Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    "Schon gut, nun weiß ich es."


    Sagte er lächelnd und gepaart mit einer schwungvollen Handbewegung.
    Die Wege des Klienten, des Caesoninus, waren auch für Furianus nicht ganz überschaubar. Natürlich würde er ihm helfen, auch finanziell, wenn dieser in den Ordo Decurionum aufgenommen werden müsste, um Architectus Provincialis zu werden, doch zur Zeit stand dies noch nicht zur Debatte und auch er wusste nicht welch Ziele der Klient anstrebte.


    "Falls ich dir irgendwie bei deinen Karrierebemühungen behilflich sein kann, so komme ruhig auf mich zurück - ich könnte mit gewissen Männern sprechen."


    Sagte er leicht lächelnd und nahm sich sogleich der weiteren Fragen an.


    "Hispania ist wunderschön, ein ruhiges und beschauliches Fleckchen Land umzäumt von einem wunderschönen Meer. Die Sandstrände sind einzigartig und die Natur unvergleichlich. Die Ruhe ist es, die Hispania auszeichnet.
    Aber jetzt wüsste ich keine Verwundung für einen Soldaten in Hispania, Cato. Hispania ist doch nicht so militärisch geprägt wie Germania - doch dort wäre es mir zu kalt."

    Diese Frage, so plötzlich und doch von großer Wichtigkeit, riss ihn aus dem Lächeln, so dass er kurz überlegen musste, bevor er antwortete.


    "Natürlich die kaiserliche Familie und die großen Häuser Roms - Patrizier und Senatorenfamilien. Außerdem würde ich gerne Caecilius Crassus ebenfalls einladen, ist er doch der Praefectus Praetorio, wenn auch kein Senator oder Patrizier.
    Wärst du mit dieser Auswahl zufrieden oder gibt es noch jemanden, den du in deiner Nähe wissen willst?"

    "Gewiss, ich vergaß. Ich hätte es nicht auf Hispania ausweiten sollen, sondern nur um die Gegend Tarracos."


    Sagte er wiederum lächelnd und nahm noch einen Schluck, nach welchem er dann sogleich fortfuhr.


    "Es gab einen großen Brand, von dem ich jedoch erst einen Tag später hörte und die Trümmer sah. Welcher Verrückte der Stadt solch Leid zutrug ist mir nicht bekannt, aber man scheint schnell Herr der Lage geworden zu sein."

    "Ich belückwünsche dich natürlich, falls ich es noch nicht tat, zu deiner Ernennung zum Optio."


    Sagte er lächelnd und schmiss eine weitere Traube hinterher.


    "Deinen Bruder, das muss ich ehrlich sagen, habe ich in den letzten Wochen kaum zu Gesicht bekommen. Ich hatte sehr viel zu tun, er ebenso. Daher denke ich, dass er schon bald nachkommen sollte, falls er es natürlich will. Hispania ist eine wunderschöne Provinz und das Amt des Architectus Provincialis nun für ihn offen."

    "Ja, denn so manche Schlacht scheint überwindbarer, als ein quängelndes Kleinkind oder ein widerspänstiger Jüngling. Das Eine braucht Taktik und rohe Gewalt, das Andere ebenfalls Taktik, doch auch Geschick und Überzeugungskraft. Und


    Er nahm noch einen Schluck.


    "Ich werde versuchen dich glücklich zu machen, versprechen kann ich es dir jedoch nicht."


    Sagte er lächelnd, denn er konnte es wahrlich nicht. Er würde sich gleichzeitig um die Karriere und die daraus entstehenden zukünftigen Vorteile und das Ansehen seiner Familie kümmern müssen, wie auch auf der anderen Seite um die Familie selbst. Eines von beiden würde er sicherlich ein wenig vernachlässigen und er war sich sicher, dass es anfangs die Familie sein würde, nein, es war ersichtlich, sie war es schon jetzt, wenn er an sein Fortbleiben in Hispania dachte und seine Verlobte alleine hier zurückließ.
    Ein leichter Seufzer entwich ihm und er lächelte dennoch milde, versuchte diese Schuld zu überspielen. Irgendwann, so war er sich sicher, würde er die Karriere vernachlässigen können.

    Furianus lächelte und wischte die Entschuldigung mit einer Handbewegung hinfort.


    "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, ich verstehe das. Aber das Wort verwerten hätte es nicht besser treffen können. Die Kastelle standen ohne Verwendung herum und vegetierten vor sich hin - nun bringen sie wenigstens Erträge und müssen nicht bewacht werden. So wurde zwar Hispania der letzten Spur des Militärs beraubt, doch Hispania ist eine friedliche Provinz, ich glaube es war gut so."


    Man vergaß auch schnell Aufstände und Rebellionen, die es in der Vergangenheit in Hispania gab, es war nur wirksam nicht an diese Bedrohung erinnert zu werden.

    Die fragestellung war für Furianus verwirrend, als ob er etwas Schlimmes gemacht hätte. Doch er ließ sich davon nicht irritieren.


    "Nun, ein Kastell wurde zur weiteren Verwertung den Factios zum verkauf gestellt, die dort ihre Zucht- und Übungsstätten erbauen könnten und das der Legio wurde völlig abgreissen und an dieser Stelle ein Denkmal des Kaisers errichtet und eine Wegkreuzung,, an welcher exklusive Parzellen für grabmonumente verkauft werden."


    und auch er nahm einen weiteren Schluck.

    Furianus, der noch immer von diesem zwischenfall gezeichnet war, nickte nur bedächtig und antwortete auch eher nebensächlich.


    "Ja, es hat mich schon eine Menge Zeit und Skizzen gekostet. Zum Glück hatte ich gutes Personal und die Berechnungen stimmten weitestgehend. Ein paar Sklaven fanden zwar den Tod, aber das ist der übliche Verschleiss."


    Und sogleich wurden ihnen Trauben und süße Datteln gereicht. Furianus bediente sich selbstverständlich.

    "Einige Männer halten ein Leben fern von Geschichtsbüchern für vergeudet - solche Männer wie die eben genannten."


    Sagte er ruhig und besonnen, blickte gen Boden und dann wieder in ihre Augen.


    "Einst zählte ich zu ihnen, bevor ich dich traf und den Sinn für das Schöne, das Alltägliche und Unscheinbare, entdeckte. Ich fürchte, dass mir die Schönheit Hispanias nie aufgefallen wäre, wenn ich meine Sinne nicht bei unseren Begegnungen geschärft hätte. Jeden Blick, jede Bewegung und Veränderung in deiner Stimme nahm ich in mich auf, versuchte es zu deuten, dich zu verstehen und kennzulernen. Ich danke dir für diese Gabe.
    Das wahrhafte glück versucht ein Jeder von uns zu finden, doch viele suchen falsch und ihr Weg führt ins Endlose. Das Glück liegt nicht in der Ferne und Utopie, es kann sehr nah sein."

    "Deine Standhaftigkeit ehrt dich, Praefectus. Ich fürchtete dich gar zu schnell zu ermüden."


    Sagte er ebenfalls lächelnd und nicht minder zynisch, nahm den Becher entgegen.
    Zwar war er sich relativ sicher, dass der Mann etwa bei der hälfte seines Vortrages nicht mehr zuhören wollte oder konnte, doch das sprach er nicht aus, behielt es wie vieles für sich.
    Nach einem Schluck antwortete er dem Mann auch mit einem erneut aufgesetztem Lächeln.


    "Ich war Aedil, mit der Marktordnung bin ich vertraut - die Brotpreise werde ich dementsprechend regulieren können. Ich besitze auch einige Ländereien, die auch ein gewisses wirtschaftliches Können voraussetzen, um produktiv bewirtschaftet zu werden."


    Warum der Praefectus Urbi unbedingt sein Können unter Beweis stellen musste, an ihm zweifelte, und ob dies nicht womöglich mit dem Scheitern vorheriger Praefektoren der cura annona zusammenhinge, diese Frage ließ er lieber außen vor. Schließlich war er nicht hier, um sich Antisympathien einzuhandeln, sondern nur ein Amt anzutreten, welches lange genug vernachlässigt worden war.

    Furianus hatte doch mehr Enthusiasmus erwartet, doch er dachte sich nichts weiter dabei, überlegte nur wie der Mann zu überzeugen war.
    Sogleich holte er tief Luft.


    "Wie ich auch mit den Tätigkeiten als Quaestor, Aedil und zuletzt als Architectus Provincialis nicht vertraut war, so bin ich auch nicht sonderlich mit der Verwaltung vertraut. Ein Mann muss sich anpassen können und sich vor neue Herausforderungen stellen. Deine Bedenken kann ich nachvollziehen und verstehen, denn die Geschichte lehrt uns, dass die Versorgung der Bevölkerung, insbesondere die Versorgung Roms, ein Politikum ersten Ranges ist."


    Er machte eine kurze Pause und ging sogleich auf die zweite Frage ein.


    "Natürlich habe ich mich schon vorab über die Tätigkeiten und Aufgaben informiert, die mir auferlegt werden würden.
    Die Getreideversorgung sehe ich als sensiblen Mechanismus, der leicht durch Naturkatastrophen, Kriege und schlechte Ernten gestört oder zum Erliegen gebracht werden kann. In Rom können Versorgungskrisen zudem auch durch Überschwemmungen des Tibers, durch Erdbeben oder auch durch Brandkatastrophen wie im Jahre 64 entstehen.
    Und die Geschichte lehrt uns wiederum, dass die Einwohner bereits auf die Nachricht einer möglichen Lebensmittelknappheit sehr empfindlich reagieren.
    Wie im Jahre 42, als aufgrund einer Trockenheit Getreide nicht in ausreichendem Maße vorhanden war und das Volk Kaiser Claudius auf dem Forum mit Schmähungen entgegen trat und diesen mit Brotkrusten bewarf. Auch der Imperator wird seine Machtstellung nicht unnötig in Gefahr wissen wollen und daher einem vertrauenswürdigen Mann dieses Amt anvertrauen. Ein Amt des Vertrauens, was uns wiederum die Geschichte zeigt.
    Auch die Kaiser der Vergangenheit wollten dies nicht, Kaiser Augustus übernahm sogar selbst im Jahre 22 v. Chr. die Aufsicht über die Lebensmittelversorgung und ließ Brot und Getreide verteilen. Ebenfalls Kaiser Tiberius, der im Jahre 19 aufgrund einiger Klagen der Plebs den Brotpreis festlegte und zwei Sesterzen für jeden Scheffel an die Getreidehändler zahlte. Kaiser Claudius, der aus den Tummulten der Plebs die Gefahr erkannte, ließ in Ostia um das Jahr 50 den portus augusti errichten, um die Belieferung der urbs aetaerna zu verbessern, da dadurch die Schiffe schneller entladen werden konnten. Auch die Häfen Antium und Astura ließ Kaiser Nero und sein Nachfolger zu jenem Zwecke errichten.
    Selbst Kaiser Traianus persönlich, dessen Nachfolger unser Imperator ist, beschäftigte sich intensiv mit den großen Mühlen, staatlichen Bäckereien und ihrer Organisation.
    Nebenbei sei erwähnt, dass in Folge der stetig wachsenden Lebensmittelversorgung Kaiser Augustus im Jahre 14 dies Amt erschuf.


    Und nun explizit zu deiner Frage.
    Derpraefectus annonae übt die Kontrolle über den Transport, die Lagerung und Verarbeitung der Lebensmittel aus und unterhält natürlich geschäftliche Beziehungen nach Hispania aufgrund des Olivenöles und Nordafrika durch das Getreide.
    Er beaufsichtigt die Schiffseigner und Händler, schließt mit diesen die Verträge ab und empfängt auch ihre Klagen.
    Der praefectus annonae achtet auf das Getreide, so dass dieses ohne irgendwelche Schäden in die Speicher, horrea, kommt und inspiziert somit auch die Ladung der Schiffe, besitzt damit die Oberaufsicht über das Hafen- und Speicherpersonal.
    Zudem überprüft er die Güte der Backwaren und die Gewichte der Brote, hat somit Einfluss auf die Brotherstellung und Brotpreise.
    Geht ein Schiff verloren, besitzt die Ladung nicht das vereinbarte Gewicht oder ist gar schlecht, so leitet auch er die Untersuchungen, da er wie die anderen führenden Amtsträger mit jurisdiktionellen Vollmachten ausgestattet ist.


    Aus der Fülle von Informationen weiß ich bereits, dass für die Versorgung der Stadt pro Jahr etwa 40 Millionen Scheffel, modii, gebraucht werden.
    Zum Transport dieser sind an die 1300 Schiffe notwendig, die dazu noch aufgrund von Witterungsverhältnissen das Mittelmeer von Mitte November bis Mitte März nicht befahren können.
    In Rom stehen an die 250 horrea und etwa 260 staatliche Großbäckereien, die 210.000 bis 220.000 Portionen Brot pro Tag produzieren.


    Erstaunliche Zahlen, und für einen Mann alleine nicht unter Kontrolle zu halten – besonders, wenn noch dazu mehrere Hafen angesteuert werden und das nicht nur in Ostia, sondern auch in Puteoli, zu denen auch noch etwa 700 Schiffe pro Jahr gelangen.
    Daher benötigt der praefectus annonae Hilfe durch Untergebene und steht somit einem Ring voller Ämter vor. In diesen Kreis gewann ich bereits Einblick.
    Verträge die Getreidelieferungen betreffend werden mit dem praefectus aegypti, das Olivenöl betreffend mit dem proconsul Hispanias abgeschlossen.
    Die curatores der corpora naviculariorum kümmern sich um die Gestellung der Transportschiffe. Um die Stadt Ostia kümmert sich der procurator Ostiensis und bezahlt aus dem fiscus frumentarius die navicularii, die Schiffseigner.
    Wenn das Getreideschiff ankommt löschen die saccarii die Ladung, die mensores wiegen das Getreide, anschließend bringen die caudicarii jenes tiberaufwärts zum Emporium-Bezirk, wo es in die horrea kommt, die patroni die Aufsicht über jene horrea haben.
    Die catabolenses verteilen dieses dann an den entsprechenden Ausgabeorten an der portus minucia und den vielen Treppen, gradi.
    Die Mühlen werden von den pistores und manceps betrieben, sowie auch die Großbäckereien.
    Ferner gibt es noch die Gehilfen, accensi, und die vielen Schreiber, scribae und librarii."


    Furianus hielt inne und fragte sich ob er den "Test" nun bestanden hatte. Aber er rechnete schon mit solch einer Überprüfung.

    Um den heißen Brei, wie es die Plebs formulieren würde, redete Furianus nie. Die Schmeicheleien und Floskeln sparte er sich da lieber für private Besuche, nicht für solch wichtige.
    So setzte er sich auf den dargebotenen Platz und legte die Hände auf den Schoß.


    "Vor kurzem hatte ich eine Audienz bei ihm, in der er mich nach einer Nachfrage meinerseits dafür empfiehl und zu dir schickte.
    Die Beweggründen des Imperators zu dieser Empfehlung kann ich nur erahnen, doch ich diente dem Reich im Militär, war Quaestor Principis und Aedilis Curulis. Die letzten zwei Wahlperioden war ich im Auftrage des Kaisers als Architectus Provincialis in Hispania tätig. Ferner bin ich Mitglied des Ordo Senatorius, wenn zur Zeit auch noch passiv, und durch die vielen belegten Kurse an der Schola wohl informiert.
    Dies, das Vertrauen und Lob, zu meiner letzten Tätigkeit, des Kaisers dürften wohl ausschlaggebend sein. Meine anderen Verpflichtungen und Zugehörigkeiten dürften nur zweitrangig zu seiner Entscheidung geführt haben."

    Furianus, der gerade anklopfte, blickte sich ruhig um und man sah ihm den Zorn an, den der Scriba hervorrief. Er hätte ihm am liebsten gedroht, mit irgendwas, aber er musste sich zurückhalten.


    "Schieb dies nicht auf mich, Scriba, wenn die Koordination und komunikation zwischen euch mangelhaft ist. Vor kurzem hat man mich durchgewunken und nun brüllst du mich an, zügel dich, es bekommt dir nicht gut."


    Furianus hätte sich an die Stirn fassen können. Er wollte keine Drohungen machen und doch, es war geschehen.
    Aber er ging ruhig und gelassen hinein, grüßte den Praefectus Urbi, als ob er diesen Vorfall auch schon vergessen hätte.


    "Salve, Praefectus Urbi. Ich bin Lucius Flavius Furianus und der Imperator schickt mich mit einer Empfehlung bezüglich des Amtes des Praefectus Annonae zu dir."

    "Wie schwach wäre doch der mächtigste Mann Roms ohne solch eine Frau wie dich? Und wieder erfreust du mein Herz mit deinen Worten, kein Lobgesang, kein Amt vermag dies so wie du, Claudia."


    Die erzwungene Ferne schmerzte ihn in diesem Moment nur noch mehr und er konnte sie nur anlächeln, wie er es selten tat. Ein Lächeln der Förmlichkeit fern, ein Lächeln voller Zufriedenkeit und Dank.


    "Ja, mit dir an meiner Seite bin ich reicher als ein Crassus, ehrenvoller als ein Caesar und stärker als ein Hannibal oder Alexander der Große. Zukünftige, den Göttern werde ich stets für den Gang zum Tempel der Venus danken, der mich zu dir führte."

    "Mögen die Götter Euch schützen, mein Kaiser. Auch ich wünsche Euch alles Gute, vale."


    Sagte Furianus brav auf und verneigte sich ein weiteres Mal, bis er sich dann nach des Kaisers Weggang auch zurückziehen wollte, jedoch den Senator Quarto erblickte, welcher sich im Hintergrund aufhielt.


    "Senator, könnte ich dich sprechen?"

    "Nun."


    Sagte er eloquent und schien lange zu überlegen, bevor er schließlich fortfuhr.


    "In Tarraco selbst sind mir keine Veränderungen aufgefallen, zwar weiß ich nicht wie es vor meinem Kommen aussah, doch während meines Aufenthaltes geschah nicht wirklich viel, außer der den Vigiles zur Verfügung gestellten Station.
    Vor den Toren Tarracos tat sich jedoch viel, da ich durch den kaiserlichen Auftrag die beiden Areale der ehemaligen Kastelle verwertet habe."


    Kurze Zeit später kam auch schon der erste Sklave mit einer Karaffe verdünnten Weines und zwei Bechern, die sogleich befüllt und an die Herren gereicht wurden.