Ein Ausritt zu zweit

  • ...


    Valeria und Maximian waren um einige Ecken gebogen und kamen irgendwann bei den Stadttoren an. Seite an Seite passierten sie sie, dann schwang Maximian sich gekonnt auf den Rücken seines Hengstes, drehte eine Pirouette, weil das Tier am liebsten sofort losgeschossen wäre, und als diese vollzogen und Nigidius gebändigt und ein paar Schritte auf Alfidia zugetänzelt war, beugte Maximian sich zum Halfter der braunen Stute und hielt sie daran fest, während er Valeria aufmunternd zulächelte.


    "Schaffst du es allein?"

  • Valeria wollte nicht weiter in Maximian dringen. Wenn er reden wollte, so würde sie ihm zuhören und versuchen zu helfen. Er würde von selbst anfangen zu reden, wenn er es wollte. Sie konnte ihm seine Zurückhaltung in dieser Hinsicht nich verübeln. Schließlich kannten sie sich erst seit weniger als vierundzwanzig Stunden. Sie hätte sich ihm wohlmöglich auch noch nicht anvertraut. So sagte sie nichts weiter dazu. Angeboten hatte sie es ihm und dieses Angebot war von Bestand, auch wenn er mitten in der Nacht an ihre Tür klopfen würde und reden wollte.


    Valeria lächelte bei seinen Worten von Nigidius' Rücken herunter leicht in sich hinein und trat dann neben ihr eigenes Pferd, um aufzusteigen. Sie legte die Hände auf Sattel und Knauf, stellte einen Fuß in den Steigbügel und zog sich leicht und amutig wie eine Feder hinauf. Als sie im Sattel saß, schmunzelte sie und blickte zu Maximian hinüber.


    "Das ging besser als ich dachte. Scheinbar bin ich doch noch nicht so eingerostet", witzelte sie und grinste ihn fröhlich an. Sie stellte auch den anderen Fuß in den Steigbügel, nahm die Zügel auf und klopfte abermals Alfidias Hals.


    "Wohin reiten wir?" fragte sie, während Maximian sie Alfidia neben Nigidius lenkte und Maximian förmlich vom Rücken des Tieres her anstrahlte. Es tat so gut, endlich wieder einmal zu reiten!

  • Valeria schwang sich gekonnt auf den Rücken der Stute und lächelte Maximian an, als sie das Pferd neben Nigidius dirigiert hatte. Er nickte anerkennend und lächelnd und stemmte dann einen Arm in die Seite, um sich so umzusehen.


    "Nun, viel gibt es hier draußen nicht. Außer Felder und Wälder - davon gibt es wahrlich genug."


    Mit leicht zusammengekniffenen Augen wandte Max sich wieder seiner Begleiterin zu.


    "Ich schlage vor, wir folgen vorerßt der Straße, bis die Tiere sich erwärmt haben, und nehmen dann irgendwo einen Abzweig. Einverstanden?"


    Er lächelte Valeria an und schnalzte dann nur einmal mit der Zunge, wodurch Nigidius einen kleinen Sprung tat und in beschwingten Schritt fiel. Ja, es war gut. Endlich würde er wieder auf Nigidius fliegen können, wie er es zuletzt auf Julias Skadi getan hatte. Wieder einmal warf er einen Blick gen Himmel.


    'Was tust du gerade, meine Liebste? Du fehlst mir, soll die der Wind flüstern, und, dass ich in Gedanken immerzu bei dir bin. Wir werden uns wiedersehen, wie versprochen. Meine Julia.'


    Dann blickte Max sich nach Valeria um, die allmählich zu ihm aufschloss. Jetzt, da sie endlich von der Stelle kamen, fielen Sorgen, Schuldgefühle und Sehnsucht leicht von ihm ab, wodurch er sich ein ganzes Stückchen unbekümmerter fühlte. Wieder frei.
    Sie lenkte gekonnt das Pferd, saß nahezu perfekt auf dem Rücken und schien ebenfalls Spaß am Reiten zu finden. Es freute ihn.


    "Du machst das ausgesprochen gut. Sicher, dass du das schon lange nicht mehr getan hast? Drück die Fersen noch ein bisschen runter, dann kannst du besser Druck ausüben. Siehst du?"


    Maximian schmunzelte und richtete den Blick wieder nach vorn, weil Valeria nun auf gleicher Höhe mit Nigidius lief.
    Er erinnterte sich an Valentia. An die vielen Reitstunden, die er erteilt hatte.


    "In meiner Heimat, am Meer, habe ich den Jüngeren des Dorfes immer beigebracht, wie sie richtig reiten. Aber du machst das gut, da kann ich gar nicht viel belehren."


    Nun grinste Max. Die Zügel lagen locker in einer Hand, die andere lag am Knauf seines Sattels. Valerias unbekümmerte Art färbte offensichtlich auf ihn ab. Manchmal brauchte man eben jemanden, der einen auflockern konnte und wäre Maximian jetzt allein ausgeritten, hätte er Nigidius angetrieben wie ein Blöder, um all den Frust mit Erschöpfung auszutreiben. Dabei war es sorum viel gesünder für alle Beteiligten.
    Nigidius unter ihm schnaubte ungeduldig und ließ sich auch von diversen Klopfern auf Hals und Hinterteil nicht beruhigen. Wie lange der Gute wohl schon nicht mehr richtig ausgeritten war?

  • "Das kann ich mir gut vorstellen, wie du anderen das Reiten begebracht hast. Ich selbst saß seit sicher einem Jahr nicht mehr auf dem Rücken eines Pferdes. Erst jetzt fällt mir auf, wie sehr ich es vermisst habe", rief Valeria ausgelassen und glücklich. Das Lob registrierte sie, ging jedoch nicht darauf ein. Sie hatte schon als kleines Kind Reitstunden bekommen, doch ihre Mutter hatte es nie eingesehen, ihr ein eigenes Pferd zu schenken, obwohl Valeria lange Zeit gebettelt hatte. Irgendwann hatte sie dann aufgegeben und eingesehen, dass sie ihre Mutter wohl nicht umstimmen konnte. Sie dachte, mit der Zeit würde sie das Reiten ganz verlernen; doch nun, wo sie endlich wieder eines der geschmeidigen Tiere unter sich hatte, handelte sie wie ganz von selbst.
    Wie herrlich es war, hier im Sonnenschein zu reiten!


    Valeria schmunzelte trieb Alfidia etwas mehr an und wandte den scheifgelegten Kopf zu Maximian. Sie grinste fröhlich und herausfordernd zugleich und rief ausgelassen:


    "Na, wie ist es? Kannst du mich einholen?!"


    Und damit trieb sie Alfidia an, sodass die Stute einen beinahe erschrockenen Satz nach vorn machte und dann lospreschte, als sei der Teufel selbst hinter ihr her. Valerias goldene Haare flogen im Wind hinter ihr her und als sie sich umdrehte und hell lachte, war sie der glücklichste Mensch auf Erden. Sie lenkte ihre Stute von der Straße herunter, um ihre Gelenke zu schonen, und galoppierte nun schnell wie der Wind neben dem Pflaster her. Maximian würde mit seinem Pferd keine großen Schwierigkeiten haben, sie einzuholen; schließlich war sein Tier größer und kräftiger. Valerias herz schlug Purzelbäume vor Freude, den Wind in ihren Haaren und sie Sonne auf ihrem Haupt spürend.

  • Maximian lachte auf, schüttelte auch verwundert und amüsiert zugleich den Kopf und trieb seinesfalls dann Nigidius an, der die Einladung zum Galopp wiehernd und sich ein wenig aufbäumend gern entgegennahm und der Stute und ihrer Reiterin zur Verfolgung nachsetzte.


    "Na warte!"


    Sogleich brauste der Wind um Maximians Ohren und der Kolloss unter ihm steigerte sich immer mehr in den freien Gallopp. Schließlich lenkte auch auch Max sein Pferd vom Pflaster herunter auf den weichen Sandboden, wo dann auch keine allzu große Gefahr mehr für entgegenkommende Hädnler mit ihren Wagen bestand.


    Es war ein herrliches Gefühl und es erinnerte viel zu sehr daran, wie es war, auf Skadi zu sitzen. Aber diesmal wurde Max nicht traurig deswegen, sondern erfreute sich einfach an seinen Erinnerungen, bis er irgendwann zu Valeria aufgeschlossen hatte, die ihm ausgelassen zulachte. Maximian erwiderte das Lachen und deutete nach vorn.


    "Da kommt ein Abzweig. Sollen wir den nehmen?"

  • Valeria nickte freudig und steuerte Alfidia auf den Abzweig zu, den Maximian gemeint hatte.


    "Dein Pferd ist schnell!" rief sie ihm zu. Trotz des geringen Abstandes zueinander musste sie dennoch laut rufen, um das Brausen des Windes zu übertönen, das sie und Maximian samt der schnell ausgreifenden Pferde einhüllte.
    "Wo hast du ihn her?"


    Einige Minuten später entscheid Valeria, dass sie vorerst genug galoppiert waren. So erfrischend es auch war, die Landschaft schoss so schnell an ihr vorüber, dass sie kaum etwas aufnehmen und behalten konnte. Sie zügelte Alfidia, sodass diese in einen langsamen Trab fiel. Gleichzeitig wandte sie sich mit funkelnden Augen an den jungen Decimus.


    "Das ist herrlich! Wie habe ich es vermisst, so dahin zu sausen! Wo reiten wir jetzt hin, Max?" ganz ohne Zutun benutzte sie den Kosenamen Maximians. Ihre Augen glänzten erfreut und sie strahlte einen fröhlichen Tatendrang aus.

  • Nachdem auch Maximian Nigidius' Tempo gedrosselt hatte, nickte er Valeria zustimmend und ebenso mitgerissen zu.


    "Man hat das Gefühl wie ein Vogel zu fliegen, nicht war?"


    Er schmunzelte, dachte an Julias Worte und tätschelte lobend den Hals seines Pferdes, das angestrengt atmete und doch am liebsten gleich weiterlaufen würde. So aber hielt Maximian es ihm Trab und federte in seinem Sattel auf und ab. Und die Geschichte, die er nun erzählte, erzählte er mit Stolz.


    "Mein Vater... ähm, mein..."


    Kurz stockte Maximian. Damian war nicht sein Vater und Valeria wusste nichts von all dem.


    "Mein Ziehvater hat ihn mir gekauft. Nigidius galt einmal als unzähmbar und gefährlich. Mir wurde erzählt, dass er seinen ersten Besitzer mit dem Huf totgeschlagen hat und man daraufhin beschloss, er solle geschlachtet werden. Ich war damals noch sehr jung.. Hm, vielleicht 7 oder 8 Jahre, als ich mehrmals die Gelgenheit hatte, ihn zu füttern und zu putzen. Kein einziges Haar hat er mir gekrümmt, der Gute, und als ich danach fragte, wurde er mir zu einem Guten Preis verkauft. Die kommenden Monate musste ich zwar schuften wie von Sinnen, um die Schulden bei meinem Ziehvater auszugleichen, aber immerhin musste dieses bildhübsche Tier nicht mehr getötet werden."


    Wieder klopfte Max seinem Pferd auf den Hals, was ein Schnauben hervorrief. Der Reiter schmunzelte und verlangsamte das Tempo noch ein wenig, damit er sich die Umgebung ansehen konnte. Nun, hier gab es wirklich nicht viel in der Nähe. Außer diesem einen Bauern, der Maximian das letzte Mal schon mit köstlicher Milch versorgt hatte, als der junge Decimus einen Tagesausritt gemacht hatte.
    Das war doch eine Idee!


    "Etwa einen Stundenritt von hier kenne ich einen Bauern, der sich Ziegen hält. Er macht erstklassiken Käse und nett ist er noch dazu. Wollen wir ihm einen Besuch abstatten?"


    Maximian freute sich schon darauf, den alten Mann wiederzusehen. Er war ein lustiger Zeitgenosse, der gerne alles teilte. Und er hatte eine Frau, die sehr geschwätzig war und Besucher mit allen nur denkbaren Mitteln an ihren Hof binden wollte. Aber sie war ebenso nett wie der Bauer. Sicherlich würde es Valeria da gefallen, dachte Maximian und lenkte unterbewusst schon sein Pferd in die Richtung des Bauern.

  • Valeria hörte ihm aufmerksam zu. Er hatte 'Ziehvater' gesagt und sich dabei sogar noch versprochen. Scheinbar hatte er noch wirrere Familienverhältnisse als sie selbst. Sie würde ihn nicht ausfragen, ihm jedoch zuhören, wenn er erzählen wollte.


    "Du bist der Fremdenführer", grinste sie ihn an, als er nach ihrem Einverständnis fragte, diesem Bauern einen Besuch abzustatten. Scheinbar hatte er sich bereits entschieden, denn Nigidius trabte nun in eine andere Richtung als zuvor. Valeria lenkte Alfidia wieder an seine Seite und sah Maximian unverwandt und mit schräg gehaltenem Kopf an.


    "Worüber grübelst du nach, Maximian?" fragte sie ihn geradeheraus und mit interessierter Stimme.

  • Die frische Luft und di Bewegung hatten Maximian aufgelockert. Sie waren weit weg von Tarraco, wenn man wollte in einer anderen Welt unterwegs. Auch fühlte er sich nun schon eher mit Valeria verbunden.


    Er sah noch einen Moment lang auf das Land vor den Ohren seines Pferdes, dann wandte er sich mit immer noch leicht zusammengekniffenen Augen an die Frau auf dem Pferd neben ihm.


    "Nun ja..."


    Wo anfangen? Er kratzte sich kurz am Hinterkopf und ließ die Hand dann im Nacken liegen, während er mal zu Valeria und mal nach vorn sah.


    "Vor ein paar Monaten machte meine Mutter mir ein Geständnis. Der Mann, den ich zu dieser Zeit meinen Vater nannte, war es nicht. Als sie ihn heiratete, war sie bereits schwanger gewesen und das von einem anderen. Meridius ist man wahrer Vater. Sie schickte mich gleich darauf nach Tarraco, damit ich ihn kennenlerne, wohl in der Annahme, dass ihr Ehemann keinen Verdacht schöpfen würde."


    Ein Seufzen erklang, dann ließ Maximian die Hand sinken.


    "Aber er tat es doch und ließ sich von ihr scheiden."

  • "Aber in deinem Herzen wird er immer dein Vater bleiben. Du hast ihn nicht verloren, sondern im Gegenteil noch einen weiteren Vater hinzubekommen. Das mit deiner Mutter ist natürlich schlimm, doch solange sich dein Vater nicht auch von dir abwendet, wird es erträglich sein", sagte Valeria einfühlsam.
    "Meine Mutter hat mir in dieser Hinsicht nie etwas vorgemacht. Es...es war mit meine Schuld, dass ich Praetorianus niemals geschrieben habe."


    Sie ritten eine Weile stumm nebeneinander her, in der Valeria ihren Begleiter eingehend musterte. Was mochte er wohl denken? Wie sehr mochte es ihn beschäftigen? So gern hätte sie ihm zumindest die Hand zur Beruhigung auf die Schulter gelegt. Doch selbst, wenn sie nicht zu weit voneinander entfernt gewesen wären, war sie nicht sicher, ob sie sich das getraut hätte. Ihr Götter, sie kannte ihn schließlich kaum....und trotzdem war sie von seiner Art und seinem Wesen fasziniert. Sie würde sehen, wohin dies alles noch führte.

  • Jetzt wo es raus war, fühlte Maximian sich erleichtert, auch wenn er sich nicht ganz verstanden fühlte. Damian war ein toller Ziehvater gewesen. Maximian hatte nie in irgendetwas nachstehen müssen, auch wenn er seinen Geschwistern nur wenig glich. Doch war es nun nicht Damian, der mittellos dastand.
    Maximians Mutter war nun auf andere angewiesen, momentan war das Meridius. Aber ob er sie bei sich dulden würde, wusste er nicht. Nie hatte Severa irgendetwas darüber verloren, wie er es aufgenommen hatte, als sie von ihren Eltern verheiratet wurde und sich wohl oder übel damit abfinden musste. Und noch waren sie sich nicht begegnet.
    Was, wenn Meridius sie fortschicken würde? Wovon sollte sie dann leben?


    Dann erwähnte Valeria das mit dem Brief und obwohl Maximian in Gedanken versunken war, wandte er ihr mit fragender Miene den Kopf zu.


    "Du wusstest von deinem Vater? Warum hast du ihm nicht geschrieben?"

  • "Meine Mutter wollte es nicht und hat mir von kleinauf eingeredet, dass man ohne Männer besser dran ist", gab Valeria zweifelnd zurück.
    "Mittlerweile weiß ich, dass das so nicht ganz stimmt..."


    Sie sah Maximian unverwandt an. Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Züge.

  • Auch Maximian sah sie an. Und als die Worte durchsickerten, erschien auch auf Maximians Gesichtszägen ein mildes und gespielt skeptisches Lächeln. Wenn man es großzügig betrachtete, dann glich es ansatzweise dem schelmischen Gesichtsausdruck, den Maximian häufig auf Lager hatte.


    "So? Was lässt dich nur an den Lehren deiner Mutter zweifeln?"


    Erstmals fing Maximian an über Valeria nachzudenken. Sie war eine seltsame junge Frau. Seltsam nicht im Negativen, sondern irgendwie... erfrischend und freundschaftlich. Also im Positiven.


    Derweil trabten ihre Pferde auf sandigem Untergrund auf Feldwegen und durch kleine Waldstücke. Die Sonne kletterte und kletterte am Himmelszelt empor und brachte immer mehr Wärme für Hispania, während der Himmel strahlend blau und war und die Felder sich in sanftem Wind wiegten.

  • "Nun...ich denke, dass diese Frage überflüssig ist", zwinkerte Valeria ihm zu und ließ ihn damit im Dunklen stehen.


    Sie trieb Alfidia zu einem schnelleren Trab an; und als sie sich einige Meter von Maximian entfernt hatte, wandte sie sich zu ihm um und grinste verschmitzt. Hatte sie sich eben wirklich getraut? Grundgütige Götter....was mochte der junge Decimus wohl nun von ihr denken? Sie errötete leicht und sah wieder nach vorn, damit er es nicht bemerkte.


    Das Sonnenlicht, das durch das lichte Laubdach fiel, warf ein wirres Muster aus Licht und Schatten auf die beiden und ihre Pferde. Valeria fühlte sich wohl.

  • Schade. Wie die Antwort ihn interessiert hätte...


    Sie war kess. Maximian schmunzelte und merkte, dass er sich wirklich viel leichter fühlte, jetzt da er sich jemandem anvertraut hatte. Maximian stief Nigidius sanft seine Fersen in den Bauch, wodurch sich das Pferd schneller bewegte und bald wieder mit Valeria aufschloss. Als er bei ihr angekommen war, grinste er immer noch.


    "Da liegt also ein Unterschied zwischen Männern und Frauen. Ihr lehrt euren Töchtern, dass man sich von Männern lieber fernhält uns später müssen die Töchter allein herausfinden, dass es anders auch geht. Männer lehren ihre Söhne soetwas erst gar nicht."


    Nun war sein Grinsen aber wirklich von schelmischer Natur, egal wie man es betrachtete.

  • Valerias Röte war mittlerweile einem gesunden Hautton gewichen. Sie lachte amüsiert auf bei seinen Worten und grinste ihn beinahe unverschämt an.


    "Vielleicht wollen die Mütter ihre Töchter nur vor euch Männern schützen, denn sie wissen, dass manche von euch die Gabe haben, den Frauen den Kopf zu verdrehen..." sagte sie verschmitzt und warf ihm einen vielsagenden Seitenblick zu.


    Valeria lachte in sich hinein. Maximian hatte Humor - und zwar einen von der Sorte, die sie gern mochte und den man selten fand.

  • Maximian tat gar nicht erst empört, sonder lachte mit Valeria und schüttelte den Kopf.


    "Da mag etwas dran sein. Aber nun sag nicht, dass Frauen besser sind als Männer. Genauso wisst ihr nämlich, wie ihr mit euren Reizen umgehen müsst, um ganze Horden von Männern gehörig zu machen."


    Den vielsagenden Blick Valerias war ihm diesmal aufgefallen. Obwohl er es eher der Situation zuordnete und weniger sich selbst. Darauf waren seine Antennen ja auch gar nicht ausgerichtet. ^^


    Er lachte und ließ Nigidius wieder in den Galopp fallen. Valeria tat es ihm gleich und ritt mit ihm auf gleicher Höhe dem Bauern entgegen, der, nachdem sie aus einem Waldstück hinausgeritten waren, schon in Sichtweite geriet. Sogleich zügelte Max seinen vierbeinigen Freund und deutete in die Richtung, an der ein kleiner, dunkler Punkt inmitten weitläufiger Felöder sichtbar wurde.


    "Siehst du da vorn? Das ist Aurelius. Naja, vielmehr sein Haus."

  • Valeria schmunzelte und zog die Augenbrauen hoch. Gewiss, manche Frauen konnten mit ihren Reizen umgehen. Sie zählte sich selbst jedoch nicht dazu, denn sie meinte, dass sie sich stets natürlich gab - einmal abgesehen davon, dass sie stets darauf bedacht war, nicht allzu viel über sich zu verraten.


    Valeria zügelte Alfidia neben Nigidius und seinem Reiter, kaum dass sie das Waldstück verlassen hatten. Die Stute tänzelte einen Moment auf der Stelle, ehe Valeria sie wieder unter Kontrolle hatte und ihren Hals klopfte.


    "Da wohnt er? Na gut, dann.....wer zuerst da ist!" rief Valeria und lachte, während sie auch schon davonjagte in Richtung des kleinen, dunklen Punktes und somit den Überraschungseffekt eindeutig für sich gewann.

  • Wieder sah Maximian nur die Staubwolke, die Valerias Pferd hinterließ. Abermals musste er grinsen und amüsiert den Kopf schütteln. Unermüdlich, dieses Mädchen. Gar noch schlimmer als er. Er klopfte seinem Nigidius den Hals.


    "Na gut, dann eben noch einmal, mein Guter."


    Ein Schnalzen erklang, Nigidius bäumte sich ein wenig auf und verfiel dann aus dem Stand gleich in einen weiträumigen Galopp, mit dem er hinter der Stute und Valeria herjagde, die beide schon ein ganzes Stückchen Vorsprung errungen hatte.
    Irgendwann hatte Maximian aber wieder aufgeschlossen und sah seine Gegnerin herausfordernd beim Vorbeifliegen an.


    "Na, was ist? Schneller!"


    Damit pesten die beiden Decimas über den sandigen Boden eine kleinen, unbedefestigten Straße, die zu Aurelius Hof führte. Immer größer wurde das Haus, schließlich konnte man zahlreiche Sklaven auf den Feldern arbeiten und aufgucken sehen, als sie in schwindelerregendem Tempo an ihnen vorüberzogen.
    Da irgendwann drosselte Maximian seinen schwarzen Blitz, damit der arme Bauer oder seine Frau nicht gleich beim Anblick der beiden Reiter zu Eis erstarrten. Und Valeria, die mit Alfidia ein Stückchen hinter ihm geritten war, grinste Maximian an.


    "Nicht schlecht. Auf dem Rückweg wirst du mich sicher schlagen."


    In gemütlichem Schritt trotteten die Reittiere das letzte Stückchen Feldweg, bis sie ein Tor passierten. Maximian hielt Nigidius an, schwang sich von seinem Rücken und kaum hatte er Fuß auf den Boden gesetzt, kam ein wuscheliger, kläffender Vierbeiner herbeigefegt, umwinselte schwanzwedelnd seine Beine und sprang auch an ihm hoch. Maximian lächelte fröhlich und tätschelte dem aufgeregten Fellknäuel über den Kopf.


    "Bubo, guter Hund. Ja, ist ja gut, Bubo."


    Dann warf Maximian seiner Begleiterin ein Lächeln zu und ging näher zu ihr.


    "Führ Alfidia am Zügel, wir binden sie dann dort hinten fest. Wolllen wir nachsehen, ob jemand Zuhause ist?"

  • Valeria sah erstaunt, wie Max sie trotz des Vorsprungs schnell einholte und dann an ihr vorbeiflog. Sie spornte Alfidia zu Höchstleistungen an, aber die kleine Stute schaffte es einfach nicht, mit dem stattlichen, schwarzen Blitz Maximians mitzuhalten.
    Lachend schloss sie endlich zu ihm auf, als er Nigidius zügelte.


    "Ha, das war doch nur Glück!" neckte sie ihn, als sie bei ihm angekommen war und ihn angrinste.


    Langsam trotteten die beiden nun nebeneinander her. Valeria musste immer noch grinsen, jedesmal, wenn sie Maximian einen kurzen Seitenblick zuwarf. Dann kam ihr der Gedanke, dass sie vielleicht zu ungestüm war. Sie zuckte mit den Schultern und schob die Gedanken beiseite. So war sie eben.


    Auf dem Hof angekommen, saß ihr Begleiter ab. Sogleich kam ein kleiner Hund angerannt, der an ihm hoch sprang und um ihn herumtanzte. Valeria kicherte amüsiert und saß ebenfalls ab. Mit Alfidias Zügeln in der Hand trat sie dem lächelnden Maximian ebenfalls fröhlich lächelnd entgegen.


    "Gern", sagte sie und sah sich neugierig auf dem Hof um. So vieles war hier anders als in Rom! Schon jetzt freute sie sich, die Reise überhaupt unternommen zu haben. Nicht zuletzt wegen Maximian, doch das behielt sie natürlich für sich.

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