Atrium - Besuch des plebejischen Aedils

  • Der Ianitor führte den Senator und Magistraten ins Atrium, in welchem eine geruhsame Stille herrschte, ganz anders als sonst.


    Ich werde sofort den Herrn verständigen. sagte der Sklave und verließ dann das Atrium, um sein Gesagtes wahr werden zu lassen.

  • Es gibt gewisse Zeiten im Leben eines Mannes, wo man sich einfach nicht beeilen kann. Das Ankleiden einer Toga, auch einer synthesis ist eine solche. Dementsprechend dauerte es immer, bis Hungi für einen Besuch fertig war. Gewiss, großartig Zeit gelassen hatte er sich nicht (bzw sein Leibsklave), aber abhetzen wollte er sich auch nicht. So trat er nach einer angemessenen Zeit in sein Atrium.


    Senator Avarus, sei gegrüßt. Mit deinem Besuch habe ich ja überhaupt nicht gerechnet.

  • Jener umrunderte mit den Fingern gerade eine Bronzekanne, die seine Aufmerksamkeit geweckt hatte und zuckte 'erwischt' zusammen. Das entschuldigende Lächeln verbarg nicht, das eben jene Kanne einen Moment auf ihre Weise unsicher hin und her wackelte um dann doch gerade noch einmal so zum Ruhen zu kommen.


    "Salve Senator..." versuchte er von seine Unschicklichkeit abzulenken. "... ich bin gekommen, um deine rechtlichen Dienste in Anspruch zu nehmen. Dabei soll es nicht um einen Prozess gehen, nein vielmehr um die Auslegung einer Gesetzespassage." Kam er dann auch gleich zur Sache selbst.


    Um dem Thema noch näher zu kommen, stellte Germanicus Avarus eine erste Frage: "Wie konkret ist die gesetzliche Regelung mit den Aktivitäten staatlicher Betriebsamkeit im wirtschaftlichen Sinne gedacht, bindend?"

  • Eigentlich mochte Hungi es, wenn seine Möbel oder sonstigen Einrichtungsgegenstände bewundert werden, allerdings nur mit den Augen und nicht mit den Händen. Er übersah jedoch diese kleine Unhöflichkeit seines Senatskollegen und wunderte sich schon gleich über den ersten Satz seines Gastes, wusste er doch nichts von irgendwelchen Diensten, die man bei ihm in irgend einer Weise beanspruchen konnte. Ahja. meinte er also etwas skeptisch dazu, ließ aber den Germanicus weitersprechen.


    Doch das Wundernis ging weiter, aber diesmal auf andere Art, denn Hungi hatte keine Ahnung, wovon sein Gegenüber sprach. Wie meinen? fragte er daher mit gerunzelter Stirn.

  • Es kam während der letzten Begegnungen beider Senatoren immer häufiger vor, das Vinicius Hungaricus etwas unverständlich reagierte. Lag das nun am voranschreitenden Verfall, eingeläutet durch etwaige Laster, oder daran, das Avarus sich so unverständlich formulierte. Er selbst wollte die Lage nicht aufklären, denn das hätte viel Zeit gekostet. Jene die hier wohl kaum jemand hatte.


    "Ähja..." reagierte Germanicus Avarus etwas irritiert.


    "Was ich beabsichtigte zu erfragen, ist die Tatsache eines gerade in dieser Zeit populären Vorgehens staatlicher Händler Preise entgegen den Regelungen vom Codex Universalis, Pars Secunda - Lex Mercatus, § 4 Preisliche Regelungen festzuschreiben. Wie oder was diese Preispolitik ergründet, liegt mir fern zu erörtern, vielmehr wie die Kontrollfunktion der Aedile dabei gewährt bleiben soll. Immerhin wird es dir auch aufgefallen sein, das alle Gaben für Opferungen weit mehr als das 150% ige des Herstellungswert kosten."


    Ein kurzer Seitenblick, ob dies wirklich so war und selbst wenn Hungaricus es noch nicht bemerkt hatte, dann konnte er dazu trotzdem eine Meinung abgeben...


    "Wenn also der Staat die Moralisten untergräbt und entgegen seiner eigenen Vorlagen agiert, wer soll dann dem Volk von Rom seine gesicherte Stabilität erhalten. Woher sollen Waren kommen, die dieses Preisdiktat brechen? Ich sehe uns da in einer schwierigen Lage noch dazu wo Rom's Pakt mit den Göttern geschwächt zu sein scheint."


    Genügend Omen deuteten darauf hin und nicht nur Gräultaten sandten bösartige Absichten gen Himmelsgestirn. Auch die Götter schienen ihre Wut auf die Menschheit dieser Tage vermehrt auszukosten.

  • Hungi runzelte die Stirn, war er es eigentlich nicht so sehr gewohnt, daß jemand ihm so geschwollen daherkam. Komplizierte Satzbauten kannte er natürlich, von diversen Philosophen, juristischer Literatur... aber da konnte er sich im vorhinein mental darauf einstellen. Diesen Wortschwall hingegen mußte er zuerst verdauen und eruieren, worum es jetzt einmal wirklich ginge.


    Und zwar um die Lex Mercatus... ja klar, worum denn sonst. Und um die Opfer. Eine faszinierende Kombination, die er bis dato nicht gekannt hatte. Ich hatte keine Ahnung, daß auch ein Opfer "produziert" wird, wie Brot oder ein Werkzeug. Immerhin ist ein Tempel keine Werkstatt oder ein Handelsbetrieb.

  • Ein denkbar schlechter Zeitpunkt wie es schien. Der Hausherr schien etwas grantig zu sein. Aber Avarus war es dieser Tage gewohnt argwöhnisch betrachtet zu werden. So ein Aedilat ist ja auch kein Zuckerschlecken. Noch dazu: wo rum sollte es dabei anders gehen, als um die Wirtschaft.


    "Ein Landgut ist auch kein Handwerk, sondern eine Notwendigkeit die harte einfache Arbeit eines Römers zu verrichten..." nimmt man mal die Zitate jener Römer in den Mund, die schon etwas Kristalines angesetzt hatten. "... trotzdem sind alle dazu verpflichtet sich an Gesetze und Verordnungen zu halten." Noch dazu konnte man es auch anders nennen. "Ich würde es anders bezeichnen. Die Landbauern bringen das Getreide ein, schlagen es zu Korn und mahlen es zum begehrten Mehl. Es wäre also eine Dienstleistung. Den Handwerkern geht es da ganz ähnlich. Sie verarbeiten Rohstoffe zu Fertigprodukten oder eben Werkzeugen, um weitere edlere Waren herstellen zu können. Auch dies ist eine Dienstleistung. Betrachte ich nun den Priester, der meine Göttergaben zu einem Opfer kredenzt, mag das im ersten Sinne nach einem Bedürfnis ausschauen, den Göttern zu opfern. Nüchtern betrachtet aber auch als Dienstleistung dem religiösen Gabenbringer gegenüber. Alle Wege führen also zu einem Ziel. Haben einen Nenner und jene Verflechtung ist es, die im Gesetz auch wieder zusammen kommt. Wie also kann man es dem Volk erklären oder wie wird es sich ändern lassen, das der Staat eben jene Dienstleistungen derart überspitzt anbietet?"

  • Hungi war tatsächlich etwas grantig, hatte er seit seinem Amtsantritt für seinen Geschmack viel zu viel Arbeit und etwa 90% davon nur mit dieser verdammten Lex Mercatus, die ihm schon zum Hals heraushing. Und vor allem hatte er keine Lust auf philosophische Diskussionen, dazu hatte er definitiv zu wenig Wein intus. Und zu wenig weibliche Gesellschaft in den letzten Tagen.


    Du hast sicher schon mit den zuständigen Beamten gesprochen? Was haben die dazu gesagt?

  • Das es dem Senator Vinicius nicht schmeckte mußte nicht zwangsläufig heißen, das es vermeidbar war, darüber zu sprechen.


    "Ich habe es versucht, aber meine Anfragen wurden mit Stillschweigen beantwortet. Vielleicht ist es seit einigen Jahren gewünscht eher wegzuschauen, denn Worte in Taten umzusetzen. Wenn ich mir die aedilischen Edicte anschaue, muß ich ähnliches vermuten."


    Für die eigene Karriere war es mit Sicherheit förderlicher ein bis zwei Augen zuzudrücken. War es das für die Stadt auch? Avarus zuckte bei diesem Gedanken mit den Schultern. Irgendwie begann selbst er abzustumpfen.

  • Den Kommentar zu den Edikten der Ädile überhörte Hungi, für beißenden Spott fehlte ihm an diesem Tage der Sinn (zu wenig Wein, zu wenig Frauen... eh schon wissen).


    Ich nehme an, du weißt nicht gerade zufällig, wer für die Preisfestsetzung befugt ist? Wenn nämlich die einzelnen Tempel unabhängig voneinander das Entgelt festsetzen, dann wird es schwierig sein, alle davon zu überzeugen. Wenn es aber eine vorgeschriebene Instanz gibt, ungleich leichter.


    Auf die gesetzliche Keule hatte er keine Lust und selbst wenn, wollte er lieber per Gespräch das Problem aus der Welt schaffen.

  • Er dachte nach, wohin die Boten geschickt wurden und denkt wohl, das der Praefectus Urbi selbst ein Gespräch suchen will. Avarus kann es mehr als Recht sein. Schon seit Tagen fühlt er sich üerarbeitet.


    "In den Fällen betreffend der Tempel der Iuno, Venus, des Mars und Mercurius würde ich mich an das Collegium Pontificium wenden. Jedoch gibt es eine ganze Reihe Tempel, die lieber mit dem Staat zusammenarbeiten und davon ihre Münzen erhalten. Scheinbar kauft die kaiserliche Finanzabteilung etwas auf, um es dann offiziell zu verkaufen. Nebenbei werden die Gelder für Wagenrennen, Gladiatorenkämpfe ja auch vom Procurator a rationibus eingesammelt und dann an die Wanderzirken und so weiter vergeben. Daher würde ich mich ebenfalls an den Procurator a rationibus wenden."


    Schlussfolgerte der Aedil Germanicus Avarus mal eben einfach und wußte letztlich auch nicht so genau, wer wo wie was verteilte und machte. Hatte das in seinen Augen aber geschickt umschifft. Immerhin hatte er nicht ertappt die Schultern gehoben. 8)

  • Avarus irrte beträchtlich in der Annahme, Hungi würde sich um diese Sache kümmern. Ganz im Gegenteil, der Vinicier hatte weder Zeit noch Lust dazu, und außerdem - würde man Hungi drauf ansprechen - würde er sagen, daß der Ädil dafür zuständig wäre. Es leben die Kompetenzstreitigkeiten des römischen Imperiums. :]


    An das Collegium Pontificum habe ich auch gedacht. In der Tat fiel ihm dieser als erstes ein, und das hatte auch einen bestimmten Grund. Einer meiner Klienten, Tiberius Durus, ist Mitglied eben jenes Collegiums. Ich schlage vor, du wendest dich am besten an ihn.

  • Der gute Anstand verlangte es, das Germanicus Avarus seinen Würgreiz bei dieser Namensnennung unterdrückte. Bevor er bei dem an die Tür klopfte, würde noch viel Wasser den Tiber runter fließen. Zumal seine Ermittlungen dabei nicht weiter voran schreiten würden. Immerhin hatte das Collegium Pontificum nur äußerst selten überhaupt genügend Göttergaben im öffentlichen Umlauf. Was ihn mehr intressierte, waren die staatlichen Preisdiktate.


    "Hm, ich sehe dabei aber nur einen unnützen Weg auf mich zukommen. So wie es ausschaut, sind die Collegien kaum in der Lage die ehrfürchtigen Anforderungen der römischen Bürger, des Volkes und der Aristokraten zu befriedigen. Kein Wunder bei den Vorzeichen und Geschehnissen dieser Tage.
    Vielmehr sorge ich mich um die Angebote der Staatsmünze. In Vereinbarkeit mit Gesetzgebung und Reputation ist es nicht vertretbar, das jene Stelle Preise jenseits von akzeptablen Gewinnaufschlägen festsetzt. Immerhin sind sie es selbst, die bei Preistreiberei einspringen sollen."


    Das dies unmöglich dabei war, würde sicher auch Hungaricus wissen. Auch wenn Luxus bereits als solcher zu verstehen war und enorme Ausgaben der gehobenen Klasse voraussetzte, so unterlagen diese Waren trotzdem dem Codex und sollten gerade vom Staat nicht über der empfohlenen Schwelle von plus fünfzig Prozent verkauft werden.

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