• Adalrich war schlau genug um zu wissen, das ihn sein Zorn in dieser Situation keinen guten Dienst erwiesen hatte. Insbesondere das Kopfschütteln des Tiro bekräftigte ihn darin, sich am Riemen zu reißen und sich in dieser Lage unterzuordnen. Denn schließlich war es der junge Grieche der die Umgangsformen und Verhaltensweisen der Römer verstand und wusste, wie man mit diesen zu reden hatte.


    "Ich verstehe, Nauarchus.", erwiderte Adalrich und fügte mit leicht gesenktem Blick hinzu. "Ich bitte um Entschuldigung für mein Verhalten."

  • Catienus betrachtete den Aspiranten ernst und mit fast schon wabernder Autorität. Für einen Tiro war der Kommandeur derjenige der den Göttern am nächsten stand. Man sollte ihn nicht verärgern, man sollte möglichst unauffällig und ordentlich sein...mehr gehörte es nicht dazu seine Grundausbildung zu überleben...denn es gab nach ihm noch weitere, wenn auch kleinere Götter, fast schon Dämonen, aber soweit wollte er nicht gehen.

    Er nickte kurz dem Gubenator zu und verließ den Raum...in welchem man in diesem Moment eine Stecknadel hätte fallen hören.

  • Die Stimmung war auf dem absoluten Nullpunkt angelangt. Allerdings hatte Adalrich aus Sicht des Tiro gerade noch rechtzeitig die Kurve gekriegt. Die Römer legten viel Wert auf Umgangsformen und Hierarchien, gerade im Militär.

  • Cato erwiderte knapp und respektvoll den Abschiedsgruß, ehe er sich in Zeitlupe zu Adalrich umdrehte. Er starrte dem jungen Germanen ins Gesicht und lächelte. So freudlos wie eine Person nur lächeln konnte, als hätte jemand ein klaffenden Riss in das Gesicht des Gubenator geschlitzt.


    "Du bist an der Reihe Adalrich. Gleich darfst Du unter Beweis stellen, ob Du Deine überschüssige Energie auch sinnvoll einsetzen kannst, anstatt nur mit dem Mundwerk. Du hast gesehen wie es hier abläuft. Die Tabula und freimachen, zügig", befahl Nero und hielt die Hand auf.

  • Adalrich reichte dem Mann wie gefordert die Tabula und begann sich dann auszuziehen.


    Classis Germanica sectioni Mogontiacum

    MUSTERUNGSAKTE


    nomen: Aldarich


    pater: Gundakar


    mater: Alsuna


    natio: Nemetii


    Status : Peregrini


    aetas: XIIIV


    artes: Lesen, schreiben, eigenen Angaben nach rechnen


    habitus:


    morbi cognitio (medicus):


    exceptio:


    eventus:


  • Nero musterte das Schauspiel, na es ging doch, jedenfalls gehorchte Adalrich und setzte den Befehl um. Er nahm die Tafel von Adalrich entgegen.


    "Fangen wir an. Du hast es vorhin schon mitbekommen, auch für Dich die Frage, gab oder gibt es in Deiner Familie irgendwelche Erbkrankheiten zum Beispiel Schwachsinn? Oder Epilepsie, chronische Ausschläge, schwacher Darm, Diabethes, Fälle von Wechselfieber? Irgendetwas in der Art?", hakte Nero nach um alles auf der Tabula zu vermerken.

  • Adalrich kannte einige der Worte und konnte diese deuten. Die genaue Bedeutung anderer Gebrechen waren ihm hingegen unbekannt. Allerdings wollte sich der Germane nicht neuerlich eine Blöße geben - und da niemand in seiner Familie ohnehin je krank gewesen war - antwortete er: "Nein, Herr."

  • "Von der Familie her also gesund wie ein Fisch im Wasser. Den Rest überprüfen wir jetzt", antwortete Nero und vermerkte vorher die Äußerung von Adalrich sorgfältig.


    Genauso sorgfältig war die nun folgende Untersuchung des gesamten Körpers des Germanen. Arme, Beine, Torso, Kopf, Zähne. Cato die Finger, die Zehen und die Zähne. Ferner untersuchte er genau die Körperhöhlen und das Gemächt.


    "Du hast es überstanden. Anziehen und 30 Liegestütze, danach auf dieser Linie da gehen und jeden zweiten Schritt in die Hocke gehen", befahl Nero. Genau wie bei Tiro forderte diese Übung 10 Wiederholungen und brachte das Blut des Burschen in Wallung, so dass man das Herz schlagen hören konnte. Tauglich oder nicht, dass war die alles entscheidende Frage.

  • Dieser Teil war für Adalrich der Leichteste und am wenigen Unangenehmste. Er war harte Arbeit seit frühester Kindheit gewohnt und absolvierte die Übungen ohne in Schwitzen zu kommen. Die gierigen Blicke des Römers die auf seinem muskulösen Körper ruhten, waren viel schlimmer.

  • Nero war mit seiner Untersuchung fertig und vermerkte alles fein säuberlich. Mit dem Burschen schien etwas nicht zu stimmen, so wie er schaute. Die Untersuchung schien er sehr genossen zu haben und das obwohl er sich vorher wie eine Jungfer geziert hatte. Und so langsam dämmerte es Nero. Adalrich war vom anderen Ufer. Deshalb also die Zickeneinlage, der Gute war eifersüchtig und sein kleines Germanenherz schlug für den ahnungslosen Tiro. Na da sollte er mal nicht am falschen Hafen andocken, das konnte fatale Folgen für den Landläufer haben.


    Er hörte an dessen Herz, gesundheitlich alles in Ordnung. Auch dies notierte Nero fein säuberlich.


    "Körperlich bestanden. Der Rest wird sich erweisen und eine harte Schule für Dich", sagte Cato ungerührt. Er hatte schon Tausende kommen und gehen sehen, Adalrich wäre keine Ausnahme, würde er nach kurzer Zeit in den Sack hauen. Arbeiten und anpacken konnten fast alle, aber dienen, gehorchen und eine Kameradschaft bilden, dass war etwas ganz anderes.

  • Tiro war erleichtert das Adalrich diese schwere Prüfung bewältigt hatte. Scheinbar hatten beide ihre Stärken und Schwächen und vielleicht sollten sie sich ergänzen, um das vor ihnen liegende Programm zu meistern. Doch zunächst wandte sich Tiro in gebotenem Respekt an den Vorgesetzten.


    "Ehrenwerter Caius Memmius Cato. Verzeiht meine Neugierde, doch wie geht es nun weiter?", fragte Tiro nach.


    Zwar kannte er sich mit den Verhaltensweisen und -formen aus, jedoch weniger im militärischen Ablauf.

  • "Ihr habt hier alles überstanden und seid fertig. Ihr beiden geht nun ins Armentarium und holt Euch Eure Ausrüstung ab. Geht pfleglich mit der Ausrüstung um und überprüft direkt nach Empfang ob Euch alles ausgehändigt wurde. Ihr seid dafür verantwortlich", antwortete Nero Tiro. Damit waren die beiden entlassen und konnten ihre Ausrüstung abholen.

  • "Danke, Herr.", nickte Tiro um seinen Dank zu unterstreichen und deutete dann Adalrich mit einer Kopfbewegung ihm zum folgen.

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