[officium] Princeps Praetorii -- Marcus Iulius Licinus

  • "Ich habe nicht im geringsten vor, dich ins Feld zu stellen." erklärte Licinus trocken. "Ich will kein vollumfänglich, ein eingeschränkt reicht mir. Den Außendienst können deine fähigen Männer auch mal stemmen, so lange du sie koordinierst. Fühlst du dich fit genug ein paar Stunden auf deinem Hintern zu sitzen und Berichte zu lesen? Dann schreiben sie dich auch dafür gesund. Falls nicht knüpf ich mir den Arzt persönlich vor."
    Licinus selbst war nach seinem Reitunfall eingschränkt diensttauglich geschrieben worden, kaum dass er aus dem Bett hatte aufstehen können, da machte man nix.
    "Im Notstand sind wir per Gesetz sogar eh immer." Immerhin standen die Gardekohorten unter permanenten Kriegsrecht.


    "Danke, dann werde ich sehen, ob sich mein Verdacht bestätigt oder der Mann nur reiche Verwandte hat." Daran glaubte Licinus nicht, aber er würde sich vor Vorverurteilungen hüten.


    Als der trecenarius den Augustus als weich bezeichnete, ruckte unwillkürlich Licinus Augenbraue. Politiker zu beschimpfen war ja das eine, aber den Kaiser anzugehen, dem Licinus vor Jahrzehnten und seitdem mindestens jährlich einen Eid geschworen hatte, das war ihm nicht allzu genehm. Nun war weich noch nicht unbedingt eine Beleidigung, aber gefährlich nah dran.
    Aber er fand keine Zeit darüber nachzudenken, auch nicht darüber, was Verus über eine freie Hand sagte, die er brauchte. Diese Verschwörungen waren nichts, wo er sich firm fühlte und wo er auf andere vertrauen musste. Was freilich nicht hieß das denken abzustellen, aber so lange es so vage blieb, wie Verus hier sprach, würde er kaum eine konkrte Anwort von Licinus erhalten noch diese erwarten können.
    "Einen Moment bitte. Ein parthischer General nähert sich der Grenze und deine Quellen schweigen? Woher weißt du es dann?" Das erschien ihm unlogisch, wahrscheinlich hatte Licinus sich irgendwo verhört oder Verus versprochen.
    "Und was kann ich tun?"

  • "Das müsste möglich sein," war die einfache Antwort. Mehr würde er ohnehin in den nächsten Wochen nicht tun können. Er musste sich wieder in die aktuelle Bearbeitung und das eigentliche Geschäft einlesen. "Danke," versicherte Verus seinem alten Freund seine Loyalität. Es war nicht selbstverständlich, dass beide derart offen sprechen konnten. Denn Verus lebte längst in einer Charade, einem Schattenspiel, welches kaum mehr von seiner eigentlichen Person zu unterscheiden war. Er wusste nicht mehr, wie oft er log und wie oft er Wahrheiten verbog, um politische Ziele zu erreichen. Der Mann hatte seine Linie verloren und konnte keine neue Linie ziehen. Seine Träume waren noch immer erfüllt mit Sorgen und Ängsten. Reue, gerade jetzt wo er Vater war, wuchs mit jedem Tag in dieser Farce. Verus konnte nicht mehr zwischen der Zeit zum Bleiben und zum Gehen unterscheiden. Er brauchte Hilfe und doch konnte ihm keiner wirklich helfen, denn seine Entscheidungen lagen allein bei ihm. Sie lagen immer bei ihm und warme Worte oder fremde Zuversicht konnten nicht erlösen oder auflösen, was er in seinem Leben durchgemacht hatte. Nicht nur Dakien, Germanien und jetzt Rom, sondern die kleinen Verluste, die er mit sich trug. Der frühe Tod seiner Mutter, die verlorene Liebe zu Calena und ihre gemeine Rache im Alltag von einst, die Lügen seines Vaters und das Ränkespiel, welches ihn einst vertrieben hatte. Verus verstand diese Welt nicht und versuchte ihr einen logischen Stempel aufzuzwingen. Etwas, was man kontrollieren konnte und zu Teilen funktionierte diese Kontrolle sehr gut aber sie erleichterte nicht das Verständnis. Dieses grobe Unverständnis der Welt, warum Menschen sich oft Grausames antaten. Verus hatte eine tragische Erklärung, die ihm selbst nicht gefiel. Nicht nur sein Mann Sternius, der Gelder unterschlug, sondern vieles in der urbs schienen entzogen. Verus musste und wollte entkommen. Seine kleine Familie nehmen und erneut fliehen. Doch war ihm längst klar, dass es kein Entkommen gab. Nicht vor seinen Kreisen. - Es gab kein Entkommen vor seinen Entscheidungen und erst recht nicht vor sich selbst. Verus war ein Gefangener seiner Zeit, ohne Linie, gehalten durch Pflicht und Lügen. Ein guter Selbstbetrug war gut genug. Mehr konnte Verus sich nicht helfen. Nicht in dieser Welt. Nicht mit sich, der allein für sein Rom lebte und alles dafür vergeben hatte. In Lunas Augen hatte er eine andere Welt gesehen und doch hatte er sie in seine Welt hinabgerissen. Warum gab er diese Charade nicht endlich auf? Riss sich selbst die Maske herunter? Nein, er tat es nicht und konnte es nicht. Verus wollte irre lachen, sich auslachen, für die Gemeinheit seiner eigenen Existenz und seiner Pläne, die mit einer engen Agenda der Prätorianer verknüpft waren. Es war verrückt. Er war verrückt. Nicht, weil er verrückt sein wollte oder von Geburt verrückt war, sondern weil die Welt irre war. Sie durchzogen von Widersprüchen und falschen Wahrheiten. Alle belogen sich in dieser Stadt. Ständig. Immer wieder.


    "Ich weiß es deshalb, weil meine Quellen mir davon berichten aber sich über die Gründe ausschweigen. Ich weiß nicht mehr als das," erklärte sich Verus und log nicht. Und doch steckte auch in diesem Fakt politische Berechnung. Verus wusste, dass ein baldiger Parthienkrieg Roms Aufmerksamkeit massiv binden würde. Ein Krieg machte einig und stark. Er war politisch sinnvoll und vielleicht hoffte Verus sogar darauf, diesen Krieg auslösen zu können, wenn er dorthin aufbrechen konnte. Für Verus, der den Krieg lebte und kannte, war er ein guter Freund. Der Krieg war brutal ehrlich und zeigte jedem Menschen, wer er wirklich war. Zwar logen die Menschen weiterhin, gerade in Kriegszeiten aber auf dem Schlachtfeld lag eine einfache Wahrheit. Ein müder Hunger hockte in Verus Seele, nach etwas mehr als diesem Zustand hier; nach einem fernen Ruhm, der seiner selbst überdrüssig war.


    Er wollte nicht nur ein seelisch verkrüppelter und trauriger Prätorianer sein, sondern ein Held. Dennoch konnte er nie ein Held sein. Helden gab es nicht. Es gab nur Menschen. Auch Verus war längst klar, dass er nichts mehr zu gewinnen hatte außer neuen Eitelkeiten, wie Auszeichnungen und Titeln. Immer wieder suchte er Anschluss, versuchte einen Menschen zu imitieren, der er nicht mehr war. Verus fragte sich eindringlich, welchen Sinn hatte diese Existenz, die bloßes Überleben war? Wo zog er seine Linie? Er betrachtete den eifrigen Iulius; ein tapferer Soldat, der stets folgte und sich darin zurechtfand. Doch auch Licinus war gefangen. Ein Leben außerhalb dieser strengen Strukturen war ihn nicht mehr möglich. Auch nicht für Verus.


    Beide hatten auf dem Feld der Ehre mehr gelassen, als sie zugeben konnten, ohne an symbolischer Stärke einzubüßen. Kriegsschwere nannte es Tacitus. Ja, schwere Ketten hielten beide in einer zynischen Welt gefangen, die ihre feste Ordnung hatte. Eine Ordnung, die nicht selten widersprüchlich zur realen Welt war. "Ich brauche deine Organisationsfähigkeiten. Ich plane, die Subura aufzuräumen und ein paar Problembereiche zu säubern. Ich brauche deine Hilfe bei der Organisation eines Einsatzes meiner Statores," offenbarte sich Verus und verschwieg dabei, dass er Teile der Subura anzünden wollte, um den Pöbel zu vertreiben und die Problembereiche zu verkleinern. Für ihn war die Subura zu wild gewachsen und zu undurchdringlich, so dass sich ein wirkliches Aufräumen nicht lohnen würde. Lieber fackelte er pragmatisch einen Teil des Wildwuchses ab und sortierte danach. Ein kontrollierter Brand konnte politisch sinnvoll sein. Kaltherzig hatten seine Leute dies überlegt und waren zur Erkenntnis gekommen, dass die Subura im jetzigen Zustand nicht zu kontrollieren war. Also sollte sie in partiellen Teilen brennen, damit die Prätorianer die Kontrolle wieder etablieren konnten. Nicht wieder sollten Patroullien verschwinden. In Verus faschistischem Kopf klang dies sinnvoll, auch wenn sein Herz rebellierte. Allein der Versuch reichte den klugen aber zynischen Köpfen aus, um Hunderte ihres Obdachs zu berauben und zu vertreiben. Eine einfache und brutale Lösung für ein altes Problem.

  • "Ah, jetzt verstehe ich. Entschuldige." meinte Licinus. Natürlich, vollständige Informationen waren wohl der Wunschtraum jedes Agentenführers.
    "Nun, was sollen wir tun, wir könnten natürlich zusätzliche Agenten entsenden. Und der Cäsar ist doch grade in Armenien nicht wahr? Vielleicht lässt sich darüber noch was rauskriegen?"
    Licinus konnte nur Möglichkeiten vorschlagen, konkrete Pläne hatte er nicht in der Schublade.


    Licinus stutzte und lachte dann schnaubend auf. Es war ein unamüsiertes Lachen und man hörte ihm deutlich an, dass er sich über die scheinbare Naivität des Tiberiers mehr als nur wunderte.
    "Die Subura aufräumen? Diese hundert und aberhundert Mietskasernen, ineinander verschachtelt, mit gemeinsamen Kellern, von denen keiner weiß, wo sie beginnen und enden? Deine 600 Männer reichen nicht mal um die Subura abzuriegeln, geschweige sie zu durchkämen. Wie hast du dir das gedacht?"
    fragte Licinus dann, als klar wurde, mit wem er sprach. Dass der trecenarius gar kein Fassugnsvermögen für die Dimensionen hatte, von denen er sprach, das widersprach aller Erfahrung, die er mit dem Mann hatte.
    In Licinus Augen konnte nur ein langsames Vorgehen erfolg haben. Haus für Haus, von den Rändern der Subura aus. In dem Haus die Keller voneinander trennen, die Übergange zuschütten, und so weiter. Und selbst da würden sie sowohl mit den Menschen kämpfen müssen, die diese Wege für ihre sinistren Dinge nutzten, mit den Eigentümern, die aus jedem Winkel Gewinn machten und als auch mit den einfachen Menschen, die dort nur wohnen wollte.

  • Er hatte die XIX. turma ordnungsgemäß an seinen Vertreter, die dieser während seiner Abwesenheit geführt hatte und der mit ihr bestens vertraut war, übergeben. Für seine Abreise hatte er alles vorbereitet und seine Stube geräumt.


    Im Vorzimmer des princeps praetorii wandte er sich an den cornicularius.


    "Salve.
    Decurio Titus Decimus Cursor.
    Kannst du mir meine Versetzungspapiere aushändigen oder, wenn dies der praefectus persönlich vornehmen wird, bitte ich dich, mich bei ihm anzumelden."

  • "Salve, " antwortete Pabtus, der cornicularius des Präfekten. "Deine Versetzungspapiere liegen bereit, du kannst sie gleich mitnehmen."



    IN NOMINE IMPERII ROMANI
    ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI


    VERSETZE ICH
    Titus Decimus Cursor


    MIT WIRKUNG VOM
    ID MAR DCCCLXVIII A.U.C. (15.3.2018/115 n.Chr.).


    IM RANGE EINES
    DECURIO


    ZUR
    LEGIO II GERMANIA


    Die Versetzung erfolgt auf eigenen Wunsch.


    Marcus Iulius Licinus


    "Hast du noch fragen dazu? Oder eigene Wünsche?", fragte der cornicularius, der nicht wusste, wie er mit dieser defacto Degradierung auf Wunsch umgehen sollte.

  • "Weder das eine noch das andere"
    entgegnete der decurio, nachdem er die Papiere aufmerksam durchgelesen hatte. Sein Hauptaugen merk lag auf dem letzten Eintrag, den er für sehr wichtig erachtete, sollte vielleicht gerade der einmal an Bedeutung gewinnen.


    Da für ihn, wie es den Anschein hatte, der princeps praetorii keine weiteren Anordnungen oder Befehle hatte, verstaute er seine Papiere.


    "Vale. Decurio Cursor meldet sich in die Germania ab."


    Dann verließ er das Vorzimmer des princeps.


  • Licinus war clever und durchschaute bereits den Irrsinn eines Unterfangens, welches so auch nicht geplant war. Verus schmunzelte bitter und zynisch. "Ich wusste, dass du zu gut dafür bist," meinte Verus anerkennend und zog die Schultern hoch, da er eigentlich diese Art der Arbeit von ihm fernhalten wollte. Eine Arbeit, die brutal und schmutzig war, so dass sie auch viele Unschuldige treffen würde. "Mit dem Hinweis auf unsere Verschwiegenheit," leitete Verus seine Ausführung ein, um Licinus vollens ins Boot zu holen. "Ich plane, einen Teil der subura in Brand zu setzen, so dass sich ein Großteil des Gesindels aufmacht, wer sich jedoch unüblich davonstiehlt, wird durch unsere Männer aufgegriffen. Ich vergleiche es mit einem Fischer, der auf Wasser schlägt, und Fische in ein Netz treibt. Wir zünden ein paar Blöcke an, treiben die Massen in unsere Reihen und ziehen bei Bedarf geeignete Ziele heraus. Wer sich nicht über die ausgebereiteten Wege entziehen möchte, ist ohnehin verdächtig. Der Brand wird auch endlich für Übersichtlichkeit im Gebiet sorgen, da dort sicherlich nicht jedes Haus rechtens errichtet wurde. Durch das Eindämmen dieses Wildwuchses und die Säuberung dieser Unerwünschten, werden für die nahe Zukunft Aufstände aus subura ausschließen können. Asche begräbt auch Probleme, Marcus," berichtete Verus eiskalt und ließ nicht einmal einen Hauch Emotion durchblicken, da es für den trecenarius eine sachliche Überlegung war. "Auch werden wir damit ein paar christlichen Zellen los, die in der subura ansässig sind. Im Nachgang wäre es auch plausibel die restliche Bevölkerung davon zu überzeugen, dass es die Christen waren und eines ihre Rituale dafür verantwortlich war. Kaiser Nero war auch einst davon überzeugt, dass die Christen dies taten und ich werde mich seiner Lehre gerne anschließen," untergrub sich der trecenarius zynisch.

  • Zitat

    Original von Aulus Tiberius Verus
    Licinus war clever und durchschaute bereits den Irrsinn eines Unterfangens, welches so auch nicht geplant war. Verus schmunzelte bitter und zynisch. "Ich wusste, dass du zu gut dafür bist," meinte Verus anerkennend und zog die Schultern hoch, da er eigentlich diese Art der Arbeit von ihm fernhalten wollte. Eine Arbeit, die brutal und schmutzig war, so dass sie auch viele Unschuldige treffen würde. "Mit dem Hinweis auf unsere Verschwiegenheit," leitete Verus seine Ausführung ein, um Licinus vollens ins Boot zu holen. "Ich plane, einen Teil der subura in Brand zu setzen, so dass sich ein Großteil des Gesindels aufmacht, wer sich jedoch unüblich davonstiehlt, wird durch unsere Männer aufgegriffen. Ich vergleiche es mit einem Fischer, der auf Wasser schlägt, und Fische in ein Netz treibt. Wir zünden ein paar Blöcke an, treiben die Massen in unsere Reihen und ziehen bei Bedarf geeignete Ziele heraus. Wer sich nicht über die ausgebereiteten Wege entziehen möchte, ist ohnehin verdächtig. Der Brand wird auch endlich für Übersichtlichkeit im Gebiet sorgen, da dort sicherlich nicht jedes Haus rechtens errichtet wurde. Durch das Eindämmen dieses Wildwuchses und die Säuberung dieser Unerwünschten, werden für die nahe Zukunft Aufstände aus subura ausschließen können. Asche begräbt auch Probleme, Marcus," berichtete Verus eiskalt und ließ nicht einmal einen Hauch Emotion durchblicken, da es für den trecenarius eine sachliche Überlegung war. "Auch werden wir damit ein paar christlichen Zellen los, die in der subura ansässig sind. Im Nachgang wäre es auch plausibel die restliche Bevölkerung davon zu überzeugen, dass es die Christen waren und eines ihre Rituale dafür verantwortlich war. Kaiser Nero war auch einst davon überzeugt, dass die Christen dies taten und ich werde mich seiner Lehre gerne anschließen," untergrub sich der trecenarius zynisch.


    Licinus schluckte. Mehrfach. Er war kurz davor auszusprechen, was er davon hielt. Wahnsinn.
    "Das ..." ist wahnsinnig. "ich kann mir nicht vorstellen ..." wie man auf solch eine Idee auch nur kommen konnte. "Wie das funktionieren soll!"
    Licinus Hirn raste wie verrückt. Er wusste, er konnte sich einem solchen Plan nicht entgegen stellen, wenn er beschlossen war.
    "Nichts. Gar nichts wird deine Asche begraben." Ihr Götter dieser Plan war größenwahnsinnig. Und Licinus hatte wohl die Aufgabe den trecenarius auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.
    "Wer oben fliehen wird, wird unseren Männern in die Arme laufen und wenn wir sie nicht abstechen werden sie die Ketten einfach überrennen. Da wird nichts sein mit Leute planmäßig rausziehen. Und die, die wir haben wollen, glaubst du wirklich die gehen einfach oben über die Straßen? Die Keller, die Katakomben, die Abwasserleitungen, dort werden sich deine Leute verziehen und die kennen wir nicht gut genug um sie abzuriegeln."
    In der cloaca maxima konnte ein Mann aufrecht stehend laufen und die zuleitungen waren zum Teil nur unwesentlich größer. Dazu aus Stein gebaut und per Definition feucht. Da war man vor dem Feuer fast sicher. An die giftigen Dämpfe dachte Licinus grade nicht.
    "Und hinterher? Willst du den Leuten vorschreiben, wie sie ihre Mietskasernen zu bauen haben? Das wäre ja mal ganz was neues. Ein Plan für die Bebauung in Rom." Das durchzusetzen hielt Licinus für kaum möglich.
    "Das mti den Christen. Ja. der Teil konnte klappen. Das wird klappen, denke ich. Aber dann ersetzen wir eine Bedrohung durch eine andere. Oder was denkst du, wo die ganzen ruinierten Kleinhandwerker landen werden?"
    Nicht nur, dass er wahnsinnig war, der Plan hatte auch noch so viele Lücken wie ein Sieb.
    "Ehrlich gesagt, ich zweifle sehr daran, dass diese Maßnahme zum Erfolg führen wird."
    zweifel, die Licinus geradezu ins Gesicht geschrieben standen.

  • "Wahnsinn?" - Verus leistete sich ein wahnsinnig-zynisches Lächeln. "Manchmal ist genau jener Wahnsinn die Lösung für ein chaotisches Problem. Die Subura war stets ein Problem. Ein großes Problem für die staatliche Ordnung," erklärte der Prätorianermann nüchtern mit einem gewissen Unterton der Kaltschnäuzigkeit. In Gedanken war dieser Plan ausgereift. Zu ausgereift, denn er kannte keine Gnade. Gnade war ein Begriff, welcher Verus abhanden gekommen war. Er verstand diese Welt nicht mehr und wollte sie mit soldatischer Brutalität lösen, wenn nicht sogar erlösen. "Oh," machte der trecenarius. "Dann müssen die Ketten wohl halten und die Angreifer beseitigen," kommentierte er mit kaltem Blick, der todessehnsüchtig keinerlei Emotion bereit hielt. "Für Katakomben habe ich bereits eine Lösung. Eine entsprechende Lösung," antwortete Verus makaber. Er wollte Licinus, der skeptisch war, nicht noch mehr ins Ungemach stoßen. "Die Frage mit den Mietskasernen ist bereits in Arbeit. Meine Mittelsmänner übernehmen gerade für uns das Geschäft. Wenn die subura derartig geordnet ist, werden wir als Prätorianer erheblichen Einfluss genießen und den Wildwuchs eindämmen können. Einen wilden Busch muss man ganz zurück stutzen, um ihn erneut wachsen zu lassen," erklärte der Trecenarius seinen berechnenden Plan, der nicht nur ihn, sondern auch die Prätorianer in eine außerordentliche Machtposition rücken sollte. "Die Maßnahmen sind bereits eingeleitet. Die Christen werden verantwortlich sein," beugte sich Verus vor und nickte Licinus zu. "Ich brauche deine Unterstützung. Deine Mithilfe, da ansonsten die Maßnahmen in eine Richtung abwandern, die wir tatsächlich nicht kontrollieren können. Das ist keine Sache des Wunsches oder der Moral, sondern der Prätorianer. Du hast einen Eid geschworen, mein Bruder," forderte der Schattenmeister ein.

  • Es war fast schon zynisch, wie der trecenarius nun von sich aus Anfing von Wahnsinn zu reden. Licinus war sich sicher, das Wort aus seinem Mund herausgehalten zu haben, auch wenn es die einzig treffende Beschreibung war.


    "Chaos als Lösung für das Chaos." entgegnete Licinus pathetisch. In seinen Augen klang der Plan bestenfalls wie eine Aneinanderreihung gefährlich unausgereifter Ideen.


    "Das ist doch Wunschdenken!" kanzelte Licinus ab. Gingen dem trecenarius gerade alle Maßstäbe von Mathematik ab. Licinus war en Mann nackter Zahlen. Im Moment konnte er nur grobe Überschläge präsentieren, aber diese sprachen in seinen Augen eine deutliche Sprache. "Wir haben in Rom über eine Millionen Einwohner, davon irgendwas zwischen der Hälfte und einem Drittel in der Subura. Wenn wir alle bewaffneten Einheiten Roms zusammennehmen haben wir ca. 15000 Männer unter Waffen. Das heißt, wenn wir alle Männer von allen neuralgischen Punkten abzögen und alles auf diesen Einsatz konzentrieren würden, keine Löschtrupps in der Hinterhand behalten und so weiter, sind unsere Sperrketten günstigstenfalls 20 zu eins unterlegen. Noch dazu in Panik." Das allein war schon ein Problem, wie die Ketten das halten sollten. Dazu noch "Und auf Grund des schieren Umfanges des Gebietes und der zahllosen Wege können unsere Sperren nicht mal tief gestaffelt stehen."


    "Ganz davon abgesehen ist die subura an allen möglichen Enden von anderen vierteln umgeben. Wir können uns kaum leisten, dass auch diese Abbrennen."
    Das war ein faktum. Denn bei diesen Firteln handelte es sich nicht zuletzt um das Forum und sonstige Marktviertel.


    "Was hast du mit den Katakomben vor? Fluten?" was sonst sollte eine passende Lösung sein? nur ... wie sollte das gelingen? Die Kanäle waren dazu da Wasser in rauen Mengen abzuführen, sie zu Fluten dürfte eine Herkulesaufgabe sein.


    Von all diesen technischen Gründen abgesehen hegte er aber auch massive Zweifel daran, dass die Prätorianer geeignet waren, den Wildwuchs einzudämmen. Das Beispiel des korrupten centurio zeigte, dass man auch in den schwarzen Uniformen nicht gegen die Versuchungen des Geldes gefeit war. Die Erinnerung an seinen Eid stieß Licinus dann sauer auf. Illoyalität ließ er sich nicht wirklich gerne vorwerfen.
    "Ich bin mir meiner Verpflichtungen durchaus im klaren." erklärte er schneidend mit einer Stimme kalten Stahles. "Ich bin aber der Meinung, dass dieser Plan nicht im besten Interesse weder des Kaisers, noch der Prätorianer, noch ROMs ist."


    "Er birgt mehr Risiken als Vorteile und selbst die sehe ich als eher kurzfristig an. Besser wäre es den langatmigen Weg zu nehmen. Die Banden infiltrieren, die Kontrolle über sie übernehmen und sie sich langfristig gegenseitig aufreiben lassen." eine Strategie, die das Imperium an seinen Grenzen seit langen Jahrzehnten sehr erfolgreich umsetzte. Warum sollte das Prinzip divide et impera nicht auch im Innern funktionieren? "Natürlich ist das aufwendiger und erfordert einen langen Atem, aber es ist die gangbarere und vor allem kontrollierbarere Lösung."

  • Es war fast schon zynisch, wie der trecenarius nun von sich aus Anfing von Wahnsinn zu reden. Licinus war sich sicher, das Wort aus seinem Mund herausgehalten zu haben, auch wenn es die einzig treffende Beschreibung war.


    "Chaos als Lösung für das Chaos." entgegnete Licinus pathetisch. In seinen Augen klang der Plan bestenfalls wie eine Aneinanderreihung gefährlich unausgereifter Ideen.


    "Das ist doch Wunschdenken!" kanzelte Licinus ab. Gingen dem trecenarius gerade alle Maßstäbe von Mathematik ab. Licinus war en Mann nackter Zahlen. Im Moment konnte er nur grobe Überschläge präsentieren, aber diese sprachen in seinen Augen eine deutliche Sprache. "Wir haben in Rom über eine Millionen Einwohner, davon irgendwas zwischen der Hälfte und einem Drittel in der Subura. Wenn wir alle bewaffneten Einheiten Roms zusammennehmen haben wir ca. 15000 Männer unter Waffen. Das heißt, wenn wir alle Männer von allen neuralgischen Punkten abzögen und alles auf diesen Einsatz konzentrieren würden, keine Löschtrupps in der Hinterhand behalten und so weiter, sind unsere Sperrketten günstigstenfalls 20 zu eins unterlegen. Noch dazu in Panik." Das allein war schon ein Problem, wie die Ketten das halten sollten. Dazu noch "Und auf Grund des schieren Umfanges des Gebietes und der zahllosen Wege können unsere Sperren nicht mal tief gestaffelt stehen."


    "Ganz davon abgesehen ist die subura an allen möglichen Enden von anderen vierteln umgeben. Wir können uns kaum leisten, dass auch diese Abbrennen."
    Das war ein faktum. Denn bei diesen Firteln handelte es sich nicht zuletzt um das Forum und sonstige Marktviertel.


    "Was hast du mit den Katakomben vor? Fluten?" was sonst sollte eine passende Lösung sein? nur ... wie sollte das gelingen? Die Kanäle waren dazu da Wasser in rauen Mengen abzuführen, sie zu Fluten dürfte eine Herkulesaufgabe sein.


    Von all diesen technischen Gründen abgesehen hegte er aber auch massive Zweifel daran, dass die Prätorianer geeignet waren, den Wildwuchs einzudämmen. Das Beispiel des korrupten centurio zeigte, dass man auch in den schwarzen Uniformen nicht gegen die Versuchungen des Geldes gefeit war. Die Erinnerung an seinen Eid stieß Licinus dann sauer auf. Illoyalität ließ er sich nicht wirklich gerne vorwerfen.
    "Ich bin mir meiner Verpflichtungen durchaus im klaren." erklärte er schneidend mit einer Stimme kalten Stahles. "Ich bin aber der Meinung, dass dieser Plan nicht im besten Interesse weder des Kaisers, noch der Prätorianer, noch ROMs ist."


    "Er birgt mehr Risiken als Vorteile und selbst die sehe ich als eher kurzfristig an. Besser wäre es den langatmigen Weg zu nehmen. Die Banden infiltrieren, die Kontrolle über sie übernehmen und sie sich langfristig gegenseitig aufreiben lassen." eine Strategie, die das Imperium an seinen Grenzen seit langen Jahrzehnten sehr erfolgreich umsetzte. Warum sollte das Prinzip divide et impera nicht auch im Innern funktionieren? "Natürlich ist das aufwendiger und erfordert einen langen Atem, aber es ist die gangbarere und vor allem kontrollierbarere Lösung."


    "Wenn du aber auf deinen Plan bestehst ..." Licinus Stimme klang ein wenig angestrengt. "Kannst du natürlich sicher sein, dass ich meinen Teil beitragen werde, so viel Kontrolle wie möglich zu behalten." Denn, dass es nicht möglich war, die vollständige Kontrolle zu behalten, davon war Licinus überzeugt. Und Kontrolle zu verlieren widerstrebte ihm zutiefst.

  • Es gab kein Zurück. Wie auch? Die entsprechenden Befehle an die Schatteneinheiten waren bereits gegeben. Die Subura würde brennen. Verus konnte, selbst wenn er wollte, die ausgegebenen Befehle in der Kürze der Zeit nicht widerrufen. Licinus wollte nicht sehen, dass es nicht um Statistik oder einen wahren Sieg ging, sondern schlicht um jenes Chaos, welches beherrschbarer war, als jener Ist-Zustand. Der Ist-Zustand war durchsetzt von zu vielen Einzelinteressen und Faktoren. Es mochte für Außenstehende irrsinnig erscheinen aber im Kern war jene Brutalität ausschlaggebend für ein Überleben der Staatsmacht. "Ich sehe deine Bedenken. Ich verstehe sie sogar und wenn es mich nicht drängen würde, würde ich auch auf die Spionage, Zersetzung und Zerschlagung setzen aber die Christen breiten sich aus, wie ein Geschwür," konterte Verus und ging nicht auf die Katakomben ein. Dies war sein persönliches Geheimnis. Denn dort arbeiteten seine Spezialisten, die er auch vor Licinus geheimhalten musste. "Doch, doch. Der Plan ist im besten Interesse Roms. Stelle dir nur vor, was wäre, wenn die Christen alles durchdringen würden. Ihre Lehre uns alle bedrängen würde und Rom christlich würde...," mahnte der eifrige Angstmacher und blickte seinen alten Kameraden auffordernd an. Die Stimme des kalten Stahles verfehlte ihre Wirkung jedoch nicht. Verus dachte nach. Er musste die Bedenken eines loyalen Bruders ernst nehmen. "Ich habe bereits die Befehle gegeben. Die Subura wird heute Nacht brennen. Wir können nur entsprechende Einheiten abziehen und einen Teil des Planes modifizieren. Wie du weißt, kann ich gegebene Befehle an das Netzwerk nicht kurzfristig zurückziehen, Marcus. Wir können auf die Sperrketten verzichten und die Männer umverteilen aber die Brandstifter arbeiten ohne klare Führung und sind, wie ein losgelassener Pfeil," gab Verus an und blickte reumütig herab.

  • Wäre die ganze Angelegenheit nicht so bitterernst hätte Licinus laut lachen müssen. Rom christlich. Diese völlig absurde Karikatur einer schon extrem merkwürdigen Religion würde sich niemals so weit ausbreiten, ddavon war er überzeugt. Aber er beließ es bei einem Kopfschütteln. Er wollte die leisen Spuren von Rationalität die der trecenarius zeigte nicht abwürgen.


    Bis der kommende Satz viel. Licinus brauchte schon einen Augenblick um diesen Schock zu verarbeiten. Scheinbar war bereits alles veranlasst. Noch ein Baustein in der Frage, dass an dieser Maßnahme nicht durchgeplant war. Innerhalb weniger Stunden einen Abriegelungsplan aufstellen war ein Witz. Aber der war nun ja nicht mehr nötig, schlimmer noch. Licinus Hirn schaltete in diesem Moment um. Hatte er zuvor noch versucht eine Katastrophe zu verhindern, war es jetzt so weit, dass es nur noch um Schadensbegrenzung ging.
    "Pabtus!" rief er nach seinem Adjutanten, der prompt in der Tür erschien. "Torwache! Sämtlicher Ausgang gestrichen, Urlaubsscheine eingezogen. Sofort bitte!"
    Genauso schnell wie er in der Tür erschienen war, verschwand der Unteroffizier auch wieder.
    Damit war immerhin sichergestellt, dass Ausnahmsweise mal der überwiegenede Großteil der Männer auch in der Nacht in der Casa war. Er ahnte bereits, dass er jeden Mann brauchen würde.
    "Welchen Einheiten wurden bisher welche Befehle gegeben? Wo sollen die Brände gelegt werden? Die vierte Kohorte ist in Germania, die sechste hat heute Palastdienst. Die können die Gebäude auf dem Forum mit bewachen, das müsste gehen. Und wir brauchen eine Wache auf dem Argiletum, um Plünderer abzuhalten. Eventuell können wir da die städtischen Kohorten mit einbeziehen."
    In seinem Kopf formten sich Pläne, die immer weiter um sich griffen und gnadenlos in die Kommandobefugnisse anderer Einheiten eingriffen.

  • Gab es eine Möglichkeit diesen Irrsinn zu stoppen? Mit Sicherheit. Doch Verus wollte es nicht. Er dachte noch nicht einmal daran. In seiner Welt waren Befehle stets gegeben und unumkehrbar. Er würde auf einen Befehl hin, in seinen eigenen Tod marschieren. Dieser Mann wollte nur die Pflicht kennen aber diese Pflicht war längst in einen fanatischen Glauben verkommen. Ein Glaube, der ihm nicht mal eine Entschuldigung war, sondern Überzeugung. Schlafwandelnd in seiner Hölle, wollte er das Feuer bringen. Ein reinigendes Feuer. Kalter Zorn lag in seinen Augen, geboren aus erfahrener Grausamkeit und Krieg. "Diese Maßnahme ist richtig," leistete er sich einen leisen Kommentar, die einem Wunsch gleich klang. Licinus agierte, wie gewohnt und zielstrebig. Verus war zufrieden, während diese frostige Kälte durch seinen Körper fuhr und ihm ein zynisches Lächeln auf die Lippen legte; kaum sichtbar aber dort war es, wie eine kaltblütige Vorfreude. Verus mochte den Untergang, nicht nur seinen eigenen. Für ihn, der Krieg und Konflikt ertragen konnte, war der Untergang nur eine weitere Bühne für Scheinheiligkeiten. Nein, Verus war nicht nur bereit, sondern auch willens, das Leid dieser Welt zu ertragen und vielleicht sogar zum Wohle einer alten Idee zu mehren. Der Fluch lag in seinem Blute. Die Tiberii hatten ohnehin stets eine eigene Auslegung von Staatswohl. "Die Elefanteneinheit und die Wölfe sind bereits in der Subura. Die Feuer sollen in zwei Tabernae gelegt werden, und sich über ausgelegtes Öl und Stroh verbreiten, um auf die nahgelegene Schmiede und die Garumwerke überzugreifen," antwortete Verus militärisch knapp, ohne Zögern oder Überbetonung. "Die beiden Tabernae sind bekannte Christentreffpunkte," fügte er noch an.

  • Elefanten und Wölfe. Soso. Er hatte keine Ahnung, was für inoffizielle halboffizielle und abkommandierte Truppen aus dem Dunstkreise der Geheimermittler und Staatsmörder das nun wieder beinhaltete, er kannte nur die Zahlen die aus den Fonds des trecenarius an die verschiedenen Operationen flossen.


    Den Kommentar, dass die Maßnahme richtig sei überging Licinus gnadenlos. Entweder meinte der Tiberier den Brandanschlag, dann war jede Diskussion überflüssig weil Licinus immernoch anderer Meinung war, oder die Ausgangssperre, deren Diskussion genauso überflüssig war.


    "Nun, das macht die Sache doch einfach. Dann werden wir rein zufällig in diesen beiden tabernae heute nacht Razzien durchführen, die Brände rechtzeitig entdecken oder noch besser die "christlichen" Brandstifter auf frischer Tat ertappen und anschließend hinrichten."
    Wen man ertappte und wen man hinrichtete mochten je nach Befehlslage nochmal zwei Paar Schuhe sein, aber das war ein Problem, dass man in den Griff bekommen konnte, wenn die Katastrophe verhindert war.
    "Von welchen tabernae reden wir und wo liegen die?! Wann sind die Anschläge geplant?"
    Das waren Fakten, ohne die es nun mal nicht ging. Hoffentlich kooperierte der trecenarius.

  • Ein Partisan seines ungeliebten Glaubens war er geworden. Verus blickte verstörend zu Boden herab, todessehnsüchtig um Erlösung suchend, in einem fernen Gedanken. Ein ferner Berg, unter dem er begraben werden wollte, wie seine Feinde. Die Leute sollten ihn vergessen vorbei ziehen und ihre Leben leben, während sein Leben in Unwürde verging. Verus wollte dieses Spiel nicht mehr. Auch wenn die Fragen, die ihm Licinus stellte, sachlicher Natur waren, war der Verlust gegenwärtig. Verus ertappte sich selbst und musste erkennen, dass sein Kampf längst überflüssig war. Seine Organisation war überflüssig und auch seine Sorgen. Seine Nöte und seine Ängste kümmerten die Aristokratie wenig. Sein Kampf war verloren. Sein Rom war nur eine verlustige Idee. Es bekümmerte ihn, dass selbst sein alter Kamerad für einen politischen Gewinn den Kampf aufgab. Dabei waren sie doch alle Kämpfer und hatten erstaunliche Kämpfe gewonnen. Verus war Soldat aber diese Zeit brauchten einen Soldaten nicht mehr. Sie wollten ihre Illusionen und ihren kümmerlichen Frieden, der sie brüchig ersticken würde. Eines Tages, wenn die Soldaten alle ihre Posten verließen. Verus glaubte nicht mehr an den Kaiser oder diese Sache. Verrat lag erneut in seinem Atemzug, als er zu Licinus erneut aufblickte. Gedanken zogen schwergängig durch seinen einst fanatisierten Schädel. Die militärische Konditionierung versagte. Und Klarheit siegte. Verus war nicht mehr gewünscht und seine Organisation in den Schatten brauchte seine Führung nicht mehr. Es gab nichts mehr zu gewinnen, nur noch zu verlieren. Seine Zeit war abgelaufen und nach diesem letzten Kampf würde er den Kaiser um ein letztes Geleit bitten. Eine letzte Schlacht und einen umfänglichen Untergang der einstigen Partisanen römischer Sache. Dieser Gedanke erschien wünschenswert für diese Idee zu sterben, damit wenigstens etwas Sinn ergab. Er würde mit seiner Idee untergehen. Sicherlich würden sich Gleichgesinnte aus seinen Reihen anschließen, um in der Ferne für ein längst verlorenes Rom zu kämpfen. Hundert Mann und ein Befehl, der ein letztes Geleit war. Freiheit gab es nur in den blutigen Feldern. Er bereute es, dass er seine geliebte Luna in einem Leben zurücklassen musste aber sie hatte nun eine Familie. Und sein Sohn würde ohne seine Schande besser leben. Als gefallener Held, der schnell vergessen wurde, konnte er seiner Familie mehr dienen, als mit dieser gelebten Schande, stets in einem Krieg zu kämpfen, indem er jede Schlacht verlieren musste. Verus war selbst überflüssig für sein eigenes Blut. Wie sehr er diese Stadt hasste, mit ihrem Schmutz, Eitelkeiten und Intrigen. Dort war wieder diese Melodie, die ihn in die Ferne zu den Schlachtfeldern zog. "Einverstanden. Die Taberna - Aufgehender Mond - und die Taberna - Liedermacher. Beide liegen im südlichen Ende der subura, erkennbar an aufwendigen Wandschildern. Die Anschläge finden kurz nach Sonnenuntergang statt," erklärte der scheidende trecenarius kalt und seine Augen wurden glasig. Er gab auf. "Ich werde dich auf begleiten, da ich der einzige bin, der die Einheiten abziehen kann," meinte Verus. Dies würde diese Farce beenden, und gleichsam das Ende dieses Mannes einleiten, der längst seinen Tod suchte und niemand wollte ihn retten.

  • "Gut, dann brechen wir rechtzeitig auf." nickte Licinus, der die Zwischenzeit noch nutzen wollte, um vorher einiges zu organisieren, falls sie unerfolgreich waren.
    Es mussten Anweisungen ausgegeben werden, dass sich im Zweifelsfall genug einheiten verteilten die Löschtrupps der vigiles zu unterstützen. Auf der anderen Seite wollte er nochmal einen Blick auf die Pläne werfen, falls es zu einer allgemeinen Panik käme -- falls wirklich alles schief ging.
    "Wir treffen usn dann nachher am Tor. Bis später."
    Er begleitete den trecenarius hinaus und ging dann erstmal sich etwas zu trinken holen. Die Geschichte war ihm auf den Magen geschlagen.

  • Eine Wachstafel lag auf dem Tisch von Iulius Licinus.


    Marcus,


    bitte finde dich bei mir in der Villa Tiberia ein. Wir müssen etwas bereden. Für Speis und Trank ist gesorgt. Auch ein Gästezimmer steht bereit. Die Besprechung wird länger dauern, als komme bitte gegen Nachmittag. Es ist dringend.


    Aulus
    trec

  • Licinus fragte sich, was das nun wieder war. Besprechung im Privathaus. Wieso nicht hier? Der trecenarius hatte doch den Brief auch herbringen lassen. Das roch wieder mal ausgesprochen myteriös. Zu mysteriös für seinen eigenen Geschmack. Nichts desto trotz machte er sich wie bestellt auf zur Villa des Tiberiers, als die passende Stunde geschlagen hatte.

  • Schon kurz nach Beginn seines Dienstes hier waren Licinus gewisse Unregelmäßigkeiten in den Abrechnungsvorgängen bei den speculatores aufgefallen. Es hatte einige Zeit gedauert, bis er sie auf einen bestimmten Offizier. Noch länger hatte es gedauert, bis er nicht nur indizien hatte, sondern echte Beweise. Zuegen Kaufverträge und die Sicherheit, dass der Mann keine anderen Mittel hatte, als jene, die er aus der Spesenkasse der Garde unterschlagen hatte.
    Dann war erstmal nicht passiert. Es hatte dringendere Angelegenheiten gegeben, nicht zuletzt der Anschlag auf den trecenarius, aber auch ein plötzlicher Todesfall hatte seine Ermittlungen zurückgeworfen.
    Der Todesfall hatte dann die Ermittlungen noch mal in eine andere Richtung gedreht und den Druck erhöht. Ziemlich bald kamen Licinus und der Mann, der für ihn die Informationen sammelte, zu dem Schluss, dass der Speculator-Centurio gemerkt haben musste, dass gegen ihn ermittelt wurde. Sie würden sich beeilen müssen.


    Deswegen saßen sie hier zu später Stunde zusammen sortierten ihre Akten.
    "Also, hier sind die Abrechnungen von der Ermittlung in Narbo Martius. Dazu gehören die Kaufunterlagen für den Betrieb in Avenionesium."
    "Hier sind die Aussagen des Magistrats über die Drohungen an ihn."
    "Ah, dass war die Geschichte mit den Drohungen, den schon abgewickelten Verkauf rückgängig zu machen."
    "Genau," antwortete der Ermittler "Und hier die Beschlagnahme aus der Falschmünzerwerkstatt, wo eine Kiste Falschgeld unterschlagen wurde. Samt einer Berechnung des schätzungsweise enthaltenen Betrags. Und die Kaufbestätigung aus dem Latium für das kleine Landhaus kurz danach, für den Mann, der komischerweise kurz danach starb und den centurio als Erben einsetzte."
    Es war eine der Nächte, die Licinus auf dem Feldbett im Nebenraum seines officiums verbrachte, aber als sie fertig waren, konnte er sich sicher sein, dass er und seine Akten bereit waren, am nächsten Tag seine Anklage dem tribunus oder dem praefectus zu unterbreiten.

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