atrium | Lieber Besuch - TS, FC et MAC

  • Der junge Sklave führte die domina ins atrium, versorgte sie mit einer Erfrischung, sorgte dafür, daß sowohl Hausherr als auch die Dame des Hauses von der Ankunft Septimas unterrichtet wurden und ließ ihr Gepäck in eines der Gästezimmer bringen.

  • Wohlig seufzend ließ sich Septima auf einem der Korbsessel nieder und nahm einen Becher mit verdünntem Wein entgegen. Ihre Kehle konnte durchaus etwas Feuchtigkeit vertragen und ihrem Gefühlsdurcheinander würde der Alkohol gewiss gut tun. Septima empfand Freude darüber, alle Aurelier wieder zu sehen. Besonders die Damen des Hauses, unter ihnen Prisca, Celerina, Flora und Narcissa, hatte Septima sehr vermisst seit ihrer Abreise nach Rom. Gewiss gab es viel zu erzählen, was keinen Platz in einem Brief gefunden hatte. Prisca hatte von ihrer Liebe zu einem Flavier geschrieben, welcher Septima weiter auf den Grund gehen wollte und Corvinus sprach davon, dass seine Ehe mit Celerina noch immer nicht mit einem Kind gesegnet worden war. Erfreuliches und weniger erfreuliches gab es zu erfahren und Septima würde versuchen, ihrer Freundin Celerina ihren eigenen, glücklichen Zustand nicht all zu sehr unter die Nase zu reiben.


    Allerdings konnte kein noch so guter Vorsatz das Offensichtliche verbergen. Der Gürtel der jungen Tiberia passte nicht mehr um die Taile, da der leicht gewölbte Bauch, in dem das Kind in ihr heran wuchs, dies zu verhindern wusste. Außerdem leuchteten nicht nur die braunen Augen der werdenden Mutter, sondern auch ihr Haar wiß eine Fülle und einen Glanz auf, wie es nur Frauen in der Schwangerschaft vergönnt war. Dabei fühlte sie sich kein bisschen unwohl und der Bauch behinderte sie nicht sonderlich. Still vor sich hinlächelnd dachte Septima über ihr Leben nach der Geburt des Kindes, welches hoffentlich ein Sohn und Stammhalter für Titus werden würde, nach, während sie auf die Begrüssung durch den Hausherrn, oder eines anderen Familienmitgliedes wartete.
    Das Baldemar sich in die culina zurückgezogen hatte, war ihr gar nicht weiter aufgefallen. Es scherte sie für gewöhnlich nicht, wo sich ihre Sklaven aufhielten, so lange sie sie nicht benötigte.

  • Sie war nun also schon da. Ich bedankte mich bei Minus und schickte den Knaben weiter zu Celerina, dann saß ich noch eine Weile nachdenklich im Arbeitszimmer und fragte mich, wie ich Septima am besten begegnen konnte, ohne unhöflich zu werden. Ich selbst machte dieser Tage wohl nicht den besten Eindruck, war müde und abgespannt und zermürbt. Dennoch gebot es nicht nur die Gastfreundschaft, sondern auch die Etikette, Septima gebührend zu empfangen und nicht allzu lange warten zu lassen, und so erhob ich mich bald, um sie zu begrüßen - obgleich ich noch immer nicht wusste, wie ich ihr am günstigsten begegnen sollte. Eines aber hatte ich mir vorgenommen. Ich wollte nach Möglichkeit vermeiden, ihr auf den Bauch zu starren, denn das würde die Gedankensteine ins Rollen bringen, und das wollte ich vermeiden.


    Septima saß bereits im atrium, ein aufmerksamer Sklave hatte ihr etwas zu trinken und einen Happen zu essen angeboten und holte nun gerade letzteres. Warum man das Familienmitglied nicht gleich in etwas bequemere Gefilde geleitet hatte, aededis oder triclinium allfällig, diese Frage stellte sich mir auf dem Weg zu ihr. Septima saß seitlich gedreht zu mir da, so dass einem das Kind unter ihrem Herzen sogleich ins Auge sprang, wenn man sich gestattete, hinzusehen. Ich heftete meinen Blick geradewegs auf die Augen der Tiberia und zauberte im Gehen ein Lächeln auf mein Gesicht. "Septima", grüßte ich sie und beugte mich zu ihr hinunter, damit sie nicht aufstehen musste. Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange und nahm ihr gegenüber Platz, während ich mich nach der Reise erkundigte. "Schön, dich zu sehen. Wie geht es dir? Wie war die Reise?" In ihrem Zustand hätte ich Celerina niemals allein durch halb Italien reisen lassen, Leibwache hin oder her. So viele Leibwächter hätte das halbe imperium nicht aufbieten können, wie da meiner Meinung nach notwendig gewesen wären, und dann blieben immer noch das lange Sitzen und die Strapazen der Reise, das Ruckeln auf den Wegen und all die Gefahren, die einer werdenden Mutter sonst noch gefährlich werden konnten.

  • Mir ging es nicht gut, als Minus mich von Septimas Ankunft informierte. Am Morgen war ich schon mit Kopfschmerzen und einer dezenten Übelkeit erwacht. Auch das Frühstück, welches wegen meines Zustandes eher spärlich ausgefallen war, hatte daran nichts ändern können. Mein Unwohl sein hatte nichts mit dem erwartenden Kommen Septimas zu tun, auch wenn es vielleicht den Anschein hatte.
    Trotzdem wäre es sehr unhöflich gewesen, sie nicht zu empfangen. In einem Haus wie diesem, in denen alle Einwohner, seien es nun Sklaven oder auch Freie, so dicht aufeinander lebten, daß es manchmal erdrückend wirkte, hätte dies nur wieder Anlaß zu Spekulationen gegeben.
    Also begab ich mich in Begleitung des Sklavenjungen zum atrium. Wie ich dort feststellen konnte, hatte Marcus sie bereits in Empfang genommen. Ich war sehr froh, daß er mir das er mich hierbei unterstütze und mir die Begrüßung nicht alleine aufbürdete.
    Bevor ich mich in einen der Korbsessel neben Sptima sinken ließ, begrüßte ich sie, so freundlich es eben ging. Auch ich beugte mich zu ihr herab, um ihr einen leichten Kuß auf die Wange zu geben.
    "Septima! Welch eine Freude, dich zu sehen! Ich hoffe, du hattest eine gute Reise!" Meine müden Augen versuchten zu strahlen, auch wenn ihnen das nicht wirklich gelingen wollte.
    Als ich nun neben ihr saß, blieb es nicht aus, daß mein Blick über ihren Körper und somit auch über ihren Bauch fiel. Natürlich war schon etwas zu sehen und jetzt, da sie so da saß, erst recht!

  • Der Hauherr persönlich erschien, um sie zu begrüssen und Septima kehrte aus ihrer Gedankenwelt in die reale Welt zurück. Schnell stellte sie den ihr gereichten Wein bei Seite und erwiderte strahlend die freundliche Begrüssung durch Corvinus. Als er sich zu ihr hinabbeugte um ihre Wange zu küssen, berührte sie ihn leicht am Arm und erwiderte die Geste ebenso. Ein wohlig warmes Gefühl blieb zurück und Septima fühlte sich sogleich willkommen. 'Wieso habe ich mir überhaupt Sorgen gemacht?' ging es ihr kurz durch den Kopf, doch gleich darauf mußte sie an Ursus denken, der sich mal darüber beklagt hatte, dass sein Onkel seine Gefühle nicht offen zeigte. Also konnte das Lächeln auf den Lippen des Aureliers auch falsch sein? 'Ach was, gewiss sind Celerina und er nicht begeistert über meine Schwangerschaft, aber deshalb bin ich immer noch die selbe, und diese Person mochte er, oder?' Das zuvor noch angenehme Gefühl, zu der Familie der Aurelier dazu zu gehören, verflog und machte einem nervösen Kribbeln in der Magengegend platz. „Salve Corvinus.“ erwiderte Septima mit ruhiger Stimme, der man ihre Nervosität nicht anmerkte. „Es geht mir ausgezeichnet und die Reise war nicht der Rede wert. Alles ruhig und friedlich.“ winkte sie seine Frage ab und wollte sich gerade nach Celerina erkundigen, als diese ebenfalls im Atrium erschien.
    Ebenso wie ihr Gemahl, beugte sich die Flavia zu Septima herab, so dass diese sich nicht, für Schwangere durchaus unangenehm, aus dem Sessel hiefen mußte. Die Erwiderung der Begrüssung fiel ein wenig herzlicher aus, als bei Corvinus, denn Septima freute sich – im Gegensatz zu Celerina – sehr darüber, die Flavia wieder zu sehen. „Ich freu mich auch, dich wieder zu sehen... ähm... euch wieder zu sehen.“ verbesserte sie sich mit einem kurzen Blick zum Aurelier schnell noch und erwiderte das Küsschen auf die Wange. „Und ja, die Reise war durchaus angenehm.“ So angenehm, wie es für eine Frau in einem Reisewagen, egal ob schwanger oder nicht, eben sein konnte. „Ich bin froh, dass ihr mich in eurem Haus aufnehmt, denn ich beabsichtige die Baustelle von Titus' Haus häufiger zu besuchen. Da ist die Nähe zur aurelischen Villa von großem Vorteil.“ Zwar hatte sie dies auch schon in ihrem Brief an Corvinus geschrieben, doch wollte Septima sich noch einmal erklären und das ungute Gefühl, dass sie sich vielleicht doch falsch entschieden hatte und eine Unterbringung in der tiberischen Villa weniger Konfliktpotential gehabt hätte, verdrängen.
    „Wie steht es um die anderen Familienmitglieder? Verbringen alle ihren Sommer hier?“ Was Septima etwas merkwürdig erschien, aber ihr durchaus entgegen kam. Um nicht aus lauter Verlegenheit – die Stimmung schien nicht gerade die entspannteste zu sein – ständig mit den Händen über ihren Bauch zu streicheln - was Septima sehr gerne und häufig auch unterbewußt tat - griff sie wieder nach ihrem Weinbecher und nahm einen Schluck davon, während sie auf die Antworten von Corvinus und Celerina wartete.

  • Septima nannte mich immer noch Corvinus, obgleich sie nun schon eine geraume Weile zur Familie gehörte. Ich störte mich daran nicht, es kam mir nur vor, als distanziere sie sich absichtlich, doch sicher sein konnte ich mir nicht. Die Reise war ganz offensichtlich angenehm verlaufen - nun ja, so angenehm eine Reise in ihrem Zustand und überhaupt eben sein konnte.


    Als Celerina hinzu kam, betrachtete ich sie aufmerksam. Sie hatte sich gut im Griff, auch wenn ihr Blick zu Septimas Bauch glitt und ich meinte, die Sehnsucht darin erfassen zu können. Vermutlich aber spielte mir auch mein Wissen einen Streich und ich interpretierte in ihr Verhalten etwas hinein, das sie nicht zeigte. Meine Frau setzte sich neben die Tiberierin, und somit saß ich den beiden gegenüber. Einen Moment gestattete ich mir, einen Blick auf Celerinas bauch zu werfen, der keine Wölbung aufwies und so flach wie eh und je war. Septimas Bauch anzusehen, der sich unter ihrem Kleid abzeichnete, vermied ich jedoch weiterhin. "Das ist doch selbstverständlich", bemerkte ich, durchaus ein wenig verwundert. Vor ihrer Abreise hatten schließlich auch alle zusammen hier gewohnt. "Wie lang beabsichtigst du, hier zu bleiben?" erkundigte ich mich hernach, bis mir aufging, dass sie diese Frage vielleicht falsch interpretieren und annehmen würde, wir wollten sie baldigst wieder loswerden. "Ich frage, weil in diese Zeit eventuell die Umbaumaßnahmen fallen könnten, die wir geplant haben", erkärte ich also die verfolgte Intention meiner Frage, untermalt mit einem vagen Lächeln. Die Beantwortung ihrer Frage nach den anderen überließ ich Celerina, bestellte mir stattdessen etwas Wein. Es war wohl kein Wunder, dass Orest, Imbrex und Avianus den Sommer hier verbrachten, denn sie bereiteten sich auf eine weitere Amtszeit im cursus honorum vor, ebenso wie ich selbst, und Lupus verfolgte sogar noch weitere Ziele. Das ging nur mäßig gut, wenn man es von außerhalb erledigen musste.

  • Ob ich angesichts ihres Zustandes und ihres Aussehens neidisch wurde? Neid war es wohl nicht, eher war meine Stimmung von Sehnsucht getrieben, als ich sie da so sitzen sah. Trotz der Schwangerschaft sah sie sehr gut aus. Sie leuchtete förmlich. Offenbar verlief alles gut. Und das Unwohlsein, welches manche Schwangere erdulden mußte, war bei ihr bislang ausgeblieben. Ich konnte mich noch gut daran erinnern, an meine erste Schwangerschaft vor vielen Jahren. Die ersten Monate waren die Hölle gewesen. Die meiste Zeit hatte ich unter Übelkeit gelitten und hatte oft das Bett hüten müssen. All das blieb der Tiberia offensichtlich erspart. Die Glückliche!
    Natürlich folgte nun meinerseits die obligatorische Frage, die Septima sicher schon hundertmal gehört hatte.
    "Und, wann ist es soweit?" Ich konnte nicht so recht einschätzen, wie weit fortgeschritten die Schwangerschaft schon war.
    Ein Sklave hatte mich mit einer Erfrischung versorgt. Aber als Marcus sie danach fragte, wie lange sie zu bleiben gedachte, hätte ich mich fast verschluckt. Glücklicherweise rettete er sich selbst mit dem Hinweis auf die Umbauarbeiten, die nun bald schon anstanden.
    "Oh ja, wir haben viel vor! Aber ich habe die Sklaven angewiesen, dir ein Zimmer zuzuweisen, in dem du keine Störungen zu befürchten hast!", fügte ich noch schnell an und lächelte verlegen dabei.
    Septimas Frage war recht leicht zu beantworten. In diesem Jahr waren sie alle in Rom geblieben. Jeder hatte für sich einen Grund, warum er die Hitze und den Gestank Roms der Sommerfrische im Süden vorzog.
    "Ja, alle sind sie diesen Sommer hier geblieben! Obwohl der Sommer die schlimmste Zeit in der Stadt ist, wie ich finde." Auch ich hätte Campania gerne Rom den Vorzug gegeben. Doch hatten die Ereignisse der letzten Zeit mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.

  • Es fiel Septima in der Tat nicht weiter auf, dass sie den pater familias noch immer bei seinem cognomen nannte, allerdings war sie auch keine Person, die sich der Vertraulichkeit eines Praenomen einfach so bediente, wenn es nicht der Träger selbst angeboten hatte. Ohne es zu ahnen, respektierte sie den Wunsch von Corvinus, sie nicht näher als nötig an sich heran zu lassen, wozu ohne Frage auch sein praenomen Marcus gehörte.


    „Ich würde gerne ein paar Wochen hier verbringen. Vielleicht vier?“ antwortete Septima freundlich auf die Frage des Hausherrn und musterte über den Rand ihres Bechers hinweg die Reaktion von Corvinus. Da er Celerina und ihr gegenüber saß, konnte sie ihn leichter beobachten, wie die Falvia. Als Celerina sich allerdings nach der Schwangerschaft erkundigte, stellte Septima den Wein mit einem betretenen Gesicht wieder bei Seite und legte die Hände sittsam in den Schoß. Langsam wand sie ihren Kopf in Celerinas Richtung. Wieder hatte sie dieses flaue Gefühl im Magen, denn der Zeitpunkt der Wahrheit war schneller gekommen, als Septima angenommen hatte.
    Mit ruhiger Stimme antwortete sie. „Oh, dass heißt ich kann nicht in Titus cubiculum schlafen? Na ja, ist nicht weiter schlimm. Und das alle hier in Rom sind, kommt mir sehr entgegen. Titus hofft darauf, dass ich ihm bei meiner Rückkehr möglichst viel erzählen kann.“ Ein kurzer Blick zu Corvinus, ehe Septima wieder zu Celerina schaute und auf ihre eigentliche Frage zu sprechen kam.
    „Was meine Schwangerschaft angeht… Celerina, ich fürchte unser Opfer im Tempel der Iuno Sospitas wurde meinetwegen nicht angenommen. Ich… also… Ich war zum Zeitpunkt des Opfers bereits schwanger, wusste es aber nicht. Die Niederkunft soll bereits im November sein. Es tut mir so leid, Celerina, es ist alles meine Schuld.“ Trauer lag in ihrem Blick, denn wenn Celerina das Opfer an Iuno alleine durchgeführt hätte, dann wäre es bestimmt von der Göttin angenommen worden. Wieder glitt ihr Blick zu Corvinus. Würden sie sie jetzt bitten, doch lieber in der Villa Tiberia zu nächtigen?

  • Bereits mit Celerinas nächster Frage fühlte ich mich überflüssig. Der Drang, der Situation zu entfliehen, schwoll an. Ich wollte nicht wissen, wann sie und Ursus ihren Sohn bekamen. Nicht, solange ich nicht auch darauf hoffen durfte, denselben Stolz aus den Augen meiner Frau sprühen zu sehen wie Septima. Ich ließ den Blick schweifen und versuchte, nicht zuzuhören, doch wie es bei solchen Versuchen nun einmal war, war es schier unmöglich, nicht hinzuhören. Im November also. Knappe zwei, drei Monate würden noch vergehen. Septima würde in dieser Zeit noch runder werden, und wenn sie in vier Wochen abreisen wollte, würden die Strapazen der Reise wohl am Rande der Erträglichkeit verlaufen. Es war nicht so, dass ich meinem Neffen und seiner Frau ihr Glück nicht gönnte. Doch ich selbst fühlte mich von den Parzen vernachlässigt, ja gar ignoriert, ohne dass ich einen Grund hierfür sah.


    Auf Septimas Antwort hatte ich nur genickt. Vier Wochen sollte sie gern hier verbringen, es würde keinen Unterschied machen, ob es zwei Tage oder vier Wochen waren, die sie in anderen Umständen hier im Hause wohnen würde. Ursus' Gemächer waren jedoch leer, denn er und Septima hatten einiges mitgenommen, anderes war umgeräumt worden, damit dem Umbau nichts im Wege stand. Und ich war ob des Hauskaufs der beiden davon ausgegangen, dass sie ihre Räume nicht mehr benötigen würden. Vielleicht war das zu vorschnell gewesen?


    Dann jedoch sprach Septima etwas an, das mich den Kopf wenden und sie überrascht anschauen ließ. Natürlich, sie war schwanger gewesen. Ein Fauxpas bei einem Opfer, und dennoch... "Du hast doch nicht aktiv teilgenommen, oder doch?" hakte ich nach. Ich hatte keine Ahnung, wie eine Frau merkte, dass sie ein Kind trug - abgesehen vom Ausbleiben der Blutung. Ich glaubte dennoch nicht, dass Septima absichtlich mitgegangen war, obgleich sie es gewusst hatte. Solcherlei unterstellte ich ihr nicht. Forschend betrachtete ich Celerina. Für sie musste es Erlösung und Schlag ins Gesicht zugleich sein, trug sie doch nicht die Schuld am gescheiterten Opfer, gleichwohl es dennoch immer noch gescheitert blieb.

  • "Aber natürlich stört es uns nicht, wenn du vier Wochen bleibst!", antwortete ich schnel, denn Marcus hatte außer einem stummen Nicken nichts darauf erwidert.
    Doch schon kurz nachdem ich meine Frage, bezüglich ihrer Schwangerschaft formuliert hatte, bereute ich sie bereits. Denn was ich nun zu hören bekam, war einfach empörend! Ich spürte, wie sich in meinem Inneren etwas anstaute, was augenblicklich, wenn ich mich nicht im Zaun hielt, auszubrechen drohte. Sie war es! Sie hatte mein Opfer sabotiert! Ja richtig sa bo tiert! Und nun saß sie da, wie ein Unschuldslämmchen und erzählte brühwarm, sie hätte von alledem nichts gewußt!
    Noch ließ ich ihre Antwort unkommentiert. Wahrscheinlich hätte all mein Zorn aus mir gesprochen und das wollte ich doch vermeiden. Septima sollte nichts davon bemerken, wie sehr sie mich damit getroffen hatte. noch nicht! Mein Blick schwang hinüber zu Marcus, der sich sofort danach erkundigte, ob sie am Opfer teilgenommen hatte. Bevor jedoch die Tiberia antworten konnte, übernahm ich das für sie.
    "Oh ja, das hat sie! Aber du hast ja gehört, sie wußte zu diesem Zeitpunkt noch nichts von ihrer Schwangerschaft," meinte ich belehrend.
    Dann wandete ich mich wieder Septima zu, die scheinbar das schlechte Gewissen deswegen plagte.
    "Ach, belaste dich damit nicht! Freu dich über dein Kind, wenn es kommt. Iuno wird uns sicher auch gnädig sein, eines Tages vielleicht…"
    Nun hatte unser Gespräch wohl den absoluten Tiefpunkt erreicht, was bedeutete, daß es von nun an nur noch besser werden konnte!
    "Und, wie lebt es sich so in Mantua?" fragte ich, um den Grundstein für eine Besserung zu legen, wenigstens oberflächlich.

  • Tilla trat leise zu der Runde und stellte sich in der Nähe von Septimas Sitzplatz auf. Mal schauen, ob die junge Frau sie bemerkte.. vielleicht sogar wieder erkannte. Ob die schwangere domina schon wusste, dass sie stumm war und nicht sprechen konnte?


    Etwas anderes fiel ihr auf: war die junge Dame alleine angereist? Ganz bestimmt nicht, dominus Ursus hat ihr bestimmt jemanden mitgegeben, überlegte Tilla grübelnd. Wenn dann hatte Tilla die Begleiter, Leibsklaven und -sklavinnen verpasst. Bestimmt saßen diese jetzt in der culina und erzählten sich allerlei. Der Unterhaltung hatte sie während ihren Überlegungen nicht zugehört und bemühte sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Mit einem stummen Lächeln trat Tilla vor, schenkte Septimas Becher voll und schob die Obstschale näher an die weitgereiste Ehefrau von Ursus heran.

  • Eine junge Sklavin trat näher zu Septima, so dass diese die drahtige Gestalt zwar wahrnehmen, aber nicht weiter beachten mußte. Im Moment brauchte sie nichts, somit forderte sie das Mädchen auch nicht dazu auf, ihr etwas zu bringen. Selbst wenn sie Tilla kennen sollte, wollte sie sie offensichtlich nicht bemerken, was mehr an den Spannungen, der am Gespräch beteiligten Menschen lag, als an der Sklavin. Septima hatte einen Stein ins rollen gebracht, der zu Recht Corvinus Unmut auf sie lenkte, zumindest glaubte sie dies. Es überraschte die Tiberia, dass Celerina eher gelassen, nein, sogar freundlich, auf ihre Worte reagierte und sie sogar noch vor ihrem Ehemann in Schutz nahm und noch einmal wiederholte, was Septima bereits gesagt hatte. 'So sollte eine echte Freundin zu einem halten.' dachte sie, glücklich über die netten und auch vergebenden Worte der Flavia.
    „Ja, ich war an der Opferung beteiligt, schließlich wollte ich ebenfalls schwanger werden. Welche Frau wünscht sich das nicht?“ wand sie sich zunächst an Corvinus und ihre Augen baten ihn stumm um Verständnis. „Hätte ich auch nur den Hauch einer Ahnung gehabt, glaubt mir, ich wäre nicht mitgegangen.“ Nichts lag ihr ferner, als Celerina oder gar Corvinus zu schaden. Wieso sollte sie auch? Sie zählte beide zu ihrer neuen Familie, Celerina betrachtete sie sogar als ihre Freundin und diese würde sie niemals hintergehen. Damit beließ es Septima auch bei den Erklärungen. Gewiss war dies kein erfreuliches Thema für die beiden, somit sollte es nun gut sein. 'Hauptsache sie tragen es mir nicht nach.' hoffte sie still und versuchte es mit einem entschuldigenden und dankbaren Lächeln wieder gut zu machen.
    Da kam Celerinas Frage gerade recht. Mantua. „In Mantua ist es, gesellschaftlich gesehen, sehr still. Nur wenige Familien von Interesse, um besser zu sagen, gar keine.“ Ein kurzes Lachen. „Ansonsten verbringe ich viel Zeit mit Handarbeiten, oder beobachte die Soldaten bei ihren Übungen. Ich hätte nicht gedacht, dass es so interessant sein kann, so viele Männer in ihren Rüstungen auf einen Haufen zu sehen.“ Begeisterung schwang in ihrer Stimme mit. „Und ihr hättet es sehen müssen... Gleich am Tag unserer Ankunft hat Titus die gesamte Legio I antreten lassen. Diesen Anblick werde ich mein Leben nicht mehr vergessen.“ Durch ihre lange Abwesenheit von Rom war es Septima nicht vergönnt gewesen, jemals einem Triumphzug beizuwohnen, wo sie ebenfalls eine gesamte Legio, oder zumindest einen großen Teil dieser, hätte sehen können. „Aber ansonsten ist es recht ruhig in Mantua. Ihr, die Familie, fehlt uns sehr.“ endete vorerst ihre Erzählung leicht wehmütig, denn noch schöner wäre es für sie, wenn sie die Erlebnisse in der Ferne mit mehr Menschen, als nur ihrem Ehemann, teilen könnte.

  • Meine Miene verriet nicht, was ich davon hielt, und das aus einem ganz einfachen Grund: ich wusste es nicht. Zwar hatte sie zum Zeitpunkt des Opfers keine Kenntnis über ihre Schwangerschaft, wie sie sagte, doch hatte sie dennoch partizipiert. Gewiss war das Opfer aus genau diesem Grund gescheitert. Und es war leichter, Septima die Schuld zuzuweisen als meiner eigenen Frau ihr Versagen vorzuhalten. Ich erwiderte zunächst nichts weiter außer ihrem Blick, bis ich schließlich in ein formvollendetes Lächeln überging. "Mach dir keine Sorgen", sagte ich, und das war alles. Denn Sorgen machte ich mir ohnehin bereits zur Genüge.


    Das daraufhin folgende Geplänkel bekam ich zwar mit konnte allerdings nicht so recht verstehen, was an der geballten Macht einer Legion so eindrucksvoll sein sollte. Ich war selbst zwei Jahre lang Tribun bei der Zweiten gewesen, doch war für mich eine Legion eben eine Legion, wie die Verwaltung die Verwaltung und der cultus eben der cultus war. Jeder fand früher oder später seinen Platz innerhalb des Reiches, und manche wurden nun einmal Soldat. Ich konnte dem nichts abgewinnen, ganz im Gegensatz zu Septima, die allerdings auch eine Frau war. Vielleicht sah sie gern gut konstituierte Männer? Ich warf einen Blick zu Celerina hin, gespannt, was sie darauf entgegnen würde. "Hat Titus denn inzwischen etwas vom Kaiser gehört?" erkundigte ich mich.

  • Corvinus schien ihr ebenfalls zu verzeihen, dass sie die Opferung an Iuno durch ihre Schwangerschaft gestört hatte und die Erleichterung darüber stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. Glücklich blickte sie zwischen den beiden, Corvinus und Celerina, hin und her. „Danke.“ erwiderte sie leise und ehrlich.
    Das gesellschaftliche Leben von Mantua schien den pater familis der Aurelier nicht weiter zu interessieren, dafür allerdings der Kaiser persönlich. „Ähm... ich glaube nicht das Titus etwas vom Kaiser gehört hat. Wenn, dann hätte er mir gewiss davon erzählt. Also nein, er hat nichts vom Kaiser gehört.“


    Eine Sklavin war zu ihnen ins Atrium getreten und schenkte Septima noch etwas Wasser und Wein in den Becher. Diese nahm die Handlung stillschweigend hin, ohne die Sklavin weiter zu beachten. Ein Gähnen schlich sich auf ihr Gesicht und Septima schlug schnell ihre Hand vor den Mund. „Bitte entschuldigt. Die Reise war doch recht anstrengend. Ich glaube ich würde mich gerne ein wenig ausruhen. Wir können uns ja heute abend bei der cena weiter unterhalten.“
    Septima wartete noch kurz ab, bis sie das Einverständnis der beiden hatte, ehe sie sich erhob und auf ihr Zimmer ging.


    ~ finis ~

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