Säulengang | Blumen über alles...

  • Mit der Köchin war sie soeben auf dem Forum gewesen und hatte nach duftenden Blumen Ausschau gehalten. Doch keiner der anwesenden Händler hatte Blumen angeboten noch verkauft. Kopfschüttelnd war sie neben der Köchin wieder heimgegangen. Damit war ihr Plan hinfällig geworden, domina Septima eine Freude zu machen. Tja.. und jetzt? Grübelnd saß Marei mit Puppe Nina auf ihrem Bett und dachte angestrengt nach, wie sie ihren Plan verwirklich konnte. Ihr Blick fiel auf die schwere Truhe mit den Mosaiksteinchen... aber ja! Das war es!


    Marei warf sich das Tragetuch um, in dem sie Nina immer auf dem Rücken trug und schnappte sich die schwere Truhe. Mit viel Mühe schaffte sie es bis in den Säulengang und wählte eine Stelle aus, die von der Sonne beschienen wurde. Es war nicht sehr weit bis zu dem Eheschlafzimmer der Erwachsenen. So oder so konnte domina Septima gar nicht übersehen.


    Die Schuhe lagen neben dem kleinen Mauerstück, welche den Säulengang vom inneren Viereck abtrennten. Marei stand direkt vor dem niedrigen Mauerstück und suchte die Mosaikstück-Farben heraus, die sie für das 'Blumenbild' brauchte. Wieder lag ein Lied auf ihren Lippen, während sie emsig an ihrer Überraschung werkelte. Puppe Nina saß stumm zuschauend neben der Truhe.


    Löwenzahn, sag an, an, an, ob dein Zahn auch beißen kann.
    Fingerhut, ach je, je, je, reichst der Biene bis zum Zeh.
    Glockenblume, kling, kling, kling, Glöckner ist der Schmetterling.
    Mohn im Korn, so rot, rot, rot, kostbar ist das liebe Brot.
    Butterblume, muh, muh, muh, morgen kommt die schwarze Kuh.

  • Marei werkelte fleissig an dem Blumenbild, wiederholte zugleich das Liedchen noch ein paar Mal auf unterscheidliche Weise: mal leise, mal laut, mal summend. Als letztes versuchte sie die Melodie zu pfeifen und ärgerte sich darüber, dass das Pfeifen nicht so gut klappte, wie sie wollte.
    "Löwenzahn, sag an, an, an, ob dein Zahn auch beißen kann. Fingerhut, ach je, je, je, reichst der Biene bis zum Zeh. Glockenblume, kling, kling, kling, Glöckner ist der Schmetterling. Mohn im Korn, so rot, rot, rot, kostbar ist das liebe Brot. Butterblume, muh, muh, muh, morgen kommt die schwarze Kuh." "Ach mennoo.." brummelte sie mißmutig.


    Sie trat einen Schritt zurück und begutachtete das Mosaik mit kritischem Blick. "Die Blumen sind ganz alleine auf der Wiese.. hmm.. vielleicht brauchen die ein Haus? Was meinst du, Nina?" plauderte das kleine Sklavenmädchen mit ihrer handgefertigten Puppe. "Wie.. kein Haus? Was willst denn dann? Was sollen denn Tische und Klinen auf der Wiese? Hmm.. willst du ein Wiesenfest? Aber das finde ich nicht gut.. dann werden die schönen Blumen zertrampelt. Weisst du was? Ich mach eine Mauer drum. Ja genau.. du weisst schon, ne? Ich mach den dicken Wall nach... braun oder schwarz? Jaja, ist ja gut, ich nehme braune Steine! Pft.. eigentlich bräuchte ich Hölzchen... diese langen Stiele zum Anzünden. Soll ich welche holen? Neein.. was denkst du denn.. ich werd nicht zündeln." Marei stand direkt vor Nina. "Das ganze soll doch für die Herrin sein..."

  • Wieder einmal hatte Septima viel Zeit beim schreiben von Briefen verbracht, weshalb sie sich unbedingt ein wenig die Beine vertreten wollte. Das ewige sitzen tat ihr nicht gut und ließ die Glieder schwer werden, weshalb sie nun etwas Erholung im Säulengang des Praetorium suchte. Frija folgte ihrer Herrin, allerdings ohne von dieser wahrgenommen zu werden.
    Septima horchte auf, als sie eine Stimme vernahm und kurz darauf Marei auf dem Boden des Peristylganges sitzen sah. Das Kind war über und über von bunten Mosaiksteinen umgeben und vor ihm endstand nach und nach ein buntes Blumenbild. Langsam trat die Hausherrin näher heran und je näher sie dem Bild kam, um so mehr breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus.
    „Wie ich sehe, verschönerst du den Boden des Peristylum mit einem Kunstwerk der besonderen Art.“ Sie blieb vor dem Mädchen und seinem Bild stehen und schaute auf beide herab. „Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn du dein Mosaik auf einem tragbaren Untergrund erstellt hättest? So wird es spätestens heute abend wieder zu nichte gemacht.“ Leichtes Bedauern lag in ihrer Stimme, denn das Mädchen hatte Talent und das Bild von ein bunten Blumen auf einem grünen Hintergrund war hübsch anzuschauen.

  • Erschrocken drehte sie sich um. Sie hatte die nette Herrin nicht kommen gehört, weil sie noch mit Nina über das Zündeln diskutierte. Grüne Augen streiften Septimas Blick, bevor sie eilig zu Boden sah. "Ja, Herrin, ich mache ein Blumenbild für euch zum euch eine Freude machen." erklärte Marei in einem langen Satz. Sie sah auf das Mosaik, kaute nachdenklich auf den Lippen herum. "Mhm.. stimmt, domina, heute abend wird es kaputt gemacht, weil nichts rum kugeln, aähm.. liegen darf. Das ist schade, finde ich. Dann hält sich die Freude nicht lange hier auf um euch zu erfreuen. Wo finde ich denn einen tragbaren Untergrund? Mein kleiner Karren steht in Rom... ehm, dieser gehört natürlich euch, weil das Material ihr gestellt habt. Cimon hat mir gesagt, dass Euch alles gehört und ich vorher immer fragen soll." Scheu sah Marei auf, um einen Blick von der Herrin zu erhaschen und sah Frija. "Salve, Frija!" piepste Marei.

  • Frija nickte Marei lächelnd zu und verfolge einzig mit den Augen das Gespräch zwischen dem Kind und ihrer Herrin.
    „Wirklich, ich bin erstaunt, Marei. Du scheinst Talent im Umgang mit Mosaiksteinen zu haben und eine gute Vorstellungsgabe, denn das Bild muß bereits in deinem Kopf existiert haben, bevor du es mit den Steinen zum Leben erweckt hast. Und ja, ich erfreue mich durchaus daran.“ lobte Septima das Mädchen und betrachtete erneut genau das Bild. „Mhm, welchen Untergrund du nehmen könntest? Vielleicht eine Holzplatte? Die ist nicht so schwer und du hättest ein transportables Bild.“ schlug sie ihr vor. „Ich bin mir sicher, Cimon kann aus ein paar Brettern eine gute Größe für dich erstellen.“
    Freundlich blickten die braunen Augen der Tiberia das Kind an. Hatte sie sich überhaupt schon mal ausführlich mit dem Kind unterhalten? Wohl eher nicht. „Komm bitte mit mir mit, Marei.“ forderte Septima kurzerhand die junge Sklavin dazu auf, ihr durch den Peristylgang zu einer Sitzbank zu folgen. Dort angekommen setzte sie sich und forderte Marei durch das Klopfen ihrer Hand auf den Platz neben sich dazu auf, es ihr gleich zu tun.
    „Hast du schon immer gern Bilder aus Mosaiksteinen gebastelt? Oder kannst du sogar malen?“

  • Frija nickte ihr zu. "Och, ich habe mich an die Blumenwiesen errinnert, die ich gesehen habe, als wir aus Rom rausgefahren sind und mir die Farben der Blumen gemerkt. Ich kann mich gut an die Wiesen errinnern, weil ich noch nie Wiesen gesehen habe." erzählte Marei in einem Atemzug. Eine Holzplatte groß genug für ihre Arme?? "Gute Idee, ich werde ihn fragen, dickes Danke, Herrin!" bedankte sich Marei auf ihre eigene sprachliche Weise.


    "Ja, Herrin." Nach der Aufforderung Septimas ihr zu folgen, nahm sie Puppe Nina an sich. Marei setzte sich neben der Herrin auf die Bank und setzte die Puppe auf ihren Schoß. "Nein, ich habe noch nie mosaikt.. und gemalt.. ehm.. habe ich nur ein einziges Mal. An die wand über Cimons Bett, damit er weiss, wo ich gerade stecke. Ich glaube, er hat es schon wieder weggewischt." gab Marei preis und streichelte Ninas helle Haare. "Man sagt, zum Malen braucht man viel mehr dazu... sogar Wasser! Wiesst du, auf meinen Steinen sind die Farben schon drauf und deshalb kann ich draufloslegen."

  • Septima nickte verstehend zu den Erläuterungen von Marei, woher sie die Idee für das Bild hatte. ‚Also hat sie es aus ihrer Erinnerung heraus gemacht. Schade, dann steckt vielleicht doch keine Künstlerin in ihr.’ dachte sie leicht enttäuscht bei sich. Doch einen Versuch war es alle mal wert. Wenn sich unter ihren Sklaven auch nur ganz vielleicht ein Künstler verbergen mochte, dann wollte Septima auch etwas dafür tun, diese Kunst zu fördern. „Ich werde sehen, ob sich nicht eine Wand finden lässt, auf der du deinen Vorstellungen oder Erinnerungen mehr Farbe geben kannst, als ausgerechnet in Cimons Kammer.“ schlug sie dem Kind freundlich vor, während sie beide auf der Bank Platz nahmen.
    „Sag mal Marei, woher hat Celerina dich eigentlich erworben? Also, wie bist du zu ihr gekommen?“ begann Septima ihre Befragung und gab gleichzeitig ein kurzes Zeichen mit der Hand, dass man ihr etwas zu trinken bringen sollte. Frija gab die stumme Anweisung ihrer Herrin an einen Sklaven weiter und wartete bis das dieser mit einer Auswahl an Getränken zurück kam. Flink goss sie für Septima eine Mischung aus Saft und Wasser in einen Becher und reichte ihn stumm ihrer Herrin.
    „Möchtest du auch etwas zu trinken, Marei?“ fragte Septima das Kind und überließ es Frija, den Wunsch der Kleinen zu erfüllen.

  • "Du wirst sehen, ob du..?" Marei staunte über die tollen Einfälle von Ursus Ehefrau. "Au backe.. das wäre toll... nein ganz toller." Gabs überhaupt eine Steigerung von 'toll'? Egal! Sie hatte ein neues Wort erfunden und steckte es in ihren Wortschatz mit dazu. Fröhlich lächelnd stimmte sie Septimas Erklärungen zu. "Ganz ehrlich.. es war ein ganz kleines Bildchen an der Wand über seinem Bett." Ihr Lächeln verschwand, als Septima sie nach ihrer Vergangenheit und somit auch nach ihrer Mam fragte. Das kleine Sklavenmädchen konnte sich nicht mehr an ihre Mutter errinnern.. diese Errinnerung war verblaßt. Sie lehnte sich zurück, blickte auf das selbst erstellte Mosaik.


    "Das ist eine ganz lange Geschichte. Ich komme aus den dreckigsten Gassen von Roms. Meine Mam hat mich, bis ich laufen konnte, immer auf dem Rücken tragend zur Arbeit mitgeschleppt. Ich weiss gar nicht, was sie gearbeitet hat, weil ich meistens schlief. Weißt du, sie hat mir immer seltsam schmeckende Milch gegeben und von dieser wurde ich furchtbar müde. Irgendwann habe ich gesagt, ich will die Milch nicht mehr trinken, aber sie hat mich gezwungen sie zu trinken. Ich habe mich gewehrt. Dann hat Mam aufgehört sie mir zu trinken zu geben. Mir wurde ohne die Milch ganz ganz schlecht, bis ich sie angefleht habe, mir wieder die Milch zu geben. Mam sagte, sie hätte kein Geld mehr dafür und ich wäre deswegen einem Mann versprochen, der diese komische Milch besitzen würde. Ich musste bei dem Herrn einziehen und als Bote für die Milch arbeiten. Mam habe ich nie wiedergesehen. Immer wenn ich unterwegs war, habe ich nach ihr ausgeschaut und gefragt. Ich hörte, sie würde in ganz besonderen Häusern arbeiten, wo Frauen mit Männern im Bett rummachen. In diese Häuser dürfen kleine Kinder wie ich nicht rein... Also gab ich die Suche nach ihr auf und arbeitete für meine Milch. Irgendwann (ich habe nichts angestellt) hat der Herr gesagt, er muss mich auf dem Sklavenmarkt verkaufen, weil er kein Geld für meine Milch hat. Dort hat Celerina mich gesehen und gekauft. Sie hat verboten, dass ich wieder diese Milch kriege. Ich wurde deshalb krank.. aber Cimon pflegte mich wieder gesund. Nach einigerZeit hat die Herrin Celerina mich an Ursus und dich weiterverschenkt... aber das weisst du ja selber." Marei stellte wiede reinmal fest, dass reden durstig machte, nickte artig. "Ja gerne.. ich möchte bitte dasselbe, Frija."

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