Aiofe et Aidan - Doppelpack!

  • Gebannt starrte ich weiterhin nach oben und beobachtete die beiden Sklaven. Sie bemächtigten sich einer seltsam klingenden Sprache, die ich noch nie gehört hatte. Auf Amaltheas Einwände ging ich gar nicht erst ein. Es war der in mir wachsende Wunsch, der zählte.
    Aus dem Wunsch wurde bald ein Entschluss. Aufmerksam hörte ich, wie ein weiteres Gebot gerufen wurde. Offenbar war ich nicht die einzige, die Gefallen an den beiden Barbaren gefunden hatte. Und dennoch zögerte ich. Warum eigentlich? Ich wollte sie doch haben? Es lag sicher nicht daran, dass ich nicht wusste, wie man einen Sklaven ersteigerte. Vielleicht war es vielmehr das Neue Ungewohnte. Ich hatte in meinem bisherigen Leben noch nie einen Sklaven gekauft. Das erledigte bis dahin immer der Verwalter meiner Mutter, der selbst ein Sklave war.
    Ich wartete noch immer. Eine innere Stimme drängte mich, doch endlich zu bieten und eine andere beschwichtigte mich, noch etwas zu warten, bis zu jenem Moment, da kein anderes Gebot mehr einging und kurz bevor der Sklavenhändler seinen Zuschlag gab.
    Langsam wurde ich nervös, aber nicht übermütig. Als ich den rechten Zeitpunkt für gekommen erachtete, rief ich: "2001!" und kniff dabei wie ein ängstliches Kind die Augen zu.

  • "1500 Sesterzen!", erscholl es aus dem Hintergrund und eine Hand winkte leicht aus einer Sänfte, die verdächtig nach einer flavischen aussah. Die Hand war jene niemandes geringeren als Quintus Flavius Flaccus, der von der schönen und stolzen Atmosphäre, die die beiden Barbaren ausstrahlten, fasziniert war.

  • Huch was war denn das? Da riefen doch zwei fast zur gleichen Zeit ihr Angebot.
    Suchend schaute ich mich nach der Frauenstimme um die geboten hatte.
    Dabei entdeckte ich Morrigan. Langsam arbeitete ich mich zu ihr vor und stieß diese an. "Sag mal hast du das gerade mit bekommen?"

  • Verwirrt schaute Aoife zu den Menschen vor sich. Was schreien die da so? Was hatte das zu bedeuten? Sie runzelt die Stirn und schaut fragend zu Aidan: An dtuigeann tú cad atá ar siúl?* Ohne eine Antwort abzuwarten, schaute sie wieder in die Menge. Ein Mädchen hatte etwas gerufen und kniff nun die Augen zusammen. Aoife mußte schmunzeln. Sie sah aus, als würde sie auf einen Donnerschlag warten.


    Zwei Männer und zwei junge Frauen schienen sich für Aidan und sie zu interessieren. Was kam da nur auf sie zu. Was für ein Schicksal erwartete sie. Wohin würde es sie verschlagen und was für Menschen waren das dann? Würde man sie gut behandeln? Vielleicht konnten sie ja eines Tages wieder nach Hause, wenn sie ihre Arbeit gut und gewissenhaft erledigten. Aoife hatte viele Fragen, aber im Vordergrund stand, daß sie endlich hier herab wollte. Weg von den Gaffern, wo sie sich so unwohl fühlte.




    Sim-Off:

    * Verstehst Du, was hier los ist?

  • Was sollte er Aoife antworten, verstand er doch selber kaum ein Wort. Er hätte sich in seinen kühnsten Träumen nie ausmalen können, das es Menschen gab die andere als ihren Besitz betrachteten.


    In diesem Land musste er um alles bitten und betteln. In Erin gehörte es zur guten Gastfreundschaft einem Fremden, Wasser und auch eine Mahlzeit zu reichen. Aber hier in dieser Stadt wurden sie weder als Gast oder Mensch behandelt. Hier kam er sich wie eine Handelsware vor.


    Die Stimmen waren verstummt und einige Gestalten verließen schon wieder gelangweilt den Platz. Aidan flüsterte Aoife etwas zu und ließ dabei aber die menge nicht aus den Augen. „
    Tá cuid d'fhág an áit, Sílim go bhfuil sé thar luath. Tá súil agam nach mbeidh siad ar leith dúinn. Mo chroí!"



    Sim-Off:

    Einige verlassen den Platz, ich glaube es ist bald vorbei. Ich hoffe sie trennen uns nicht. Mein Herz!

  • Zufrieden rieb Titus sich die Hände. War die Auktion doch eher recht schleppend in Gang gekommen, wo vor allem Kleinverdiener und Frauen sich mit 50-Sesterzen-Lapalien überbieten wollten, und Titus hatte nur darauf gewartet, dass sie sich letztendlich mit 1-Sesterzen-Schritten gegenseitig bekriegten. Dann trat endlich doch noch ein Mann von Stand auf den Plan, und schob das Gebot in angemesseneren Schritten vor sich her. Und doch schienen alle auf den großen Knall zu warten, blickten mit gespanntem Blick auf die Wasseruhr, die Titus auf der Bühne publikumswirksam aufgebaut hatte, bzw. aufbauen hat lassen.
    Kurz vor dem Fall des letzten Tropfens dann allerdings schrien gleich Menschen ein letztes, weitaus höheres Angebot, wohl um etwaige Mitschreier zu überbieten. Und tatsächlich: eine Frau überbot einen Mann um ganze fünfhundertundeine Sesterze. Fünfhundertundeine. Titus musste dem jungen Geschöpf schon jetzt einen gehörigen Schneid anerkennen, sich so früh mit solchen Tricks auszukennen.


    "Das Paar geht für Zweitausend und eine einzige Sesterze an die junge Frau dort drüben! 2001! ZWEITAUSENDUNDEINE!!!"


    Sim-Off:

    Genau diese Menge Geld dann bitte an die SK II überweisen, s'il te plait. :)

  • Der arme Sklave; ein Prototyp des alten Roms. Geknechtet, unterdrückt, geschunden. Besonders bei den Flaviern war es so. Während andere Geschlechter ihre Sklaven nett behandelten, sich sogar mit ihnen befreundeten, lief das bei den Flaviern anders. Wer dort landete, konnte sich einer Sache gewiss sein. Schinderei und Sklavenarbeit, im buchstäblichen Sinne. Der Sklave, der als Gelbeutelhalter infolgedessen nominiert und erkürt ward, ertastete nun in seinem Beutel Aurei. Langsam, Stück für Stück, schob er sie heraus, eingedenk der Tatsache, dass es eigentlich nicht das Geld der Domina Domitilla war, das er ausgab, viel eher das Familienvermögen, welches ein ganz spezifisches Mitglied der flavier zur Verfügung gestellt hatte.
    Aureus um Aureus kam heraus. Es sei dem Leser erspart, die quälend langsamen Bewegungen des Sklaven nachzuvollziehen; es sei nur erwähnt, dass der Sklave sich Zeit ließ, bis der Sklavenhändler beziehungsweise seine Schergen mit dem entzückenden hibernischen Paar vor der Domina angekommen waren.
    Da endlich produzierte obgemelter unglückseliger Sklave 20 Aurei und übergab sie pflichtschuldig. Dann hielt er inne. Glotzte unbeschreibbar dumm. Dann formte er seinen Mund zu einem unverständigen, dümmlichen O. Und erst jetzt, erst jetzt schaute er abermals hinab in seinen Beutel und fügte zur Gesamtsumme einen Sesterzen hinzu.
    Stolz grinste darob unser Sklave, der bewiesen hatte, dass er addieren konnte. Und simple Bewegungen mit seinen Armen ausführen.


    Sim-Off:

    Brüderlein zahlt's.

  • Fest kniff ich die Augen zu. Es war still geworden. Langsam wagte ich die Spannung zu lockern und noch langsamer öffnete ich dann die Augen. Kaum hatte ich meine Fähigkeit zu sehen wieder erlangt, sah ich auch schon den Sklavenhändler, der auf mich zeigte. Hatte ich? Hatte ich wirklich? Hatte ich tatsächlich soeben die beiden Sklaven dort oben gekauft? Ich konnte es gar nicht glauben. Doch, ich hatte! Denn der Sklavenhändler zweigte auf mich und nannte mich sogar eine junge Frau. Sogleich reckte ich stolz mein Haupt und meine Lippen formten sich zu einem vielsagenden Lächeln. Voller Stolz sah ich zu Amalthea, die neben mir stand und mehr oder weniger fassungslos Zeugin dessen geworden war, was sich soeben hier zugetragen hatte.
    "Ich glaube, ich habe soeben zwei Sklaven gekauft," sagte ich mit einem noch recht unsicher wirkenden aber glücklichen Unterton. "Ja, das hast du, domina," bestätigte sie. "Ich hab´s geschafft, Amalthea! Ich habe meine ersten Sklaven gekauft! Zwei auf einen Schlag!", jubelte ich. Ich war so stolz auf mich! Es gehörte doch schon viel Mut dazu um einfach '2001' in die Menge zu rufen. Warum eigentlich 2001? Warum nicht 2000 oder noch besser weniger? Denn wenn ich es genau bedachte, hatte ich eigentlich so viel Geld bei mir? Den Morgen über hatte ich ja nicht mit dem Geld meines Bruders gegeizt.

    "Und was gedenkst du mit zwei Sklaven zu tun, die kein Wort verstehen, domina?", erkundigte sich die Griechin und ich bemerkte es schon an ihrem Ton, dass sie ganz und gar nicht damit einverstanden war, was ich getan hatte.
    "Ach, da überlege ich mir noch was!", antwortete ich schnell und winkte unbesorgt ab. Von meiner Kinderfrau wollte ich mir den Triumph nicht nehmen lassen. Doch je länger ich darüber nachdachte, was man mit zwei Sklaven machte, die scheinbar nutzlos waren, packte mich schon das schlechte Gewissen. Schließlich lag es an mir, meinen Kauf vor meinem großen Bruder zu verantworten, der hier in Rom sozusagen als Stellvertreter meines Vaters über mich das Sagen hatte. Unbehagen stieg in mir auf. Amalthea, die mich ein Leben lang kannte, wusste dies natürlich. Doch statt mir Vorhaltungen zu machen, lächelte sie nur mütterlich. Sie gab dem Sklaven, der uns begleitete und das Geld hütete nur ein Zeichen, damit der die Zeche bezahlte.
    Das tat er dann auch. Die Sklaven wollte ich natürlich gleich mitnehmen. Während ich bereits wieder auf dem Weg zu meiner Sänfte war, führte man die Sklaven vom Podest. Sollten sich die Leibwächter darum kümmern, sie unbeschadet zur Villa zu treiben.


    Sim-Off:

    Ein dicker Schmatzer für den großen Bruder! [SIZE=7]Du darfst sie dir gerne mal ausleihen, wenn du willst! :D[/SIZE]

  • "HALT!", ertönte es aus der Richtung der flavischen Sänfte, jedoch erst nach einigen Augenblicken. Es hatte nämlich einige Momente gedauert, bis Flavius Flaccus erstens begriffen hatte, dass er offensichtlich überboten worden war, und zweitens, realisiert hatte wer solche Dreistigkeit besaß. Dann allerdings hatte es noch eine kleine Zeitspanne gebraucht, bis die Sänfte zu Boden gelassen war, und der Flavier seinen, reichlich unsanften, Weg aus derselben gefunden hatte. Kurz rückte er also seine Toga zurecht, um dann zügigen Schrittes, die Menge vor dem Podium, welche respektvoll zurückwich, gleichsam mit seinen purpurfarbenen Schuhen zu durchteilen, ein durchaus respekteinflößendes Bild abgebend. Noch während er ging formten drei Finger seiner rechten Hand in geübter Weise sich zum Rednergestus, und, erst als er schon direkt beim Podium angekommen war, bemerkte er, dass hier wohl gerade so etwas wie ein Familientreffen, jedoch in reichlich unpassendem Rahmen stattfand. Die Anwesenheit seines Onkels konnte Flaccus jedoch nicht beirren, sodass er, zunächst mehr an seine Verwandten, denn den Händler gerichtet, begann: "Seid ihr verrückt? Domitilla, du unterstehst der Patria Potestas deines Vaters ... ", und nach einem kleinen Blick, an ihr runter, " ... bist du überhaupt schon vierzehn?", dann jedoch mehr zu Piso: "Du musst doch über die Lex Flavia bescheid wissen. Du weißt schon, die de operositas..." Ob es wohl schön langsam bei den Anwesenden zu klingeln begann? "Domitilla ist nur beschränkt geschäftsfähig, und ich glaube kaum, dass sie mit ihrem Vormund diesen Kauf abgesprochen hat ..." Noch ehe jemand Einwand erheben konnte, sprach der Flavier schon weiter, nun jedoch an den Händler gewandt: "Du siehst, dieses Geschäft kann unter diesen Umständen keine Gültigkeit haben. Da ich der letzte war, der zuvor geboten hat, muss der Zuschlag also an mich gehen. Dir soll dadurch jedoch kein Nachteil entstehen, denn ich will dir den fixierten Preis bezahlen..." So weit so gut. Leicht schüttelte Flaccus den Kopf. Wenn das der alte Cato gesehen hätte. Ein Kind ... was heißt ein Kind, ein Mädchen, nichtmal noch verheiratet, schließt Geschäfte am Markt. O tempora, o mores!

  • Pisos Anwesenheit hier war komplett zufällig. Just in dem Moment, da Flaccus ihn sah, war er nämlich auf das Forum getreten, zu der Menschenmenge hin, die um zwei keltische Sklaven feilschte, und Domitilla bot für sie. Piso grinste. Verschränkte seine Arme und sah dem Schauspiel zu. Und grinste noch etwas breiter, als er sah, dass seine Schwester die Sklaven erstand. Kelten. Piso war Kelten gegenüber sehr affin, er sprach ein paar Brocken ihrer Sprache und verstand etwas von ihrer Kultur – besser gesagt, er wandelte ihre Kultur in etwas um, was ihm passte.
    Gerade stellte er sich darauf ein, dass er aufgrund der Tatsache, dass Domitilla diese Sklaven aus seiner Geldbörse heraus erworben hatte, diese Sklaven selber ausborgen konnte, da erschallte ein lauter, rüder Ruf durch die Menschenmenge. Piso sah Flaccus, der auf Domitilla zuschritt und auf sie einschimpfte, bevor er Piso, der bislang nichts mit der Versteigerung zu tun gehabt hatte – es war sein Sklave gewesen, der das Geld abgezählt hatte – erblickte und auf ihn zustampfte. Erzürnt blickte der Flavier auf den Jüngeren, als dieser zum Sklavenhändler hinzeterte, und erpackte ihn dann an der Schulter, bevor er selber etwas zu Tranquillus hinrief.
    “Ja, schwebend unwirksam, so steht es im Gesetz! Solange ihr Vater kein Einverständnis dazu gegeben hat! Doch steht im Gesetz nichts von vorheriger Erlaubnis, nein, auch nachträgliche Erlaubnis muss in jenem Gesetz subsumiert sein! Das impliziert das Wort „schwebend“. Ihr Vater hat ihr erlaubt, Sklaven zu kaufen, und wenn du, Sklavenhändler, eine Ratifizierung ihres Kaufes vonseiten ihres Vaters brauchst, so werde ich jene innerhalb von einer Viertelstunde produzieren können! Keine Sorge, Sklavenhändler, dieser Kauf ist gültig! Und du würdest gut daran tun, mir zu glauben, denn waren Flavier dir nicht immer treue Kunden?“
    Piso liebte es, so bombastisch aufzutreten. Die legale Meinung, die er hatte, könnte er natürlich besser formulieren, aber er hoffte, das seine Worte hier auch noch hinkamen. Es fiel es ihm schon auf, dass er damit Flaccus auf den Schlips treten konnte. Aber er genoss das Gefühl, mit großspurigem Auftreten andere hinwegzuwischen. Er wandte sich indessen an Flaccus, noch immer mit leicht saurer Miene, die seine innere Satisfaktion über sein Auftreten gerade eben nicht hinwegfegen konnte. Mit weitaus ernsterem Gesichtsausdruck spekulierte er, unter ihnen, sodass niemand mithorchen konnte, zu seinem Neffen hin: “Dir liegt wohl nichts, rein gar nichts an einem Platz bei den Septemviri? Hmm?“ Dann wandelte er sein Gesicht in ein freundlicheres um, in ein versöhnlicheres. “Komm, lass meiner Schwester den Spaß. Du kannst die Sklaven ja dir ausborgen. Gratis.“ Einladend lächelte er ihn wieder an.

  • Zitat

    Original von Linos
    Huch was war denn das? Da riefen doch zwei fast zur gleichen Zeit ihr Angebot.
    Suchend schaute ich mich nach der Frauenstimme um die geboten hatte.
    Dabei entdeckte ich Morrigan. Langsam arbeitete ich mich zu ihr vor und stieß diese an. "Sag mal hast du das gerade mit bekommen?"


    „Jup ich sage es doch immer wieder die spinnen die Römer.“ Morrigan grinste und ihr Grinsen wurde noch breiter als sich der eine echauffierte, weil ein Kind ihn überboten hatte. Gut der Typ hatte irgendwie Pech, immer und immer wieder wurden ihm die Sklaven, die er wollte vor der Nase weggeschnappt. Aber he er war scheinbar auch noch ein schlechter Verlierer.
    Zu Linos gewand sagte Morrigan. „Ich glaube der Typ der sich so aufregt, dem ist gerade der 3. Kauf misslungen. Aber das er dieses mal von einem Kind überboten wurde scheint ihm wirklich den letzten Nerv zu rauben, was meinst du ob er gleich in die Luft geht?“

  • „Ganz bestimmt so wie der aussieht. Dabei bemühen sie sich die Römer doch immer so ihre Würde zur Schau zu stellen. Bei solchen Gelegenheiten vergessen sie dann ihren Standesdünkel und zeigen ihr wahres Gesicht. Und zu deiner ständigen Behauptung, dass die Römer spinnen, kann ich dir nur Recht geben. Vielleicht sehen wir hier gleich noch ein Schauspiel besonderer Art“, fügte ich hinzu, als ich sah wie sich ein Familiengrüppchen bildete.

  • Titus war es im Grunde genommen vollkommen Schnurz, wie alt der Käufer seiner Ware war. Meinerwegen könnte ein Säugling Kraft seiner ersten Worte zehntausend Sesterzen proklamieren, solange er diese zehntausend Sesterzen auch letztendlich ZAHLTE. So einfach war die Sache für ihn. Dass die junge Frau den Betrag dann auch von einem Sklaven hinter sich hertragen ließ, besiegelte den Kauf dann auch für ihn. Niemand gab einem so jungen Gör soviel Geld mit, wenn nicht zu einem bestimmten Zweck.


    So hörte er sich die Reden des jungen Mannes an, der in letzter Zeit schon zwei Mal den Kürzeren bei seinen Auktionen gezogen hatte, und stempelte den Bub dann als schlechten Verlierer ab. Bevor er allerdings dazu kam etwas zu erwidern, schoss dann auch gleich noch ein Mann in die Querelei, und das Chaos war perfekt.


    "Aha.", räusperte er sich schließlich, "Wenn das so ist, schlage ich vor, dass ihr das unter euch ausmacht. Die Sklaven gehören der jungen Domina, die so jung garnicht mehr ausschaut. Folglich: wenn ihr das nicht untereinander löst, will ich die Erklärung ihres Vaters. Bis dahin gelten die Sklaven als in ihrem Besitz, und das Geld als in meinem. Den Rest macht unter euch aus..."


    Sprach's, und wandte sich dann seinen weiteren Geschäften zu.


    Sim-Off:

    Sollte die Dame wirklich jünger als 14 Jahre sein, würde ich die Signatur "Adulescens" vorschlagen, die für Charaktere dieser Altersklasse vorgesehen ist.

  • Die Stirne des Jüngeren der beiden Flavier legte sich in tiefe Furchen, als er an der Schulter gepackt wurde, und doch streckte er sein Rückgrat durch, sich auf diese Weise einerseits zu seiner durchaus außergewöhnlichen Größe aufrichtend, andererseits allerdings auch, um ein noch eindrucksvolleres Bild, quasi der gravitas in Person, zu zeichnen. Als Personifizierung eben jener sowie der alten Sitten kam er sich im Moment auch vor, und so war er durchaus verwundert, dass gerade sein Onkel sich offenbar deutlich gegen ihn positionierte. Im Grunde war das Ganze hier wohl auch eine Verkettung unglücklicher Zufälle, denn Flavius Flaccus war in der Tat ein äußerst schlechter Verlierer, wenngleich sich sein Unmut darüber für gewöhnlich in weitaus subtilerer Weise zu manifestieren pflegte. Mit noch tiefer gerunzelter Stirn folgte er sodann gezwungenermaßen den Worten Pisos, als jener das Gesetz gleichermaßen zugunsten Domitillas auszulegen begann.


    Als Piso sich daraufhin mit leicht säuerlichem Gesichtsausdruck zu ihm umwandte, verschränkte der jüngere die Arme vor der Brust. "Nun gut. Es mag nach den Gesetzen durchaus möglich sein, doch es widerspricht den alten Sitten, ja es zieht den mos maiorum in den Dreck ...", erwiderte er, ebenfalls in deutlich gesenkter Lautstärke, sodass nur sein Verwandter ihn hören konnte, mit gleichermaßen ernstem Gesichtsausdruck. "Gerade du müsstest doch darauf erpicht sein, dass sie den väterlichen Sitten treu bleibt, du bist schließlich ihr Bruder.", fügte er hinzu, "Und als Mitglied des amplissimum collegium septemvirorum, müsste dir doch die Wahrung des mos maiorum in der gesamten civitas ein gewichtiges Anliegen sein." Die Zeiten waren bedrückende, wenn anscheinend selbst die höchsten Priester nicht mehr auf die Wahrung von rechtschaffenem Anstand und Sitte wertlegten. Dann wurde sich der Flavier jedoch erst der unverblümt ausgesprochenen Drohung bewusst, mit der sich Piso ja direkt an ihn gewandt hatte. "Der Ruf meiner gravitas und dignitas wird die höchsten Collegia zu gegebenem Zeitpunkt für mich gewinnen. Doch diese Frage wird sich ohnehin erst in zehn Jahren stellen." Schließlich durften dem ehrwürdigen Collegium der Epulonen ohnehin lediglich Konsulare angehören. Dann jedoch wandelte sich die Miene seines Gegenübers mit einem Schlag in eine freundliche um, und Flaccus hatte redlich Mühe diesem urplötzlichen pisonischen Sinneswandel zu folgen. Es dauerte also einige Augenblicke, bis auch jener sein ernstes Gesicht einigermaßen gelichtet hatte und das einladende Lächeln Pisos erwiderte. "Klar lass' ich ihr den Spaß...", meinte er also, denn gegen Domitilla hatte er ja rein gar nichts, nach ihrem Gespräch vor längerer Zeit im Garten der flavischen Villa, hielt er sie sogar für ein durchaus aufgewecktes Mädchen, lediglich die Umstände der letzten Minuten hatten seine pflichtbewusste, rechtschaffene, seine römische Seele getroffen. Dann formte sich sogar Stück für Stück ein breites Grinsen auf den Zügen des Flaviers. "Dann sind wir jetzt wohl quitt.", stellte er pragmatisch fest, nun jedoch bereits bis über beide Ohren grinsend, "Du weißt schon, für die Sache bei Nigrinas Sponsalia ..." Klar würde er es wissen. Dann wandte Flaccus sich auch noch an Domitilla, wobei er sich ein kleines Stück nach unten beugte, "Nichts für ungut ...", meinte er lächelnd, "Viel Spaß mit den Sklaven..." Und schließlich noch an den Händler gewandt. "Guter Mann, hier hat alles seine Richtigkeit. Ich bedauere, durch mein forsches Auftreten einige Aufregung hervorgerufen zu haben, doch ein kleiner juristischer Irrtum hatte sich hartnäckig in meinem Geist festgesetzt." Tatsächlich drückte Flaccus durch diese euphemischen Worte das direkte Gegenteil seiner persönlichen Meinung aus, in der Hoffnung, seine Verwandten würden das zu schätzen wissen, um nicht eben jene, und dadurch implizit auch die gesamte flavische gens als Verachter der alten Sitten zu deklarieren, was nun wirklich ganz und gar nicht in seinem Sinne lag.


    Dann wandte er sich wieder zu seinen beiden Verwandten um und bedachte auch jene nochmals mit entschuldigenden Blicken. Somit hatte er wohl gerade in einer ziemlich unkomplizierten Weise einen Weg aus seinem eingens fabrizierten Debakel gefunden, indem alle Beteiligten ihr Gesicht wahrten, und hoffentlich auch kein allzu großer Unmut entstanden war. Im Grunde war die Situation auch paradox - eine Gens sollte wohl in solchen Angelegenheiten noch näher zusammenrücken, als gerade das Gegenteil zu tun. Dennoch sah er sich mit der seltsamen Tatsache konfrontiert, dass er, wiewohl nach Minimus der jüngste Träger der Toga in der flavischen Villa, doch am stärksten den alten Sitten und Traditionen verhaftet schien. Ob das dem deutlich konservativen Landleben, in welchem Flaccus groß geworden war, oder eher dem Studium der alten Schriften etwa eines Cato, oder aber einer grundsätzlich sehr konservativen Charakterprägung zuzuschreiben war, sei dahingestellt. Eines stand jedoch fest, auf den Sklavenmärkten würde man Flavius Flaccus in nächster Zeit wohl nicht mehr antreffen.


    [SIZE=7]EDIT: kleine aber fatale Auslassung korrigiert[/SIZE]

  • Piso, nicht kleiner als Flaccus, aber dennoch nicht so gravitätsvoll – nein, innerlich verbiss er sich sogar ein Grinsen, als er das, wie das Bürschelchen gezwungen würdevoll tat – blinzelte, als Flaccus ihm unterstellte, er zöge die Mos Maiorum in den Dreck. Hmm. Tat er das? Gut möglich. Aber war Piso ein Mann, der sich sonderlich um die Mos Maiorum scherte? Nun, freilich, aber stets nur dann, wenn es zu seinem Vorteil gereichte. Wenn es mit Unannehmlichkeiten, gar Pflichten, verbunden war, ging es ihm am Hintern vorbei. Und momentan war es ihm lieber, dass seine Schwester einfach die Sklaven bekam und fertig, anstatt dass die Flavier ein unwürdiges Selbstzerfleischungsritual am Markt aufführen würden. Flaccus kam ihm noch mit seinem Status als Bruder und als Septemvir. Nun ja. Piso ersparte es sich, Flaccus anzufahren, dass er Recht habe – er war der Bruder und wüsste sehr gut, was für seine Schwester angemessen war; und ohnehin sollte Flaccus den Schnabel nicht zu weit aufreißen, bevor er nicht den gesellschaftlichen Rang erreicht hatte, den Flaccus bei Piso herausdeutete. Doch es hätte eh keinen Sinn. Flaccus indessen motzte noch ein wenig herum. Er wollte wohl andeuten, er konnte auf Pisos Unterstützung bei den Septemviri verzichten? Nun gut, das ließ sich auch noch glatt einrichten. Und, das fand der Flavier besonders lustig, er versuchte Piso wohl wegen der Sache bei der Sponsalia ein schlechtes Gewissen einzujagen. Aber nun ja. Seit Piso wusste, was für ein Miststück diese Axilla war, hielt sich sein schlechtes Gewissen, dass er sie davon abgehalten hatte, Flaccus mit ihrem Schmarren, den sie verzapfte, zu vergiften, in Grenzen.
    Er tat also das, was ein Flavier am besten konnte – er zog seine linke Augenbraue, eher unbewusst als gewollt, hoch, und schob Stoizismus vor. Erst, als Flaccus zum Sklavenhändler rief, das alles in Ordnung war, bildeten seine linke und rechte Stirnhälfte wieder ein Äquilibrium.
    Piso blickte Flaccus mit ein wenig gemischten Gefühlen hinterher, als jener abzockelte, und schnaufte leise aus. ”Mos Maiorum… pfff... bei meiner Ehr’…”, mauschelte er. “Bin ich total von Verrückten umgeben?“ Natürlich, antwortete eine Stimme in seinem Kopf, bist du das, schließlich bist du ein Flavier, der inmitten seiner Gens lebt.
    Er wandte sich zu seiner Schwester, neben die er sich hingestellt hatte, hin und zwinkerte ihr zu. “So, das wäre geschafft. Bring du die Sklaven heim, ich kümmere mich um den Rest. Wir sehen uns!“ Und als Domitilla ihre neuen Spielzeuge heimtrotten ließ, eilte der Flavier ihr voraus in die Villa.


    Kurze Zeit später erschien ein flavischer Laufbote bei Titus Tranquillus und überbrachte ihm einen Brief von Cnaeus Flavius Aetius, welcher dem Sklavenhändler mitteilte, der Handel ginge in Ordnung und es gäbe keine Einwände - eine eindeutige Ratifizierung. Die Sklaven gehörten nun endgültig ihrer Käuferin.

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