Das Untersuchungszimmer im Valetudinarium

  • Das Valetudinarium der Castra war ein kleines Gebäude gleich neben der Principia. Nicht zu vergleichen mit den großen Gebäuden gleicher Funktion in einem Legionslager, aber der Stützpunkt war ja auch insgesamt deutlich kleiner. Hinter dem Eingangstor gab es links und rechts je eine Tür und die linke davon führte in den Raum, in dem kleinere Untersuchungen vorgenommen wurden. Dazu gehörten auch die Untersuchungen der Rekruten, die sich der Musterung unterzogen. Ein Capsarius war hier praktisch immer anwesend und wenn es nicht gerade Notfälle im Lager zu versorgen gab, dann auch ein Arzt.

  • Thales betrat das Zimmer und zeigte die ihm übergebene Tafel vor. "Salve, ich wurde hierher geschickt, um meine Tauglichkeit für die Classis prüfen zu lassen."

  • Kurz darauf trat ich in das Valetudinarium. Neben den Diensthabenden Soldaten war noch ein anderer Zivilist zu sehen, den ich zuvor schon an der Porta bemerkt hatte. Da neben ihm noch Platz war, stellte ich mich dazu und zeigte dem Personal meine Tafel. Salve Kameraden! Das Rekrutierungsbüro schickt mich. Mein Name ist Hegetor. Ich soll hier vorstellig werden, um mich untersuchen zu lassen.
    Während ich wartete ergriffen mich einige spannende Gedanken. Wo kam der Bursche neben mir nur her? Unauffällig musterte ich sein Äußeres um mir dazu eine kleine Idee verschaffen zu können. Würde er in die gleiche Ausbildungseinheit gelangen? Wie werden die anderen Kameraden sein? Und überhaupt! Wie genau wird die Ausbildung ablaufen?
    Ich spürte wie meine Anspannung aber auch meine Vorfreude anstieg.

  • Sowohl Arzt als auch Capsarius waren anwesend und schienen beide mit eher langweiligen Arbeiten beschäftigt zu sein, denn sie blickten schnell auf, grüßten freundlich zurück und schienen erfreut über die Abwechslung zu sein. Der Capsarius erhob sich sogleich von seinem Platz, nahm dem potenziellen Rekruten die Tafel ab, reichte sie an seinen Vorgesetzten weiter und griff nach einer Messlatte, die an der Wand lehnte. "Einmal gerade hinstellen, bitte. Danke. Fünf Fuß und... bes. Passt", verkündete er das Ergebnis der Messung. Gerade als er die Messlatte wieder wegräumen wollte, kam ein zweiter Mann herein, der ebenfalls untersucht werden sollte. "Oh, salve, heute ist ja hier was los. Komm', machen wir sofort mit. Gerade hinstellen, bitte. Das sind knapp sechs Fuß. Fünf und deunx, um genau zu sein. Danke."


    Damit stellte er die Messlatte endgültig zur Seite, blieb dann aber an der Wand des Raumes stehen. "Bitte einmal an die andere Seite des Raumes stellen und zu mir gucken. Wie viele Finger halte ich hoch?" Direkt an der Wand und nicht gerade an der hellsten Stelle des Raumes hielt er drei Finger nach oben.

  • In Ruhe ließ ich die Untersuchungen über mich ergehen. Dann wurden wir aufgefordert an die Wand zu treten, und zu benennen, wie viele Finger gezeigt wurden. Ich schaute kurz zu meinem Nachbar bzw. Kameraden herüber. Da er noch mit etwas anderem zu Gange war, jedenfalls schien das so, übernahm ich die Initiative und trat an die gegenüber liegende Wand. Klar blickte ich auf die hochgestreckte Hand. Drei! Es sind drei Finger!Antwortete ich sicher.

  • Thales war noch kurz damit beschäftigt, sich die Maße durch den Kopf gehen zu lassen. Ja, das stimmte, das war genau seine Größe. Also kein Messfehler. Hatte er aber auch nicht erwartet. Nachdem der groß gewachsene künftige Kamerad seinen Test absolviert hatte, stellte sich auch Thales an die Stelle des anderen Rekruten, wobei er ihm kurz zunickte. Dann wandte er sich an den Capsarius. "Bleiben wir bei den drei Fingern, bestehend aus jeweils drei, damit in Summe neun Segmenten, oder soll ich eine andere Zahl erkennen? Wobei ich die Finger klar erkennen kann."

  • Der Capsarius wiederholte das Prozedere noch einige Male, bevor der Sehtest bei beiden als erfolgreich bestanden notiert wurde. "Schön, schön, schön", murmelte der Capsarius dann vor sich hin. "Kommen wir zum Hörtest. Dort stehen bleiben bitte", wies er die jungen Männer an, um weiterhin ein möglichst große Distanz zu wahren. Dann sprach er besonders leise, als er die nächste Anweisung erteilte. "Der linke von euch beiden hebt jetzt bitte seinen linken Arm und der rechte seinen rechten Arm."

  • Thales überlegte kurz, ob der Capsarius rechts und links von sich aus gesehen oder von den beiden Rekruten aus gesehen meinte, stellte dann aber fest, dass das irrelevant war, da in beiden Fällen der vom Nachbarn abgewandte Arm gemeint war. So hob er, der links von Hegetor stand, den linken Arm.

  • Bei dem einen der beiden Rekruten regte sich bald der richtige Arm, was der Capsarius jedoch zunächst nicht kommentierte. Stattdessen blickte er erwartungsvoll in Richtung des anderen, ob dieser die Anweisung auch gehört hatte.

  • Ich war mir nicht sicher, ob das noch zur Untersuchung gehörte. Aber wir waren hier eben beim Militär. Da wird getan, was einem gesagt wird. Ich nahm also die leise vorgetragene Anweisung entsprechend als Befehl wahr und hob meinen rechten Arm. Recht so Capsarius?, wollte ich wissen.

  • "Hervorragend!", kommentierte der Capsarius in normaler Lautstärke, bevor er den Test noch einmal mit einer anderen, leisen Anweisung wiederholte. Es folgten weitere Tests, die ebenfalls alle zur Zufriedenheit ausfielen. Der Vorgesetzte des Capsarius hatte alles säuberlich auf den Tafeln notiert, bestätigte auch noch einmal das positive Ergebnis und drückte sein Siegel ins Wachs neben seine Notizen. Dann gab er die Tafeln an die jungen Männer zurück und wies sie an, auf direktem Weg wieder zum Rekrutierungsbüro zu gehen. "Valete. Und hoffentlich müsst ihr nicht allzu schnell wieder hierher", verabschiedete sich der Capsarius und nahm wieder seinen Sitzplatz ein.

  • Mit einem Lächeln nahm ich meine Tafel entgegen. Vermutlich war alles in Ordnung, sonst hätte der Capsarius bestimmt schon etwas gesagt. Ein kurzer Blick auf die Tafel bestätigte meine Vermutung. Danke Capsarius. Dann bis bald.Die Wünsche, die er uns auf den Weg gab, waren sicher gut gemeint. Ich wusste aber, dass die Einsatzfahrten alles andere als ungefährlich waren. Ich klemmte mir die Tafel kurzerhand unter den Arm und bewegte mich zügig zum Rekrutierungsbüro.

  • Thales nahm die Tafel und überflog kurz den Inhalt. Mit einem kurzen Nicken verabschiedete er sich. "Danke, Capsarius, ich hoffe auch, dass ich gesund bleiben werde."

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