~ Porta ~ | Casa Leonis

  • Da stand er, der Mann der all das Unglück hätte verhindern können, indem er die Mö... möglichen Urbaner an ihren Hintern gepackt und ins Hafenbecken geschleudert hätte. Chari war kein Kämpfer und eine Waffe hatte er noch nie in der Hand gehabt. Nun mit Ausnahme der Messer, mit denen er in der Küche und Taberna hantierte. Aber es war schon etwas anderes Wurst zu hobeln, anstatt jemanden zu erstechen.


    Charislaus umarmte den alten Griesgram, der finster auf ihn herabstarrte. Chari sah Terpander förmlich die Sorge an, die er ausgestanden hatte. Manchmal bedachte er ihn mit seltsamen Spitznamen, die wohl nur Griechen verstanden, aber Chari war das gleich. Fest nahm er den alten Sklaven in die Arme.


    "Meine Reise war grauenvoll Terpander und ich hätte Dich so gebraucht. Ich bin froh wieder hier zu sein. Rom ist immer eine Reise wert heißt es, alles außerhalb von Rom nicht. Ich schwöre es Dir", keuchte Chari und fühlte zum ersten Mal wie die Anspannung von ihm abfiel und ihm die Tränen in die Augen schossen.

  • Die Anwesenheit von Lurco verhinderte, dass Terpander Charislaus im Genick packte und kommentarlos in den Heizraum der Hypokausten sperrte. So war Terpander gezwungen, lange genug auszuharren, um die Tränen zu spüren, die seinen Hals benetzten.


    "Ich gehe davon aus, die Reise hat dir einen Vorgeschmack darauf geliefert, was Ungehorsam anrichten kann, und du hast in dem Maß gelitten, wie du es verdienst. Mit ungehorsamen Heloten können schlimme Dinge geschehen. Da in meiner Heimat Worte nicht viel Gewicht haben, sondern allein die Tat zählt, wirst du mir tatkräftig zeigen, dass du dazugelernt hast. Andernfalls kann ich keine Milde walten lassen. Vorschläge?"

  • Charislaus schaute zu Terpander auf und nickte bekräftigend.


    "Oh ja Terpander, Du hast völlig Recht. Diese Reise war einfach grauenvoll. Ich dachte ehrlich, ich kehre nie wieder zurück. Vieles habe ich gesehen, was ich nicht sehen wollte. Jemand ist umgekommen, auf schreckliche Art. Du darfst darüber nicht sprechen. Ich hatte solche Angst Terpander und am Ende mussten wir zusehen, wie wir überhaupt wieder nach Rom kamen. Es ist uns gelungen. Nunja sonst würde ich hier nicht stehen. Aber die ganze Zeit über hatte ich Angst. Mal mehr und mal weniger, am Anfang war sie besonder schlimm. Ja Du hast oft von Griechenland erzählt Terpander, ich weiß, dass sie dort anders denken. Mein Begleiter Linos war auch ein Grieche. Aber er war nicht wie Du. Auch er konnte nicht kämpfen und er war wie ich. Er fürchtete sich auch vor Waffen. Dennoch haben wir beide durchgehalten und es nach Hause geschafft. Etwas das ich am Anfang gar nicht mehr für möglich gehalten habe.


    Vorschläge damit ich zeige was ich gelernt habe? Ja da habe ich viele, einer ist ich werde Rom nie wieder verlassen und das Haus auf Vordermann bringen. Und ich werde Dich nie wieder verlassen. Ich bin so froh das Du hier bist Terpander. Du bist schon so viel in der Welt herumgekommen und ich war nur einmal unterwegs. Ich frage mich, wie Du das überhaupt ausgehalten hast. Am liebsten würde ich nur noch hinter diesen Mauern bleiben.


    Bevor ich alles wieder richten kann, muss ich zu Herr Sacto. Selbst da habe ich versagt, mir wurde Garum gegeben und ich Dummkopf habe es gegessen. Ich weiß dass es verboten ist, aber ich aß es. Warum nur? Nun weil Linos es bestellt hat, aber ich hätte das doch hinterfragen müssen. Manchmal kommt man sich so schlau vor und ist trotzdem nur ein Dummkopf, schau mich an.


    Beinahe hätte es mich erwischt und dann esse ich auch noch Verbotenes und wofür das alles? Wofür? Ich weiß es nicht einmal", sagte Charislaus kleinlaut.

  • Vorläufiger Abschied von Sporus


    Pünktlich zur Hora Tertia kam die Reisegruppe mehrerer Händler vorbei, die Sporus nach Germania mitnehmen würde. Um die Sicherheit zu erhöhen, war es üblich, in Gruppen zu reisen. Da die Gruppe auch einige Beschützer angeheuert hatte, sollte unterwegs nichts passieren. Zur Schonung seiner Narben durfte Sporus hinten auf einem Wagen sitzen und musste weder laufen noch reiten, was Stilo einiges an zusätzlichen Kosten bescherte, denn Sitzplätze waren begrenzt. Außerdem hatte sein Herr ihm ein dickes Sitzkissen mitgegeben, kunterbunt und mit üppigen Quasten. Es sah nicht schön aus, aber teuer. Nachts konnte Sporus es auch als Kopfkissen verwenden. Dazu gehörte eine genau so bunte, aber dafür kuschelig warme Wolldecke. Beides zusammen war das Einzugsgeschenk von Stilo an Sporus. Zuzüglich zu dem übrigen Gepäck erhielt Sporus Reiseproviant sowie ein Säckchen mit Geld um den Hals, damit er sich unterwegs etwas zu Essen kaufen und irgendwo übernachten konnte.


    "Ich gebe dir einen Brief für den Medicus mit. Es handelt sich um meinen Verwandten Sisenna Iunius Scato. Du wirst ihn in der Domus Iunia in Mogontiacum antreffen. Er wird dann schon wissen, was zu tun ist. So lange du bei ihm wohnst, wirst du dich seinen Anweisungen fügen und ihm nach Kräften helfen. Außerdem gibst du ihm hundert Sesterzen aus deinem Beutel als Anzahlung für seine Hilfe und zum Kostenausgleich für deine Unterbringung. So weit alles klar?"


    Es war ärgerlich, seinen nagelneuen Edelsklaven erstmal auf gut Glück in die Fremde schicken zu müssen, und Stilo hätte ihn gern hierbehalten, doch es musste eben sein.

    Salve Scato,



    hier schreibt dein Onkel Sisenna Seius Stilo.


    Wie du siehst, habe ich einen neuen Sklaven erworben. Er ist von seinem Vorbesitzer vernachlässigt worden und benötigt ärztliche Behandlung. Alles Weitere wird er dir selbst sagen. Schicke mir im Anschluss die Rechnung und meinen Sporus wieder zurück zu mir. Während seines Aufenthalts in Mogontiacum untersteht er selbstverständlich deiner Verantwortung. Du kannst ihn einsetzen wie du möchtest.


    Bitte grüße Fango ganz herzlich von mir und sag Sabaco, dass es mir leidtut, dass ich ihm bisher nicht geschrieben habe.


    Vale bene

    Onkel Stilo


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  • Sporus war angetan, von dem Kissen und dem Essen. Und ein Säckchen mit Geld. So was hatte er noch nie in der Hand gehabt. Er war sehr aufgeregt und hatte auch etwas Angst.

    Den Brief hat er gut eingesteckt. Er wusste nicht, was drin steht, lesen konnte er ohnehin nicht. "Ja Herr, ich habe verstanden. Ich werde Scato helfen und unterstützen."

    Er schaute traurig zu seinen Herrn, den er sehr schätzte, war er doch ein Mensch, dem er vertraute. Sporus war stolz auf sich, dass er nun so, mehr oder weniger auf sich gestellt, eine große Reise antreten wird...


  • Die Sonne hatte bereits begonnen ihren allnächtlichen Rückzug anzutreten, als Cafo und seine beiden Begleiter die Porta Collina passierten. Für Cafo fühlte es sich ein wenig befremdlich an, die Stadtgrenze - zumindest soweit es die Befestigung betraf - nach nur wenige Stunden am selben Tag ein zweites Mal zu überschreiten. Sie hatten sich bei ihrer Durchquerung Roms an die Wegbeschreibung des Nero Germanicus Ferox gehalten: Von der Porta Radusculana erst zum Forum Romanum und dann von dort aus über die Via Nomentana, die einen Bogen in nordöstlicher Richtung beschrieb, zur Porta Collina. Auf dem Weg hatte Cafo mit großen Augen (und zum Teil verkniffener Nase) alle Eindrücke aufgenommen, die ihm Rom in Form ihrer überfüllten Straßen, monumentalen Architektur und der Vielfalt ihrer Bewohner entgegengeworfen hatte. Einen Ort, wie ihn die Einwohner dieser Stadt seit Romulus und Remus Zeiten aufgetürmt hatten, hatte Cafo noch nicht gesehen. Trotzdem waren sie bemüht gewesen, nicht mehr allzu viel Zeit zu verlieren. Nur am Circus Maximus und der Curia Iulia hatten sie auf seinen Wunsch hin kurz gehalten, ansonsten waren sie darum bemüht gewesen, ihre Tagesreise noch vor Anbruch der Dunkelheit zu einem Abschluss zu bringen.


    Nun standen sie also an der abschreckend wirkenden Fassade der Casa Leonis. Das Anwesen erinnerte Cafo an das harte Äußere einer Muschel, die unbeirrbar das wertvolle Kleinod in ihrem Inneren behütete. Er musste Dahippus, dessen erlahmende Laufbereitschaft sich bereits seit dem Forum Boarium mit regelmäßigen Seufzern Ausdruck verschaffte, nicht mehr dazu auffordern den löwenköpfigen Türklopfer zu betätigen. Gespannt warteten die Drei darauf, wer auf das metallene Löwengebrüll antworten würde.

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