Comitia Dec Dccclviii A.u.c.

  • Meine Name ist Tiro und ich trage einen berühmten Namen. Die jährlich stattfindenden Wahlen standen vor der Tür und hinter den Pforten der Curia Iulia wurde heiß debattiert.
    Ich befand mich auf dem Forum, nicht weit von diesem Ort entfernt. Es herrschten milde Temperaturen, obwohl wir schon den X.Monat hatten.


    Ich war hier hergekommen in der Hoffnung auf etwas Zeitvertreib. Eine feste Anstellung hatte ich nicht, es gab keine Verpflichtungen, die mich banden, und so lebte ich getreu epikureeristischer Sichtweise, den Moment des Augenblicks voll auskostend.


    Auf der Rostra und im Schatten der Curia war ja allgemein immer viel los, Gaukler, Possenspieler, Demagogen, Philosophen oder einfach nur Verrückte, die um die Gunst ihrer Zuhörer stritten.


    Als Tiro suchte ich mir meinen Weg, blieb stehen, wo es etwas interessantes zu sehen gab, und ging weiter, wenn das Gedränge unerträglich ward. Zu gerne hätte ich mir die Reden, die im Inneren des Senats vorgetragen wurden, angehört. Ein Unding, daß dem Volk auch das letzte Vergnügen genommen wird. Ich habe mir die vielen Reden meines Namensgebers durchgelesen, die dieser für seinen Herrn für die Nachwelt festgehalten hatte.
    Sie waren interessant, doch gleichzeitig überaus langatmig. Welche Strahlkraft vermochte ein ausdrucksstarker Redner aus ihnen herauszuholen ?


    "Tirone ! Hic sto, Tirone !"


    Ich streckte den Hals. "Gai, video !" antwortete ich dem Rufer zurück.


    Gaius näherte sich. Er war hochgewachsen, von gleicher Statur und hatte schwarze gelockte Haare. Außerdem trug er einen Kinnbart. Gaius war der Sohn eines Gemüsehändlers. Gaius sollte das Geschäft weiterführen, doch mit wenig Empathie. Nebenbei verdiente er sich als Buchmacher. Er platzierte Wetten seiner Kunden, besonders bei Pferderennen, und kassierte dafür eine satte Provision. Gaius war ein wahrer Kenner des Pferdesports. Er hatte Autographien aller großer Rennfahrer.

  • "Tirone, was bläst du hier Trübsal ? Hast du nichts zu tun ? Dann folge mir zu den Ställen, ich habe meine Informanten und bei den morgigen Rennen weiß ich eine Menge Geld zu machen."


    Ich war erfreut, Gaius zu erblicken. Ich drehte mich zu ihm um und sprach


    "Es ist mir eine Freude, dir zu folgen. Deine Anwesenheit ist mir stets eine Bereicherung gewesen und noch heute. Was glaubst du, wer wird gewinnen ?"


    Mit einem vielsagenden Blick drehte er seine Augen zu mir, als ob er sagen würde Das werd' ich dir doch nicht jetzt verraten. Stattdessen schleifte er mich fort von der Rostra, die via sacra hinunter richtung Circus Maximus. Dabei hätte ich noch beinahe einen Patrizier umgerannt, der sich sehr ergiebig und angeregt mit einem Senator unterhalten zu schien.

  • Es war ein unglaubliches Glücksgefühl das Marcus durchströmte, als er durch die großen Tore der Curia Iulia ins Freie trat. Er hatte die Wahl tatsächlich gewonnen. Zwar nur knapp, aber er hatte sie gewonnen. Die Gespräche hatten sich also ausgezahlt und sowohl sein Patron Aelius Quarto, als auch die Senatoren Macer, Durus, Modestus und Sedulus hatten ihm die Stimmen von etwas mehr als der Hälfte des Senates mobilisiert. Natürlich wären dem jungen Decimer mehr Stimmen lieber gewesen – wer wollte das nicht – doch nun wo er gewählt war, dachte er nicht mehr lange darüber nach.


    Der Senat hatte sich mittlerweile zurückgezogen, um über die Vergabe der einzelnen Ämter zu beratschlagen und Marcus, sowie der Rest der Kandidaten warteten gespannt vor dem Hohen Haus, auf das Ergebnis dieser Sitzung. Vielleicht gelang es seinem Patron nun noch, seinen Wunschposten durchzubringen. Dann wäre der Sieg eigentlich komplett und Marcus hätte die erste wichtige Bewährungsprobe in eine politische Zukunft erfolgreich abgeschlossen. In wenigen Tagen würde er sein Amt als Vigintivir antreten und den Magistraten Eid ablegen. Er konnte es immer noch nicht fassen.


    Bei all der Euphorie durfte er natürlich nicht vergessen nach der Senatssitzung seinen Unterstützern zu danken und vor allem seinem Patron zu gratulieren. Auch er hatte eine Wiederwahl zum Consul geschafft und war – sofern der junge Decimer richtig informiert war - nun bereits zum dritten Mal Consul. Auch diese zeigte Marcus, dass er sich eindeutig auf den richtigen Mann als seinen Patron gesetzt hatte. Er suchte sich ein schattiges Plätzchen und wartete.

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