• Am letzten Abend seines Aufenthalts in Rom (anlässlich der Verlobungsfeier des Iulius Centho) hatte Saturninus sich entschlossen einen Streifzug durch die Tavernen Roms zu unternehmen. Immerhin musste er am nächsten Tag schon wieder zurück nach Misenum und vermutlich würde er sobald nicht wieder nach Rom kommen, was er sehr bedauerte. Dementsprechend war er etwas melancholisch losgezogen, jedoch hatte sich seine Laune von Taverne zu Taverne, die er besuchte gebessert.


    Daher war es schon mitten in der Nacht, als der Iulier, durch die vorherigen Tavernen schon etwas besoffen und gleichzeitig bester Stimmung die Taverna Apicia betrat. Jene Taverne war ihm von mehreren zufälligen Bekanntschaften aus den schon mehrfach erwähnten vorherigen Tavernen empohlen worden, die sie als „beste Taverne der Stadt“ gepriesen hatten, was des Iuliers Neugierde geweckt hatte. Jedenfalls war die Taverne trotz, oder gerade wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit bummvoll, ebenso wie die meisten ihrer Gäste. Nach seinem ersten Eindruck hatten diejenigen, die ihm die Taverne empfohlen hatten durchaus recht gehabt. Die Taverne taugte was!


    Saturninus durchkämmte das Lokal auf der Suche nach einem, nur einem einzigen freien Sitzplatz. Jedoch dauerte es eine halbe Ewigkeit bis er endlich einen Tisch entdeckte, an dem noch ein Platz frei war. Ein sehr kleiner Tisch war es, der nur auf zwei, höchstens auf drei Personen ausgelegt war. Jedenfalls saß nur ein Mann an diesem Tisch. "Ist da noch frei?", fragte Saturninus den unbekannten Mann hoffnungsvoll.


    Sim-Off:

    Reserviert. :]

  • Ein Mann stellt sich seinen Ängsten. Ein Mann stellt sich seinen Ängsten. Wie eine Litanei, gebetsmühlenartig, hatte Piso diesen frommen Gedanken in seinem Kopf Revue passieren lassen. Er hatte, und das musste er sich selber eingestehen, eine Phobie vor der Taberna Apicia. Einmal hatte er die halbe Einrichtung zertrümmert, stockbesoffen selbstredend, und seither hatte er sich nicht mehr hierher getraut.
    Bis heute. Er wusste auch nicht genau, wieso er den Entschluss gefasst hatte, hierher zu kommen, doch es musste sein. Geduckt hatte er sich auf einen Platz geduckt, hatte der Kellnerin, einer thrakischen Sklavin mit ausdrucksvollen, verächtlich auf die Römer herabschauenden Augen, eine Bestellung entgegen genuschelt und hatte schicksalsergeben gewartet, bis sie kam. Es war irgendein Wein, man sollte Piso nicht fragen, was es für einer war. Angespannt trank er draus.
    Er war alleine gekommen, und dies war wohl auch gut so. So konnte er der Welt nachsinnen – er versuchte es zumindest. Doch er schaffte es nicht. Immer wieder musste er sich umschauen. Kam der Wirt? Bis jetzt war der Gasthausbesitzer, der dazumal ihn rausgeworfen hatte, noch nicht erschienen. Vielleicht hatte er heute frei?
    Piso spürte die Lebensgeister in ihm ansteigen – als er plötzlich, ganz unverhofft angesprochen wurde. Sein erster Gedanke: Der Wirt, der gekommen war, um ihn jetzt mit einem schartigen Küchenmesser abzumurksen. Doch dies war der Mann nicht – viel eher ein freundlich, vielleicht ein wenig verzagt dreinschauender Plebejer, der wohl nach einem Sitzplatz suchte.
    „Öh... sicher, sicher, nimm nur Platz...“ Piso war wohl die Erleichterung, dass es nicht der Wirt war, anzuhören. Es war vielleicht nicht optimal, dass er in seinen Kreisen gestört worden war – doch vielleicht waren zwei Männer an einem Tisch unauffälliger. Vielleicht würde der Wirt ihn so weniger schnell erkennen.

  • Saturninus nickte dem Mann erleichtert darüber, nicht wieder unverrichteter Dinge gehen zu müssen zu und nahm ihm gegenüber Platz. "Ich bin Publius Iulius Saturninus", stellte der Iulier sich sogleich leutselig vor, während er schon, durstig wie er war, nach einer Bedienung Ausschau hielt. Es dauerte nicht lang, bis er die offenbar einzige Kellnerin in dieser riesigen Taverne, eine unfreundlich dreinschauende Sklavin, wohl eine Thrakerin oder Griechin ausfindig gemacht hatte und sie mit enthusiastischen Handbewegungen zu sich herbeorderte. Sicherheitshalber bestellte er gleich eine ganze Kanne, anstatt eines einzelnen Bechers und bezahlte gleich, woraufhin die Kellnerin wieder verschwand um den Wein zu bringen.


    Währenddessen wandte Saturninus sich wieder seinem Gegenüber zu. Vermutlich war es der Wein, den der Iulier schon intus hatte, der ihn nicht erkennen ließ, dass jenes Gegenüber vielleicht nicht unbedingt Lust zu solcherlei Konversation hatte. "Bist du oft hier?", fragte er. Da brachte die Kellnerin auch schon den Wein und er nahm den mitgelieferten Becher, füllte ihn bis zum Rand mit Wein, prostete dem Anderen kurz leicht grinsend zu und nahm einen großen Schluck Wein. "Gar nicht schlecht...", kommentierte Saturninus ungefragt. "Aber ich hab' schon besseres getrunken..." Er war zwar kein Wein-Experte, aber ein wenig verstand er schon, von dieser hohen Kunst.

  • Piso blickte konfus hoch, als der Mann sich vorstellte. Iulius. Da kannte er doch jemanden, von denen. „Aulus Flavius Piso. Freut mich sehr.“ Die Gestik, die der Mann draufhatte, machte ihn aber irgendwie sympathisch. Trotzdem war Piso noch immer nicht ganz erpicht darauf, jetzt lang und breit loszulabern. Auf seine Frage, ob er oft hier war, entgegnete er nur ungewohnt wortkarg „Nein“. Was aber den Iulier nicht davon abhielt, unverdrossen weiterzuquasseln. Der Kerl hatte wohl schon einiges intus. Piso hielt sich selber davon ab, zu Seufzen, und schaffte es sogar, ob der leicht naiv-heiteren Art des anderen zu lächeln. Der Anstand gebot es, etwas zu erwidern.
    „Da muss ich mich dir anschließen. Was für einen Wein hast du denn? Ich habe da einen...“ Wie hieß das Gesöff nochmals? „Irgendwas aus...“ Er grübelte und beugte sich über seinen Becher, als könnte dieser eine Antwort auf seine Fragen liefern. „Etrurien. Ein Roter aus Etrurien. An und für sich keine schlechte Weinregion, aber es fehlt ein bisschen am Pfiff. Ich glaube, die Apicia ist einfach für kampanische Weine am Besten. Wer sardische Weine mag, der ist wohl am Besten in diversen Lokalen am Tiberufer aufgehoben. Etrurische Weine hingegen sollte man lieber am Forum Romanum trinken. Ich weiß auch nicht, wieso das so ist.“ Er zuckte die Achseln.
    „Sag, bist du eigentlich mit Iulius Centho verwandt?“ Der hatte es ja auch geschafft, Vigintivir zu werden. Also, gewählt zu werden, sein taten es die beiden ja noch nicht, da fehlten noch ein paar Tage.

  • Oha, ein Flavier? Ein Patrizier? Dann befand sich Saturninus ja in unerwartet hoher Gesellschaft. Nur mit Mühe, so besoffen war er dann doch noch nicht, konnte er sich einen übermäßig erstaunten Blick verkneifen. Immerhin war dieser Mann der erste Patrizier, den er in natura erlebte. Jedoch ließ er sich dazu hinreißen den Mann ein wenig eingehender, aber natürlich ganz unauffällig zu mustern. Eigentlich sah er ja ganz normal aus, gar nicht arrogant oder hochnäsig. Vermutlich eine Ausnahme von der Regel, die jene wiederrum bestätigte.


    Die Worte des Piso über die verschiedenen Weinarten, brachten Saturninus dann tatsächlich zum Staunen. Piso schien ein wahrer Experte auf diesem Gebiet zu sein. "Da hast du Recht", erwiderte der Iulier, ohne genau zu sagen womit der Flavier jetzt Recht hatte und nickte passend dazu. "Meiner ist ein Sardischer. Es fehlt halt das gewisse Etwas, sozusagen." Er schmunzelte. Die Weine aus Kampanien waren hier die Besten? "Hm...", brummte er nachdenklich. "Dann sollten wir doch einen Kampanischen ausprobieren, nicht wahr?" Saturninus blickte sich schon wieder nach einer Bedienung um, konnte diesmal aber wahrlich nirgendwo eine entdecken.


    "Centho?", echote der Iulier. Nahezu jeder in dieser riesigen Stadt schien seinen Verwandten bereits zu kennen. "Naja, verwandt schon, aber so entfernt, dass es eigentlich kaum der Rede wert ist." Was für eine umständliche Erklärung. "Aber ich kenne ihn. Und du kennst ihn auch?"

  • Dass Piso den Mann so dermaßen verwunderte, war voraussehbar gewesen – es wäre nicht das erste Mal gewesen. Er erwiderte den Blick des Mannes, den er wohl bemerkte, mit einem ermüdeten Gesichtsausdruck. Ja, er war ein Patrizier. War das so ungewöhnlich? Konnte das jemanden so aus der Fassung bringen? Piso seufzte, ein wenig theatralisch wohl, aber wenigstens leise, was wohl die spezielle Melancholie und auch Ängstlichkeit ausdrückte, die er an diesem Abend mit sich herumtrug.
    Der Iulier schien erstaunt zu sein von Pisos Expertise, und da hatte er wohl Recht, zumindest, wenn es nach dem Flavier ging – dieser hielt sich nämlich ohne die geringsten Selbstzweifel für den größten Weinkenner Roms. Schließlich war auch die Weinverkostung eine Kunst, und der Geschmack des Weines war von seiner Natur her mit Ästhetik verbunden – was lag also näher, sich dem Wein intensivst auseinanderzusetzen?
    „Sardischer Wein! Es gibt sehr guten sardischen Wein, aber die Spezialisierung der Apicia ist das durchaus nicht, Iulius.“ Er zuckte die Schultern. „Ich gebe dir Recht, bestellen wir einen... aber Wein ist doch eigentlich zu Schade, um ihn stehen zu lassen. Ich denke, wir sollten erst unseren leeren. Denn – schlecht ist er auch wieder nicht. Nur, wenn wir den Wein, den wir vor uns stehen haben, vollständig geleert haben, können wir uns ein echtes Urteil erlauben!“, behauptete er.
    Ja, Centho war wahrhaftig ein ziemlich umtriebiger Kerl. „Ich habe ihn bei einem Rennen kennen gelernt. Wir haben den selben Verein angefeuert, die Veneta. Ich selber bin ja kein Mitglied, aber irgendwie gefallen sie mir.“ Er räusperte sich. „Und wir werden in ein paar Tagen Kollegen – er ist, wie ich zum Vigintiviren gewählt worden.“ Ein zufriedenes Lächeln zog sich über seine Lippen. Auf diese Leistung war er enorm stolz, und er wähnte sich schon bald im Senat.

  • Für Saturninus war so ein Patrizier schon etwas sehr ungewöhnliches, immerhin kam er aus der Provinz, wo es normalerweise gar keine Patrizier gab, aber dafür umso mehr Geschichten über jene kursierten, und das waren kaum Geschichten, die zu Gunsten der Patrizier ausfielen. Aber im Grunde war es ja völlig egal, ob der Mann, dem er da gegenüber saß nun Plebejer oder Patrizier war, hauptsache er war sonst ganz in Ordnung. Der Tonfall des Flaviers brachte Saturninus zum Schmunzeln, es klang fast ein wenig belehrend, als ob der Meister zu seinem Schüler sprach. Aber Recht hatte Piso auf jedenfall, den eben bestellten Wein konnte man wirklich nicht einfach so stehen lassen, das wäre ja ein regelrechter Frevel gewesen! "Auch wieder wahr", sagte der Iulier und trank noch einen Schluck von seinem sardischen Wein."Schlecht ist er wirklich nicht. Aber ein wenig... naja, langweilig! Nichts gegen den Falerner, den mir Centho vor kurzem serviert. Der war sagenhaft, sag ich dir!" Wobei das ein wahrer Weinkenner auch wieder anders beurteilen mochte, in Mogontiacum hatte Saturninus auch nicht oft Gelegenheit gehabt Falerner zu trinken.


    Wie Saturninus selbst, war Piso auch noch ein Freund des Wagenrennens. Tja, Wein und Wagenrennen waren für römische Männer eben das, was Bier und ein seltsames Spiel mit einer Lederkugel fast zweitausend Jahre später für Männer in nördlicheren Breiten sein würde. "So? Meine Factio ist da mehr die Russata...", erwiderte der Iulier. Warum wusste er auch nicht, das war eben so. Vigintivir? Der Flavier wurde auch Vigintivir? Welch ein Zufall! "Gratulation!", rief der Iulier daher. Rom schien ein Dorf zu sein. "Du musst wissen, dass ich auch einmal Vigintivir und in weiterer Folge Senator werden will... Aber das wird wohl noch sehr lange dauern! Derzeit bin ich Magistratus der schönen Stadt Misenum. Dort ist der Wein auch nicht schlecht..." Er grinste den anderen fröhlich an. "Dann auf dein und Centhos Amt! Prost!" Schon war wieder ein Grund zum Trinken gefunden und Saturninus nahm einen großen Schluck Wein. An den Sardischen konnte man sich doch tatsächlich gewöhnen...

  • Piso selbst war ein Provinzler, aus Ravenna, wo einige noble Familien ihre Residenz hatten. Auch wenn er seine Herkunft verdrängte. Mit Ravenna verband er keine schönen Erinnerungen, und das letzte Mal, dass er dort gewesen war, hatte er den Tod gesehen. Er fühlte sich mittlerweile genauso als Stadtrömer wie jemand, der dort geboren war, und niemals auch nur nach Ostia oder in die Albaner Hügel gekommen war.
    Er nahm es gütlich zu Kenntnis, dass Saturninus seinen Belehrungen zustimmte. Dass sie jemandem oberlehrerhaft vorkommen könnten, sah er nicht ein. Schließlich sprach die unverfälschte Wahrheit (zumindest das, was er darunter verstand) daraus.
    „Falerner, ah! Jede anständige römische Familie hat eben ihren Falerner. Wir selben haben unseren Keller bis ganz oben hin angefüllt mit Falerner. Falerner bekommt man übrigens hier sehr Gute – schließlich ist der Falerner aus Kampanien, hat zumindest dort her zu kommen. Aber hie und da sieht man ja auch, wie billige Ersatzprodukte aus Gallien oder weiß der Kuckuck woher kommen. Und dort schreiben sie dann in großen Lettern auf die Amphoren „Falerner“ hinauf. Ein Frevel. Eigentlich sollte man die anzeigen.“ Nur mies, dass es zu Pisos Zeiten noch kein Urherberrecht gab, und Kampanien kein Copyright für Falerner besaß.
    „Die Russata? Auch nicht schlecht!“, dachte er laut. „Mein Patron ist der Vorsitzende der Russata, von daher werde ich auch niemals schlechte Gefühle ihr gegenüber hegen.“ Sicherlich wusste Saturninus nun, welchen Mann er damit meinte. „Ist sicherlich eine gute Wahl.“
    Er grinste, als Saturninus ihm gratulierte. „Danke!“ Ja, darauf bildete er sich sehr viel ein. „Ah, du interessierst dich also auch für eine Laufbahn im cursus honorum? Hast du denn schon einen Patron, und den passenden ordo? Dann sehen wir uns hoffentlich mal im Senat wieder!“, meinte er fröhlich und grinste. „Misenum? Ja, das weiß ich schon! Ich habe mich einmal am Stützpunkt volllaufen lassen. War sehr schön!“, grinste er. „Und, danke! Gut, trinken wir darauf!“ Er war schon entschieden fröhlicher als zum Anfang dieser Episode am Tisch. Er stürzte einen nicht unerheblichen Schluck hinunter. „Ah. Je mehr man davon trinkt, um so besser wird er!“, fand der Flavier.

  • Saturninus bezweifelte zwar, dass die iulischen Weinvorräte mit denen der Flavier mithalten könnten, aber auch der Weinkeller im Stadthaus der Iulier konnte sich durchaus sehen lassen. Der Falerner, der dort lagerte war jedenfalls wirklich ausgezeichnet. Von diesen billigen Ersatzprodukten, von denen Piso erzählte, hatte der Iulier bis zu jenem Augenblick allerdings noch nichts gehört. "Das ist ja Betug!", entfuhr es ihm. Er schüttelte den Kopf und nahm sich gleich vor, wenn er einmal im Senat sitzen würde, gegen solch schändlichen Betrug am armen Säufer vorzugehen. Dieser Weinbetrug wäre doch mal ein Thema für die Acta Diurna... Seinem fachmännischem Urteil nach, war Piso offensichtlich doch öfter hier, als er zugeben wollte. "Aber hier kann man doch hoffentlich davon ausgehen „echten“ Falerner zu bekommen, oder?"


    Der Patron des Flaviers war also Purgitius Macer. Den kannte Saturninus selbstverständlich, der Purgitier war ja der Princeps der Russata. Begegnet war er ihm allerdings noch nie, aber das konnte ja noch werden. "Weißt du, ob demnächst vielleicht ein Rennen steigt?", fragte er interessiert. Sein letztes Wagenrennen war nämlich schon etwas länger her. "Einen Patron hab' ich schon", antwortete der Iulier. "Der Consular und ehemalige Statthalter von Germanien Marcus Vinicius Lucianus ist mein Patron." Er war schon ein wenig stolz darauf, dass ein Consular ihn als seinen Klienten angenommen hatte, aber da sein Vater schon Klient des Viniciers gewesen war, war das eigentlich auch nichts so ungewöhnliches. "Aber der Ordo fehlt mir noch." Er zuckte mit den Achseln. "Ich bin ja noch ganz am Anfang, bevor ich mich überhaupt an den Cursus Honorum wagen will, hab' ich erst noch vor Duumvir in Misenum zu werden..." Dann konnte er vor dem Senat immerhin schon damit angeben, bereits ein paar Wahlen gewonnen zu haben. Auch Saturninus trank noch einen Schluck, und der war nicht gerade klein und fügte hinzu: "Schon, aber ich kann's trotzdem kaum erwarten den kampanischen Wein zu probieren." Pisos Geschwärme hatte seine Neugier geweckt.

  • Pisos Mimik verzog sich zu einer Trauermiene. „Ja, so ist das. Diesen Schuften ist nichts heilig.“, sprach er in einem feierlichen Tonfall, der normalerweise bei einem Begräbnis angeschlagen wurde. Er nickte aber, als die Sprache auf den Falerner hier kam. „Ich hoffe doch, schließlich ist die Apicia ja berühmt für ihren authentischen Wein. Sicherlich hätte sich jemand da schon beschwert!“, war er sich ganz sicher und blickte sich mit einer gewichtigen und großmannssüchtigen Geste herum. „Diese Kellnerin ist so lahm wie eine Schnecke. Ist denn das zu glauben?“ Er schüttelte den Kopf.
    Er dachte kurz über die Frage des Mannes nach. „Das nächste große Rennen? Also mit richtig viel Pomp und Rambazamba? Das sollte die Equirria sein. Da musst du dich aber noch bis nächsten Monat gedulden. Du kannst dir die Zeit bis dahin ja mit Gladiatorenspielen überbrücken.“, schlug er vor, obwohl er das Gemetzel im Grunde unästhetisch fand.
    „Ah, Vinicius Lucianus! Ein honoriger Mann!“, befand Piso zufrieden. Lucianus hatte ihn schließlich für diese Wahlen unterstützt. „Kennst du eigentlich Aurelius Ursus? Er ist Senator, und Vinicius Lucianus‘ wichtigster Klient. Vielleicht kann er dir einige Tipps zur Karriere geben!“, schlug er vor.
    Er seufzte. „Ach, der ordo. Dem bin ich ebenfalls ewig nachgerannt. War nicht lustig, kann ich dir sagen. Du musst es einfach am Praefectus Urbi vorbei bringen. In meinem Fall war das wohl ein kleineres Politikum – Vescularius hat das wohl nur gemacht wegen meines Patrons.“ Dankbarkeit darüber schwang noch immer mit.
    Er nickte. „Nun ja, sicherlich, werde erst Duumvir. Einige Senatoren haben ihre Karrieren als Duumviri begonnen. Spontan fallen mir Annaeus Modestus und Aurelius Corvinus ein, beide waren sie Duumviri von Mantua.“ Er nickte heftig. „Als Duumvir kann man sich ein gutes Standbein aufbauen. Schau einmal Octavius Macer an – gestern noch Duumvir von Ostia, heute Vigintivir. Und morgen wohl Senator.“ Er zuckte die Achseln. „Also, solch eine Karriere kann dir wohl ans Herz gelegt werden. Obwohl, man kann sich auch einiges aufbauen, wenn man im Cultus Deorum tätig ist. Schau mich an, ich bin Septemvir.“, erwähnte er nicht ohne Stolz.
    Piso grinste. „Du musst ausharren, Iulius, ausharren! Um so schöner wird es dann, wenn man den Wein hat.“, klugscheißerte er und trank in seiner Bemühung, mit dem Iulier mitzuhalten, widerum einen großen Schluck.

  • Saturninus schüttelte noch einmal den Kopf um seine Entrüstung über jene Weinbetrüger zu zeigen. Seltsame Leute mussten das sein, die absichtlich „falschen“ (schlechteren!) Falerner herstellten, um damit Geld zu machen. Als Piso erklärte, dass der Falerner hier gewiss „echt“ sein würde, nickte der Iulier erleichtert. Für einige Augenblicke hatte er schon befürchtet, dass er, statt eines guten Falerners, nur billigen Fusel serviert bekommen werden würde. "Vielleicht hat sie dich ja nicht gesehen?", meinte er bezüglich der Kellnerin. Vorher war sie eigentlich recht schnell gekommen... Erst in einem Monat würde das nächste Rennen stattfinden? Das war aber schade! "Schade", kommentierte er die Worte des Anderen. "Nun ja, Gladiatorenspiele sind ja nicht schlecht, aber Wagenrennen find' ich interessanter...." Daraufhin trank er gleich noch einen Schluck von seinem Wein.


    Aurelius Ursus? Saturninus überlegte kurz und befand dann, mit einem leichten Schütteln des Kopfes, dass er jenen nicht kannte. Noch nicht. "Nein, den kenne ich nicht. Kennst du ihn näher?", fragte er nach. "Meinst du denn, er würde mich einfach so empfangen?" Wenn ja, wäre das gewiss sehr hilfreich für den Iulier, würde er sich doch gleichzeitig Tipps holen können und Kontakte knüpfen können. Vielleicht sollte er es einfach probieren. "Dass so viele ehemalige Duumviri im Senat sitzen ist mir gar nicht bekannt gewesen", sagte er und grinste dabei ein wenig. "Dann stehen meine Chancen ja gar nicht so schlecht." Er staunte nicht schlecht, als der Flavier erwähnte, dass er auch noch Septemvir war. Wobei das in gehobeneren Familien wahrscheinlich gar nichts so ungewöhnliches war. Trotzdem nickte er anerkennend und hob schon wieder leicht seinen Becher. "Nicht schlecht. Meinen Glückwunsch! Von einem Platz in einem Kollegium kann ich nur träumen..." Saturninus seufzte leicht und trank noch einen Schluck, diesmal allerdings einen deutlich kleineren als zuvor.

  • Der Iulier schien ziemlich empört zu sein über die Unsitte, die zu leisten sich die Wirte es erlaubten, eine Gefühlsregung, die Piso dem Mann umso sympathischer machte. Dieser Mann war kein Banause. Niemand, der Wein schätzte, und zwar richtig – nicht nur zum Saufen verwendete – konnte so etwas sein. Er grinste. „Etwas hier muss ja echt sein. Wen dem nicht so wäre, hätte die Apicia wohl nur schwerlich den Ruf, das beste Lokal in Rom zu sein. Und vielleicht hat sie wohl wirklich... he!“ Er war der Kellnerin ansichtig geworden und begann, mit seinen Extremitäten, allen vieren, herumzuwedeln in der Luft wie ein Irrsinniger. „He! Fräulein, Fräulein! Huhu!“
    Die Thrakerin schwebte an ihnen vorbei, ein raues „Komm gleich“ murmelnd, und Piso gab seine Bewegungen auf. Komm gleich, er konnte sich schon denken, wie gleich.
    „Nein, sie hat mich schon gesehen...“, stellte er fest und schüttelte den Kopf. „Manche Leute, ich sage es dir. Was sollen wir jetzt machen?“ Er blickte Saturninus ratlos an und zuckte die Schulter. „Leeren wir erstmal unseren Wein. Oder?“ Er trank ein wenig. „Ach geh! Wer findet denn Gladiatorenspiele interessanter als Wagenrennen? Ha, beide nicht schlecht, obwohl, ich habe eine Zeit lang gebraucht, um mich an das ganze Blut zu gewöhnen.“ Er grinste, doch hinter dem Grinsen versteckte sich doch noch innerliche Abscheu vor dem Blutvergießen, wiewohl auch das Spiel mit den Waffen graziös und erstaunlich war – befand er.
    Er nickte vage. „Ein wenig. Ich war mit ihm einmal in der Therme, und dann in einer Taverne. Ein ganz netter Mensch, denke ich. Und, wenn du ihm sagst, du kommst von eurem gemeinsamen Patron, lässt er dich sicher zu ihm.“ Piso dachte sich, dass man das durchaus annehmen könnte. Denn wie hatte Ursus selber es gesagt? Das ganze Leben hindurch bleibt man dem Patron etwas schuldig. Und das konnte man gut abbauen, indem man sich seiner Klienten annahm.
    Er nickte. „Doch, doch, es gibt schon einige. Nicht, dass der Senat damit voll wäre. Vor allem sind es eben Leute, die schon sehr jung Duumviri geworden sind – denn wer zu lange in der Stadt hockt, der fasst keinen Fuß mehr.“ Er schüttelte den Kopf bedauernd. Es gab einige, die versauerten in der Provinz, tja, so war das Leben.
    Er lächelte stolz. „Danke vielmals. Davon träumen? Nun, ich würde sagen, man muss nur wollen, momentan ist der Cultus Deorum nämlich leider ein wenig unterbesetzt.“ Er zuckte die Achseln. „Hast du denn kultische Erfahrungen?“, wollte er wissen.

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