Factio Russata - Trainingslager

  • Zwischen den Feldern rund um die Stadt Rom lagen zahlreiche Villae Rusticae. Eine davon diente der Factio Russata als Stützpunkt, um dort Pferde und Wägen unterzustellen und den Fahrern Möglichkeiten zum trainieren zu geben. Mehrere Stallburschen kümmerten sich um die Pferde und sorgten dafür, dass kein ungebetener Besucher den Tieren zu nahe kam. Die Fahrer kamen in der Regel täglich hierher, um bei den Tieren zu sein und mit ihnen zu üben, manchmal übernachteten die Fahrer auch auf dem Hof, wenn sie nicht in ihre Wohnungen in der Stadt zurückkehren wollten. Trainer hielten einen strengen Blick auf den Tagesablauf, damit die Männer auch bloss das Geld wert waren, dass die wichtigen Leute der Factio in den Rennsport steckten.


    Aber auch in diesem Alltag, der für viele einfache Handwerker wohl schon ungewöhnlich genug gewesen wäre, gab es noch Besonderheiten. Eine davon war, dass nun schon seit Tagen zahlreiche Sklaven für eine besondere Maßnahme auf einem der Felder des Landgutes unterwegs waren. Es waren nicht nur Sklaven, die ohnehin auf dem Landgut arbeiteten, sondern auch Sklaven von anderen Gütern, die von ihren Herren hierher beordert worden waren. Lastkarren, die mit Sand beladen waren, standen auf dem Hof der Villa und warteten darauf, benutzt zu werden. Die Aufgabe der Sklaven klang einfach und war doch aufwändig: Auf dem Feld sollte eine Rennbahn angelegt werden, in ihren Ausmaßen dem Circus Maximus in Rom entsprechend. Es ging nur um die Bahn, in ihrer Breite und Länge und der Beschaffenheit des Bodens. Große Holzpfosten als Wendemarken würden die Spina ersetzen, Tribünen würde es keine geben. Hier sollte schließlich auch gar kein Rennen vor tausenden Zuschauern stattfinden, sondern konzentriert geübt werden können. Feldwege und eine improvisierte kleinere Rennbahn waren den Chefs der Factio offenbar zu wenig gewesen für ein gezieltes Trainingslager, so dass sie sich zu dieser aufwändigen Maßnahme entschieden hatten. Noch lag eine Menge Arbeit vor den Männern, bis der Boden die richtige Beschaffenheit haben würde.

  • Mehrere Tage waren vergangen, in denen die Sklaven mit nur wenigen Pausen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gearbeitet hatten, um den Boden der Rennbahn fertigzustellen. Die Trainer hatten ihn kritisch geprüft, die Fahrer hatten ihn kritisch geprüft und schließlich hatte man Pferde und Wägen über die Bahn fahren lassen um zu sehen, ob es genauso staubte wie im Circus Maximus. Schließlich waren alles zufrieden gewesen und überzeugt, dass man auf dieser Bahn vor der Stadt Rom genauso würde fahren können wie im Circus Maximus selbst. Genaugenommen war dies natürlich gar nicht nötig, denn Rennen wurden auch an anderen Orten gefahren und selbst in Rom gab es mehr als eine Rennbahn und alle waren von unterschiedlicher Größe und Beschaffenheit, aber es zählte wohl auch das psychologische Element. Vielleicht wollte man auch einfach die anderen Factiones beeindrucken und ihnen mit diesem akribischen Training Angst vor den nächsten Rennen machen.


    Während an den Startvorrichtungen noch gearbeitet wurde, drehten die Fahrer schon ihre Runden auf der Bahn. Schließlich gab es eine Menge, was trainiert werden konnte und nur in den seltensten Fällen wurde ein echtes Rennen über sieben Runden gefahren, bei dem die Fahrer alles aus ihren Pferden heraus holten, um den Sieg davon zu tragen. Mal wurden nur Starts geübt, mal besonders enge Wenden gefahren, mal ging es um Verbesserungen an den Wägen, mal sollte die Ausdauer der Pferde gesteigert werden, mal wurde die Position der Pferde im Gespann getauscht, mal gegen die tiefstehende Sonne gefahren. Alles hatte seinen Platz im Trainingsplan und seine Berechtigung, solange es nur zu besseren Ergebnissen im nächsten Rennen führte.

  • Seit Tagen war nun schon auf der improvisierten Kopie des Circus Maximus durch die Fahrer der Russata trainiert worden. Nun stand der erste Härtetest an, in dem die vier Fahrer der Russata in einem Rennen gegeneinander antreten sollten. Aus diesem Anlass war auch Macer hinaus zur Villa Rustica gekommen. Nach dem Leistungsstand der Fahrer war zwar klar, dass Halil Torkebal dieses Rennen wohl gewinnen würde, wenn er keinen Unfall baute, aber darum ging es primär gar nicht. Es ging um Erfahrungen und Experimente unter möglichst realen Rennbedingungen, die Verbesserungen bringen sollten. Der leitende Trainer erläuterte daher auch den anwesenden Mitgliedern der Russata den Plan für das heutige Trainingsrennen: "Halil Torkebal wird heute ein neues Leitpferd testen. Natürlich hat er Anweisung und auch das Ziel, dieses Rennen zu gewinnen, aber ihr dürfte keinen so großen Abstand erwarten, wie er ihn erreichen könnte. Er wird sich im Laufe des Rennens auch mal zurückfallen lassen, damit wir sein neues Leitpferd bei verschiedenen Situationen beobachten können. Proteneas fährt dagegen mit seinem üblichen Gespann. Bei ihm liegt das Augenmerk mehr auf dem Wagen, an dem er zuletzt einige Veränderungen vorgenommen hat. Er soll ein ruhiges und gleichmäßiges Rennen fahren. Auch deshalb, weil er ja normalerweise die Rückenddeckung für Halil macht und auch mal Abwechslung braucht. Mit Amasis und Bagoas gehen schließlich unsere beiden Neulinge erstmal gemeinsam mit den beiden anderen auf die Bahn. Das wird ein echter Leistungstest. Wir haben sie schon ein paar mal gegeneinander fahren lassen, aber diesmal sind eben die beiden anderen als zusätzliche mögliche Störfaktoren auf der Bahn. Wer der stärkere ist, werden wir sehen müssen. Bagoas haben wir schonmal in Rom gesehen, Amasis macht aber insgesamt den stärkeren Eindruck. Wir sind genauso gespannt wie ihr es wahrscheinlich seid." Der Trainer blickte in die Runde und hielt nach Fragen seiner Zuhörer Ausschau. Nachdem alle Fragen beantwortet waren, deutete er auf ein kleines Holzpodest auf Höhe der Ziellinie. "Dort könnt ihr euch hinstellen, um das Rennen zu verfolgen." Und genau das taten die Männer dann auch, während die Fahrer ihre Gespanne in die Startboxen brachten.

  • Ohne das übliche Brimborium, das bei einem echten Rennen an dieser Stelle nun gefolgt wäre, ging es von den Startvorbereitungen ohne Verzögerung gleich auch zum Start. Der leitende Trainer gab das Startzeichen, die Boxen wurden geöffnet und die Fahrer trieben ihre Gespanne auf die Bahn. Den besten Start erwischte eindeutig Proteneas, der allen anderen auf und davon fuhr. Dafür, dass er ein ruhiges, gleichmäßiges Rennen fahren sollte, war er ganz schön dynamisch unterwegs. Dahinter legte sich gleich einmal Amasis mit Halil Torkebal an. Was auf den ersten Blick ganz schön mutig vom Neuling in Reihen der Roten aussah, war bei genauerem Hinsehen wohl eher Halil Torkebal geschuldet, der mit seinem neuen Leitpferd beim Start nicht ganz so optimal wegkam wie gewohnt und nun beim Beschleunigen auch etwas mehr Platz brauchte, als gewöhnlich. Dabei kam er dann eben dem Nachwuchsfahrer in die Quere, der mit einer gesunden Portion Ehrgeiz natürlich nichts davon hielt, respektvoll Platz zu machen. Mit vollem Einsatz beharkten sich die beiden Gespanne die ganze Gerade entlang, bis Halil Torkebal schließlich bei der Wende seine ganze Routine gewinnbringend ausspielen konnte und sich vor den Neuling setzte. Unbeschadet von allem bildete Bagoas zu diesem Zeitpunkt das Schlusslicht und schien das Rennen wesentlich ruhiger angehen zu wollen. Mit Proteneas an der Spitze, der von dem kleinen Duell zwischen Halil Torkebal und Amasis auch noch profitieren konnte, indem er schon einen kleinen Vorsprung herausfuhr, kamen die Fahrer schließlich nach der zweiten Wende zum ersten Mal über die Ziellinie.

  • Proteneas schien die Anweisung seiner Trainer ernst zu nehmen, ein ruhiges Rennen zu fahren. Gänzlich unbeeindruckt von dem Gerangel hinter sich und scheinbar ohne irgendeine Reaktion darauf fuhr er auch in der zweiten Runde ganz stur sein Tempo, als wäre er alleine auf der Bahn. Wenn er nach vorne schaute, sah dies natürlich auch so aus, denn er blieb an der Spitze. Dahinter legte Halil Torkebal nun etwas an Geschwindigkeit zu und bekam sein Leitpferd besser in den Griff. Aber er konnte seine gefestigte Position nur bis zur ersten Wende genießen, denn dann drehte plötzlich Amasis auf. Aus der Kurve beschleunigte er heraus, als hätte ihn und seine Pferde gleich ein ganzer Bienenschwarm gestochen. Selbst dem unerfahrenen Beobachter wurde sofort klar, dass er dieses urplötzliche Tempo nicht ewig würde fahren können, aber für den Augenblick sah es mehr als nur spektakulär aus, wie er geradezu an Halil Torkebal vorbeiflog und ihn hinter sich ließ, als wäre der auf der Bahn festgenagelt. Das würde der Spitzenfahrer der Russata sicher nicht lange auf sich sitzen lassen, aber für den Moment war er zu überrascht, um bis zur nächsten Wende zu einer Gegenwehr anzusetzen. Wie fast immer bei einem Rennen redete er wieder permanent auf seine Pferde ein und wurde jetzt, als er sich plötzlich nur noch auf den dritten Platz hinter zwei vermeintlich schwächeren Factiokollegen wiederfand, dabei etwas eindringlicher, lauter und verbissener. Bei der Wende musste Amasis dann aber wieder Fahrt herausnehmen, so dass es nicht auch noch reichte, im Proteneas vorne in Gefahr zu bringen und daran zu hindern, am Ende der zweiten Runde wieder als erster den Zielstrich zu überqueren. Der einzige, der sich auch weiterhin har nicht in Szene setzen konnte war Bagoas, der nach dem Überraschungsangriff von Amasis nun mir etwas Abstand das Schlusslicht bildete.

  • Die dritte Runde begann zunächst, wie die zweite geendet hatte. Macer und seine Factiokollegen sahen an der Spitze einen Proteneas, der die Anweisungen seines Trainers umsetzte, als hätte er nie etwas anderes getan und bislang ein absolut souveränes, unaufgeregtes Rennen ablieferte. Gegenüber der letzten Runde schien er allerdings ein klein wenig an Geschwindigkeit zugelegt zu haben, damit ihm nicht völlig langweilig wurde. Nur kurz blickte er zwischendurch über seine Schulter und schien zu sehen, dass von hinten keine Gefahr drohte. Denn Amasis hinter ihm konnte man nicht wirklich als ernsthaften Verfolger bezeichnen, dafür schätzte ihn noch niemand in der Factio Russata als stark genug ein. Stattdessen musste er wohl versuchen, den Achtungserfolg, den er mit seinem furiosen Antritt in der letzten Runde erkämpft hatte, so lange wie möglich zu halten und den Platz gegenüber Halil Torkebal zu verteidigen. Aber seinen Pferden konnte man schon ansehen, dass sie die Geschwindigkeit der letzten Runde nicht mehr allzu lange würden gehen können. Macer drückte ihm allerdings die Daumen, dass es zumindest noch für diese Runde reichen würde, zumal Halil Torkebal dahinter zwar wieder an Geschwindigkeit zulegte, aber auch weiterhin schwer mit seinem neuen Leitpferd beschäftigt schien. Offenbar war er sich sicher, dass er den vorlauten Neuling schon rechtzeitig würde überholen können und deswegen nicht sofort zum Angriff übergehen musste, sondern nur auf kurzer Distanz hinter ihm bleiben wollte. Bis zum Ende der Runde gelang ihm das auch einwandfrei, so dass die Fahrer zum dritten Mal über den Zielstrich schossen und sich dabei in der Reihenfolge nichts geändert hatte. Über das Schlusslicht Bagoas würden sich die Trainer sicher noch ganz besonders Gedanken machen müssen, sofern er hier nicht noch zulegte und damit zumindest den Kampf aufnahm, wenn er schon den letzten Platz nicht verlassen konnte.

  • Bis zur Halbzeit des Rennens sah es allerdings nicht so aus, als wenn Bagoas auch nur annährend dieselbe Klasse hätte wie seine Kollegen. Zu groß war inzwischen den Rückstand geworden und noch immer machte er keine Anstalten, zu einer Aufholjagd anzusetzen. Macer wunderte sich ein wenig darüber, denn zweifellos hätten die Trainer ihn nicht mit auf die Bahn geschickt, wenn er von diesem Rennen nicht irgendetwas gewinnen konnte, aber im Moment sah das doch eher nach einem frustrierenden Erlebnis für das Schlusslicht aus. Zumal vor ihm ja Halil Torkebal lag, der nun wohl endgültig mit seinem Leitpferd Frieden geschlossen hatte und bei der ersten Wende der vierten Runde schonmal andeutete, dass er Amasis den zweiten Platz nicht kampflos würde überlassen wollen. Wenn er, wie von den Trainern angekündigt, das Rennen jedoch planmäßig gewinnen sollte, würde er schon bald den ersten ernsthaften Versuch machen müssen. Noch aber konnte Amasis problemlos dagegen halten und seine Position in der Kurve halten. Auch auf der Geraden bis zur nächsten Kurve war für Halil Torkebal kein Vorbeikommen, auch wenn Amasis inzwischen sichtlich an Geschwindigkeit verloren hatte. Er würde jetzt wohl nur noch so lange vorne bleiben, wie es irgendwie möglich war, um danach möglichst kräftesparend ausrollen zu lassen. Für die zweite Kurve dieser Runde reichte das auch noch, denn auch dort konnte er den nächsten Angriff von Halil Torkebal noch abwehren. Da konnten sich die Factiovertreter auf der Tribüne freuen, dass sie wohl in jedem Fall einen Mann von großem fahrerischen Geschick für die Factio gesichert hatten, der einen erkämpften Vorsprung auch verteidigen konnte. Auch dem Fahrer an der Spitze blieben die Kämpfe hinter ihm nicht verborgen, so dass Proteneas wieder etwas an Fahrt heraus nahm, um die Pferde zu schonen. Er rechnete wohl damit, dass Halil Torkebal schon bald den zweiten Platz erobern würde, und dann würde er seine Kräfte noch für die Verteidigung der Führung brauchen.

  • Mit Proteneas an der Spitze, dahinter Amasis im Duell mit Halil Torkebal und als weit zurückhängendes Schlusslicht Bagoas, so ging es in die fünfte Runde. Hätte man Macer vor dem Rennen gefragt, hätte er nicht unbedingt mit dieser Reihenfolge gerechnet, aber das war ja das schöne an Trainingsrennen, dass dort auch einmal unerwartete Dinge passieren konnten, ohne dass man sich zu sehr darüber ärgern musste. Selbst die schwache Leistung von Bagoas war erträglich, wenn man darauf hoffte, dass er daraus irgendwelche Lehren ziehen würde, die ihm beim nächsten echten Rennen von Vorteil waren. Immerhin hatte er es nun geschafft, den Rückstand nicht noch größer werden zu lassen, aber das änderte nichts daran, dass es noch immer einige Längen waren. Bei den Wenden bot sich nun wieder dasselbe Bild wie in der letzten Runde - Halil Torkebal attakierte, Amasis verteidigte. Doch die Erfahrung des Routiniers gepaart mit der Erschöpfung des Jungfahrers machte sich langsam bezahlt und nach der ersten Wende kam Halil Torkebal langsam und Handbreit für Handbreit neben Amasis voran. Er lag zwar auf der ungünstigeren Bahn, aber wenn er bis zum Ende der Geraden gleichauf war, würde er wohl keine Scheu haben, den Nachwuchsfahrer so weit nach Innen zu drängen, dass dieser in der engen Kurve abbremsen musste. Zumindest erwartete Macer das und schaute gebannt auf das Duell. Aber Amasis ließ sich nicht beirren, versucht dagegenzuhalten so gut es ging. Nebeneinander ging es in die Kurve und Amasis gab mit seinem Gespann keinen Fußbreit von der Bahn kampflos auf. Aber auch wenn Halil Torkebal dadurch einen längeren Weg über die Außenbahn gehen musste, als er sich wohl gewünscht hatte, machten seine stärkeren Pferde diesen Nachteil wieder wett. So schossen die beiden Fahrer auch wieder gleich nebeneinander auf die Gerade und Amasis musste einsehen, dass sich sein älterer Factiokollege nun wohl Stück für Stück an ihm vorbei schieben würde, während seine eigenen Pferde am Ende ihrer Kräfte waren.

  • Mit einem knappen Vorsprung vor Amasis ging Halil Torkebal zu Beginn der vorletzten Runde über die Ziellinie und behielt seine hohe Geschwindigkeit weiter bei, um Jagd auf den Spitzenplatz zu machen. Proteneas hielt seinen Vorsprung aber noch für komfortabel genug, keine besonderen Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Noch immer hielt er sich stur an die Vorgabe der Trainer, ein ruhiges, gleichmäßiges Rennen zu fahren. Gelegentlich schaute er sich um, um sich über den Vorsprung zu vergewissern und trieb sein Gespann dann weiter zu einem Renntempo an, das sicher nicht das Maximum des möglichen darstellte. Eindeutig am Ende ihrer Kräfte schienen spätestens nach der ersten Wende dieser Runde aber die Pferde von Amsis sein. Auf der Gegengerade schien er es dast nur noch ausrollen zu lassen und das baldige Ende des Rennens herbeizusehen. Der Kampf mit Halil Torkebal hatte alle Kraft gekostet und seit dieser verloren war, konnte der junge Fahrer keine Kräfte mehr mobilisieren. Genau darauf schien allerdings Bagoas die ganze Zeit gewartet zu haben. Als hätte er sich seine Kräfte nur dazu aufgehoben, jetzt gegen ein völlig ausgepumptes Gespann noch eine bessere Platzierung abzustauben, kam plötzlich Leben in seine Fahrt. Macer war durchaus beeindruckt, wie lange man seine Kräfte offenbar schonen konnte, ohne unruhig zu werden, auch wenn er dieses Verhalten für nicht gerade sehr sportlich hielt. Taktisch war es für ein echtes Rennen sicher nicht verwerflich, aber mit einer so scharfen und gnadenlosen Konkurrenz hatte er für das Trainingsrennen nicht unbedingt gerechnet. Offenbar schienen die Fahrer diese Angelegenheit hier ernst zu nehmen. So ernst, das Bagoas bis zum Ende der Runde seinen Rückstand deutlich verringert hatte, während vorne Halil Torkebal immer näher an Proteneas heran rückte.

  • Auch wenn es nur eine Trainingsrennen war und es bis auf die Offiziellen der Factio Russata und ein paar Sklaven, die die Bahn gebaut hatten, keine Zuschauer gab, so steigert sich zum Ende hin doch die Spannung fast wie bei einem echten Rennen. Würde Halil Torkebal es noch schaffen, auf der letzten Runde auch an Proteneas vorbei zu kommen und doch noch den erwarteten Sieg einzufahren? Würde der mutige Amasis, der so ein tolles Rennen abgeliefert hatte, mit seinem völlig entkräfteten Gespann noch auf der letzten Runde von Bagoas eingeholt werden? Zunächst sah es nicht so aus, als würde das eine oder das andere tatsächlich passieren. Stur wie das ganze Rennen über zog Proteneas an der Spitze seine Kreise und ließ sich durch den immer näher heranrückenden Halil Torkebal nicht aus der Ruhe bringen. Bei der ersten Wende war dieser dann auch nicht annähernd auf Schlagdistanz und schien auch langsam einzusehen, dass der Angriff auf die Spitze wohl doch ein hoffnungsloses Unterfangen war. Ganz anders dagegen am Ende des Feldes, wo Bagoas weiter zu Amasis aufschloss und Druck auf den Kollegen ausübte. Dank der besseren Position hatte der an der vorletzten Wende des Rennens zwar noch keine Mühe, aber auf der Gegengraden musste er dann schon versuchen, aus seinen ausgepumpten Pferden doch noch ein paar Körner Energie zu holen, um diese gute Position eben auch auf die letzte Wende noch behaupten zu können. Immer wieder schaute er sich um, veränderte leicht seine Position auf der Bahn und versuchte alles, um mit den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln den zu erwartenden Angriff von Bagoas abzuwehren. Und es gelang. Auch auf der letzten Wende schaffte Bagoas es nicht, erfolgreich an dem vor ihm liegenden Gespann vorbei zu ziehen. Zwar tauchte er auf der Zielgeraden noch versetzt neben ihm auf, aber es reichte nicht mehr, um auf gleiche Höhe nach vorne zu ziehen, so dass es für ihn auch im Zieleinlauf beim letzten Platz blieb, den er schon das ganze Rennen über gehabt hatte. Und völlig unspektakulär galt dies vorher auch für den ersten Platz. Proteneas konnte einen zwar unerwarteten, aber dennoch glatten und letztlich äußerst souveränen Start-Ziel-Sieg einfahren, nachdem Halil Torkebal an der letzten Wende gleich auf einen weiteren hoffnungslosen Überholversuch verzichtet hatte.


    Betreuer eilten nach der Überfahrt über den Zielstrich auf die Bahn und halfen den Fahrern, die Gespanne zurück zu bringen. Macer und die Kollegen von der Factio-Führung waren gespannt, wie sich die Trainer in der ersten Manöverkritik zu den einzelnen Leistungen äußern würden.

  • In der Besprechung direkt nach dem Rennen, hatten die Trainer in etwa das erzählt, was Macer auch erwartet hätte. Proteneas bekam Lob für seine souveräne Fahrweise und Kontrolle des Rennens. Amasis bekam Lob für seine furiose Leistung und Kritik dafür, dass er die Pferde zu schnell erschöpft hatte. Bei Halil Torkebal wollten die Trainer vor allem wissen, wie er mit dem neuen Leitpferd zurecht gekommen war und welche Probleme es gab. Vorwürfe gab es keine, auch wenn alle am Anfag wohl mehr von ihm erwartet hatten. Dafür musste sich Bagoas für seine sehr zurückhaltende und kraftlose Fahrweise zu Beginn des Rennens einige Kritik gefallen lassen. Macer mischte sich nicht ein, sondern hörte nur zu und beobachtete Fahrer und Trainer. Die Besprechung dauerte auch nicht lange und die Fahrer gönnen sich danach für den Rest des Tages etwas Freizeit.


    Aber schon am nächsten Tag wurde weiter trainiert und Sklaven richteten die Bahn wieder her. Mit einem Trainingsrennen sollte es nicht getan sein, sondern ein weiteres sollte folgen. Unter denselben Bedingungen, um die Schlüsse, die aus den Erkenntnissen des ersten Rennens gezogen wurden, überprüfen zu können. Aber noch waren die Fahrer dabei, eben jene Schlüsse zu ziehen. Halil Torkebal experimentierte weiter mit der Zusammenstellung seines Gespanns, Amasis machte lange Ausfahrten mit seinem Gespann, um Kondition und Krafteinteilung zu verbessern und Proteneas versuchte Bagoas beizubringen, was eine gleichmäßige Fahrweise ist.

  • Einen weiteren Tag später sollte nun das zweite Trainingsrennen mit allen vier Fahrern der Factio Russata stattfinden. Diesmal hatten Macer und viele andere der Verantwortlichen der Factio darauf verzichtet, zur Rennbahn zu kommen. Fahrer und Trainer nahmen die Vorbereitung deswegen nicht weniger ernst, denn natürlich wollte jeder besser abschneiden als im ersten Rennen oder doch zumindest seine gute Leistung bestätigen. Von diesen Eindrücken hing schließlich ab, wer bei den nächsten großen Rennen in Rom mit einem sicheren Startplatz rechnen konnte. Mit teilweise leicht geänderten Anweisungen versuchten die Trainer, den Ehrgeiz der Fahrer wieder in die besten Bahnen zu lenken. Am wenigsten gab es da bei Proteneas zu sagen, der wieder eine gleichmäßiges Rennen fahren sollte wie beim ersten mal. Halil Torkebal hatte auch weiterhin die Freiheiten des besten Fahrers der Factio und hatte sein Gespann noch einmal umsortiert. Bei Amasis und Bagoas ging es letztlich darum, mit ihren Kräften besser zu haushalten.


    Langsam rollten die Gespanne auf die Startpositionen, die Trainer begaben sich auf das kleine Podest, von dem aus sie das Rennen beobachten wollten und die Helfer begaben sich an die Hebel, die den Startmechanismus auslösen sollten.

  • Diesmal gab der leitende Trainer das Startzeichen und die Startboxen wurden freigegeben. Die obligatorische Staubwolke erhob sich, als die Gespanne Fahrt aufnahmen und die Hufe der Pferde auf die Piste zu trommeln begannen. Diesmal erwischte Halil Torkebal einen Start nach Maß, wie man es von ihm gewohnt war und setzte sich gleich an die Spitze. Dahinter folgten dicht an dicht Proteneas und Amasis, und auch Bagoas schien diesmal deutlich besser mithalten zu wollen. Den Start hatte er ein klein wenig verschlafen, aber bis zur ersten Wende hatte er sich schon wieder herangekämpft, so dass drei Fahrer fast gleichauf um die Wendemarke drängten. Auf der Außenbahn hatte Bagoas allerdings keine Chance und musste seine beiden jüngeren Factiokollegen wieder an sich vorbeiziehen lassen. Diese lieferten sich jedoch gleich von Anfang an ein ganz enges Duell und blieben auch auf der Gegengeraden fast auf derselben Höhe. Allerdings schienen nun beiden die Ermahungen ihrer Trainer im Kopf zu haben und noch nicht alles aus ihren Gespannen heraus zu holen. Jeder trieb seine Pferde gerade so weit an, dass er nicht zurück fiel und seinen Kontrahenten durch einen zu großen Vorsprung nicht zu einem Gegenangriff provizierte. So gingen sie auch gleichauf in die zweite Wende der ersten Runde und diesmal konnte Proteneas das Duell ganz knapp für sich entscheiden und einen kleinen Vorsprung herausmanövrieren. Um nicht in der Staubwolke die Sicht zu verlieren, ging Amasis daher auf der Geraden erst einmal etwas auf Abstand, so dass Proteneas den Vorsprung auch bei der ersten Überquerung der Ziellinie mitnehmen konnte. Vorne hatte Halil Torkebal sich aufgrund des Zweikampfs hinter ihm ohne Mühe ebenfalls einen kleinen Vorsprung herausfahren können, während hinten Bagoas offenbar gewillt war, nicht schon wieder sofort den Anschluss zu verlieren.

  • Tatsächlich machte nun Bagoas von hinten kräftig Druck auf den vor ihm fahrenden Amasis und wollte ihn nicht wie im letzten Rennen gleich am Anfang davon ziehen lassen. Beim jüngsten der Russatafahrer rannte er damit aber offenbar offene Türen ein, denn dieser nahm den Kampf ziemlich dankbar auf und machte seinerseits Druck auf Proteneas, der sich blsos nicht zu lange an seinem Erfolg bei der letzten Wende erfreuen sollte. Wie schon in der letzten Runde an derselben Stelle, donnerten auch diesmal die drei Fahrer wieder fast gleichauf um die Kurve, während vorne Halil Torkebal ungestört seinen Vorsprung weiter ausbaute. Diesmal jedoch ließ sich Bagoas nicht einfach auf der Außenbahn abdrängen. Er zog nach innen, Amasis dränge ebenfalls nach innen und Proteneas musste seine günstige Position zugunsten eines zu engen Kurvenradius aufgeben. So konnte Amasis mit einem leichten Vorsprung auf die Gegengerade gehen und der Zweikampf zwischen Bagoas und Proteneas konnte weiter gehen. Bagoas schien es wirklich ernst zu nehmen, sich nicht abhängen zu lassen und legte eine gänzlich andere Leistung als im letzten Rennen hin. Proteneas schien dagegen weiterhin darauf zu vertrauen, dass ein ruhiges Rennen für ihn das beste wäre und verteidigte seine Position nicht allzu aggressiv. Vielleicht wollte er auch einfach nur eine Verletzung seiner Pferde oder die Beschädigung des Wagens vermeiden. An der zweiten Wende nahm er den Zweikampf mit Bagoas zwar wieder an und versuchte, die Ideallinie zu erwischen, setzte dem Angriff seines Gegners aber nicht alles entgegen, so dass tatsächlich diesmal Bagoas die Oberhand gewinnen konnte, so dass sich Proteneas am Ende des Feldes wiederfand. Bagoas nahm den Schwung aus der Kurve dann auch gleich mit, um bis zur Überquerung der Ziellinie auch noch zum vor ihm fahrenden Amasis aufzuschließen.

  • Die beiden Neuzugänge schienen inzwischen richtig Spass am Rennen gegen die beiden anderen zu haben. Sie machten fast den Eindruck, als würden sie sich während der Fahrt dazu verabreden, nun gemeinsam Jagd auf Halil Torkebal zu machen, der bisher ungefährdet an der Spitze des Rennens fuhr. Der machte allerdings nicht den Eindruck, sich von den beiden jungen Männern von dort abbringen lassen zu wollen. Erst einmal musste die beiden aber noch nach hinten schauen, denn Proteneas gab angesichts seiner Platzierung das Vorhaben, ein ruhiges und gleichmäßiges Rennen zu fahren, nun doch auf und wurde nun auch aggressiver. Aus der schlechteren Position heraus hatte er aber gegen Bagoas bei der ersten Wende keine Chance und verlor sogar eher den Anschluss, als dass er aufholen konnte. Amasis und Bagoas brausten davon, kamen aber bis zur zweiten Wende trotzdem kaum nennenswert nach vorne. Und dann scheute plötzlich eines der Pferde von Halil Torkebal. Aus dem Nichts heraus, ohne jeden erkennbaren Anlass, versuchte es aus dem Gespann auszubrechen und brachte damit die anderen Tiere gehörig durcheinander. Halil Torkebal hatte Glück, dass keines der Tiere ins Straucheln geriet und stürzte, denn das hätte das Ende des Rennesn bedeutet. Stattdessen pendelte sein Wagen zum Rand der Bahn und verlor stark an Geschwindigkeit, dann wurde er plötzlich wieder schneller. Halil Torkebal schien in diesem Augenblick nicht wirklich Herr der Lage zu sein und machte gleichermaßen von der Peitsche und seiner Stimme Gebrauch. Im voll besetzten Circus Maximus hätte man davon schwerlich etwas gehört, aber hier, auf der ansonsten fast menschenleeren Bahn, waren seine wilden Kommandos an die Pferde deutlich zu hören. Unbeirrt nutzten Amasis und Bagoas dagegen die Störung, zogen vorbei und überquerten als erste und zweite die Linie am Ende der dritten Runde.

  • Den dritten Platz hatte Halil Torkebal nach dem Aussetzer seiner Pferde zu Ende der Runde gerade noch so gegen Proteneas über die Linie retten können, musste ihn aber nun doch abgeben. Am Ende des Feldes fand er die nötige Ruhe, seine Pferde wieder in die Spur zu bringen. Sie liefen ein ganzes Stück langsamer, aber immerhin wieder alle in dieselbe Richtung. Wäre er nicht mit seinen Pferden beschäftigt gewesen, hätte Halil Torkebal vor sich auch ein weiteres spannendes Duell zwischen Amasis und Bagoas beobachten können. Letzterer fuhr wirklich ein völlig anderes Rennen als beim ersten Trainingslauf und machte sich nun sogar daran, Amasis von der Spitze zu verdrängen. Der hatte allerdings naturgemäß einiges dagegen und schenkte seinem Factiokollegen nichts. Profiteur der Rempeleien an der Wende war aber schließlich Proteneas, der nun wieder heran kam, ungestört Schwung nehmen konnte und schließlich erst an Bagoas und dann auch an Amasis vorbei flog. Die beiden waren davon aber nur kurzzeitig geschockt, nahmen die Verfolgung wieder auf und ließen im Zweikampf gegeneinander nicht nach. Auch bei der zweiten Wende gab es Rempeleien zwischen den beiden Fahrern und wieder zog Bagoas den Kürzeren. Taktisch schien Amasis eindeutig der geschicktere von beiden zu sein, der einfach die besseren Angriffe setzte und besser auf die Aktionen seines Gegners reagierte. Er behielt die Nase vorn und Bagoas musste sich einmal mehr mit der ungünstigeren Bahn begnügen. Und dann war plötzlich Halil Torkebal wieder da. Fast unbemerkt hatte er sich angeschlichen, nachdem er sein Gespann wieder unter Kontrolle gebracht hatte. Als wäre nichts gewesen, donnerte er nun wieder um die Kurve und ließ noch vor dem Erreichen der Zielgerade Bagoas hinter sich. Das stärkste Gespann war wieder zurück im Rennen.

  • Nächstes Opfer von Halil Torkebals Aufholjagd wurde wenig später Amasis. Ihm gingen zwar offensichtlich noch nicht wie beim letzten Rennen schon jetzt die Kräfte aus, aber ein gekonntes Manöver bei der Wende reichte dem Routinier, um am jüngsten Neuzugang der Roten vorbei zu kommen und den zweiten Platz wieder einzunehmen. Mit diesen Platzierungen beruhigte sich das Rennen dann anscheinend ein wenig, als wollte es noch einmal durchatmen für das große Finale. Proteneas fuhr nun wieder wie beim letzten Mal ein ruhiges Rennen an der Spitze, rechnete aber sicher noch mit einem finalen Angriff von Halil Torkebal. Den dieser sicher auch versuchen würde, wenn der Aussetzer in Runde drei seine Pferde nicht zu viel Kraft gekostet hatte. Dahinter rückten Bagoas und Amasis wieder etwas zusammen und Bagoas schien es nicht auf sich sitzen lassen zu wollen, bisher in jedem Zweikampf mit Amasis der unterlegene Fahrer gewesen zu sein. Noch war er nicht in Angriffsreichweite, aber mit großer Kraft trieb er seine Pferde nach vorne, um sich für die verbleibende zwei Runden die Möglichkeit für weitere Attacken zu sichern. Noch reichte es aber nicht, so dass er als Schlusslicht in die zweite Wende und später auch über die Ziellinie ging. Die Trainer beobachteten alles ganz genau und machten sich hier und da sogar Notzien, um in der Besprechung nach dem Rennen bloss kein Detail zu vergessen, auf das sie ihre Schützlinge hinweisen konnten. Schließlich ging es hier nicht um den Spass, sondern um Erfahrungen für kommende Rennen, bei denen die Russata möglichst gut abschneiden sollte.

  • Es ging in die vorletzte Runde des Trainingsrennens und noch machte es den Eindruck, als wäre für jeden der Fahrer einiges möglich. Aussetzer hatte es schon gegeben und spannende Duelle und bis auf Bagoas hatte jeder Fahrer schon einmal an der Spitze des Feldes die Ziellinie überqueren können. Dass Bagoas aber tatsächlich auch noch die Möglichkeit haben würde, das Feld anzuführen, war dann doch recht unwahrscheinlich. Zu häufig hatte er in den Kämpfen mit Amasis schon den Kürzeren gezogen. Auch an der ersten Wende dieser Runde versuchte er es wieder, erwischte auch eine gute Bahn, so dass auch Amasis ein klein wenig nachgeben musste, aber letztlich ging der Zweikampf an dieser Stelle nur unentschieden aus. Gleichauf donnerten die Wägen die Gegengerade entlang, ohne dass sich eines vom anderen Absetzen konnte. Die Pferde waren also wohl gleich stark, so dass das fahrerische Können entscheiden musste. Halil Torkebal konnte sich dagegen inzwischen wieder auf sein starkes Gespann verlassen, dass seinem Kontrahenten Proteneas Stück für Stück seine Führung abnahm, so dass er letztlich ziemlich komfortabel die zweite Wende dazu nutzen konnte, vorbeizuziehen und die Führung zu übernehmen. Ein unspektakuläres Manöver, aber routiniert und effizient. Ganz anders ging es wenige Augenblicke später zu, als auch die beiden Neuzugänge der Russata diese Wende fuhren. Gegenseitig versuchten sie sich die beste Fahrlinie streitig zu machen, kamen mit ihren Gespannen aneinander und mussten aufpassen, dass sie nicht beide den Abflug machten. Am Ende setzte sich dann aber doch wieder Amasis durch, der Bagoas aus seiner Spurt drängen konnte, so dass ihm wieder nur das Nachsehen blieb. Am Kampfgeist mangelte es ihm nicht, aber offenbar am Können, um einen engen Zweikampf auch einmal für sich zu entscheiden. So blieb es weiterhin bei seinem letzten Platz, während nun Halil Torkebal die Fahrer für die letzte Runde über die Ziellinie führte.

  • Wenn ihm jetzt nicht noch einmal ein Patzer seines Gespanns dazwischen kam, konnte sich Halil Torkebal bald über seinen Sieg in diesem Trainingsrennen freuen. Sein Gespann war eindeutig schneller als das seines Verfolgers Proteneas, der ganz offensichtlich auch auf eine allzu scharfe Verfolgungsjagd verzichtete. Vielleicht wollte er sich wieder an die Vorgaben der Trainer halten, ein gleichmäßiges Rennen zu fahren, vielleicht wollte er auch einfach sein Gespann nicht unnötig überlasten, zumal ein Zweikampf ja auch immer das Risiko einer Karambolage beinhaltete, bei der Pferde, Wägen oder Fahrer Schaden nahmen. Also fuhr er gerade so schnell, dass Amasis hinter ihm nicht noch einmal an ihn heran kommen konnte, um auch hier jedem unnötigen Duell aus dem Weg zu gehen. Amasis wiederum hatte sich mit dem gelungenen Manöver bei der letzten Wende etwas Luft verschafft, denn Bagoas fuhr nun wieder ein kleines Stück hinter ihm. Das sicherte ihm auch für die vorletzte Wende des Rennens die bessere Position, so dass er seinen Platz diesmal ohne Mühe halten konnte. Bei Bagoas ließen nun aber doch entweder die Kräfte oder der Kampfgeist nach, denn auf der Gegengeraden kam er nicht noch einmal heran. So musste er sich bei der zweiten Wende ebenfalls wieder mit der schlechteren Ausgangslage begnügen und konnte damit auch das zweite Trainingsrennen wenig später nur als letzter beenden. Vor ihm war Amasis über die Ziellinie gegangen, der damit gegenüber dem ersten Rennen außer einer Menge Erfahrung aus den Kämpfen mit Bagoas und einer zwischenzeitlichen Führung auch keine Verbesserungen mitnehmen konnte. Proteneas schnitt vor ihm als zweiter schlechter ab als im ersten Rennen, war damit aber augenscheinlich nicht allzu unzufrieden, während Halil Torkebal über seinen Sieg sichtlich erleichtert war. Zwei Trainingsrennen ohne Sieg hätten zweifellos an seinem Ego gekratzt, aber mit einem Sieg trotz Problemen mit seinem Gespann war seine Welt wieder in Ordnung.

  • Kaum waren alle Gespanne über die Ziellinie, kamen wieder die Betreuer und Trainer auf die Bahn, nahmen die Fahrer in Empfang und kümmerten sich um die Pferde. Die meisten wollten erst einmal wissen, was denn mit den Pferden von Halil Torkebal in der dritten Runde los gewesen war und rasch wurden die Hufe des verdächtigen Pferdes kontrolliert, ob es vielleicht irgendwo rein getreten war. Aber auch Amasis und Bagoas durften sich für ihre Zweikämpfe Lob und Anerkennung abholen. Während die Pferde noch ein wenig Auslauf bekamen, trottete schließlich der Tross aus Fahrern, Trainern und Wägen langsam zurück zur Villa rustica, wo die Fahrer sich erholen und mit ihren Trainern das Rennen nochmal in allen Details diskutieren konnten.

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