Marya

  • Nachdem er den Thraker an den Mann gebracht hatte, ließ Titus eine jüngere Frau auf die Bühne schaffen.


    "Volk von Rom... ihr kennt den Text... also, hier präsentiere ich euch einen besonderen Leckerbissen! Bildhübsch, jung, und ihres Alters wegen noch sehr formbar.", begann er, die junge Marya anzupreisen, "Zugegeben, sie ist ein wenig bockig, aber das ändert nichts an ihren Qualitäten... schaut sie euch an, welcher Mann wird bei diesem Fahrgestell nicht schwach? Sie ist wahrlich feinster dakischer Schmuck für den Herrn, oder den Haushalt, und ein Gewinn für jeden, der sie beherrschen will, und kann."


    Die Leute fragten, und Titus anwortete mit der für ihn typisch schmierigen Souveränität: "Nein, sie hat keine besondere Schule besucht, und bisher in gesetzteren Haushalten gearbeitet... wie bitte? Sprich lauter! Achso, nein, sie spricht unsere Sprache nur bruchstückhaft. Besondere Fähigkeiten? Sie ist jung und formbar, da ist noch viel zu machen! Bitte? Ah, sicher... DAS EINSTIEGSGEBOT LIEGT BEI 200 SESTERZEN!!!"


    Kein Brenner-Angebot, aber irgendwie war Titus froh, endlich mal Ware anbieten zu können, die ihn nicht mit Qualifikationen und Fähigkeiten zubombte, sondern einfach nur menschlich war...


    Sim-Off:

    Die Versteigerung geht bis Donnerstag Abend um 19:30!

  • Lief über den Markt, auf der Suche nach etwas Essbarem, was er noch nicht kannte. Irgendwann hatte er einen Stand gefunden, an dem eine ältere Frau ihm eine Schüssel mit öligen und gewürzten Oliven verkaufte, die Timótheus scheinbar anlachten. Doch nicht nur die Oliven waren eine Weide für die Sinne des jungen Griechen. Als er einige Minuten über den Markt - zufrieden mit der Welt und dem Essen in seinen Händen - geschlendert war, kam er bei den Sklavenverkäufern an und sah sie. Eine junge Sklavin, von welcher Abstimmung auch immer.
    Aber Holla, lieber Herr Gesangsverein, wer war denn schon Aphrodite. Der Besitzer musste aufpassende, dass seine Sklavin ihm nicht von Zeus geklaut wurde. Soll ja schon vorgekommen sein.
    Timus hatte zwar gar kein Geld, aber anschauen kostet ja bekanntlicherweise nichts.

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    Einige Tage waren Vergangen, seit der wunderbaren Heimkehr der Flavia. Da sie sich noch immer unpäßlich fühlte und aufgrund ihrer vielen Plessuren nicht das Haus verlassen wollte, war Cleomedes in geschäftlichen Dingen zu ihrer rechten Hand geworden. Er trug Briefe aus, machte Besorgungen für seine Herrin und handelte auch in ihrem Namen diverse Geschäft aus. Sie war sehr zufrieden mit ihm gewesen, hatte er sich doch als sehr zuverlässig und auch sparsam erwiesen.
    Aus diesem Grund hatte Celerina ihn mit einem Beutel voller Geldstücke losgeschickt, um sich nach einem passenden Ersatz für ihre Sklavin zu suchen, die so tragisch ums Leben gekommen war.
    Drei Dinge sollte er sich merken:
    1. Sie sollte nicht die Welt kosten!
    Damit hatte Cleomedes keinerlei Probleme. Er war ein zäher Hund, wenn es darum ging, den günstigsten Preis zu handeln, oder im rechten Moment die Finger davon zu lassen.
    2. Sie sollte eine Dame bedienen können!
    Was immer das auch hieß. Was war an Damen anders als an Herren? Er kratze sich am Kopf. Nun ja, das würde doch so ziemlich jede hin bekommen, dachte er in seinem jugendlichen Leichtsinn.
    3. Sie sollte unter keinen Umständen blond sein!
    Warum die neue Sklavin nicht blond sein durfte, wußte Cleomedes nicht. Doch Celerina hatte dies nicht ganz unbegründet erwähnt. Schließlich hatte sie ihren Verlobten nun schon einigermaßen gut kennen gelernt und war auch schon einige Male zu Besuch in der Villa Aurelia gewesen. Dabei war ihr aufgefallen, daß Corvinus offenbar einen Faible für blonde Sklavinnen haben mußte, was sie daher zur Vorsicht mahnte. In gewisser Weise war Ylvas Tod vielleicht doch nicht...


    So schlenderte Cleomedes also über den Markt und blieb vor dem Stand des alten Sklaventreibers Tranquillus stehen. Dort handelte man gerade eine hübsche dunkelhaarige Sklavin. Armes Ding, dachte er kurz. Glücklicherweise war ihm bisher ein solcher Auftritt erspart geblieben. Er war schon immer Sklave gewesen und hatte schon immer den Flaviern gedient und er hoffte, das auch bis an sein Lebensende tun zu dürfen.
    Er sah wieder zu der Sklavin. Zweihundert, das war fast ein Klacks!
    Unglücklicherweise hatte er nicht den Beginn der Versteigerung miterlebt, sonst hätte er gewußt, warum das Mädchen so günstig angeboten wurde.


    Bevor er sich endgültig entschloß, besah er sich die Sklavin ein drittes Mal. Sie war günstig, Damen bedienen konnte jeder und sie war nicht blond! Also die ideale Sklavin!


    "Zweihundert Sesterzen!" rief er ganz stolz. Dies war sein erster Sklaveneinkauf. Die domina würde mit ihm zufrieden sein!

  • Natürlich ließ es sich Silanus nicht nehmen nach seiner erst kürzlichen Ankunft in Rom auch über die römischen Märkte zu schlendern. Es war einfach ein ganz anderer Flair einen Markt in Italia zu besuchen, als er es die letzten Jahre aus Aegyptus gewohnt war. Natürlich war dort alles viel exotischer gewesen, doch wenn man einen kennt, kennt man sie alle und mit der Zeit werden auch die exotischsten Waren und Ereignisse zur Normalität. Er genoss es die Unterschiede der beiden Provinzen festzustellen, während er sich durch die Menschenmengen schob und merkte erst jetzt, wie sehr er Rom vermisst hatte.


    Zufälligerweise kam er dabei auch bei den Sklavenmärkten vorbei, wo gerade die Versteigerung einer jungen hübschen Thrakerin stattfand. Interessiert stellte sich der Iunier dazu und verfolgte die Vorstellung des Händlers und die Erstgebote. Er selbst hatte zwar genug Sklaven, aber vielleicht wäre diese Sklavin ein nettes Willkommensgeschenk für Narcissa. Daher entschied er sich kurzerhand mit zu bieten.


    "4000 Sz.!"

  • Missbilligend schaute Cassander auf den jungen Römer. Da schien einer richtig viel Geld zu besitzen. Viel mehr, als er Verstand zu haben schien, bot er doch auf zweihundert, gleich viertausend Sesterzen.
    Cassander schüttelte den Kopf. Das konnte teuer werden.


    "Hey, Mädchen! Wie gut kannst du Latein? Sage doch etwas für mich auf!", entgegnete er und blickte wieder missbilligend zu dem jungen Römer.
    Diese Neureichen, dachte er, verdarben doch nur die Preise.


    !Sechstausend, Titus!", aber die war gut anzusehen und seinem Dominus würde sie auch gefallen. Und der war mehr als solvent, also spielte es keine Rolle, wie viele Nullen sie wert sein würde.

  • Verwundert sah sich Silanus nach dem Bieter um, der ihm gleich um zweitausend Sesterzen überboten hatte. Er schien kein Römer zu sein, sondern eher der Sklave eines reichen Römers. Er seufzte und überlegte kurz. Er hatte gedacht ein hohes Angebot würde ihm die Sklavin gleich sichern, doch anscheinend hatte er sich da geirrt. Während seines Dienstes in Aegyptus war er durchaus sparsam gewesen und sein zukünftiger Posten als Praefectus Alae würde auch das nötige Kleingeld mitbringen um seine Kassen zu füllen. Außerdem wäre diese Sklavin perfekt um Narcissas Laune wieder etwas zu verbessern. Ihre Zukunftsaussichten in Germanien hatten sie nicht unbedingt glücklich gestimmt. Es schmerzte zwar, aber vielleicht gelang es dem Iunier ja mit dem nächsten Angebot einen Schlussstrich unter diese Versteigerung zu setzen.


    "9000 Sz."

  • Cassander blickte sich um und wollte schon "spinnst du?!" schreien, doch er hielt sich noch im letzten Moment zurück.
    Er musste zugestehen, dass sie ihm gefiel, dieses junge Ding. Und der Dominus hatte ein weitaus höheres Limit gesetzt. Also ging es weiter.


    "12.000!", rief er aus und blickte triumphierend zu dem jungen Römer.

  • "VIERTAUSEND!! SECHSTAUSEND!!NEUNTAUSEND!!ZWÖ... WATT???? ... ZWÖLFTAUSEND!!!!!!!"


    Titus' Gesicht glitt in ein leicht debiles Grinsen ab, als er die Sklavin am Ende für sage und schreibe 12.000 Sesterzen an den sonst so penetrant nervenden Hundesohn aus der Menge verkauft. Großartig! Was für ein Tag.


    Das war das mitunter beste Geschäft seines Lebens... :D


    Sim-Off:

    12.000 Sesterzen bitte an die Staatskasse 2. Muahahahaha!!!

  • Cassander rieb sich lächelnd die Hände und schlurfte zu Titus herüber.


    "Ein gewagter Kauf, muss ich sagen, aber ich habe schon länger nicht mehr eingekauft. Ich nehme sie mal gleich mit. Also Leinen los, alter Gauner."


    Das Beutelchen voller klimpernder Goldmünzchen gab er ihm auch schonmal.


    Sim-Off:

    Furianus bezahlt. :D

  • Zwölftausend Sesterzen. Er konnte, wollte es aber nicht überbieten. Vielleicht hatte er ja noch in den nächsten Tagen mehr Glück oder fand eine passende Sklavin in Germanien. Mit einem kleinen freundlichen Lächeln im Gesicht nickte er dem Mann beglückwünschend zu, der ihn überboten und die Sklavin somit ersteigert hatte. Für einen hatte sich diese Versteigerung in jedem Fall ausgezahlt und das war der Sklavenhändler. Dann ging der Tribun seines Weges und verschwand wieder im Getümmel der Leute.

  • Sim-Off:

    erstmal entschuldigung, dass ich jetzt erst dazukomme, mein Server war ausgefallen


    Und es war wieder soweit. Wieder wurden viel zu viele Augenpaare auf sie gerichtet, als dass man ihnen hätte Stand halten können. Wieder erzählte der Sklavenhändler irgendetwas, um sie schmackhaft für Roms Küchen, Gemächer und Höfe zu machen, irgendetwas, das sie kaum verstand, doch auch kaum mehr verstehen wollte. Die Schergen die sie nach vorn auf die kleine Bühne gesschleift hatten und derer Hände sie sich trotz des Versuches nicht entwinden konnte, ließen sie mit einem widerlichen Grinsen auf dem Gesicht, wie ein Stück Vieh, das angepriesen wurde, im Mittelpunkt der albtraumhaften Aufmerksamkeit zurück und Marya versuchte aufzusehen, ertrug es aber nicht den starrenden Blicken zu begegnen. Sie hasste es, mitanhören zu müssen, wie der Händler sie beschrieb, was sie in seinen Augen war, es war alles so falsch, so römisch. Ihre Kleidung war von den letzten Wochen sehr mitgenommen, zerissen hing der Stoff an ihrem schlanken Körper herab, wie ein Stück Sackleinen und reichte kaum bis über die Knie. Maryas Gesicht brannte vor Zorn und Demütigung.
    Viel zu genau konnte sich die junge Frau daran erinnern, was vor vier Jahren gewesen war, als sie auch so auf einem dieser Marktplätze gestanden hatte, ängstlicher, jünger -und daran, was danach geschehen war. Sie versuchte ein Zittern zu unterdrücken und schloss für einen Moment die Augen, nur um sie kurz darauf wieder zu öffnen. Vielleicht würde jetzt, endlich, alles ganz einfach sein. Vielleicht würde es das Schicksal diesmal gut meinen und ... Sie brachte den Gedanken nicht zu Ende, denn Hoffnung machte verletzlich und noch verletzlicher als sie ohnehin schon war, konnte, durfte sie nicht sein, dann würde sie zerbrechen und das wusste Marya.
    Endlich hetzte ihr Blick über den Menschenauflauf, vielleicht hatte sie eine Möglichkeit zu fliehen, wenn sie gekauft werden war, trotz aller lähmenden Angst. Im Moment jedenfalls konnte sie nichts tun. Sie versuchte sich aufrecht hinzustellen, die Augen nun doch auf die Masse gerichtet und wartete ab, was passieren würde.
    Tatsächlich begann jemand mit einem Gebot, wurde nur einen Augenblick später überboten und schließlich waren es nur noch zwei dieser Schatten in der Menge, die sich immer weiter überboten, bis einer von ihnen, schließlich gewann. Maryas Brustkorb hob und senkte sich unruhig, ihr schwindelte, obwohl sie versuchte ihre Gedanken, ihre aufkommende Panik zu kontrollieren. So schnell war über ihr weiteres Leben entschieden worden. So schnell.
    Münzen wurden ausgetauscht. Und ein paar von Tranquillus Handlanger rissen sie zurück, hinter das Podium, um die nächste abgerissene Kreatur nach vorne zu schubsen. Sie selbst hatte kaum sehen können, wer es nun war, der sie -dem Gesicht des Sklavenhändlers nach zu urteilen- für anscheinend sehr viel Geld gekauft hatte, gekauft hatte, um zu besitzen oder im Auftrag eines anderen. Während ihre Fesseln sehr unsanft gelöst wurden und das grobe Hanf der Stricke ihre bereits wunden Handgelenke blutig riss, versuchte Marya über die Köpfe hinweg den Mann zu sehen, dessen Stimme das letzte Gebot ausgerufen hatte.

  • Cassander blickte missmutig auf die Schergen des Sklavenhändlers, welche die Handgelenke des Mädchens blutig schnitten durch ihre ungehobelte und rabiate Art der Entfesselungskunst.


    "Ihr da! Passt auf, was ihr mit der Ware eines Senators aus kaiserlichem Geschlecht anstellt! Er wird euch in Stücke reißen dafür!", baffte er sie an und stieß einen von diesen Wüstlingen kurz zur Seite. "Mach Platz!"
    Die junge Sklavin gefiel ihm außerordentlich gut, was sich sogleich in einem sanften Lächeln erkenntlich zeigte.


    "Komm´ ich bringe dich von diesem hässlichen Ort weg.", flüsterte er ihr leise zu, ergriff ihre Hand und zog sie runter in die Menge der Gaffer und potenziellen Käufer.
    "Wie ist dein Name? Ich bin Cassander, ehemals Grieche, aber widrige Umstände machten mich zu dem unseres Standes. Keine Sorge, es ist nicht so schlimm bei uns. Du gehörst nun einem Patrizier, einem Senator, um es genauer zu sagen. Der ist aber nicht hier, sondern in Ägypten und wir werden wohl zu ihm stoßen müssen, wenn er nichts anderes befiehlt. Ahja, bitte versuche nicht zu fliehen. Ich habe dich für einen Preis ersteigert, für den ich gut fünf bis sechs guter Sklaven haben könnte. Wenn du fliehst, muss ich dafür bezahlen und das mit meinem Leben.", plapperte er einfach darauf los, während er sie mit sich durch die Menge zog. Ihnen folgte Amrus, ein Nubier großen Wuchses, der Cassander stets als Leibwächter zur Seite stand, wenn er einkaufen ging. Schließlich ging man für einen Senator nicht billig einkaufen und Diebe gab es in Rom wie Sand am Meer.

  • Sie sollte den Mann, der sie nun eben gekauft hatte, doch sehr viel schneller sehen, als gedacht, denn plötzlich, so unerwartet stand er neben ihr und den Handlangern des Sklavenhändlers und schien diese mit einem Tonfall, der keine falsche Deutung seiner Worte zuließ, zur Ordnung zu rufen. Mit weit aufgerissenen Augen sah die junge Frau den großgewachsenen Dunkelhaarigen an und war unsicher, ob sie wusste, was der Grund für seiner aufgebrachten Art war.
    Doch, tatsächlich, es schien ihm nicht zu gefallen, dass die beiden Schergen sie, Marya, so unsanft behandelt hatten. Die Ahnung, dass es sich genau darum handelte, ließ die kleine Darkerin verlegen, fast beschmämt zu Boden starren und sie konnte kaum reagieren, auf das sanfte Lächeln, das ihr entgegen gebracht wurde. Sein Flüstern sorgte dafür, dass ihr Herz noch schneller gegen den Brustkorb schlug, diese Vertraulichkeit, die er nun schon zeigte und so freundlich sie gemeint war, war sie nicht gewohnt und wenn, dann höchstens als ein schlechtes Omen. Aus diesem, dem selben Grund zuckte ihre Hand auch leicht, bevor sie schließlich kalt und unrihig in seiner lag, während er sie durch die Menge starrender Römer auf die freieren Plätze des Marktplatzes zog.
    Marya versuchte ihn aus den Augenwinkeln zu beobachten, passte aber auf, dass sich ihre Blicke nicht begegneten und als sie es doch taten, ließ sie mit brennenden Wangen eine Strähne vor ihr Gesicht fallen. Der junge Mann, der sie ersteigert hatte, musste im Auftrag gehandelt haben, konnte unmöglich selbst so viel Geld besitzen. Seine Worte, nur einen Moment später, bestätigten das. Sie verstand wie er hieß -Cassander, ein schöner Name und doch der Name eines Sklaven -und auch das meiste andere, wenn auch nicht jedes Wort. Sie gehörten also beide dem selben Herrn, einem Senator. Dieses Wort ließ sie schlucken, hatte es doch bisher für sie nur Grauen bedeutet. Seine Aussage, dass er für ihre Flucht mit dem Tod bestraft werden würde, eine Möglichkeit, die immer, jeden Augenblick irgendwo in ihren Gedanken war, machte sie betroffen und allein weil sie diese Verantwortung niemals auf sich hätte nehmen können, verschwand die Idee an eine Flucht für diesen Moment völlig und das zum ersten Mal seit Monaten.
    Es dauerte bis sie auf seine Frage antworten konnte, mit trockener Kehle zwar und nur sehr leise, aber sie tat es.
    "Marya, mein Name ist Marya."


    Den schwarzen Hühnen der ihnen folgte, bemerkte sie erst recht spät, ein langer Schatten fiel auf den Boden und machte sie unruhig bevor sie merkte, dass er tatsächlich zu ihnen gehörte.
    Ängstlich angesichts der Ungewissheit, was nun kommen würde, ließ sie sich führen, die Hand immer noch, als wäre sie nur ein entfernter Teil ihres Körpers in der Hand Cassanders.

  • Cassander drehte sich ständig nach ihr um. Nicht, weil er Angst hatte sie würde sich von seinem Griff lösen und weglaufen, sondern, weil er sie einfach gerne anschaute. Vielleicht zu gerne und er musste aufpassen. Schließlich wollte er keine Frauengeschichten, nachdem ihm seine damalige Liebe genommen wurde. Es wäre nicht zu verkraften, wenn der Herr Marya auch wegschicken würde.


    "Ein schöner Name, Marya.", sagte er dann lächelnd, zum einen, um ihr Vertrauen zu gewinnen und zum anderen, um ihr die Angst zu nehmen. Sie befand sich in guten Händen, das sollte sie spüren.


    "Ich hoffe du bist nicht seekrank. Wir müssen nämlich schon bald nach Alexandria, in Ägypten. Weißt du wo das ist?"

  • Noch immer konnte sie seinen Blick nicht erwidern, wagte nur dann aufzuschauen, wenn er den seinen nach vorne lenkte, um sie über den Marktplatz zu führen. Marya mochte seine Stimme, sie war ruhig und zuversichtlich, beruhigend nicht so heuchlerisch darauf bedacht zu gefallen. Umso mehr mochte sie es, wenn er sprach, denn dann musste sie es nicht tun und es war so schön leicht, einmal zu nichts gezwungen zu sein. Trotzdem wusste etwas tief in ihr, dass dieses kurze Gefühl nicht von dauer sein konnte und ihrem Herzen, das immer noch aufgeregt gegen ihren schmalen Brustkorb schlug, konnte sie nicht vormachen, dass dihre Zukunft vermutlich schwarz war. Ein Römer bezahlte keinen hohen Preis für eine Sklavin, wenn diese keine besonderen, ersichtlichen Fähigkeiten hatte, um sich dann von ihr nur Wein nachschenken zu lassen, das war unwahrscheinlich, aber Marya konnte, wollte nicht darüber nachdenken.
    Die junge Frau kannte das Wort "seekrank" nicht, doch es war leicht zu verstehen, wenn man die Bedeutung der beiden Wörter erahnen konnte, aus denen es bestand. Sacht schüttelte sie den Kopf, ihre dunklen Augen nach wie vor eher zu Boden gerichtet. Ägypten?
    Ja, davon hatte sie schon gehört, der Senator bei dem sie bisher gewesen war, hatte dort Geschäft geführt, dass wusste sie, doch sie war nicht sicher, ob ihr weniges Wissen, es wert war die Stimme zu erheben, wenn schweigen doch so viel sicher, angenehmer war, wie der Schutz einer großen Decke.
    Sie wusste selbst nicht, warum sie es dennoch tat, vielleicht lag es daran, dass Cassander alles, was er erfragte ganz ungezwungen tat, sacht, so als ob es in Ordnung wäre, wenn sie nicht antworten würde.
    "Ägypten..." sie sprach das Wort nur langsam aus, weil sie es nicht falsch aussprechen wollte. "Es liegt...im Süden nicht wahr?"
    Nur leise sprach sie, wieder, aber bei den letzten Wörtern wagte sie nach oben zu sehen und Cassanders AUgen zu begegnen.

  • Wie ein kleiner Junge mit einem Geschenk in den Händen, blickte er mit leuchtenden Augen zurück, als sie ihm eine Antwort gab.


    "Genau! Im Süden, in einem Land voller Sagen und Mythen. Einem heißen Land, aber das wird uns nicht stören, außer, du hast ungerne Sand in den Sandalen. Denn dann muss ich dich nämlich den ganzen Weg lang tragen.", sagte er grinsend und blickte wieder nach vorne, um nicht mit einem der eilenden Händler aneinander zu stoßen, die hier schwirrten wie Bienen um den Honig.
    Erst dann bemerkte er, dass er wahrhaftig wieder angefangen hatte zu flirten. Peinlich berührt ging er schneller, die liebreizende Marya immer noch nahe hinter sich wissend und an der Hand haltend. So, als würden sie spazieren gehen, nur eben etwas schneller, da es womöglich zu regnen anfangen würde.


    Endlich waren sie der Innenstadt entflohen und Cassander bog scharf nach rechts ein.


    "Wir müssen uns beeilen, die Schiffe nach Ägypten legen nicht täglich ab und ich muss schon langsam los. Unser Herr erwartet uns bereits. Eigentlich mich, von dir weiß er noch nichts.", und er bekam Angst, wenn er nur daran dachte, wie Furianus sie ansehen würde und was er mit ihr anzustellen gedachte. Sein Herr war kein Mann, der sich eine Frau nahm, eigentlich hatte er sich noch nie an einer Sklavin vergriffen, aber der Gedanke daran, quälte Cassander schon jetzt und er musste sich was einfallen lassen.

  • Ein wenig scheu zwar, aber sie tat es, erwiderte sie sein Grinsen, nur um es gleich darauf wieder zu bereuen. So einfach war es nicht, all das zu nehmen, was sie bereits erlebt hatte, auch wenn ein paar vertrauenerweckende dunkle Augen für den Moment etwas Angst nehmen konnten. Sie war nicht sicher, ob sie seine Schmeichelei oder was es auch war, richtig verstanden hatte und schob es eher auf ihre schlechten Sprachkenntnisse als den anderen Gedanken an sich heranzulassen. Cassander ging nun ein bisschen schneller und so setzte auch Marya schneller als zuvor einen Fuß vor den anderen. Es war ein seltsames Gefühl sich jetzt so schnell zu bewegen, nachdem sie die letzten Tage sich kaum mehr hatte regen können, als ein Löwe in Erwartung seiner Kolosseum-Spiele. Jetzt wieder die eigenen Bewegungen spüren zu können war schön und wunderbar vertraut, allein das vermittelte schon etwas Freiheit, auch wenn das eine der letzten Gedanken der jungen Frau hätte sein müssen.
    Der Hinweis, ihr Herr würde sie bereits erwarten, ließ Marya jedoch schlucken und innerlich zusammenfahren. Das hier war keinesfalls Freiheit, sondern vielleicht der Weg zur Schlachtbank und warum sich etwas vormachen? War das nicht vertrauter als Freiheitsgefühle?


    Und doch, wagte sie es nicht zu fliehen, wollte sie keinen Fluchtversuch unternehmen. Vielleicht nur weil sie den jungen Mann, der sie da, fast liebevoll aber bestimtm an der Hand hielt nicht verraten oder in Gefahr bringen. Mit noch etwas wackeligen Bewegungen folgte sie ihm, wieso auch aufschieben, was unumgänglich war, für eien wie sie?

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