Hortus - Der Garten

  • 'Boah, was für ein Tag' dachte sich Crassus, während er sich auf eine Liege, mitten im Garten, fallen ließ. Die Hitze, die Arbeit, das Rumgerenne, das Rumgeschreie einfach nur anstrengend und ermüdend. Er streckte alle Viere von sich und sah in den Himmel. Urlaub... ja, Urlaub, das wäre jetzt toll. Und so langsam konnte Crassus auch verstehen, warum Hungaricus von diesem, wohl begehrtesten Posten Roms zurückgetreten war. Irgendwann hatte man davon die Schnauze voll. Nein, Crassus war noch lange nicht soweit, dass er daran dachte, den Posten schon wieder abzugeben, nicht mal langfristig gesehen, aber gegen ein paar Tage Urlaub hatte er trotzdem nichts. Auch nicht verwunderlich, wenn man sah, dass Crassus eigentlich lange keine längere Pause mehr hatte. Und wenn er mal eine Pause gehabt hatte, hat er diese meistens mit Reisen verbracht, welche nicht unbedingt erholsam sind. Also würde er sich jetzt auch eine Pause wünschen, wenn er noch Praefectus Vigilum wäre.


    Sklaaaveeeee!


    rief Crassus dann nach einigen Minuten.

  • Sie hatte gerade einige Statuen und Säulen mit nassen Lappen gereinigt, als sie vom Hortus her einen sehr eindeutigen Schrei vervonnem hatte. Eine ihr nicht bekannte Männerstimme verlangte nach einem Sklaven. Seia sah sich um. Ist denn kein anderer Sklave zur Stelle, der das überhnehmen kann? Na toll. Wo die wieder alle stecken? Na schön, wenn es denn sein muss...


    Die Sklavin schenkte der Büste eines Mannes einen wehmutvollen Blick und ließ ihn mitsamt ihres Lappens allein, um sich auf leisen Sohlen dem Hortus zu nähern. Hinter einer Säule verharrte sie, um den Mann zu mustern, den sie das erste Mal hier sah. Groß, markante Gesichtszüge, kräftig. Hätte es nicht Fabricianus sein können???


    Mit schnellen kaum hörbaren Schritten ging sie an seine Liege heran und neigte den Kopf, die neugierigen Blicke damit kaum verbergend.
    "Ja, Herr?"

  • Crassus kam es so vor, als ob es Jahre dauerte, bis endich ein Sklave kam. Er müsste mal wieder seinen Sklaven Feuer unterm Hintern machen, dachte er bei sich. Auf der anderen Seite, fuhr er in Gedanken fort, vielleicht lags ja auch nur an der Hitze, da sind ja alle etwas träger - sogar auch Sklaven. Und bevor er seine Sklaven verheizen würde, wäre ja schade um das ganze Geld, welches man für sie ausgegeben hätte, beschloß er für sich, etwas Nachsicht walten zu lassen und lieber etwas länger zu warten.
    Crassus hatte mit geschlossenen Augen gewartet und als er die Stimme einer Sklavin hörte, richtete er sich auf der Liege auf. Die Augen immernoch geschlossen:


    Hilf mir aus diesem Brustpanzer. Der bringt mich bei der Hitze sonst noch um.


    er öffnete die Augen und schaute nicht schlecht, als er in ein unbekanntes Gesicht sah. Er dachte eigentlich bisher immer, dass er alle Sklaven in seiner Casa kennen würde. Und von einem Neueinkauf war ihm auch nichts bekannt gewesen. Allerdings wollte er sie nicht gleich darauf ansprechen, wäre ja Crassus auch etwas peinlich, wenn er sich nicht einmal die Namen seiner Sklaven merken könnte, da wäre das Gemunkel schon vorbestimmt gewesen. Er hob seine Arme und ließ so die Sklavin an die Lederriemen kommen, während er weiter versuchte auf den Namen zu kommen.

  • Sie kannte Männer wie diesen nur vom Sehen her. Diese Uniform.... Vielen oder gar den meisten Römern hauchte sie großen Respekt vor ihren Trägern ein. Meiner Meinung nach macht es die meisten von ihnen einfach ansehnlicher. Und dieser hier... Ist der etwa blind? Na jedenfalls wird er sich wie ein Krebs im Feuer vorkommen, wenn er das Ding da noch länger trägt.


    Da gab er ihr auch schon die Anweisung, sie solle ihm aus dem Panzer hlfen. Bitte wie? Blinzelnd sah sie das polierte Ding an, als dessen besitzer die Augen öffnete und offenbar nichts mit ihrem gesicht anzufangen wusste. Innerlich grinste Seia, als sie kurz in seine Augen sah und dann etwas ratlos zurück auf den Panzer. Sowas habe ich noch nie gemacht. Hoffentlich bringe ich die Verzierungen nicht zum Abfallen.


    "Sofort.... Herr" , sagte sie und suchte mit schlanken Fingern den Anfang. Hier müssen doch irgendwo Schnallen sein... Oder sonst etwas.... Da, Lederriemen! Da werd ich wohl kräftig ziehen müssen... kräftiger.... noch kräftiger... Himmel, kräftig genug!
    Wieder sah sie kurz auf und in die Augen des Römers.

  • Endlich würde er diesen Brustpanzer los. Den Grund allen Schweißes. Das Verderben eines jeden Soldaten - zu mindest in dieser Hitze. Aber warum ist das Ding immernoch um Crassus?


    Du weißt schon, was du machst, oder?


    fragte Crassus dann leicht besorgt, als er zwar bemerkte, wie sie an einem Lederriemen zog, im nächsten Moment aber realisierte, dass es der Lederriemen zu einer Phalera war, welche auf dem Brustpanzer befestigt war. Ihr Blick in seine Augen tat dann sein übriges und er befürchtete fast, dass sie es eben nicht wusste.


    Kann es sein, dass du das zum ersten Mal machst? Du musst nämlich als erstes an diesem Crassus deutete mit seiner rechten Hand an seine linke Seite und dort auf einen Lederriemen ziehen. Aber nicht einfach am Ende ziehen, sondern schon so, sodass sich die Schnalle löst. Das sollte man gleich sehen...


    der Fakt, dass sie nicht wusste wie man den Brustpanzer entfernt, schränkte die Namenssuche natürlich noch weiter ein. Denn es gab nicht viele Sklaven, die so gar nicht wussten, wie man das Ding entfernte. Und eigentlich wussten es nur Sklaven nicht... alle Sklavinnen wussten es, sofern sich Crassus richtig erinnerte. Der einzige Schluß der ihm übrig blieb: sie musste neu sein. Er würde sie, sobald er von diesem Topf endlich befreit wäre, darauf mal ansprechen.

  • Sie versuchte immer noch etwas zu lösen, als er sie fragte, ob sie davon überhaupt eine Ahnung hätte. Nein, weiß ich nicht, das siehst du doch. Ihr Römer seid so kompliziert.... eure Sitten und eure Regeln sind das und sogar eure Panzerung ist es! Sie antwortete nicht sondern sah einen Moment lang stumm auf, die Stirn nachdenklich und eine Augenbraue angehoben, wandte sich dann aber wieder ihrer Aufgabe zu. Ihre Augen folgten dem Lederriemen und da erkannte sie, dass sie anstatt den Panzer zu öffnen den Mann vor sich beinahe um eine Auszeichnung ärmer gemacht hätte.


    Schande! Oh wie peinlich. Ähm.... also.... Das ist aber eine schöne ... Auszeichnung, meine Herren! Scheinbar versuchte sie ihre Scham mit einem anerkennenden Lächeln zu übertünchen und ließ dann die Arme sinken, als er erriet, weshalb sie sich anstellte wie der erste Mensch.


    Er zeigte ihr, wie es ging und dann endlich hatte sie die erste Schnalle geöffnet. "Verzeiht, Herr. Dort, wo ich herkomme, trug niemand solch einen Panzer", erklärte sie ihm. "Aber es hätte wohl auch keiner in einen hineingepasst, ohne dass die Riemen bei jeder Bewegung gerissen wären." Nein, diese Bemerkung hatte sie sich nun wirklich nicht ersparen können, zu sehr hatte sie auf der Zunge gebrannt. Dementsprechend war das kleine, verschmitzte Grinsen auf ihrem Gesicht von großer Genugtuung.


    Gleich besah sie sich den Panzer nach anderen Schnallen, die eventuell noch zu öffnen wären.


    Sim-Off:

    Ööööhm... ja. :D ?(

  • Da waren sogar noch fünf andere. An jeder Seite von Crassus jeweils zwei, von welchen ja inzwischen schon eine geöffnet wurde, und eine über jede Schulter. Wenn diese geöffnet waren, könnte dann Crassus endlich dieses Ding loswerden, das sich in dieser Hitze wahnsinnig schnell erwärmte und man eigentlich gar keinem Offizier antun sollte.


    Und wo kommst du her? Das muss ja ziemlich weit weg sein, denn ich habe noch nie von einem Land gehört, in welchem die Leute so dick sind, sodass sie nicht einmal in eine maßgeschneiderte Rüstung passen. Euer Herrscher ist dann völlig ohne Rüstung rumgelaufen? Eure Soldaten, eure Offiziere? Erzähl mir von dem Land.


    fragte danach Crassus ehrlich interessiert. Eine Armee völlig ohne Rüstung, unvorstellbar. Die waren ihrem Untergang ja schon von Geburt an geweiht.
    Crassus hob wieder beide Arme, sodass die Sklavin an die Schnallen kommen konnte und ihn endlich erlösen würde. Er wäre ja auch sonst so in das erfrischende Wasser Becken gesprungen, um sich abzukühlen, aber zum einen wäre das für das Metall nicht gut und zum anderen wäre es sehr anstrengend und vorallem auch gefährlich mit so einer schweren Rüstung und Kleidung schwimmen zu gehen. Also blieb Crassus nur die Hoffnung, dass es die Sklavin bald schaffen würde...

  • Ah, da ist ja noch eine dieser Schnallen! Komm, du Ding, dich bekomme ich auf. Kräftig Seia! Autsch, das war der Fingernagel. Schande! Grmpf! Also nochmal kräftig ziehen. Taddaaa, offen. Was er wohl sagen würde, wenn ich ihn ein wenig unterm Arm kitzle? Oh ne, besser nicht, er schwitzt gerade so doll.


    Die Sklavin schwenkte auf die andere Seite des Caeciliers und fummelte dort an den Riemen herum, während er ihren Scherz ganz und gar in den falschen Hals bekommen hatte. Sie musste unterdrückt kichern, als er über das Volk, dem sie entstammte, spekulierte. Gleich biss sie sich auf die Unterlippe und sah kurz auf, um ihm zu antworten.


    "Ich bin in Hispania geboren, Herr. Dort sind viele der Menschen auch nicht dicker, als viele der Menschen hier.... sofern ich mich noch daran erinnern kann." Sie sprach und war wie immer offen und ehrlich, während sie sich mit der vierten Schnalle abmühte, die äußerst widerspenstig war. Dass der arme Mann seinen Arm dabei die ganze Zeit abgewinkelt halten musste, störte sie nicht. Er war Soldat, sicher würde der Arm nicht so schnell schlapp machen.


    "Mein alter Herr - er ist Römer - war eins dieser prächtigen Exemplare eines..." verfressenen, versoffenen, faulen, stinkenden nimmer satten Rinds. Ich glaube nicht, dass er in solch einen Panzer gepasst hätte und auch nicht, dass sich jemand die Mühe gemacht hätte, als seine Fettwülste hinter solch einem edlen Stück zu verpacken."


    Jetzt endlich war die 4. Schnalle Seias zierlichen Händen erlegen. Gleich machte sich das Mädchen an die auf des Mannes rechter Schulter. Ihr Blick war vergnügt und fies zugleich, auch wenn die Sonne auf ihr dunkles Haar knallte, als wolle sie das Mädchen auf der Stelle zerschmelzen oder in Flammen aufgehen lassen.

  • Da war das Ausziehen der Rüstung ja beinahe anstrengender wie das Tragen. Crassus spielte sogar einen Moment lang mit dem Gedanken, sich von einem anderen Sklaven die Rüstung abnehmen zu lassen, verwarf ihn dann allerdings wieder ohne bestimmten Grund. Als sie dann begann leise zu Kichern, runzelte Crassus die Stirn. Er würde diesen Sklaven sowieso nie verstehen.


    Hispania? wiederholte Crassus beinahe etwas erschrocken. So weit weg war das auch nicht. Und warum sollten die Leute dann dort keine Rüstung tragen können? Ich war lange Zeit in Hispania und bei der damals dortigen Legio IX Hispana, aber mir fiel nie auf, dass die hispanischen Legionäre größere Probleme gehabt hätten, ihre Rüstung zu tragen, als andere Legionäre. fragte Crassus weiter, ihren Scherz nicht verstehend und darüber leicht verwundert.


    Wie lange bist du schon hier in Rom? fragte Crassus, um herauszufinden, ob sie damals mit den Sklaven des Sertorius-Feldzugs nach Rom kam und eine von den Aufständern gewesen war. Nicht, dass sie so einen Eindruck gemacht hätte, aber wer wusste das schon sicher? Menschen können sich verstellen und andere sich dadurch täuschen lassen.


    Crassus sah besorgt um den Zustand seiner Rüstung Seia bei ihrer Arbeit zu. Sie war ja schon ein ganz süßes Ding... derjenige, der diese Sklavin gekauft hatte, sollte von Crassus dafür eine Belohnung bekommen. Auch wenn sie sich noch teilweise recht ungeschickt anstellte. Das müsste ja nicht in allen Lebenslagen so sein :D

  • Seia amüsierte sich über diesen Römer. Tat er nur so begriffsstutzig oder war er das auch machmal? Oder versuchte er sie nur aus der Reserve zu locken?


    "Diese Frage kann ich nicht beantworten, und ich weiß auch nicht, wie du darauf gekommen bist, Herr. Ich meinte eigentlich nur meinen letzten Herrn, meinte, dass er niemals in solch einen Panzer passen würde und überhaupt habe ich gar nicht gesagt, dass die Menschen in Hispania Probleme mit zu knapper Kleidung haben, egal ob Zivilisten oder Soldaten." plapperte sie und hatte die 5. Schnalle geöffnet, machte sich sodann an die letzte. Mensch, so viele Verschlüsse. Haben die etwa Angst, dass der Feind sie ihnen während der Schlacht klauen würde, würden sie an jeder Seite nur eine Schnalle und je eine auf der Schulter verwenden?


    "In Rom bin ich schon ettliche Jahre. Verzeiht Herr, ich kann leider keine Zahlen nennen. Damals zog mein Herr mitsamt seinem ganzen Inventar nach.... hierher. Ich war noch ganz klein."


    Na endlich! Verfluchter Panzer. Alle Verschlüsse sind geöffnet. Na das war ja wieder mal ein Akt. Während sie das dachte, sah sie die Blicke des Panzerträgers, die sie musterten. Na, was er wohl dachte? Seia räusperte sich und sah zurück auf den Panzer. Mit etwas Übung würde sie dieses dämliche metallerne Ding sicherlich mit Leichtigkeit entfernen können - das wäre doch gelacht wenn nicht! Sie konnte ja nicht ahnen, dass die Römer an Verlustangst litten und daher wie ein Tresor auf Beinen aussahen und scheinbar auch genauso sicher wurden!

  • Auch wenn es Crassus nicht zugegeben hätte, doch da hatte er wahrscheinlich was falsch verstanden. Er dachte sie sprach von den Spaniern insgesamt, so hörte es sich auch an, aber offenbar meinte sie nur einen Speziellen.


    Ach so meintest du das. meinte er dann beinahe etwas enttäuscht, da die Antwort so einfach und gewöhnlich war. Aber Crassus hatte gar keine Zeit sich lange über die "Auflösung" zu ärgern, da ihm wieder der Schweiß von der Stirn perlte, als ob er gerade im Regen stehen würde. Also diese Hitze... unaushaltbar.


    In Tarraco hatten wir damals wenigstens immer das Meer in der Nähe. Auch wenn unsere Vorgesetzten uns selten erlaubt hatten, darin zu baden, so wehte dadurch doch immer eine frische, abkühlende Brise ins Castellum. Hier in Rom hab ich dagegen das Gefühl, dass die Luft nur noch stehen würde und sich dadurch gleich viel schneller erhitzen könne. erzählte Crassus ohne ersichtlichen Grund und nur, weil es ihm gerade einfach eingefallen


    Aus welcher Gegend in Hispania kamst du und dein Herr hierher nach Rom? Erzähl mir ein bisschen von dir. Was waren deine Aufgaben bei deinem alten Herrn? Was ist aus deinem Herr geworden?


    endlich geschafft, gleich war er das Ding los. Er streckte seine Arme weit von sich, damit die Sklavin das Rückenteil vom Brustteil entfernen konnte.

  • Da bekam man ja fast Mitleid mit diesem Mann. Er sprach ja fast vom Meer und einer frischen Briese wie ein Verdurstender von einem Schluck Wasser. Sie musste grinsen und an sich halten, sich nicht noch dümmer anzustellen als sie das schon getan hatte, nur um den Caecilier noch ein bisschen länger braten zu lassen.
    Aber nein, irgendwie tat er ihr leid. Und da er so gutmütig über ihre Unbehlfenheit hinweggesehen hatte, gab die Sklavin sich einen Ruck und befreite den Schwitzenden nun endlich aus seinem Brutkastengefängnis.


    Die schweren Teile legte sie vorsichtig auf eine Bank, die im Schatten stand. Schon jetzt war der Panzer so heiß gewesen, dass sie sich beinahe die Finger verbrannt hätte.


    "Kennst du eine Stadt namens Sealabbis?" fragte sie und machte sich ungefragt daran, dem Caecilier vom bereitgestellten Wasser einzugießen, wartete auch keine Antwort ab. "Sie ist am Tugus gelegen und auch nicht unweit des Meeres. Dort lebte mein Herr und ich wurde dort geboren."
    Sie reichte ihm den Becher und setzte sich auf den Erdboden, wo ihr nicht mehr die Sonne auf den Kopf knallte und sie der Herr trotzdem ansehen konnte.
    "Meine Mutter war Sklavin, also war mein Schicksal besiegelt. Sie durfte mich behalten und großziehen. Sie brachte mir alles bei, sie war eine gute Sklavin, und wollte ebenso eine aus mir machen. Ich kann vieles, Herr. Kochen, putzen, nähen, sticken und stopfen, Kinder erziehen, Gäste bewirten..... Naja, eben all das, was die Römer wichtig erachten, das eine Sklavin können muss."
    Sie warf ihm einen prüfenden Blick zu und rupfte ein paar Halme irgendeines Gewächses aus, um damit zu spielen.
    "... und vielleicht auch ein bisschen mehr." fügte sie mit seltsamen Tonfall hinzu und schnippte ein Stückel Blüte hinfort.


    "Irgendwann ging es der Stadt nicht sehr gut. Ein Brand hatte einen großen Teil der Ernte und der Häuser zerstört, die Stadtkasse hatte kein Geld mehr und die Steuern drückten schwer - da hat sich mein Herr entschieden seinen gesamten Haushalt nach Rom zu verlegen. Mehr Arbeit und mehr Geld hatte er sich davon versprochen. Stattdessen musste er mich verkaufen."

  • 'Frei! Endlich frei!' jubelte Crassus Körper als er endlich von dem Brustpanzer befreit war und nun nur noch die schweißnasse Tunika auf ihn drückte. Er zupfte sich hie und da an der Tunika, um der Haut eine Möglichkeit der Abkühlung zu geben und um nicht dieses klebende Stück Stoff die ganze Zeit auf der Haut zu haben, denn das war ein unangenehmes Gefühl. Dankend nahm Crassus dann den Becher Wasser entgegen und nahm ohne zu Zögern zwei, drei Schlücke daraus, sodass er schon wieder fast leer war. Fast so erfrischend wie ein Bad, fand Crassus in diesem Moment.
    'Sealabbis, Tugus?' Crassus hatte keine Ahnung, wo das liegen sollte, aber trotzdem ließ er sich nichts anmerken. Im Gegenteil er nickte sogar eifrig, als er die Namen hörte, eben gerade so als ob er wüsste, wo das wäre. Darin hatte er ja auch genug Erfahrung. Da er nicht wusste, wovon oder zu mindest von welcher Gegend sie sprach, fügte Crassus auch kein Kommentar hinzu.


    Crassus musterte die Sklavin während sie von sich erzählte ganz offensichtlich und ungeniert. Diese Blicke würde er vor Sklaven nicht verstecken, zu mindest nicht vor seinen eigenen, auch wenn sie nur zum Teil seine waren. Er ließ seinen Blick die Sklavin hinauf und wieder hinunterwandern und ließ dabei seiner Fantasie freien Lauf. Diese Fantasien wurden stark angeregt, als sie wie ein kleines unschuldiges Mädchen auf dem Rasen saß und dann diese mehrdeutige aber doch ziemlich eindeutige Bemerkung losließ. Und das in einem Tonfall, den Crassus nicht eindeutig zuordnen konnte, er aber ihn doch in eine recht klare Richtung legen konnte. Ja, er war schon lange nicht mehr in Lucianus' Lupaner gewesen, was er nun auch spürte.


    Rom mag für viele eine Rettung und auch ein Neuanfang sein, aber gleichzeitig ist es auch Sumpf und Nest von Verderben, von Verbrechern und von Armut. In Rom ist eben nicht alles besser, auch wenn man das in der Provinz gerne behauptet. Wie gefällt es dir in Rom? Du bist ja nun schon eine ganze Weile hier, du hast dir ja sicherlich schon eine eigene Meinung gebildet.

  • Seia war verdutzt! Oder sprach er so von Rom, weil er es einfach zu gut kannte? Ihr alter Herr hatte ja in den höchsten Tönen von der großen Stadt im Zentrum gesprochen, das war allerdings vor dem Umzug gewesen. In den letzten Jahren hatte er dann doch immer mehr graue Haare bekommen und noch um die Hundert Pfunde zugelegt. Naja, aufgefallen war das sowieso nur noch den wenigsten.


    Aber gut: Was hatte sie zu Rom zu sagen?


    "Auch wenn ich nun schon eine ganze Weile hier lebe, Herr, habe ich nicht viel von der Stadt gesehen. Genau genommen beschränkt sich mein Rom auf das Haus meines alten Besitzers, den Weg zum Markt und zum Post Officum. Neuerdings kommt noch hinzu der Weg hierher. Aber ansonsten..... es ist eine schöne Stadt. Die Menschen sind unfreundlicher als in der Provinz, kommt es mir vor, und sie haben auch viel mehr zu tun. Aber wenn ich mir wünschen dürfte, an welchem Ort ich mein Leben verbringen würde, dann wäre das Rom. Es gibt hier viel mehr anzusehen und wenn man nur Sklavin ist, wie ich eine bin, dann muss man sich auf den Straßen auch nicht fürchten."


    Seltsam. Sie hatte nie damit gerechnet, dass ihr irgendjemand mal diese Frage stellen würde und sich auch nie wirklich einen Kopf darum gemacht, wie sie das Leben hier so fand. Einfach drauf los zu sprechen war dann gar nicht mehr so einfach.
    Und er? Mag er Rom oder mag er es nicht? Zu gern hätte sie gefragt und einfach so getan, als wäre sie ihm gleich gestellt und würde sich einfach so mit ihm unterhalten.

  • Du darfst das Leben als Sklavin auch nicht unterschätzen.


    begann Crassus, der Sklavin den Becher hinstreckend, sodass sie ihn wieder füllen möge:


    Als Sklavin in einem guten Haus, so wie unseres eines ist, geht es dir besser als einer Römerin der untersten Schicht. Um längen besser. Du hast hier genug zum Essen, zum Trinken, bekommst meist sogar noch für gute Dienste die ein oder andere Sesterz zugesteckt. Du hast ein festes Dach über dem Kopf, erledigst deine Arbeit und musst dich um sonst nichts kümmern. Crassus legte sich rücklings auf die Bank und sah so dann zu der Sklavin.


    Was ich damit sagen möchte ist, dass dein Eindruck dich täuschen kann. Rom mag zwar eine schöne Seite haben, aber Rom hat ebenso eine große nicht so schöne Seite. Verschwörungen, Armut, Verbrechen, Vergewaltigungen und Morde sind hier gegenwärtiger als irgendwo anders auf dem Erdkreis. Sicher, dafür ist hier auch die schöne Seite einzigartig auf dem Erdkreis. Aber leider kann niemand von uns, nicht einmal der Kaiser, nur in der schönen Seite leben. Man bekommt, egal wer man ist, immer auch etwas von der "schlechten" Seite mit.
    Du siehst also mein Bild von Rom ist ein anderes, vielleicht nicht so naives. Dieses recht negative Bild kann aber auch gut mit meinem Beruf zusammenhängen.

  • Sim-Off:

    Entschuldigung wegen der langen Wartezeit!


    Tat Seia nicht. Sie wusste sehr gut, dass sie in ihrem neuen Haushalt das große Los gezogen hatte, vorher war es ihr ja schlechter gegangen und sie fühlte sich hier, als hätte ihr jemand eine zweite Chance gegeben. Nickend erhob sie sich, nahm dem Römer seinen Becher ab und füllte ihn neu.
    Da hat aber jemand Durst. Sicherlich liegt das auch daran, dass ich ihn so lange hab schmoren lassen und sein Körper die ganze Flüssigkeit ausgeschwitzt hat.


    Als er sich auf der Bank zurückgelegt hatte, ging sie zu ihm und gab ihm den Becher. Bevor er weitersprach, setzte sie sich wieder auf den Boden in den Schatten.


    "Du bist Praetorianer." stellte sie fest, nachdem er geendet hatte und ihr Dinge genannt hatte, die in der Stadt tagtäglich passierten, von denen sie aber höchstens mal jemanden hatte sprechen hören. Welchem Rang die Abzeichen auf seinem Panzer kennzeichnen sollten, wusste sie jedoch nicht. "Eine Sklavin muss nur wissen, dass sie sich vor Männern in solcher Rüstung demütig und gehorsam zeigt. Mehr braucht sie nicht zu wissen." Ein Zitat ihres alten Herrn.


    "Mein alter Herr sagte immer, dass ihr nicht gerade unerheblich wenig an den ganzen Verbrechen beteiligt seid." Sie grinste den Caecilier an. Ihr rutschte just in dem Moment eine Strähne ihres dunklen Haares ins Gesicht.

  • Sobald Crassus den Becher wieder in den Händen hielt, richtete er sich auf und nahm einen Schluck daraus. Dann stellte er den Becher neben sich und lehnte sich wieder zurück. Den Fehler, nämlich im Liegen zu trinken, tat man nur ein mal und Crassus hatte ihn schon hinter sich. Gerade als er sich wieder hingelegt hatte, kam ein leichter Wind auf und Crassus seufzte glücklich. Die Götter schienen wohl ein Erbarmen mit ihm zu haben und ihm etwas Abkühlung zu schenken.


    Ja, ich bin Prätorianer. Aber nicht nur. fügte Crassus noch an ihre Feststellung hinzu, bevor sie ihren alten Herrn zitierte. Crassus sah mit gerunzelter Stirn zu der Sklavin, der gerade in dem Augenblick eine Strähne ins Gesicht fiel. Crassus fragte sich im geheimen, wie das die Frauen immer schafften, dass immer genau im richtigen Moment eine Strähne ins Geischt fällt. Wahrscheinlich Jahre lange Übung.


    Wir sind an den meisten Verbrechen nicht ganz unbeteiligt, das stimmt durchaus. Aber wir verüben sie nicht, sondern wir vergelten sie. Wir zeigen den Verbrechern meist ein für alle mal, dass das, was sie getan hatten, nicht richtig war. Crassus hatte das mit Absicht so schwammig formuliert, er wollte ja nicht direkt sagen, dass da das Gladius meist schneller als der Schatten war. Aber wir kümmern uns nur um den größten Sumpf. Taschendiebe, Räuber und so weiter sind für uns uninteressant. Uns interessieren nur die Verbrechen gegen den Staat und den Kaiser. Da das sehr viele sind, sind wir auch bei sehr vielen dran beteiligt.


    Crassus war mit sich zufrieden, er hatte das Zitat ihres alten Herrn noch zu seinen Gunsten hingedreht. Er wusste sehr genau, was das Zitat eigentlich sagen wollte, aber das durfte man ja nicht bestätigen... auch nicht vor einer Sklavin, egal wie hübsch sie lächelte.

  • Seia grinste, während er erzählte und sah weg, damit es ihn nicht ärgerte. Sie glaubte, dass er ihr das erzählte, was man jedem Kind in Rom erzählte. Die Praetorianer wären die Guten, blabla. Sie standen ja auch auf der Seite des Guten, auf der Seite des Kaisers und hatten ihn zu schützen, aber was man über ihre Einsätze munkelte, unterschied sich klar von dem.
    Hatte ihr alter Herr gesagt. Seia kannte keine Praetorianer und hatte sich auf Geheiß ihres Herrn hin immer von ihnen ferngehalten. Wie auch vom Gesindel, den Patriziern... und und, es war immer die gleiche Leier gewesen.


    Als sie ihn ansah, sah er glatt ein wenig selbstgefällig aus der Wäsche und so nahm sie sich vor, bei ihm immer vorsichtig zu sein. Er wirkte bislang zwar keinesfalls gefährlich, aber man wusste ja nie.
    "Warum übst du diesen Beruf aus und.... hast du schon einmal einen Menschen getötet?" wollte sie wissen und nahm es sich einfach heraus mal nachtzfragen. Ihre Neugier war indess viel zu groß geworden.

  • Crassus lachte laut los. Normalerweise mochte er es ja nicht, wenn Sklaven ihn irgendetwas fragten, normal wollte nur er immer die Fragen stellen, die Kontrolle behalten, aber heute, nach dem Tag, war er froh, dass er nun eine kleine Unterhaltung hat. Sie entspannte ungemein und ließ die Gedanken, die sich nur um die Arbeit drehen, langsam aber sicher in den Hintergrund drängen. Er legte sich auf die Seite, stützte seinen Kopf mit der Hand und sah dann zu Seia:


    Ja, sicher habe ich schon einen Menschen umgebracht. Wobei man da doch aufpassen muss, inwiefern Aufständler und Aufwiegler oder gar Verschwörer noch was mit Menschen gemein haben. Sie wollen die göttliche Ordnung hier auf dem Erdkreis nur aus purem Egoismus ins Wanken bringen, um selbst irgendwann ganz oben zu stehen. So etwas darf man nicht zulassen und da schreiten wir ein. Natürlich mit aller Härte die angemessen scheint. Schließlich würden sie auch nicht zögern, einem den Pugio in den Rücken zu stoßen.
    Außerdem war ich in Hispania im Krieg. Gegen Sertorius, du wirst davon mitbekommen haben. Nun, da kams auch zu vielen Kämpfen zwischen Rom und den aufständischen Iberer. Und da gab es selbstverständlich Verluste. Auf beiden Seiten. Aber auf deren Seite höhere.


    Crassus sah inzwischen ernst zu der Sklavin.


    Warum ich meinen derzeitigen Posten ausübe? Nun, zum einen natürlich, da mich der Kaiser darum gebeten hat beziehungsweise es mir befohlen hat. Wenn der Kaiser ruft, dann folge ich, war auch ein Teil meines Eides den ich schon oft, aber dafür nicht minder überzeugt, geleistet habe. Zum Anderen aber natürlich auch, weil das hier der Posten schlechthin in Rom ist. Allerdings, würde mich der Kaiser an eine Grenze beordern, würde ich keinen Moment lang zögern und mich sofort auf die Reise machen.
    Es gibt also mehrere Gründe warum ich diesen Beruf ausübe. Auf der einen Seite, weil ich es "muss" aber gleichzeitig auch will. Dann, weil es eine große ehre für jeden Römer ist und ich wohl offenbar der geeigneste Kandidat unter allen Kandidaten bin. Und da für mich das Wohlergehen meines Kaiser über allem steht, übe ich natürlich auch das Amt voller Überzeugung aus.

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