Cubiculum von Sedulus und Serrana

  • Der Raum, oder vielmehr die Räume, die den Gästen zugewiesen wurden, waren gemütlich eingerichtet. Teppiche und Vorhänge sorgten für Behaglichkeit. Das großzügig ausgelegte Bett war für zwei Personen geeignet. Verschiedene Truhen standen für umfangreiches Gepäck zur Verfügung. Ein Tisch stand an einer Wand und diente mit den darauf befindlichen Schüsseln und Krügen als Waschgelegenheit. In einem zweiten Raum waren bequeme Sitzgelegenheiten vorhanden, die einen weiteren Tisch umstanden. Eine Schale mit getrocknetem Obst stand für die Gäste bereit.

  • Sabina wusste ganz genau, dass ihr Vater nicht da war. Sie hatte auch darauf geachtet, denn sie wollte mit Serrana alleine reden. Sie wusste nämlich, wenn sie ihren Vater nervte, dann würde er sein Versprechen, dass er ihr gegeben hatte, nie einhalten. Dafür aber wollte sie versuchen, Serrana für sich einzunehmen. Fest klopfte sie an und steckte dann den Kopf durch die Tür.


    „Serrana?“ fragte sie vorsichtig. Ganz leicht zog sie den Kopf zwischen die Schulter, sie wusste nie, in welcher Laune ihre Stiefmutter war. Seit dem diese Schwanger war, konnte sie sogar ziemlich ungehalten sein. Serrana war zwar nie böse mit ihr, aber sie wollte diese dennoch nicht reizen.

  • Es hatte lange, sehr lange gedauert, bis Serrana endlich eine Position gefunden hatte, in der sie bequem genug lag, um ins Land der Träume hinüber zu dämmern. Irgendwie schien das von Tag zu Tag schwerer zu werden, denn irgendwas drückte immer oder schmerzte regelrecht, und der riesige Bauch war ständig im Weg. Vor einigen Minuten hatte Serrana jedoch wie durch ein Wunder die perfekte Lage gefunden und seufzte, die Augen geschlossen, wohlig auf. Ein ungestörtes Nickerchen, was für eine wundervolle Vorstellung... Und wenn sie ganz besonders viel Glück hatte, würde vielleicht sogar ihre Blase für die nächsten ein bis zwei Stunden Ruhe geben! Das Gesicht in die weichen Laken gedrückt, glitt Serrana immer weiter in einen angenehmen Halbschlaf hinüber, doch dann öffnete sich die Tür, und die leise Stimme ihrer Stieftochter machte alles wieder zunichte. Ein erneutes Seufzen, diesmal deutlich weniger wohlig. "Ja? Was gibt es denn, Sabina?" Wenn Fortuna heute auf ihrer Seite war, dann ließ sich Sabinas Anliegen schnell und unkompliziert erledigen, ohne die hart erkämpfte und in letzter Zeit so kostbare gemütliche Position aufzugeben. Serrana blieb also bewegungslos liegen und wartete darauf, dass Sabina weiter sprach.

  • Vorsichtig warf die kleine Germanica einen Blick zum bett und befürchtete schon, dass ein Donnerwetter über sie herein brechen. Ihre Stiefmutter lag im Bett und wirkte irgendwie ein bisschen angeschlagen. Wenn sie in diesem Moment zwischen zwei Übeln hätte wählen können, hätte sie sich glatt für einen Nachmittag mit Großtante Laevina entschieden. Bei der wusste sie zumindest was auf sie zukam, während Serrana irgendwie unberechenbar war. Erst war diese heiter, dann brach sie aus heiterem Himmel in Tränen aus (etwas dass eigentlich nur Sabina konnte, nämlich auf Kommando heulen) und dann war sie furchtbar wütend, nur um im nächsten Augenblick dann schon fast in hysterisches Gelächter auszubrechen. Ein Verhalten, dass sie ziemlich merkwürdig fand. Seltsam das ihr Vater das duldete, wenn sie sich so aufführte wurde sie sofort auf ihr Zimmer geschickt. Es gab eben einen unterschied zwischen Tochter und Stiefmutter. Ein bisschen ungerecht war das schon. Zumindest in ihren Augen.


    „Geht’s dir gut?“ fragte sie und machte einen unsicheren Schritt ins Zimmer rein. Schließlich gab sie sich einen Ruck und setzte sich auf die Bettkante.

  • Serrana wartete ab, bis Sabina sich auf der Bettkante niedergelassen hatte und stellte dann betrübt fest, dass sich die Kleine immer noch knapp ausserhalb ihres Gesichtsfelds befand. Die Optionen beschränkten sich also darauf, sich wieder zu erheben oder aber den Propheten näher an den Berg heran zu bekommen. Serrana überlegte keine zwei Sekunden und entschied sich dann für die bequemere Alternative.


    "Sabina, rück doch bitte noch ein bisschen näher hier hoch zu mir, dann kann ich mich besser mit dir unterhalten. Mir geht es gut, aber ich kann nicht mehr so gut stehen, und es ist schwer es sich gemütlich zu machen, wenn man erstmal so dick ist wie ich." Ihre Hand klopfte einladend auf die Matratze. Sabina konnte bei aller Wildheit durchaus sehr rücksichtsvoll sein, und falls sie es in diesem Fall wider Erwarten nicht sein würde, dann konnte Serrana sich ja immer noch wieder vom Bett hochwuchten.

  • Noch war Sabina ein bisschen unschlüssig. Es war schwer die Stimmung ihrer Stiefmutter einzuschätzen. Sie hatte ein bisschen Angst vor ihr, deren Launen waren unberechenbar und sie wollte nicht den Zorn einer Schwangeren auf sich ziehen. Serrana war fürchterlich dick geworden. Sie sah aus wie ein Fass. Aber das sprach die kleine Germanica nicht aus. Bia, ihr Kindermädchen, hatte ihr nämlich genau erklärt, dass man zu einer Frau, die ein Kind erwartet, immer nett sein musste. Und man musste sich rücksichtsvoll verhalten. Die letzten Monate war sie um ihre Stiefmutter auf Zehenspitzen herum geschlichen und hatte sich alle Mühe gegeben sie nicht zu verärgern.


    Eilig rückte Sabina dann ein Stück höher und setzte sich so hin, dass sich Serrana ganz bequem mit ihr unterhalten konnte. „So dick bist du doch gar nicht“, flunkerte sie schlecht und lächelte aber aufrichtig. Natürlich war Serrana dick, richtig dick, aber das hörte keine Frau gern, selbst wenn sie schwanger war. Also flunkerte man lieber.

  • Wider Willen musste Serrana auf Sabinas Bemerkung hin kichern. "Oh, doch das bin ich. Stell dir vor, wenn ich sitze und etwas trinken möchte, dann kann ich den Becher auf meinem Bauch abstellen und er fällt nicht um. Das ist schon ziemlich dick, meinst du nicht?" Sie seufze leise und verzog ein wenig das Gesicht. "Allerdings hoffe ich schon, dass ich wieder so dünn wie früher werde, wenn dein Geschwisterchen erstmal geboren ist." Serrana warf ihrer Stieftochter einen unschlüssigen Blick zu und entschied sich dann, eine Frage zu stellen, die sie schon länger beschäftigte. Sie war nicht sicher, wie Sabina darauf reagieren würde, aber um das herauszufinden blieb nur der Sprung nach vorn.
    "Sag mal, hast du schon einmal darüber nachgedacht, was dir lieber wäre? Ein kleiner Bruder oder lieber eine Schwester?"

  • Sabina zeigte ein etwas unsicheres Lächeln, sie hatte das Gefühl, dass sie auf einem Pulverfass saß, denn sie fürchtete, dass die gute Laune ihrer Stiefmutter plötzlich einfach kippen konnte. Dennoch stimmte sie in das Kichern der Iunia mit ein. Denn die Vorstellung, dass diese einen Becher auf ihren Bauch abstellen konnte, fand sie witzig. „Du bekommst doch auch ein Kind, da wird man doch dick“, versuchte sie es mit einer diplomatischen Antwort. Doch was sie zu dem nächsten Kommentar sagen sollte, wusste sie nicht. Sie hatte so überhaupt keine Ahnung, wie so eine Geburt von statten ging und wie das Kind aus dem Bauch heraus kommen sollte. Manche Dinge blieben ihr dann doch noch verborgen. Außerdem, welches Kind wollte schon wissen, was hinter der verschlossenen Tür des elterlichen Schlafzimmers vor sich ging.
    Ganz leicht runzelte sie auf die Frage hin, ob sie einen Bruder oder eine Schwester wollte die Stirn. Darüber hatte sie sich keine Gedanken gemacht, einfach weil sie sich nicht vorstellen konnte, ihren Vater noch mehr teilen zu müssen. „Ich weiß nicht…“, antwortete sie ähnlich. „Iuno entscheidet doch ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, oder nicht?“ fragte sie und betrachtete dann erst einmal lieber eine Falte ihrer Tunika. Plötzlich war die Falte furchtbar interessant. Was ihr lieber wäre? „Eine Schwester wäre toll!“

  • Serrana lag das "aber doch nicht SO dick!" bereits auf der Zunge, doch schluckte sie diesen Kommentar dann doch ungesagt wieder hinunter. Zum einen gab Sabina sich offensichtlich große Mühe, sie ein wenig aufzuheitern, und zum andern bestand ja immerhin die winzig kleine Möglichkeit, dass sie auf andere nicht ganz so unförmig wirkte wie auf sich selbst. Und ein bisschen aufbauende Selbstillusion war doch nicht verboten, oder? "Oja, natürlich tut sie das." nickte sie stattdessen und freute sich ungemein, dass Sabina sich offenbar gedanklich auch ab und zu mit den Göttern beschäftigte, während sie in dieser Hinsicht bei deren Vater doch große Zweifel hatte. "Wir Frauen selbst haben keinen Einfluss darauf, ob wir einen Sohn oder eine Tochter zur Welt bringen, aber dass du gern eine Schwester hättest, kann ich gut verstehen. Ich hätte auch gern eine gehabt." Inzwischen hatte Serrana sich mit einem Ellbogen auf dem Bett aufgestützt und malte nachdenklich kleine Muster auf das Laken. Männlicher Erbe und Pflichtbewusstsein hin oder her, wenn sie ehrlich war, dann war ihr der Gedanke an ein kleines Mädchen fast lieber. Ein Mädchen, dass sie nach Herzenslust umsorgen und verhätscheln konnte, und das vermutlich länger in ihrer Nähe bleiben würde als ein Sohn... Ob solche Gedanken für eine römische Matrone überhaupt rechtens waren? Garantiert nicht.... Serrana seufzte leise und wandte ihre Aufmerksamkeit dann wieder Sabina zu, die irgendwie wirkte, als sei ihr dieses Thema nicht ganz geheuer. "Weißt du, Sabina, egal, ob es nun ein Junge oder ein Mädchen wird, du wirst in jedem Fall seine große Schwester und damit sehr wichtig für es sein."

  • Sabina fand ihre Stiefmutter furchtbar dick, aber das sagte sie nicht. Stattdessen sagte sie eben etwas Nettes und versuchte damit die Iunia ein wenig aufzuheitern. Sie sah nämlich nicht wirklich glücklich aus. Es schien ihr ein wenig zu gelingen, Serrana auf andere Gedanken zu bringen, denn diese wirkte regelrech erfreut, als Sabina Iuno erwähnte. Bia und Gadatas legten viel wert darauf sie mit den Göttern, den Feiertagen und alles was dazu gehörte, vertraut zu machen. Zumindest erschien die Welt nicht ganz so kompliziert, wenn man einfach sagte, dass es der Wille der Götter sei. Was aber noch lange nicht das Verhalten der Erwachsenen erklärte. Vielleicht musste sie eben auch erwachsen und so langweilig werden, bis sie bestimmte Dinge verstand.
    Serrana schien ihren Wunsch nach einer kleinen Schwester zu verstehen. Am liebsten wäre es, wenn sie nachwievor das einzige Kind ihres Vaters bliebe, denn dann war ihr fast seine gesamte Aufmerksamkeit gewiss. Aber anderseits hätte sie dann jemanden zum spielen. Und jemandem den sie ihre Streiche in die Schuhe schieben konnte. Nur würde ihr Geschwisterchen erst einmal noch zu klein sein für solche Dinge.
    Sie hob den Kopf, als Serrana dann meinte, sie würde als große Schwester wichtig sein. „Meinst du wirklich?“ fragte sie ein kleines bisschen unsicher.

  • Nein, Serrana war zu diesem Zeitpunkt tatsächlich nicht besonders glücklich. Vielleicht wäre sie zumindest entspannt und zufrieden gewesen, wenn sie endlich mal wieder vernünftig hätte schlafen können. Dann hätten die diversen Schwangerschaftsbeschwerden, die jeden Tag an Umfang und Abwechslungsreichtum zu gewinnen schienen, vermutlich einen Teil ihres Schreckens verloren. Übermüdet wie sie war, schien jedoch alles doppelt so schlimm und unangenehm: die mittlerweile fast chronischen Rückenschmerzen, der permanente Blasendruck, der auch nicht mehr länger als eine halbe Stunde zu besänftigen war, die geschwollenen Fuß- und Handgelenke und noch die eine oder andere Gemeinheit mehr, die es immer schwerer machten, sich in der eigenen Haut noch wohl zu fühlen.
    Ihre Stieftochter konnte für all diese Dinge jedoch herzlich wenig, und so riss Serrana sich am Riemen und ließ sich die Sehnsucht nach einem ungestörten Schläfchen nicht anmerken.


    "Natürlich meine ich das." sagte sie im Brustton der Überzeugung, da sie in diesem Fall wirklich keinerlei Zweifel hatte. "Schau, Sabina, du bist jetzt schon groß genug um zu lesen und bekommst eigenen Unterricht. Du wirst deinem Geschwisterchen viele Dinge beibringen oder ihm zumindest dabei helfen können sie zu lernen, und das ist für ein kleines Kind sehr wichtig. Vermutlich wird es mit seinen Problemen immer erst zu dir kommen, bevor es mit deinem Vater oder mit mir spricht, weil ihr euch vom Alter einfach näher seid."

  • Noch wusste sie nicht wirklich, wie sie damit umgehen sollte, dass sie bald eine große Schwester sein sollte. Ohnehin war ihr diese ganze Sache irgendwie nicht geheuer, also diese Schwangerschaft, dass sie eine Stiefmutter hatte und überhaupt. Hin und wieder hatte sie schlichtweg das Gefühl außen vor zu sein, weil ihr Vater seine ohnehin schon rare freie Zeit mehr mit Serrana verbrachte, als mit ihr. Es kam ihr zwar zugute, dass weniger Aufmerksamkeit auf sie lag, weil sie dann mehr oder weniger tun und lassen konnte, was sie wollte, sofern ihr nicht gerade Gadatas oder Bia auf die Finger schauten, aber irgendwie verlangte es sie aber auch nach der väterlichen Aufmerksamkeit. Es fiel ihr schwer zu teilen. Nach dem Tode ihrer Mutter war sie der strahlende Sonnenschein gewesen. Und nun war es anders. Gar nicht so einfach für ein kleines ziemlich verwöhntes Mädchen.
    Nachdenklich runzelte sie zu Serranas Worten die Stirn, als diese ihr ihre baldige Rolle als große Schwester erklärte. So hatte sie es natürlich noch nicht betrachtet. Bisher hatte sie in dem Geschwisterchen einen Konkurrenten gesehen, aber nicht jemanden der sie womöglich bewundern würde. Ein Verbündeter bei Streichen und gegen die Ungerechtigkeiten der Erwachsenen. So betrachtet war es gar nicht so schlecht, große Schwester zu werden. „Und wir können gemeinsam spielen… also wenn es älter ist!“ meinte sie dann mit einem kleinen Lächeln.

  • Es war Sabina deutlich anzusehen, dass sie sich nach wie vor ein wenig unwohl fühlte, wenn es um das Thema ihres baldigen Halbgeschwisterchen ging. Serrana war sich nicht sicher, ob das nur mit dem Kind oder immer noch mit ihrer eigenen Person zusammenhing, aber sie beschloss, darüber einfach hinwegzugehen, zumal sie selbst noch das eine oder andere Problem damit hatte, sich in die Rolle der verantwortungsvollen und reifen Stiefmutter richtig hineinzufinden.


    "Nun, ein wenig wird es wohl noch dauern, bis es wirklich spielen kann." Serrana erwiderte Sabinas Lächeln und strich gedankenverloren über ihren Bauch. "Aber es gibt ja auch Spielzeug für Babys, und je früher sich das Kleine an dich gewöhnt, desto besser. Weißt du, für dich ist es viel schwerer, weil das Baby jetzt erst dazu kommt und vielleicht einige Dinge verändert. Das Kleine wird es da leichter haben, denn du wirst für es von Anfang an Teil seiner Welt sein, genauso wie dein Vater und ich."

  • In wie weit sie sich dann mit ihrem Geschwisterchen anfreunden konnte, würde sich wohl dann erst zeigen, wenn das Kind auf der Welt war. Bis dahin konnte sie nur abwarten.
    Bei Serranas Worten senkte sie ein bisschen verlegen den Kopf. Anscheinend ahnte die Iunia was in ihr vorging und versuchte ihr ein wenig Mut zu machen und vor allem ihr zu versichern, dass sie sicher eine ganz tolle große Schwester sein würde. Sabina wusste nicht recht, was sie dazu sagen sollte. Schweigend malte sie ein paar Muster mit dem Finger auf das Laken, ehe sie dann den Kopf wieder hob und auf das Thema zu sprechen kam, weshalb sie ja eigentlich gekommen war.


    „Du… Papa hat mir doch ein Pferd versprochen“, druckste sie erst einmal noch ein bisschen herum, ehe sie dann einen kleinen Schmollmund zog. „Das ist schon Ewigkeiten her… hat er das vergessen?“

  • "Ein Pferd?" Serrana brauchte einen Augenblick, bis der plötzliche Themenwechsel bei ihr angekommen war, und sah Sabina leicht verwirrt an, bevor sich ihr Gesicht dann doch erhellte. "Oh, natürlich, entschuldige, ich erinnere mich, dass wir darüber schon gesprochen haben, aber über all den Aufregungen und Vorbereitungen wegen der Reise nach Mantua hab ich gar nicht mehr daran gedacht." Nachdenklich runzelte sie die Stirn und schüttelte dann den Kopf. "Das hat er ganz sicher nicht vergessen, Sabina. Dein Vater hatte in der letzten Zeit nur furchtbar viel zu tun, daher ist er vermutlich noch nicht dazu gekommen, sich um das Pferd zu kümmern. Bist du denn ganz sicher, dass du wirklich eins haben willst und nicht vielleicht erstmal ein Pony? Ein Pferd ist doch furchtbar groß, und du könntest dich leicht verletzen, wenn du runterfällst."

  • Ein wenig rutschte Sabina hin und her und wartete darauf, dass sich die Verwirrung ihrer Stiefmutter legte. Sie war ein kleines bisschen beleidigt, weil diese anscheinend nicht sofort wusste, wovon sie redete. Warum nur fanden die Erwachsenen ihre Wünsche so unwichtig, dass sie diese einfach vergaßen. Das war verdammt unfair. Sabina war ein wenig versöhnlicher gestimmt, als sich Serrana dann wenigstens für ihre Vergesslichkeit entschuldigte. "Er hat IMMER furchtbar viel zu tun", verbesserte sie die Iunia dann. Sie war ja schließlich nicht blöde und wusste, dass ihr Vater ein wichtiger Mann war. Das erklärte aber nicht, warum er sein Versprechen nicht hielt.
    "Papa hat gesagt ich bekomme ein Pferd!" bestand sie auf diesem Punkt. Ein Pony war viel kleiner und ganz bestimmt nicht dasselbe wie ein Pferd . "Er hat gesagt, dass ich ein Fohlen bekomme!" fügte sie hinzu.

  • "Ach, ein Fohlen möchtest du..." Serrana, die sich insgeheim schon häufiger gefragt hatte, ob ein ausgewachsenes Pferd ein passendes Geschenk für ein kleines Mädchen in Sabinas Alter war, konnte ihre Erleichterung kaum verbergen und nickte schnell. "Ja, das kann ich gut verstehen, Fohlen sind sehr niedlich, ich hab meins damals kaum aus den Augen lassen wollen." Irrte sie sich, oder begann ihre Blase jetzt tatsächlich doch schon wieder zu drücken? Serrana verzog das Gesicht und beschloss, dieses Signal so lang wie irgend möglich zu ignorieren. "Dann wirst du aber eine ganze Weile warten müssen, bis das Tier alt genug ist, um zugeritten zu werden. Mein Rigel, den ich zu meinem letzten Geburtstag geschenkt bekommen habe, braucht zum Beispiel noch ein ganzes Jahr. Das Problem hättest du bei einem ausgewachsenen Pony nicht."

  • Heftig nickte Sabina bestätigend. Ein Fohlen! So war das. Ihr Vater hatte ihm obendrein auch noch versprochen, dass sie es sich aussuchen durfte. Aber auf diesem Punkt bestand sie nicht zwangsläufig, solange sie denn nun einmal endlich ihr versprochenes Fohlen bekam. Sie war sich ziemlich sicher, dass Serrana ihr dabei helfen würde und ihren Vater an sein Versprechen erinnern würde. "Ich will aber kein Pony, sondern ein Fohlen", erklärte sie entschlossen. "Ich weiß, dass ich warten muss!" fügte sie noch hinzu. "Ein Pony ist so plump.... Pferde sind eleganter!"

  • "Naja, wenn dir das Warten nichts ausmacht...." lenkte Serrana, immer noch in der stillen Hoffnung vielleicht doch noch ein Weilchen weiter zu schlummern, ein. "Aber dann solltest du die Gelegenheit nutzen, um in der Zwischenzeit richtig reiten zu lernen, und das vielleicht wirklich erstmal auf einem Pony. Dann ist es auch viel ungefährlicher für dich, wenn du irgendwann auf ein großes Pferd umsteigst, weil du schon richtig viel Ahnung haben wirst." Ganz abgesehen davon, dass der Rest der Familie sich wesentlich weniger Sorgen würde machen müssen, schließlich war Sabina ja meilenweit vom übervorsichtigen Wesen ihrer Stiefmutter entfernt. "Und du warum findest du Ponys denn plump? Ich finde sie sehen so gemütlich und rund aus, das ist doch eigentlich was schönes."

  • „Ich kann warten“, versicherte sie ihr. „Das tue ich doch schon die ganze Zeit“, fügte sie dann ein wenig schmollend hinzu. Für ihren Geschmack viel zu lange. Aber bisher hatte sie sich sehr Geduldig gezeigt. Nicht gerade eine ihrer hervortretenden Charaktereigenschaften, weil sie es gewöhnt war, alles immer sofort zu bekommen.
    Ein Strahlen zeigte sich dann, als ihr Serrana vorschlug erst einmal richtig reiten zu lernen. Dann wäre das Warten doch gar nicht mehr so schlimm. „Gute Idee. Kannst du Papa fragen? Büüüüüüüüüttöööööööööö!“ Sie war sich sicher, dass Serrana mehr Erfolg haben würde mit so einem Vorschlag. Das Thema Ponys wurde dann auch noch vertieft. „Naja, sie sind kleiner wie Pferde, haben kürzere Beine und sehen irgendwie ein bisschen kugelig aus…“, erklärte sie dann ihre Sicht der Dinge.

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