[Templum Apollonis Granni Mogonis] Die Ausbildung des Helvetius Curio

  • Curio war heute bereits früh im Tempel gewesen. Das auch deshalb, weil er die Paterae reinigen sollte. Er gab sich dabei alle Mühe, nur bei einer hatte er sichtlich Schwierigkeiten gehabt, bis er gesehen hatte, dass sie einen leichten Sprung hatte.


    Ja, das habe ich, Livianus. Nur bei der Patera mit der Apollo und der Schlange habe ich einen Sprung gefunden, der mittlerweile einiges an Schmutz angesetzt hat, den ich auch trotz aller Anstrengung nicht entfernen konnte. Sie sollte daher bezeiten zu einem Töpfer gebracht werden, vielleicht kann der sie ja noch reparieren.


    antworte Curio daher auf die Frage des alten Aedituus, bevor er sich auf seinen Hocker setzte und Tabula und Stilus zückte, um sich, wie auch schon bei seiner letzten Lehrstunde, Notizen machen zu können.

  • Livianus Pythermon


    "Wie schade, die mochte ich besonders. Am besten, du gehst gleich morgen und suchst einen geeigneten Töpfer, um das Stück zu reparieren."


    entschied der Alte kurzerhand, dann war es aber wieder an der Zeit, ein wenig theoretischen Unterricht zu machen.


    "Heute soll es etwas um den Kult gehen. Wir beginnen mit dem Personal, das am Kult beteiligt ist - welche Gruppen fallen dir dazu ein?"





    MPC

  • Curio nickte und überlegte, zu welchem Töpfer er gehen könnte. Bestimmt fand sich in den Markthallen oder auf dem Forum ein guter Töpfer. Oder er müsste sich mal umhören, ob es einen bekannten Töpfer in der Stadt gäbe, den er aufsuchen sollte, um das die schöne Patera reparieren zu lassen.


    Das mache ich, Aedituus.


    antwortete er dann schnell, konzentrierte er sich danach aber wieder auf die seinen Unterricht. Heute würde er mehr um den Kult gehen, daher wartete Curio die Frage von Livianus ab und dachte nach, um zu überlegen, wen er zuordnen konnte.


    Also am wichtigsten ist wohl der Opferherr, also derjenige, der das Opfer durchführt. Oft ist auch ein Aedituus dabei, der dem Opfernherrn assistiert und ihn auch vorher schon beraten hat. Während des Opfer kommen dann die Ministri dazu, also Opferhelfer.


    Curio machte eine Pause, da seine Gedanken einen Augenblickten zustocken schienen.


    Ach ja, und natürlich bei blutigen Opfern ein Victimarius.


    Wieder stoppte Curio, schaute kurz an die gegenüberliegende Wand und nickte dann. Das waren die Teilnehmer, die ihm jetzt eingefallen waren. Allerdings ohne Gewähr auf Vollständigkeit.

  • Livianus Pythermon


    Offensichtlich hatte sein Discipulus die Frage ein wenig falsch aufgefasst, weshalb Livianus nachhakte:


    "Für ein Opfer, natürlich. Ich meinte aber, welche... nennen wir es "Berufsgruppen" für den Kult zuständig sind. Ministri sind das eine, der Aedituus - und wer noch?"


    Natürlich griff die Frage auch auf die letzte Lektion zurück - trotzdem wollte der Alte noch einmal alle Gruppen durchgehen.





    MPC

  • Curio runzelte die Stirn. Da war er wohl etwas zu voreilig gewesen. Er versuchte seine Gedanken wieder zu ordnen und antwortete dann auf die Frage.


    Also, die Ministri und die Aeditui habe ich bereits genannt. Hinzukommen die Spezialpriester, also jene, die eine spezielle Aufgabe haben. Hier in der Provinz ist es vor allem der Falem Divi Augusti, der für den Kaiserkult verantwortlich ist.


    antwortete er dann nochmal, wobei er wieder laut und deutlich sprach.

  • Livianus Pythermon


    "Sehr richtig. Der Flamen Divi Augusti für Germania Superior sitzt sogar in Mogontiacum übrigens! Du wirst ihn sicher einmal kennen lernen, denn er opfert regelmäßig für die Provinz im Augusteum auf dem Forum! Normalerweise - und momentan auch - kommt der Flamen aus einer Familie, die über ihre Stadt hinaus einflussreich ist. Normalerweise immer ein Eques Romanus, der schon vorher Pontifex oder ähnliches war."


    gab der Aedituus ein paar Zusatzinformationen, von denen Curio möglicherweise noch nicht wusste.


    "Dann nennst du noch die Aeditui, zu denen du ja auch einmal gehören möchtest. Was ist ihre Aufgabe?"


    Natürlich war diese Frage relativ leicht, denn Curio arbeitete schon eine Weile im Tempel. Trotzdem wollte Livianus diese Sache noch einmal klar geklärt wissen.





    MPC

  • Curio notierte, was Livianus über den Flamen Divi Augusti sagte, auf seiner Tabula. Bislang stand noch nicht allzu viel darauf, doch wusste Curio, dass sie zum Ende der Lektion wieder eng beschrieben und voll sein würde. Dann schaute er wieder hoch und horchte auf die Frage des Aedituus.


    Als Aedituus ist man Verwalter eines Tempels. Er hat sowohl kultische Aufgaben, wenn er zum Beispiel selber Opfer für den Gott oder die Göttin seines Tempels durchführt oder Opferwillige berät und, wenn sie wollen, auch beim Opfer begleitet. Daneben hat er auch Verwaltungsaufgaben. Er muss den Tempel und die Kultgegenstände die heil und sauber halten und die Tempelkasse führen.


    antwortete Curio aus dem Gedächtnis und glaubte, dass sie darüber schonmal gesprochen hatten.

  • Livianus Pythermon


    "Genau. Wir sind aber eben keine Priester, sondern unterstützen die Priester. Wir verwalten zuerst einmal den Tempel mit allem, was dazugehört: Von der Sauberkeit bis zum Einkauf der Opfertiere, von der Abrechnung der Rationen für die Servi Publici bis zum Verräumen der Weihegaben. Aber Beratung ist auch ein wichtiger Teil, wie du schon sagst - deshalb erzähle ich dir das alles hier ja auch so ausführlich. Wir beraten nicht nur irgendwelche Laien, sondern bei Bedarf auch die Pontifices und Magistrate."


    Das brachte ihn auf eine weitere Kategorie von Kultpersonal:


    "Die Pontifices haben wir ganz vergessen! Die sind die richtigen Priester und werden aus dem Ordo Decurionum vom Ordo Decurionum gewählt. Ihre Aufgabe ist aber auch nicht primär das Opfern, sondern das Beraten des Ordo Decurionum und der Magistrate. Diejenigen, die unsere Civitas - oder Municipium - repräsentieren, sind nämlich in erster Linie die gewählten Magistrate. Die Pontifices opfern auch und wir auch - aber eben nur, um die Magistrate zu entlasten. Das ist ganz wichtig zu wissen."


    So viel zum Kultpersonal - dass die Ministri die Opferdiener waren und halfen, war ja keine besonders bemerkenswerte Sache!


    "Interessant ist vielleicht noch, wie es bei den Nichtrömern hier in der Gegend aussieht: Die Germanen und Gallier haben auch Priester, die gleichzeitig Seher sind.


    Da fällt mir ein, dass ich etwas vergessen habe: Es gibt auch noch eine Art von Kultpersonal - die Haruspices. Sie sind Seher, die aus den Eingeweiden von Opfertieren, aus den Blitzen und verschiedenen anderen Erscheinungen die Zukunft lesen. In Rom gibt es einen eigenen Ordo für sie - hier bei uns in Germanien ist das etwas kompliziert. Es gibt hier nämlich auch Leute, die sich auf sowas verstehen - aber es gibt auch eine Menge Scharlatane. Wir haben ein paar vertrauenswürdige Leute an der Handm aber man muss immer aufpassen..."


    Einen Moment schien Pythermon darüber nachzudenken, dann erinnerte er sich offensichtlich an irgendetwas:


    "Zurück zu den Germanen: Sie haben Priester, die mit unseren Flamines vergleichbar sind. Sie führen Opfer und so weiter im Namen ihrer Gemeinschaft aus. In manchen Gebieten heißen sie Goden, oft sind sie auch für Rechtsprechung zuständig. Bei den Galliern gibt es etwas ähnliches, aber besser strukturiert - auch über die einzelnen Dörfer hinaus. Sie werden Druiden genannt. Das sind mächtige Leute - manche behaupten, sie stehen sogar über dem Adel der Gallier. Deshalb werden sie von den Behörden nicht gern gesehen und oft verfolgt, wenn sie auftauchen. Solltest du also etwas von Druiden mitbekommen, solltest du die Ohren aufmachen und das ganze melden - nicht, dass diese Kerle irgendwelche Aufstände anzetteln!"





    MPC

  • Curio schrieb kräftig mit, die Bezeichnungen der Kultpersonen umrandete er jeweils und fasste ihre aufgaben dann kurz zusammen. Schließlich war sein Platz auf der Tabula begrenzt und er musste ein bisschen damit haushalten, damit er nicht am Ende der Lektion keinen Platz mehr hatte. Er hatte sich dafür zudem angewöhnt, etwas kleiner zu schreiben, als üblich.


    Als Livianus dann auf die Druiden zu sprechen kam, wurden auch sie umrandet, aber nochmal besonders mit zwei Unterstrichen gekennzeichnet und mit der groß geschriebenen Notiz "MELDEN" versehen. Nicht, dass hier irgendwann mal so ein Aufrührer auftauchte und für Unfrieden sorgte.


    Als Livianus dann endete, hinkte Curio noch etwas mit dem Schreiben hinter. so kam er kurz nach dem Ende der Ausführungen des Aedituus mit dem Stilus zum Halten, überflog nochmal die Notizen, als ihm dann noch eine Frage einfiel, die ihm bei den Pontifices gekommen war.


    Gibt es hier in der Stadt eigentlich noch zusätzliche Spezialpriester? Oder haben die jeweiligen Pontifices spezielle Aufgaben einer bestimmten Gottheit gegenüber?


    Curio meinte sich erinnern zu können, dass der Aedituus des Saturn-Tempels nahe seines Heimatortes bei Noviomagus auch von Pontifices gesprochen hatte, die einer bestimmten Gottheit zugeordnet waren. Allerdings war er sich dabei nicht mehr sicher.

  • Livianus Pythermon


    Der Junge passte gut auf und stellte kluge Fragen - also bemühte sich Pythermon, ebenso klug zu antworten:


    "Also vonseiten der Stadt nicht. Die Pontifices hier sind nicht spezialisiert, sondern teilen sich die Aufgaben zu, wie jeder gerade Zeit hat. Und Flamines gibt es hier nur den von Germania Superior, der aber eben für die ganze Provinz zuständig ist. Die Aeditui sind dagegen jeweils für einen bestimmten Tempel zuständig, so wie wir zum Beispiel für den des Apollo... und weil es keine Flamines gibt, haben wir eben auch einige Kultaufgaben mehr wie das regelmäßige Opfern und so weiter."


    Das war aber nur eine Seite der Medaille - denn Mogontiacum war ja bekanntlich eine Stadt mit mehreren Bevölkerungsgruppen:


    "Die lokale Bevölkerung hat aber auch noch eigene Priester, die nicht städtisch bezahlt sind. Beispielsweise ist der Tempel des Mars Leucetius das Stammesheiligtum der hier lebenden Aresaker. DIe bestellen also auch intern noch sowas wie Hohepriester, die dann von der bestimmten Volksgruppe bezahlt werden oder auch nicht. Für Apollo Grannus gibt es so etwas aber nicht - da sind wir und die Pontifices allein zuständig."





    MPC

  • Wieder folgr das obligatorische Mitschreiben Curios. Er notierte sich, dass es keine weiteren Sonderpriester gab, die Pontifces keiner bestimmten Gottheit zugeordnet wurde und es auch noch andere nicht-staatliche Priester gab, die von ihren jeweiligen Kultgemeinden erhoben wurden. Als er dann sah, dass seone Tabula schon wieder was vollgeschrieben war, nahm er sich vor noch mindestens eine weitere zu besorgen, wenn nicht sogar zwei, damit er für die nächsten Lektionen auch etwas großzügiger mit Platz umgehen oder sonst noch mehr Inhalte seiner Ausbildung mitzuschreiben.


    Danach folgte aber noch eine nicht unwichtige Frage für jemanden, der sich für eine bestimmte Laufbahn entschieden hatte.


    Und wie wird man Aedituus? Und was muss man tun, um Pontifex werden zu können.


    Auch wenn er dafür Zeit hatte, war es wohl sinvoll frühzeitig zu wissen, was er wofür machen musste, damit er nicht hinterher irgendwo nicht mehr weiter wusste.

  • Livianus Pythermon


    Der Alte lächelte milde, als Curio fragte - es war nicht zu übersehen, dass der Junge recht hohe Ambitionen hatte. Aber dafür war die Jugend ja da - und selbst wenn er es womöglich nie über den Aedituus hinaus bringen würde, war es natürlich gut zu wissen, wie es zumindest theoretisch funktionierte...


    "Die Aeditui werden von den Pontifices bestellt. Sie sind allerdings zugleich als städtische Angestellte den Duumviri unterstellt. Üblicherweise werden hierzu Menschen - auch Frauen - bestellt, die bereits einige Erfahrung im Kult, aber auch in der Verwaltung haben, denn die Verwaltung eines Tempels birgt ja beide Aspekte."


    Blieb noch die Oberklasse der städtischen Priesterschaft:


    "Die Pontifices werden dagegen durch den Ordo Decurionum gewählt. Hierzu sind nur Kandidaten zugelassen, die selbst diesem Gremium angehören und sich also schon vorher in irgendeiner Weise um die Stadt verdient gemacht haben - häufig durch die Übernahme von Magistraturen, manchmal aber auch über Spenden oder als treue städtische Bedienstete wie etwa Aeditui. Eigentlich sollte bei ihnen auch Erfahrung im Kult dazukommen, aber die Herren Stadtväter sehen über diese Qualifikation gelegentlich hinweg, wenn sie einen aufstrebenden Spross einer angesehenen Familie als Kandidaten haben."


    Er zwinkerte seinem Schüler zu - man musste ja nicht alles gut finden, was von oben kam!


    "Gerade dann ist es natürlich wichtig, hochqualifizierte Aeditui zu haben, die die Pontifices beraten, die wiederum die Magistrate beraten. Und deshalb gibt es eben auch so eine Ausbildung, in der du dich gerade befindest."


    ...und so schloss sich der Kreis.





    MPC

  • Auch hier machte sich Curio fleißig Notizen, doch neigte sich der Platz auf dem Schreibfeld seiner Tabula nun endgültig dem Ende entgegen. Je nachdem, wie lange diese Lektion noch dauerte müsste er sich wohl mal wieder eine Tabula des Tempels leihen, die er dann, sobald er das, was auf ihr stand, in seine Notizbücher zu Hause übertragen hatte, wieder zum Tempel zurückbrachte. Daher schaute er nun erwartungsvoll zu Livianus und war gespannt, ob die Lektion noch weiterging.

  • Livianus Pythermon


    Der Discipulus schien keine Fragen zu haben - also ging es direkt weiter:


    "Dann kommen wir also nun zu dem, was Priester tun - neben den administrativen Aufgaben ist das vor allem das regelmäßige Opfern. Wir Aeditui tun das und die Pontifices tun es wie jeder kluge Mensch es tun sollte. Während du allerdings zu Hause vor deinem Lararium nur für dein eigenes Wohl verantwortlich bist, haben wir einen höheren Auftrag - wir übernehmen diese Pflichten für das gesamte Municipium."


    begann er mit einer kleinen Einführung.


    "Aber beginnen wir doch besser mit dem, was du bereits gelernt hast: Was weißt du über den Ablauf eines staatlichen Opfers?"





    MPC

  • Curios Tabula war mittlerweile voll und so erhob er sich während der kleinen Pause, die während der Lektion entstand, um sich eine Tabula aus einem Schrank zu nehmen, um sich weitere Notizen machen zu können. Der Aedituus führte die Lektion danach auch schnell weiter und fragte nach dem Ablauf staatlicher Opfer.


    Jedes Opfer startet mit einer Prozession zum Tempel der Gottheit, die das Opfer erhalten soll. Im staatlichen Rahmen nehmen daran die staatlichen oder städtischen Beamten als Opferherren teil, während die Priester und Aeditui vor allem Assistenzaufgaben wahrnehmen. Natürlich sind auch die Opfergaben und bei einem blutigen Opfer die Opfertiere Teil der Prozession.


    begann Curio sein Wissen über den Ablauf von Opfern zusammenzufassen.


    Am Tempel angekommen beginnt die rituelle Waschung der Opferbeteiligten, da wir Opfernden angehalten sind, rein vor die Götter zu treten wenn wir ihnen opfern. Im Innern findet danach das Voropfer statt, bei dem die Opfergaben vor die Kultstatue gestellt und mit einem Gebet dargebracht werden. Im Anschluss an das Voropfer im Tempel findet bei einem blutigen Opfer das Hauptopfer am Altar vor dem Tempel statt. Auch hier wird das Opfertier mit einem Gebet der Gottheit präsentiert.


    fasste Curio dann grob zusammen, wie ein Opfer vonstatten ging, wobei er sich erstmal auf die Grundstruktur beschränkte.

  • Livianus Pythermon


    "Sehr richtig, sehr richtig."


    bestätigte Livianus.


    "Bei großen Festen sind die Opferprozessionen besonders ausgestaltet. So werden dann auch Schilder mit den Namen der zu ehrenden Gottheiten, des Opferherren und so weiter mitgetragen. Ebenso Götterstatuen und Würdenträger nehmen Teil - in unserem Fall also etwa die Magistrate und Decurionen. Sie kann auch eine besondere Funktion haben, etwa bei einer Lustratio. Dabei wird der rituell zu reinigende oder zu weihende Körper - etwa ein Heer - bei der Prozession umschritten.


    Die Reinheit der Teilnehmer ist sowieso von großer Bedeutung, deshalb ist die Reinigung auch generell sehr wichtig. Der Opferherr wäscht sich die Hände in einer Schale, die übrigen Teilnehmer werden mit Wasser besprengt.


    Und dann kommt das Voropfer - oder bei unblutigen Opfern zugleich das Hauptopfer, meist unter Ausschluss des Publikums. Weißt du, welche Art von Opfergaben hierbei denkbar sind? Und nach welchen Kriterien sie ausgewählt werden?"





    MPC

  • Curio schüttelte seine Hand kurz aus, da sie sich vom schreiben etwas verspannt hatte. Danach notierte er auch die Begriffe Lustratio und kultische Reinheit und übernahm die Erläuterungen des Aedituus.


    Für ein Opfer kann theoretisch alles genommen werden. Bevorzugt werden Lebensmittel, wie Wein und Brot oder Gebäck. Bei einigen Gottheiten werden auch andere Dinge geopfert, Mercurius zum Beispiel opfert man gerne Münzen. Zudem ist auf die gute Qualität der Opfergaben zu achten. Sie sollten möglichst frisch und vor allem nicht verdorben sein. Ein kleines oder auch größeres Weihrauchopfer ist aber vonnöten, um die jeweilige Gottheit auf das Opfer aufmerksam zu machen.


    antwortete er dann auf die nächste Frage seines Lehrers.

  • Livianus Pythermon


    "Theoretisch ist alles ist vielleicht ein bisschen weit gegriffen. Alles von Wert wäre vielleicht etwas treffender."


    bemerkte Pythermon einschränkend.


    "Im Übrigen ist Weihrauch wieder einmal nur eine Option - oftmals werden auch mehr oder minder gewöhnliche Kräuter verbrannt, um die Aufmerksamkeit der Gottheit auf den Opfernden zu lenken."


    Weihrauch war ja immerhin sehr teuer, weil er bis hierher durch das ganze Imperium und darüber hinaus transportiert werden musste.


    "Damit sind wir übrigens bei einem zentralen Aspekt der römischen Religion, nämlich der des "Do ut des". Kannst du dir darunter etwas vorstellen? Und was genau könnte das mit dem Opfern zu tun haben?"





    MPC

  • "Etwas von Wert" schrieb Curio auf seine Tabula, wobei er kurz innehielt. Schließlich konnte für einen ärmeren Römer ja schon etwas Puls sehr viel Wert sein, während für einen reichen Römer ja sogar der Kauf eines ganzen Rinds kaum der Rede wert war. Bedachte er dann, dass er später Opferwillige aus allen Schichten der Bevölkerung beraten musste, wollte Curio hier nochmal nachhaken.


    Hängt denn der Wert des Opfers von seinem tatsächlichen Wert für den Opfernden ab? Schließlich kann sich der tatsächliche Wert zum Beispiel eines Brots für einen Opfernden ja durchaus unterscheiden.


    formulierte Curio daher eine Frage, nachdem er auch noch auf seiner Tabula hinzugefügt hatte, dass statt teurem Weihrauch auch einfache Kräuter verbrannt werden konnten.


    Zuletzt dachte der junge Helvetier über die Frage des Aedituus nach dem bekannten "do, ut des" nach.


    Ebenso wie in unserer Welt, gibt es Geschenke nur selten. Wer etwas haben möchte, muss gleichzeitig etwas dafür tun, dass er es auch bekommt. So ist es auch mit den Göttern. Wer einen Wunsch an sie hat, muss ihnen für dessen Erfüllung auch etwas geben. Dies sind die Opfer.


    fasste Curio sein Wissen darüber zusammen. "Ich gebe, damit du geben mögest." ist ja durchaus auch ein Grundsatz, den man immer wieder im alltäglichen Leben finden konnte.

  • Livianus Pythermon


    "Der persönliche Wert spielt in der Tat eine Rolle - niemand wird von einem einfachen Arbeiter verlangen, dass er einen Ochsen opfert. Aber genauso wenig werden die Götter unzufrieden sein, wenn die Magistrate in Rom als Repräsentanten des ganzen Imperiums mit zu einem großen Feiertag mit nichts als einem Stückchen Brot auftauchen."


    beantwortete der Aedituus erst einmal die Frage, um dann noch etwas weiter zu gehen:


    "Der persönliche Wert ist aber nicht nur als Kostenfaktor gemeint: Denke nur daran, dass ein Junge zu den Liberalia seine Bulla opfert. Der Materialwert ist da nicht sehr hoch, aber für den Jungen hat dieses Medaillon eine große Bedeutung.
    Für Staatsopfer - und da schließe ich die öffentlichen Opfer der Civitas ein - spielt ein persönlicher Wert aber natürlich kaum eine Rolle. Hier ist es eher wichtig, dass wir im Rahmen bleiben, indem wir einerseits nicht zu knausrig sind, andererseits die Götter aber nicht an allzu teure Geschenke gewöhnen, die wir uns langfristig nicht leisten können."


    Das Prinzip des "Do ut des" hatte Curio allerdings schon ganz gut verstanden - trotzdem gab es aber auch hier noch ein paar weitere Erklärungen:


    "Auch das ist korrekt. Neben einem Opfer kann es aber auch ein Gelübde sein - alles in allem können wir alle Kultakte aber als eine Art Rechtsvertrag mit den Göttern betrachten. Gelobe ich eine Votivgabe für meine Gesundung, muss ich dieses Versprechen einlösen. Gelobe ich einen Tempel oder einen Schrein, muss auch dies gebaut werden.


    Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass wir nicht wie die Völker im Osten vor unseren Göttern im Staub kriechen müssen, als wären wir Nichtse. Wir sind die Vertragspartner der Götter und können ihnen - zumindest in gewisser Weise - auf Augenhöhe begegnen. Deshalb ist es im römischen Ritus unüblich, sich zu verneigen oder gar vor den Göttern auf den Boden zu werfen. Wir stehen Auge in Auge mit den Göttern und wie bei einem Vertragsabschluss sprechen wir unsere Formel und erwarten, dass die Götter die Vertragsinhalte einhalten. Tun sie das nicht, sind wir auch zu keinen weiteren Gaben verpflichtet.


    Zumindest, falls wir nicht beim Vollzug des Rechtsaktes einen Fehler gemacht haben und die Götter das Opfer deshalb nicht annehmen. Sicherlich weißt du, dass vor allem in alter Zeit in Rom auch jeder Rechtsakt mit einer Art Ritual verbunden war, das ganz genau befolgt werden musste, damit er gültig wurde. Dieses Prinzip lebt in der römischen Religion fort. Was weißt du übrigens zur Annahme und Ablehnung von Opfern - und was im letzteren Fall zu tun ist?"





    MPC

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