Atrium - Ein neues Familienmitglied ist da

  • Der Ianitor führte den jungen Vinicier ins Atrium.


    Bitte wartet, ich verständige den Herrn sogleich. Fast hätte er schon "Onkel" gesagt, was den Ianitor schmunzeln ließ, allerdings erst dann, als er abgewendet vom jungen Mann das Atrium verließ, um seinen Worten Taten folgen zu lassen.

  • Sabinus war dem Ianitor neugierig in das geräumige Atrium der Casa gefolgt. Dem Ianitor, der schon wieder am Verschwinden war, nickte er nur kurz zu und ließ seinen Blick dann durch das Atrium schweifen. Durchaus stattlich, die Casa, wie der Vinicier fand. Wobei das allerdings auch daran liegen mochte, dass Sabinus nicht allzu viel an Luxus und Prunk gewohnt war...


    Während er so auf seinen Onkel wartete machte sich zum ersten Mal ein wenig Nervösität bei ihm breit... Wie würde Hungaricus wohl auf sein Auftauchen reagieren?

  • Hungi bekam die Nachricht in seinem Arbeitszimmer. Zuerst wollte er den Ianitor hinauswerfen, denn von einem Sohn seines Bruders Marcellus hatte er bis dato tatsächlich nichts gehört. Er hatte zwar etwas geahnt, aber da Marcellus bisher nur Andeutungen gemacht und nicht wirklich etwas definitives gesagt hatte, hatte Hungi es damals, als sein Bruder noch lebte, es dabei belassen, und dann, als Marcellus starb, es schlicht vergessen und daher verabsäumt, etwas in dieser Richtung erfahren zu wollen. So wie er war, die Toga ließ er beiseite, denn ein politisch wichtiger Besuch war dies ja nicht, kam er ins Atrium.


    Salve. grüßte er sehr knapp und musterte den Mann vor sich. Du sagst, du bist der Sohn von Marcellus?

  • Sabinus musste nicht sehr lange warten, bis Hungaricus das Atrium der Casa Vinicia betrat. "Salve!", begrüßte der junge Vinicier den Mann der der Bruder seines Vaters, oder anders gesagt, sein Onkel war. Auch Sabinus musterte sein Gegenüber, wenn es auch nur ein neugieriges Mustern, und kein prüfendes war... Seine Mutter hatte ihm viel über die Brüder seines Vaters erzählt, so viel auch sie eben wusste... Diejenigen die noch lebten waren beide Senatoren, Consulare. Einem der beiden stand er jetzt gegenüber, und Sabinus war durchaus stolz mit diesem mächtigen Mann verwandt zu sein. Interessanterweise war Hungaricus, gewiss im Gegensatz zu manch anderem Senator ganz gut durchtrainiert, was wohl auf den Militärdienst seines Onkels zurück zu führen war. "Ja, der bin ich. Der Sohn von Gaius Vinicius Marcellus und Pontia Vibulana."

  • Der Blick des Consulars war skeptisch und er blieb es auch nach den Worten seines Neffen. Immerhin konnte ja ein jeder daherlaufen und ihm sowas erzählen.


    Mein Bruder hat mir nie etwas von deiner Existenz erzählt. Er trat zu einem Beistelltisch, auf welchem Becher und Karaffen standen, und goss sich etwas in einen Becher.

  • "Nun", begann Sabinus zu einer weitläufigen Erklärung anzusetzen. "Bis vor relativ kurzer Zeit habe ich selbst nicht gewusst, wer mein Vater war. Doch dann hat es mir meine Mutter erzählt... Du musst wissen, ich bin in einem kleinen Dorf nahe Capua unter der Obhut meiner Mutter aufgewachsen. Mein Vater jedoch hat ihr immer wieder großzügige finanzielle Unterstützungen zukommen lassen. Natürlich waren sie auch miteinander verheiratet, aber ich habe meinen Vater nur sehr selten gesehen, das heißt, eigentlich nur, als ich ein kleines Kind war, ich kann mich also kaum an ihn erinnern..." Der Vinicier überlegte kurz und holte schließlich einen Siegelring hervor. "Den Ring hier, hat Vater meiner Mutter überlassen, für eben jene Situation", meinte Sabinus und überreichte seinem Onkel den Sigelring, mit der vinicischen Weintraube darauf...

  • Die Erzählungen des Neffen warfen mehr Fragen auf, als sie beantworteten. Er verstand nicht, warum Marcellus ihm nie etwas davon gesagt hatte. Den Siegelring, der ihm gerade überreicht wurde, betrachtete er sich genau. Verloren hatte Marcellus ihn nicht, wenn, dann hätte Hungi sicher davon von ihm erfahren. Und er sah auch nicht aus wie eine Fälschung, also mußte der junge Mann, sein Neffe, die Wahrheit sagen. Er nickte, wenn auch noch immer mit verständnislosem Gesichtsausdruck.


    Du scheinst die Wahrheit zu sagen, Neffe. Er griff nach dem Becher, jetzt brauchte er den Wein doch ziemlich, und genehmigte sich ein paar Schlucke, währenddessen er versuchte, seine Gedanken einigermaßen zu ordnen. Immerhin bekam man nicht jeden Tag solch unerwarteten Familienzuwachs. Deine Mutter lebt noch? Und hast du noch Geschwister?

  • Nun, warum Marcellus seinem Bruder nichts von Sabinus gesagt hatte, konnte der junge Vinicier ja auch beim besten Willen nicht wisssen, sondern bestenfalls erahnen, und auch das war äußerst schwer, hatte der Vinicier seinen Vater doch nicht wirklich gekannt...


    "Ja, meine Mutter lebt noch", erklärte er seinem Onkel bereitwillig. "Und nein, ich hab keine Geschwister."

  • Daß sein Neffe keine Geschwister hatte, beruhigte Hungi. Dieses Gefühl war sogar für ihn etwas unerwartet, aber verständlich, denn Hungi hatte nur wenig Lust, eine mögliche ganze Horde von neuen Familienmitgliedern kennen zu lernen. Es würde schon schwer genug werden, diesen Skandal, denn darauf würde es hinauslaufen, er kannte die klatschsüchtige römische Gesellschaft, plausibel zu machen. Für Tratsch hatte Marcellus gesorgt, das mußte Hungi ihm lassen.


    In Ordnung. Deine Mutter weiß dann auch sicher Bescheid? Sollte sie hier wohnen wollen, so darf sie das natürlich. Es würde erst recht Tratsch bedeuten, wenn Hungi seine Schwägerin aus seinem Haus verbannen würde. Lass dir von Ursus, das ist der oberste Sklave hier, ein Zimmer geben. Du wirst sicher Hunger haben und ein Bad nehmen wollen. Er wird dir all deine Wünsche erfüllen und dich mit allem hier vertraut machen.

  • Hm, sehr erfreut schien Hungaricus ja nicht über die Existenz seines Neffen zu sein... Oder war es einfach die Überraschung?


    "Ja, meine Mutter weiß Bescheid", bestätigte der junge Vinicier seinem Onkel. Anschließend nickte er nur, denn er war sich ziemlich sicher, dass seine Mutter jenes nicht wollte. Erstens gefiel es ihr in ihrem Dorf bei Capua sehr gut, und zweitens war sie auch nicht mehr die jüngste... "Und wo finde ich diesen Ursus?", fragte Sabinus nach, er wollte schließlich nicht Ewigkeiten durch die große Casa irren, nur weil er einen Sklaven nicht fand...

  • Natürlich wußte die Mutter seines Neffen, seine Schwägerin also, Bescheid. Mütter wissen so etwas ja immer, und er zweifelte nicht an der Intelligenz dieser Pontia. Wenn sie ihm schon von seinem Vater erzählt hatte, würde sie sich ja denken können, wo der Sohn wohl sei.


    Bei der Frage seines Neffen runzelte er die Stirn. Meistens ist er auf Katzenjagd. Er schmunzelte ob der vielen Erinnerungen, die mit besagter Jagd zusammenhingen. Aber ansonsten so wie alle anderen Sklaven: Du lässt sie rufen. Womöglich war sein Neffe in ärmlicheren Verhältnissen aufgewachsen und den Umgang mit den Sklaven nicht wie er, Hungi, gewohnt. Später werden wir über deine Zukunft sprechen, aber erst, wenn du dich hier eingewöhnt hast. Ich werde mich jetzt an die Arbeit begeben, ich habe heute noch viel zu tun. Ich sehe dich beim Abendessen. Mit diesen Worten lenkte er seine Schritte aus dem Atrium hinaus in sein Büro. Daß sein Neffe zurecht kommen würde, davon ging er aus, und wenn nicht, dann war es eine gute Gelegenheit zu lernen.

  • Katzenjagd? Das klang aber interessant... Ob das wohl eine elitäre Freizeitbeschäftigung in den vornehmen Häusern der ewigen Stadt war?


    Sabinus nickte nur. Tatsächlich hatten er und seine Mutter nicht einen einizgen Sklaven gehabt... "Vale!", rief der junge Vinicier seinem Onkel, dem Senator noch hinterher, aber der war schon verschwunden...


    Also machte sich Sabinus lautstark auf die Suche nach diesem Ursus...

  • Es wäre einfacher gewesen, wenn der junge Herr einfach einem nächstgelegenen Sklaven die Anordnung gegeben hätte, dieser Sklave solle auf dem schnellsten Wege Ursus herbeischaffen. Dieser eingeschlagene Weg führte zwar natürlich auch zum Ziel, aber ramponierte unnötig die Stimme des jungen Herrn.


    Du hast mich rufen lassen, junger Herr? Nachrichten wie solche verbreiteten sich im vinicischen Haushalt ungemein rasend. Deswegen war auch Ursus schon im Bilde über den "Neuen".

  • Es dauerte glücklicherweise nicht lange, bis der gewünschte Sklave aufgetaucht hatte. "Wenn du Ursus bist, ja", schmunzelte Sabinus leicht, kam dann allerdings gleich zur Sache. "Du sollst mir ein Cubiculum zuweisen..."

  • Ursus nickte. Ein Cubiculum, natürlich. Daran mangelte es in diesem Haus ja keineswegs, so daß man eher die Qual der Wahl hatte. Vielleicht das Zimmer des Vaters des jungen Herrn? Diese steht ja verständlicherweise leer. War ja gut möglich, daß der Sohn so seinem Vater näher sein wollte.

  • Sabinus überlegte kurz. Wollte er das alte Zimmer seines Vaters beziehen? Hm, warum eigentlich nicht... Also nickte der Vinicier schließlich dem Sklaven zu. "Ja, ich nehme gerne das Zimmer meines Vaters", erwiderte Sabinus daher.

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