wartete schon einer der beiden Optio, der sie morgens geweckt hatte. In seinen Händen hielt er einen Optiostab. Seine Augen waren auf das Dämmern am Himmel gerichtet und er schien die Probati erst nicht zu beachten. Erst nach einer Weile wandte er sich um.


    Probati! In aciem venite! Salutate!“


    Der Optio, gut erkennbar an eben jenem Optiostab, ging vor den Männern auf und ab. Sein Gesicht war für einen Moment einfach nur grimmig und ernst, doch dann löste sich dieser Eindruck auf, als es kurz um seinen Mundwinkel zuckte und seine Augen doch nicht ganz so streng schauten. Er hatte eher etwas Gutmütiges an sich. Wenn er auch durch und durch seine Autorität ausstrahlte.


    „Viele von Euch stehen heute das erste Mal hier auf dem Exerzierplatz der Legio Prima. Deswegen vorneweg, mein Name ist Optio Flavius Aristides. Ihr sprecht mich entweder mit Optio oder Optio Flavius an. Aber nie, und das will ich von keinem hören, mit meinem Cognomen. Verstanden?“


    Marcus sah jeden Einzelnen an. Vielleicht würde eines Tages einer der Probati das doch dürfen, aber bestimmt nicht im Dienst oder gar jetzt schon. Da war Marcus, wie wohl alle in seiner Familie, sehr empfindlich. Nur Plautius und der Legat hatten da eine Sonderstellung bei ihm. Wieder ging er auf und ab.


    „Alle laufen jetzt einige Runden, danach setzt ihr die Übungen von gestern fort. Die Neuen halten sich an die älteren Probati hier. Ausführen!“


    Sofort sah er zu einem der Probati, der ihm heute Morgen von einem Mitsoldaten gezeigt wurde.


    „Probatus Germanicus, Du bleibst hier!“


    Marcus stellte sich vor ihn, hielt seinen Optiostab hinter dem Rücken und sah ihn fest und prüfend an. Ein Cohortes Urbanae also! Marcus hielt nicht viel von den kleinen Einheiten, waren sie in seinen Augen keine richtigen Legionäre, eben kleine Soldaten. Aber er wußte auch, daß Artorius Avitus auch von der CU kam. Und der war eindeutig ein guter Legionär. Zumindest hielt ihn Marcus für einen. Da sollte man nicht den Soldaten vor dem Abend verdammen, dachte er sich. So nickte er Sollianus zu.


    “Germanicus, mir wurde von den Problemen mit Deinem Übertritt berichtet. Ich werde Dich in den nächsten Tagen prüfen und sehen, was Dein Ausbildungsstand bist und ob wir Dich gleich weiter nach oben und zum Miles befördern können. Sollte das der Fall sein, dann heißt es nicht, daß Deine Ausbildung zu Ende ist. Die Cohortes Urbanae ist ganz, ganz anders als die Legion. Die Arbeit auch! Und somit müssen wir eventuelle Lücken dort noch schließen!“


    Natürlich hatte Marcus keine blasse Ahnung von der Arbeit der CU, aber er nahm mal an, daß sie dort sozusagen den Weichspülgang an Ausbildung hinter sich gebracht hatten. Davon und von weiteren Vorurteilen (;)) seinerseits ließ sich Marcus jedoch äußerlich nichts anmerken.


    „Berichte mir, was Deine Ausbildung im Einzelnen umfaßt hat!“

  • Als er am Morgen geweckt wurde, war er schnell auf den Beinen gewesen. In der ersten Zeit bei der CU war ihm dies meist noch schwer gefallen, war er früher doch eher, wenn auch ein Sportler, der Lebemann gewesen und musste sich erst an die neue Zeit und den Drill gewöhnen. Das erste Laufen vor dem Frühstück war für ihn sogar eine Wohltat, wurde er doch immer und immer wieder am Besten durch dieses Laufen wach und richtig fit. An Tagen, an denen er nicht laufen konnte, mutierte er oft zu einem Morgenmuffel. Das war so, seit er in Achaia gehofft hatte an den olympischen Spielen teilzunehmen und so mit dem Laufen begann. Doch auch wenn er es nie tat, nie gut genug für seinen Lehrmeister war und irgendwann selber merkte, dass seine Leistungen zwar im Vergleich zu den Meisten weit über Durchschnitt waren aber niemals an denen eines Olympioniken heranreichten, hatte er begonnen im Laufen einfach nur noch Spaß und eine Art Lebensbestätigung zu finden.


    Nach dem Frühstück, welches sich im Wesentlichen nicht sonderlich von dem bei der CU unterschied, fühlte er sich zu allem bereit. Auch dazu sich eine längere Ansprache anhören zu müssen, die sich dann aber als erstaunlich kurz erwies, wofür er definitiv nicht undankbar war. Er erinnerte sich zu gut an seinen ersten längeren Auftritt in der Einheit, damals noch als Probatus, wo er das sagenhafte Vergnügen hatte in der Hitze beim Abschied irgendeines ihm unbekannten Tribunen dabei zu sein. Damals war er fast eingeschlafen vor Langeweile. Allerdings hatte sich seit dem Einiges geändert. Gerade als er loslaufen wollte, sagte der Optio ihm, dass er stehen zu bleiben habe und so tat er dies und meinte respektvoll und fragend: "Optio Flavius?"


    Aufmerksam lauschte er seinen Worten und fragte sich, ob das bereits Castellumsgespräch war oder es sich nur auf ein paar Wenige beschränkte. Letzteres wäre ihm eindeutig lieber, denn er konnte wirklich nicht behaupten, dass ihm die Situation gefiel. Als der Optio davon sprach, dass er seinen Ausbildungsgrad überprüfen wolle und die Arbeit bei der CU ganz anders sei als bei der Legio, hob er unmerklich eine Braue. Ja sicher, dachte er bei sich, hier muss ich keine Verbrecher durch halb Rom jagen und kriminalistisch denken. Zumindest bezweifle ich, dass die Legionäre das tagtäglich als Anforderung erhalten. Aber er schwieg zu diesem Thema und behielt die Gedanken für sich. Er konnte den Optio noch nicht einschätzen, ging aber davon aus, dass er gewisse Vorurteile hatten, die letztlich dazu führen würden, dass ihm selber Schwerstarbeit bevorstehen würde diese von ihm abzubauen. Aber wer nicht wagte, der gewann auch nicht.


    Als der Optio einen Bericht erwartete, begann er diesen, wie es ihm zur Gewohnheit wurde wenn er über Verbrechen und Ermittlungsverläufe berichten musste, dies in chronologisch inhaltlicher Reihenfolge zu tätigen: "Die Ausbildung der Probati beinhaltete Konditions- und Krafttraining, Formalübungen, Ausbildung an den Waffen: Gladius, Pilum und Hasta, des weiteren strafrechtliche Theorie wie auch Praxis. Möchtest Du über diese tiefergehende Informationen haben, Optio?" Sein Blick war direkt auf einem Punkt über dessen linken Schulter gerichtet. "Als Miles sind die Ausbildungsgänge vertiefend und erweiternd. Hinzu kommen vielfältige Aufgaben im kriminalistischen aber auch militärischen Bereich: Patrouillen, Wachen und so weiter. Wünschst Du eine genauere Erläuterung der Dienstinhalte eines Urbaners, Optio Flavius?" Da ihm nicht gesagt worden war sich zu rühren, stand er noch immer stramm vor dem Optio, wirkte dabei aber dennoch recht entspannt, zumindest im Vergleich zu den anderen Probati, denen einfach die Übung mit höheren Rängen fehlte.

  • Klong! Klong! Etwas irritiert sah Marcus auf seinen Optiostab als dieser nicht das vertraute Klick! Klick! von sich gab, als er damit leise gegen seine Rüstung schlug. Doch das trübte nur kurz Marcus Aufmerksamkeit, während er Sollianus zuhörte. Strafrechtliche Theorie? Marcus blinzelte verblüfft. So was lernte man bei den Cohortes Urbanae? Das klang ja ganz nach Lesen und Schreiben und stundenlangem Büffeln aus Büchern und Schriftrollen. Marcus dankte inbrünstig den Göttern, daß sie ihn nicht zu den Cohortes Urbanae geschickt hatten. Obwohl? Vielleicht hätte er seinen Sklaven auf die Aufgaben angesetzt. Marcus blick folgte Sollianus Augen. Hatte er was an den Schultern? Hatte ihm gar ein Vogel auf seine Rangabzeichen gekackt? Schnell besah sich Marcus seine Schulter. Doch nicht, Glück gehabt. Schließlich stand er nicht auf allzu gutem Fuß mit allerlei Krabbel-, Flug- und Kriechtieren. Marcus schüttelte knapp den Kopf auf die Fragen hin.


    „Nein, nein, das reicht schon. Du kannst es mir ja ein anderes Mal genauer erzählen, Germanicus! Und wie mir scheint fehlt bei Euch das Formationstraining. Nun, dem werden wir noch abhelfen.“


    Waffenausbildung, Formalausbildung- den Göttern sei Dank, das mochte Marcus gar nicht- und Patrouillen? Wie erfrischend, endlich mal ein Probatus, wo Marcus wenig Arbeit hatte. Obwohl, jeder konnte alles behaupten. Außerdem sollte er ihn ja schließlich überprüfen. Aber Marcus kam da schon eine Idee, wo er den Neuen durchaus noch gebrauchen könnte. Ja, ja doch! Marcus trat einen Schritt zurück. Mit seinem Kinn deutete er auf einen Pfahl, Holzschilde und Holzgladii, die in der Nähe bereit lagen.


    „Gut, dann zeige mir doch mal Deine Waffenfertigkeiten. Zuerst das scutum und gladius. Wenn Du es wohl schon beherrscht, dann muß ich Dir ja nichts zu sagen. Dort drüben liegen einige Übungswaffen. Bedien Dich! Persequi!“


    Marcus wartete einen Herzschlag und ging dann langsam näher an den Holzpfahl. Dabei wandte er nicht den Blick von dem Neuen.

  • Machte man das in der Legio in anderen Übungen? fragte er sich und sah den Optio einen Moment irritiert an, ehe er sagte: "Verzeih, Optio, das ist so nicht ganz korrekt. Das Formationstraining fand im Rahmen der Formalübungen statt. Princeps Prior Decimus Nepos legte da sogar besonderen Wert drauf, da er stets betonte, dass die Cohortes Urbanes schon durch ihr Auftreten klar machen müssen, wer der Herr ist." Er erinnerte sich nicht mehr an den genauen Wortlaut, aber zumindest erinnerte er sich noch zu gut an das über den Platz gescheuche in den unmöglichsten Formationen, Anordnungen und viel schlimmer den kompliziertesten Anweisungen wo sie jetzt hinzugehen hatten und wie. Er hatte sich manchmal scheinbar förmlich einen Spaß daraus gemacht junge Probati mit dutzenden schnell gerasselten Anweisungen zu verwirren und über die eigenen Füße stolpern zu lassen.
    Andererseits, vielleicht meinte der Optio hier auch ein anderes Formationstraining. Man wusste ja nie, was die Legiones da so noch Alles machten, hatten sie ihrerseits bei den Stadteinheiten nicht so den besten Ruf.
    Als er auf die Waffen deutete nickte er. Selbstverständlich wusste er etwas damit anzufangen und so nahm er eines der Scuta, nach einem schnellen, abschätzenden Blick eines, was entsprechend nutzbar war und testete drei Gladi, ehe er sich für eines entschied. Das Alles dauerte nur wenige Augenblicke und obwohl er das Scutum immer noch hasste wie die Pest, war und blieb er doch der flexible Faustkämpfer und war auch mit dem Gladius ohne Scutum um viele Längen besser, ging er damit routiniert um. Und immerhin war ihm in der Probatiprüfung ein kleines Kunststück damit gelungen Nepos zu "töten". Gut, dieser hatte ihn in genau dem selben Augenblick erwischt, aber er war weiter gekommen als Sedi und Minor, was ihn schon mit etwas stolz erfüllt hatte und er hatte ja nicht geschlafen danach, sondern immer weiter trainiert. Aber das Scutum wollte und wollte ihm nicht zum Freund werden, auch nicht bei den Patrouillen und Wachen durch Rom. Und wer einmal mit Scutum im Arm hinter einem Verbrecher in Rom zu rennen versuchte, konnte seine Abneigung wahrscheinlich gut verstehen. So aber folgte er dem Optio zu dem Holzpfahl und wartete auf weitere Anweisungen, auch wenn er schon jetzt wusste, was wahrscheinlich kommen würde.

  • Schweigend hatte Marcus abgewartet, welche der gladii sich der Neue denn nun nahm. Dabei schweifte sein Blick ab und er musterte eine Weile die anderen Probati, die eifrig und manche nicht ganz so eifrig, die anderen Holzpfähle bearbeiteten als ob eine Horde Germanen vor ihnen stehen würde. Marcus seufzte. So wie die dort mit dem Holzschwert herumschlenkerten würden sie wohl noch ein Weilchen brauchen ehe sie sich tatsächlich einem Feind stellen sollten. Die Wahl des scutum, da schien der probatus nicht so lange zu brauchen.


    „Formalausbildung ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit Formationstraining. Das Erste beinhaltet mehr das Erlernen der Hierarchie und Ausführen der Befehle. Das Zweite ist das Üben in einer Schlachtreihe, von der einfachen Reihe bis zur Schildkrötenformation. Da wir milites der Legionen eher in solchen Schlachtreihen kämpfen und weniger Mann gegen Mann in Straßenzügen ist das eine nicht abwendbare Ausbildung, die Du noch erfahren solltest! Es ist schließlich als keine Schikane gemeint. Aber einen Soldaten, der nicht in einer Schlachtreihe vernünftig kämpfen kann, können wir in der Legion nicht gebrauchen. Er wäre eine Gefahr für seine Mitsoldaten!“


    Grübelnd dachte Marcus noch mal über seine Worte nach. Ja, so meinte er es gelernt zu haben. Und so wie es ihm beigebracht wurde, wollte er es auch weitervermitteln. Marcus ließ den Optiostab hin und herschwenken und ging leise vor sich hinpfeifend auf und ab. So wartete er wieder bis Sollianus vor dem Holzpfahl stand. Dann wandte er sich um und sah ihn an...und sah ihn an...und wartete...und zog langsam seine Augenbrauen etwas zusammen. Worauf wartete der probatus? Es brauchte einige und noch mehr Herzschläge bis Marcus verstand, daß Sollianus wohl auf Befehle wartete oder ein Startzeichen. Bei Mars Faust, die hatte er doch schon gegeben? Oder nicht? Marcus konnte sich nicht wirklich mehr daran erinnern. Eher an seine Essgelüste, die ihn im Moment wieder packten.


    „Worauf wartest Du, Germanicus? Los, greif den Pfahl an. Zeig mir, was Du als ausgebildeter Soldat schon drauf hast!“

  • Sim-Off:

    Entschuldige fürs lange Warten, aber momentan totaler RL-Stress


    Die Erklärungen nahm er so hin, wie sie waren. Es konnte letztlich ja wohl nicht schaden und so musste er sich da auch nicht weiter Gedanken drum machen und würde einfach warten, was passieren würde. Testudos hatten sie wirklich nicht unbedingt gemacht, einmal oder zweimal, denn schliesslich war ja nicht nur der Dienst in Rom selber ihre Aufgabe gewesen, sondern sie waren ja auch dafür verantwortlich, dass Rom als letztes Bollwerk durch sie geschützt werden würde.
    Wenn es von ihm her gewesen wäre, dann hätte er schon länger loegelegt. Dummerweise waren die Ausbilder bei der CU dann immer ausgerastet, wenn man in der Ausbildung mal den Kopf benutzte und so hatte er gelernt zu warten. Nachher, auf den Straßen wurds da schon viel erträglicher. Da das Gladius für ihn, trotz des mistigen Scutums, eine leichte Übung war, legte er in schnellen, geschickten Schlägen los. Drosch hart aber gezielt auf den Pfahl ein und hielt dabei seine Deckung geschickt oben. Selbst der PU hatte damals Schwierigkeiten gehabt gegen ihn zu bestehen und ein wenig bedauerte er in diesen Tagen, dass es kein Kampf mit echten Waffen gewesen war, denn er hätte ihm gerne das Fell gegerbt. Und die Gedanken an diesen Mann führten dazu, dass die Schläge noch präsziser und härter landeten, er aber wie in einem echten Kampf dabei die Deckung nicht venachlässigen ließ und davon ausging, dass der Pfahl ein sich bewegender Gegner war, dem er auch ausweichen musste.

  • Sim-Off:

    kp...macht mir ja weniger "Arbeit" ;)


    Nur mit Mühe und Not konnte Marcus ein breites Grinsen unterdrücken als er den probatus auf den Pfahl einschlagen sah. Wenn das ein Germane gewesen wäre, ein Straßenräuber oder ein gemeiner Mörder, er hätte nicht wirklich zu lachen bei der Verbissenheit, die dieser Mann mit dem Schwert ans Tage legte. Da sich Marcus unbeobachtet wähnte, kratzte er sich grübelnd am Nacken und sah Sollianus zu. Was er sah, war nicht schlecht. Sogar ziemlich gut. Aber...hm, ganz überzeugt war Marcus dann doch wieder nicht. Wenn er auch die Fähigkeiten von Sollianus weit über einem Probatus einschätzte. Noch eine Weile ließ er Sollianus mit dem Holzpfahl kämpfen und beobachtete wie einige Holzspäne fielen. Ja, ja, wo gehobelt wurde...da...da..., Marcus überlegte,...kein Preis? Das war zu viel verlangt, gleichzeitig Ausbildung und dann noch Sprichwörter aufzählen!


    „Genug! Gut, gut, Germanicus. Das ist in der Tat nicht schlecht. Für einen miles ausreichend. Aber an der Grundtechnik kannst Du durchaus noch feilen. Sie wird im Eifer des Gefechtes ein wenig schludrig, finde ich. Aber dazu kommen wir dann später! Du hast auch pilumwerfen gelernt? Auch in der Formation und mit dem Salvenwurf? Oder nur alleine?“


    Marcus drehte sich um und sah sich suchend nach dem kleinen Troßjungen um, den er immer mal wieder mit kleinen Aufgaben betraute. Der Bengel war von irgendeinem der Soldaten der kleine Bastardsohn und schon seit einiger Zeit als Hilfe für die Soldaten rekrutiert worden. Der Troßjunge kam schließlich schnell heran gelaufen.


    „Lucius, hol drei pila! Zwei Schwere und ein Leichtes. Aber flott, Junge!”


    Gesagt, getan. Kurze Zeit später hatte der Junge die Übungswurfspeere gebracht und legte sie schwer atmend neben Marcus und Sollianus. Marcus sah zu den Waffen und nickte zufrieden. Einen Blick schenkte er noch den anderen Probati, doch die übten immer noch fleißig weiter. Mit dem Kinn deutete er auf die Waffen.


    „Gut, zeig mir mal, wie Du es gelernt hast mit dem pilum umzugehen. Und bitte, durchbohre heute keinen der probati. Das bringt nur unnötigen Papierkram mit sich. Und ich hasse Papierkram! Vorwärts und fang ruhig an.“


    Marcus trat wieder ein paar Schritte zurück. Wenn er sich vorher einen Scherz erlaubte hatte, ließ er sich es nicht anmerken. Und zum Teil stimmte es ja auch. Er haßte es, Berichte zu schreiben und Dokumente auszufüllen. Dafür sollten eigentlich nur scribae tätig sein und nicht ein Soldat.

  • Er fand das allerdings nicht, das dem so war und erlaubte sich zu sprechen: "Bitte um Erlaubnis dem Optio zeigen zu dürfen, dass dies im Rahmen eines Gefechtes, oder eben eines Mann gegen Mann- Kampfes nicht der Fall ist." Er hatte bei der CU vielleicht zwei oder drei Mal gegen so einen Holzstamm kämpfen müssen, sonst hatten die Ausbilder immer Wert auf das richtige Gegeneinander gelegt, ungeachtet der Verletzungsgefahr. "Dieser Gegner," er deutete auf den Pfahl, "ist durchaus vorhersehbar und wenig verteidigungsfähig, weshalb de Einschätzung vielleicht verfälscht wird, Optio."
    Als er das Thema Pilumwerfen aufwarf, nickte er, wenn auch innerlich seufzend. Ihm war die Hasta lieber. "Ja Optio, sowohl als auch, jedoch ist im aktiven Dienst des Urbaners das Hasta der tägliche Begleiter." Das Pilumwerfen war ihm, trotz oder gerade wegen mehrmaligem Training die Woche leicht verhasst. Er traf zwar, mittlerweile auch nicht mehr seine Kameraden neben sich, aber er war eben nicht so treffsicher, wie er es gerne wollte und schaffte es nicht sich selber zufrieden zu stellen, auch wenn es wohl bisher ausreichend immer war.
    Als die Pila kamen, sah er sie einen Moment genervt an und nickte dann. "Jawohl, Optio," meinte er und nahm sich zunächst das schwerste derer, tarierte es kurz aus, stellte sich in Position, visierte ein entsprechendes Ziel in etwa 100 Fuß* Entfernung an, welches auch als Solches erkennbar war. Sein linker Fuß stand vorne, der rechte etas zurück, so dass er beim Ausholen entsprechend das Gewicht darauf verlagern konnte und taxierte es noch einmal einen halben Herzschlag lang, ehe er ausholte und warf. Das Pilum landete recht nah, jedoch nicht ganz genau, das Ziel traf. Immerhin war es nicht mehr wie am Anfang dass er von einem Elefanten den Rüssel nur getroffen hätte, wenn überhaupt, sondern dass man sich mittlerweile schon einen Menschen, der irgendwo getroffen worden war, vorstellen konnte. Jedoch gelang ihm immer noch selten den Oberkörper oder Hals zu treffen. Angesichts der Tatsache, dass sich diese Waffe aber nicht einfach so aus dem Körper ziehen ließ ohne größere Verletzungen zu verursachen, war das aber in wohl den meisten Fällen nicht so tragisch.
    Nach einem kurzen Seitenblick zum Optio nahm er das nächste Pilum und traf schon besser, wenn auch wohl hier eher der Schritt der Empfänger der Spitze geworden wäre, was ihm bei der Vorstellung einen leicht schmerzhaften Zug um die Mundwinkel verursachte. Das dritte Pilum war für seine Verhältnisse zu leicht und er versuchte zwar das entsprechend zu tarieren, aber das Pilum flog dennoch etwas zu weit.


    Sim-Off:

    * 1 Fuß = 29,7 cm

  • Langsam, aber sicher verschmälerten sich Marcus Augen. Die Worte zu Marcus Einschätzungsfähigkeiten trafen nicht auf fruchtbaren Boden. Marcus war kein Mann, der sonderlich kritikfähig war. Im Gegenteil, er konnte bei manchen Gelegenheiten dort recht empfindlich reagieren. Was er verkraftete war, wenn die Kritik in wohlklingende und eine äußerst geschickte Verpackung verborgen lag. Dort bekam er es nicht mit. Aber hier von einem probatus und vor den Ohren so mancher anderer probati war er doch entschieden reizbarer. Doch in dem Moment sagte Marcus nichts. Er betrachtete nur stumm die Würfe von Sollianus. Er legte den Kopf leicht zur Seite und nickte hin und wieder mal. Ein Speer war geworfen. Für einen Urbaner fand er das Ergebnis ziemlich gut. Marcus bezweifelte, dass viele das so gut beim ersten Wurf hinbekommen würden.


    Aber die Legionäre waren hauptsächlich auf die Gruppenkämpfe trainiert und da waren pilasalven in Massen alleine schon eine gefährliche Sache, selbst wenn nicht alle präzise geworfen wurden. Marcus war selber nicht so großartig im Werfen von dem Wurfspeeren. Zwar schon sehr viel besser als noch vor einiger Zeit, aber das gladius lag ihm mehr. Der zweite Wurf, nicht schlecht, nicht schlecht! Marcus nickte zufrieden. Daß der Dritte etwas weiter ging, machte ihm da überhaupt nicht mehr. Marcus hatte genug gesehen.


    „Das sieht gut aus, Germanicus. Summa summarum bin ich recht zufrieden mit dem Stand Deiner Ausbildung. Dennoch sehe ich ein wenig Nachholbedarf, was Deine Ausbildung von der Cohortes angeht. Gruppenformationen, Schlachtlinien und pilasalven werden wir jedoch sicherheitshalber mit Dir üben. Aber über den Stand eines normalen und blutjungen probatus bist Du sicherlich. Kannst Du Reiten und Schwimmen? Schon einen Übungsmarsch gemacht?“


    Marcus trat an Sollianus heran und sah ihn dann ernst an. Leise, mit Eiseskälte und einer gewissen Autorität in der Stimme gab er die nächsten Worte von sich.


    „Und im Übrigen, wage es nicht noch mal, mich hier auf dem Platz in Frage zu stellen. Sobald Du mich aufgeholt hast und mit dem Rang über mir stehst, kannst Du das machen. In einer Taberna außerhalb des Kastells auch. Aber nie und niemals hier auf dem Platz. Hast Du mich verstanden?“


    Marcus war zwar oftmals eher ein gutmütiger und freundlicher Mensch, doch im Dienst zog er durchaus seine Grenzen und die hatte Sollianus erreicht gehabt.

  • "Danke Optio," sagte er möglichst neutral und ohne Stolz in der Stimme zu zeigen. Es sollte einfach nur ein simples Danke sein. Er selber war mit seinen Würfen gar nicht zufrieden, vor Allem mit dem Letzten nicht, aber wenn der Optio das so sah, dann sollte es ihm letztlich nicht unrecht sein. Nun gut, was die Übungen betraf, da würde er wohl nie gänzlich rauskommen, so wie es aussah. Also nahm er diese Auskunft so hin, wie sie war. "Ja, Optio, reiten kann ich. Ich bin weitesgehend auf dem Gestüt meines Vetters in Mogontiacum aufgewachsen, da gab es genügend Gelegenheiten dazu. Schwimmen zumindest in soweit, dass ich nicht wie ein nasser Sack untergehe, Optio, allerdings wäre das Wort gut eine maßlose Übertreibung!" Er sah dabei meistens eher aus wie ein Hund, der paddelt. Er liebte zwar das Wasser der Thermen und er ging auch gerne in Germanien mal in den Fluß zum Baden, aber irgendwie war er nie wirklich in die tiefen anspruchsvollen Bereiche gelangt. Übungsmarsch? Er nahm nicht an, dass damit die Patrouillen und der Kram gemeint war und meinte dann nachdenklich. "Einmal Ostia und zurück, Optio. Jedoch auch wenn es in voller Montur war mit Ausrüstung, wird es vermutlich nicht mit den Übungsmärschen der Legio vergleichbar sein. Ansonsten nur Patrouillen, Optio!"
    Dann hörte er die nächsten Worte und irgendwie bekam er das Gefühl grinsen zu müssen, aber er verkniff es sich ganz extrem und biss sich innerlich auf die Zunge. Der Mann schien nicht wirklich kritikgähig und auch recht anfällig zu sein, aber gut, er war der vorgesetzte Offizier und wenn er es so wollte, dann sollte er es so haben. "Jawohl Optio! Verstanden, Optio!" antwortete er entsprechend zackig und grinste dennoch innerlich, was einem aber nicht auffallen konnte, wenn man ihn nicht kannte.

  • Marcus musterte ihn genau. Außer Hannibal oder Caius durfte sich niemand ungestraft über Marcus Flavius Aristides lustig machten- aber konnte es sein, daß Sollianus gar nicht impertinent hatte sein wollen? Das Gesicht von Sollianus schien ihm unbewegt und ernst, aber auch Hannibal zeigte nicht einmal den Anflug eines Lächelns wenn er subtil sich über Marcus lustig machte. Marcus schwieg und sah Sollianus länger an. Nein, doch nicht. Kopfschüttelnd trat Marcus einen Schritt zurück. Die Speere lagen noch auf dem Sand des Platzes, still und unberührt, Marcus betrachtete sie und nickte schließlich. Ostia und Rom, ja war ja nicht schlecht. Somit war ein weiterer Punkt auf der Liste von Avitus abgehackt. Wobei ein Probatus viel behaupten konnte, was er alles schon gelernt hatte. Doch Marcus ging in den meisten Fällen von der Ehrlichkeit der Männer aus, der hier hatte ihm bis jetzt keinen Grund zum Gegenteil gegeben.


    “Gut, wie es mir erscheint, wirst Du keine Katastrophe für die Prima sein. In den nächsten Tagen findet sowieso die Ausbildung des Formationstrainings für die anderen probati. Ich werde Dich dann dementsprechend dazu rufen, damit wir die Mali noch beheben können. Ob noch weitere Ausbildung für Dich ansteht, wird auch noch entschieden werden. Bis dahin wirst Du zum regulären Dienst, wenn es mein Centurio und natürlich der Präfekt so befinden, eingeteilt. Wegtreten, Soldat!“

  • Still stand er da und ließ die Musterung regungslos über sich ergehenn. Seine Augen blickten stur gerade aus, sein Gesicht war regungslos und er wartete geduldig. Zur Not hätte er es wohl auch den ganzen Tag so ausgehalten, allerdings spürte er in diesem Augenblick das untrügliche Ziehen in der Blasengegend, weshalb er nicht unglücklich darüber war, dass der Optio mit der Musterung und auch mit dem Rest des Programmes zu Potte kam. Als er die Worte hörte, schwieg er auch hier, bis auf ein: "Jawohl, Optio!" Danach trat er weg, nicht ohne sich, wie bei den Cohortes gelernt um die genutzte Ausrüstung zu kümmern und verschwand gemächlich dorthin, wo selbst der Kaiser wohl zu Fuß hinging.

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