Ein Arbeitstag geht vorbei...

  • Es war schon spät, vielleicht war sogar die 10. Stunde bereits angebrochen. Cincinnatus hatte seinen ersten Arbeitstag beendet. Er hatte heute einige Schreiben in verschiedene Posteingänge gelegt, war von einer Casa zur anderen gelaufen und ging nun über das Forum Romanum in Richtung Casa Iulia. Er freute sich schon auf sein Bett. Einfach nur liegen und sich entspannen. Wenn man so lange an einem Schreibtisch sitzt, dann ist sein trautes Bett doch das schönste Geschenk, das einem jetzt noch zu Gute kommen kann. Cincinnatus kam gerade aus der Villa Aurelia, nahm dort noch einige Texte mit, um diese vielleicht am Morgen im Hortus der Casa Iulia noch einmal in Ruhe durchgehen zu können.


    Sim-Off:

    Wer will, wer will - wer hat noch nicht? ;)

  • Crista trug ein dunkles Tuch in den Händen, in welchem sich etwas Lebendiges befand. "Husch, sei still..." flüsterte sie dem Kater zu, der sich darinnen befand. Ein schwarz-weiss gescheckter junger Kater mit einem weissen und einem schwarzen Ohr. "Und zieh deine Krallen ein. Du tust mir weh." fügte sie augenrollend hinzu. "Na also.. geht doch. Halt schön still. Wir sind gleich da." Nur noch diese Straßen durchqueren, dann zweimal links und sie war wieder bei der Villa der Tiberier angelangt. Sie bog bei der nächsten Ecke ab und prallte mit einem jungen Mann zusammen. "Autsch..." Crista landete auf der Seite und packte den aufmaunzenden Kater, der entfliehen wollte, gerade noch rechtzeitig am Nacken. "Hier geblieben, ich brauch dich noch, Paco." schalt sie das Tier aus und wandte sich wieder aufrappelnd dem anderen Passanten zu. "Entschuldigt bitte.. ich wollte nicht.. Ohje, die Papiere." entschuldigte sie sich beschämt, während auf ihrer Hüfte mit Sicherheit am nächsten Tag ein großer schillernder blauer Flecke entstehen zu finden sein würde. "Ich bin so tollpatschig." murmelte sie zu sich selbst, trat zur Seite.

  • Vor lauter Schreck ließ Cincinnatus seine Unterlagen, die ja noch nicht einmal die seinen waren, fallen. Er war mit einer Frau zusammen gestoßen, die sich auch gleich entschuldigte. Als sie wieder aufstand, bückte sich Cincinnatus nach unten, um die auf dem Boden verstreuten Papiere wieder aufzusammeln. Er kontrollierte sie sofort, denn er musste sie unversehrt bei den Aureliern wieder abgeben. Sie waren alle noch in guter Verfassung. Nur die Reihenfolge war durcheinander. Das würde er wohl machen, wenn er in Ruhe in seinem Cubiculum der Casa Iulia ist. Er blickte zu seiner Gegenüber.


    "Geht es dir gut?"


    Sie machte einen merkwürdigen Eindruck. Doch er wusste nicht, was ihm diesen Eindruck beschehrte.

  • "Oh.. ja klar, es geht mir gut." erwiderte sie verlegen und bändigte Paco, indem sie ihn wieder ins dunkle Tuch packte und gut festhielt. "Ich habe gerade die Katze hier vor dem Ertränken in einem Regenwasserfass gerettet. Ihr Balg hat von Pacos Futter gegessen, während sie die Wäsche aufhängen war. Und dann bestraft sie Paco, der nix dafur kann, wenn sie ihr Kind unbeaufsichtigt mit dem Kater alleine zurücklässt. Sein Frauchen war nicht gerade sehr erfreut über ihn. Sie hat doch Schuld, wenn sie sein Futter so hinstellt wenn ihr Kind alleine da ran kommt, nicht wahr?" ereiferte sie sich über die hinter ihr zurückliegenden Minuten. Sie sah Cincinnatus an. "Tut mir leid.. die Frau hat mich so aufgeregt... Ist bei dir alles in Ordnung?" fragte sie ihrerseits. "Ich kann bezahlen, wenn du Schaden erlitten hast."

  • Bezahlen? Für einen körperlichen Schaden? Dabei hatte sie ihn doch nur angerempelt. Cincinnatus lies sich nicht anmerken, was er gerade dachte. Doch er beobachtete sie genau, als sie hektisch von ihrem Paco erzählte. Plötzlich wusste ich, wieso sie ihm so merkwürdig verhielt. Er blickte an ihren Hals, um den ein kleines Holzbrett an einem Band hing. Auf dem Holzbrett las er, dass sie eine Sklavin des Decimus Tiberius Lupus war. Deshalb kam sie ihm so merkwürdig vor. Da dachte Cincinnatus sofort an sein Studium in Athen. Dort las er zum ersten Mal die Schrift Senecas. Und er gab ihm Recht, Sklaven sind auch nur Menschen und wenn er sah, wie manche Halter ihre Sklaven behandelten... Naja.


    "Meine Unterlagen sind ein wenig durcheinander gebracht worden, aber ansonsten ist alles in Ordnung. Die Schriften gehören nicht mir, deshalb werde ich sie zu Hause wohl neu ordnen."


    Er lächelte sie an, um ihr zu zeigen, dass dies für ihn kein Problem war. Das Forum war immer sehr voll und nur selten war es so überfüllt wie heute. Da passierte es mal, dass der eine jemand anderes schubst.

  • Warum sah er sie jetzt so merkwürdig an? Hatte sie was am Hals? Am Kragen? Im Gesicht? Sie wagte es angesichts seines forschenden Blickes nicht den ihrigen von ihm abzuwenden und beobachtete ihn daher ganz genau. "Die Unterlagen? Achso ja.. die Papiere.."


    Eigentlich hatte sie eine Antwort zu ihrer Geschichte um Kater Pacos Schicksal erwartet, aber da kam nichts. "Nun denn.. hoffentlich bekommst du wegen dem Durcheinander keinen Ärger? Aber wo bist du denn zu Hause? Ich wohne nicht weit von hier."


    Der Zusammenprall musste sie ganz schön durchgeschüttelt haben... aber es kam noch dicker. Ohne vorher nachzudenken plapperte sie weiter. "Du hast so schöne Augen." Crista rang sich durch ihren Blick endlich abzuwenden und zu Boden zu sehen. Ei der Daus, was waren denn das für seltsame Worte? "Entschuldigung... ich sollte wohl gehen." piepste sie kleinlaut, trat errötend zurück.

  • Die Sklavin war wirklich sehr aufgedreht. Es schien, als würde sie gar nicht mehr aufhören zu reden. In Rom war vielleicht jeder dritte ein Sklave, doch eine Sklavin wie sie, hatte Cincinnatus noch nicht erlebt. In Athen lernte er viele Sklaven kennen und sie waren alle sehr nett. Am liebsten hätte er sie alle frei gelassen. Doch auf der andere Seite konnte er verstehen, dass die Schule der Stoa die Freigelassenen dann nicht mehr bezahlen und sich demnach keine Arbeiter mehr leisten konnten. Es war nichts zu machen.


    Cincinnatus zog erstaunt beide Augenbrauen nach oben. Schöne Augen. Er wusste nicht recht, wie er jetzt reagieren sollte. Eine Sklavin hatte ihm ein Kompliment gemacht und das in einem Ton, der ihr eigentlich nicht gestattet war. Für so einen Satz hat schon so mancher Sklave eine Ohrfeige erhalten. Doch das Kompliment schmeichelte ihm. Er überlegte, ob es nicht möglich wäre, mit dem einen Auge in das andere hineinzuschauen, um ihre Aussage zu überprüfen. Doch das war schwachsinnig. Er würde wohl auf einen Spiegel in der Casa Iulia warten.


    Als sie gehen wollte, sprach er sie an, damit sie stehen bleiben würde. Sie sollte nicht gehen, weil sie etwas gesagt hatte, was ihr nur aus dem Grund nicht gestatten ist, dass sie sich eigentlich einem römischen Civis unterzuordnen hatte.


    "Ich bin Gnaeus Cincinnatus von den Iuliern. Ich war gerade auf dem Weg zur Casa Iulia."


    Wie würde er nun mit seinen schönen Augen umgehen? Am besten war es wohl, er würde ihr Kompliment ignorieren. So konnte er eine unangenehme Situation für beide umgehen.

  • Machte er was? Tat er was? Handelte er gegen sie? Er blieb ganz still stehen. Sagte nicht mal mehr ein Wort zu ihr. Die übrige Umgebung hatte nichts mitbekommen. Und doch erschien es ihr so, als ob in diesen Minuten die Welt um sie herum erstarrt wäre, weil sie ihm ein Kompliment gegeben hatte.


    Dieser junge Mann... er hatte grüne Augen. Unglaublich grüne Augen. Sie dagegen nur langweilige braune Augen. Wie fade! Crista trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen, strich Paco über den Kopf. Und kämpfte mit sich. Sollte sie es wagen den ersten Schritt zu tun... oder sollte sie warten? Mhm.


    Der Iulier kam ihr zuvor, stellte sich ihr in den Weg un erzählte von sich als ob es das Kompliment nicht gewesen wäre ihr seinen Namen. Vorsichtig, ungläubig dreinschauend, spähte sie zu ihm auf. Die Welt kam wieder in Bewegung, floß in unzähligen Bewegungen und Geräuschen weiter, an ihr vorbei. Hej, ich bin.. Crista. begrüßte sie ihn immer noch ziemlich ungläubig, dass nichts weiter passierte, dass zufällige Gespräch seine Fortsetzung fand. Oh, wenn sie das ihrem Vater erzählen könnte!


    Crista räusperte sich, wiederholte das Geflüsterte und fügte Neues hinzu. Hej.. ich bin.. Crista. Ich komme aus der villa der Tiberier. Mein dominus ist Decimus Tiberius Lupus. Wir kommen aus Sizilien. Ich hatte einige Stunden zur freien Verfügung.. und.. bin dann halt auf Paco gestoßen. Die freien Stunden errechneten sich aus der den unzähligen Stunden, die sie sich rund um die Uhr um Lupus gekümmert hatte, während sie auf Reise nach Roma gewesen waren. Nach dem Stand der Sonne zu urteilen hatte sie noch eine knappe Stunde für sich übrig. "Die Iulier kenne ich nicht.. aber die Fabier!" Langsam kehrte das Selbstbewusstsein und die Selbstsicherheit wieder.

  • Natürlich konnte sie die Iulier nicht kennen. Vielleicht vom Namen, da sie einst die ewige Stadt Jahrhunderte regiert und geprägt hatten. Die meisten Iulier befinden sich derzeit zudem beim Militär und sind selten in Rom. Cincinnatus, der die letzten drei Jahre in Athen studierte, kam zurück nach Rom, um die Casa Iulia wieder in Schwung zu bringen und die Iulier wieder in die Politik zu bringen. Er kannte hier nur die wenigsten und er konnte deshalb jede Form von Kontakt gebrauchen.


    "Die Iulier waren lange nicht mehr in Rom. Ich denke, dass ich das ändern werde. Damit solche Antworten über die Unkenntnis der Iulier nicht mehr auf dem Forum so laut zu hören sein würden."


    Er überlegte kurz. Die Villa Tiberia war wirklich hier in der Nähe. War er nicht erst kürzlich in der Theorie bei den Tiberii gewesen, als er sich um die Erbschaftsangelegenheit der leider verblichenen Tiberia Livia gekümmert hatte.


    "Vielleicht könntest du mich als Wiedergutmachung deinem dominus vorstellen."

  • Er schien über etwas zu nachzudenken und nahm sich die Zeit zum Antworten. Crista spähte zur Sonne hinauf.. langsam wurde aus der knappen Stunde nicht mal mehr alds eine halbe Stunde. Oh.. meinen dominus willst du sehen? Klar, bringe ich dich zu ihm. Wenn er aber nicht im Hause sein sollte, kannst du sicherlich auch mit den anderen Herren sprechen. Weil Lupus ist nicht oft da. Irgendwie ist er in letzter Zeit nur noch zum Schlafen und Essen da. plapperte sie los, froh etwas tun zu können und geleitete ihn auch schon die Straße hinauf. "Es dauert nicht mehr lange, bis wir da sind." fügte sie hinzu und lächelte zaghaft. Diese grünen Augen würde sie auf keinen Fall vergessen.

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