Furianus, und mit ihm war sowieso zu rechnen, würde immer an sich zweifeln, falls er nicht jetzt Partei ergriff.
Das Volk hatte Avarus gerichtet, der Kaiser, das Reich.
„Senator Avarus.
Ich bin einer dieser Männer, denen das Herz bei deiner Kandidatur blutet, ich bin einer derer, die nicht wissen, ob du nun scherzt oder die Götter ihr grausames Spiel mit uns treiben. So spreche ich frei heraus, wie es mein Recht als Mitglied dieses Gremiums ist.
Du sprichst von Verantwortung, von einem Kapitän, der das Schiff entweder durch die Stürme lenkt oder dieses unter seinem Kommando sinkt. Du, Senator, wirst seit dem Tage, an dem du das Schiff selbst zerstörtes nicht zu einer Kategorie gezählt werden können, du bist nichts von all dem, kein Kapitän.
Deine Ehrlichkeit ist eine Tugend, doch deine Worte schmerzen nicht nur, sie töten nicht nur dich, sondern womöglich noch unschuldige Bürger, wie es bei dem Aufstand nach deiner Rede geschehen konnte! Ihre Rhythmen verliefen nicht haarscharf an der Grenze sondern darüber hinaus! Du hast das Ansehen des Senates getötet und die Achtung vor deiner Person.
An dem schwärzesten Tage deines Consulats standest du, mit den heiligen Ehren eines Consuls ausgestattet, die du ohne Zweifel geschändet hast, auf der Rostra und vor dem Volk.
Vor den Tempeln der Concordia, den Triumphbögen unserer Ahnen und dem Grabmal meiner Familie standest du, im Herzen Roms und seiner Geschichte und hast über die Götter, Rom und uns alle hier gespottet! Banditen sind wir für dich, alles Schurken und Barbaren. Selbst vor der Ehre unserer Götter sprach deine giftige Zunge schändlich über sie, beleidigte unsere Kultur und unsere Religion!
Und spreche nicht von Unschuld! Du wurdest bereits gerichtet, Senator, als das Volk sich erhob und zu den Toren des Palastes stürmte deinen Kopf zu fordern! Man hat dich damals gerettet, doch dein Urteil ward gesprochen! Verkrochen hast du dich feige im Schutze des Palastes, den meine Ahnen erbauten! Hinter dem Rücken ehrenvoller Männer standest du und hast zugesehen, wie sie die Menge zu beschwichtigen versuchten und sie schließlich wie Hunde forttrieben! Nicht sie, sondern dich hätte man forttreiben sollen, denn nicht sie beleidigten uns alle, sondern DU!
Und bis zu dem heutigen Tag weichst du von deiner Meinung nicht ab und beleidigst uns jeden Tag aufs Neue, wenn du dich dazu erdreist diesen Boden, diese Halle, mit deiner Anwesenheit zu beflecken – jeden Tag spuckst du auf Tradition, auf Rom und lächelst auf uns herab! Du wurdest gerichtet, Avarus, doch entkamst mit einem Grinsen weil sich tapfere Männer, Römer die du beleidigt hast, fehlerhaft verhielten und den Consul in Schutz nahmen!
Ja, es hat einen Sinn, dass ich dich nicht beim Namen nenne, denn sie beschützten den Consul, nicht den Avarus!
Kandidierst du also erneut, um wieder einmal im Schutze dieses heiligen Amtes unser Ansehen und das ganz Roms zu beschmutzen?!
Eine Nota Censoria hielt dich, wie man heute sehen kann, auch nicht auf!
Feige, Avarus, ehrlos bist du! Anstatt mit ein wenig Würde und Ehrgefühl von sich aus den Rücken zu kehren und den Senat zu verlassen, stehst du hier vor unseren Augen und lechzt nach dem heiligen Amte des Consuls ein weiteres Mal!
Ein Amt, welches der große Cicero, Sulla, Pompeius, Caesar oder Augustus mit Ehre bekleideten, sprichst du dir zu, du, der Frevel begangen hat vor den Augen des Volkes und der Götter?!
Du bist kein Consul, denn ein Consul repräsentiert das Imperium Romanum, ein Consul repräsentiert den Senat, ein Consul repräsentiert das Volk!
Und du, dessen Kopf das Volk ohne Erbarmen forderte, du willst das Volk repräsentieren?!
Damit beleidigst du große Männer Roms auf die schändlichste Art und Weise, wie es nur du ein weiteres Mal zustande bringen kannst. Du raubst diesen Männern den einzigen Stolz, das einzige heilige Ziel ihres Lebens, indem du das Amt mit deinem Namen befleckst und ihre Ehre dabei beschmutzt, die Ehre einer der Wenigen zu sein, die imstande sind dieses Amt zu bekleiden! Es ist eine Ehre, Avarus, mache das Consulat nicht zu einer einzigen Schande!
Ihr ehemaligen Consuln die ihr hier sitzt, sprecht, denn dieser Mann schändet euer Amt.
Ihr ehrvollen Consulare, lasst euer heiliges Amt nicht schmähen und mit einer Nota Censoria, einem Frevel und dem Spott auf der Rostra eines Mannes beflecken!
Hört die Stimmen der Ahnen, hört die großen Männer Roms, eure Vorgänger, die sich gegen diese Beleidigung nicht wehren können und sprecht für sie! Euer Consulat verbürgt euch dazu, euer Schweigen wird gerichtet.
Bitte sprecht im Namen Roms und seiner Geschichte, denn ein heiliger Eid wurde von euch allen geleistet, ein Eid auf Rom und die Verteidigung unserer Kultur und unserer Ehre.
Mag Avarus noch so viel versprechen, ich will frei von Schuld sein und dieser Beleidigung unter einem Jahre, welches seinen Namen tragen muss, in den Senatslisten geführt zu werden!
Ich schweige nicht und werde nicht schweigen, nicht hier, denn das wäre die größte Schuld gegenüber allem, was man römisch nennen kann! Und ich bin Römer, das Schicksal Roms geht mir nahe!
Und eines möchte ich euch allen hier sagen:
Wenn dieser Frevler das heiligste und ehrenvollste Amt unserer Kultur bekleidet, so werde ich mich zum ersten Mal in meinem Leben schämen, ein Römer zu sein!“
Diese Welle von Emotionen raubte ihm viel Kraft, so dass er sich erleichtert und erschöpft setzte. Er hatte gesprochen und seine Hände von jeglicher Schuld an einem möglichen Consulat des Germanicus Avarus rein gewaschen, denn dies wäre die größte Beleidigung gegenüber allem, was er kannte und aus den Geschichtsbüchern las.