• "Es wäre jedenfalls gut wenn man sich im Senat erneut sehen würde, da wäre es sicher immer noch am Besten." Und da war es für ihn deutlich von Vorteil einen Patrizier zu kennen, sehr von Vorteil. Sollte Salinator bis dahin nicht den Senat aufgelöst haben oder sonstige Schandtaten getrieben haben, zuzutrauen war ihm alles, wenn man dem was man so hörte glauben schenken mochte.


    "Ich kenne mich gut mit Wein aus, für die Cervisia habe ich mir einen Fachmann aus Germanien gekauft, ein Glücksfall sondergleichen auf dem Sklavenmarkt." Er verschwieg dass der Germane etwas zu eifrig mit den Qualitätsprüfungen war, das musste ja nicht jeder wissen. "Für das Weingut hätte ich immerhin bereits auf einer Landvilla der Decima einen Fachmann aus Spanien. Irgendwer muss dort ja auch auf alles achten wenn ich nicht in Ostia verweile."

  • Lepidus schmunzelte über den Optimismus von Flavus. "Bis in den Senat wird es ein weiter und beschwerlicher Weg. Ich mag noch kaum daran denken, aber wenn du dir deiner Sache schon so sicher bist, dann sehen wir uns wohl im Senat. Haha!" Als Flavus vom Wein sprach, bekam Lepidus auf der Stelle Durst. Etwas Wein täte seiner trockenen Kehle wirklich gut. Lepidus wurde aber auch zunehmend müder und es wäre gut, wenn er nicht allzu kaputt nach Hause käme, da er auch noch viel Papierkram zu erledigen hatte, allerdings wollte er sich auch ungern von seinem neuen Bekannten trennen. "Flavus, die Kraft kommt mir so langsam abhanden. Was hältst du davon, wenn wir das Sudatorium überspringen und nur noch eine kleine Runde im Kaltwasserbecken drehen?" Lepidus hielt das für den besten Kompromiss, den er mit sich vereinbaren konnte.

  • "Es wird ein langer Weg werden, aber ich denke im Senat werden wir uns treffen, du scheinst kein mann zu sein der aufgibt und ich habe eine Familienehre zu bewahren." Immerhin gab es seit längerem keinen Senator der Gens Decima in Rom, es wurde wieder Zeit.
    Kaltwasserbecken und dann Ende? Ja das kam Flavus gelegen, er wollte noch ein paar Dinge erledigen bevor der Tag sich dem Ende neigte.
    "Ich habe nichts dagegen einzuwenden, ursprünglich wollte ich gar nicht so lange in der Therme verweilen."

  • "Da haben wir wohl beide ein wenig die Zeit vergessen, doch dies ist zweifellos nicht immer ein schlechtes Zeichen. Wie wird dein Tag heute noch aussehen, Flavus? Lehnst du dich gemütlich zurück, wenn du nach Hause kommst und genießt einen schönen Wein oder wartet noch die Arbeit auf dich?" Inzwischen war Lepidus aufgestanden und sie bewegten sich langsam aber sicher zum frigidarium.

  • Wie sein Tag aussehen würde? Das war eine gute Frage, so genau war er sich dem noch nicht bewusst. "Ich müsste zwei oder drei Schreiben fertigmachen, geschäftliche Dinge erledigen und wollte noch an der Schola vorbei mir etwas Lektüre besorgen, römisches Recht und sowas." Und dann mal sehen, vielleicht wirklich gemütlich zurücklehnen? Erneut die Sklavin antanzen lassen? Er wusste es nicht so recht.
    "Aber wenn man die Zeit sinnvoll nutzt ist sie nicht vergessen lieber Lepidus. ERs war sicher keine vergeudete Zeit."

  • "Römisches Recht? Du planst wohl den Cursus Iuris an Schola Atheniensis abzulegen. Wenn du vorhast mal Prätor zu werden, musst du über das Recht auch bestens bescheid wissen", stellte Lepidus fest. "Ich selbst versuche derzeit mein wissen über unsere lange römische Geschichte aufzufrischen. Ich vermute, es macht sich ganz gut in der ein oder anderen Rede ein historisches Beispiel anzufügen. Die Menschen sind so leicht zu verführen, wenn sie etwas aus der Vergangenheit hören und ihr vor Stolz geschwelltes Römerherz fast platzen möchte."

  • "Ja genau das habe ich vor. Es ist außerdem ja nicht gerade ein unwichtiges oder uninteressantes Thema. " und Advocaten waren auch oft gefragt, wenn er gut war konnte er sich damit auch einiges an Geld verdienen.
    "Na dann viel Erfolg, die Geschichte ist ja nicht gerade kurz, aber ich denke so shclimm wie du die Römer darstellst sind sie ja nun auch wieder nicht. Stolz ja, aber nicht leicht zu verführen."

  • "Achja? Wir alle sind doch alle Schafe." Die Plebejer etwas mehr als die Patrizier, dachte sich Lepidus natürlich. "Wir neigen dazu einem Hirten zu folgen, der uns den Weg weist. Der Hirte, der so weit über uns steht und an den unsere Existenz auf Wiesen und unter Wolle nie heranreichen kann. Es reicht, dass ein Römer von hohem Rang, sei er auch noch ein Angehöriger der Nobilitas, auf die Rostra tritt und spricht: 'Dort steht der Feind! Seht ihr ihn nicht? Es ist das Angesicht des Superbus! Ein Tyrann! Nein, er ähnelt auch dem Cassius, dem Verräter! Die Fratze der Niedertracht steht uns entgegen und erneut droht sie uns, droht unserm Glück und unserm Frieden!' Und die Römer erinnern sich, sie erinnern sich der Geschichten, die sie einst hörten und die sie über alles liebten; ihre Vergangenheit erfüllt sie mit Stolz und nicht selten lässt sich ihr Stolz missbrauchen. Die Geschichte lässt sich instrumentalisieren und wer mag leugnen, dass sie sein tiefstes Inneres berührt? Es verleiht den Worten Glaubwürdigkeit und eine große Bewunderung wird den Worten folgen. Das einzige, was bleibt, ist großer Applaus." Lepidus klatschte in die Hände, es war ein geradezu zynischer Moment. "Und alle folgen dem Hirten. Guter Decimus, wer denkt, er sei nicht zu verführen, der ist bereits verführt." Und Lepidus beendete seine Ausschweifungen mit einem ebenso zynischen Lächeln.

  • Flavus lachte, er verstand die Logik des Patriziers, aber sie war nicht ganz durchdacht. "Nun lieber Tiberier, das wird schon stimmen aber du sagtest selbst: Wir sind alle Schafe, dann sag mir auch wer der wahre Hirte ist? Die Christen sagen es gäbe nur einen Gott, wir sagen es gibt viele Götter aber unsere Götter sind keine Hirten. Ich habe nichts gegen die Christen, aber ihr Glaube ist mir suspekt. Und wer ist der Hirte, wenn denn nicht die Götter?"
    In einem Punkt hatte er aber besonders recht. "Allerdings neigen die Römer dazu den Worten schnell Glauben zu schenken, sich beeinflussen zu lassen. Eine Tatsache die man immer wieder schamlos ausnutzen kann, sollte man keine Skrupel kennen."

  • Christen? Hatte er da richtig gehört? Lepidus wär fast wild aufgesprungen, es gab kaum etwas, was ihm abscheulicher war, doch er fasste sich gerade noch bevor er sich seines Stands unwürdig verhielt. "Flavus, wie kommst du denn nur jetzt auf diese widerliche Sekte? Darüber brauchen wir gar nicht erst reden. Jedes Wort über sie ist verschwendete Luft!" Lepidus meinte zwar einigermaßen nachzuvollziehen, wohin der Decimer die Diskussion lenken wollte, doch das war nicht ganz das, was Lepidus sagen wollte, in jedem Fall fühlte sich Lepidus missverstanden. "Nein, ich wies lediglich die Möglichkeiten der Verführbarkeit durch geschichtliche Rhetorik nach; das sprachliche Bild der Schafe und dem Hirten diente mir lediglich als vereinfachtes Gedankenkonstrukt. Dass die Wirklichkeit, wie so meist, etwas komplexer ist, das mag wohl sein."


    Lepidus sah sich um und stellte fest, dass kaum noch jemand im frigidarium verweilte. "Sieht aus als würden sich die Reihen lichten. Auch wir sollten nun aufbrechen. Der Entspannung wurde genüge getan und nun heißt es wieder geschäftig zu werden, mein Freund."

  • "Ich habe dich schon verstanden, ich wollte nur wissen wie du darauf konterst Lepidus. Vergleiche können schnell gefährlich werden, denn sie können auch mal schwer zu beantwortende Fragen nach sich ziehen." Wie in diesem Fall, denn nun wich er Flavus Frage ja gekonnt aus.
    "Mir fiel dieses Christenvolk nur ein weil es die erste Sekte ist die von einem Gott faselt, naja und die Juden eben. Aber für mich ist das irgendwie alles eines, falsche Ansichten eben." Da waren ihm sogar Barbaren lieber, die hatten wenigstens den Römern ähnliche Götter.


    Er sah sich um, sie waren wirklich alleine, mit Ausnahme eines älteren und eines jüngeren Mannes die nicht so aussahen als wären sie nur der Therme wegen hier. "Ja ich denke wir sollten den Tag noch ausnutzen. Es war nett dich kennengelernt zu haben, du wirst ein Schreiben von mir erhalten Tiberius Lepidus."

  • Lepdius freute sich innerlich, der Frage so gut ausgewichen zu sein. So umging er es in der Diskussion seine eigenen rhetorischen Schwächen offenbaren zu müssen. Ja, Lepidus Charakter hatte schon so manches Defizit. Über die Christen wusste er allerdings nur wenig. Informationen, die er für nicht wichtig hielt, blendete er ohnehin völlig stur aus. "Ich erwarte dein Schreiben, Flavus, mögen sich unsere Wege bald wieder kreuzen."


    Zurück im apoditerium, stand bereits ein Sklave, der die Wertsachen und die Kleidung von Lepidus über die ganze Zeit bewachte. Lepidus begann sich anzuziehen und freute sich bereits wieder in die Villa Tiberia zurückzukehren. Auf dem Weg ließ er den Thermenbesuch noch einmal Revue passieren. Dieser Flavus schien in jedem Fall sehr aufgeweckt. Es missfiel ihm ein wenig, dass er Plebejer war und Politiker sein wollte, aber heutzutage war das (leider) nichts Ungewöhnliches mehr. Dennoch hatte der Mann wohl Potenzial, was Lepidus zweifellos anerkennen musste. In jedem Fall würde er ihn im Auge behalten und warten, was die Zukunft bringt.

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