Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    "Die Namen", verlangte ich dennoch zu wissen, legte die Arme auf den Rücken und wartete darauf, dass sie mir genannt wurden. Es wirkte ganz so, als hätte ich genau richtig reagiert, und das instinktiv. Verwunderlich. Und doch war ich zufrieden damit.


    Nebenbei musterte ich das castellum eingehender. Holz reihte sich an Holz, es sah ganz und gar nicht einladend aus, aber welcher Militärstützpunkt wirkte schon einladend? Immerhin verfolgte die Sache einen ganz bestimmten Zweck, und die war ganz sicherlich nicht der Umstand, Besuchern die Gastfreundschaft zu gewähren. Fragend wanderte mein Blick nun wieder zu den drei Nasen vor dem Tor, die sich vielleicht gedacht hatten, sie könnten sich mit dem neuen, unbeholfenen tribunus einen Scherz erlauben. Das war ja gehörig nach hinten losgegangen.


    In diesem Moment tauchte ein centurio auf, wie ich anhand des Helmes schnell feststellte. Verwirrend, das Ganze. Mussten nun die milites Rede und antwort stellen oder sollte besser ich selbst erklären? Nein, dachte ich mir, als tribunus laticlavius war ich nach dem legatus legionis der ranghöchste Offizier. Ich musste mich einem centurio gegenüber nicht rechtfertigen. Daher entschloss ich mich, für ein paar kritische Worte. Sich vorzustellen war sicher auch nicht verkehrt.


    "salve centurio! Die drei Herrschaften haben sich soeben freiwillig gemeldet, die nächsten zwei Wochen den Latrinendienst zu absolvieren", sagte ich und verkniff mir den schadenfrohen Blick keinesfalls. Ich ließ die drei Soldaten stehen und ging die paar Schritte zum centurio hinüber.


    "tribunus laticlavius Aurelius Corvinus", sagte ich und nickte dem Mann zu.

    Interessiert verfolgte ich das Geschehen, welches meine Ankunft nach sich zog. Das Gelächter entging mir keinesfalls, und auch wenn ich noch nicht wusste, wie man sich als Tribun am besten verhielt, so war ich mir dennoch des hohen Offiziersranges und auch meiner Patrizierwürde bewusst. Daher konnte ich dieses Verhalten nicht mit mir vereinbaren. Automatisch würde mein Ton ein Stück kühler, als ich verlangte:


    "milites, eure Namen! Ist das hier ein Kindergarten oder ein Militärstützpunkt? Seit wann wird man als Offizier in dieser Kindermanier gegrüßt? Was gibt es da hinten zu lachen? Und nehmt gefälligst Haltung an, wenn ich mit euch rede!"


    Automatisch war ich immer lauter geworden, und zum Schluss standen mir gar Ärgernisfalten auf der Stirn. Eines war klar, diese drei Herren würde ich persönlich zum Latrinendienst verdonnern, und zwar, sobald ich in Erfahrung gebracht hatte, welche Formalia ich dabei beachten musste.

    Frauen haben eher eine tunica intima getragen als das subligaculum. Aber wie dem auch sei, es sollte jemand im Wiki ändern, dass man durchaus eine Unterhose :D kannte. Inwiefern die allerdings störend war, kann ich mir gerade nicht vorstellen, Immerhin konnte die ja recht eng anliegen, je nach "Schnürungsfaktor".


    Was die Schuhe betrifft: Gut, danke, dann weiß ich Bescheid.

    Zitat

    zu 1: Gleicher Artikel zu den Carbatinae
    "Bei Offizieren war der auch im Zivilen gebräuchliche Calceus verbreitet."


    Ja, gelesen habe ich das auch. Allerdings hat man bei den bisherigen militärischen Größen des IRs stets nur von caligae gelesen, aber nie von calcei, weshalb ich das gern bestätigt haben würde.


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    Zu 3: Carbatina. (So behauptet es auch mein schlaues Büchlein, Privatleben der Griechen und Römer)


    Ich gestehe, ich habe in meinem gar nicht nachgeschaut. 8)


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    Zu 2: Ich hätte ja spontan getippt, das war mehr bei den Frauen verbreitet. Aber jetzt, leider nur durch google gefunden, hab ich selbiges auch bei Männern gelesen.


    Richtig. Vielleicht hat jemand eine historische Quelle.

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    Original von Lucius Germanicus Maximianus
    das ist doch alles Schmarrn.


    wieviele gibts denn mittlerweile solcher tage? da blickt doch kein normalsterblicher mehr durch. und wir bekommen dann immer auf die mütze wenn man mal nen tag vergisst.... wen wunderts :D 8)


    Was gibt es denn da: Geburtstag, Jahrestag, Hochzeitstag, Frauentag, Muttertag, ....sonst noch was?


    Außer den üblichen "Feier"tagen wie Weihnachten, Ostern, Nikolaus, Silvester und so, wo man lieb zu seiner Freundin oder Frau ist oder sein sollte...? Ist doch gar nicht so viel. Und mit einem Kalender vergisst man(n) auch nichts (weshalb ich stets alles eintrage :D).


    Lasst den Frauen doch ihren Spaß, wir haben unseren dafür an den restlichen 353 Tagen im Jahr... 8)


    edit: Valentinstag. Also nur noch 352 Tage. Erschreckend wenig. :D

    Als neu ernannter Tribun will man ja gut vorbereitet sein, daher habe ich mir mal das Wiki zu Gemüte geführt. :D
    Dabei haben sich bei mir folgende Fragen ergeben:



    1) Trugen hochrangige Offiziere nun calcei oder caligae?
    2) "Unterhosen waren bei den Römern nicht bekannt." - Ich habe gelesen, dass die Römer das so genannte subligaculum kannten und auch trugen, eine Art Tuch, das an den Hüften geknotet wurde. Frauen trugen hingegen die tunica intima und kannten sogar eine Art Büstenhalter, das strophium. Was stmmt nun?
    3) ist keine Frage, eher ein Hinweis: Schreibt man cabatinae nicht ohne R?

    Misstrauisch war ich einige Male auf und ab gegangen, als Camryn mit dem Einkleiden fertig war. Zum Glück wusste wenigstens sie, was sie tat, ich wusste es nämlich nicht. Einzig die calcei waren mir vertraut, alles andere war gewöhnungsbedürftig und störte zuerst, bis Camryn schließlich den Kopf geschüttelt hatte und mir caligae reichte, die ich seufzend anstelle der calcei anzog. In der mit dem cingulum militare gerefften tunica kam ich mir irgendwie nackt vor, es war kühl und wirkte seltsam. Daher hatte ich mich auch mit dem paenulum ausstatten lassen. Ein Wunder, wie viel so wenig Stoff doch kostete, wenn man keine Billigware wie die eines gewöhnlichen miles nehmen wollte. Derart ausgestattet, hatte ich mich vor dem Spiegel gedreht und gewendet, abschließend zur Zierde noch einen schmalen pugio mit reich verziertem Griff in den Gürtel gesteckt und meinem Spiegelbild zugenickt.


    Auf die Sänfte hatte ich dieses Mal verzichtet und so war ich zu Fuß gekommen. Als ich nur noch zwanzig Schritt von der porta praetoria entfernt war, überlegte ich, wie ich mich am besten vorstellte. Sollte ich nach Namen und Dienstgrad des wachhabenden Soldaten verlangen oder schlicht ein Gespräch mit dem Legaten verlangen, der gegenwärtig noch Decimus Meridius sein musste? Ich grübelte immer noch darüber nach, als ich schließlich vor dem Tor stehen blieb, und entschloss mich dann kurzerhand für eine Mischung aus beidem.


    "miles, der tribunus laticlavius Aurelius Corvinus wünscht mit dem legatus zu sprechen", sagte ich mit sicherer Stimme, auch wenn ich eigentlich gar nicht wusste, ob ich mich dieserart zum Lacher machte oder Respekt einflößte. Mir fehlte einfach die Erfahrung, und ich hoffte, die würde ich schnell gewinnen.

    Ich hatte sie nicht gehört. Wie auch? Auf lautlosen Sohlen hatte sie sich von hinten angeschlichen, das kleine Biest, und erschreckte mich nun, indem sie so urplötzlich etwas kommentierte, das doch eigentlich leise gewesen und nur für Drakontios bestimmt war. Ich wandte mich um und blinzelte Deandra an, die in fertiger Reisemontur vor mir stand und mich anschmunzelte.


    "Zu spät", entgegnete ich gespielt bedauernd und hob in hilfloser Manier die Schultern.
    "Nun wirst du mit mir leben müssen. Camryn? Hole die Ketten, Deandra möchte einsteigen."


    Diabolisch feixend griff ich nach ihrem Kopf und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.


    "Damit ist das Wichtigste auch hier. Steigt schon mal ein. Ach ja, Helena wird auch mitkommen. Du kennst sie ja vielleicht noch, sie hat uns als kleines Mädchen ständig getriezt. Meistens war sie da, wenn du weg warst - und ich habe alles allein ertragen müssen."


    Ich deutete in Helenas Richtung und zwinkerte ihr zu zum Zeichen, dass es nicht ernst zu nehmen war, wie ich sie neckte. Bei Gelegenheit, so war ich sicher, würde sie mit schlagkräftigen Worten zum Gegenangriff ausholen. Vorerst aber runzelte ich die Stirn über Assindius' Axt-im-Walde-Verhalten und deutete wieder auf die Reisekutsche.


    "Geht schon, ich komme gleich nach," sagte ich zu den Umherstehenden. Ich begab mich zu Camryn, sah sie fragend an und wechselte einige Worte mit ihr, dann suchte ich Assindius und teilte ihm mit, dass er die Kutsche übernehmen sollte. Schließlich waren alle fertig, die letzten Sklaven kletterten gerade auf den Karren mit den Felldecken und die zurückbleibenden winkten verhalten. Wenn die Katze aus dem Haus ist.... dachte ich mit einem Fuß schon in der Kutsche und mit einem unguten Gefühl im Bauch. Dann gab es einen Ruck und das Reisegefährt setzte sich in Bewegung, um in nicht allzu ferner Zukunft die Alpen zu überqueren und Mogontiacum entgegenzusteuern. Ich würde Mantua und meine Familie vermissen.



    Sim-Off:

    umgemeldet :)

    Nachdem alles gesagt worden war, was gesagt werden musste, läutete Vesuvianus den Aufbruch ein. Er erhob sich, und ich tat es ihm gleich, das gebot die Höflichkeit. Ob der guten Wünsche neigte ich den Kopf.


    "Mögen sie auch mit dir sein", erwiderte ich den Abschiedsgruß und sah ihm nach, wie er das triclinium verließ. So stand ich, bis die Tür zuschlug und der Hausherr seine villa verlassen hatte. Erst dann wandte ich mich langsam um und sah zu Deandra herunter. Ein verschmitztes Schmunzeln erschien auf meinen Zügen und ich streckte die Hände nach ihr aus.


    "Na komm", sagte ich leise und wartete darauf, dass sie meiner Geste Folge leistete, um sie daraufhin herzlich zu umarmen. Es war doch noch alles gut gegangen, auch wenn es zuerst wie ein Sieg auf ganzer Linie für Sophus ausgesehen hatte. Noch konnte ich nicht fassen, dass sie wirklich mitkommen und irgendwann sogar meine Frau sein würde. Ich drückte sie an mich und seufzte zufrieden. Ich mochte zwar zuversichtlich in die villa gekommen sein, doch zwischenzeitlich war ich auf eine harte Probe gestellt worden. Deandra würde sicher alles erfahren wollen, wie ich sie kannte, also deutete ich nach einer halben Ewigkeit, die wir so dastanden, mit dem Kopf nach draußen.


    "Gehen wir etwas?"

    Über die Freude der plötzlichen Zusage hinweg hatte ich einen wichtigen Teil der Heirat absolut vergessen. Ich stutzte und wandte meine Aufmerksamkeit nun wieder Vesuvianus zu, innerlich leicht peinlich berührt darüber, dass ich die Mitgift vergessen hatte, äußerlich wieder geschäftlich ernst.


    "Grundstücke", wiederholte ich und dachte nach. Das wäre in der Tat eine Idee. Sollte ich Geld brauchen, würde ich sie verkaufen können, wenn nicht, bildeten sie eine gute Grundlage. Natürlich käme es darauf an, wo sie lagen. Aber an sich eine gute Idee. So nickte ich.


    "Mit Grundstücken wäre ich durchaus einverstanden, Vesuvianus."
    Ich wollte ihn auch nicht weiter aufhalten, vielmehr den Spaziergang mit Deandra genießen, doch hätte ich es als unhöflich empfunden, einfach so aufzustehen und zu gehen, ohne dazu aufgefordert worden zu sein.

    Das Resümee aus Deandras Worten war mir durchaus schon bekannt, doch die Art, wie sie es sagte, ließ mich erfreut lächeln. Vesuvianus schien nur mehr halb im Raum zu sein, nicht annähernd mehr so wichtig wie die Person, die ihm nun einen sanften Kuss auf die Wange setzte und sich dann in meine Nähe begab und sich auf dem Fußende meiner cline niederließ. Ich konnte durchaus nachvollziehen, dass es für sie nicht gerade schön war, wie ein besonders kostbares Schmuckstück gehandelt zu werden, aber man(n) musste sich eben anpassen, und das Aushandeln einer Ehe war nun einmal eine Angelegenheit, in der Gefühle eine untergeordnete Rolle spielten oder zumindest spielen sollten. Ich sehnte mich nach einem Spaziergang, dem Moment, an dem wir allein sein würden. Ihre flüchtige Geste, das Handauflegen, interpretierte ich als zaghaften Versuch, Zuneigung gezeigt zu bekommen. Ich mochte in Situationen, die es verlangten, ernst und beherrscht sein, doch sah ich hier keinen Grund mehr, meine Freude zu verbergen. Also rutschte ich von meiner mittigen Sitzposition zum Ende der Liege und legte einen Arm um Deandra herum, sie im für Vesuvianus Verborgenen kurz streichelnd. Erst dann sah ich ihren Vater wieder an.


    "Ich plane, in drei Tagen abzureisen. Meine Angelegenheiten werden bis dato geregelt sein. Sofern euch dieser Termin zusagt, werde ich meine Sklaven anweisen, Deandras Reisegut an jenem Vormittag abzuholen. Ich hoffe nur, dass in den Alpen der Schnee nicht mehr zu allzu hoch liegt. Eine größere Verzögerung möchte ich mir eigentlich nicht leisten, und der Weg ist weit."


    Ich warf einen Blick aus dem Fenster und sah danach Deandra an und wieder zurück.


    "Die sponsalia werden wir verständlicherweise erst nach unserer Rückkehr feiern können. Das sollte allerdings kein großes Problem darstellen. Ich möchte nun gar nicht länger stören, du hast sicherlich noch andere Angelegenheiten zu regeln, Vesuvianus. Ich danke dir. Deandra, hättest du vielleicht noch Lust auf einen kleinen Spaziergang?" fragte ich und lächelte sie nun an.

    Ich musste mich definitiv erst noch daran gewöhnen, dass man mich nun mit "Tribun" ansprach. Im ersten Moment reagierte ich gar nicht, dann dämmerte mir, dass er kaum einen Sklaven meinen konnte, und so wandte ich mich bei Helena stehend um und sah meinen scriba aufgebracht näher kommen, während Assindius, der mit dem claudischen Karren vorgefahren war, seltsame Lieder sang und komische Bewegungen dabei machte. Ich unterdrückte den Impuls, dem komischen Kauz einen Vogel zu zeigen und schüttelte lediglich den Kopf ob dieses seltsamen Verhaltens. Aber was hatte ich auch anderes erwartet - immerhin war er ein Germane. DER Germane, wie Drakontios nun fingerzeigend keifte. Ich sah Assinidus an und wieder zurück zu Drakontios, und ein breites Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus.


    "Das, mein Lieber, ist Assindius. Der Leibsklave meiner zukünftigen Verlobten" erklärte ich schmunzelnd. Ich beugte mich etwas vor und sprach nun leiser.
    "Du wirst dich wohl oder übel damit abfinden müssen, dass er mitkommt. Er ist zwar ungehobelt, unhöflich ein durch und durch Barbar, aber ein vortrefflicher custos corporis. Deandra schätzt ihn sehr. Geh ihm einfach aus dem Weg - oder gib ihm eine Denkaufgabe, das beschäftigt ihn meist stundenlang", riet ich ihm, Assindius dabei schadenfroh angrinsend.


    "Wo ist Deandra eigentlich? Und wie weit sind wir hier?" fragte ich laut und blickte in die Runde. Es kamen inzwischen keine Sklaven mehr aus der villa aurelia, daher musste der Wagen fertig gepackt sein. In der Theorie wären wir fertig zur Abreise. Nur das wichtigste fehlte noch: Deandra.

    Es war durchaus eine Art Verhör, in dem Deandra jetzt steckte. Ich hätte ihr gern die Fragen erspart oder ihr zumindest geholfen, aber sie würde da allein durch müssen. Mein Blick blieb kühl und ernst, auch als sie errötete und vermutlich an dasselbe dachte wie ich in jenem Moment. Vesuvianus beobachtete mich, das konnte ich spüren, und ich gab den Anschein, unberührt von ihrem Geständnis zu sein, auch wenn ich natürlich etwas dabei empfand, als sie von Verliebtheit sprach.


    Auch nachdem Deandra geendet hatte, schwieg er noch, und inun war ich es, der ihn gezielt beobachtete, jedoch nichts anhand seiner Miene ablesen konnte. Das Herz kräftig klopfend, sah ich zu Deandra und anschließend wieder zurück zu ihrem Vater, da dieser nun das Wort erhob. Endlos schien sich der Satzanfang dehnen zu wollen. Und dann sprach er die Worte, die mir augenblicklich ein Lächeln abrangen. Ich atmete auf und wirkte stolz, was sich auch auf die Körperhaltung niederschlug. Mit Deandra tauschte ich einen kurzen Blick, dann setzte ich zu einer Antwort an.


    "Dein Vertrauen ist mir eine Ehre, Vesuvianus. Ich werde dir deine Tochter wohlbehalten wieder zurück bringen. Hab Dank."


    Ich senkte den Kopf und verharrte zwei, drei Herzschläge lang in dieser angedeuteten Verbeugungshaltung, dann blickte ich zur Dame des Herzens hinüber und stellte ihr die Frage, dich wichtig für mich war, obwohl ich doch Deandras Antwort hierauf bereits kannte.


    "Möchtest du mit mir nach Germanien reisen?"

    Während Vesuvianus und ich warteten, verging eine geraume Zeit. Ich wollte nicht so unhöflich erscheinen und mich erneut dem ientaculum widmen, und so nahm ich eher häppchenweise Dinge vom Teller und verzehrte sie in appetitanregend langsamer Manier. Man hörte ja hier und dort, dass Frauen schrecklich lange brauchten, ehe sie sich in gesellschaft begeben konnten. Gestern Abend hatte ich die Deandra, die ich unter der Schminke gefunden hatte, auf eine andere Art hübscher gefunden als jene, die sich für Feste einschminken ließ. Vielleicht war aber der ursprüngliche Anblick nur dem Geliebten gestattet, überlegte ich gerade, als der Sonnenschein den Raum betrat und fröhlich grüßend die Situation etwas lockerte. Ich lächelte sie an, doch mein Gesicht wies gleichzeitig jenen Gesichtsausdruck auf, den ein Knabe wohl haben mochte, wenn er in der Patsche steckte und nun beim Vater einen starken Willen beweisen musste oder unwillkürlich scheitern musste.


    "Guten Morgen, Deandra", sagte ich leiser als eben und recht schlicht. Mehr sagte ich nicht, sondern beließ es bei einem Blick, den nur sie zurecht deuten mochte. Alles weiter hing nun daran, was Vesuvianus sagen würde.

    Ich nickte geflissentlich. Es würde sich also hier und jetzt entscheiden, ob ich allein und mit Trauer nach Germanien reisen musste oder die Frau mit mir nehmen durfte, die ich dereinst ehelichen würde. Vesuvianus' Sicht der Dinge konnte ich durchaus nachvollziehen und hätte an seiner Statt vermutlich gleichwertig gehandelt, aber er hatte eben bereits deutlich gemacht, dass er viel Wert darauf legte, die alten Absprachen gebührend zu beachten. Die innere Anspannung in mir wuchs. Allerdings war es so wie es nun kam, besser als wenn Deandra und ich noch während meines gesamten Aufenthaltes in Germanien, mit ihr oder ohne sie, warten mussten und uns im Ungewissen befanden.


    Wir beide saßen uns nun also gegenüber und die Spannung im Raum war kaum mehr auszuhalten. Gern wäre ich aufgestanden und etwas auf und ab spaziert, aber der Anstand gebot mir, sitzen zu bleiben und auf Deandras Ankunft zu warten.


    "Ich würde sie stets mit meinem Leben beschützen, wie deine Entscheidung auch immer ausfallen mag", gab ich betont wider und offenbarte damit, dass ich gewiss nicht nur eine zweckfördernde Ehe eingehen wollte, sondern ausnahmsweise einmal echte Gefühle dahinter standen, was heutzutage rar war in der Gesellschaft.

    Direkt hinter dem armen Würstchen trat auch ich aus der villa und sog prüfend die Luft ein. Nicht zu warm und nicht zu kalt. Ich nickte gefällig und begab mich in meiner blauen Reisetunica, den Stiefeln und dem Fellüberwurf die Stufen herunter und ein paar Schritte nach links, der villa claudia entgegen. Neben Helena verweilte ich und schenkte ihr ein Lächeln. Viel Zeit hatte ich nicht übrig gehabt für sie während der letzten Tage, und ich bedauerte diesen Umstand durchaus. Die Worte Helenas waren zwar bereits verklungen, als ich eintraf, doch Helenas Gesichtsausdruck, als sie Marina nach sah, sprach Bände. Demonstrativ sah auch ich der Sklavin nach und ignorierte meine eigene daher völlig, wenn auch unbeabsichtigt. Neben der Kutsche standen wir also, als ich das Wort an meine Base richtete.


    "Na, groß genug?" fragte ich amüsiert von hinten. Vor dem Gefährt wieherte einer der zwei Rappen, als er angespannt wurde. Fehlten nur noch drei, denn Aintzane war auch schon da.


    "Ich habe tris, das ludus latrunculorum* und noch ein paar andere einpacken lassen, damit uns auf der Reise nicht allzu langweilig wird. Irgendeiner von uns wird Deandra sicher schlagen, auch wenn sie während der letzten drei jahre unbesiegbar in jedem Brettspiel erschien."


    Gut gelaunt besah ich mir den ersten der beiden Karren, auf welchem sich bereits Gepäck und Proviant befanden. Auf dem zweiten Karren lagen dicke Felldecken und einige Kissen, schließlich war ich kein Unmensch und wusste, dass es selbst tagsüber kühl sein würde. Die Sklaven sollten nicht frieren oder kränkeln, davon hätte nämlich niemand etwas.



    *Brettspiele

    Ich ließ dem Claudier die Zeit, die er benötigte, betrachtete ihn während dieser Phase jedoch aufmerksam. Es gab nichts, das ich nicht anders hätte sagen wollen oder auch können, und so war auch die Bitte nach der Entscheidungsverschiebung auf einen späteren Zeitpunkt gerechtfertigt und an die Worte Vesuvianus' angelehnt.


    "Wenn du deine Entscheidung auf ein Datum setzt, dass sich rund einen Mondwechsel nach unserer Rückkehr aus Germanien befindet, so würdest du Sophus nicht außen vor lassen. So ungern ich diesen Vorschlag auch mache, aber wir hätten alle etwas davon. Und zusätzlich bliebe dir stets die Möglichkeit offen, einen von uns beiden noch vorher abzulehnen."


    Unsere Blicke trafen sich, und Vesuvianus mochte erkennen, dass ich ganz sicher nicht gewillt war, Deandra hier zu lassen. Immerhin räumte ich mir selbst sogar die Möglichkeit ein, gegen Sophus zu verlieren, sollte jener sich wider erwarten an die altvordere Abmachung erinnern. Gedankenverloren griff ich nach dem Becher mit Wasser und drehte ihn abwägend in den Händen.

    Sim-Off:

    Ups. :D Wurdest du glatt romanisiert... 8)


    Er trug all seine Sachen bei sich? Eine tunica? Keinen Kamm? Gut, das war ersichtlich. Aber dennoch hob ich die Brauen und wirkte erstaunt, und schon griff ich wieder in eine Schublade und suchte nach etwas, das nach einigem Stöbern leise klimperte. Während ich im Geiste zählte, antwortete ich ihm.


    "Das Kannst du gern tun. Im Grunde werden uns alle im Haus befindlichen Sklaven nach Germanien begleiten, ausgenommen Noralf, Tullia und diejenigen, die für die Instandhaltung der villa verantwortlich sind. Meine Leibsklavin ist Camryn, allerdings steckt sie derzeitig in den Planungen der Abreise. Ich denke, auf der Reise nach Mogontiacum wird uns darüberhinaus noch genug Zeit bleiben, um uns pber Grundlegendes zu unterhalten."


    Meine Hand förderte nun einen kleinen Lederbeutel zu Tage, der beim Aufsetzen auf den Tisch erneut leise klimperte.


    "Solltest du wirklich alles bei dir tragen, was du besitzt, möchte ich, dass du dir hiervon warme Kleidung kaufst und das, was du sonst noch benötigst. Germanien ist kühl im Frühjahr", kommentierte ich und deutete auf das Säckchen.


    Sim-Off:

    WiSim :D