[Quartier] Centurio Classicus T. Decimus Verus

  • Verus strich sich nachdenklich über seinen Bart.


    "Ich habe noch nichts derartiges gehört. Sofern derartiges stattgefunden haben sollte, werden wir sicherlich bald auslaufen zu einem neuen Piratenkrieg. Der Kaiser wird keine Piratenüberfälle auf "unserem Meer" tolerieren. Informiere dich bitte genauer und teile mir alles weitere mit."

  • "Optio, ich habe mich schon genauer informiert. Das Schiff, dass die Leichen gefunden hat, war die Crateipolis. Ich habe mit deren Kapitän gesprochen. Diese war auf dem Weg von Turris Libisonis nach Misenum. Auf dem offenen Meer sah plötzlich jemand aus der Besatzung ungefähr zehn Leichen. Eine der Leichen holten sie an Bord. Der Kapitän hat mir versichert, dass diese eine Schnittwunde wie von einem Gladius hatte. Nachdem er dies gesehen hat, hat er sie ins Meer zurückwerfen lassen.", fasste Philotas für den Optio die Aussagen, die er gehört hatte, zusammen.

  • "Ich glaube dir. Informiere den Präfekten, er möge eine Liburne mit militärischer Bewaffnung freigeben. Ich selbst werde die Sache untersuchen, wenn sich Piraten dort herumtreiben, werden wir sie finden. Jedoch werde ich dem Präfekten nicht unnötig Sorgen bereiten, wenn es nur ein paar verzweifelte Fischer waren. Eine Liburne wird ausreichen für diese Aufklärungsmission. Wegtreten, Miles!"


    Verus war sich etwas unsicher, doch diese Piratengeschichte würde ihn endlich aus dem langweiligen Innendienst reißen und er könnte endlich wieder frische Meeresluft atmen.

  • "Verstanden, Optio!", sagte Philotas, salutierte und entfernte sich. Zum Praefectus würde er gehen müssen und ihn darum bitten, eine Liburne freizugeben. Dieser Liburne würde er dann wohl auch angehören. Langsam wuchs seine Aufregung - ob sie die Piraten dann wohl finden würden?

  • Verus hatte es sich in seinem Quartier bequem gemacht. Er hatte eine Karaffe mit Wein auf den Holztisch gestellt und die dazugehörigen Tonbecher. Ebenso standen einige Trauben und Oliven bereit. Er wollte sich ein wenig mit Labeo unterhalten. Verus musste reden. Nun saß er auf seinem sedes und wartete auf seinen Gast.

  • Nicht lange musste Verus warten, da sich Labeo inzwischen war er ja auch schon Optio - auch mal einen Abend freimachen konnte, ohne die allergrößte Angst haben zu müssen, dass ihm irgend ein Dienst reingedrückt wurde. Ah salve, Verus!, sagte er als er dessen Stube betrat. Er schaute sich um, so ein Centurio wohnte schon deutlich besser, als die Truppen. Aber Verus hatte es sich ja auch verdient. Und Labeo war ja auch noch jung, so dass ihm dieses Schicksal ja wahrscheinlich auch noch zu teil wurde. "Du hast in Deinem Billet nichts von dem Grund unseres gemeinsamen Bechers gesagt, gibt es etwas?"

  • "Setz' dich doch."


    Verus goss Labeo einen Becher mit Wein ein und schob ihm diesen zu.


    "Es ist nichts Ernstes, du brauchst dir keine Sorgen zu machen." - scherzte Verus und futterte genüsslich eine Traube, um die Situation ein wenig aufzulockern.
    "Ich wollte einfach ein wenig über unsere gemeinsame Zukunft reden. Wie steht es eigentlich um die Männer? - Nach dem Einsatz sind sie sicherlich erschöpft."

  • Labeo setzte sich, nahm sich einen Becher Wein und überlegte etwas. "Weißt Du, das ist merkwürdig. Ich selbst muss mich erst an die Rolle als Optio gewöhnen. Als Con-Nauta wusste ich irgendwie besser wie es den Leuten geht. Da war ich näher dran. Jetzt wo ich für eine Contubernie Verantwortung habe, fühle ich mich echt weiter weg von den Männern. Das war schon im Einsatz so. Das ist echt noch ne Aufgabe für mich."


    Dann trank er einen Schluck. "Oh, Du hast aber einen guten Tropfen hier in Deiner netten Hütte. Aber, was meinst Du eigentlich mit unserer gemeinsamen Zukunft?"

  • Verus nahm sich eine Traube. Er warf sie sich zackig in den Mund. Er kaute.


    "Du wirst dich daran gewöhnen. Ich selbst musste es blutig lernen. Die Entscheidungen für eine ganze Centurie zu treffen, ebenso über Leben und Tod zu entscheiden. Du solltest jedoch die Distanz zu den Mannschaften waren. Ich als Offizier, darf mich ihnen nicht anbiedern, dass führt zu falschen Hoffnungen unter ihnen und somit zu einer Schwächung meiner Autoritas."


    Er drehte den Tonbecher in seiner Hand.


    "Ich werde sicherlich, sobald ich Ritter bin, meinen ehrenhaften Abschied nehmen. Du musst wissen, ich bin nun ehrlich zu dir..." - Verus unterbrach kurz seine Ausführungen.
    "Ich kann seit einigen Tagen nicht mehr schlafen. Ich sehe jede Nacht tote Kameraden und manchmal bin ich einfach grundlos niedergeschlagen. Die Schlacht gegen die Piraten hat mehr hinterlassen als nur Narben auf der Haut. Ich brauche eine Auszeit. Zumal ich alt geworden bin..."


    Verus holte tief Luft.


    "Was ich von dir wissen wollte... - Wirst du meine Centurie übernehmen oder mit mir ein neues Leben aufbauen? Ich gedenke ein Haus zu bauen, eine villa rustica vor Rom. Ich könnte eine helfende Hand gebrauchen. Du als mein amicus, ich wüsste keinen Besseren."

  • Labeo hörte aufmerksam zu und nahm sich auch ein paar Trauben, die er sich zu Beginn der Ausführungen seines Freundes und Centurios noch spielerisch in den Mund warf. Dann ließ er das aber lieber, als Verus von dem Post-Pugnitiven Trauma sprach, das jedem Soldaten einmal widerfuhr. Labeo war bei den Piratenkämpfen zu weit ab vom Schuss gewesen, als dass er die Brutalität des Kampfes hätte mitbekommen können. Er war ja bei der Ankunft fast etwas überrasch gewesen, wie schwer der Kampf - den Verlusten und Verletzten entsprechend gewesen war.


    So aß er die letzte Traube nur still, und nahm sich keine neuen, sondern stellte auch den Becher ab und zeigte mit seiner ganzen Körperhaltung, dass er ganz Ohr war für die Sorgen seines Freundes. Und als dieser weitersprach und das Thema in die Zukunft wechselte, war Labeo wieder einmal etwas verblüfft.


    Das kann ich gut verstehen. Das mit der Auszeit - und auch mit der Idee mit der Ernennung zum Ritter aus dem Dienst zu scheiden., sagte er und nickte, "Und Dein Vorschlag klingt verlockend, sehr verlockend sogar. Da ich ja einige Ländereien besitze, die das ganze gut möglich machen könnten."
    Und auch wenn sich dies wie eine rhetorische Figur anhören würde, tatsächlich wäre es eine Überlegung wert, "Aber ich glaube, dass für mich der Tag des Abschieds aus dem Exercitus noch nicht gekommen ist. Schließlich habe auch ich mir das Ziel des Eques gesetzt, wie mein Vater es war. Vieles hängt aber vom neuen Kommandeur ab, denke ich."

  • Verus trank einen kräftigen Schluck, um die Erinnerungen herunterzuspühlen. Er schaute Labeo an, schwieg kurz an setzte dann wieder an.


    "Du besitzt bereits die Würde Ritter zu werden, Labeo." - stellte Verus fest. "Du bist Veteran und ebenso Unteroffizier. Ich kann dich an meinen Verwandten, Senator Meridius, vermitteln. Er wird dich sicherlich unterstützen. Keiner wird dir die Ritterwürde abstreiten, sei dir dies gewiss."


    Er schaute kurz in seinen Becher, dann wieder auf.


    "Bis der neue Kommandeur eintrifft, vergeht sicherlich noch viel Zeit, Labeo..."

  • Als sein Freund und Centurio wieder den Becher erhob, nahm auch Labeo den seinen und nahm einen solidarischen Schluck. „Du hast vielleicht recht, aber immerhin bin ich bis jetzt nur ein Unteroffizier. Es geschieht nur sehr selten, dass Unteroffiziere Eques werden, auch wenn sie wie ich schon den nötigen Stand und den nötigen Besitz haben"


    Er lehnte sich zurück. "Beh, wenn noch einige Jahre vergehen bis der neue Kommandeur kommt, dann sollte man sich wirklich etwas überlegen, aber vielleicht dauert es ja nicht so lang oder irgendetwas anderes passiert."

  • Verus lehnte sich nach hinten mit dem Becher in der linken Hand.


    "Hoffen wir es..."


    Er leerte sein Tongefäß mit einem langen Zug.


    "Meridius, wird dir da sicherlich helfen können. - Dein Vater war ja schon Eques, dies wird sicherlich berücksichtigt werden. Ich würde gerne mit dir gemeinsam gehen. Ich habe kaum mehr Erfahrung mit der Welt außerhalb des Dienstes. Die Welt ist mir fremdgeworden. Ich brauche dich an meiner Seite."

  • Es ehrte ihn natürlich, dass sein Freund diesen Vorschlag machte, und da er zumindest nicht völlig abwegig war, sagte er schliießlich:


    "Nun gut, ich will es mir überlegen. Eigentlich ist die Idee ja ganz verlockend. Also zumindest vorstellen könnte ich mir es, aber wie gesagt, ich muss mal in Ruhe darüber nachdenken."


    Er nahm sich wieder ein paar Trauben und warf sie genüsslich zwischen den Sätzen und Worten ein.


    "Warst Du eigentlich zuletzt mal wieder in Roma - außer dass Du die Flavierin abgegeben hast, meine ich?"

  • "Ich bin öfters in Rom. Jedoch sind diese Reisen recht anstreckend, jedoch ist es als Centurio mein gutes Recht einen solchen Urlaub zu bestreiten, werter Freund. - Ich brauche einfach ab und zu eine Auszeit. Rom erinnert mich daran, wofür ich kämpfe."


    Verus schenkte sich nach, um schließlich zu trinken.
    Nach dem Schluck sprach er:


    "Gibt es eigentlich Neuigkeiten von deiner Seite?"

  • "Auch ich müsste mal wieder hier raus. Die Sache liegt aber anders als bei Dir. Ich muss mal wieder den Grabstein meines Vaters anschauen, ob die beauftragten Sklaven der Familie ihn immer schön sauber halten.", dass auch ihn manchmal eine Art Lagerkoller traf musste er seinem Freund nicht erzählen, das wusste er.


    Neues, eigentlich nichts, viel zu wenig neues eigentlich. Aber dafür ist es in Misenum ja auch schön ruhig. ;)

  • "Das ist es ja. Diese Ruhe lässt einen nachdenken, somit kann man seine schrecklichen Erinnerungen nicht verdrängen, sie tauchen viel mehr auf. Manchmal ist Ruhe alles andere als förderlich." - brach es aus Verus heraus.


    "Brauchst du einen Urlaubsschein? - Ich kann dir einen ausstellen."


    Verus aß nun eine süße Traube und genoss den Geschmack dieser seidigen Früchte.


    "Wie geht es eigentlich deiner Familie?"

  • Labeo versuchte ganz normal und nicht irgendwie betroffen auszuschauen, als das Trauma seines Freundes und Centurios heraus brach, ja er sollte wirklich zumindest eine Pause im militärischen DIenst einlegen, dachte er sich dabei, sagte aber nichts dazu.


    "Ja. Ein paar Tage Urlaub, wären nicht schlecht. Eben für einen kurzen Abstecher nach Roma. Kannst ja mitkommen, wenn es passt."


    Die Frage nach seiner Familie stimmte ihn traurig, sie waren so zerrissen. "Weisst Du es sind einige, darunter auch ein Neffe, der höchstens ein paar jahre jünger als ich ist - mein Bruder hat sich früh rangehalten - in Ägypten bei der XXII., dann ist da Proximus der hier jetzt bald Duumvir wird, aber der ist nur mehr weit entfernt verwandt. Und ansonsten sind sie in alle Gegenden zerstreut. Es ist halt kaum jemand für länger in Roma, das hält dann doch die Familie zusammen.

  • Verus nickte.
    "Dann betrachte dich ab jetzt für einige Tage freigestellt. Ich werde dies schon vor dem Präfekten zu vertreten wissen." ;)


    Er schenkte Labeo nach, mehr aus Höflichkeit und nicht um den Becher erneut zu füllen.
    "Vielleicht solltest du ein Familientreffen organisieren. Einen kleinen Umtrunk. - Sicherlich findet dort jeder Zerstreuung vom Alltag."

  • "Danke, ich werde dann morgen nach Roma fahren. Ich melde mich dann auch bei Dir zurück."


    Als Verus nachschenken wollte, winkte er ab, Danke, Dein Wein ist köstlich, aber wenn ich morgen abreisen will, muss ich noch einiges vorbereiten. Und was die Zukunft angeht. Vielleicht ist Dein Plan ja gar nicht so schlecht.


    Er machte sich daran aufzustehen: "Laufen. Vielen Menschen hilft es schwierige Erfahrungen durch körperliche Ertüchtigung zu verarbeiten. Oder sich verlieben. Wobei letzteres nur schwer planbar ist." :D

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