Cubiculum - Gaius Aemilius Lepidus

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    Gaius Aemilius Lepidus


    Hier lebt und schläft Lepidus.

    Der Raum ist mit Fresken verziert hat ein großes Bett, eine Sitzgruppe mit Blick auf die Terrasse zum Hortus.

  • Der Raum war gut gelüftet und auf seinem Schreibtisch stand ein Becher dampfenden Kräutersuds. Lächelnd nahm Lepidus platz und atmete den würzigen, aufsteigenden Dampf ein. Der Sud war noch zu heiß zum trinken, daher widmete er sich zunächst einmal seiner Post.

    Die üblichen Rechnungen überflog er, nichts aussergewöhnliches dabei. Ablage...Dann der Klatsch und Tratsch .

    Inzwischen war der Sud ein wenig abgekühlt und er setzte sich damit auf die Sitzgruppe mit dem Blick auf den Hortuzs. Wenngleich er momentan nicht ganz so bunt und voller Leben war so spendete er ihm Ruhe und Frieden. Ein Schluck des Suds ließ seine Augenbrauen hochwandern. Es gab wieder Honig,...schön.

    Ach, sieh an,... murmelte er als er die Liste mit wichtigen Ereignissen las. Decimus Serapio hat geheiratet,...Quintilia Valentina,...es hieß sie sei ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten.

    Er nickte. Wünschte dem jungen Paar alles Gute und viele friedliche Jahre. Dann Berichte über die ausufernden Bandentätigkeiten. Kopfschüttelnd fragte er sich warum der PU die Nester nicht ausräucherte? Man wußte doch wo sie sich befanden.

  • Lepidus riskierte einen Blick durch die Vorhänge seines Cubicullums, während Antigonos an seiner Tunika herumnestelte.

    Verdammt, Tigono,...hör ´auf an mir ´rumzukratzen! murrte er.

    Wenn du dich nicht immer bekleckern, oder nach dem Essen umkleiden würdest, da du mit zunehmendem Alter...

    Lepidus hob den Zeigefinger. Du bist nicht meine Mutter!

    Was offensichtlich war, und er hatte natürlich nicht unrecht. Als Angehöriger der Oberschicht sollte man schon auf sein Äußeres achten. Antigonos hörte auf mit der Bürste an ihm herum zu fuhrwerken und inspizierte sein Werk. Grimmig nickte er.

    Sie ist viel zu früh von uns gegangen, sonst wärst du nicht so ein hoffnungsloser Fall!

    Lepidus überhörte das, die Frauen in seinem Leben verließen ihn immer viel zu früh, seine Mutter als auch seine geliebte Gemahlin Iulia ließen ihr Leben im Kindbett. Manchmal fragte er sich ob das was sie für ihr Leben gaben das zwingend Bessere war?! Er wischte einen erneuten Versuch Antigonos´ sich über eine Stelle an seiner Tunika herzumachen beiseite und trat schnell durch den Vorhang auf die Laube zu. Die Sonne blendete ihn ein wenig an diesem milden Wintertag. Sichtlich gespannt trat er auf die Laube zu.

  • Gaius Germanicus Varro

    Hat den Titel des Themas von „Cubicullum - Gaius Aemilius Lepidus“ zu „Cubiculum - Gaius Aemilius Lepidus“ geändert.
  • Lepidus schreckte aus seinem Bett auf. Infernalische Geräusche hallten durch seinen Kopf. Es klang als würden die Griechen Troja plündern. Ein wenig ungelenk um keine schlummernden Dämonen in seinem Rücken zu wecken, richtete er sich auf und kroch aus dem Bett, schlüpfte in seine Carbatina und stemmte sich gerade hoch als es an seine Türe klopfte. Antigonos trat ein. Hinter ihm mit gezücktem Schwert Bassus. Was,...was ist den los?...Tigono...sind die Vandalen eingefallen? Antigonos kam zu ihm und legte ihm eine Decke über die Schultern.

    Nein,...es ist wohl Nero,...er hat wohl ein paar Dämonen aus der Urbs mit nach Hause gebracht. Entgegnete Antigonos genervt. Zwei sind schon raus,...ich denke es werden aber noch welche da sein! Lepidus nickte resigniert und richtete sich mit einem gehörigem Knacken auf. Er nickte Antigonos abwehrend zu, es ging ihm gut. Na dann,...wollen wir die Bude einmal ausräuchern...Bassus,...leg´dein Schwert weg, das regeln wir ohne Waffen! Lepidus klopfte seinem Neffen auf die Schulter und trat aus seinem Cubiculum. Vor diesem standen Ajax, Astor, Knut und Ludger, letztere mit ordentlichen Knüppeln bewaffnet. Lepidus nickte ihnen zu, lächelte fast entschuldigend und so machte sich die kleine Streitmacht, angeführt von ihrem Hausherrn auf zur Brutstätte des Unheils.

  • Bassus schob sein Schwert wieder in die Scheide und machte sich mit der kleinen Streitmacht auf den Weg. Wieder einmal Nero,...und wieder einmal würde er alles abstreiten oder gar heulend um Verzeihung bitten. Bassus´Gesicht verzog sich ein wenig, so als habe er zu sauren Vinum getrunken. Wahrlich sein Cousain widerte ihn an. Vielleicht wäre es das beste man würde ihn in seinem Erbrochenen sterben lassen und nicht, wie schon so oft daraus erretten. Diesmal, dachte Bassus,...diesmal hat er es zu weit getrieben.

  • Privat - Zu Händen des Augustus!


    An T. Aquilius Severus - (Augustus)

    Palatium Augusti / Domus Augustana


    Salve Severus,


    mein guter, alter Freund.


    Ich bin über die Maßen erfreut von dir zu lesen. Mir ist tatsächlich bewußt, daß du in deinem Amt und Würden wenig Zeit und Muße findest auch einmal an dich selbst, geschweige denn an einen, inzwischen doch recht alten Geist aus einer längst vergangenen Zeit zu denken. Aber deine Zeilen zu lesen ist ein , ich möchte hiermit betonen sehr erfreulicher, Anfang.


    Sei versichert, daß ich noch pulsiere, gelegentlich etwas holprig oder gar zaghaft, im Wissen was bei Zuwiderhandlung der Anzeichen geschieht, aber durchaus noch vital genug um der Unbill eines pater familias und der quälenden Passion eines Sammlers von Wissen der Älteren zu begegnen.


    Wie jenes Manuskript, oder dem nachweislich angeblichen Manuskript des Aristophanes, dem Stück Plutos. Es war das letzte unter eigener, persönlicher Anleitung aufgeführte Werk . Besaß somit einen gewissen Wert unter Kennern. Aber es war nur eine Abschrift…naja wen wundert es. Der alte Knabe ist ja nun schon eine Weile nicht mehr unter uns.


    Ich schreibe dir gerne und entführe dich in eine Zeit in welcher wir jung, ungestüm und voller Leben waren.


    Der Daimon, von dem du schreibst ist mir bekannt, er hockt grinsend an meinem Bettende kurz bevor ich einschlafe und zuweilen entführt er mich in eine Welt die es vielleicht nicht gibt.


    Aber auch sein finsterer Kumpane, hockt dort im Halbdunkeln und macht mir feixend klar, daß mehr Tage hinter als vor mir liegen. Doch er läßt sich bisweilen leicht bannen, solltest du ihm begegnen, so sage ihm lächelnd und voller Überzeugung:


    Jetzt noch nicht!


    In ergebener Zuneigung und Freundschaft


    PS. Ich sende an die mir bekannte Adresse.


    Dein Lepi(dus)






  • Herius Claudius Menecrates


    Villa Claudia




    Salve Menec,


    ich schreibe dir um dich meines Diesseits zu versichern. Wie du weißt verweile ich über die Wintermonate hier in Roma um meine Angelegenheiten zu regeln. Als ich neulich von meinem Bruder aus Germania zurück kam passierte ich deine Villa auf dem Weg nach Hause und mußte an dich und an unsere gemeinsame, leider längst vergangene Zeit denken.


    Nun warst du ja immer der Ältere von uns beiden, was uns zuweilen getrennt hat, aber ich war dir stets wohlgesonnen und zugetan.


    Ist es nicht an der Zeit bei einem guten Essen und einem ebensolchen Trunk über die Dinge zu schwelgen die wir hinter uns gelassen haben? Ich persönlich neige langsam dazu meine Vergangenheit zu idealisieren, was nicht gut ist, denn so verklärt sie sich unmerklich zu einer wohlig warmen Decke, die mich einlullt und den Blick für die Gegenwart zumindest verklärt.


    Als Stoiker ist das ein nahezu blasphemischer Umstand.


    Solltest du also in nächster Zeit Hunger verspüren oder Lust auf ein Gespräch mit einem guten Schluck haben, gib mir Bescheid, ich arrangiere uns etwas.




    In Freundschaft




    G. Aemilius Lepidus


  • Antigonos brachte einen neutralen Brief und legte ihn auf den Schreibtisch ab. Im Weggehen nahm er einen leeren Teller mit krümeligen Resten eines Mahls mit.


    Salve Lepidus,


    deine promte Antwort beruhigt mich dann doch ziemlich. Es ist natürlich ärgerlich, dass du schließlich nur ein Kopie gefunden hast. Wenn sich jemand mit den alten Rollen auskennt, dann bist das ja wohl du. Vielleicht solltest du dir jedoch in Ermangelung eines Originals von Aristophanes überlegen, selbst zur Feder zu greifen und dein eigenes Original zu schaffen. Es gibt schließlich nur zwei Wege, unsterblich zu werden. Entweder man macht es so wie ich und wird Imperator Augustus und so weiter.



    Oder man schreibt. Imperator Augustus zu werden ist sehr aufwendig, das kann ich dir verraten. Du aber könntest diese Errungenschaft erreichen, indem du einfach eine Komödie schreibst. Oder von mir aus auch eine Tragödie. Ganz aus deiner Mußezeit heraus, im Sitzen. Man hört, dass das auch die finstereren der Daimones zu beruhigen pflegt.

    Dein Tib. Sev.


    Lepidus, vertieft in das Studium eines angeblichen Manuskrpites der Komödie Hecyra von Terenz registrierte die Anwesenheit mit einem Nicken und grummelte einen Laut der Dankbarkeit.

    Er legte den Terenz, er war nun sicher es war ein Original aufgrund der schrecklichen Handschrift des Terentiers, zur Seite und öffnete den Brief. Kurz darauf kam ein Zug des Lächelns in das von Sorge und Leid zerfurchte Gesicht.

    Ach, sieh an...kopfschüttelnd las er den kurzen Brief und dachte wie wahr der gute Severus doch sprach. Letztendlich ist es das geschriebene Wort, welches dereinst Zeugnis ablegt über ein jeden von uns. Diejenigen die es schrieben hatten eine enorme Macht, denn die Feder ist mächtiger als das Schwert.

    Die Sicht der Dinge basiert auf der Darstellung durch den Autor. Er allein verschafft uns ein Bild vergangener Ereignisse, Taten und Zustände. Lepidus legte den Brief beiseite und griff nach einem Papyrus...als würde Severus ahnen daß er an einem Opus arbeitet..

  • Salve mein lieber Severus,

    nun, es ist in der Tat so, daß es eine gewisse Fachkenntnis braucht um das Echte, das Ursprüngliche, das Wahre zu erkennen.

    Das ist nicht nur im Privaten Bereich so. Wie der Zufall es will habe ich bereits einen guten Ersatz gefunden...und diesmal ein Original! Die Komödie Hecyra von Terenz, mit Verbesserungen, Änderungen,...herrlich.

    Du als Imperator hast deinen Platz in der Geschichte sicher, sieh nur zu daß man deine Geschichte getreu den Ereignissen wiedergibt. Letztendlich ist es das geschriebene Wort, welches dereinst Zeugnis ablegt über ein jeden von uns. Diejenigen die es schreiben haben eine enorme Macht die Sicht auf die Dinge zu beeinflussen, denn die Feder ist mächtiger als das Schwert.

    Die Sicht der Dinge basiert auf der Darstellung durch den Autor. Er allein verschafft uns ein Bild vergangener Ereignisse, Taten und Zustände.

    Was deine Idee angeht, so quäle ich mich schon seit Jahren an einer Komödie, jedoch bin ich zu befangen, ich habe zuviele Quellen zu viele Nachweise, ich befürchte ich bin nicht gut genug oder einfach zu komplex an den Stoff herangegangen.

    So lauern, zumindest was mich angeht, auch in dieser edlen Kunst Daimonen...besonders in meinem Rücken, der macht mir immer noch das Leben schwer, ich kann nichts wirklich ausdauernd...weder sitzen noch stehen, noch liegen...das macht mich zuweilen etwas griesgrämig. Ich danke den Göttern aber für meine robuste Gesundheit, die ist noch ganz passabel.

    Wie geht es dir eigentlich sonst? Du bist doch in meinem Alter!


    Lebe lang und in Frieden


    Dein Lepi(dus)


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  • Antigonos klopfte an die Türe. Er war etwas in Sorge, denn um diese Zeit verweilte der Hausherr üblicherweise in seiner Bibliotheca. Doch dort war er nicht, ebensowenig im Hortus. Die Angelegenheit mit Nero, diesem Nichtsnutz, hatte seinen Dominus sehr mitgenommen. Er hatte kaum noch gegessen und war sehr in sich gekehrt.

    Antigonos verwünschte diesen Auswurf Nero. Lepidus war sicherlich ein gestrenger Mann, jedoch war er nicht ohne Herz. In Spartha hätte man ein Neugeborenes wie Nero sofort den Göttern geopfert. Er war schon als Neugeborener abartig. Es war schwer ihn zu lieben, noch schwerer ihn zu mögen und nahezu unmöglich ihn zu akzeptieren.

    Er zerstörte alles was in seine Nähe kam und inzwischen zerstörte er scheinbar auch das Gemüt seines Vaters.

    Leise öffnete er die Türe und betrat den Raum. Seine Befürchtungen bestätigten sich nicht. Erleichtert sah er Lepidus auf der Veranda sitzen. In eine Decke gehüllt las er einen Brief. Neben ihm ein Teller mit kaum angebrochenem Essen. Dominus,...kann ich etwas für dich tun? Es tat ihm in der Seele weh diesen Mann so leiden zu sehen. Mit einem gespenstischem Lächeln sah ihn Lepidus an. Hager war er geworden.

  • Lepidus hatte Meldung erhalten, daß sich vor dem Tor einige Milites eingefunden hatten. Der Sklave half ihm mit sorgenvoller Miene aus dem Scherenstuhl und warf rasch einen Blick auf seine Tunika.


    Lepidus machte zur Zeit wahrlich keinen aristrokratischen Eindruck. Die Last der Jahre, die Schmerzen, das trübe Wetter, der Ärger mit seinem Sohn, aber auch die Abreise von Bassus machten ihm zu schaffen. Der Zeitpunkt nach Germania zu gehen war zur Zeit denkbar ungünstig. Er war oft beim Schrein gewesen um mit seiner Frau in den Dialog zu gehen, doch wie immer blieb sie stumm. Es wurde immer schwieriger sich an sie zu erinnern, wie sie wirklich war und nicht das idealisierte Bild, was er so gerne vor sich hertrug. Iulia war eine streitbare, eine moderne Frau. Sie pfiff auf altbackene Konventionen, wahrte aber den Respekt vor den elementaren Dingen.


    Sie teilte seine Liebe zu den Schriften, begleitete ihn auf seinen Reisen. Es waren 10 wunderbare Jahre, die sie miteinander verbracht haben. Zehn Jahre voller Leben, Liebe, Streit und Versöhnung.


    Ihr Tod war für ihn eine Katastrophe…bis heute.


    Er atmete seufzend aus, nickte dem Sklaven zu und begab sich zum Atrium, dort würde er Bassus wohl noch antreffen.

  • Herius Claudius Menecrates


    Villa Claudia


    Salve Menec,

    es freut mich von dir zu lesen. Ich habe noch ein paar Besuche zu erledigen, Besuche welche mich vollauf beschäftigen werden. Danach bin ich gerne dein Gastgeber und wir werden uns schmausend über das Vergangene hermachen. Ich bin sicher wir werden es bedauern den Kontakt verloren zu haben.

    Darf ich dir ANTE DIEM VI ID MAR DCCCLXXI A.U.C. (10.3.2021/118 n.Chr.) als Termin vorschlagen?

    Sollte dir dies widerstreben, kannst du mir Alternativen vorschlagen, aber bitte nach diesem Termin.


    Vale bene, in freudiger Erwartung,

    dein


    Lepidus


  • Leise öffnete er die Türe und betrat den Raum. Seine Befürchtungen bestätigten sich nicht. Erleichtert sah er Lepidus auf der Veranda sitzen. In eine Decke gehüllt las er einen Brief. Neben ihm ein Teller mit kaum angebrochenem Essen. Dominus,...kann ich etwas für dich tun? Es tat ihm in der Seele weh diesen Mann so leiden zu sehen. Mit einem gespenstischem Lächeln sah ihn Lepidus an. Hager war er geworden.

    Lepidus schreckte aus seinen Gedanken hoch und sah seinen alten Freund Antigonos lächelnd an.

    Nein, schon gut Tigo,...es ist mir nur etwas viel in letzter Zeit,...ich bin müde.

    Eine schwarze Müdigkeit die Körper und Geist immer mehr zu lähmen drohte. Er haßte sie, er haßte seine Unfähigkeit getreu seiner Prinzipien bei Nero durchzugreifen. Nun war auch noch Bassus fort. Bala ritt in eine ungewisse Zukunft an das Ende der Welt. Das einzige was ihm noch Hoffnung machte war sein Sohn Marcus, doch auch von ihm hatte er lange nichts gehört.

    Geduld, eine seiner größten Tugenden war ihm zur Zeit ein knappes Gut.

  • Antigonos nickte verstehend. Die Umstände hier in Roma waren multiple und chaotisch. Die ganze Stadt erdrückte ihn förmlich. Lepidus, der nach dem Tod Iulias in einer Art Flucht den Stoikern folgte war im Grunde seines Herzens ein sensibler Mensch, ein Schöngeist, der der ars vivendi zugetan war. Mit dem Tod seines Vaters oblag ihm das Gens zu führen. Ihm der nie führen wollte, der alles nach der ultima Ratio anging, dem die Schönheit der Weisheit Sinn des Lebens wurde.

    Er war so anders als sein Vater, der Consul, den Kriegshelden, dem Senator, dem Geschäftsmann, dem Sklavenhalter und Dakerschlächter der mit Trajan den Tod ihres Freundes rächte und schließlich den Dakerkönig Decebalus in den Selbstmord trieb.

    Lepidus war all dies fremd. Er war kein Machtmensch wie sein Vater oder sein Bruder Nepos. Er verabscheute Gewalt, die Intrigen des Hofes, Verrat und Feme. Antigonos nahm den Teller und meinte, nachher kommt der Medicus wegen deinem Rücken...ich schicke dir Circe und Maria, damit sie dich vorbereiten... wenn er schon in seinem Geiste begann seine Würde zu verlieren, so sollte es doch niemandem auffallen und den Mythos der uralten Adelsfamilie zumindest optisch erhalten. Als er den Raum verlies sah er noch einmal zurück auf den Mann der in einem Scherenstuhl saß und mit müden Augen einen imaginären Punkt am Horizont fixierte. Mit einer Träne im Auge schloß Antigonos die Türe.

  • Lepidus merkte gar nicht daß Tigo den Raum verlassen hatte. Seine Gedanken weilten in der Vergangenheit, im Hätte, Wäre, Wenn... Eine äußerst deprimierende Umgebung. Er haderte mit allem, haderte mit den Göttern, haderte mit sich Selbst. Die Stoa sah dies durchaus vor. Es gab kein Ideal. Für den Stoiker als Individuum gilt es, seinen Platz in dieser Ordnung zu erkennen und auszufüllen, indem er durch die Einübung emotionaler Selbstbeherrschung sein Los zu akzeptieren lernt und mit Hilfe von Gelassenheit und Seelenruhe (Ataraxie) nach Weisheit strebt.

    Demzufolge war er auf einem guten Weg den Lehren der Stoa zu folgen. Doch was richtete die Suche nach dem Weg, gar der Weg selbst bei ihm an?

    Seufzend erhob Lepidus sich. Es wurde Zeit, er musste seine Rolle spielen,...vor dem Personal, dem Medicus,...der Welt.

  • Aemilia Iulia (NPC)


    Es war bereits die Sonne aufgegangen, aber im Haus war es noch sehr ruhig. Iulia hatte ihren Opa schon eine Weile nicht mehr gesehen und stolperte von Zimmer zu Zimmer im Teil des Hauses, wo die Schlafzimmer lagen. Nach einer Weile war sie beim größten Zimmer angekommen und mit ein bisschen Strecken schaffte sie es die Tür zu öffnen und dann ins Zimmer zu poltern. Anscheinend schlief der Opa noch, also stakste das kleine Mädchen auf das Bett des Großvaters zu und streckte dem schlafenden Großvater triumphierend ihre Puppe mitten ins Gesicht. "Ooooopa, schau!" rief das Kind dem Großvater direkt ins Ohr. Sie hatte erst kürzlich das Wort Opa und dessen Bedeutung gelernt und führte es nun stolz zusammen mit der Puppe vor. Von Faustina fehlte jede Spur. Ob sie noch schlief und sich das Kind davongeschlichen hatte?

  • Lepidus war durch das leise Knarren der Türe aus seinem üblicherweise leichten Schlaf geweckt worden. Er hörte nackte Füße auf dem Boden patschen...der kleine Quälgeist, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte das Haus auf den Kopf zu stellen, mit ihrem ungestümen Aktionismus alle in der Villa entweder zum Lachen zu bringen oder in den Wahnsinn zu treiben.

    Lepidus entschloss sich toter Mann zu spielen,...sollte sie auch nur einen Funken Respekt vor ihm haben, würde sie...

    Klatschend landete etwas in seinem Gesicht, weniger schmerzhaft als aufschreckend.

    Dazu ein infernalischer Schrei...Lepidus fuhr hoch, was sein Rücken sofort schmerzhaft quittierte.

    Mit einem scheinbar tiefbösem Blick sah er auf das kleine Monster hinab.

    Erkläre mir was du hier in meinem Raum zu suchen hast? Warum du mich schlägst und vor allem warum du mir ins Ohr schreist? Hast du denn keine Manieren,...kleine Iulia?


  • Die Feinheiten des Totstellens gingen an der knapp dreijährigen Iulia leider total vorbei und nachdem das Mädchen bisher total von ihrer Mutter verhätschelt wurde und keine männlichen Respektspersonen kannte, machte sie genau das, was sie auch oft mit Faustina machte - sie früh mit irgendwelchen Albernheiten aus dem Schlaf zu reißen. Auch Grenzen kannte die kleine Iulia nur sehr bedingt und die harsche Reaktion des Opas überraschte und verängstigte das Mädchen.


    Noch immer hielt sie Lepidus ihre Puppe entgegen, aber schon wellten sich große Krokodilstränen in Iulias Augen, da sie nicht so recht verstand, warum der Opa jetzt böse war. "Können wir Puppen spielen, Opa?" Die Frage war quasi rhetorisch, da eine negative Antwort definitiv zu Geheule führen würde, aber das Mädchen war noch nicht verunsichert genug das Projekt Puppen spielen ganz aufzugeben

  • Lepidus schob den kleinen heulende Quälgeist ein wenig aus dem Weg um vorsichtig und langsam seine Beine aus den Bett und seine Füsse auf den Boden zu bringen. Ein jedes Morgen enervierendes Prozedere. Diesmal ungewohnt unter den tränenverquollenen Augen eines kleinen Mädchens mit der frappierenden Ähnlichkeit der kleinen Faustina.

    Er nahm die Puppe entgegen und sah sie kritisch an. Er sah den Hoffnungsschimmer in Iulias Gesicht entschied sich jedoch mit der Erziehung der Kleinen zu beginnen. Man mußte die Weiden früh biegen, solange sie noch weich und dehnbar sind...also jetzt.

    Er reichte die Puppe zurück und fragte, Iulia,...ich bin ein Mann, ...ein alter Mann,...ich bin nicht der Richtige um mit dir zu spielen. Bevor sie wieder mit ihrem Sirenengeheul anfangen konnte meinte er...Alte Männer spielen nicht mit Puppen,...sie erzählen Geschichten...aber erst wenn du etwas neues gelernt hast,...quid quo pro...Iulia,...verstehst du was ich meine?

    Sein Blick war nicht mehr finster, und mit einem Lächeln wische er ihre tränennasse Wange trocken.

  • Das kleine Mädchen beendete das Geheule so schnell wie es gekommen war bei der Aussicht auf Aufmerksamkeit durch den Großvater. Nachdem Lepidus ihr die Tränen getrocknet hatte, strahlte sie auch gleich wieder wie ein Regenbogen nach einem Schauer. "Quid..pro wo?" schaute sie den alten Mann fragend an. Etwas lernen hm?


    Bevor der Opa noch antworten konnte, hopste der kleine Wirbelwind auch schon wieder vom Bett und hüpfte auf einem Bein durch den Raum. "Schau Opa...das hab ich gelernt. Sind wir jetzt quitt und wo?"

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