Sauber und Gesund - Kontrollbesuch des Aedils

  • Die Aufgaben der Aedile umfassten einen riesigen Tätigkeitsbereich, darunter auch die Beaufsichtigung der Thermen. Da Curio davon allerdings so überhaupt keine Ahnung hatte, hatte er sich im Vorfeld dieses Termins, der natürlich ein paar Tage vorher angekündigt worden war, einen Kollegen aus dem Ordo decurionum angesprochen, ihm an den beiden Tagen vor dem Termin eine Art Crashkurs in der ordentlichen Führung von Thermen zu geben und ihn zudem bei dem Besuch zu begleiten. Der andere Decurio, gebürtig aus Helvetiern - man spare sich bitte die üblichen, längst bekannten Wortspiele - mit dem Namen Aulus Mallius Urbicus, sich durch sein Aedilat das Bürgerrecht erworben, danach aber lieber ein Weingut vor den Toren der Stadt gekauft und sich dort niedergelassen hatte, hatte sich natürlich sofort bereiterklärt, nicht nur um seiner alten Wirkungsstätte als Balnator einen Besuch abzustatten, Nun sondern auch um das willkommen Angebot Curios anzunehmen, um mit diesem allgemein als aufstrebend geltenden jungen Politiker Kontakt zu knüpfen.


    Nachdem die offiziellen Öffnungszeiten der Thermen beendet waren, kam nun der kleine Begleitzug des Helvetiers an dem Thermengebäude am Forum an. Begleitet von Acanthos, Malleus sowie Urbicus trat Curio die Treppen zur Pforte hinauf, wo er Acanthos zweimal feste klopfen ließ, bevor ihnen von dem stämmigen Leiter der Einrichtung, einem freigelassenen Griechen, geöffnet wurde und dieser die kleine Gruppe zu begrüßen.


    Salvete, Aedil Helvetius, Mallius! Ich begrüße euch hier in den Thermen, zumal ihr beide ja ohnehin regelmäßig Gäste hier seid und euch ja schon auskennt.


    Curio nickte dem Griechen mit einem verbindlichen Lächeln zu, verzichtete aber auf weitere Vorstellungen. Dass die Begleiter im einzelnen bekannt waren, war ja nicht unbedingt nötig und wenn sich doch noch einer von ihnen zu melden gedachte, konnte die Vorstellung ja auch immer noch nachholen.


    Ja, wir kennen uns hier aus. Besonders Mallius ist ja sozusagen ein Experte. Dennoch wirst du nicht drumherum kommen, uns durch die einzelnen Räume zu führen und einen Abriss davon zu geben, ob alles funktioniert oder es irgendwo Probleme gibt. Natürlich werden wir auch selbst nach Dingen schauen, die uns nicht gefallen könnten, versuch also bitte gar nichts erst, irgendwas schöner zu färben, als es ist. Ich würde nämlich nur ungern hier rausgehen und in ein paar Wochen Klagen über den Zustand der Thermen zu hören.


    sagte Curio und stellte damit klar, dass er es nicht als seine Aufgaben ansah, Lobhudeleien des eigenen Arbeitsplatzes abzunicken, sondern einen tatsächlichen Bericht darüber haben wollte, ob es irgendwas zu tun oder es Probleme mit irgendeiner Einrichtung gab.

  • Der Leiter der Thermen blickte auf ein wenig betreten drein. Natürlich hatte er sich darauf vorbereitet, dem Helvetier heute nur die Schmuckstücke des Gebäudes zu zeigen, während die kleinen versteckten Macken auch versteckt bleiben sollten, denn normalerweise ging der Leiter immer davon aus, dass Politiker sich zumeist für die Erfolge interessierten und nicht für Schwachstellen. Natürlich waren nicht alle so, aber dennoch war ein Satz, der die Thermen als rundum sauber und modern einschätzte freilich öffentlichkeitswirksamer, als ein großes, ausuferndes Lamento darüber, was in Thermen alles falsch lief. Dennoch zuckte er nun mit den Schultern und stellte er seinen Plan um. Zwar waren die Thermen natürlich nicht vollkommen und rundum renovierungsbedürftig, dann hätte der Leiter schon längst bei den Magistri Vici oder den Aedilen vorgesprochen, um eine Renovierung dieser vielbesuchten städtischen Institution voranzutreiben. Aber jedes Gebäude hatte ja wohl irgendwo seine dunklen, schmutzigen, beschädigten Stellen, grade, wenn man so hochfrequentiert war, wie die städtischen Themen, die nach dem vergöttlichten Kaiser Iulianus benannt waren.


    Und so begann die Führung durch die Räumlichkeiten mit der Begutachtung des apoditeriums, des Umkleideraums. Curio kannte ja die Räumlichkeiten, so wie wohl ein großer Teil des Bevölkerung sie kannte, aber richtig interessiert oder informiert war er nie gewesen. Stattdessen hatte er immer das gemacht, was man in den Räumen der Thermen nunmal machte, ohne groß darüber nachzudenken, wie die Räumlichkeiten funktionierten oder deren innere Ordnung näher zu betrachten. Soerhielt der Helvetier heute eine neue Perspektive auf die Thermen von Mogontiacum.


    Die Bänke sind grade an den Ecken teilweise abgebrochen. Gibt es immer noch den Sklaven, der die Ablagen überwacht?


    übernahm der Mallier daraufhin auch gleich die Leitung der Begutachtung und deutete mit den Fingern auf die Sprünge in den steinernen Bänken, damit auch der Helvetier auch ein Bild davon machen konnte. Genau deswegen hatte Curio den ehemaligen Balneator dazugeholt, auch wenn ihm jetzt, bei genauerer Inspektion die Sprünge und Brüche sicherlich auch selber aufgefallen wären. Von dem Sicherungssklaven wusste er aber nicht, hielt der sich doch recht unauffällig in den Nischen auf, um den Raum zu überwachen, wenn Besucher ohne eigene Sklaven kamen.


    Die Ausbesserung der Bänke ist bereits in Auftrag gegeben. Und ja, wir haben einen wuchtigen Skythen, der sich darum kümmert.


    antwortete der aktuelle griechische Balneator und blickte zu dem Helvetier, der ein interessierte Gesicht aufgesetzt hatte.


    Wird der Sklave besonders geschult oder muss er bereits Fähigkeiten mitbringen?


    fragte er, dessen Neugierde nun geweckt war. Schließlich erhielt er hier einen einmaligen Blick hinter die Kulissen, während die Sklaven selber ja in der Regel nicht darüber sprachen oder eben sprechen durften.


    Die Sklaven müssen vor allem ein gutes Gesichtsgedächtnis haben. Unser Skythe ist darin hervorragend und bislang sind mir keine Klagen über ihn zugetragen worden.


    Curio nickte verstehend. Auf den würde der Helvetier doch bei seinem nächsten Besuch mal achten. Das Apoditerium als erster Nutzraum war letztlich schnell abgeschlossen. Viel gab es hier nicht zu und die Dinge, die es anzumerken galt, waren von dem Mallius bereits angesprochen worden und so wechselten die Inspektoren

  • ... in den Bereich mit den tepidaria. Es waren jene Raum, in denen sich die Besucher normalerweise wuschen, sich massieren oder salben ließen. Die Inspektoren wechselten von Raum zu Raum, nahmen die kleineren und teilweise auch größeren Schäden an den Waschbecken auf und prüften auch die Massageräume darauf, ob die Liegen nicht beschädigt waren. Zudem hatte der Balneator dafür gesorgt, dass die Masseure anwesend waren, mehre stämmige Kerle aus verschiedenen Regionen, aber auch junge Frauen. Sowohl Curio als auch der Mallier wechselten ein paar Worte mit den Angestellten, fragten nach ihren Kenntnissen und Fähigkeiten, doch als der Mitdecurio ins Plaudern geriet und auf Sonderleistungen zu sprechen kam, wurde Curio hellhörig. Letztlich konnte er sich denken, um was für "Sonderleistungen" hier die Rede war, auch wenn die Intention des Malliers durch den Plauderton verschleiert wurde. Dennoch schnaufte der amtierende Balneator einmal missbilligend, als auch ihm die Richtung dieser Befragung klar wurde und sagte schnippisch:


    Wir sind hier kein Lupanar!


    Curio nickte zufrieden, ebenso wie der Mallier, auch wenn diesem in dem einen oder anderen Gespräch durchaus Angebote untergekommen zu sein schienen, die eher in einem Etablissement angeboten werden würden, doch war dies offensichtlich keine Regel, sondern eine Ausnahme, auf die Curio seinen Kollegen aber mit Sicherheit noch ansprechen würde.


    Tatsächlich gab es auch gar nicht so viel zu korrigieren und die kleinen Dinge wurden aufgenommen und konnten für spätere Renovierungsmaßnahmen vorgemerkt werden. Und so wechselten die Inspektoren in den nächsten sehr großen Raum, dem caldarium, das Curio bereits sehr gut kannte. Er schätzte die warmen Becken als Ort des Austauschs, nicht nur über politische Angelegenheiten, er hatte sich schon mehrere Male mit Kollegen hier getroffen, aber auch zum Pflegen alter und Knüpfen neuer Kontakte eignete sich dieser Raum perfekt. Genau aus diesem Grund musste er sich auch hier nicht besonders gut umschauen. Als quasi repräsentativer Raum der Thermen war diese in bestem Zustand und selbst der Mallier fand nichts, was er zu bemängeln hätte. Dennoch brannte Curio eine Frage auf der Seele, die er nun bestens loswerden konnte.


    Die Temperatur des Wasser läuft auch über das Hypokaustum, nicht wahr? Wie sieht es es denn mit dem Wasseraustausch und dem Verbrauch aus?


    Der Helvetier schaute den Balneator an, der kurz misstrauisch zu seinem Vorgänger blickte, dann aber offenbar verstand, dass es keine Prüfungs- oder Fangfrage war, sondern in erster Linie auf der Neugierde Curios gründete. In aller Ruhe bestätigte der Balneator daraufhin die Vermutung des Helvetiers und ging danach auf den Wasserverbrauch ein. Die Frage, ob dort noch gespart werden könnte, erklärte der Balneator, dass dies zwar möglich war, jedoch nur auf Kosten der Badequalität, da dadurch weniger oft das Wasser ausgetauscht werden müsste. Der Mallier bestätigte das, auch wenn er anmerkte, dass man durchaus noch weniger nutzen konnte, hier aber immer eine genaue Rechnung notwendig sei.

  • Die tepidaria hinter sich lassend ging es nun zum Bereich mit den sudatoria. Hiervon gab es in den hiesigen Thermen insgesamt drei Stück, die nun alle kurz von den Inspektoren begutachtet wurden. Dieses Mal war es Curio, der mal versuchte, die Augen offenzuhalten, um nach Fehlern, Schäden und Problemen der Räume achten wollte. Auch hier gab es vor allem Schäden an den Bänken, bei denen an den Sitzflächen und Rückenlehnen Macken und Absprünge zu sehen waren. Hier betonte der Balneator, dass die Ausbesserungen noch übernommen werden mussten, was Curio für sich notierte, da er damit bereits einen weiteren Punkt hatte, den er in eine Reparaturliste aufnehmen konnte, die er dem Ordo decurionum beizeiten vorlegen wollte. Auch hier ließ er sich wieder die genaue Funktionsweise der Räume erklären, denn hier wurde die heißer Wasserdampf hineingeleitet, was die Gäste zum Schwitzen animinierte. Wiederum war es allerdings der Mallier, der eine wichtige Frage aufwarf, an die Curio gar nicht gedacht hatte.


    Wie sieht es mit der Isolation der Räume aus? Ist da alles noch in Ordnung?


    Der Balneator druckste ein wenig rum, bevor er durch einen aufmunternden Blick des Helvetiers zum Reden animiniert wurde.


    Mir wurde zuletzt häufig gesagt, dass im mittleren Raum die Temperatur schneller absinkt, als in den anderen beiden Räumen. Wenn die anderen beiden Räume nicht zu voll sind empfehlen wir den Gästen nur die anderen beiden zu nutzen.


    Curio runzelte die Stirn. Offenbar gab es dort also ein paar undichte Stellen, doch wie waren diese ausfindig zu machen. Fragend blickte er zu dem Mallier hinüber, der die Frage zu antizipieren schien.


    Es wird wohl nötig sein, dass wir nach kleineren Löchern in der Wand und der Decke suchen müssen. Das braucht natürlich Zeit, aber je schneller der Raum wieder nutzbar ist, desto weniger Wasserverbrauch und desto angenehmer für die Besucher.


    Das war ja schon mal ein Plan und ein weiterer Aspekt, der auf der helvetischen Reparaturliste verzeichnet werden konnte. Schließlich mussten auch hier die Schäden beseitigt werden, sobald sie erstmal zum Vorschein kamen.


    Als letzte Station im Innern der Thermen fuhren sie nun mit dem frigidarium fort. Ein großen Raum mit einem länglichen Becken. Curio wusste, dass man hier schwimmen konnte, wenn man nicht grade in den teils eiskalten und doch manchmal eher unberechenbaren Rhenus steigen wollte. Hier war alles in Ordnung. Das Wasser wurde nicht beheizt, ein Rundgang um das längliche Becken ergab keine Schäden und selbst der Mallier hatte hier keine Kritikpunkte anzubringen. Der Balneator wirkte nun erneut erleichtert und führte die Inspektoren nun hinaus auf die Palestra. Wegen der fortgeschrittenen Stunde ging ein frischer, aber nicht kalter Wind und Curio blickte sich um.


    Wie steht es um die Ausstattung mit Sportgeräten?


    fragte er nun seinerseits zu einem Thema, bei dem er sich deutlich besser auskannte, als bei dem Innenleben und der Technik der Thermen. Der Balneator zog daraufhin eine Tabula hervor und ging seine Liste durch.


    Im großen und ganzen ist alles da. Ein paar neue Speere und Bälle könnten wir noch gebrauchen.


    antwortete der Grieche und schon landete ein weiterer Punkt auf der Liste des Helvetiers. Speere und Bälle könnte er selbst anfertigen lassen und den Thermen spenden. Ähnlich wie mit der Ausstattund des Collegium Fabrorum war es hier möglich, eine öffentlichkeitswirksame Spende zu tätigen, von der alle Besucher der Thermen profitieren würden.

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