Ànthimos' Training

  • "Daher ist mir ja ach sofort der Vergleich mit Odysseus eingefallen. Allerdings muss ich dich ab jetzt bitten einen Bogen um meine Verlobte zu machen, schließlich heißt sie Penelope!" Anthi grinste breit.


    "Wie sieht es aus, wollen wir noch ein wenig trainieren oder gehen wir in die Thermae?"

  • "Gut, mache ich. Versprochen," erwiderte ich grinsend.


    "Also, wenn wir uns weiter unterhalten wollen, können wir in die Thermae gehen. Wobei ich ja eigentlich zum trainieren hierher kam. Du ja auch. Wobei ich im Prinzip überall trainieren kann, wo ich genügend Platz habe."

  • "Klar, dann trainieren wir noch. Möchtest du noch Speerwerfen, oder wollen wir uns einer anderen Disziplin zuwenden?"


    Eigentlich hatte Marcus Recht: Er war zum trainieren hier, und jetzt redeten und redeten sie und trainierten quasi nebenbei. So würde er es nie zu den Olympischen Spielen schaffen.

  • "Also, ich werde ganz sicher nicht mit dir Ringen trainieren," sagte ich grinsend, "Sonst kann ich mich vermutlich die nächsten drei Tage nicht mehr bewegen. Außerdem denke ich, dass es an der Zeit ist, dass ich mein persönliches Training durchführe."


    Ich ging zu den Stufen, wo mein Hemd lag und zog es wieder an.


    "Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg hier in Alexandria. Wir werden uns bestimmt noch häufiger über den Weg laufen."

  • Nach der Sitzung bei Nikolaos, in dem der Gymnasiarchos keine Gelegenheit ungenutzt lies Ànthimos zu demütigen, musste der junge Grieche seinen Frust abtrainieren. Während des Unterrichts hatte er die Sticheleien mit einer beinahe stoischen Ruhe ertragen, aber jetzt musste er Luft ablassen, und da war das Stadion die optimale Gelegenheit.


    Nachdem er sich schweigend und verbissen warmgelaufen hatte, schnappte er sich drei Diskus' und schleuderte sie mit voller Wucht und seinem ganzen Frust hoch und weit von sich. Dieser verdammte Wurm!* Die Weite war ihm momentan egal, auch wenn sie beachtlich war. Wenn ich ihn nur in die Finger bekommen könnte! Darauf sammerte er die Wurfscheiben wieder ein und begann von neuem. Elender degenerierter Bürohengst! So ging das eine ganze Weile und seine verbissenheit steigerte sich zusehends so dass bald auch das angestrengte stöhnen hörte, dass so viele Athleten bei großen Anstrengungen von sich gaben.. Opiumhändler!


    *kursiv-Gedanken

  • Wie genau Axilla auf die Idee gekommen war, wusste sie nicht mehr. Vielleicht, weil sie daran gedacht hatte, wie sie früher immer in den Wald gelaufen war. Aber hier in Alexandria gab es keinen Wald, und durch die Straßen konnte sie nicht rennen. Aber sie hatte das dringende Bedürfnis danach. Seit sie sich nun vor drei Tagen von Timos getrennt hatte (oder er sich von ihr oder sie beide sich voneinander, wie man es auch sehen wollte), war sie nur wie halbtot herumgeschlichen und hatte nichts Bestimmtes gemacht. Sie hatte einfach versucht, sich nichts anmerken zu lassen, aber je mehr Zeit sie allein verbracht hatte, umso mehr hatte sie das Gefühl, als müsse ihr Kopf gleich platzen. Und es gab ja auch keine wirkliche Besserung. Urgulania musste arbeiten, und sonst war niemand da. Sie war ganz allein in diesem schrecklich großen Haus.
    Heute morgen war dann ein Brief von Marcus Achilleos gekommen, ob sie sein Schülerin sein wollte. Aber er wohnte in Rhakotis. Axilla wollte so sehr endlich das richtige machen und keine falschen Entscheidungen aus ihrem Gefühl heraus treffen. Aber sie hatte noch nie anders als aus dem Bauch heraus entschieden. Und mit dieser Leere in ihr, die sämtliches Denken aufzufressen schien, konnte sie auch nicht nachdenken.


    Also hatte sie sich eine einfache, kurze Tunika angezogen und darüber für den Weg einfach eine dünne, lange. So war sie zum Gymnasion gegangen. Sie wusste, dort durften auch Frauen trainieren. Zwar machten die das normalerweise nackt, aber soviel Römerin war selbst in Axilla, dass sie sich nicht einfach irgendwo auszog und nackt herumrannte.
    Sie legte ihre lange Tunika sorgsam zusammen und legte sie beiseite, ehe sie sich ans Laufen machte. Aufwärmen vorher tat sie sich nicht, ihr ging es ja auch nicht um irgendwelche Leistungen. Sie wollte einfach nur weglaufen vor all dem, was ihren Kopf gleich zum Platzen bringen würde. Sie kümmerte sich nicht darum, ob ihre Tunika denn nun auch schicklich war oder nicht. Für die richtigen Athleten war es wahrscheinlich eine Beleidigung, dass sie überhaupt eine trug, und für die Römer war sie wahrscheinlich zu kurz, da sie nichtmal bis ganz zum Knie ging. Sie kümmerte sich auch nicht darum, ob ihr jemand auf die nackten Beine starren würde oder ihren locker zusammengebundenen Pferdeschwanz kritisieren würde. Ob sie überhaupt bemerkt wurde. Sie wollte nur laufen, laufen, laufen, bis ihre Lunge brennen würde, bis ihre Beine zitterten und der Schmerz in ihren Muskeln sie vom Schmerz in ihrem Inneren ablenken würde. Mehr wollte sie nicht.


    Sie lief, eine Runde, noch eine Runde, und noch eine. Sie zählte nicht mit. Noch hatte sie das Gefühl, dass sie so sehr herbeisehnte, nicht erreicht, also lief sie einfach weiter, einfach stur im Kreis. So war es zwar kein richtiges davonlaufen, wie es zuhause gewesen war im Wald, aber es kam dem zumindest ein wenig nahe.
    Sie hörte nichts mehr außer ihrem immer schwerer werdenden Atem und dem Blutrauschen in den Ohren, und sehen tat sie schon lange nichts mehr außer der Bahn vor ihr. Langsam bekam sie Seitenstechen, aber noch immer fühlte sie sich so leer, also lief sie weiter. Und dann kam etwas von der Seite angeflogen, landete einige passus von ihr entfernt im Sand des Gymnasions. Aber da blieb es nicht liegen, sondern prallte ab wie ein Stein auf der Wasseroberfläche und flog weiter, direkt in Axillas Laufbahn. Sie bemerkte es aus den Augenwinkeln und bremste gerade noch rechtzeitig scharf ab, als der Diskus kurz vor ihr vorbeihüpfte. Vor Schreck hatte sie die Luft scharf eingezogen und nun hatte sie wirklich Seitenstechen davon bekommen. Sie hielt sich die stark schmerzende Seite und versuchte, ruhig zu atmen. Aber aufgrund der Anstrengung von eben war das einfacher gesagt als getan, also stand sie nur leicht vornüber gebeugt und hielt sich die Seite.

  • Anthi war kurz etwas trinken gewesen. Kaum war er zurück, schnappte er sich gleich einen Diskus und schleuderte ihn, ohne richtig zu schauen, mit viel Kraft von sich. Kaum hatte die Scheibe seinen Arm in Richtung Halma-Sandkasten verlassen, sah er dort eine junge Frau laufen. Der Diskus schlug auf und zischte weiter auf die Frau zu, die das Geschoss zum Glück aber sah und rechtzeitig zur Seite sprang. Bis dahin hatte Anthi wie gebannt dagestanden aber nun löste er sich aus seiner "Versteinerung" und spurtete zu seinem Opfer. Kurz bevor er bei ihr ankam, bemerkte er, dass es Iunia Axilla war, die ehemalige Flamme seines großen Bruders. Nun stand er das zweite Mal innerhalb weniger Sekunden wie gebannt da...

  • Axilla hatte das Gefühl, zu ersticken. Von der Anstrengung her schwitzte sie und brauchte viel Luft, aber wenn sie zu tief einatmete, stach es ihr so tief in die Seite, dass sie die Luft sofort wieder ausstieß. Sie lief ein paar Schritte, in der Hoffnung, dass es besser werden würde, das wurde es aber nicht. Sie hörte jemanden ankommen. Vielleicht derjenige, dem das Geschoss gehörte?
    Sie hob leicht den Kopf, erkannte Timos Bruder. Der sanfteste von den dreien, und der stärkste. Es brauchte einen Moment, bis Axilla der Name wieder einfiel. Und just in diesem Moment fiel ihr auch auf, dass Ánthimos nackt war. Schnell senkte sie ihren Blick zum Boden, bevor schon wieder eine Situation entstand, die so nicht sein durfte.
    Axilla wusste natürlich, dass die Griechen nackt trainierten, aber sie konnte ja nicht ahnen, auf jemanden zu treffen, den sie kannte. Und schon gar nicht auf Timos’ Bruder. Ein kleines Stimmchen warf ein gutaussehend noch in ihren Gedankengang zwischen „Timos“ und „Bruder“, aber Axilla ignorierte es eisern. Abgesehen davon, dass sie sowieso von den Männern erstmal nichts mehr wissen wollte und sich fest vorgenommen hatte, ihrer Familie keine weitere Schande mehr zu machen, nur weil sie sich einsam fühlte und diese fünf Minuten Kuscheln hinterher mehr schätzte als alles andere. Anthi war ja auch verheiratet mit dieser grauäugigen Frau, mit der sie sich kurz im Zimmer unterhalten hatte, als Ánthimos mit seinen beiden Brüdern noch einmal ins Gebet ging. Axilla war nur gerade der Name entfallen.
    Sie hob kurz in seine Richtung ihre Hand, um ihm zu signalisieren, dass sie ihn erkannt hatte, aber zu einer ordentlichen Begrüßung fehlte ihr noch der Atem. Noch immer stach ihre Seite bei jedem einzelnen Atemzug.

  • Axilla sah irgendwie komisch aus, als würde sie hier gleich umfallen, trotzdem trabte sie weiter. "Warte doch.", rief Anthi ihr nach. Dann schloss er zu ihr auf. "Geht es dir gut? Hast du dich verletzt? Entschuldige bitte das Mißgeschick mit dem Diskus. Ich hab dich nicht gesehen." Ob sie wohl wegen Timos so verwirrt war? Dann hatte er ja qusi die Pflicht ihr zu helfen. Dass er allerdings nackt war, daran dachte er natürlich nicht...

  • Ánthimos schloss zu ihr auf. Hätte er sich vorher nichts anziehen können? Axilla versuchte, nicht hinzusehen und schloss auch sicherheitshalber einfach die Augen. Das war zwar albern und sah auch bestimmt so aus, aber eine bessere Lösung fiel ihr grade nicht ein, und um Anthi alles zu erklären, fehlte ihr grade ein bisschen die Luft.
    Sie nickte also nur und gab etwas wie „Mmmhmmh“ von sich, ehe sie sich aufrichtete. Ihre Hand ruhte noch immer an ihrer Seite, wo es so zog und ziepte. Ihr Atem ging immer noch nicht ruhig und gleichmäßig. Sie hätte öfter trainieren sollen, sie kam sich im Moment so schwächlich vor.
    Alles… gut… nur… Atmen… der Diskus…“ Axilla machte eine Handbewegung vor ihrem Körper, um es dem Griechen zu erklären. Sie hatte für viele Worte einfach grade keine Luft. Aber das Ding war vor ihr Vorbeigeflogen und hatte sie nicht verletzt. „nur… erschreckt und…Luft…
    Oh, stehenbleiben war ganz schlimm, Axilla lief lieber wieder ein paar Schritte, dann ging es mit dem Atmen doch besser.

  • So wie sie sich die Seite hielt, hatte sie offenbar Seitenstechen. "Langsam laufen, und heb deine Arme hoch. Am Besten atmest du auch ganz tief durch, dann lässt das Seitenstechen auch ganz schnell nach." Sie schien offenbar nicht viel Sport zu machen. Sie war halt eine Rhomäerin und jeder wusste ja, dass die nicht viel von der Körperertüchtigung hielten. Aber immerhin war sie nicht nackt, und hatte sich leichte Kleidung angelegt. Da fiel auch bei ihm endlich der Groschen...sie war angezogen, aber er war ja nackt. Zum Glück kamen sie gerade an seiner Kleidung dabei, und so schlang er sich schnell ein Tuch um die Hüften, allerdings nicht ohne rote Ohren zu bekommen.

  • Die Götter seien gepriesen, er zog sich etwas an. Naja, zumindest so halb, auf jeden Fall war er nicht mehr nackt. Axilla konnte also wieder normal schauen und musste nicht immer sich wieder abwenden, um ja nichts falsch zu schauen. Sie tat, was er ihr empfohlen hatte, und hob die Hände über den Kopf. Sie kam sich dabei zwar reichlich albern vor, aber es half tatsächlich. Als ob die Streckung ihrer Seitenmuskeln ihr beim Atmen helfen würde. So nach und nach ging es besser.
    Axilla sah zu Ánthimos herüber und hatte das Bedürfnis, sich zu erklären. So wie sie es beurteilte, war sie die einzige Römerin in der ganzen Stadt, die jemals das Gymnasion von Innen gesehen hatte. Und sie wollte doch ab jetzt alles richtig machen und die Ehre der Familie pflegen. Aber andererseits wollte sie jetzt hier auch nicht wie ein Schwächling dastehen, der keinen Sport machte.
    Danke, das ist… besser, ein bisschen. Ich hab mich… nur erschreckt, als… der Diskus so plötzlich angeflogen kam.
    Der Schmerz ließ soweit nach, dass Axilla ihre Arme auch wieder runternahm. Es war zwar noch nicht das brennen in den Muskeln, das sie sich gewünscht hatte, aber trotzdem fühlten sich ihre Glieder schon reichlich schwer an.
    Bin wohl ein bisschen außer Form. Hatte noch nie so Seitenstechen.
    Das stimmte auch. Zumindest könnte sich Axilla an Seitenstechen nicht erinnern. An Muskelkater und vom Reiten wunde Schenkel, ja, alles, aber Seitenstechen war neu.

  • "Das tut mir sehr sehr leid. Ich hab mich heute geärgert und wollte ein wenig meinen Ärger abtrainieren und hab einfach wie ein Wilder mit dem Diskus um mich geworfen. Ich bin ja so froh, dass dir nichts passiert ist." Er lächelte sie an. "Du trainerst wohl nicht so oft, oder? Ich bin nämlich eigentlich fast jeden Tag hier und hab dich noch nie hier gesehen." Er stockte kurz. "Dann ist es ganz normal, dass du Seitenstechen bekommst. Du musst es ein wenig langsamer angehen lassen, damit sich dein Körper daran gewöhnen kann."

  • Ärger abtrainieren, das konnte Axilla verstehen. Das war zwar nicht ganz dasselbe, was sie machte, aber sie kannte es, wenn man sich ärgerte und am liebsten nur noch schreien oder auf irgendwas einschlagen wollte. Dieses Gefühl hatte sie selbst bisweilen, aber meistens fraß sie es dann einfach in sich hinein, bis dann so ein Tag wie heute kam, wo das alles ihren Kopf zum Platzen zu bringen schien.
    Nein, ich hab hier noch nie trainiert. Weißt du, das… ist vielleicht auch nicht so schicklich. Und …ich sollte vielleicht ein bisschen mehr darauf achten, was ich so mache, weißt du? Für meine Familie.
    Sie hatte keine Ahnung, ob Ánthimos sie da verstand. Sie verstand es ja selbst bisweilen nicht so wirklich. Nun fehlte nur die Erklärung, warum sie heute trotzdem hier war. Axilla wurde ein wenig verlegen und hätte am liebsten das Thema gewechselt. Da sie aber kein wirkliches Thema hatten, ging das nicht so einfach.
    Nur heute hatte ich mal das Bedürfnis, zu laufen. Habe ich als Kind viel gemacht, und… naja, war vielleicht auch keine so gute Idee.
    Obwohl sie es eindeutig für die einzig brauchbare Idee des Tages nach wie vor hielt. Noch immer war ihr Kopf nicht so frei, wie Axilla es sich wünschte, aber jetzt hatte sie Gesellschaft und einen Gesprächspartner, was sie ablenkte. Jetzt konnte sie ihre Fröhlichkeit wieder spielen und ein paar Augenblicke unbekümmert sein. Das war auch gut.
    Und du trainierst hier oft?
    Das war zwar eine dumme Frage, hatte er ihr genau das eben doch erzählt, aber irgendwie musste Axilla das Gespräch ja am Laufen halten und das Thema weg von ihr und mehr hin zu ihm bewegen.

  • Laufen keine gute Idee? Laufen war immer eine gute Idee!


    "Das du läufst war eine sehr gute Idee, du musst es nur richtig machen. Ich sag dir, man kann viele Probleme die man hat wirklich weglaufen oder wegtrainieren. Wenn man dann schwere Glieder hat, sind die meisten Probleme nur noch halb so groß wie vorher."


    Die Arme, sie musste das mit Timos ja genz schlecht weggesteckt haben. Aber es war ganz sicher das Beste für sie beide, dass sein Bruder sich vin ihr getrennt hatte.


    "Ja, ich trainiere fast jeden Tag. Schließlich habe ich vor an den nächsten Olympischen Spielen teilzunehmen." Und er war sich sicher, dass er das schaffen würde.

  • Im ersten Moment sah Axilla Ánthimos einfach nur an. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er auch nur im Ansatz verstand, wovor sie alles weglief und wie weit sie laufen müsste, um wirklich davon weg zu kommen. Aber seine Worte drückten genau das aus, was sie so sehr fühlte. Wenn ihre Muskeln schmerzten und brannten waren die anderen Probleme für einen Augenblick einfach weg und ihr Kopf war frei und klar und sie konnte einfach denken, ohne dabei diese Leere zu fühlen, die alles in ihr so niederdrückte. Als würde der körperliche Schmerz, den sie dann durchaus fühlte, für ein paar Momente die Leere einfach ausfüllen und somit verschwinden lassen.
    Zumindest für eine Weile“, stimmte sie ihm so unbedacht zu, ehe sie merkte, dass ihr Mund mal wieder vorschnell war.
    Zum Glück hatte er auch ein anderes Thema angesprochen, bei dem sich Axilla zwar nur sehr oberflächlich auskannte, aber es war ein sehr willkommener Themenwechsel.
    Für die Olympischen Spiele? Waren die nicht erst? Für welche Sachen trainierst du dann denn?
    Das Zielschießen?, das ihr auf der Zunge lag, verkniff sie sich. Es wäre zwar vielleicht lustig gewesen, aber vielleicht auch nicht. Und Axilla hatte vorhin schon unbedacht daher geredet. Da wollte sie jetzt lieber Ánthimos erzählen lassen und ihm einfach zuhören.

  • "Nun das wäre zum einen der Penthatlon, also Halma, Stadionlauf, Ringen, sowie Diskus-und Speerwerfen un zum anderen gedenke ich noch in der Schwerathletik anzutreten, also dem Ring-und dem Faustkampf, sowie dem Pankration. Eigentlich wollte ich ja dieses mal schon antreten, aber nun muss wohl azf die nächsten Spiele in vier Jahren warten. Aber ich bin mir sicher, bis dahin werde ich noch besser sein als heute. Und du treibst sonst keinen Sport? Ich suche noch einen Trainingspartner für die Schwerathletik." Er grinste sie schelmisch an.

  • Uff, das war aber eine ganze Menge, die er da machen wollte. Axilla konnte sich gar nicht vorstellen, dass ein Ringer auch besonders schnell im Laufen oder besonders gut im Weitsprung war, aber andererseits, wenn sie Ánthimos so ansah… Nein, sie hatte nicht wirklich Zweifel, dass er wohl gut im Sport war und auch das alles schaffte. Bei seinen Worten nach dem Trainingspartner reckte Axilla aber dann stolz den Kopf hoch.
    Traust mir wohl nicht zu, das ich das auch könnte?
    Direkt hinterher biss sie sich auf die vorschnelle Zunge und schaute betreten zu Boden. Sie musste wirklich verdammt viel an sich arbeiten, wenn sie ihren guten Vorsätzen gerecht werden wollte.
    Entschuldige, ist mir so rausgerutscht.“ Abgesehen davon brauchte Ánthimos nicht wissen, was sie in ihrem Leben schon alles angestellt hatte. Auch wenn ihr Vater nie etwas gesagt hatte und ihrer Mutter auch nicht einmal im Ansatz einen Vorwurf gemacht hatte, Axilla wusste, wie gern er einen Jungen gehabt hätte. Sie fühlte sich deshalb nicht weniger geliebt, im Gegenteil. Aber vielleicht war das auch mit ein Grund, warum Axilla nun mal so war, wie sie war. Denn ihr Vater hatte ihr sehr viele der Dinge gezeigt, die eigentlich für den Bruder, den sie nie hatte, bestimmt waren. Sie konnte auf Bäume klettern, konnte reiten, selbst ohne Zügel und Satteldecke, sie war kräftig für ein Mädchen, fand sich im Wald zurecht, wusste, wie man Holz schnitzt und wie man Schwerter richtig hielt und wetzte. Sie wusste, wie man eine Rüstung pflegte und wie man sie anzog, kannte alle Schlachten von Alexander und Caesar. Sicher alles Sachen, die ihr sehr nützlich geworden wären, wäre sie nur ein Junge gewesen. Aber sie war nun mal keiner. Und ohne ihren Vater fehlte ihr so ein ganzer Teil ihres Lebens, und das nun schon seit Jahren.


    Ähm, nein, ich mache keinen Sport. Für Mädchen gehört sich das ja auch nicht, wie ein schwitzender Arbeiter durch die Gegend zu hetzen.
    Axillas Blick blieb bei diesen Worten gesenkt. Es war nicht wirklich die Wahrheit, und sie war eine miserable Lügnerin. Zuhause in Tarraco war sie viel gelaufen, geklettert, bevor sie ihr Pferd hatte verkaufen müssen wegen der Schulden auch geritten. Aber das hier war nicht mehr ihre Welt, und in dieser Welt trieben gute, römische Mädchen nicht so viel Sport wie griechische Olympioniken.

  • Nun der Vergleich gefiel Anthi aber ganz und gar nicht.


    "Ich hoffe mal du hast Athleten eben nicht mit schwitzenden Arbeitern verglichen!?" In seinen Worten lag allerdings keine Schärfe, denn er konnte es sich kaum vorstellen, das Axilla diese Aussage böse gemeint hatte. "Ich meine ein Milon von Kroton war ein Athlet und ebenso ein hervorrafender Feldherr und ich sehe mich eigentlich auch nicht als tumben Arbeiter." Er runzelte ein wenig die Stirn, lächelte dann aber gutmütig.


    "Ich muss sagen, dass bei euch Rhömäern der Sport eine viel zu geringe Wertigkeit besitzt. Der Wettkampf ist etwas ehrbares und seinen Körper richtig zu fordern eine Kunst. Außerdem ist es der perfekte Ausgleich zu einer Arbeit in der Schreib-oder Studierstube oder für Künstler. Ich sage dir, wenn du regelmäßig Sport treiben würdest, würde es dir sicher besser gehen."

  • Ähm, nein, ich wollte damit natürlich nicht sagen, dass du… oder Milon von Kroton…“ Wer immer das auch sein mochte. Axilla hatte keine Ahnung. „… dumme Arbeiter wärt. Ich wollte nur… also
    Als sie den Blick hob und seinen suchte, damit er die Aufrichtigkeit in ihren Augen sehen konnte, sah sie sein Lächeln und war erstmal beruhigt. Er war ihr offenbar nicht böse, oder zumindest nicht allzu sehr. Aber seine letzten Worte ließen sie doch etwas erschrecken. Sah man es ihr so an, dass sie sich nicht gut fühlte? Sie hielt sich eigentlich für eine bessere Schauspielerin. Die meisten schauten nicht so leicht durch ihre Fröhlichkeit hindurch, sondern hielten sie eher für ein hohles Ding stattdessen.
    Wie kommst du darauf, dass es mir nicht gut geht? Mir geht es doch gut.
    Axilla fühlte sich ganz schrecklich ertappt. Sie wollte nicht, dass jemand einfach so hinter ihre Fassade blickte. Ihre Traurigkeit zu sehen bedeutete, dass man danach fragen würde. Fragen führten zu Erinnerungen, und Erinnerungen führten zu Schmerz. Axilla wollte aber nicht wieder den Schmerz fühlen, und auch nicht die Leere in sich. Daher nahm sie seine sonstigen Worte gar nicht so wirklich wahr. Natürlich würde es ihr mit mehr Sport besser gehen, das war ihr auch klar. Aber so einfach war das nicht.

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