Megaro tou Krateidoi | Das Anwesen der Krateiden

  • >Keineswegs. Es liegt nichts gegen dir vor und ich bin auch in keiner offiziellen Angelegenheit hier.<


    antwortete Vibulanus und überlegte, ob die Bediensteten wohl wussten, dass Posca Wasser mit Essig vermischt war. Aber eigentlich war es ihm auch nicht so wichtig, denn furchtbar durstig war er nicht.


    >Nun dein Name fiel bei zwei Gelegenheiten. Die erste betrifft meinen Aufmarsch vor dem Tempel der Tyche. Mann nannte mir deinen Namen als ich nach dem Priester fragte, der aus dem Tempel gelaufen kam. Trifft das zu?<


    fragte er, doch er war sich eigentlich recht sicher, dass es stimmte, denn obwohl er sich nicht mehr genau an den Priester von damals erinnern konnte, so stimmten de wenigen Erinnerungen mit Geórgios' Person überein.

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    Ratlos betrat die junge Ägypterin, Sibel, die Küche des Anwesen. Für die anwesenden Familienmitglieder, aber auch die vielen Angestellten im Haus, wurde bereits am Abendessen gekocht. Der Koch, ein großer und recht voluminöser Ägypter, starrte der Dienerin entgegen. "Wasis?", grunzte er. "Ein Gast ist im Haus, ein Rhomäer. Und er wünscht ... Posca." Irritiert starrte der Ägypter die junge Frau an. "Wasis das?" - "Ich weiß es nicht. Ich hatte gehofft, das kennt hier jemand." Einer der Gehilfen des Koches hob den Kopf an. "Essigwasser." Dass er das als Christ aus den Schriften und Lehren wußte, würde er natürlich nicht anmerken. Genauso dass er Christ war, er hielt sich doch lieber bedeckt in diesem Anwesen.


    Sibel strahlte erleichtert auf, während der Koch eine missmutige Schnute zog. "Essigwasser? Wer trinkt'n sowas?" - "Die rhomäischen Soldaten ..." ... und Jesus am Kreuz, dachte der Mann zudem. Beleidigt in seinen Kochkünsten, Weine schlossen sein Aufgabengebiet auch ein, machte sich der Koch an die Arbeit. Doch sein Ehrgefühl vermochten es nicht, einfach nur Essigwasser zu zu bereiten. Ein Schuss echter Wein, ein paar Gewürze und einige Orangentropfen kamen noch hinzu. Erst als er beim Probieren nicht mehr das Gesicht angewidert verziehen musste, reichte er den Krug an Sibel, die ihn glücklich ihren Auftrag ausführen zu können hinaus trug.


    Geórgios hätte auch selber keinen blassen Schimmer gehabt, womit ihn ein rhomäischer Soldat belangen könnte. Aber eine reine weiße Weste hatte er eben nicht. Darum war seine Frage auch nicht ganz ohne Ernst gewesen. Aber dann wäre ein Centurio nicht alleine gekommen. Täuschte er sich oder zuckte doch über das Gesicht seines Bruders ein wenig Enttäuschung. Strafend sah er zu Thémis hinüber, der so tat als ob er kein Wässerchen trüben könnte.


    Der Aufmarsch der Soldaten? Geórgios nickte. "So ist es. Aber ich kam nicht aus dem Tempel. Ich bin nur zufällig am Tempel vorbei gekommen. Ich bin kein Priester der Tyche, sondern des Zeus." Er musterte den Soldaten genauer. Ob dieser ihm bekannt vor kam. Aber die Soldaten hatten mit ihren Helmen die Angewohnheit, sich doch alle sehr zu ähneln. Was Uniformen nun eben mit sich brachte. "Und die zweite Gelegenheit?", fragte er neugierig. Er bemerkte, dass die ägyptische Dienerin zurück kam und dem Gast von der ägyptischen Kreation des Posca eingoss.


  • Eirene:


    Eine zeitlang war es still in diesem Winkel des Gartens. Kein Knistern von Seidenstoffen, kein lautes Atmen. Nur die Zikaden zirpten und Vögel krächszten. Durch die Blätter fuhr der Abendwind. Weit weg schienen die Stimmen, das Lachen und das Lärmen der Festgesellschaft. Der Mann, der Gorgis genannt wurde, musste einige Zeit warten. Dann trat Eirene lautlos vor den Priester.


    "Mir scheint, du bist mehr an dem interessiert, was ich zu sagen hätte, als der ehrenwerte Hausherr es ist.", sagte sie gleichmütig. Ihre Gewänder raschelten. Es schien viel Seide darin verwoben zu sein. Womöglich hatten sie den Wert eines mittelgroßen Hauses in Alexandria.


    "Geórgios heißt du, oder etwa nicht?", fragte Eirene, ohne ihrem Gegenüber Gelegenheit zur Antwort auf die erste Frage zu geben. Ob sie vom Kosenamen, der in ihrer Gegenwart gefallen war auf den Namen des Mannes geschlossen hatte oder ob er ihr bereits bekannt war, würde Geórgios nicht erfahren. "Mein Name dürfte dir bereits bekannt sein."


    Sie ließ absichtlich eine längere Stille eintreten. Sie musterte den Mann, der etwa zehn oder fünfzehn Jahre älter war als sie selbst. Wieder raschelten ihre Gewänder.

  • Eben war es noch leer im Garten. Eine Palme beugte sich dem sanften Wind, der von der Wüste über das Anwesen strich. Der Wind, der schon so viel von dem ägyptischen Land gesehen hatte und den Menschen viel erzählen könnte. Doch nur wenige Menschen beherrschten die Sprache des Winders. Konnten aus den Gerüchen lesen, der Wärme erfahren, wo er schon überall gewesen ist. Gedanken verloren stand Geórgios in dem Garten und betrachtete die nächtlich gräulichen Blumen, deren Farbenpracht erst im Schein der Sonne zur Geltung kamen. Was ihm sein Großvater gesagt hatte, schmeckte ihm wirklich nicht und die ganze Sache stank zum Himmel, selbst für ihn, der doch wenig Skrupel hatte. Das hatte er durchaus von der Familie seines Vaters geerbt. Vielleicht war noch ein Schuss ägyptischer Heimtücke dabei, die er von seiner mütterlichen Seite schon vor seiner Geburt mitbekam.


    Überrascht blinzelte er als die Frau vor ihm stand. Er hatte ihre Schritte nicht gehört, noch sonst ein Geräusch, das sie verraten hätte. Abgesehen von einem Zucken seiner Augenbrauen liess er sich jedoch erst mal nichts anmerken und musterte die Frau ohne sonderlichen Respekt oder Scheu. "So ist es, Geórgios Krateidos ist mein Name, verehrte Eirene." Natürlich war er daran interessiert, was die Frau zu sagen hatte. Die den Alten so sehr vor den Kopf gestossen hatte. Schon alleine deswegen war er für ihre Geschichte und ihrem Ansinnen empfänglich. Wer auch immer Eirene geschickt hatte, und daran zweifelte er nicht, war entweder sehr klug oder sehr dumm, in dem er den Alten derart brüskiert hatte. Er lächelte dünn und mit seinem typisch ironischem Ausdruck. "Selbstverständlich bin ich daran interessiert. Sehr sogar.", erwiderte er.

  • >Nun dann möchte ich dir als Priester des Zeus sagen, dass der Tempel der Tyche niemals in Gefahr war und es wie die anderen Tempel der Stadt niemals sein wird. Ich wäre dir nicht undankbar, wenn du das den anderen Priestern gegenüber erwähnen würdest. Und auch nur ihnen.<


    sagte Vibulanus und nahm den Becher mit dem Posca entegegen. Dann nahm er einen großen Schluck und bemerkte, dass etwas viel Essig verwendet worden war, doch er verzog keine Miene. Trotzdem war es sehr erfrischend nach dem Ritt.


    >Nun da fragte ich nach ehrenwerten Geschäftsmännern und auch sehr verständigen Personen. Man empfahl mir die Krateiden, weshalb ich an dich wende, um so gleich zwei Dinge zu erledigen.<


    erklärte Vibulanus. Eigentlich verabscheute er Euphemismen, da er in der Regel ein sehr direkter Mann war, doch manche Dinge sollte man eben nicht direkt sagen und man hatte ihm ja geraten endlich einmal etwas diplomatischer zu sein.


  • Eirene:


    Eirene lächelte kühl, als sie bemerkte, dass Geórgios sie musterte. Sie bleckte die Zähne, was man jedoch im Dunkeln schwer erkennen konnte. Sie schürzte die Lippen und schnalzte, kaum hörbar, mit der Zunge.


    "Zunächst-" Sie sprach langsam, als habe sie mehr als nur ein Menschenleben Zeit auf Erden. "-übermittle ich eine Botschaft für dich, ehrenwerter Geórgios Krateidos. Um Missverständnisse zu vermeiden, ehe sie entstehen können, lasse ich dich wissen, dass ich, obwohl ich diese Botschaft überbringe, wahrlich kein Bote bin und vor allem nicht nur ein Bote."


    Sie sah den Mann durchdringend an. Wieder schürzte sie die Lippen. Sie schimmerten für einen Augenblick seidig im Licht einer Öllampe, die am Wegesrand stand. Auch ihre Augen funkelten. Eisig, fast eisern funkelten sie.


    "Nikolaos, den ich bereits erwähnte, möchte mit dir sprechen. Er sagte, er hätte dir ein Angebot zu unterbreiten. Worin es besteht, sagte er mir nicht, es ist mir im Übrigen einerlei. Du kannst es ablehnen und du kannst es annehmen; nur sagte Nikolaos, ihm sei sehr daran gelegen, dass du es dir wenigstens anhörst."


    Wieder legte sie absichtlich eine längere Pause ein.


    "Er sagte, du fändest ihn in seinem Haus in Alexandria. Außerdem läßt er dich bitten, entweder in der Dämmerung oder in der Mittagshitze zu kommen; in anderen Stunden des Tages ist er durch andere Geschäfte verhindert."


    Ihr Blick war nicht weniger durchdringend geworden im Laufe ihrer Rede. Nicht eine Sekunde hatte sie von ihm abgelassen.


    Jetzt lächelte sie. Zart war ihr Lächeln und kühl. Aber war da ein warmer Zug enthalten? War es ein echter warmer Zug oder Teil ihrer Maske? Sie ließ es ihren Gegenüber nicht erfahren. Nur Vermutungen mochte dieser anstellen; oder er ließe es bleiben.


    "Die Nachricht ist nun überbracht. Möchtest du eine oder mehr als eine Frage stellen?"

  • Bei Geórgios zeigte sich der Anflug von einem spöttisch-amüsierten Lächeln, während wiederum Thémis ganz offen grinste. Denn beide wussten: Verriet man es der Priesterschaft, war es gleichbedeutend, als ob man sich auf die Agora stellte und es laut schreiend verkündete. Noch bevor die Sonne den westlichen Horizont beührte, würde es in der ganzen Stadt Alexandria verbreitet sein. Doch der Priester wusste nicht, ob das nicht genau die Absicht der Römers war. Indem er sich an einen Vertreter der grössten Tratschgemeinde von der Stadt wandte. Somit nickte er zustimmend, wenn auch er sich nicht ganz sicher war, ob es überhaupt stimmte, was der Rhomäer sagte. Nämlich, dass die Tempel auch den Rhomäern heilig sein würden. Immerhin waren sie, die Hellenen, eindeutig keine Juden und hier nicht der Tempel von Jerusalem, den die Rhomäer ohne Scheu nieder gebrannt hatten. "Natürlich. Ich werde das den anderen Priestern und Priesterinnen ausrichten. Es wird sie sicherlich sehr beruhigen."


    Geschäfte? Geórgios beschäftigte sich nicht sonderlich intensiv damit. Selbst wenn es um den Verkauf der Opferanteile ging, womit er seinen Verdient noch aufbesserte. Das erledigte ein Tempeldiener. Zudem ließ er sich lieber etwas für den Opferstock geben. Dennoch hatte er den Funken Geschäftssinn von seiner Familie geerbt, so dass es in seiner Nase zu jucken begann. Bei seinem Bruder war das jedoch deutlich ausgeprägter. Thémis beugte sich interessiert nach vorne und verlor schlagartig den amüsierten und mehr müßigen Ausdruck auf dem Gesicht. Der Priester zuckte hinwieder mit der Schulter. "Da hast Du nicht Unrecht, verehrter Centurio. Doch mein Bruder versteht sich deutlich besser auf die Geschäfte als ich. Er ist Händler von Profession." Und Abenteuerer, was sich gut mit seiner Tätigkeit verbinden ließ.

  • Gelassen verschränkte der Priester die Arme vor der Brust. Die Frau hatte etwas raubtierhaftes an sich. Mit ihrer Art, die durchaus subtil war, aber doch den Eindruck erweckte. Eine Eigenschaft, die er bei einer Frau doch als recht erstaunlich erachtete. Es zuckte amüsiert um seine Mundwinkel. Die Botin, die keine Botin ist, obwohl sie eine Botschaft hatte. Aber er erwiderte darauf nichts. Das war ihre Sache, als was sie sich betrachtete. Ein ebenso subtiles Mienenspiel zeigte sich bei der Erwähnung des Namen. Die rechte Braue zog sich ein wenig herunter. Die Linke tendierte eher etwas in die Höhe. Der Kopf legte sich eine Nuance zur Seite. Die Lippen verzogen sich nicht ein bisschen. Der Name klang vertraut. Sicherlich hatte Geórgios den Namen schon gehört. Abfällig von manchen der griechischen Stadtbewohner, die den Mann für einen Emporkömmling und Fremden hielten. Kein Mann der alexandrinischen Polis. Ein Athener, wenn er sich recht entsann. Andere sprachen eher lobend von dem Politiker. Er selber hatte sich zu dem anderen Hellenen noch kein Urteil gebildet.


    Er wusste nicht, was er überhaupt davon halten sollte. Jahre lang war er unbescholten davon gekommen. Weder seine Familie, noch sonst irgendwelche Stadtgrössen hätten ihn behelligt. Und jetzt sollte sich das mit einem Schlag ändern? Eine Tatsache, die starkes Misstrauen in ihm schürte. Was er in dem Augenblick nicht nach außen dringen ließ, sondern in sich verbarg. "Ich werde es überdenken, werte Eirene.", antwortete er jedoch relativ verschlossen. Ob er den Mann aufsuchen würde, musste er sich wirklich noch überlegen. Nach einem Augenblick des Nachdenkens schüttelte er den Kopf. "Nein. Ich habe keine Fragen. Ich danke Dir, verehrte Eirene. Und wünsche Dir noch einen angenehmen Abend. Du wirst fest stellen, dass nicht alle Krateiden so bärbeissig wie mein Großvater sind. Solltest Du noch auf der Feier weilen wollen." Er neigte zum Abschied höflich den Kopf und wandte sich zum Gehen um. Aus den Augenwinkeln bemerkte er einen Schemen, der davon huschte. Scheinbar unbeschwert kehrte er jedoch in das Haus zurück, wo ihn sein Bruder schon empfing.

  • >Nun mir geht es weniger um den Handel mit Getreide und Früchten. Kontakte, Wissen und Gefallen wären eher das Metier, dass ich ansprechen möchte.


    erklärte Vibulanus den beiden Brüdern und wartete nun ab, ob der eine Bruder immernoch der richtige Ansprechpartner war. Vielleicht war es auch keiner von beiden, sondern der ominöse Pater familias der Krateiden, doch von diesem hatte Vibulanus bisher kaum etwas gehört.

  • Es blitzte sowohl in den Augen von Geórgios, als auch von Thémis neugierig auf, vielleicht aus unterschiedlichen Beweggründen, doch darin konnte man gut ihre Ähnlichkeit erkennen. Selbst wenn sie zwei unterschiedliche Mütter hatten und sich rein äußerlich nur vom Schnitt ihrer Nase und der Art zu Gehen vielleicht glichen. Der Priester lächelte dünn. "Da kommt es natürlich auf die Materie an, verehrter Centurio, und welche Wissensgebiete Du zu ergründen suchst. Wenn wir können, werden wir Dir gerne behilflich sein. Nicht wahr, Bruder?" Thémis, der einer der freundlichsten Gesellen der Krateiden war, mehr an dem Spass des Abenteuers interessiert und Geld nur als notwendiges Übel sah, nickte eifrig. "Aber sicher doch, Gorgis!"

  • >Nun da gäbe es verschiedene Dinge. Zum Beispiel was die Verhältnisse unter den führenden Familien der Stadt angeht. Wie stehen sie zu Rom? Wer hat welche Leichen im Keller? Auch im wörtlichen Sinne. Es ginge aber auch um gewisse Gefälligkeiten. Zum Beispiel zu als Priester hast unter deinen Kollegen und auch beim Volk einen gewissen Einfluss. Auch könntet ihr sicher gewisse Personen davon überzeugen ihre Meinung zu ändern. Und so weiter und sofort.<


    meinte Vibulanus und räusperte sich. Die Krateiden sollten also ab und zu die Interessen der Römer vertreten, wenn diese es nicht öffentlich konnten oder wollten.


    >Selbstverständlich wird das nicht euer Schaden sein. Es gibt schließlich auch mehr als eine Möglichkeit dafür euch Krateiden zu entschädigen. Seien es lukrative Kontrakte zur Versorgung der Legion oder eine besondere Unterstützung durch die Legionäre.<

  • Das Jahre lange Training im Fälschen von Leberlesungen, damit der Kunde (derart betrachtete Geórgios die meisten Gläubigen, die zu ihm kamen) auch zufrieden war, verhinderten, dass ihm der Ausdruck auf dem Gesicht entglitt. Erstaunen und schiere Verblüffung hätte sich gezeigt, was sich aber in den Augen seines jüngeren Halbbruders wieder spiegelte. Als Informant und Spitzel wollte der rhomäische Soldat ihn rekrutieren. Etwas, was im ersten Moment ein Lachen bei ihm erzeugt hätte, doch er dachte blitzschnell darüber nach. Wenn ein Centurio kam, könnte es durchaus sein, dass jemand ganz anderes dahin steckte und mit dem nicht gut Kirschen essen war, wenn man ihn verprellte. Darum weckte das Angebot bei ihm auch kein Lachen, sondern mehr Sorge. Die Sorge, in etwas hinein gezogen zu werden, was ihm letztendlich über den Kopf wachsen konnte. Und in ein Netz gesponnen zu werden, in dem er wie eine Fliege ausharren musste, während dicke und fette Spinnen um ihn herum weiter woben.


    Aber Geórgios war nun mal ein Krateide und es floß durch seine Adern hindurch. Damit hatte er auch eine Spielerseele und verspürte den Wunsch nach Macht und die Gier nach viele Drachmen. Geórgios beugte sich etwas nach vorne und nickte langsam. "Das ist ein interessantes Angebot, das Du uns da unterbreitest, verehrter Centurio." Er wechselte kurz einen Blick mit seinem Bruder, der darauf hin leicht nickte. "Kooperation und ein gutes Verhältnis zu den Rhomäern war schon immer ein Anliegen der Krateiden. Der Provinz geht es so gut, wie schon lange nicht mehr, eben wegen der Rhomäer. Warum sollte man daran etwas ändern?"


    Das stimmte alles nicht so ganz und Geórgios wusste das, aber den Ägyptern war es schon unter den makedonischen Herrschern nicht gut gegangen und die Rhomäer hatten das Auspressen der Landbevölkerung nur fortgesetzt. Denn letztendlich waren alle Machthaber nur an den Reichtümern Ägyptens interessiert. "Darum bin ich, wie auch mein Bruder, natürlich einer weiteren Kooperation nicht abgeneigt. Wenn ich auch nicht für die ganze Familie offiziell mein Wort geben kann, da ich nicht das Oberhaupt der Krateiden bin. Aber ich glaube kaum, dass die anderen Krateiden dem abgeneigt wären." Er kannte seine Vettern doch gut genug, eitle, Schleim leckende Gecken waren das allesamt, von denen er keinen Deut hielt. Und seine anderen Brüder waren auch nicht besser. Thémis war der Einzige, dem er ein wenig Vertrauen schenkte, da ihr Verhältnis schon immer gut war.

  • >Nun dann können wir uns sicherlich einig werden. Sollte ich mich in der Angelegenheit gleich an euer Familienoberhaupt wenden, oder seit ihr auch noch zu direkten Verhandlungen befugt?<


    fragte Vibulanus den Krateiden, denn er hatte kleine Lust unnötige Zeit zu verschwenden, indem er mit dem jungen Krateiden verhandelte, der am Schluss doch nichts zu sagen hatte.


    >Wobei diese Verhandlungen und die mögliche Vereinbarung selbstverständlich nicht schriftlich festgehalten werden.<


    fügte Vibulanus noch hinzu. Aussagen von irgendwelchen Peregrini, selbst wenn es mehr oder weniger Adlige waren, waren vor römischen Gerichten eigentlich wertlos, aber bei Dokumenten war das anders. Geschriebenes war vor Gericht viel wert und damit machte man sich auch erpressbar. Von daher kam es auf keinen Fall in Frage.

  • Geórgios wechselte einen Blick mit seinem Bruder, der nur kurz mit dem Kopf wackelte und ein bedenkliches Gesicht zog, dann jedoch zögerlich nickte. Natürlich würde der Alte wütend sein, mit eiskalter Stimme Geórgios zurecht weisen. Aber das war eine Aussicht, die dem Priester sogar noch gefiel. Womöglich ließ der Patriarch ihn dann in Zukunft doch in Ruhe. Außerdem interessierte es den Hellenen sehr, was die Römer im Schilde führten und wer wußte mehr als der Mann, der der Natter am Nächsten war. Geórgios lächelte süffisant und nickte. "Es bedarf keiner weiteren Absprache mit einem anderen Krateiden. Die Familie Krateidos ist immer bestrebt, eine freundschaftliche Kooperation mit den Vertretern des Basileus zu pflegen. Und wir werden natürlich unser Möglichstes geben, sofern es in einem adäquaten und ausführbarem Rahmen bleibt."


    Nichts schriftliches? Warum wunderte ihn das nicht? Die Rhomäer waren schon immer eher...zurückhaltende Verhandlungspartner gewesen. Das süffisante Grinsen verlor sich darum nicht auf dem Gesicht des Priesters. "Aber natürlich, werter Centurio." Er merkte, dass dieser Aspekt seinem Bruder missfiel, aber als jüngerer Verwandter hielt er sich aus dem Gespräch dezent zurück. "Gibt es eine besondere Person, die das Missfallen der Vertreter des Basileus gefunden hat?", fragte Geórgios mit ruhiger und eher gleichmütiger Stimme, obwohl es ihn doch durchaus interessierte.

  • >Gut, gut. Aber es gibt eigentlich niemand speziellen, denn wir im Auge haben. Doch die allgemeine Position der verschiedenen Familien wäre interessant. Ich denke, dass es sicherlich allgemein bekannt ist, welche Familie treu zu Rom und dem Kaiser steht und wer lieber ein freies Alexandria hätte.<


    meinte Vibulanus. Sicherlich würde er den Krateiden noch nicht gleich preisgeben, wer ihm ein Dorn im Auge war. Dazu traute er ihnen noch zu wenig. Schließlich gab es noch keine Vereinbarung oder längere Zusammenarbeit. Beides konnte er enthüllen, falls die Krateiden wortbrüchig wurden, was ihnen unter den Gegnern Roms Hass und Verachtung einbringen würde.

  • Ein freies Alexandria? Wer wollte das schon? Alte sentimentale Narren und Dummköpfe. Denn wenn man es richtig machte, konnte es einem als Hellenen durchaus sehr gut gehen unter der Herrschaft der Rhomäer, die doch eine gewisse Konstanz in die Provinz brachten. Der Priester hatte jedoch das Gefühl, dass der Rhomäer einfach noch nicht die Katze aus dem Sack lassen wollte. Aber wer sollte es ihm verdenken? Sie alle kannten sich gerade erstmal einige Momente. Und er selber traute dem Rhomäer auch noch nicht sonderlich weit, die Zeit würde es erst erweisen, ob ein solche Vertrauen (das er eigentlich niemandem schenkte) überhaupt verdient hätte.


    "Dann werden wir unsere Augen erstmal in alle Richtungen offen halten, Centurio." Auch in Richtung der Rhomäer, um abzuschätzen, was das Ganze hier wirklich zu bedeuten hatte. Mit enem aalglatten Lächeln, geübt in jahrelanger Priestertätigkeit, hob er jedoch den Becher. "Auf eine gelungene Kooperation, Centurio!" Ein paar Tropfen für Dionysos und einige Tropfen in den Mund, um den Spruch zu besiegeln.



    SimOff: Solltest Du hier noch antworten, wäre ich Dir dankbar, wenn Du den Handlungsstrang beendest, da ich die nächsten Wochen, ca., erstmal nicht schreiben werde. Danke.

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