atrium | Ankunft zweier Brüder

  • Leone ließ es sich nicht nehmen, die beiden Brüder ins atrium zu führen, obwohl die beiden sich hier ja bestens auskannten. Andere Sklaven kümmerten sich derweil um das Gepäck der beiden und darum, daß die Zimmer vorbereitet wurden. Dinge, mit denen Leone zum Glück nichts zu tun hatte.


    "Bitte nehmt doch Platz. Bestimmt wird gleich schon jemand herbeieilen, um euch zu begrüßen. Ich muß zurück an die Tür, dominus Corvinus ist da sehr streng." Er grinste nochmal breit und zog sich dann an seinen Platz zurück, rief aber noch nach einer Sklavin, die den beiden Wein bringen sollte.

  • Catulus war Leone in das Atrium gefolgt. Auf dem Weg dorthin konnte er sich garnicht satt sehen an all der Pracht. Wie ärmlich war doch dagegen die Villa auf dem Gut gewesen. Dabei fiel ihm wieder seine Mutter ein. Sein Bruder und er hatten es endlose Male miteinander besprochen. Sie waren zu der Meinung gelangt, dass es so am besten wäre. Doch manchmal, so wie jetzt, kamen Zweifel in Catulus hoch, ob er die richtige Entscheidung gewesen wäre.


    „Danke Leone.“ sagte er zu dem Sklaven, als er ihnen einen Platz im Atrium anbot. Es war sonst nicht Catulus Art sich bei Sklaven für irgendetwas zu bedanken. Aber Leone war auch nicht irgendein Sklave. Und so war Catulus ihm gegenüber höflich. Da sie nun scheinbar hier auf die Familienmitglieder warten sollten, nahm er Platz. „Bruderherz, sag, war es wirklich die richtige Entscheidung gewesen, dass wir Mutter auf dieser Villa rustica zurückgelassen haben? Ich weiß, wir haben das alles schon miteinander besprochen. Aber manchmal zweifel ich daran, dass es gut so ist.“ Er wusste, dass sein Bruder höchstwahrscheinlich genau so empfand. Aber Catulus wollte aus seinem Mund die Bestätigung für ihre Entscheidung hören. Dann wäre er wieder beruhigt.


    In der Zwischenzeit hatte die Sklavin den versprochenen Wein gebracht. „Willst du auch ein bisschen Wein?“, fragte er seinen Bruder, während er sich selbst einen Becher voll einschenkte. Catulus beschloss, es sich bequem zu machen, bis einer der Verwandten auftauchen würde. In der Zwischenzeit wurden ihre Zimmer vorbereitet und...“Weißt du, wir hätten auch noch um die Vorbereitung eines Bades bitten sollen.“, sagte er nachdenklich zu seinem Bruder. „Das mir das nicht gleich eingefallen ist. Aber ich war so froh, endlich hier zu sein. Na dann muss wohl eine kalter Guss genügen, um den Staub der Reise abzuwaschen.“

  • Seinem Bruder und Leone folgend fand sich auch Avianus auf dem Atrium ein. Hier hatte sich schon ein wenig mehr getan, als zunächst angenommen. Zumindest fand man hier schon eine vielfältigere Pflanzenvielfalt. Oder bildete sich Avianus das nur ein, weil er solch einen prächtigen Garten schon lange nicht mehr gesehen hatte? Als wären die Gebrüder geistig miteinander verbunden, musste Avianus nun auch an die Mutter denken. Er hatte die Reise über (erfolgreich) versucht, sich keine Sorgen um die Frau zu machen, aber jetzt kam der Gedanke in ihm schon wieder hoch.


    Seinem Bruder gleich tuend bedankte sich der junge Aurelier ebenfalls bei Leone: "Danke. Lass dich nicht aufhalten.". Obwohl es doch ein wenig merkwürdig war, sich bei einem Sklaven zu bedanken, wollte Avianus auf anderer Seite kein undankbarer Mensch sein. Und er war nicht unbedingt darauf aus, einem Menschen die Existenz zu erschweren. Nachdem Leone wieder seines Weges gegangen war, saßen die beiden Aurelier jetzt in diesem ruhigen Plätzchen und konnten sich austauschen. Catulus machte sich wohl die gleichen Gedanken bezüglich der Mutter, wie Avianus. Nachdenkend zog er die Augenbraue hoch, da er eigentlich die selben Zweifel hatte. Er wollte seinen Bruder nicht in Besorgnis bringen, aber er war sich andererseits auch selbst sicher, dass es Mutter auf der Villa Rustica gut gehen sollte. Es war eine ruhige Gegend, das Haus brach nicht in sich zusammen und einige Sklaven erleichterten ihr die Arbeit. Was sollte schon groß schief gehen?
    "Mach´ dir mal keine Sorgen, Catulus. Es wird ihr dort gut gehen, es ist ein guter, ruhiger Platz für eine ältere Dame.", beruhigte Avianus Catulus.


    Genau zum richtigen Zeitpunkt kam auch der Wein an. Avianus nahm sich einen Becher und nickte freundlich auf das Angebot seines Bruders. Ein bequemer Sitzplatz, guter italienischer Wein... mehr brauchte man zum Warten doch nicht!
    Während Avianus sich den Wein einschenken ließ, sprach sein Bruder das mit dem Bad an. Sehnsüchtig blickte er ihn an. "Mist, das hätte mir früher einfallen sollen! Mir ging es genauso wie dir.". Aber was war denn das Leben ohne Kompromisse? "Naja, ein kalter Guss sollte wirklich genügen. Es ist warm hier, da wird uns eine Abkühlung nicht umbringen. Hauptsache sauber, den Zweck wird kaltes Wasser auch erfüllen.". Avianus war einfach ein Optimist. Er beklagte sein Schicksal nicht und machte einfach das Beste draus. Vielleicht machte ihn ausgerechnet das zum Optimisten.

  • Immer noch bedeckten langen Stoffärmel ihrer Tunika die Narben von ihrer fiebrigen Krankheit, die sie heimgesucht hatte. Jetzt, wo Hektor und Siv weg waren, fühlte Tilla sich richtig einsam, obwohl Köchin Niki und Türsteher Leone und der Herr des Hauses noch da waren. Sie wurde stiller, führte die ihr zugewiesene Arbeit schnell und zügig aus und zog sich oftmals auf den Kletterbaum zurück, wo niemand sie finden und stören würde. Nach einem Ausflug zu den Kaninchenbabys, die sie nacheinander aus dem Käfig herausholte und sogar streichelte sowie mit Heu und Löwenzahn fütterte, kehrte sie ins stille Haus zurück.


    Tilla hörte auf ihrem Weg zwei Stimmen, die ihr unbekannt waren. Was war denn nun los? Sie begegnete einer Kiste, aus der sie ein mittelgroßes Leinentuch nahm und knüllte es lieblos zusammen. So würde es aussehen als ob sie es zur Wäscherei bringen würde. Leise schlich sie näher und näher dem atrium, bis sie eine Säule erreichte und lugte drum herum. Ihre erste Hoffnung war es, dass es Hektor war, der wieder zurückgekehrt war, aber dem war nicht so. Traurig musterte Tilla die beiden unbekannten Männer, wischte die Tränen beiseite, die ihr plötzlich über die Wangen rollten. Vielleicht sollte sie einfach zu Bett gehen und versuchen etwas zu schlafen, jetzt wo sie nichts zu tun hatte. Sie hatte irgendwie keine Lust sich nun zu ehtfernen und hockte sich nieder, einmal um zu lauschen. (Ursus war ja nicht da!) und einmal um herauszufinden, wer die zwei Besucher denn waren.

  • Im cubiculum
    "Tiberius und Gaius? Nein tatsächlich?" fragte ich fasziniert den Jungen, der mich soeben beim Umkleiden erwischt hatte, und ließ die Arme sinken, was sich beim Anlegen der toga als weniger sinnvoll erwies. Natürlich bestätigte er dies, entsprach es doch der Tatsache. Die beiden Sklaven hielten geduldig inne, doch mich selbst hatte nun die Ungeduld im Griff, weswegen ich die Falten des weitläufigen Stoffes von der Schulter rutschen ließ und mich selbst wieder aus den weißen Bahnen schälte. Dafür erntete ich einen tadelnden Blick von Sofia und Dina, die ich jedoch ignorierte und so also nur mit einer an Saum und Kragen besticken tunica das atrium aufsuchte.


    Im atrium
    "Gaius, Tiberius! Was für eine Überraschung, wir hatten gar nicht mit euch gerechnet! Warum habt ihr eure Ankunft nicht angekündigt?" begrüßte ich die beiden gut gelaunt, noch während ich näher kam und, als ich angekommen war, einen nach dem anderen umarmte und ihnen auf die Schulter klopfte. "Ihr habt Titus um drei Wochen verpasst, er hat doch noch ein Tribunat abbekommen und ist inzwischen in Germanien bei der Zweiten", erzählte ich, während ich bereits zu den Sitzgelegenheiten hinüber ging und mich setzte. "Wie geht es Melina, sie ist doch wohlauf?" fragte ich und erspähte eine Bewegung aus den Augenwinkeln - Tilla. Ich winkte sie heran. "Tilla, das sind Tiberius Avianus und Gaius Catulus", erklärte ich und wandte mich wieder den beiden zu. "Ihr werdet doch jetzt sicher eine Weile hierbleiben, oder nicht?"

  • Nicht ganz unberechtigt fühlte sich Avianus beobachtet, sodass ihm ein kalter Schauer den Rücken hinunter lief. Er mochte das Gefühl nicht, gezielt beobachtet zu werden, doch nach genauem Umsehen sah er doch irgendwie niemanden, außer Catulus. Als würde sie jemand observieren oder klammheimlich belauschen. "Bruder, leide ich unter Verfolgungswahn oder werden wir beobachtet?", meinte der Aurelier an sich selbst zweifelnd. Naja, die Pflanzen konnten es ja wohl nicht sein. Mit einem abwimmelnden Schulterzucken beschloss Avianus jedoch, das Ganze auf sich beruhen zu lassen. Manchmal spielten einem die Sinne gerne einen Streich.


    Catulus und Avianus mussten nicht lange warten, schon erkannten sie aus der Ferne Corvinus, gewandet in einer guten Tunica, die ihm sogar gut stand. Der gute Onkel hatte sich wie Vieles in diesem Haus nicht verändert. Komisches Gefühl, so lange weg gewesen zu sein und sich trotzdem vorzukommen, als wäre man erst Morgens aus der Pritsche aufgestanden. "Onkel Corvinus! Wie geht es dir?!", grüßte Avianus erfreut und erwiderte die Umarmung mit einem festen, aber nicht zu starken Griff. Schade, dass sie Ursus verpasst haben, aber Avianus hatte schon keine Zeit mehr für eine traurige Miene. Denn bevor sich diese aufzeigte, legte der junge Aurelier einen erfreuten Gesichtsausdruck über Ursus´ Tribunat auf. "Es freut mich für Ursus, dass er einen guten Karriereweg gefunden hat. Auf dass er es weit bringen möge!".


    Und da war doch der Übeltäter - oder die Übeltäterin, wegen der sich Avianus beobachtet fühlte. Tilla hieß sie also. Der junge Aurelier hatte nichts gegen Neugierde, zumal er die seine manchmal auch nicht zu bändigen vermochte. Deshalb bedachte er die Sklavin mit einem grüßenden Nicken, ohne ihr weiter böse zu sein.


    Nachdem sie erstmal die Wiedersehensfreude ausgelebt hatten, saß sich auch Avianus auf eine der Sitzgelegenheiten in der Nähe, neben Corvinus. Als dieser erneut die Mutter ansprach, blickte Avianus ein wenig befangen zu seinem Bruder. Wieder einmal ein kurzer Zweifler. Danach gab er jedoch dem Onkel eine Antwort, dass dieser sich nicht sorgte: "Nun, es sollte ihr gut gehen, Onkel. Die Villa Rustica, in der sie nun lebt, war sehr angenehm. Sie hat sich schnell darauf angepasst."
    Ob sie hier bleiben wollten... obwohl sie Brüder waren wusste Avianus von Catulus nicht, ob er hier bleiben wolle. Zumindest hatte Avianus dies vor, da er eine Karriere in Rom starten wollte. Normal sollten sie das doch voneinander wissen. Und da kamen sie trotzdem zum nächsten Punkt. "Nun, ich möchte in Rom bleiben und eine Karriere starten. Doch auch im Namen meines Bruders könnte ich fragen: Was wäre ein richtiger Weg für uns?", fragte der junge Aurelier, noch grün hinter den Ohren, während er sich eher unbewusst die Hände durchknetete. Schließlich wollte er kein arbeitsloser Sesselhocker sein...

  • Eine Zeitlang war es still im atrium als einer der beiden Männer seine Stimme anhob und zu sprechen begann. Hm... wie hatte er denn gemerkt, dass er beobachtet wurde? Sie war doch ganz leise gewesen und hatte sich nicht mehr gerührt. Hörte derjenige etwa das Gras wachsen? Plötzlich schritt Marcus an ihm vorbei. Erschrocken zog Tilla sich tiefer in den Schatten zurück, da sie ihn nicht kommen gehört hatte und spitzte die Ohren über die Worte die ausgetauscht wurden.


    Stoffgeraschel unterstrich die Worte. Umarmten die sich? Die Neugier überstieg die Vorsicht und Tilla lugte um die Säule herum. Tatsächlich. Oh nein... Marcus hatte sie entdeckt. Sie wurde aber auch nachlässig. Langsam rappelte sie sich auf, wischte über die Wangen, ob da auch keine Tränenspuren mehr vorhanden waren und verliess ihr Versteck hinter der Säule. Schritt für Schritt bewegte sie sich auf die Männer zu, hielt einen gebührenden Abstand zu ihnen ein und blickte scheu zu ihnen auf. Der Herr des Hauses stellte sie den Männern vor. Kurz streiften ihre Augen den Blick von Avianus, der ihr ein Nicken schenkte. Ernst blickte Tilla zu ihm zurück und sah zu Boden. Den Blick sie aber wieder hob, um nachzuschauen, ob die Besucher schon mit Getränken versorgt worden waren. Wunderbar, sie konnte bleiben. Ruhig blieb Tilla stehen, verschränkte die zierlichen Hände hinter dem Rücken. Karriere starten? Hm? Sicher wusste dominus Marcus zu diesem Thema so einiges zu erzählen.

  • Als Catulus die Worte seines Bruders hörte, musste er nicken. Er sagte sich das gleiche auch immer wieder. Und tatsächlich fühlte er sich schon besser. Er reichte Avianus den einen Becher und machte es sich wieder bequem. Auf die Bemerkung von ihm, dass ein kalter Guss bei diesem Wetter gut tun würde, musste er lachen. Typisch sein Bruder. Immer das Beste in einer Sache sehen. „Naja, warmes Wasser wäre mir schon lieber. Aber vielleicht denken die Sklaven auch mit.“ So leicht wollte er sich von der Vorstellung eines warmen Bades nicht verabschieden.


    „Wie beobachtet?“ antwortete Catulus auf die Frage seines Bruders. Er sah sich um, aber konnte beim besten Willen nichts entdecken. Er zuckte mit den Schultern. „Du enttäuschst mich. Ich dachte, du würdest in der Zwischenzeit mehr Wein vertragen, Bruderherz.“, witzelte er und schaute Avianus mit einem Grinsen an.


    Da bemerkten sie Corvinus. Schnell sprang Catulus von der Cline auf und schon wurde er von seinem Onkel herzlich umarmt und willkommen geheißen. „Onkel Corvinus! Ich freue mich auch dich endlich wiederzusehen.“, erwiderte er lächelnd die Begrüßung mit einem festen Griff. „Sonst wäre es doch keine Überraschung gewesen.“ Er freute sich zu hören, dass Ursus es einen Schritt weiter auf der Karriereleiter geschafft hatte. „Bei der Zweiten?“, fragte er nach. „Ich habe gehört, dass das ein ziemlich wilder Haufen sein soll. Ich denke Ursus wird sich nicht über Langeweile beklagen müssen. Wollte er denn zur Zweiten?“ Catulus selbst hätte eine etwas freundlichere und wärmere Gegend als Germanien bevorzugt.


    Er setzte sich auch auf einen Sitzplatz in der Runde. Das ihr Onkel aber auch immer instinktiv den richtigen Punkt traf, dachte er, als er seine Frage nach ihrer Mutter hörte. Vielleicht war er deswegen so erfolgreich. „Ja.“, bestätigte er die Worte seines Bruders, „ihr geht es gut. Und sie schien bei unserer Abreise einen den Umständen entsprechenden glücklichen Eindruck auf mich gemacht zu haben. Ich will dir aber nicht verschweigen, dass uns die Entscheidung sehr schwer gefallen ist. Aber man ist ja nicht aus der Welt. Und wer weiß, was die Zukunft bringt. ...Wie geht es den anderen? Ich hoffe doch, dass alle wohlauf sind.“


    Da hatte doch sein Bruder Recht gehabt und Catulus nickte ihm anerkennend zu. Das war also ihr heimlicher Beobachter gewesen. Er sah zu der Sklavin und nickte ihr kurz zu. Sie machte auf ihn einen etwas befremdlichen Eindruck. Aber so lange sie sich im Hintergrund halten würde, hätte er nichts gegen ihre Anwesenheit. Besser so, als wenn sie sie heimlich belauschte. Denn das mochte er nicht so gerne.


    Catulus wollte gerade auf die Frage von Corvinus antworten, als sein Bruder ihm zuvor kam. Er nickte zu seinen Worten. Direkt und ohne Umschweife war er wie immer zum Kern der Sache gekommen. Das unterschied ihn etwas von seinem Bruder. „Natürlich würde ich auch gerne eine Weile hier bleiben. Schließlich sind Avianus und ich mit einigen Ambitionen in das geliebte Rom zurückgekehrt.“ Gespannt wartete er darauf, was Corvinus ihnen für Ratschläge erteilen könnte.

  • Onkel Corvinus. Mir lief ein kleiner Schauer den Rücken hinunter. Die beiden waren nur wenige Jahre jünger als ich, was zweifelsohne daran lag, dass ich der jüngste Spross meines Vaters war und meine Brüder mir allesamt weit voraus geeilt waren. Auch, was eigene Nachkommen anbelangte. Doch Onkel Corvinus löste in mir ein Altersbewusstsein aus, das nicht da sein sollte, zumindest noch nicht. "Gut", war die Antwort auf die Frage zu meinem Befinden. "Ich habe zwar so einiges zu tun, aber..." ließ ich den Satz unvollständig und zuckte schmunzelnd mit den Schultern. Ich wusste nicht, inwieweit die beiden über mich und meine Tätigkeiten Bescheid wussten.


    "Tilla", wandte ich mich an die Sklavin, die auf irgendetwas zu warten schien. "Holst du etwas Wein?" fragte ich sie und schloss danach eine Frage an die beiden Brüder an. "Habt ihr schon Bescheid gegeben, dass man euch Zimmer richtet und ein Bad einlässt, falls ihr das wollt?" Zufrieden nickte ich hernach. "Ah, das ist gut. Und sicher werden sich auch die anderen freuen. Minervina und Prisca sind hier, ebenso Helena", erzählte ich. "Ihnen geht es soweit gut. Appius ist zur Zeit übrigens auf einer Reise in Ägypten unterwegs." Die Wirrungen um Helena ließ ich ersteinmal beiseite. Das ging nun zu sehr ins Detail und würde beide gewiss beunruhigen, also verschwieg ich die Geschichte vorerst, lehnte mich zurück und musterte Catulus und Avianus.


    "Gerade vorhin ist ein Brief von Titus gekommen. Es scheint ihm ganz gut zu gehen. Ich bin gespannt, was das Soldatendasein aus ihm macht." Und das war ich wirklich. Mich hatte es nur in wenigen Belangen verändert, was gewiss auch an meiner Begleitung damals gelegen hatte. Wie sich das Lagerleben auf Ursus auswirken würde, wäre interessant zu erkunden. Zumindest im Brief hatte er schon nicht mehr so störrisch und bockig geklungen wie kurz vor seiner Abreise... Avianus' Frage ließ mich den Kopf wenden. "Eine Karriere starten?" fragte ich, milde lächelnd. Für einen Plebejer wären Worte des Lobens nun gewiss angemessen gewesen, aber für einen Patrizier war eine Karriere ein vorherbestimmter Weg. Einer, der zumeist in die Hallen des Senats führte. "Es gibt nicht den richtigen Weg. Ein Weg muss sich richtig anfühlen, sonst erscheint er stets falsch, wenn man ihn bereist", erwiderte ich. "An was hattet ihr denn gedacht? Der Dienst für die Götter wäre sicherlich geeignet, um in Rom Fuß zu fassen."

  • Der andere Mann machte gar nichts.. er sah sie nur kurz an und wieder weg. Das war ihr vollkommen recht. Tilla überlegte ob sie sich nicht zurückziehen sollte. aber dann würde sie gar nicht mehr herausfinden was die beiden Männer hier machten. Kennen taten sie ihren Herrn ganz gut. Sie hob den Kopf als sie erneut angesprochen wurde. "Holst du etwas Wein?" Erstaunt hob sie die Augenbrauen. Es stand doch schon alles da... Hm, vielleicht einen anderen Wein? Vielleicht war der jetzige aus unerfindlichen Gründen schlecht geworden. Si. erwiderte sie mit knapper Geste und drehte sich um. In der Küche suchte sie eine neue Weinamphore heraus und liess sich von Köchin Niki helfen, diesen in eine Weinkaraffe umzuschütten. Ein Tropfen bekleckerte ihren Finger. Sie probierte spontan. Hm, gar nicht so übel!


    Mit der Karaffe auf dem Tablett kehrte sie zurück und stellte diese zu den Getränken. Einen Becher für Marcus hatte sie auch mitgebracht und schüttete in alle Becher nach. Die Karaffe, die schon da war, stellte Tilla anschliessend weg. was sie aber nicht wusste war, dass der aus der Küche gebrachte Wein sehr teuer war. Nun nur noch die Becher auf das silberne Tablett stellen und die Männer nacheinander bedienen. Scheu blickte sie rüber, nahm allen Mut zusammen und trat langsam zu den dreien, bot ihnen das gebrachte an. Gerade kam das Gespräch auf die Götter. Tilla dachte an den von Prisca versprochenen Besuch beim Orakel, blickte auf die blauen Becher die ihr Anlitz leicht widerspiegelten. Ein schönes Blau!! dachte sie bewundernd und fragte sich gedankenabwesend, wie es wohl ausschaun würde, wenn die Becher in die Sonne gehalten würden.

  • Während Tilla den Wein holen gegangen ist, musste Avianus spontan lachen, wie Corvinus die Gemütsänderung von Ursus beschrieb. Ja, das Militär. Was wäre Rom nur ohne... aber er konnte sich schon vorstellen, wie hart das Leben in einem Legionslager wäre. Da machte man in Null komma nichts eine Wandlung durch. Meistens freut man sich sogar, wenn man endlich wieder draußen ist. Grinsend dachte Avianus, dass er mal seinen noch nicht existierenden Sohn in die Legion schicken sollte, sollte er unartig werden. Und schon hatte man als Vater noch ein Druckmittel...


    Wie gerufen kam auch schon der Weinnachschub an. Zum Dank nickend nahm sich Avianus einen Becher mit dem kostbaren Nass darin. Obwohl er vor Kurzem schon einen hatte, wollte er sich noch einen Becher dieses kostbaren Getränks nicht entgehen lassen. Es galt einiges zum nachholen, schließlich war Avianus letzter wirklicher Weinkonsum schon lange her... wann war der eigentlich? Egal, seine Gedanken waren jetzt ganz woanders.


    Avianus nahm einen kräftigen Schluck und bemerkte, was das für ein guter Tropfen war, als sein Onkel seine Frage nach dem Karriereweg beantwortete. Nachdenklich rieb der Aurelier sich das Kinn. "Nicht dass ich selbst nicht gläubig wäre...", sprach Avianus spekulierend, "Aber ich hab´s selbst nicht mit solchen Ritualen. Ich vertrage den Anblick von Blut gerade noch.". Ja, das war Avianus´ Schwäche. Er konnte kein Blut sehen. Die Opfer, die man auch an Tieren praktizierte, waren für ihn gerade an der Grenze. Und selbst da wurde er kreidebleich. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, so etwas selbst auszuüben, wenn ihm das Blut selbst an den Händen klebte und er irgendwelchen Tieren den Hals öffnen musste, um anschließend Lebern oder andere Innereien hervorzuziehen. Schon der Gedanke ließ es ihm kalt den Rücken runterlaufen.
    Logischerweise folgte dann auch die Frage nach einem Alternativweg: "Was gibt es noch für Möglichkeiten? Etwas in der Verwaltung würde mich reizen, anschließend der Cursus Honorum, wenn es soweit ist.".


    Avianus blickte zu seinem Bruder und ließ ihn auch mal zu Wort kommen. Schließlich achteten Brüder eben aufeinander. Zumindest, wenn sie sich leiden konnten, wie Catulus und Avianus. "Wie steht es mit dir, Bruderherz? Hast du eine Vorstellung bezüglich deiner Karriere?".

  • Catulus konnte sich gut vorstellen, dass Corvinus viel zu tun hatte. Doch leider wusste er nicht, was sein Onkel gerade so machte. Aber er war sicher, dass er es noch erfahren früh genug erfahren würde. Deswegen fragte er auch nicht weiter nach. Aber warum sollte die Sklavin Wein holen? Den sie momentan tranken schien ihm von ausreichender Qualität. Vielleicht wollte Corvinus etwas sagen, was sie nicht hören sollte. Doch dem war leider nicht so. Catulus freute sich, dass noch weitere Angehörige in der Villa weilten. Und Appius war in Ägypten? „Was macht denn Appius in Ägypten?“, fragte er Corvinus.


    Catulus runzelte nachdenklich die Stirn. Die Worte von seinem Onkel klangen in seinen Ohren fast wie ein Orakel. Er wurde nicht schlau aus dem Spruch. Aber er klang ziemlich beeindruckend. Über den Vorschlag, den Göttern zu dienen, war er nur mäßig begeistert. Zwar hatte er nicht prinzipiell etwas dagegen. Aber er hatte sich etwas anderes vorgestellt. Und sein Bruder schien ihm die Worte aus dem Mund zu nehmen und nickte. „Ich sehe das genauso wie du. Nicht, dass mich das Blut stören würde. Aber auch ich würde lieber den Weg des Cursus Honorum einschlagen. Zwar weiß ich nicht, ob er sich richtig anfühlen wird. Das kann ich erst dann feststellen, wenn es soweit sein wird. Aber ich denke, dass er mir mehr liegen wird, als der Dienst an den Göttern. Und vielleicht könntest du mir das nochmal genauer erklären, Corvinus. Woher weiß ich, dass sich ein Weg richtig anfühlt?“


    Inzwischen war die Sklavin mit dem neuen Wein zurückgekehrt. Ohne sie weiter zu beachten, nahm Catulus den Becher entgegen und kostete. Dieser Wein schmeckte ihm hervorragend. Zweifelnd sah er auf den Becher. So ein Tröpfchen für einen einfachen Familienempfang? Corvinus schien es besser zu gehen, als er gedacht hatte. „Dein Wein ist ausgezeichnet. Ich habe schon lange nicht mehr einen so köstlichen Tropfen getrunken.“, sagte er anerkennend zu seinem Onkel und hob den Becher, um ihm zuzuprosten.

  • Meine Augen verengten sich ein wenig, während ich Avianus' Worten lauschte. Verschwommen drängte sich ein Bild in mein Bewusstsein, ich selbst hinter Vater stehend und einer Opferung beiwohnend, und irgendwo ganz hinten Avianus und Catulus, die lieber eine puella beobachteten als den Priester, der vorn das Zicklein ersticht. Die Erinnerung zerplatzte, als Avianus fortfuhr. Ich seufzte leise und zuckte mit den Schultern, kaum dass auch noch Catulus ihm beipflichtete. "Der Kult bräuchte allerdings ehrenwerte Männer und Frauen, die für die Gunst der Götter sorgen", antwortete ich automatisch. "Und gerade, um ein wenig Bekanntheit zu erlangen, um anschließend auch gewählt zu werden, wäre dieser Weg ein passender. Wenn es euch allerdings nicht beliebt..." Nachdenklich hielt ich inne. Ursus hatte es auch so geschafft, sagte ich mir. Vielleicht gab es auch noch eine andere Möglichkeit. "Hm. Also, ich stecke derzeit in der Quästur. Ich muss nicht unbedingt Pyrrus mitnehmen. Einen von euch könnte als mein scriba personalis mit mir kommen, wenn ich dienstliche Wege zu erledigen habe. Der andere kann sich von Caecus in die Finanzlage der familia einführen lassen...letzteres sorgt zwar nicht gerade dafür, dass man eure Namen mit euren Gesichtern in Verbindung bringt, aber etwas anderes fällt mir gegenwärtig nicht ein. Ihr könntet Flavius Gracchus noch bitten, ihn begleiten zu dürfen, oder bei namhaften Männern wie beispielsweise Senator Purgitius Macer um eine Anstellung als persönlicher Schreiber bitten..." Ich runzelte die Stirn. Viele Möglichkeiten hatte ein junger Mann dieser Tage nicht mehr, wollte er in der Politik Fuß fassen.


    Ich ließ mir von Tilla einschenken, lächelte ihr kurz dankend zu und fasste dann zusammen: "In jedem Falle solltet ihr euch mit politischen Dingen beschäftigen, mit Verwaltungstätigkeiten. Ihr müsst einen Einblick in die Praxis bekommen, auch wenn ihr die besten theoretischen Kenntnisse bereits erlangt habt. Manches Mal sieht die Wirklichkeit leider anders aus als die Therorie. Ihr solltet jemandem über die Schulter schauen. Ich kann nicht euch beide mitnehmen. Aber gerade Senator Purgitius bietet sich hier an, da er als curator aquarum oft in der Stadt unterwegs ist und sicher auch Arbeit abzugeben hat."


    "Unser Wein, Gaius. Vor allem, da ihr nicht nur zu Besuch seid", erwiderte ich und lächelte. "Wann sich ein Weg richtig anfühlt? Hm. Eine gute Frage. Ich kann da nur von mir selbst sprechen. Ich weiß nicht, ob es anderen ebenso geht. Der Weg, den ich eingeschlagen habe, erfüllt mich. Nur selten wünsche mir, dass der Tag endlich ein Ende haben möge. Ich neide niemandem seine Aufgaben und versuche, die meinen so gut als möglich zu erfüllen. Es ist nicht so wichtig, für welche Aufgaben man die Verantwortung trägt. Viel wichtiger ist, dass man die Aufgaben gewissenhaft und mit Sorgfalt verrichtet." Genau das hatte mir mein Vater beigebracht. Ich erinnerte mich noch genau an seine Worte, und sie waren mir wie einstudiert über die Lippen gekommen, und ohne nachzudenken. "Das hat mich euer Großvater gelehrt, und er hatte recht", fügte ich einen Moment später an.

  • Der neu gebrachte Wein schien allen Anwesenden wunderbar zu schmecken. Ein großartiges Erlebnis für Tilla, die sich insgeheim immer noch davor fürchtete wegen Wein verschütten und ähnlichem hart angefasst zu werden. Was zwischen den Männern gesprochen wurde verwirrte Tilla... soviele Wörter! Schon bald schwirrte ihr der Kopf und sie verzichtete darauf zu lauschen und zuzuhören. Sie traf Marcus Blick, entdeckte sein Lächeln. Aufatmend lächelte sie scheu zurück, hielt die Amphore gut fest.


    Leise trat die Sklavin zur nächstbesten Wand zurück, stellte die Amphore ab und widmete sich dem Betrachten der blauen Becher. Vielleicht sollte sie nachher einen davon nehmen und in den Garten bringen, gar auf den Kletterbaum klettern und die Gravuren darin in aller Ruhe betrachten? Sie lehnte sich mit dem Rücken an die Wand, ging irgendwann in die Hocke, um sich auszuruhen, denn kräftig zu nennen war sie immer noch nicht. Ihre Gedanken wanderten weiter und ihr leicht abwesender Blick hängte sich auf die Männer. In welcher Beziehung sie zum Hausherrn standen hatte sie immer noch nicht herausgefunden. Bestimmt musste sie wie immer Köchin Niki fragen, die ältere Frau wusste doch sonst alles. Ui, Marcus hatte einen Großvater gehabt? Wie sahen Großväter denn aus? Tillas Schultern sackten herab... ja, wer war denn ihre Familie? Sie musste es irgendwann herausfinden und seufzte still für sich.

  • Aller Anfang war schwer, dachte Avianus. Doch hatte man diesen Anfang erst hinter sich, konnte es doch nur rund gehen. Man musste nur den richtigen Weg finden, den man einschlagen wollte. Allerdings war ja eben das die Herausforderung, denn für einen jungen Patrizier schienen die Wege neben dem Cultus Deorum knapp gesäht zu sein. Geistesgegenwärtig nickte Avianus und dachte mit runzliger Stirn nach. Ja, eine Anstellung als persönlicher Schreiber währe nicht allzu ruhmreich, aber andererseits konnte man ja nicht als Berühmtheit durchstarten. Also ein guter Einstieg, von dem aus man weiter kommen konnte. Schon setzte Avianus an, das Angebot seines Onkels anzunehmen, der ihm einen Einstieg als Scriba Personalis anbot. Doch wollte er seinem Bruder gegenüber nichts vorweg nehmen und ersparte sich dies erstmal. Stattdessen nickte er ganz simpel auf die Ratschläge von Corvinus.


    Doch kurz musste Avianus grinsend zurückdenken an die Zeit, als er noch viel jünger war. Ja, selbst damals konnte er den Zeremonien nicht so intensiv beiwohnen. Sein Magen verkraftete so Einiges, aber kein Blut. Da würde man sich im Cultus Deorum wohl völlig fehl am Platze fühlen.


    "Bruderherz, was meinst du dazu? Sieht so aus, als könne nur einer von uns Scriba Personalis von Onkel Corvinus sein.", sprach Avianus und labte an seinem Weinbecher. Bei der Vorstellung an einen solchen Job hatte Avianus ein Kribbeln im Bauch, welches ihm scheinbar signalisieren wollte, dass es genau das Richtige für ihn wäre. Hoffentlich war es dieses Gefühl, dass sich ein Weg richtig anfühlte, wie Corvinus beschrieb.


    "Ja, Großvater war ein weiser Mann.", pflichtete er bei, "Obwohl ich noch grün hinter den Ohren bin, hat er mich damals noch so Vieles gelehrt. Ich habe es bis heute nicht vergessen.". Es tat gut, den Weisheiten des Onkels zu lauschen, die er seinerseits von Großvater hatte. Das gab Kraft, nicht schlapp zu machen und immer einmal mehr aufzustehen, als man hinfällt. Das waren die Anzeichen, wie man den richtigen Weg erkannte. Doch man nimmt ihn scheinbar instinktiv, dachte Avianus.


    "Ich überlasse meinem Bruder da den Vortritt.", äußerte Avianus. Für seinen Bruder würde er sogar auf sein letztes Hemd verzichten.

  • Interessiert hörte Catulus den Worten von Corvinus zu. Der Weg des Kultes wäre nicht sein Weg. Aber die Erwähnung, dass es ein guter Einstieg sei, um bekannt zu werden, ließ ihn aufhorchen. Vielleicht sollte er sich das doch noch mal überlegen. Egal, welchen der beiden Wege er wählen würde, beide verlangten nach viel Einsatz und Energie. Deswegen war es bestimmt besser, wenn er diese in den richtigen Weg investierte. Sein Gefühl sagte ihm, dass der Weg des Kultes nicht seiner wäre. Er lächelte, als er hörte, dass sein Onkel Corvinus Quästor war und einer von ihnen sein scriba personalis werden könnte. Na da fängt das Gerangel um die Posten schon an, dachte er. Wer von uns beiden sollte diesen Posten bekommen, Brüderchen? Avianus hatte scheinbar die selben Gedanken. Nur sprach er sie aus. Gaius nickte wortlos.


    Stumm nickte er, als Corvinus ihn darauf hinwies, dass es ihr aller Wein wäre. Um so besser. Dann hörte er aufmerksam der Erklärung seines Onkels zu. Im Grunde hieß es also, dass man auf dem richtigen Weg Glück und Zufriedenheit findet. Man in seiner Tätigkeit völlig aufging. Er verstand nun den weisen Spruch von Corvinus, der ihn von seinem Großvater hatte.Gaius überlegte noch, wie sie das Dilemma um den Posten zu lösen wäre, als sein Bruder anbot, zu seinen Gunsten auf ihn zu verzichten. Catulus atmete tief durch und schaute seinen Bruder an, während er sich nachdenklich über das Kinn fuhr. Auf der einen Seite reizte es ihn schon, persönlicher Schreiber von Corvinus zu sein. Auf der anderen Seite wäre er unter ständiger Beaufsichtigung seiner Familie. Sicherlich würde sein Onkel ihn oder seinen Bruder größtmöglich unterstützen. Doch ihm gefiel der Gedanke besser, es im Dienste eines anderen mächtigen Mannes zu versuchen. Das barg sicher mehr Risiken in sich. Aber wäre bestimmt interessanter. Und das mit den Familienfinanzen hörte sich richtig gut an. Vielleicht könnte er beides machen. Scriba und Familienfinanzen.


    „Nun Bruderherz. Natürlich würde ich gerne der scriba personalis unseres Onkels sein. Aber ich würde dir zu Liebe gerne darauf verzichten.“ Dann wandte er sich an seinen Onkel. „Corvinus, ich hätte da noch einige Fragen, wenn du erlaubst. Dieser Senator Purgitius, wie ist er so als Mensch? Und wie hoch schätzt du meine Möglichkeiten ein, dass ich bei ihm eine Stelle als scriba personalis bekommen würde? Und meine letzte Frage wäre, wie realistisch wäre es, wenn ich mich noch zusätzlich für unsere Familienfinanzen interessieren würde? Wäre das zuviel des Guten?“

  • Ein wenig irritiert blickte ich von Bruderherz zu Bruderherz. Hatten die beiden etwas ausgefressen, dass sie derart liebenswürdig zueinander waren? Dass sie sich gegenseitig die Arbeitsangebote hin und her schoben? Forschend wie verstohlen musterte ich einen nach dem anderen und entschied, dass dem wohl so sein musste. Ich selbst war mit meinen Brüdern nie so einträchtig umgegangen, selbst in den friedlichsten Tagen nicht. Antoninus hätte gewiss irgendeine Bemerkung gemacht, doch ich schwieg und sagte nichts dazu.


    "Ich würde euch auch beide mitnehmen, allerdings fürchte ich, dass dann einer unterfordert sein wird. So viel Arbeit habe ich nicht zu verteilen", erklärte ich und hob eine Schulter. "Purgitius Macer", fuhr ich fort, "ist der Leiter der Militärakademie des imperium. Zudem der curator aquarum und als Senator ein nicht unwichtiger Mann Roms. Seine Ämter füllt er gewissenhaft und mit Weitsicht aus. Ich denke schon, dass man bei ihm einen guten Einblick in die Verwaltung erhalten kann. Ich habe ihn als Mann in Erinnerung, der Talente fördert. Ich kann gern ein Empfehlungsschreiben aufsetzen für einen von euch, ihr müsst mir nur sagen für wen und ob ihr das möchtet. Für den anderen kann es dann gleich morgen losgehen, ich habe einen Termin im Saturntempel zur Buchprüfung", sagte ich und lehnte mich zurück. "Und was die Finanzen anbelangt - für mich wäre es Arbeitserleichterung, denn gegenwärtig kümmere ich selbst mich darum, Appius weilt in Ägypten, Ursus in Germanien. Wenn du also zuversichtlich bist, dass du es schaffen kannst, dann übertrage ich dir gern die Verantwortung dafür."

  • Catulus hatte den etwas verwunderten Blick von Corvinus bemerkt. Scheinbar war es nicht gewohnt, wie er und sein Bruder miteinander umgingen. Zumal es sich nicht um irgendeine unbedeutende Sache handelte. Es ging um eine wichtige Entscheidung. Ihre erste. Sie würde ihren weiteren Weg in einem nicht unerheblichen Maße bestimmen. Aufmerksam folgte Catulus den Erklärungen seines Onkels. Ab und an nippte er an seinem Wein. Das was er über Purgitius hörte, klang in seinen Ohren sehr interessant. Leiter der Militärakademie. Dann wusste dieser Mann bestimmt eine Menge über Strategie und Taktik. Ein Gebiet, für das sich Catulus schon immer interessiert hatte. Und das er gleichzeitig als scriba personalis Erfahrungen in der Verwaltung sammeln könnte, rundete die ganze Sache für ihn ab. Er hatte sich entschieden. Ob er das mit den Familienfinanzen schaffen würde, wusste er nicht. Aber er würde sein Bestes geben.


    „Nun, Corvinus. Das, was du über Senator Purgitius Macer erzählt hast, klingt für mich sehr interessant. Ich würde gerne bei ihm um den Posten eines scriba personalis vorsprechen. Und dein Angebot, ein Empfehlungsschreiben aufzusetzen, nehme ich dankend an. Vielleicht könntest du mir noch einige Ratschläge hinsichtlich meiner Vorstellung bei ihm geben. Was mag er und welche Dinge findet er nicht so gut? Gibt es Themen, die man in seiner Gegenwart vermeiden sollte? Solche Dinge würden mich noch interessieren.“


    „Hinsichtlich der Familienfinanzen würde ich dir in der Tat gerne helfen. Zwar weiß ich nicht, ob ich gleich alles auf Anhieb richtig machen werde. Aber ich werde mein Bestes geben und hoffe, dich nicht zu enttäuschen. Vielleicht könntest du oder jemand anders mir am Anfang helfend unter die Arme greifen.“


    Dann wendete er sich zu seinem Bruder. „Es sieht so aus, als könntest du scriba personalis unseres Onkels werden, Bruderherz. Ich hoffe, dass du mit meiner Entscheidung zufrieden bist.“, sagte er lächelnd zu ihm.

  • So kannte das Avianus mit Catulus. Der Eine war gerne bereit, dem Anderen zuliebe auf etwas zu verzichten. Nun, Avianus war nicht wirklich gewillt, so lange zu verzichten, bis keiner mehr das Angebot des Onkels annahm. Zudem schien Catulus schon seine Entscheidung gefällt zu haben, bei Purgitius Macer vorzusprechen. Avianus selbst kannte den Mann nicht. Doch klang so, als wäre es nicht übel, für ihn zu arbeiten. Wie er wohl als Person war? Gewiss nicht schlecht, wenn die Arbeit bei ihm so gut klang. "Ich danke dir, Bruder.", lächelte Avianus dankbar. Sein Gesicht strahlte und wandte sich wieder an Corvinus. "Nun, Onkel... du hast es gehört. Dann wäre ich gewillt, als dein Scriba Personalis tätig zu werden. Ich bin auch bereit, mich für dich ins Zeug zu legen.", erkläte der Aurelier sich freudig für eine neue Aufgabe bereit.

  • Ich nickte beflissentlich. "Dann werde ich gleich morgen früh ein entsprechendes Schreiben aufsetzen und dir zukommen lassen, Gaius. Ratschläge habe ich keinen für dich, ich kenne den Senator leider nicht näher, weiß aber, dass er hoch im Ansehen bei seinen collegae und Klienten steht. Er scheint mir Wert auf Offenheit und Ehrlichkeit zu legen, also bist du gewiss gut beraten, wenn du dies berücksichtigst", entgegnete ich und wiegte den Kopf hin und her. "Soweit ich weiß, sind zudem die Wagenrennen seine Passion, er hängt der Russata an und steht ihr meines Wissens nach sogar vor." Allerdings würde ich ihn kaum in ein Gespräch darüber verwickeln, wenn ich selbst nur halbherzig dem Rennsport geneigt wäre, dachte ich bei mir.


    "Was die Finanzen anbelangt, werde ich dem vilicus Bescheid geben, dass er dir eine Einweisung angedeihen lässt. Im Grunde gilt es nur, die Buchführung zu überprüfen, was allerdings durchaus eine langwierige Angelegenheit sein kann." Und da sprach ich aus Erfahrung. Erneut wurde ich Zeuge des gar außergewöhnlichen Verhältnisses der beiden Brüder, wunderte mich abermals über die liebevolle Ansprache und hegte insgeheim doch Argwohn, dass sie sich auch privat so verhalten würden. Schlussendlich allerdings nickte ich. "Gut. Dann werden wir uns gleich morgen Vormittag nach der salutatio im aerarium Saturni treffen, Tiberius. Du solltest eine tabula mitbringen. Und Geduld", fügte ich an und grinste breit.

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