Verhörraum - 3 Meuterer

  • Der Optio führte die Gruppe durch einige Gänge und ein paar Treppen hinauf, bis sie schließlich durch eine weitere schwere Tür in ein Verhörzimmer gelangten. Ein paar einfache Schemel standen für die Soldaten bereit. Am anderen Ende des Raumes, hinter einem Holztisch, saß ein Tribun der Flotte, dessen muskulöser Körper nur teilweise von einer einfachen Diensttunika verdeckt wird. Trotzdem bleiben auch mehrere bewaffnete Wachen im Raum.


    "So, ihr seid also das kläglich Häuflein von Meuterern aus der LEGIO I?!" Langsam ging der Tribun an den sitzenden Männern vorbei. "Ihr wisst was auf Meuterei steht?" Er schlenderte wieder auf die andere Seite des Raumes. "Sicher wisst ihr das. Und dass ihr gemeutert habt, steht außer Frage, sonst wärt ihr nicht hier. Dass ihr hier vor mir sitzt, ist eine nette Gnade des Kommandeurs, der mal wissen will, was euch zur Meuterei gebracht hat." Er war wieder an seinem Tisch angekommen, setzte sich auf die Kante und verschränkte die Arme. "Dann lasst mal hören - was hat euch dazu gebracht, dem Legaten Macer mit einem gezückten Gladius vor der Nase herumzuwedeln?"

  • ich ergriff das wort. meine kameraden saßen daneben.


    "Tribun, ich möchte für mich und meine kameraden sprechen. was das zücken des gladius vor dem kommandeur Macer angeht, so war das eine emotionale unbeherrschbarkeit, für die ich einstehen will.
    die gründe für unsere befehlsverweigerung sind folgende. wir sehen uns außerstande gegen unsere eigenen Brüder zu ziehen, die nur durch einen einzelnen Barbaren geblendet worden sind."


    ich setzte mich wieder hin. mehr wollte ich jetzt nicht sagen.

  • "Eine emotionale Unbeherrschbarkeit? Ihr seid doch bei der Reiterei - und stellt die berittene Leibwache des Legaten. Da haben in seiner Gegenwart keine Unbeherrschbarkeiten vorzukommen!


    Was machst Du mit deinem Pferd, wenn es scheut und nicht das tust, was Du von ihm willst?"

  • Zitat

    Original von Spurius Purgitius Macer
    "Eine emotionale Unbeherrschbarkeit? Ihr seid doch bei der Reiterei - und stellt die berittene Leibwache des Legaten. Da haben in seiner Gegenwart keine Unbeherrschbarkeiten vorzukommen!


    Leibwache des Legaten ? stutzte ich. "Bisher wurden wir nur zu Postzwecken eingesetzt. In einem Augenblick menschlicher schwäche habe ich in einem emotionalen affekt überreagiert. Ich bin mir bewusst, das es falsch war und will dafür auch einstehen."


    Zitat

    Was machst Du mit deinem Pferd, wenn es scheut und nicht das tust, was Du von ihm willst?"

    Zitat


    "Ich ziehe die Zügel fester an."

  • "Du darfst Dir sicher sein, dass der Legat mit Dir das selbe machen wird. Scheuende Pferde kann die Legion nicht gebrauchen."


    Er ging weiter zum nächsten.


    "Noch so ein scheues Pferd? Was brachte dich dazu, ihm zu folgen?"

  • Flaccus stand auf.


    Tribun, ich bin Sempronius Flaccus. ich diene schon seit zwanzig jahren dem kaiser in der Legion, habe viele schlachten geschlagen und gegen Barbaren gekämpft, aber nie erhob ich mein Schwert gegen römer.


    er machte eine kurze Pause.


    Ich habe einen sohn. Er schluckte. wie sollte ich ihm das erklären, wenn ich römer getöt hätte ?

  • "Nicht gegen Römer - aber gegen deinen Legaten!"


    Der Tribun schüttelte den Kopf - ihm fehlte jedes Verständnis für solche verdrehten Aussagen.


    "Und was Du deinem Sohn sagen sollst? Wenn Du nicht gemeutert hättest, hättest Du ihm sagen können 'Ich bin der Mann, der den Imperator gerettet hat!'. Oder 'Als andere Männer ihren Eid verrieten, stellte ich mich ihnen entgegen!'.


    Und was kannst Du ihm jetzt sagen?! Was sagst Du ihm, wenn er dich fragt, wo Du in dieser wichtigsten Schlacht in der Geschichte deiner Legion warst? Wirst Du ihm sagen können, dass Du im entscheidenen Augenblick feige warst? Dass Du versagt hast, als der Imperator dich am nötigsten brauchte? Sagst Du ihm, dass Du in einem schimmeligen Kerker saßt, als die Welt auf das Schlachtfeld schaute?"


    Der Tribun hatte sich in Rage geredet und knallte mit der Faust auf den Tisch dass es krachte. "Wirst Du damit fertig, dass Du 20 Jahre Dienst in der Legion in den Dreck geschmissen hast, weil Du nicht mal deine Hauptstadt verteidigen kannst?"

  • In Sempronius staute sich die Wut. nur mit mühe beherrschte er sich un unterdrückte den groll.


    Ich soll feige sein ?
    in zahlreichen schlachten habe ich mich für den Kaiser geopfert und meine Stadt Roma oft genug zu verteidigen gewusst. ich stand an vorderster front und kämpfte gegen barbarische Invasoren. ich habe meinen mut viele male bewiesen und auch die tatsache, das ich hier in dieser situation vor euch stehe, beweist meinen mut, denn ich verstecke mich nicht hinter Befehlen von bürokraten aus Rom.


    Ihr sprecht von der wichtigsten schlacht in der Geschichte dieser Legion.
    Ich sage: diese schlacht ist eine schande für ROM !!!
    wir können nur hoffen, das sie so schnell wie möglich aus den erinnerungen und den geschichtsbüchern verschwindet und unsere nachkommen diesen greuel überleben. es ist eine schande !


    er machte eine pause.


    meinem Sohn werde ich das erzählen, was mir schon mein vater erzählte. nämlich das Tugenden wie Treue (zu Roma), Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Mut und Ehrfurcht vor unseren göttern das maß aller dinge sind, die man mit all seiner überzeugung ausleben und verteidigen soll.

    Zitat


    "Wirst Du damit fertig, dass Du 20 Jahre Dienst in der Legion in den Dreck geschmissen hast, weil Du nicht mal deine Hauptstadt verteidigen kannst?"


    werdet ihr damit fertig, daß ihr über 800 jahre römische geschichte verraten und in den dreck geschmissen habt ?

  • "Du wagst es, mir Geschichtsunterricht erteilen zu wollen? Du wagst es, deinen Kameraden, die Rom verteidigen, Verrat vorzuwerfen?


    Seit wann ist es Verrat, seinen Eid zu erfüllen? Sag mir, wie kann man dem Namen Roms Schande machen, indem man es verteidigt?


    Du sprichst, als wären wir die Verräter, als hätten wir Rom angegriffen. Haben wir diesen Kampf gewollt? Nein! Aber er wurde uns aufgezwungen! Ja, er wurde uns aufgezwungen von denen, die einst unsere Brüder waren. Aber Rom ist groß geworden, weil es seinen Idealen folgt - stehe im Weg, was da komme!


    Hat Romulus nicht seinen Bruder getötet, damit Rom das werden konnte, was es jetzt ist?"

  • Das Verhör war wenig später abgebrochen und an den folgenden Tagen fortgesetzt worden, allerdings ohne brauchbares Ergebnis. Als der Tribun wieder einmal sichtlich genervt von ihren Antworten vor den Gefangenen stand, klopfte es an der Tür und ein Soldat betrat den Raum. "Alle Offiziere werden im Büro des Kommandeurs erwartet", teilte er mit. Der Tribun wollte wissen, ob es dafür auch einen Grund gäbe. "Ja, Tribun, den gibt es. Soeben hat ein Eilbote gemeldet, dass die kaisertreuen Truppen siegreich waren und der Aufstand beendet ist." Ein glückliches Strahlen war auf dem Gesicht des Flottensoldaten zu sehen.


    "Eine wahrhaft gute Nachricht. Die Götter waren uns gewogen!" stellte auch der Tribun fest und vergaß augenblicklich die nervenaufreibenden Stunden der Verhöre. "Die Gefangenen zurück in die Zellen!" ordnete er noch an und verliess dann eilig den Raum, um sich bei seinem Vorgesetzten zu melden.

  • wahrlich ! Eine fantastische Nachricht ! ihr solltet ein loch graben und euch darin vergraben !


    schrie Flaccus dem tribun hinterher. Er war jetzt emotional überhitzt. es hätte nicht viel gefehlt und er wäre dem tribun an den hals gesprungen.
    ich berührte flaccus an der schulter.


    "lass es gut sein, Flaccus, und kühle dich wieder ab!"


    aufgeheizt aber beherrschend ließ er sich wieder in die zelle führen.

  • Macer hatte auf dem Rückweg aus Picentia nach Rom, zu den Feierlichkeiten zum Sieg gegen die Rebellen, wie geplant einen Abstecher nach Misenum gemacht, um das Urteil über die Meuterer zu sprechen. Als Iudex begleitete ihn Tribun Geta, der die Soldaten zuerst nach ihren Namen und Dienstgraden befragte, um dem Protokoll genüge zu tun.
    Dann trug der ebenfalls anwesende Tribun der Flotte die Protokolle der von ihm durchgeführten Verhöre vor.


    Macer wandte sich danach an die Soldaten: "Habt ihr den bereits in den Protokollen enthaltenen Aussagen etwas hinzuzufügen?"

  • Macer nickte. "Gut, damit steht der Hergang der Ereignisse und eure Motivation unstreitig fest und demnach erfolgt die Anklage aufgrund des Verstosses gegen die folgenden Paragraphen des Codex Militaris:


    § 14 Grundpflicht des Miles
    Der Miles hat die Pflicht, dem Imperium Romanum und dem Imperator Caesar Augustus treu zu dienen und beide gegen jedweden Feind tapfer zu verteidigen.


    § 15 Eintreten für die kaiserliche Ordnung
    Der Miles muss die kaiserliche Ordnung anerkennen und durch sein gesamtes Verhalten für ihre Erhaltung eintreten.


    § 18 Gehorsam
    (1) Der Miles muss seinen Vorgesetzten gehorchen. Er hat ihre Befehle nach besten Kräften vollständig, gewissenhaft und unverzüglich auszuführen.


    Sowie wegen Bruch des Eides und wegen Bedrohung und Nötigung von Vorgesetzten."


    Er blickt kurz zu Geta herüber, ob dieser etwas hinzuzufügen hat und fährt dann fort: "Wir haben uns bereits geeinigt, die Anklage gegen euch nur unter einem Punkt des Codex Militaris zu führen:


    § 45 Meuterei
    (1) Wenn Milites sich zusammenrotten und mit vereinten Kräften eine Gehorsamsverweigerung, eine Bedrohung, eine Nötigung oder einen tätlichen Angriff begehen, so wird jeder, der sich an der Zusammenrottung beteiligt, mit Strafarrest bis zu sechs Monaten, Gradus Deiectio und/oder Soldabzug bis zu 1000 Sz. bestraft.
    (2) Der Versuch ist strafbar.
    (3) In besonders schweren Fällen können Missio Ignominiosa, Decimatio oder Aboleo angeordnet werden."


    Er wartet, bis der Schreiber mit dem Protokoll nachgekommen ist und wendet sich erneut an die Soldaten: "Erhebt ihr Einwände gegen die Anwendung der genannten Paragraphen?"

  • "ja, eine Sache gibt es. § 18 (1) Cod.Milit. spricht von gewissenhaftem ausführen. aber wir konnten diesen befehl gerade nicht mit unserem gewissen vereinbaren. aber da die anklage sowieso nur unter § 45 Cod.Milit. geführt wird, haben wir keine weiteren einwände.


    ...


    Da fällt mir ein. es wäre mir von bedeutung, wenn ihr Lucullus hier nicht zu hart bestraft. er ist noch jung und leicht beeinflußbar. ich weiß, es gebe dafür eigentlich keinen anlass, aber seht es gerade bei ihm als leidenschaftliche jugendliche überreaktion."


    damit trat ich wieder zurück in eine reihe mit meinen kameraden.

  • Macer liess den Einwand im Protokoll notieren und wandte sich dann kurz zu einer Besprechung an Geta. Bereits nach wenigen Augenblicken waren sie sich offensichtlich einig und setzten ihre Unterschriften unter mehrere bereits vorbereitete Schriftstücke. Bis auf die Namen waren sie alle identisch:


    IM NAMEN DES IMPERIUM ROMANUM
    UND
    DES KAISERS VON ROM


    wird


    EQUES Titus Didius Gordianus


    der Meuterei nach §45, Satz 1 des Codex Militaris für schuldig befunden und mit Strafarrest von sechs Wochen und Gradus Deiectio auf den Rang eines Legionarius bestraft.
    Auf den Arrest ist die bereits verstrichene Arrestzeit anzurechnen.
    In den Dienstakten ist der Soldat als für weitere Beförderungen ungeeignet zu vermerken.



    DER LEGATUS LEGIONIS



    MISENUM, ANTE DIEM VI ID APR DCCCLV A.U.C.


    "Verdankt dieses milde Urteil der Gnade des Imperators. Die gefangen genommenen Rebellen werden weitgehend begnadigt und im Dienst belassen - da konnten wir euch schlecht rauswerfen.
    Sollte es aber auch nur noch ein einziges mal zu einem Verstoß gegen den Codex Militaris kommen, dürft ihr keine weitere Gnade erwarten."


    Um den Schnellprozess zu beenden, wurden die Soldaten aufgefordert, erneut den Fahneneid zu sprechen.

  • die anspannung löste sich als das urteil verkündet wurde. es fiel milder aus, als ich erwartet hatte. gleichzeitig bedeutete es auch, dass die zeit im kerker vorbei war und wir aus der zelle entlassen wurden.
    ich sprach den eid, diesesmal um einiges bewusster. aber wie hieß es im letzten satz der Eidesformel. ...pro romana republica. hatte ich nicht gerade diese worte berücksichtigt ? galt mein meutern nicht vielmehr zerstörerischen kräften, denn der republica romana ?


    "IURANT AUTEM MILITES OMNIA SE STRENUE FACTUROS QUAE PRAECEPERIT IMPERATOR CAESAR AUGUSTUS, NUMQUAM DESERTUROS MILITIAM NEC MORTEM RECUSATUROS PRO ROMANA REPUBLICA." sprach ich laut und deutlich.


    anschließend würde es zurück nach Mantua zum legionsstützpunkt.

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