• "Früher war das irgendwie mehr..."


    Müsste man das Zimmer von Lucius beschreiben, hat man es damit meistens gut getroffen. Derzeit ist der Satz leider passend. Auch dieses Mal rutschten ihm die Worte wieder raus, als er leise durch das Haus wanderte und die Tür hinter sich schloss.


    Für edlere Dinge ist der Raum faktisch nur ein Pfandlager, wenn sich einer seiner "Kameraden" nicht mehr von Worten vertrösten lässt. Zu guten Zeiten hätte Lucius mit seinem Zimmer vermutlich einem Senator Konkurrenz gemacht. Jetzt wäre man geschockt, wenn sich irgendeine Form von Luxus hierher verirrt. An der vom Eingang linken Seite steht in einer Ecke ein schlichtes, einfach gefertigtes Bett. An der rechten Wand findet sich ein hölzernes Regal, das früher mal viele Bücher hielt. Davon geblieben sind nur noch eine Handvoll Werke, von denen er sich nicht einmal für seine Leidenschaft trennen konnte. Fortuna mag ihm möglicherweise - bei ihr weiß man es nie - vergeben, aber Ovid wird ihn spätestens nach seinem Tod heimsuchen, wenn er seine Werke verpfänden würde.
    Neben dem Regal steht ein unauffälliger Schrank, der die wohl letzten Wertsachen hier verwaltet: Lucius Kleidung. Das Fenster, das direkt gegenüber der Tür eingebaut wurde, hüllt den Raum in einen leicht tristen, weißen Schein. Jedes andere Zimmer hätte so etwas Einladendes. Dieses? Das genaue Gegenteil. Die gähnende Leere des Raums fällt so nur umso mehr auf.


    "Meine Göttin meint es gerade wirklich nicht sehr gut mit mir..." sprach er in den Raum, während er halb gedankenverloren auf dem Bett saß und seine Lieblingsmünze über seine Faust wandern ließ. Ihm war bei den letzten Würfelpartien schon aufgefallen, dass die Schicksalsgöttin mit seinem bisherigen Lebensstil nicht einverstanden war. Man kann jemanden wohl nur so oft darum bitten, ihn auch die nächste Partie gewinnen zu lassen.


    Lucius Blick wanderte wieder zu seiner Münze. Er ließ sie in seiner Faust verschwinden und öffnete die Hand. Seine Göttin sah ihn an. Er wusste nicht wieso, aber bei ihrem Anblick musste er lächeln.
    "Ich werde mich bessern, meine Liebe! Du warst zu Recht sauer, aber ich denke, ich habe etwas gefunden, das dich wieder glücklich stimmen wird!"


    Eigentlich sollte er sich zu dieser Tageszeit ins Bett legen, aber irgendwie war Lucius nicht nach Schlafen. Stattdessen saß er auf seinem Bett und schaute aus dem Fenster, um die Sterne zu bewundern.

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