Der Empfang des Praefectus Castrorum

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    Der Empfang des

    Praefectus Castrorum

    Lucius Iulius Antoninus


    Nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod des amtierenden Praefectus Castrorum war Lucius Iulius Antoninus als dessen Nachfolger von der Legio XV Apollinaris in Cappadocia zur Legio XXII Primigenia nach Germania superior versetzt worden. Es hieß, der Mann sei aufgrund seiner breitgefächerten Erfahrung ein Glücksgriff. Eine Stunde nach seiner Ankunft in der Castra hatten sich die Führungsoffiziere in der Principia versammelt, um ihren neuen Praefectus Castrorum zu begrüßen.

  • Nach seinem Gespräch mit dem Legaten wusste Antoninus schon mal so grob, worauf er sich einzustellen hatte. Keine ordentliche Übergabe der Dienstgeschäfte, kein Einarbeiten ect. na toll konnte man sagen. Aber ein wenig gefiel es ihm, dass die Kanzlei quasi als Feuerwehrmann hierher geschickt hatte. Das polierte das Ego schon mal wieder etwas auf. Nach dem das in Salata erst mal etwas Schaden genommen hatte. Was nicht darüber hinwegtäuschte, dass das eine Menge Arbeit werden würde. Von allen, die einen Teil der Aufgaben übernommen hatten, musste er sich einzeln die Informationen hohlen. Aus einer Hand gebündelt war natürlich immer besser, aber was sollte es. Jetzt würde er erst mal die anderen Führungsoffiziere kennenlernen. So war er mit dem Legaten zu der kleinen Vorstellungsrunde gekommen. Als sie die Aula betraten, also den großen Raum direkt am Eingang der Principia, warteten dort schon die Tribunen, die Centuriones der ersten Cohorte, also die Primi Ordines.

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    Marcus Sentius Laevinus


    Der Legat war doch angenehm angetan von dem Iulius. Augenscheinlich hatte man sich in der Kanzlei doch etwas dabei gedacht. Aber klar: Soldaten wie der Iulius, die Primipilii Iterum galten in der Kanzlei als Allzweckwaffe, die man überall in die Bresche werfen könnte. Nicht umsonst waren diese Männer oft Lagerpräfekten, Procuratorii in der Kanzlei oder konnten als Procurator Augusti selbst als Stadthalter in einer kleineren Provinz dienen.


    So traten sie in die Aula und es verstand sich, dass er den Iulius vorstellte. „Meine Herren Offiziere, wie ihr sicher gehört habt, ist der neue Legerpräfekt eingetroffen. Dies ist Iulius Antoninus, den uns die Kanzlei freundlicher Weise geschickt hat. Man kann sagen, dass er ein erfahrener Mann ist. Ich erwarte, dass man ihm in den nächsten Tagen und Wochen unterstützt, wo es nur geht.“ Dann wies er mit der Hand auf den Iulius. Den der würde ja sicher auch etwas in diesem Kreise sagen wollen.



     

  • Natürlich war es üblich, dass ein neuer Mann etwas sagte, und das nicht nur weil der Legat es gerade zu provokativ drauf angelegt hatte. Antoninus sah erst mal in die Augen seiner zukünftigen Führungsriege. „Socii.“ Er benutze das Wort Kameraden sonst nur selten, aber hier war es vielleicht gar nicht so schlecht. „Ich weiß, dass die Legio XXII Primigenia eine gute Truppe ist, und seid versichert, ich werde nicht gleich alles auf links drehen. Ich werde mich erst mal einarbeiten und sehen, wie die Dinge hier laufen.“

    Er versicherte erst mal, dass hier erst mal alles so weiter laufen würde. „Ich bin sicher, dass die Offiziere hier an dieser Grenze zu den Erfahrensten gehören. Darum bitte ich mich erst mal um eure Unterstützung, denn auch ich werde dort mit anpacken, wo eine Hand gebraucht wird. Darum: Wenn es etwas gibt, wo ihr Probleme habt, scheut euch nicht. Ich werde tun, was ich kann, und wir werden diese Legion zur Besten machen, die je unter einem Adler marschiert ist.“ Damit wollte er die Führungsoffizier erst mal einstimmen und ihnen die Angst vor allzu großen Veränderungen nehmen. Auch wenn sich der Lagerpräfekt immer auch auf die Abläufe in der Legion auswirkte. Aber zu viel Veränderung auf ein Mal war nie gut.

  • Aulus Caecilia Tacitus der Posterior der Legion dachte bei der kurzen Ansprache. Nun es gab wohl nicht viele wichtigere Ereignisse in den Analen einer Legion als die Neubesetzung des Praefectus Castrorum. Aber Aulus war natürlich auch erst mal angespannt, erst als der Neue mitteile dass er nicht gleich alles umreisen wollte entspannte er sich erst mal ein bisschen. Natürlich hatten sie alle gehofft das ihr Primus Pilus befördert werden würde. So hätten sie vermutlich alle oder zumindest ein paar die eine oder andere Stufe nach oben kletter können.


    Centuriones Primi Ordines

  • Wie alle Anwesenden musterte Tychicus den Neuen mit Interesse. Dass der Mann die Vierzig schon deutlich überschritten hatte, rechnete er ihm positiv an. Das feurige Temperament der Jugend wurde in Germania nur allzu schnell ausgelöscht und das Setzen auf ruhgie, aber hartnäckige Kontinuität war in seinen Augen hier der einzige erfolgversprechende Weg. Bis er diese Ankündigung jedoch auch glaubte, würde einiges Wasser den Rhenus hinabfließen. Alter und Erfahrung hatten ihn gelehrt, nicht vorschnell zu urteilen. Er hatte schon viele Vorgesetzte kommen und gehen gesehen, gute und mittelmäßige, bis hin zu zweibeinigen Katastrophen. Durch Worte war er längst nicht mehr zu beeindrucken. Allerdings hatte ihn die Zeit auch Zurückhaltung in Sachen Vorurteilen gelehrt. Am Ende entschieden nur Taten über Erfolg oder Misserfolg. Und manchmal auch die Vorgesetzten, die einem unnötige Steine in den Weg legten oder unlösbare Aufgaben aufbürdeten, nur um einen genüsslich scheitern zu sehen. Er betete für sie alle, dass der neue Praefectus Castrorum nicht zur letzten Sorte gehören würde.


    Tychicus gab ein Handzeichen, um sich für eine Frage zu melden.

  • Natürlich wusste Antoninus ob der angespannten Lage bei den Anwesenden und dass diese bei so einer Veränderung erst mal eine etwas abwartende Haltung einnehmen würden. War er doch selbst schon einige Male in derselben Situation gewesen, dass er auf der nun sagen wir mal auf der anderen Seite der Linie gestanden. Aber er würde den Führungsoffizieren zwar nicht die Zügel schießen lassen, wie er als alter Kavallerist sagen würde. Doch er würde auch nicht in die Abläufe der Legion eingreifen, die nicht seiner Obliegenheiten gehörten.


    Dann aber meldete sich doch noch einer der Tribunen zu Wort. „Tribun.“ Vorderte er den Mann auf zu sagen, was ihm unter den Nägeln brannte.

  • "Wenn die Frage zu diesem frühen Zeitpunkt schon gestattet ist, was sind deine Pläne für die ersten hundert Tage, Präfekt?"


    Den gewählten Zeitraum hielt Tychicus für angemessen, um über eine erste Planung sprechen zu können. Er war nicht zu kurz, so dass dem neuen Praefectus Castrorum ausreichend Zeit zur Einarbeitung blieb, aber lang genug, als dass dieser bereits erste eigene Schritte unternehmen konnte, abseits des Pfades seines Vorgängers, dessen Spuren im Laufe der kommenden Monate immer weiter verblassen würden.

  • Der Tribun hatte in der Tat eine angemessene Frage aber sie wäre natürlich noch angemessener wenn er sie einem neuen Legaten gestellt worden wäre. Aber natürlich hatte Antoninus auch in seinem Verwaltungsapparat einen Effekt der sich auswirken würde. Wenn auch nicht so gravieren wie der des neuen Legaten. Aber er war natürlich nicht gewillt die Frage im Raum stehen zu lassen. „Nun das kommt natürlich auch auf die Wünsche unseres Legaten an. Aber lasse es mich so sagen, da ich mich selbst einarbeiten muss. Mit euer Hilfe natürlich! Werde ich mich erst mal von euch einweisen lassen und eure Abläufe lernen. Dann habe ich natürlich vor mich bei den anderen Kommandeuren vorzustellen wie es der Anstand verlangt.“ Denn man kam nicht einfach in eine Provinz und nahm eine Präfektur an und stellte sich nicht bei den Honoratioren der Provinz vor. Den man musste ja mit ihnen Arbeiten. Sei es bei Planungen bei Bauvorhaben, wer an welchen Magistraten wie viele Männer abstellte ect. Das konnte man auch alles ohne persönliche Bekanntschaft machen aber das war nicht Antoninus Art. Er wusste gern mit wem er korrespondierte. „Aber natürlich werde ich damit keinen Großteil der Zeit vertrödeln sondern versuchen, so erst mal alles zu lernen was man in dieser Provinz wissen muss.“

  • Tychicus nickte. Als Verwalter des Legionslagers musste man anders arbeiten denn als militärischer Kommandeur, dennoch war auch der Praefectus Castrorum als erfahrener ehemaliger Centurio geschätzter Teil des Kommandostabs und begleitete die Legion bei ihren Feldzügen, um auch im Feld für reibungslose Abläufe zu sorgen. Tychicus wusste, was eine die Legio XXII Primigenia an einem fähigen Praefectus castrorum hatte. Er war mit der Antwort zufrieden und mittlerweile recht zuversichtlich, dass Iulius Antoninus das Potenzial besaß, die klaffende Lücke zu schließen, die seit dem Tod seines Vorgängers nicht nur Trauer unter dessen Kameraden, sondern auch Überarbeitung verursacht hatte. Tychicus für seinen Teil war bereit, Lucius Iulius Antoninus bei der Einarbeitung zu helfen, sollte dieser auf ihn zukommen, was sicher früher oder später der Fall sein würde.

  • Nun, augenscheinlich verfing die Antwort, die Antoninus gegeben hatte, denn es gab keine Nachfrage. Dann konnte man wohl zu einem unverfänglichen Gespräch übergehen. Denn er plante, wie es sich gehörte, die Herren heute Abend in seine neue Villa einzuladen. „Dann, meine Herren, hoffe ich, dass ich euch heute Abend einladen darf. Ich habe ein Fass Austern und Falerner mitgebracht und ihr wisst, die Austern müssen gegessen werden.“ Es war eine logistische Meisterleistung des römischen Verkehrsnetzt, Austern aus dem Mittelmeer lebend in die letzten Provinzen des Reichs zu bekommen. Er hatte diese aber natürlich nicht selbst mitgebracht, sondern sie bei einem Händler erworben. Nicht ganz billig, das verstand sich. Aber als Präfekt, was sollte es? Er wollte erst mal Eindruck schinden. Anders als beim letzten Mal, als er quasi als Bettler am Tor angekommen war.

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