Die Suche nach dem legatus

  • Verus, seines Zeichens nervöser Optio, ließ anhalten. "Halt," brüllte er, als er über die Schleifspuren und abgeknickten Äste gestolpert war. Dann ging ein Legionär auf ihn zu. "Optio, dort vorne ist eine Rauchsäule, scheinbar ein Feuer," erklärte der Soldat knapp und deutete zum Himmel geradeaus, wo die schwarz-graue Säule stand. Verus nickte. "Gut," war er nun gefordert. Er überlegte. Der junge Tiberus beugte sich vor, stellte sein Gepäck ab und ging den Schleifspuren entgegen, legte seine Hand auf sie und versuchte ihre Richtung auszumachen oder besser, wie sie entstanden waren. Dann fiel Verus Blick in den Bauchlauf, die Spuren hatten ihn geführt, zu dem Schimmern daneben. Erstaunt weitete er beide Augen, nickte für sich und erhob sich. Dennoch, all das konnte unwichtig sein, ein Tier, welches hinabgefallen war aber es erklärte nicht das Feuer. Vielleicht Wilderer, die hier Müll oder Tierreste entsorgt hatten? In den Bergen? Verus war skeptisch, trat vorsichtig vor seine Männer, um selbst nicht abzurutschen. Er musste entscheiden, was er ungerne tat.


    "Gut, drei Mann erkunden das Feuer. Der Reiter und Miles Matinius verbleiben hier, für alle Fälle. Der Rest und ich klettern hinab zum Bauchlauf, der Spur nach." Und so ließ man die Gepäckstangen zurück, wie auch die schwere Rüstung und hangelte sich - fast rutschend - zum Bach hinunter, während drei Mann vorsichtig vorweg eilten, um das Feuer zu erkunden. Nur Matinius und der Reiter blieben zurück. Verus hatte vorher noch den Befehl gegeben, ein Seil zu verwenden, um sich abzusichern. Ein großes Seil hielt nun also einige Männer, welches an einem toten Baumstumpf befestigt war.


    Sim-Off:

    Ich hoffe, es richtig interpretiert zu haben. :D

  • Wenn die drei Mann die nächste Biegung passierten erreichten sie eine flache Anhöhe mit einer kleinen Kate darauf, aus deren Schornstein sich die Rauchsäule emporschlängelte. Vor dem Haus stand eine Bank mehr war im ersten Moment nicht zu sehen. Wenn sie weiter auf das Haus zugingen jedoch erschien ein alter Mann in der Tür der die Soldaten abschätzig musterte. "Waswollter?" fragte er im kaum verständlichen Dialekt der Bergbewohner, der zugleich ziemlich feindseelig klang.


    ~~~


    Der Abstieg war ein kampf, es gab kaum einen sicheren halt an der steilen Bergkante und man trat immer wieder kleine Erdbrocken in das Tal. Bald schon zeichnete sich ab, dass das Seil nicht bis zum Boden reichen würde, wenn man es nicht umhängte, aber sehen konnte man mittlerweile besser. Ein Toter lag im Bachbett. Nicht irgendein Toter, sondern ein Toter in Rüstung und mit scharlachrotem Mante.


    Sim-Off:

    Herzlichen Glückwunsch, ihr habt den legatus schon mal gefunden. Jetzt müsst ihr nur noch rankommen :D

  • Die Soldaten beim Haus staunten nicht schlecht, welches Landei ihnen nun die Tür öffnete. Sein Dialekt tat sein Übriges dazu, dass sich die Legionäre verwundert umblickten. "Wir sind auf der Suche nach einer Person," erklärte der jüngste im abgesandten Bunde. Eine einfache Aussage, die das Interesse der Staatsdiener klarmachte. Mehr Informationen brauchte es vorerst nicht, da die Feindseligkeit nicht noch unterfeuert werden sollte. Man wusste nicht, wie er reagieren würde und so wanderte die Hand vorsichtig in Richtung Schwertscheide, ohne derartig hektisch zu wirken. Es war ein vorsichtiger Griff auf den Knauf.


    Verus blickte auf eine leblos scheinende Person im Bett des Baches. Kaum noch konnte er sich halten, nur das Seil gab ihm Sicherheit. Seine Füße rutschten auf einigen Kieseln, Grasresten und Moos. "Dort," rief der Optio zu seinen Männern, um ihn klarzumachen, dass er etwas gesehehen hatte. Dann zeigte er auf die Leiche in Rüstung. Verus konnte nicht sagen, ob er noch lebte aber der grau-weiße Hautton sprach nicht für einen glücklichen Fund. Man musste handeln. Immerhin gebot es die Ehre, einen Waffenbruder zu bergen und zu bestatten. Die Entscheidung war getroffen. "Ruft hinauf, wir brauchen ein weiteres Seil," befahl der Anführer und die Soldaten hinter ihm gaben den Befehl war. Der Reiter, der mit Matinius zurückgeblieben war, warf ein Seil hinab, welches Verus nur mühsam greifen konnte aber es gelang. Der Tiberius reichte das eine Ende seinen Männern und sagte: "Festhalten." Die Soldaten umgriffen das Tau fest, während sich der junge Mann vom Seil löste und am verlängerten Seil hinabstieg in den Bach. Es war schwierig und Verus stieß sich die Knie wund am schroffen Boden mit scharfem Gras. Dann erreichte er die leblose Person, ließ das Seil los und beugte sich zu diesem hinab. Eindeutig tot. Alleine die Verfärbungen und die Blutreste am Mund. Sicherheitshalber fühlte Verus noch die Hand. Kalt, völlig kalt. Verus schluckte, denn er hatte noch keinen Toten direkt angeblickt. Verus kniete nun neben der Leiche, hob die Hand an und suchte den Siegelring. Den er auch recht schnell fand. Ja, ein Römer. Die Rüstung und der Mantel deuteten auf den Legaten hin. Verdammt. Sie waren zu spät. Nun war es nur noch eine Bergungsoperation. Verus entschied sich, das Seil um den Unterleib des Legaten zu binden und diesen, gewickelt in seinen Mantel, den Berg hinauf zu ziehen. Was dann auch geschah. Oben angekommen, ließ er den Legaten auf den Rücken des Pferdes laden, wo dieser nun, wie ein Sack hing. Der Reiter brach auf, um die Überreste eines Lebens zum Kastell zu bringen. Verus sank erschöpft auf die Knie, seufzte und suchte sich selbst. Damit hatte er nicht gerechnet.

  • Als der Reiter seiner Wege zog, um die Leiche in halbwegs sicherem Zustand nach Mantua zu bringen, blickte Verus auf den Boden. Es war nicht so, dass er sich nicht freute, die Mission abgeschlossen zu haben aber irgendetwas hinderte ihn daran, einfach den Befehl zum Rückmarsch zu geben. Zudem fehlten noch die Kameraden, die zur Rauchsäule geeilt waren. Erschöpfung mischte sich in seinen Zustand, ebenso wie die heraufziehende Nacht mit ihrer Kälte. Die Sonne ging in einem dezenten Orange unter. Es war merkwürdig hier zu sein. An diesem Ort, wo ein Mensch einsam sein Leben beendet hatte. Starben nicht alle einsam? Verus kamen solche Gedanken. Es war die dunkle Magie des Todes, die ihn umfing. Dieses Gefühl der Bedeutungslosigkeit im Angesicht des kosmischen Spieles. Sollte er beten? Zu welchem Gott? Die Götter hatten ihren Spaß und genossen ihre Unsterblichkeit. Doch war Unsterblichkeit wirklich Erlösung? Der junge Soldat Verus brauchte Luft, holte diese ein und blickte in den Sonnenuntergang. Ein Legionär trat zu ihm, rieb seine Schwielen, die das Seil an seinen Händen veursacht hatte und fragte schüchtern, um den versunkenen Optio nicht zu stören: "Befehle, Optio?" Es gab in diesem Moment keine Befehle vom einsamen Tiberius Verus, welcher den wunderschönen Sonnenuntergang betrachtete. Ihm wurde die Endlichkeit aller Dinge bewusst, auch der Liebe. Calena war weg. Vor wenigen Tagen hatte er noch mit Hadrianus, seinem Centurio, darüber gesprochen und nun war es ihm klar. Der Sinn der Suche erschöpfte sich. Der Soldat erhob sich, spürte die aufgeschlagenen Knie, und sagte: "Schickt nach unserem Kommando, welches das Feuer untersuchte. Wir kehren zurück," es war gesagt. Nüchtern und bedeutungsleer. Man ging einfach nach Hause. Die Magie des Orange lag über ihnen.

  • Nicht mehr als ein Brummen kam über die ungeöffneten Lippen des alten Mannes vom Berge. Aber eine winzige Änderung der Neigung seines Kopfes zeigte, dass er nun zuhörte. Das war jedoch schon alles, was er tat und falls er den Griff zum Schwert registriert hatte, so schien ihn das wder zu verwundern noch sonderlich zu interessieren.


    Die Soldaten dagegen, die die unschöne Aufgabe hatten, den legatus hochzuziehen kamen nun ganz schön ins Schwitzen. Weder war der legatus der schlankeste, noch die Rüstung besonders leicht. Vom Anblick den die Soldaten unten hatten, war ganz zu schweigen. Der Mann hatte schon mehrere Tage in dem Gebirgsbach gelegen, entsprechend aufgedunsen waren Gesicht und der restliche Körper. Zu allem Überfluss hatten noch Vögel die Augen des Offiziers herausgepickt, wie man erkannte, als die Leiche oben auf dem Weg auf dem Rücken zum liegen kam.


    Augenblicke später tauchte bei dem kleinen Haus ein weiterer Soldat auf, der seine Kameraden zurückrief, als die Soldaten abdrehten ging der alte Mann zurück in die Kate.

  • Es war an der Zeit. Verus blickte auf seine Hände, die er, fast in Gebetshaltung, vor sich hielt. Niemanden ließ so etwas kalt. Man versteckte nur seine Gefühle und Gedanken. Die Menge an Leichen nahm einem Soldaten nicht das Gefühl, dem Tod näher zu sein, als andere. Für den jungen Tiberius war es sogar seine erste Leiche. Es gab hier nichts mehr zu sagen oder zu tun. Verus nahm sich einen Lappen aus dem Gepäck, etwas Wein, um sich seine Hände zu waschen. Er hatte das Gefühl dies tun zu müssen und zwar mit duftendem Wein, wie es unter Soldaten üblich war, um Blut zu entfernen. Es galt der Spruch: Rot gegen Rot vertreibt Tod. Der Optio goss sich etwas verdünnten Wein in die Handflächen und trocknete dann mit dem Tuch nach. Die Männer, die den Legatus angehoben hatten, näherten sich auch, um etwas Wein zu erhalten, um ihre Handflächen zu reinigen. Ein üblicher Prozess der Reinigung. Der Lappen machte wortlos die Runde, während der junge Mann, der nun Anführer war, die kleine Metallkaraffe verschloss und zurück ins Marschgepäck hängte. Nach einer kurzen Weile waren alle Soldaten wieder zusammen, hatten ihr Gepäck sowie Ausrüstung aufgenommen; nebst Seil, welches notdürftig zusammengerollt worden war. Verus ließ seinen Blick noch einmal über die Schleifspuren am Boden wandern. Was für einen Tod mochte der Mann gehabt haben? Wahrscheinlich einen langsamen, einsamen Abschied aus dem Leben. Mitgefühl und Resignation keimten gleichzeitig als Verus die Hand hob und das Zeichen zum Abmarsch gab. "Wir gehen," sagte der Optio halblaut. "Nach Mantua!" Keine Antwort. Die Legionäre setzten sich still in Bewegung.

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