De coniuratione (Duri et Luciani) ?

  • Na ja, aber von – manchmal - anstrengenden Salutationes abgesehen, meistens lag ihm doch an seiner Aufgabe. Antias war so stolz darauf, dass er trotz seiner jungen Jahre eine nicht üble Position erreicht hatte. Indem er eben bei den Salutationes viel zu sagen hatte. Davon hatte er immer geträumt. Jetzt hatte er es.


    Aber manchmal war manches eben doch lästig. Wie eben immer im Leben.
    Ein professioneller Sklave zeichnete sich aber dadurch aus, dass er sich nichts davon anmerken ließ, von eben diesen Härten, die er zuweilen – in seinem Fall ganz selten - erlebte. Nein, Antias wirkte immer frisch und ausgeruht und war natürlich stets äußerst dienstbeflissen.
    Einladend deutete der Diener dorthin, wo die Kissen frisch aufgeschüttelt waren: „Die Klinen stehen für dich bereit, Herr! Einen Moment musst du dich nur gedulden, ich melde meinem Herrn sofort, dass du hier bist.“ Mit einer leichten Verbeugung verabschiedete er sich.

  • Gestützt auf seinen Stock humpelte Durus hinein bis zu einem Gesprächszimmer, in dem zwei Klinen zum Ruhen einluden. Von Lukios, seinem unverzichtbaren Sekretär ließ er sich auf eine der beiden helfen, während der Empfangssklave sich davon machte, um seinen Herrn zu holen.


    Unterdessen hatte Durus noch einmal Zeit, über das nachzudenken, was er heute vorhatte. Es würde nicht einfach werden, denn es wurde Zeit, dass die Pläne der beiden Consulare etwas festere Formen annahmen, was angesichts der veränderten Lage erneut erschwert worden war...

  • Der Hausherr liess nicht lange auf sich warten, als man ihm sagte, wer da auf ihn wartete...


    "Salve Durus, schön dass du so schnell gekommen bist!"


    Natürlich war es ohnhin klar, dass ein Sklave für Essen und Trinken sorgte.

  • "Salve, Lucianus!"


    grüßte der Tiberier seinen Mitverschwörer mit einem freundlichen Lächeln. Einen Moment überlegte er, ob er ebenfalls darauf bestehen sollte, dass der Sklave ging. Andererseits war es auch möglich, auf andere Weise das Gespräch zu beginnen, sodass es im Ermessen des Hausherrn lag.


    "Wie ich hörte, wird dein Bruder abberufen?"

  • "Allerdings...." nickte ich "..... er schrieb mir schon, dass ich alles für seine Ankunft vorbereiten solle....."


    Nachdem der Sklave fertig war, deutete ich ihm, uns allein zu lassen und dafür zu sorgen, dass wir ungestört blieben.


    "..... das ändert Einiges!"

  • "In der Tat!"


    gab Durus zu. Dass Lucianus seinen Sklaven wegschickte, bedeutete wohl, dass sie nun offen sprechen konnten. Er sandte seinen Lukios allerdings nicht von seiner Seite, denn dieser war ohnehin eingeweiht und konnte bei Bedarf auch der gesamten Verschwörergruppe als Protokollant dienen.


    "Allerdings habe ich auch mit seinem Nachfolger Annaeus Modestus gesprochen. Er sagte mir zu, dass auch er auf unserer Seite stünde und sich darum bemühen wird, auch seine Legionen für uns zu vereinnahmen. Allerdings weiß ich nicht recht, ob ich ihm trauen soll..."


    Er runzelte die Stirn bei dem Gedanken an die scheinbare Doppelzüngigkeit des Annaeers.


    "Aber hast du schon mit ihm über unsere Angelegenheiten gesprochen? Weißt du, was er davon hält?"

  • "Das ist natürlich wahr."


    erwiderte Durus. Dennoch war es natürlich etwas unbefriedigend. Damit der Besuch allerdings nicht völlig umsonst gewesen war, beschloss er, kurz die Unterhaltung mit Modestus wiederzugeben.


    "Modestus hat übrigens einen Vorschlag gemacht, der möglicherweise eine gute Idee ist: Er mahnt dringend, dass wir Maioranus als Nachfolger seines Vaters einsetzen und uns als Tutores in das Testament schreiben. Dies würde zum einen Kontinuität und damit Legitimität eines Herrscherwechsels verstärken, andererseits uns die Kontrolle ermöglichen, die wir in diesen schweren Zeiten im Staat übernehmen müssen."


    Dass der Annaeer es quasi zur Bedingung für seine Mitarbeit gemacht hatte, verschwieg der Tiberier vorerst - er glaubte ohnehin nicht, dass Modestus wegen dieser Frage absprang (sollten sie eine bessere Möglichkeit finden).

  • Als Lucianus ihn verwirrt ansah, kam es dem Tiberier plötzlich, dass er in seiner Euphorie wohl ein wenig durcheinander gekommen war - inzwischen hatte er so oft über diesen Plan gesprochen, dass er sich nicht mehr sicher war, wer welches Stadium mitbekommen hatte.


    "Maioranus ist Valerianus' Sohn!"


    bemerkte er zuerst, obwohl dieser Umstand einem Consular wohl bekannt war.


    "Ich hatte die Idee, das Testament Valerianus' zu fälschen. Es liegt meines Wissens nach im Atrium Vestae, wo ich als Pontifex pro Magistro sicherlich Zugriff bekommen könnte. Damit würde das ganze für die Öffentlichkeit völlig unbemerkt vonstatten gehen."

  • "Achso.... ja.... richtig...." bemerkte ich etwas beschämt.....


    "Eine Fälschung? Ich glaube du hattest schon mal etwas in dieser Richtung erwähnt. Wie steht maioranus zum Senat? Hat jemand aus unserer Rige Kontakt zu ihm? Wie leicht ist er lenkbar?"

  • Die Reaktion deutete darauf hin, dass Durus doch schon einmal etwas ähnliches bemerkt hatte. Aber vielleicht war es nicht schlecht, alles noch einmal etwas ausführlicher zu besprechen, ehe Missverständnisse entstanden.


    "Valerianus hält Maioranus relativ bedeckt. Allerdings habe ich Gerüchte gehört, dass er schon an der Schwelle zum Mannesalter steht."


    Tatsächlich wusste man herzlich wenig über den Thronfolger - aber ein Jugendlicher war doch in der Regel leicht zu beeinflussen.

  • "Eine diplomatische Lösung?"


    fragte Durus etwas verwirrt und beschloss dann doch, kurz sein Wissen über Maioranus zusammenzufassen - es war ohnehin recht überschaubar.


    "Er ist wohl ein Jüngling und lebt bei seinem Vater in Misenum. Valerianus lässt ihn aber - wie erwähnt - kaum ans Licht der Öffentlichkeit treten. Dementsprechend wird er aber auf starke Tutores angewiesen sein und es würde auch plausibel erscheinen, dass Valerianus per Testament trotzdem Tutores für ihn bestellt."

  • "Nun, dann fällt dies wohl aus, ich dachte, man könnte ihn vielleicht davon überzeugen, was gut für Rom ist und er würde dann bei seinem Vater intervenieren.
    Aber so...... nun gut...... wie willst du weiter vorgehen?"

  • Dass ein Jüngling, der aus allen politischen Belangen herausgehalten worden war, plötzlich Vertrauen in wildfremde Politiker und gegen seinen Vater finden würde, war wohl gänzlich unwahrscheinlich. Daher verzichtete Durus darauf, weiter auf diese Möglichkeit einzugehen.


    "Zuallererst halte ich es für wichtig, Verbündete zu sammeln. Insbesondere benötigen wir diese meiner Meinung nach bei den führenden Senatoren. Ihr Einfluss wird einerseits auf die Statthalter abstrahlen, andererseits ihre Klientel im Senat und anderswo auf unsere Seite ziehen. Ein zweiter Punkt wären möglicherweise Verbündete bei den Cohortes Praetoriae und Urbanae, die bereit sind, Position gegen Salinator zu beziehen.


    Dies ist zugleich das Problem: Nachdem ein Klient Salinators zum Praefectus Praetorio ernannt wurde, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Prätorianer auf Linie gebracht sind. Wir müssen also möglichst rasch vorwärts kommen."


    Zumindest war dies die Einschätzung von Durus. Natürlich war ein ähnlich wichtiger Punkt, inwieweit Maioranus von anderen einflussreichen Senatoren unterstützt werden würde oder ob nicht irgendein anderer als designierter Nachfolger geeigneter war...

  • "Ein Grund mehr, warum wir meinen Bruder einweihen und gewinnen sollten, als ehemaliger Praefectus Praetorio sollte noch über Verbindungen verfügen.


    Bei den Senatoren kann ich nur Agrippa und die Germanicer nennen, die sich eventuell unserer Sache anschliessen. Aurelius Ursus steht hinter mir, samt er Legio I. Was ist mit den Decimer? Was ist mit Quarto?"

  • "Sehr richtig!"


    kommentierte Durus die Bemerkung über Hungaricus. Ohne ihn würde die Angelegenheit wohl tatsächlich schwieriger werden - auf andere konnte er dagegen leicht verzichten!


    "Soweit ich weiß, pflegt Germanicus Sedulus einen recht freundschaftlichen Umgang mit Salinator. Ein Klient von mir hat ihn schon vor der Casa Vescularia gesehen - ich weiß nicht, ob die Germanici unsere Männer sind. Ebenso würde ich Aelius Quarto aus der Angelegenheit heraushalten. Er ist immerhin Valerianus' Bruder! Ich halte es für das beste, ihn überhaupt nicht einzuweihen und zu hoffen, dass er von dem gewaltsamen Machtwechsel nichts mitbekommt."


    Würde alles glatt gehen, würde Rom ja tatsächlich nicht bemerken, dass der Kaiser ermordet und sein Testament gefälscht worden war.


    "Aber hast du bereits mit Agrippa gesprochen?"

  • "Gut, wenn du es so willst, dann werde ich bei den Germanici nichts erwähnen. Quarto ist momentan ohnehin schwer zu erreichen.
    Agrippa? Nein, habe ich noch nicht, ich wollte zuerst das Gespräch mit meinem Bruder abwarten!
    Ich hoffe er wird bald eintreffen, die Sache duldet, wie du schon richtig erwähnt hast, keinen Aufschub mehr!"

  • "Das hoffe ich auch!"


    bemerkte Durus und überlegte, welche Punkte noch zu klären waren. Wenn Lucianus mit Agrippa sprach, die Germanicer ausgeschlossen waren und mit Modestus ein definitiv zugewandter Statthalter in Germania saß, man andererseits aber auf Hungaricus warten musste, blieb eigentlich nur eines:


    "Warst du nicht früher auch einmal bei den Cohortes Urbanae? Hast du dort möglicherweise Kontakte?"


    Da der alte Tiberier niemals das Glück gehabt hatte, Militärdienst leisten zu können, konnte er lediglich auf der politischen Bühne um Unterstützer werben.

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