Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    Die flavische Sänfte hielt ein paar Meter vor dem Tor der Urbaner, so dass Furianus bequem aussteigen konnte.
    Mit ruhigem Schritte kam er dem Tor näher und grüßte die Miles.


    "Salvete. Lucius Flavius Furianus ist mein Name, ich bin hier, um mit dem Praefectus Urbi zu sprechen."

    "Ja, vermutlich wurde der brief dorthin geliefert."


    Sagte er nachdenklich und verwarf diesen Gedanken, gepaart mit einer schwungvollen Handbewegung und einem Lächeln.


    "Naja, die Schreiberei scheint dir sowieso verhasst, also könntest du es mir auch jetzt mitteilen."


    Sogleich kam ein Sklave herbei, der ein großes, rotes Tuch in den Händen hielt. Natürlich traute er sich nicht den Dominus zu unterbrechen, daher wartete er ungeduldig im Blickwinkel von Furianus, der dem Sklaven auch schnell gewahr wurde.


    "Was gibt es denn?!"


    Sagte Furianus mürrisch sich von Cato abwendend.


    "Dominus, verzeiht, doch das Werbetuch ist aus der Färberei geliefert worden. Man fragt nach ob es euch gefällt und wie oft man es duplizieren muss."


    Der Sklave breitete das große Tuch mit einem Schwung aus, so dass es im Luftzug wehte.


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    Und damit rief der Sklave in Furianus unabsichtlich den Zorn hervor. Dieser beherrschte sich und seufzte nur kurz.


    "Verbrenn es und sage dem Färber er soll weitere Kopien unterlassen, ich bezahle ihm den vollen Preis, wie vereinbart."


    Der Sklave nickte und ging sofort ab.
    Jetzt verstand er, dass der Dominus das Tuch nicht sehen wollte, erinnerte es ihn doch an die Absage des Kaisers zur Wahl. Werbetücher sollten es sein, man wollte sie überall aufhängen, um sich so noch einige Stimmen zu sichern. Doch nun waren sie nutzlos, würden verbrannt werden.


    "Wo waren wir?
    Ach ja, nun, in Hispania hatte ich drei Projekte zu betreuen. Eines, welches mir vor Ort aufgetragen wurde, eine Wasserleitung nach Carthago Nova, und die zwei kaiserlichen Aufträge, die mir der Imperator auftrug. Es war die Wiederverwertung der beiden ehemaligen Kastelle der Legio IX und Ala II."

    "Mir geht es ebenfalls gut, danke der Nachfrage."


    Sagte er für seine Verhältnisse doch recht höflich und bot dem Mann an sich auf die marmorbank zu setzen, welche ein paar Schritte entfernt stand.


    "Das ist natürlich erfreulich, dass du ohne den Anhang kommst."


    Sagte er lächelnd und nahm währenddessen Platz.


    "Nun, Hispania ist eine wunderschöne Provinz. Was es Neues gibt kann ich dir nun nicht konkret sagen. Was willst du denn wissen?"

    "Was wäre ich nur ein Patron, wenn ich keine Zeit hätte meine Klienten anzuhören."


    Sagte er amüsiert und legte sich auf die Kline.
    Seine Hand streifte das Wasser im Becken, welches Wellen schlug. Nachdem die lästigen Tropfen von der Hand geschüttelt waren, wandte er sich wieder seinem Klienten zu.


    "Ich denke, dass dein Besuch nicht ohne Grund ist."


    Spielte er an und blickte zu einem der nahestehenden Sklaven, welcher sich auf´s Einschenken verstand und seine Funktion auch wahrnahm.

    Kurze Zeit später erschien auch der Patron am anderen Ende des Atriums und ging möglichst erhaben auf den Klienten, dem er auch trotz seiner Position immer ein Lächeln zu schenken bereit war, zu.
    Furianus reichte seinem Klienten die Hand zum Gruße und wies auf eine Klinengruppe vor dem impluvium.


    "Salve, Helvetius Cato. Komm, setzen wir uns."


    Ein unscheinbares Zeichen mit dem Zeigefinger auf einen Sklaven bedeutete diesem sich um die Verköstigung zu kümmern, was er auch sogleich in Angriff nahm und in die culina ging.
    Es war ein frischer Morgen und Furianus in einen Mantel gehüllt.

    Energisch schüttelte er den Kopf.


    "Nicht doch, du bist mir zu nichts verpflichtet. Sie hatte dich damals angegriffen und du sie daher als kleine Entschädigung bekommen, sie konnte dir ja durchaus dienlich sein.
    Nun ist sie weg, zwar ärgerlich, doch nicht von äußerster Wichtigkeit, um sie einfangen zu lassen - besonders, wenn sie schon laut gültigem Recht freigelassen ist, es wurde genehmigt.
    Also, dies wäre mein Vorschlag, lassen wir sie ziehen wohin sie will und sind uns zu nichts mehr verpflichtet.
    Schlägst du ein?"


    Zwar fühlte er sich ob des toten Sklaven immernoch ein wenig schuldig, doch die Gedanken waren gerade bei Nadia und was sie sich dabei dachte. Er selbst war über seine Art über sie zu sprechen nicht sonderlich überrascht, wozu auch? Sie war damals ein Mensch, sie dachte und fühlte, er liebte - doch nun schien sie einem Tier ähnlicher, denn einem Mensch. Sie beleidigte Männer auf öffentlicher Straße, griff sie sogra an. Und nun der Mord an einem Sklaven - für ihn war sie nun tot, ein Ding, leblos und keines Gedanken würdig.
    Verstehen konnte er sie nicht, einen versuch wagte er nicht, die Furcht vor einem ähnlichen Verhalten war größer als die Neugier.

    "Wenn dein Herz es wünscht, Claudia, solltest du ihm folgen. Dich leiden zu sehen ist sträflicher, als dich an einem andren Ort glücklich zu wissen. Und glaube mir, es würde mir nahe gehen, um dich bin stets besorgt."


    Sagte er nun ernster und blickte ihr tief in die Augen. Irgendwann würden sie an dem Punkt stehen, nicht in nächster Zeit, doch irgendwann würden ihre Meinungen auseinandergehen. Dieser Situation nicht unbeholfen ausgeliefert zu sein war kein schöner Gedanken und so wusste er lieber jetzt um ihre Bedürfnisse, Sehnsüchte oder Wünsche, als sich dann plötzlich mit jenen konfrontiert zu sehen.

    Furianus hielt den Becher in der Hand und je mehr Crassus erzählte, desto kräftiger wurde sein Druck. Bevor er den edlen Becher verformte oder sonstwie beschädigte ließ er davon ab und nahm einen kräftigen Schluck.
    Während der Mann erzählte verhielt er sich ruhig, emotionslos und in Gedanken.
    Als Crassus geendet hatte stellte Furianus den Becher auf den Tisch und blickte jenen an.


    "Es tut mir für die Unannehmlichkeiten leid, ich werde dir den Ianitor bezahlen, nenne mir nur einen Preis."

    Der Frust und Ärger stieg währenddessen ins Unermessliche. Furianus war gekränkt, seine schon fertig verfasste Rede würde er mit dem Schwamm aus seiner Erinnerung tilgen müssen, um nicht noch mehr zu leiden.
    Gefasst blickte er zum Kaiser.


    "Ich verstehe, mein Kaiser - Ihr habt vollkommen Recht."


    Die Hände zur Faust geballt nickte er erneut.
    Furianus konnte nicht verstehen weshalb, er konnte den Weg seines Lebens nicht nachvollziehen, das Spiel der Götter und des Kaisers sowieso nicht. Der Ärger, das wusste er schon jetzt, würde mit viel Wein runtergespült werden müssen - wenn er Glück hatte würde er diese Zurückweisung schnell vergessen, er musste nur genug trinken.
    Doch als zukünftiger Ehemann musste er lernen, als Vater und Patrizier in unvorhersehbaren Fällen stets auf die Zukunft bedacht sein und dementsprechend reagieren - zum Wohle der Lieben und seiner selbst.


    "Mein Kaiser, so werde ich ein weiteres Jahr pausieren müssen, um endlich dem Weg der Ahnen, dem Weg der Politik, folgen zu können.
    Auch während diesem Jahr stehe ich euch und Rom zur Verfügung.
    Ich hörte von dem vakanten Amte des Praefectus Annonae, welches ich gerne annehmen würde, wenn ihr mir Euer Vertrauen schenkt, mein Kaiser."


    Diese Chance wollte Furianus nicht ungenutzt wissen und das Politikum der Getreideversorgung war allgemein bekannt, auch die Gefahren eines Mißstandes.

    Die Häsitation war für ihn nicht überraschend, auch wenn er mit positiveren Gedanken den Raum betrat.
    Seine Frustration legte er dennoch nicht frei, überspielte es mit einem kurzen Nicken.


    "Ja, mein Kaiser, ich werde bei meiner Hochzeit emanzipiert. Diese soll in etwa einem Monat stattfinden.
    Doch ich stehe vor Euch um eine Genehmigung zu erbitten kandidieren zu dürfen. Ihr habt die Macht einem Mann, einem Mann der die Voraussetzungen noch nicht zu erfüllen sich im Stande sieht, durch Eure Güte eine besondere Erlaubnis zu erteilen - Ihr seid Kaiser und das Recht, meine Hoffnung nicht vor der dritten Kandidatur in Folge standesbedingt scheitern zu müssen."


    Furianus hielt inne und hegte die Hoffnung durch eine Sondererlaubnis noch kandidieren zu dürfen, denn es wäre unmöglich die Hochzeit binnen einiger Stunden zu organisieren oder zu seinem Vater zu reisen.

    "Das ist wahr, dennoch gibt es noch unzählige Orte, an die ich gerne reisen möchte. Doch ich fürchte, dass mir dies erst im hohen Alter gestattet wird - ich habe Verpflichtungen gegenüber Rom, Dir und unseren künftigen Kindern.
    Aber du scheinst mich schon sehr gut zu kennen, denn eigentlich war der Kauf eine spontane Entscheidung nach einem Ausritt in diese Ebene."


    Sagte er lächelnd und nickte ihr anerkennend zu. Frauen hatten Geheimnisse, Analyse des Partners schienen sie wohl auch zu beherrschen.

    Furianus lächelte ebenfalls.


    "Ich weiß nicht, ob ich mich verliebt habe, denn das Reich ist sehr groß und hat so manche Schönheit zu bieten. Achaia ist sicherlich genau so schön, wie es Hispania ist. Und du hast Recht, ich habe mir ein Stück Land mit einem kleinen Landgut gekauft, vielleicht können wir schon im nächsten Sommer Erträge einfahren."


    Es war ein Landgut mitten in einem fruchtbaren Tal, flankiert von zwei Wäldern, die auch am Tage keinen einzigen Lichtstrahl durchließen - recht selten in Hispania.

    Er konnte Hispanias Schönheit wohl schlecht in Worte fassen, doch ihr zuliebe versuchte er es mit ein wenig Gestik gepaart.


    "Nun, die Sonne scheint wohl wie schon viele Leben zuvor, das Gras wächst hoch und wunderschöne Blumen erblickt man an jeder Ecke. Die Fassaden der Häuser sind weißer, als die unsrigen, die Menschen gut gelaunt, entspannt und doch zielstrebig.
    Mittlerweile weiß ich auch was eine hispanische Fiesta ist, leider wurde mir das nicht mitgeteilt, ich dürfte es erblicken, als ich den Proconsul in seinem...naja, ich erspare dir diese Details. naja, ich verließ diese Fiesta auch sogleich und ließ mich entschuldigen.
    Ich traf Rediviva Helena im Grabmonument deines Verwandten, als ich ihm Opfer und Geschenke darbrachte, um ihn zu ehren. Wir führten ein ernstes Gespräch miteinander und mir wurde immer deutlicher wie stark ihre Bindung zueinander doch war und noch immer ist, sie scheint ihn wahrlich zu lieben, bis heute."


    Er genehmigte sich eine kleine Pause, die er mit einem weiteren Schluck des verdünnten Weines überbrückte.


    "Durch meine Tätigkeiten als Architectus besuchte ich auch Carthago Nova und sah auch die ländlichen Siedlungen außerhalb der großen Städte.
    Eine schöne Provinz, ein angenehmes Klima, der ideale Ort um im Alter sesshaft zu werden - wie Kampanien es in Italia ist, doch um einiges ruhiger."

    "Manchmal, so scheint es mir, ist dem Imperator nicht bewusst was solche Ämter für Hintergrundarbeit mit sich bringen. Aber wir werden es morgen erfahren, ich teile es dir natürlich ebenfalls mit, bis dahin bleibt uns wohl das Warten."


    Er wusste nicht recht was er nun sagen sollte, schließlich hatten sie schon lange miteinander geredet und er genoss noch immer ihre Anwesenheit. Es zog ihn zwar näher zu ihr, aber es durfte jetzt noch nicht sein, es war zu früh, sie erst verlobt.
    Ungehemt das auszusprechen was er wirklich dachte und fühlte konnte er nur in Briefen. Dies sagte schon der alte Cicero, Briefe erröten nicht.