[Bibliotheca] WIssen ist Macht

  • Titus befand sich wieder in der Bibliothek und widmete sich den Kriegerlehren des Kronos. Für ihn wurden sie immer mehr ein neuer und sinnvoller Halt in seinem chaotischen Leben. Und ja durch diese neuen aber doch schon uralten Weisheiten erfuhr er mehr über sich als ihm lieb war. So widmete er sich dem zweiten Teil der Schriften des Kronos. Es war einfach faszinierend was in ihnen alles geschrieben stand.

    Die sieben Lehren des Kronos


    • Vertraue! Alles, was ist, hat seine Bedeutung, sonst wäre es nicht!
    • Sei dir sicher, alles, was dir begegnet, hast nur du erzeugt!
    • Sei tolerant! Toleranz ist die Folge des Wissens, dass jeder von uns immer nur einen Teil der ganzen Wahrheit besitzen kann.
    • Missioniere nicht! Denn jeder hat das Recht auf seinen eigenen Entwicklungsstand.
    • Erkenne deine Göttlichkeit! Denn alles ist nur Fleischwerdung des Kronos.
    • Lerne Demut: Nicht uns, oh Kronos, nicht uns, sondern deinem Namen gibt die Ehre!
    • Dies ist das einzige Gebot! Du sollst den Herrn, deinen Gott Kronos, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deinem ganzen Gemüte und mit allen deinen Kräften!

    Diese Aussagen waren sehr spannend und für den jungen Aurelier auch sehr verwirrend. Die Aussagen des Kronos waren gegensätzlich zu dem was allgemein üblich jungen Römern beigebracht wurde. Zusätzlich befand sich noch ein Anhang dabei der Titus jetzt ins Auge fiel. So öffnete er auch dieses Teilwerk um sich damit intensiver zu beschäfzigen.

    Achte auf Deine Gedanken –

    Denn sie werden Worte.


    Achte auf Deine Worte –

    Denn sie werden Handlungen.


    Achte auf Deine Handlungen –

    Denn sie werden Gewohnheit.


    Achte auf Deine Gewohnheiten –

    Denn sie werden Dein Charakter.


    Achte auf Deinen Charakter –

    Denn er wird Dein Schicksal.

    Überrascht starrte Titus auf diese Worte, welche Weisheit und Tiefe langen ihn ihnen. Aber auch welche Tragweite beinhalteten sie, denn sie besagten letztendlich einen anderen Weg der Kultivierung als der römische Weg. Der Aurelier war in Gedanken versunken und stierte auf die Werke des Kronos.

  • Der junge Aurelier nahm sich nun noch einmal diese Lehren des Kronos zur Brust. Was sollte das denn alles heißen? Wie hing das mit dem Leben das er führte zusammen? Titus las nun noch einmal die erste Lehre gewissenhaft durch:

    • Vertraue! Alles, was ist, hat seine Bedeutung, sonst wäre es nicht!

    Grundsätzlich gilt, ohne Vertrauen kann das Leben keine reine Freude sein. Misstrauen bedeutet Abstand. Nähe kann da nicht aufkommen. Ohne Nähe keine Wärme. Keine Wärme bedeutet seelische Verkümmerung. Ohne Vertrauen tritt man auf der Stelle. Man kann sich nichts Neuem öffnen. Man muss sich einmal für das Vertrauen, d.h. dafür, dass es einen Gott Kronos gibt, dass es einen Sinn gibt, entscheiden. Und dann konsequent durch alle Probleme hindurch dabeibleiben. Vertrauen bedeutet dann, es hat alles einen Sinn. Es gibt vieles auf der Welt, dass wir nicht verstehen: Krankheit, Kriege, Verbrechen, Trennung, Naturkatastrophen usw. Man ist leicht versucht zu fragen, wie kann göttlicher Beistand das nur zulassen? Wenn wir uns klarmachen, dass es keine Schwarzmalerei in Wirklichkeit gibt, dass alles und immer zwei Seiten hat, das heißt hinter jedem Guten steht etwas Schlechtes, hinter jedem Schlechten etwas Gutes, dann geht man doch viel gelassener an alles heran! Sagt nicht der Volksmund: es gibt nichts Schlimmeres als eine Reihe guter Tage? Erfahren wir nicht Überdruss, wenn wir Tag für Tag feinstes Essen auf den Tisch bekommen? Wenn also alles immer zwei Seiten hat, dann können wir aufhören zu werten und anfangen zu vertrauen. Natürlich erfordert es von uns, den Blick für die zwei Seiten einer Medaille zu schärfen.


    Natürlich wäre es nötig, mich für die Betrachtung eines größeren Zusammenhangs zu öffnen. Hat nicht fast jeder Mensch schon einmal erfahren, dass, das, was heute als Unglück erscheint, gegen was ich zu kämpfen ,ich aufgeschwungen habe, was ich mir auf keinen Fall gefallen lassen wollte, sich später als Chance, ja als Glücksfall herausstellt!? Wenn ich vertraue, kenne ich keine Angst mehr. Wenn ich vertraut, schaue ich nach der Aufgabe, die hinter jeder Herausforderung steckt. Was will diese Herausforderung mir sagen? Wer vertraut, strahlt Sicherheit und Zuversicht aus. Wer vertraut, ist der ruhende Pol in allen Lebenslagen. Wer vertraut, kann loslassen. Wer vertraut, lebt im Hier und Jetzt. Wer vertraut, lebt in Frieden.


    So purzelten die Gedanken in Titus Gehirn durcheinander. Ja aber gerade in der römischen Gesellschaft in der es ums Hauen und Stechen ging und jeder der Macht erlangen wollte mit allen Mitteln versuchte einen möglichen Konkurrenten zu beseitigen widersprach dieser Aussage deutlich in allen Punkten. Grundsätzlich verstand Titus schon die Kernaussage und gab dieser auch Recht. Aber der Begriff und die anders verwendete Version des Wort Vertrauen ließ im Aurelier doch erhebliche Zweifel aufkommen im Nutzen der Geheimnisse des Kronos.

    • Sei dir sicher, alles, was dir begegnet, hast nur du erzeugt!

    Titus überlegte sich dazu folgendes: Was ich säe, muss ich ernten. Wenn es nicht so wäre, wäre alles ungerecht bzw. sinnlos. Was ich bedenke und beobachte, was ich den lieben langen Tag denke, wo ich mich beeinflussen lasse mit Gedanken, die nicht der Liebe und Ausgeglichenheit entsprechen. Glauben ich wirklich, dass das ohne Folgen bleiben kann und dass sich daraus keine entsprechenden Erfahrungen ergeben? Ich bin mir sicher, alles, was mir begegnet, ich auch erzeugt habe! Also sollte ich auf meine Gedanken achten. Es ist der Ausgangspunkt für mein Schicksal. Meine Gedanken erzeugen mein Schicksal. Ich achte auf meine Gedanken – denn sie werden zu Worte. Ich achte auf meine Worte – denn sie werden Handlungen. Ich achte auf meine Handlungen – Denn sie werden zur Gewohnheit. Ich achte auf meine Gewohnheiten – denn sie werden mein Charakter. Ich achte auf meinen Charakter –denn es wird mein Schicksal. Wenn ich also tief in mich hineinhöre habe in einen wertefreien Freund, der alles, was ich will, sofort umzusetzen versucht. Dabei spielt gut und schlecht in meinen Gedanken keine Rolle, sondern nur meine Einstellung dazu. Nach dem Text kann mir nur das passieren, was ich selber erzeugt habe. In dem Sinne würde auch gelten, dass alles was anderen passiert, auch sie verursacht haben.


    Der Aurelier starrte wieder mit tiefen Gedanken auf die Schriftstücke und schüttelte jetzt ernsthaft seinen Kopf. Verwirrt starrte er nun in eine imaginäre Ferne. Wie tiefsinnig die Lehren des Kronos waren und welche gehirnzerreissenden Gedanken aufkamen bei der Betrachtung dieser gänzlich anders ausgerichteten Aussagen. Titus nahm nun einen tiefen Schluck aus seinem Weinkelch um so langsam seine Gedanken frei zu bekommen. Schade das jetzt sein ehemaliger Lehrer Sokrates nicht bei ihm war. Trefflich hätten sich die beiden über diese gewaltigen Aussagen austauschen können.

    • Sei tolerant! Toleranz ist die Folge des Wissens, dass jeder von uns immer nur einen Teil der ganzen Wahrheit besitzen kann.

    Titus las sich den Text nochmals sehr genau durch. Sehr sehr tiefsinnig das Ganze. Jeder Römer kommt aus einer Familie und aus einer Gesellschaft. Dort haben wir vermittelt bekommen, was richtig und was falsch ist. Diese Wertungen sind so tief eingebrannt, dass wir sie möglicherweise gar nicht in Frage stellen oder dass wir uns nur ganz schwer von ihnen befreien können. Somit hat jeder von uns deshalb seine eigene Wahrheit geprägt durch Familie und Gesellschaft usw.. Tag für Tag erhalten wir in der Gesellschaft, aber auch in der eigenen Familie Bestätigungen dieser Werte. Man meint, wenn alle das für richtig halten, dann kann es nicht falsch sein. Man ist kaum in der Lage, diese Werte zu hinterfragen. Ja, wir fühlen uns sogar aufgerufen, unsere Wertvorstellungen auch anderen Völkern, Gesellschaften aufzudrängen, notfalls mit Gewalt. Wobei das schon ein Hinweis sein könnte, dass wir unserer Wertungen nicht 100%ig sicher sind, sonst würden wir doch nicht für sie kämpfen müssen. Auch diejenigen in unserer Gesellschaft, die sich außerhalb dieser Werte stellen, werden ausgeschlossen, diskriminiert, versklavt, ja kommen ins Gefängnis. Da Zugehörigkeit ein elementares Bedürfnis jedes Menschen ist, überlegt sich jeder 2mal, ob er seine kritischen Gedanken äußern soll. So bleibt das System geschlossen. Mit unseren Wertungen hängen Erwartungen, Befürchtungen zusammen. Wer Erwartungen hat, kann enttäuscht werden. Man kann nur wunschlos glücklich sein. Dem Aurelier kam noch ein Gedanke zum Thema „Gewissen“. Wir sollen immer unserem Gewissen folgen, wird uns gesagt. Wer aufmerksam zugehört hat, weiß jetzt, dass es kein objektives Gewissen gibt, nach dem man sich „guten Gewissens“ richten kann. Denn das Gewissen ist anerzogen. Menschenfresser haben ein anderes Gewissen, als wir im Imperium Romanum. Wir haben also allenfalls einen Teil der Wahrheit, die ganz speziell unsere Wahrheit ist. So gibt es viele Wahrheiten, die unsere Toleranz herausfordern. Titus dachte intensiv nach und fragte sich ob es die eine Wahrheit für alle, eine Antwort geben könnte. Ja, es gibt diese Wahrheit. Diese Wahrheit ist Kronos. Die ganze Wahrheit für alle Menschen ist die Liebe, weil sie jeder Mensch erfahren kann und sie deshalb niemand glauben muss.


    Titus dachte sich: Das ist jetzt doch kompletter Irrsinn, denn dieses Lehren des Kronos kehrten das römische Weltbild des jungen Mannes komplett über den Haufen.

    • Missioniere nicht! Denn jeder hat das Recht auf seinen eigenen Entwicklungsstand.

    Titus dachte sich zu dieser Aussage, dass wenn wir jemanden hören, der ganz andere Dinge vertritt, hat auch diese Meinung für den Aussprechenden seine Berechtigung. Die Meinungen eines jungen Patriziers sind für ihn richtig, weil ihm die Erfahrungen und das Wissen in vielen Bereichen fehlt. Ihn deswegen als doof zu bezeichnen, fällt kaum jemand ein. Bei erwachsen aussehenden Menschen fällt uns das schon eher ein. Aber auch bei den Erwachsenen gibt es unterschiedliche Biographien und Entwicklungsstufen. Man sagt, es gibt junge Seelen und alte Seelen. Sei tolerant, heißt, sei großzügig, gestatte deinem Mitmenschen eine seinem Entwicklungsstand entsprechende Wahrheit. Das ist keine Wertung. Denn auch wir wollen ein Recht auf unsere momentane Wahrheit haben, auch wenn andere schon eine reifere Seele haben und unsere Wahrheit für sie überholt ist, weil sie durch eine umgreifendere Wahrheit ersetzt wurde. Es ist auch nicht möglich, einen jungen Römer zum Senator zu machen, indem ich ihm das Senatoren Wissen vorsetze, um ihn möglichst - auch umgehend - an diesem wunderbaren Wissen teilhaben zu lassen. Er wird es einfach nicht verstehen, weil ihm die Voraussetzungen, die Zwischenstufen fehlen. Die Zwischenstufen können nicht übersprungen werden. Andere zu missionieren widerspricht der Menschenliebe, weil ich den anderen mit seinem Entwicklungsstand nicht annehme. Wir dürfen natürlich trotzdem unsere Sichtweise als Angebot vorstellen, aber inwieweit er es annimmt, ist seine Sache. Wir dürfen natürlich trotzdem unsere Sichtweise als Angebot vorstellen, aber inwieweit er es annimmt, ist seine Sache. Wir müssen in der Lage sein, den anderen dort zu lassen, wo er sich gerade befindet. Wir müssen in der Lage sein, ihm eventuell auf seine Ebene zu folgen und ihm von dort aus, Argumente und Gedanken anzubieten, die bei ihm zu einer Bewusstseinserweiterung führen können. So wie ich es gerade mache.


    Titus grübelte in sich versunken über die Gedanken nach die sich bei ihm eingeschlichen hatten. Sehr kompliziert das Ganze.

    • Erkenne deine Göttlichkeit! Denn alles ist nur Fleischwerdung des Kronos.

    Der Aurelier ging wieder einmal in die Bibliothek um sich weiter den Lehren des Kronos zu widmen. Der Lehrsatz hatte es ihm angetan, denn was hatte der Vergleich von eigener Göttlichkeit mit einer Fleischwerdung Kronos zu tun.

    Der Begriff Gott Kronos bedeutete, dass in ihm alles enthalten war. Etwas außerhalb von ihm konnte es nicht geben, sonst wäre er nicht Kronos. In dem Zusammenhang kann es natürlich auch keinen Gegenpol zu Kronos geben, nämlich den Hades. Der Hades, d.h., das was uns ablenkt auf unserem Weg zur Einheit, das Ego gehört zur Polarität. Ihn gibt es nur in der Polarität. In der Einheit, in Kronos, gibt es keine Polarität mehr, also auch keinen Hades, kein Ego mehr. Bei einer Münze verschwindet die Münze, wenn die Rückseite weggenommen werden soll. In diesem Sinne darf nie ein Pol bekämpft werden. Beobachtet man die Welt: Überall wird etwas bekämpft. Man erkennt, wie wenig spirituell die Menschen sind, wie wenig sie von der Liebe verstehen. Jeder Pol hilft uns auch, mehr Bewusstheit zu bekommen. Laut Kronos sind alle Menschen Götter, somit könnte ich das auch für mich in Anspruch nehmen. Es ist auch logisch. Wenn es außerhalb von Kronos nichts geben kann, - sonst wäre er nicht Kronos, - dann ist alles Kronos, ist alles Sichtbare Fleischwerdung Kronos. Wenn ich als Römer auch ein Gott bin, dann bin ich allmächtig und unschlagbar. Dadurch kann ich siegessicher und selbstbewusst an dein Leben herangehen. Ich kann aufrecht durchs Leben gehen. Sollte mich einmal jemand niedermachen wollen, was ich ja selbst verursacht habe, dann wird mich das Bewusstsein, dass ich Gott bin, dennoch souverän in der Situation bleiben lassen. Obwohl ich bereits Gott bin, bleibt für mich der Auftrag, die Ganzheit in mir hereinzuholen, um alles in mir zu integrieren was noch nicht zu mit gehört, in uns integrieren. Das ist der Weg des Kronos, der Weg zur Erleuchtung.


    Hau das war jetzt aber wirklich schräg, den Titus Verstand nicht wirklich was mit den Worten des Kronos gemeint war. Der Gedanke selber ein Gott zu sein schmeichelte vermutlich den meisten Menschen, aber ehrlich das war jetzt doch zu krass und fühlte sich wie eine Spinnerei an. Der Aurelier fand es schade, dass er keinen Diskussionspartner bei sich hatte um mit ihm sich auszutauschen.

    • Lerne Demut: Nicht uns, oh Kronos, nicht uns, sondern deinem Namen gib die Ehre!

    Diese Lehre soll uns davor bewahren, unser Gottesbewusstsein dazu zu benützen, uns über andere zu erheben, so zu tun als wären wir etwas Besseres, so zu tun, als könnten wir uns über alle anderen Menschen, die nicht so denken wie wir, erheben. In dieser Regel steckt auch, dass wir, obwohl wir unser Schicksal selbst erzeugen und die volle Verantwortung dafür tragen müssen, wir dennoch Dankbarkeit für unser Leben empfinden sollen. Denn Dankbarkeit bestätigt uns das, was wir haben. Wir werden uns dessen bewusst und worauf wir unser Bewusstsein richten, das wächst. Dankbarkeit hilft uns, unseren Reichtum wahrzunehmen. Dankbarkeit erhält uns das, was wir haben. Dankbarkeit ersetzt viele Gedanken, die sich vielleicht durch die vielen verschiedenen täglichen Anregungen einstellen und nicht der Liebe entsprechen. Ersetzen wir diese Gedanken durch: „Ich danke Dir!“ „Ich danke Dir, dass ich DICH lieben darf!“ In der Dankbarkeit ist auch enthalten, dass alles ein Geschenk ist, das uns nicht gehört. Damit verhindern wir auch, dass wir unser Herz ans Materielle hängen mit all den Problemen, die damit verbunden sind. Wir sind dann eher bereit, es jederzeit loszulassen. Wenn wir etwas nicht loslassen wollen, müssen wir leiden. Das gilt jedoch auch, wenn wir Menschen nicht loslassen wollen. Diese Ordenslehre will uns auch auf das hinwiesen, was der Grund für jeden Streit, für jede Wertung, ja für jeden Ordensaustritt ist. Es ist das Ego. Dort, wo das Ego ist, ist Trennung, ist keine Liebe. Dort, wo die Liebe ist, ist kein Ego. Das Ego weiß alles besser. Das Ego wertet. Jedes Werten beinhaltet jedoch Einseitigkeit. Das Ego plustert sich auf, will seine Wichtigkeit herausstellen, gerade weil es unbewusst spürt, dass es eines Tages verschwinden muss, weil es weiß, dass es das Ego in Wirklichkeit nicht gibt. Es ist nur eine Hilfskonstruktion, um zur Erkenntnis zu kommen. Lerne Demut will darauf hinweisen, dass das Ego den für ihn vorgesehenen Platz einnehmen soll, nämlich auf dem Weg zu Kronos nur eine Hilfskonstruktion zu sein.


    Der Aurelier war mit den Aussagen nicht wirklich einverstanden, denn zum einen verwirrten sie ihn und zum anderen würde sein römisches Weltbild komplett zusammenbrechen. Als Römer war Titus erhaben über alle anderen Völker und somit hatten alle Völker dem Imperium zu gehorchen. Ein Römer kannte keine Gnade und vor allem keine Demut. Der junge Mann war jetzt ziemlich angefressen, dass er sich auf diese erweiterten Kronosgeschichten eingelassen hatte.





    • Dies ist das einzige Gebot! Du sollst den Herrn, deinen Gott Kronos, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deinem ganzen Gemüte und mit allen deinen Kräften!

    Diese Lehre ist die wichtigste Lehre überhaupt. Aus den vorherigen Lehren wissen wir bereits, Kronos ist alles. Außerhalb von Kronos kann es nichts geben, sonst wäre er nicht Kronos. All dies, was uns begegnet, ist Kronos und dies sollen wir lieben. Damit ist Kronos nichts Abstraktes, sondern äußerst konkret. Wir können also nicht sagen, wir lieben Kronos, wenn wir mit jemandem oder mit etwas im Streit leben. Denn unsere Liebe ist ganz konkret an der Stelle gefordert, wo wir leben. Lieben heißt annehmen so, wie es ist. Dies gilt für alles, was mir begegnet. Liebe kennt keine Ausnahme. Kronos lässt seine Sonne aufgehen, über Gerechte und Ungerechte. Insoweit ist Kronos im Lieben unser Vorbild. Das Annehmen und Akzeptieren ist jedoch nur der erste Schritt. Aber lieber den ersten Schritt machen als gar keinen. Denn es kommt jetzt noch das Entscheidende dazu: „aus deinem ganzen Herzen, deinem ganzen Gemüte und mit allen deinen Kräften“. Der Weise oder die Weisen, die dieses Gebot formuliert haben, haben das Wesentliche des Lebens bereits vor vielen 1000 Jahren erkannt. So alt ist das Liebesgebot bereits. Mit der Liebe sind Gefühle zu investieren. Mit dieser Aussage ist gemeint, dass du keine halbherzigen Sachen machen sollst. Deine ganze Kraft sollst du einbringen, deinen ganzen Einsatz tätigen, egal, was du tust, egal, was auf dich zukommt. Das allein führt zu intensivem Leben. „In der Leidenschaft lebt der Mensch. In der Vernunft existiert er nur. Und die meisten Menschen sind sehr vernünftig. Sie leben deshalb auch ihr Leben in stiller Verzweiflung.“ Bringst Du immer Deine ganze Kraft ein, bist du unzweifelhaft im Olymp. Denn du wehrst dich gegen nichts mehr, du schließt nichts mehr aus, und damit bist du eins mit allem. Und dieses Einssein ist der Sinn unseres Lebens. Dieses Einssein ist aber auch das Glück. Es gibt nichts Größeres. Wenn du eins bist mit allen, bist du ein Gott. Du hast dann dein Ziel erreicht. Und bist im ewigen Hier und Jetzt. Nichts fehlt Dir mehr. Du hast alles heimgeholt. Du bist zu Hause angekommen. Dieser Zustand ist nicht beschreibbar, nur noch erlebbar.


    Vertrauen – Treue – Weisheit.


    Puh das war ganz schwere Kost für den Aurelier und musste verdaut werden. In ihm sträubte sich alles gegen die Aussagen des Kronos. Es verwirrte ihn ungemein, so dass er für sich entschieden hatte den Teil über den Krieger anzunehmen, doch den ganzen anderen Teil erst einmal liegen zu lassen.

  • Titus trank nun einen großen Schluck roten Weins um wieder klar zu werden im Kopf. Schade das sein Lehrer Sokrates nicht hier war, denn dann hätten sie sich trefflich austauschen können. Das Studium solcher sonderbaren Texte ermöglichte durchaus den Geist weiter zu entwickeln. Komplizierte Zusammenhänge mussten erkannt und verstanden werden. Das war für einen aristokratischen Römer der Gens Aurelia von großer Bedeutung. Wollte man irgendwann einmal Senator werden und eine Machtposition ausfüllen gehörten solche Betrachtungsweisen zum Handwerkszeug einfach hinzu. Titus schüttelte sein Haupt und verdrängte die verwirrenden Gedanken um sich dann über militärische Schriften herzumachen. Diese waren, einfach, klar und anschaulich strukturiert und in ihnen fühlte sich der Aurelier wesentlich wohler als in den Kronos Geschichten.


    Im vor sich liegenden Text bezog sich der unbekannte Schreiber auf einen Reiterangriff in Form eines Ebers, also in Dreiecksformation, und dem Unterschied für einen kompakten Angriff in einer ausgerichteten Reihe. Titus fiel dabei auf, dass der Reiterangriff in einer breiten Front besonders geeignet erschien mit schwerbewaffneten Reitern eine gegnerische Front so breit wie möglich zu attackieren um dadurch eine seitliche Umfassung zu verhindern. Dieser kompakte Angriff wurde als Schockangriff bezeichnet und sollte feindliche Fußtruppen demoralisieren und abschließend niedermachen. Und angeblich sollte dies auch gegen römische Legionen funktionieren. Das musste Titus noch genauer verifizieren. WEnn dies wirklich stimmte, dann sollte er dieses Wissen speichern.

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