[Casa] Tribunus Angusticlavius Quintus Terentius Alienus

  • Das Bad war mit Kräuteressenzen durchsetzt und tat ihm sehr gut. Das Wasser war ideal, nicht zu heiß, nicht zu kalt...so lief er nicht Gefahr einzuschlafen.


    Nach einer Weile begann er sich mit einer Bürste abzuschrubben bis der Dreck verschwunden und die Haut rot glühte.
    Er nahm das Rasiermesser und trennte sich vorsichtig und langsam von seinen Bartstoppeln.
    Prüfend zog er mit der Hand über sein Gesicht um auch keine Stelle zu vergessen.
    Langsam erhob er sich aus der Wanne und begann sich mit den bereit gelegten Handtüchern abzutrocken.


    Nicht zu fassen...dachte er,
    ...die duften auch nach Lavendel.
    Decius hatte ihm eine rote, eine blaue und eine grüne Toga bereit gelegt.
    Seine Wahl fiel auf die blaue.
    Er betrat den Hauptraum und sah sich um.
    Der Raum war leer.
    Nun, viel zu betrachten gab es hier nicht,... auf dem Schreibtisch lag eine Wachstafel.
    Primus beschloß eine Nachricht zu verfassen und sich ein wenig im Kastellum umzusehen.
    Salve, Alienus, ich traf niemanden an. Bin gegen Sonnenuntergang zurück.
    Er legte die Tafel so, daß sie einem Betrachter auffliel, schnappte sich einen Apfel aus der Schüssel auf dem Tisch und verließ das Haus.

  • Primus war ertaunt, daß sein Cousain so barsch agierte, folgte ihm jedoch umgehend zurück in die Casa.


    Alienus wirkte etwas erregt, das tat ihm leid. Er war es gewohnt dahin zu gehen, wohin er wollte. Beschwichtigend meinte er:


    Ich wollte mir einmal das Castellum ansehen und dabei nach dem Rekrutierungsbüro fragen.


    Er hob die Schultern und machte eine Unschuldsmiene

  • Du bist Zivilist, daher hast du dich nur in der Casa aufzuhalten. Sobald du dich als Rekrut gemeldet hast, wirst du das Castellum noch gut genug kennen lernen.


    Nachdem der anfängliche Zorn verflogen ist.


    Wenn du zum Rekrutierungsbüro willst, dann musst du nur einmal über die Via Principalis und in das große Gebäude schräg gegenüber, die Principia. Dort ist das Officium.

  • Primus nickte verstehend und sah seinen Cousain fest in die Augen.


    Ich denke ich werde mich zuerst freiwillig melden und nach meiner Grundausbildung meine Brüder aufsuchen...


    Er bekräftigte seine Aussage durch ein entschlossenes Nicken seines Kopfes.
    Es war sein fester Vorsatz seinen Brüdern als Legionär gegenüber zu treten und ihnen so zu zeigen, daß er sich wieder zurück in ihre Mitte wünscht.

  • Primus sah sich nach einem Stuhl um und setzte sich umständlich hin,...
    er verspürte eine Mischung aus Interesse aber auch leichtem Ärger.
    Er bekam immer mehr das Gefühl, daß entweder mit Alienus oder mit ihm etwas nicht in Ordnung war.


    Draussen marschierte eine Gruppe Legionäre vorbei, das Klirren und Knarren ihrer Rüstungen drang bis ins Haus.

  • Alienus ließ sich und Primus Wein bringen bevor er fortfuhr.


    Nunja, ich sage es wie es ist: Galba, Seculus und Pictor sind tot.
    Galba und Seculus sind als Legionarii aus der Legion ausgeschieden und kurz darauf verstorben. Wie genau es jeweils passiert ist, kann ich dir nicht sagen, aber Titus Terentius Seculus verstarb am ANTE DIEM VII KAL APR DCCCLVI A.U.C. (26.3.2006/103 n.Chr.) hier in Mogontiacum und Lucius Terentius Galba am ANTE DIEM XII KAL DEC DCCCLVI A.U.C. (20.11.2006/103 n.Chr.) in Colonia Claudia Ara Agrippinensium.
    Mit Publius Terentius Pictor verhält es sich da anders. Er war wegen Steuerhinterziehung mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und hatte danach als Nauarchus der Classis Germanica seine Kompetenzen weit überschritten und die Abwesenheit des Tribuns ausgenutzt, um seine Günstlinge zu befördern.
    Als ein Quaestor Classis ausgesandt wurde, um die Vorfälle zu untersuchen, nahm er sich selber das Leben indem er sich in sein Schwert stürzte. Das war am PRIDIE ID APR DCCCLVII A.U.C. (12.4.2007/104 n.Chr.).


    Was half alles drumherumreden, es musste ja doch irgendwann gesagt werden. Und nun musste Primus damit umgehen.

  • Primus starrte seinen Gegenüber an. Ein Gefühl der inneren Leere tat sich auf.
    Langsam sank er nach hinten um sich von der Lehne des Stuhls etwas Halt geben zu lassen.


    Erinnerungsfetzen zogen an seinem inneren Auge vorbei, gute und schlechte Erinnerungen...lachen, weinen, Strafe und Belohnung.
    ...vorbei...
    Er schloß die Augen und fühlte sich absolut alleine.
    Alienus sah ihn an und sein sonst eher beherrschtes Gesicht war von einer Miene des Mitgefühls bedeckt.


    Primus atmete tief durch, ordenete seine Gefühle und nach einer Weile meinte er
    Pictor war immer schon ein schwieriger, opportunistischer Mensch gewesen,...ich mochte ihn nicht besonders, auch wenn er mein Bruder war. Er sah den Becher wein vor sich und schüttelte den Kopf.
    Seculus und Galba standen stets unter seiner Fuchtel,...wahrscheinlich starben Sie, weil er es zuließ...oder verursachte.
    Seine Miene wurde ernst,...er schien um Jahre gealtert.
    Er legte seine rechte Hand um den Weinbecher, sah sein Gesicht in der rötlichen Flüssigkeit und meinte schließlich;


    ...so bin ich also der letzte Sohn. Es hängt also an mir, die Ehre der Familie zu wahren,...auf daß man sich im Guten an uns erinnert.

  • Du bist Terentier, du wirst niemals der letzte sein! Solange die es noch Terentier im Imperium gibt, so hast du eine Familie!


    Mit diesen Worten setzte Alienus wieder seine übliche Miene auf und lehnte sich etwas nach vorne.


    Ehre deine verstorbenen Verwandten, sie sind tot und egal was sie zu Lebzeiten gemacht haben oder auch nicht, wirst du ihnen sagen können wenn du sie dereinst in der Unterwelt wiedertriffst. Nun konzentriere dich auf das hier und jetzt, das ist wichtiger.


    Alienus wollte nicht herzlos sein, aber er hatte sich in den Jahren als Soldat damit abgefunden, dass Menschen nunmal starben. So war das und so würde es immer bleiben. Es half nichts, deswegen mit dem Schicksal zu hadern.

  • Primus sah auf und bemerkze den strengen Blick von Alienus.
    Ja, dachte bei sich, Du bist ein würdiger Pater Familias.
    Langsam erhob sich Primus und gab Alienus seine Hand...
    Er war sich bewußt, was auf ihn zukam, ...sicher er hatte gekämpft, ...um sein Leben,...er hatte getötet,...aber war dabei seinem eigenen Willen unterworfen, und...ausgesetzt.
    Die Kämpfer der Legion gehen anders vor,...es würde für ihn, den Freigeist schwierig werden sich unterzuordnen.


    Gleich Morgen werde ich mich freiwillig melden...wirst Du mich bis zum Rekrutierungsgebäude begleiten?


    Primus drückte seine Hand fest auf den dargebotenen Unterarm, er fühlte Alienus´Kraft und unbändigen Willen auf seinem Unterarm.


    Wir werden uns erst dann wiedersehen, wenn ich die Voraussetzungen zur Ulpia habe,...dann...
    Er sah Alienus fest an, ...dann werde ich noch einmal an Dich herantreten.

  • Sim-Off:

    Also Soldat kannst du jederzeit einen Cursus bei der Akademie ablegen, er bringt dir nur nichts. Du musst immer noch befördert werden, sonst ist das eh alles für die Katz...


    Ich werde dir zeigen wo es ist, aber mein Officium liegt in einem anderen Teil des Gebäudes und ich habe viel zu tun.


    Alienus war ja schließlich nicht seine mutter.

  • Sim-Off:

    Na, dann wollen wir doch einmal den Eindruck erwecken, brauchbar zu sein...


    Primus lag auf seiner Pritsche und starrte an die Decke. An Schlaf war nicht zu denken,...zuviel ging ihm in Kopf umher.
    Die Ereignisse überschlugen sich förmlich.
    Er konnte es kaum erwarten seinen Dienst anzutreten, zum einen weil er dann eine Aufgabe hatte, welche ihn vom Nachdenken ablenkte und zum anderen,
    ...weil er dann seinen Vetter nicht mehr belastete.


    Sein barsches, unpersönliches Verhalten sprach Bände.


    Da graute der Morgen und das Schicksal nahm seinen Lauf.

  • Sim-Off:

    Naja, brauchbar ist jeder. Aber Alienus ist halt eher nicht so der Verständnisvolle Zuhörer.


    Decius brachte dem Cousin des Hausherren etwas zu essen und kümmerte sich dann wieder um das Atrium, in dem es scheinbar jeden Tag wieder aussah, als hätte ein Orkan gewütet.

  • Primus kaute auf den Brot herum und stellte fest, daß Alienus wahrscheinlich genau das gleiche aß, wie seine Soldaten...
    Er spülte mit frischem Wasser nach und stand auf.
    Er nahm sein Bündel auf und sah sich noch einmal um, diese Casa würde er vermutlich nicht mehr betreten, geschweige denn hier übernachten.


    Im Atrium traf er auf Decius. Der Sklave sah ihn freundlich an und fragte nach seinen Wünschen.


    Wo finde ich Deinen Herrn?

  • Er ist zurzeit auf dem Exerzierplatz und trainiert etwas. Er wird gleich wieder hier sein.


    Kaum waren die Worte gesprochen kam Alienus in die Casa.


    Einen Moment, ich ich ziehe mich schnell um.


    Und schon war er wieder verschwunden. Kaum fünf Minuten später stand er in voller Montur vor Primus.


    Gut, dann wollen wir mal los.

  • Augenblick,Alienus!
    Primus sah seinen Cousain an und meinte schließlich;
    Könntest Du Dich um mein Pferd kümmern? Ich weiß ja nicht was jetzt auf mich zukommt...meine Rüstung und Waffen?


    Es fiel ihm schwer sein Pferd und die Waffen abzugeben, gehörten Sie doch lange Zeit zu seinem Leben.
    Er hoffte, daß Alienus sie versorgen und aufbewahren würde, bis...er sie vielleicht wieder brauchte.

  • Quintus, der Bursche, brachte den geforderten Leitfaden zur militärischen Grundausbildung des Centurio Petronius vorbei.


    Institutio probationum


    I. Konditionstraining
    II.Exerzieren (Grundbefehle, Strammstehen, Grüßen)
    III. Marschieren (auf dem Campus, durchs Intervallum)
    IV. Ringen
    V. Pilumwerfen (mit Übungspila, später Original)
    VI. Gladius (gegen Pfähle, später Mann gegen Mann)
    VII. Schwimmen (im Rhenus oder den Lagerthermen)
    VIII. Bogenschießen
    IX. Formationen
    X. Reiten (durchgeführt durch Legionsreiterei)
    XI. Übungsmarsch (zweitägig)
    XII. Gefechtssituation (Gruppe gegen Gruppe)
    XIII. Belagerungsgeräte


    gez.


    M Petronius Crispus

  • Marcus nahm die Tabula in Empfang und ging in das Officium des Tribun.


    Dominus, diese Tabula wurde für dich abgegeben.


    Alienus nahm sie entgegen und überflog sie.


    Danke Marcus. Für heute ist dein Dienst beendet.
    Danke Dominus.


    Als Marcus das Zimmer verlassen hat, nimmt sich Alienus einen Griffel und eine Tabula und beginnt zu schreiben.


    Über die Ausbildung eines guten Legionarius


    Was macht einen guten Legionär aus? Was macht ihn zu einem guten Legionär? Ist es die Ausbildung oder ist es eine Vorraussetzung die er von sich aus mitbringen muss? Was zeichnet eine gute Ausbildung aus und wie sollte sie gestaltet werden?


    Diesen Fragen werde ich in dem folgenden Text nachgehen und sie so gut es mir möglich ist beantworten.


    Mit diesem Anfang war er wenigstens für den Moment zufrieden. Er lehnte sich zurück und dachte lange darüber nach, wie er seinen Text fortführen könnte.

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