Dura Europos - Das Lager der Prima

  • Auch Numerianuns hob seinen Becher,


    “Auf Gaius Ulpius Aelianus Valerianus!“


    Innerlich betete der Tribunus zu den Göttern dass die Truppen den Mut nicht verlieren würden, denn sonst würden sie kaum lebend hier rauskommen...
    Dann schwieg Numerianuns wieder, und hörte Vitamalacus Worten zu.



    Der Tribunus konnte gar nicht fassen was er da hörte, die Legionen würden sich zurückziehen. Damit hatte er nicht gerechnet. Er war von den Parthern überdrüssig, doch zurückziehen wollte er sich nicht ohne sie vernichtend geschlagen zu haben. Doch das oblag nicht ihm und so schwieg er, und er würde erst sprechen wenn man ihn fragt.

    'Hannibal wusste wie man Siege erringt, aber nicht wie man damit umzugehen hat.'

  • Aelius Quarto nickte zustimmend, als der Legat davon sprach, dass die Legionen umgehend ihren Schwur auf Valerianus leisten sollten.


    Dann meinte er:
    “Ich begrüße den Entschluss und kann dem Gesagten nur zustimmen.
    Wir dürfen jedoch keinesfalls zulassen, dass man dies als Eingeständnis einer Niederlage... ähm... falsch interpretiert.
    Diese Armee wurde nicht geschlagen. Im Gegenteil, sie hat sich mehrfach auf dem Schlachtfeld behauptet und mehrere Städte und weite Ländereien des Feindes unterworfen.“


    Er sah sich, nach Zustimmung heischend, um. Natürlich war ihm vollkommen bewusst, dass sie nirgendwo Männer zurückgelassen hatten, um das eroberte Land auch zu halten, wenn das Heer erst einmal abgezogen waren. In Wirklichkeit hatten sie das Feindesland nur durchstreift und verheert, erobert hatten sie es nicht.


    “Dieser Feldzug war eine Bestrafung des dreisten Partherkönigs und, bei den Göttern, Rom hat ihm eine schmerzhafte Lektion erteilt. Es war ein Verteidigungskrieg. Den Parthern musste gezeigt werden, dass sie Rom nicht ungestraft herausfordern können und das wir unsere Grenzen und Interessen zu schützen wissen.
    Das ist ohne Frage gelungen und darum, auch wenn wir einen bitteren Preis dafür zahlen müssen, ist es ein Sieg!
    Das, so meine ich, sollten wir auch den Soldaten vermitteln.“


    Das war natürlich eine sehr politische Interpretation der Geschehnisse, aber Quarto war nun einmal, in allererster Linie, eben, er war Politiker.


    “Ich denke ihr stimmt mir zu, dass eine Armee, die sich geschlagen wähnt auch rasch demoralisiert ist und eine demoralisierte Armee neigt dazu, die Disziplin zu verlieren. Ich will keineswegs... ähm... also, an der Treue der Legionen kann selbstverständlich kein Zweifel bestehen. Aber Umsicht kann nicht schaden.“


    Er rieb sich ein wenig betreten die Hände.


    “Ähm... was die sterblichen Überreste des Kaisers angeht... Die Götter mögen ihm gnädig sein... Also... ich würde vorschlagen, dass wir seinen Leichnam hier an Ort und Stelle den Flammen übergeben. Seine Asche sollte aber nicht in fremder Erde ruhen. Wir sollten sie dann in die Heimat überführen. Ich denke, es wäre eine gute Idee, wenn die Erste Legion sie auf ihrer Rückreise nach Italia mit sich führt und das als ihre heilige Aufgabe begreifen würde. Ihrer Rückkehr hätte damit eine höhere und feierliche Bedeutung.“

  • Regungslos hörte der Legatus den Ausführungen des Senators zu. Er konnte den Deutungen weitest gehenst folgen und als Niederlage würde er ihren Rückzug auch nicht verstanden wissen. Sie hatten erfolgreiche und weniger erfolgreiche Schlachten geschlagen, sie hatten den Parthern schwere Verluste erlitten und selbst verluste erlitten. Nach dem Desaster am Charrobas hatte er selbst von einem Patt gesprochen und Circesium hatte die Waagschale sich wieder etwas zu ihren Gunsten bewegt.


    "Jeder von uns hätte sicher mehr erreicht, doch du hast recht, Senator, die wichtigsten Ziele haben wir erreicht und darauf können wir stolz sein. Vier Adler führten wir gegen die Parther, vier bringen wir zurück. Wäre der Imperator noch am leben, hätten wir vielleicht mehr erreichen können, doch nun gilt es, einen stabilen Wechsel zu unterstützen. Niemand ist geholfen, wenn die Legionen zwar siegreich sind, aber in der Zeit das Reich in Chaos versinkt."


    Er deutete auf den Stapel Briefe auf seinem Tisch.


    "Sowohl Imperator Valerianus, als auch den Senat und die Statthalter werde ich umgehend darüber informieren, welche Haltung die Legionen hier vertreten."


    Die Idee, den Imperator hier dem Feuer zu übergeben und dann die Prima diese nach Rom bringen zu lassen, gefiel dem Tiberier und er nickte zustimmend.


    "So machen wir es, die Zeit bis zur Verbrennung können wir auch nutzen, den Abmarsch vorzubereiten. Wichtig ist nur, das die Parther in der Zwischenzeit still halten. Ich habe keine Lust, einen Ausfall abzuwehren, wenn wir gerade in einer heiligen Zeremonie sind."

  • Abzug von vier Legionen, ein wahre logistische Leistung, aber nungut für irgendwas bekamen die Lagerpräfecten ja ihr Geld :D:" Was die Parther angeht, man könnte ja aus jeder Legion ein bis zwei Cohorten als "Wache" abziehen, um diese Zeremonie zu schützen, sollten die Parther auf dumme Ideen kommen. Sie können natürlich nicht alle abwehren aber zumindestens einen leichten Angriff abwehren und einen schweren verzögern bis der Rest der Legionen wieder Einsatzbereit ist."

  • Kühl blickte er zu dem Terentier.


    "Auch das wäre eine Störung eines Heiligen Rituals, denn niemanden weniger als den Beherrscher der Welt werden wir dem Feuer übergeben. Eine Störung dürfen wir nicht dulden."


    Er blickte zu dem Aelier.


    "Senator Aelius, es wäre an dir, den Parthern klar zu machen, das jede Störung bis zu unserem Rückzug dazu führen kann, das der Entschluss der Legaten aufgehoben wird. Stören sie uns, werde ich mich dafür einsetzen, das Dura Europos ein zweites Karthago wird !"


    Er hoffte, das die Parther von sich genug Ehre hatten, das diese Drohung aussprechen nicht nötig wurde, aber man konnte nie wissen, denn zu oft hatten die Parther gezeigt, das sie zu heimtücke neigten. Seine Gedanken hingegen wanderten schon weiter,...


    "Nach dem der Imperator den Flammen übergeben wurde, werden wir am Euphratos entlang zurück marschieren, zurück nach Antiochia."

  • Noch besprachen sich die Offiziere des Stabes, doch im Lager der Prima waren schon Boten des Legatus unterwegs. Jeder, aber auch jeder Centurio der Prima wurde aufgesucht, die meisten von ihnen aus dem Schlaf gerissen. Doch es war nicht viel, das ihnen gesagt wurde, eigentlich nur ein knapper Satz :


    "Truppenappell bei Sonnenaufgang !"


    Auch wer nachfragte, erfuhr nicht viel, höchstens ein "Es gibt wichtiges !" oder "Wichtige Neuigkeiten" gaben die Boten weiter zu hören. Weniger weil sie es nicht wollten, sondern vielmehr weil soie es einfach nicht wussten...

  • Als die Rede auf ihn kam und er sich bei den Worten des Legaten an die letzten Verhandlungen mit den Parthern erinnerte, an diesen schmierigen und fischig glatten Unterhändler Arsakes, mit dem er zu tun gehabt hatte, da verflog Quartos Tatendrang.
    Also gab er zu bedenken:
    “Ich weiß nicht ob es klug wäre, die Parther in unsere Pläne einzuweihen. Sie könnten versuchen unseren Rückmarsch zu stören und uns auf dem Marsch behelligen. Auch müssen sie nicht wissen, dass der Kaiser... also... das er tot ist. Es wird ihnen nicht verborgen bleiben, doch sie werden sich fragen, ob es wirklich wahr ist oder nur eine Finte von uns. Wenn wir aber offiziell mit ihnen verhandeln und ihnen mit Vergeltung drohen, dann werden sie es wissen und erst recht darauf bedacht sein, uns Schaden zuzufügen, oder aber die Möglichkeit zumindest genau erwägen. Besser wäre es, wir ließen sie über unsere Absichten im Unklaren und würden, nachdem alle Vorbereitungen getroffen wurden, über Nacht verschwinden.“


    Quarto glaubte nicht, dass ihnen aus Duras Gefahr drohte. Dort würde man auf die Stärke der eigenen Mauern vertrauen und nicht so verrückt sein, sich dem römischen Heer auf offenem Feld zu stellen. Von einer feindlichen Armee aber, die sich ihnen näherte, hatten sie seines Wissens keine Kunde.


    Und dann hatte er noch andere Pläne:
    “Ich selbst möchte so bald als möglich abreisen. Gleich nach der Zeremonie werde ich aufbrechen und der Armee vorauseilen. Mein Platz war hier, weil der Kaiser hier war und nun ist er bei seinem Nachfolger. Ich werde mich umgehend zu ihm begeben und ihm mitteilen, dass er in dir, Tiberius Vitamalacus, und den hiesigen Legionen, treue und loyale Freunde hat. Ich hoffe es wird möglich sein, mir eine Abteilung Prätorianer zu meinem Schutz zur Verfügung zu stellen.“

  • Decius stand mit zwei weiteren Centurionen vor dem Zelt des Tribuns, aus dem sie soeben mit den anderen Offizieren hervorgekommen waren.


    Es war eine lange Besprechung gewesen, der Tribun hatte den Offizieren klar gemacht dass nun, da ihr Befehlshaber nicht mehr hier unmittelbar vor Ort war, er vorerst abwarten würde was sich ergab. Ein Eid auf den neuen Kaiser sollte, solange nicht andere Befehle vom Praefectus Praetorio kamen, vorerst dahinstehen; Solange die Asche des alten Kaisers noch nicht in Italia war würde er sich an seine Worte als solche gebunden fühlen. So fasste die Garde es auch als selbstverständlich auf, dass sie nun die Aufgabe erhalten würde diese Asche gen Italia zu geleiten, als letzte Aufgabe ihrem Dientshern gegenüber. Bevor Atius Romanus seine Offiziere entlassen hatte wies er darauf hin, dass die Männer weiterhin wachsam bleiben und vor allem auf die Legionen ein Auge werfen sollten. Man wusste nie auf was für Ideen diese Politiker verfallen würden.


    So unterhielten Decius und seine zwei kollegen über diese Geschehnisse, darüber, dass sie wohl bald wieder in die Heimat gelangen und eine letzte Aufgabe für ihren Herrn bernehmen würden. Und natürlich, wie es um ihren neuen Herrn stand...

  • Zitat

    Original von Centurio Legio I
    "Truppenappell bei Sonnenaufgang !"
    ...


    Natürlich wurde jede kostbare Nachtstunde, die nicht mit Wache und Kampf – schließlich waren sie im Krieg – gefüllt wurde, für den erholenden Schlaf genutzt, zumindest tat Marcus das, sofern es ihm möglich war. Und da er mit einem gesunden Schlaf gesegnet war – er konnte sogar mitten in lautem Tohuwabohu selig schlummern – brauchte es eine Weile, bis die aufgeregten Stimmen vor seinem Zelt das Ohr von ihm erreichten. Und noch etwas länger, um seinen Geist aus den tiefen Gefilden von wirren Träumen zu erreichen, einer Flut von seltsamen Bildern, die er im wachen Zustand niemals hätte deuten können, aus diesen Tiefen tauchte er nur langsam auf. Ein Sklave rüttelte ihn bereits am Arm, sagte etwas zu Marcus der in das Licht der Öllampe blinzelte, die der Sklave über ihm hielt. Erst einige Herzschläge später realisierte Marcus, daß der Sklave immer wieder sagte:


    „Herr! Herr! Aufwachen! Herr! Es ist irgend etwas paßiert. Truppenappell bei Sonnenaufgang! Herr! Herr! Aufwachen...!“
    „Hm? Geht schon die...“
    Marcus gähnt herzhaft.
    „...Sonne auf?“
    „Nein, Herr!“
    „Werden wir angegriffen?“
    „Nein, Herr!“
    „Gut, dann laß mich schlafen. Wecke die Soldaten zwei Stunden vor Sonnenaufgang und mich eine davor.“
    Ehe der Sklave protestieren konnte, drehte sich Marcus seelenruhig auf die Seite und schnarchte bereits einen Moment später wieder.


    Nicht lange danach war es dann soweit. Zuerst wurde natürlich Iulius Sparsus geweckt, damit dieser sich darum kümmern konnte, daß auch alle Soldaten auf die Beine kamen. Anschließend Decimus Serapio – immerhin war er tesserarius – und erst geraume Weile danach rüttelte der Sklave wieder den centurio der Zweiten am Arm. Brummend schlug Marcus die Augen auf und sah, daß der Sklave bereits seine Rüstung geordnet hatte, sogar den Helm poliert, die crista gekämmt und den guten Mantel, samt gute centuriotunika hervor gezogen hatte. Marcus sah ihn etwas irritiert an, ließ sich dann -nachdem er sich von seinem Lager erhoben hatte – in die Rüstung schälen ehe er nach draußen trat. Marcus sah in die Gesichter der Männer, die unter ihm dienten, die genauso ahnungslos schienen wie Marcus selber. Aber etwas lag in der Luft, viele Gesichter wirkten besorgt, andere wiederum stoisch, was auch immer der Grund war, sie würden es schließlich bald erfahren. Am Himmel zeigte sich schon der erste bläuliche Schimmer, der verriet, daß die Sonne bald aufgehen würde.


    „Zwei Reihen bilden. Mir folgen, milites!“


    Im Gehen schnallte sich Marcus den Helm auf den Kopf, rückte das Schwert zurecht und zog den Umhang über die linke Schulter. Viele andere Füße hatten sich in Bewegung gesetzt oder taten es nun. Von allen Seiten des Lagers strömten die Männer heran, die erste cohors sammelte sich bereits auf den Lagerstraßen ehe sie in die Mitte des Lagers strebten, dort wo das schlagende Herz der Legion war und dort, wo sich die Männer versammeln konnten, wenn die Befehlshaber zu ihnen sprechen wollten. An jenem Platz angekommen ließ Marcus sie einreihen, nahm vorne Stellung und überließ es Sparsus, für Ordnung unter den Männern zu sorgen.

  • Imperiosus schlief tief und fest, als er ein Bote ihn weckte. Aus irgendeinem Grund sollte im Morgengrauen die ganze Truppe antreten, warum konnte man aber nicht sagen.


    Früh morgens, lange bevor die Sonne aufing, stand der Artorier auf, schickte einen Sklaven zum Optio Talius Priscus, damit dieser ebenfalls geweckt wurde und die Männer auf den bevorstehenden Truppenappell vorbereiten konnte. Nun ging Tiberius zum Krug hin, in dem frisches Wasser war, nahm etwas Wasser und ging damitüber sein Gesicht. Das Wasser war kalt und erfrischte den Artorier, der darauf sofort richtig Wach war. Dann kam ein Sklave, der den Centurio ersteinmal richtig rasierte, damit er auch geflegt aussah.


    Als die morgenliche Pflege vorbei war, zog sich Imperiosus langsam die Rüstung an. Trat nach draussen zu seinen Männern, die allesamt stramm vor ihm standen.


    " Bildet zwei Reihen und folgt mir. "


    Nun marschierten sie zu dem Platz, wo die Versammlung wohl stattfinden sollte. Die Gedanken von Tiberius drehten sich die ganze Zeit über um eine Frage...Warum diese Versammlung ? Doch würde er nicht mehr lange warten müssen, bis diese Frage beantwortet sein würde.

  • Mitten in der Nacht hörte Licinus ein Fußgetrappel vor seinem Zelt und wenig später riss der primus pilus den Zeltvorhang von Licinus Zelt beiseite und raunte leise, aber sehr deutlich, dass wohl irgendwas im Busch sei und er die Männer morgen bei Sonnenaufgang zum Apell bereithalten sollte. Dann verschwand er auch schon wieder, zum Stab wie Licinus vermutete, aber nicht wissen konnte.


    Im Schein einer Ölfunzel ging, eher tastete, sich Licinus zu seinem kleinen "officium" im centurionen Zelt. Irgendwo hier musste doch der Wachplan von heute Nacht liegen. Licinus öffnete die große Truhe und fing zu suchen.
    Nein, dass ist die Materialliste... Die Mannstärkeberichte... Ahja, nein, das ist letzte Woche... Soldlisten... Da. Ja, "Wachplan ANTE DIEM VI ID FEB DCCCLVIII A.U.C." Wachführer: Lucius Battiacus.
    Hätt ich mir die Suche auch schenken können, verdammt."
    murmelte Licinus vor sich hin.
    Dann ging er zurück zu seinem contubernium und weckte den alten Veteranen auf.
    "Tesserarius, wir lassen morgen zwei Stunden vor Sonnenaufgang wecken, bei Sonnenaufgang ist Apell. Noch weiß das aber keiner! Mich bitte schon eine Viertelstunde früher wecken."
    "Morgen zwei Stunden wecken. Dich viertel vorher. Ja Herr!" kam gähnend zurück
    "Und nicht vergessen!" setzte Licinus noch nach, aber da schlief der Alte schon wieder, aber Licinus wusste, dass er sich auf ihn verlassen konnte. Dann legte er sich auch wieder schlafen.



    Am nächsten Morgen



    Pünktlich wie befohlen machte sich der tesserarius daran zu wecken, eine Aufgabe, die nicht allzuschwer war, da Licinus ohnehin nur einen leichten Schlaf gehabt hatte und sofort, als Battiacus ihn ansprach Aufstand.
    Prompt stand ihm wieder eine Frage im Kopf:
    Warum ein Apell und warum so früh am Morgen. Was war gestern passiert?!
    Während er über allen Varianten über eine Antwort auf diese Frage, von der kapitulation der Parther über ein großes Opfer bis zum Wiederauftauchen des verschollenen Legatus, aber warum daraus so ein Geheimnis machen, nachgrübelte zog er sich an, prüfte nochmal den Sitz und das Aussehen seiner Rüstung (soweit das im Zelt ging) und verließ dann das Zelt.
    Draußen fragte er Battiacus.
    "Weißt du, ob der primus pilus wieder in seinem Zelt ist?"
    "Nein, ist er nicht! Dort hinten kommt er!" bekam er die Antwort und ein schelmisches Lächeln obendrauf.


    "Optio, wie ist die Lage?!"


    "Herr, ich wollte gerade die Männer wecken lassen, Herr"


    "Gut, mach das, ich komme gleich. Tesserarius, ich nehme an, du warst zum Wecken hier?! Dann mal wieder zurück zu deinem Platz bei der Wache. Ich erwarte euch aber nach Wachablösung sofort wieder hier!"


    "War ich, Herr! Jawohl, Herr!" und ging zurück in Richtung vallum, dann ging auch der primus pilus in sein zelt


    Er wirkt verschlafen, der centurio, dachte sich Licinus, war wohl die ganze Nacht auf den Beinen. Was geht hier vor?
    Nunja, bevor er weiter grübeln konnte machte er sich dran die Leute zu wecken.
    Nacheinander trat er an die Zelte und brüllte hinein:
    "Aufstehen ihr faulen Säcke! In zwei Stunden ist Apell, wenn ihr noch was Essen wollt, dann macht ein bisschen schneller als an den saturnalia! Und wehe es hat jemand eine dreckige Rüstung, wenn wir losgehen!" Nachdem er so alle contubernia einzeln geweckt hatte wunderte er sich über sich selbst, bis jetzt war ihm das Kommandieren, so er mal dazu gezwungen war, alles andere als einfach von der Hand gegangen, aber das grade lief wie am Schnürchen. Allmählich wuchs er in den optioposten rein, ein kurzer Blick zeigte außerdem, dass auch die zweite centuria sich offensichtlich bereit machte.


    Als sich dann die ersten Strahlen am Horizont zeigten war die centuria vollständig und mit gefüllten Bäuchen angetreten und Licinus meldete dem nun sein Zelt verlassenden centurio:


    "centurio, ich melde cohorts prima, centuria prima vollständig angetreten." Die Wache um Battiacus war vor der Zeit abgelöst worden und so rechtzeitig hier eingetroffen, ein weiteres Indiz, dass irgendetwas nicht stimmte.


    "Gut gemacht, optio. Dann wollen wir mal
    legio prima, cohors prima, centuria prima in aequatibus passibus ... pergite!


    und so zog die centuria auf den Apellplatz und nahm ihren Platz ein, angespannt neugierig daruf, warum ein Apell angesetzt wurde.

  • Sparsus schlummerte in aller Seelenruhe als plötzlich einer von Aristides' Sklaven herein kam und an seiner Schulter zerrte.


    "Herr! Bitte Aufwachen! Herr! Ein Truppenappell bei Sonnenaufgang! "


    Boah, und wieso kommst du damit zu mir? fragte sich Sparsus im Stillen, bevor ihm einfiel, dass er ja jetzt Optio war. Müde streckte er sich und verpasste seinen schlafenden Kameraden einen Klapps. Den Sklaven schickte er mit einer Handbewegung zu Serapio's Zelt weiter. Schließlich sollte er auch in den Genuss kommen, in aller früh vom Sklaven des Centurio geweckt zu werden. 8)
    Beim Rausgehen zog er sich seine Rüstung über und als er draußen war erprobte er erstmals sein Stimmbänder auf Höchstleistung.


    "Aufgestanden, aber sofort! Truppenapell in zwei Stunden auf dem Platz! Bereitschaft in Einer!


    Los raus aus den Zelten! Die Rüstungen dürfen heute auch mal wieder glänzen und jemand soll mir Frühstück machen!!!"


    donnerte Sparsus über die noch verschlafenen Zelte und klopfte dabei mit seinem Optio-Stab an die Zeltplanen. Achja, es war schön Optio zu sein. Als die ersten aus ihren Zelten krabbelten legte er sich schon sein Feuerholz zu recht und find an es anzuzünden, um seinen Puls zu kochen.


    ...


    Beim Platz angekommen ließ er die Männer in einem Block antreten. Die Linien und Reihen waren gerade. Aber die Centurie war auch aufeinander eingespielt, wodurch das nicht sonderlich verwunderlich war, das alles reibungslos verlief. Sparsus stellte scih in die hinterste Reihe und behielt die Centurie im Auge. Hier und da wurde etwas getuschelt und Vermutungen wurden geäußert, also alles wie üblich.

  • Etwas mürrisch schaute er auf, Zivilisten, hatte der Mann Angst zu verhandeln oder wie:" Es wäre meiner Meinung nach trotzdem von Vorteil zu verhandeln, immerhin stehen bei der Zeremonie vier Legionen, die unvorbereitet auf einen gegnerischen Angriff sind. Es wäre meiner Ansicht also gut, wenn wir definitiv wüßten, daß die Parther nicht einen Ausfall machen."

  • Es war das erste Mal seit Priscus Optio in der neunten Kohorte war und einen neuen Centurio hatte, dass er früh morgens vor dem eigentlichen Aufstehen geweckt wurde. Die Informationen, worum es ging, waren spärlich, aber das war er in solchen Fällen gewohnt. Immerhin schien es kein Alarm zu sein, sonst hätte man mit den Signalhörnern geweckt. Ein geheimer Einsatz konnte es auch nicht sein, sonst wäre man sicher komplett in der Dunkleheit geblieben. Also ging Priscus einfach von Zelt zu Zelt und weckte seine Kameraden und gab ihnen Anweisungen, sich bereit zu machen.


    Als der Centurio kurz vor Sonnenaufgang aus dem Zelt trat, standen die Männer dementsprechend ordentlich und wach in der Lagergasse. Soweit es das schwache Licht zuließ, hatte Priscus auf jeden einen kritischen Blick geworfen, denn auch im Feldlager gehörte zu einem besonderen Appell auch ein besonders ordentliches Auftreten - gemessen an den Verhältnissen eines Feldlagers eben.

  • Der Bursche seines Decurios teilte Androniucs, welcher ja seit neustem Duplicarius war mit, dass in zwei Stunden ein Appell anstand. Schläfrig nahm der Tiberier jenes zur Kenntnis und schickte den Boten auch schon wieder weg. Warum wohl dieser Appell anberaumt worden war? Irgendetwas außergewöhnliches musste jedenfalls passiert sein, immerhin befanden sie sich mitten in einer Belagerung... Nun wie auch immer, sie würden es ja noch früh genug erfahren. Andronicus wusch sich noch schnell sein Gesicht, legte seinen Hürtel und den Rest der Rüstung an, setzte den helm auf und machte sich dann daran gemeinsam mit den anderen Unteroffizieren seiner Turma daran die Soldaten "freundlich" davon in Kenntnis zu setzen, dass sie heute früher aufzustehen hatten.


    Der Tiberier marschierte an den Zelten seiner Turma entlang, betrat jedes einzelne und wies die Equites an:
    "Aufstehen, los! In zwei Stunden ist Appell am großen Platz, in einer seid bereit und in einenhalb angetreten! Und wehe demjenigen dessen Rüstung schmutzig ist!"
    Drohend hob er seinen Stab und ging weiter zum nächsten Zelt.


    Eine udn eine halbe Stunde später war die Turma Prima, der Legio Prima vollständig vor dme Zelt ihres Befehlshabers angetreten. Zufrieden nickte selbiger seinem Stellvertreter, dem Vexillarius und dem Tesserarius zu. Dann hielt er selber seine Ansprache:
    "Turma Prima! Im Gleichschritt, marsch!"
    Und wenig später erreichte die Turma den großen Appelplatz stellte sich auf und wartete gespannt was es denn so dringendes gäbe.

  • Meinungsverschiedenheiten...


    Das war etwas, was sie nicht gebrauchen konnten, was sich aber dennoch anbahnte. Aelius Quarto wollte hier offenbar so schnell wie möglich weg. Entweder, weil er Angst hatte, dass jetzt, wo das Heer vom Tod des Kaisers erfahren würde, es demoraliesiert sein würde und die Parther es vernichten würden. Nun, das konnte man ihm nicht verdenken, auch wenn Avitus natürlich davon ausging, dass die Centurionen Disziplin durchsetzen würden und die Legaten die Milites aufmuntern würden, nicht aufzugeben und sie an ihren Mut und ihr Können erinnern würden, dessen sie sich gerade jetzt, in dieser schwierigen Lage bewusst werden müssten.


    Oder er wollte weg, weil die Lage so war, wie er es sagte und er tatsächlich schnellstmöglich zum neuen Kaiser musste und seinen Platz nicht mehr als hier ansah. Oder beides traf zu. Wie auch immer, die Tatsache, dass er an einer Abreise nicht zu hindern sein würde - Avitus bezweifelte, dass sich Vitamalacus einem ranghöheren Senator und dem bruder des jetzigen Kaisers offen in den Weg stellen würde, das wäre nicht gerade ein Loyalitätsbeweis - bedeutete, dass sie eine, sicherlich berittene, was noch bedauerlicher war, Abteilung los waren. So sehr auch Konkurrenzgedanken das Verhältnis zwischen den Legionären und den Gardisten prägten, wäre es ein weiterer Verlust. Hoffentlich bestand Quarto nicht auf einer all zu großen Eskorte.


    Oder sie zogen hier alle gemeinsam ab. Zusammen mit dem Leichnahm des Kaisers, den sie erst innerhalb der Reichsgrenzen verbrennen sollten und ihm damit ein ehrenvolles, würdiges Begräbnis gestatteten. Irgendwo am Ende der Welt vor den Toren einer fremden, belagerten Stadt verbrannt zu werden... kein würdiges Ende für einen Mann wie Lucius Ulpius Iulianus, der in die Reihen der Götter aufsteigen sollte. Und wer konnte wissen, ob er von hier überhaupt den Weg ins Jenseits finden würde. Das Opfer an Pluto müsste schon verdammt groß sein.


    Die Zeit drängte. Der Apell war bereits anberaumt worden und bis dahin mussten wie wissen, was zu tun. Ob richtig oder falsch, aber eine Entscheidung musste her, das erwarteten die Milites.

  • Meinungsverschiedenheiten...


    ...wurden manchmal auch schweigend ausgetragen.
    Quarto glaubte Missfallen im Blick des Praefectus Castrorum zu erkennen. Aber Artorius Avitus sagte nichts, und deshalb blieb er ebenfalls stumm.


    Für ihn war klar: Jetzt, nachdem die vier Legionen sich zu Valerianus bekannt hatten und die Rückreise antraten, war seine Aufgabe hier erfüllt. Er wollte rasch zu seinem Bruder. Der war ein erfahrener Feldherr, aber der römische Politik schon immer mit Desinteresse, Ungeduld und eine gewissen Naivität begegnet. Er ähnelte in dieser Hinsicht sehr seinem Adoptivvater, dem verstorbenen Kaiser, fand Quarto. Er musste zu ihm, bevor sich die Speichellecker und Opportunisten in seinem Gefolge breit machen konnten. Diese Leute würden sich bald um ihn drängen und sie würden nur ihren Eigennutz im Sinn haben. Er glaubte seinem Bruder beistehen zu müssen, auf diesem Terrain, dass der künftige Kaiser bisher möglichst gemieden hatte.

  • Meinungsverschiedenheiten...


    ... meinte Avitus eigentlich zwischen dem Legatus Legionis und dem Magister Domus Augusti zu beobachten. Er selbst schwieg bisher, dachte, dass das, war ihm durch den Kopf ging, sowieso klar war und nicht extra betont werden musste, fühlte sich durch den Blick Quarto's aber irgendwie geradezu aufgefordert, etwas zu sagen.
    "Ich bin dagegen, die sterblichen Überreste des Kaisers jetzt sofort und hier vor Ort zu verbrennen"
    warf er ein. Seiner Meinung nach war die Zeremonie hier - und damit die Frage nach der Wache während dieser - unangemessen.
    "Ich stimme senator Aelius zu..."
    au Backe, er ahnte, dass er mit der Zustimmung für einen Zivilisten den Unmut der Soldaten im Raum auf sich zog, aber als Primipilaris war Avitus kein Ja-Sager
    "... und finde, dass wir die Parther über unsere Lage und unsere Absichten im Unklaren lassen müssen. Ausserdem finde ich, dass wir die sterblichen Überreste des Kaisers innerhalb der Reichsgrenzen einer würdigen Bestattung unterziehen sollten. Nicht hier, am Ende der Welt, vor den Toren irgendeiner feindlichen Stadt, ohne ein angemessenes Opfer an seine Manen und Pluto. Wir sollten abrücken. Und was die Parther darüber denken mögen, sollte nicht unsere Sorge sein. Wir haben sie geschlagen, wir haben sie bei Edessa geschlagen, wir haben sie hier eingekesselt in ihrer Stadt und haben sie bei Chaboras trotz schwerer Lage abwehren können..."
    Avitus wusste selbst nicht, woher plötzlich dieser Optimismus kam. Aber wenn er diesen von den Centurionen verlangte, musste er ihn selbst an den Tag legen. Denn er verlangte nichts von seinen Untergebenen, wozu er selbst nicht bereit oder in der Lage war.
    "Das bedeutet, dass wir meiner bescheidenen Meinung nach abrücken müssen. So schnell es geht, so bald es geht"
    er nahm einen Schluck kühlen Weins.

  • Es dauerte nicht lange, bis die Meldung wegen dem bevorstehenden Appell alle Centurionen erreicht hatte. Im Grunde war ein Appell nichts ungewöhnliches, aber die Tatsache, dass dieses mal ein schier beiläufiger, aber umso bedeutenderer Satz gesagt wurde wie 'wichtige Neuigkeiten', ließ alle ahnen, dass es etwas besonderes zu verkünden gab. Die jüngeren unter den Milites würden bis zum Morgengrauen wohl kein Auge mehr zudrücken...

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