Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Während seiner meiner Meinung nach ziemlich zutreffenden Beschreibung hinsichtlich der freien Germanen hatte ich unweigerlich Assindius' Antlitz vor meinem inneren Auge. Wie wahr, wie wahr, dachte ich in einem Schmunzeln und nahm einen Bogen Pergament aus der Schublade.


    "Sehr schön, Drakontius. Dann bis du ab heute mein neuer scriba personalis."
    Ich grinste vorfreudig, als ich mir sein Zusammentreffen mit Livius Pyrrus ausmalte. Der alte Griesgram wäre sicherlich nicht sonderlich angetan von dieser Neuerung. Ich hielt die Summe der Entohnung, den Namen und die gesonderte Extra-Entlohnung auf dem Pergament fest, unterschrieb und siegelte mit dem Ring, den ich von Cicero erhalten hatte. Anschließend reichte ich ihm den 'Vertrag', wenn man es denn so nennen mochte.



    "So. Damit du etwas in der Hand hast", erklärte ich.
    "Was die Abreise betrifft: Ich wollte in fünf Tagen aufbrechen. Lasse deine Sachen von aurelischen Sklaven herschaffen, entweder jetzt oder später, du könntest solange auch hier nächtigen. Wie es dir beliebt, nur lass es mich vorher wissen."


    Ich sah den scriba an. Er schein mir fähig zu sein, und ich freute mich bereits auf die Zusammenarbeit mit ihm, die wohl um einiges spaßiger werden dürfte als mit Livius Pyrrus...

    Unsere Bliche trafen sich und ich musste schmunzeln. Ihr fiel das gleiche ein wie mir, und in ihren Augen erkannte ich den Willen, mit mir zu kommen.


    "Richtig. Jetzt müssen wir nur noch deinen Vater davon überzeugen, dass er es mir gestattet, dich mitzunehmen. Die villa in Mogontiacum steht leer. Mit genügens Sklaven könntest du sie schön herrichten lassen. Und allzu weit bis zum Kastell ist es doch auch nicht von dort. Ich könnte sicher abends dort schlafen", überlegte ich, lächelte dann jedoch und schüttelte den Kopf.
    "Ah, ich denke schon viel zu weit im Voraus. Fragen wir deinen Vater und planen erst anschließend. Schön wäre es allemal."


    Ohne Zweifel war es Wunschdenken gewesen, das mich einen kurzen Moment in seiner Gewalt gehabt hatte. Nun fragte ich mich, wie Vesuvianus reagieren mochte, wenn ich ihn darum bat, Deandra mit mir nehmen zu dürfen. Ich sah prüfend in die Arena. Das Rennen war beendet, die ersten Zuschauer brachen auf. Ich deutete Deandra ebenfalls, aufzustehen und geleitete sie durch die Menschenmassen hindurch zurück zum Eingang, wo aurelische Sklaven uns in Empfang nahmen und in Deandra die Sänfte halten. Kurze zeit später befanden wir uns auf dem Rückweg in die villa aurelia.

    Mit vollkommener Zustimmung allerdings konnte Vesuvianus meinerseits nicht rechnen. Zum einen missbilligte ich die Entscheidung Sophus betreffend, stand doch außer Frage, dass er während der zwei verganenen Jahre keinerlei Anstalten gemacht hatte, um Deandra zu werben und sich vollkommen auf die Absprachen verlassen hatte. Außerdem schien es dem Claudier nicht gänzlich unwichtig zu sein, was Deandra dazu zu sagen hatte, weswegen ich seine Reaktion noch weniger verstand. Vermutlich aber, so glaubte ich, war es der einzige Mittelweg, den er als angemessen erachtet, um Sophus nicht zu erzürnen. Es tat sich allerdings noch ein weiteres Problem auf. Ich würde nach Germanien gehen, Deandra wollte mich begleiten. Meine Stirn legte sich in Falten, und ich sah nicht glücklich aus, was sicherlich auch Vesuvianus auffiel.


    "Ich möchte weder dich in deiner Entscheidung kritisieren noch den Zorn Sophus' auf mich lenken, doch frage ich mich, ob denn die Unentschlossenheit meines Vetters und die Bestätigung Deandras nicht aussagekräftig genug ist, um deine Entscheidung in anderer Weise zu beeinflussen. Hm. Ich könnte dir allerdings auch nicht sagen, wie ich an deiner statt reagieren würde, dazu bin ich vermutlich zu jung und definitiv zu unerfahren was die Vaterschaft anbelangt."


    Auch mir dürstete es, deswegen trank ich ebenfalls einen Schluck und überlegte, wie ich es bewerkstelligen sollte, Deandra mit nach Germanien nehmen zu dürfen. Ich stellte den Becher ab und betrachtete den ergrauten Mann mir gegenüber genauer. Statt Sophus' Chance zu berücksichtigen, entschloss ich mich, egoistisch zu sein.


    "Vesuvianus, du weißt, dass ich in wenigen Tagen nach Germanien reisen werde, um unserem Kaiser dortin der secunda germanica als tribunus laticlavius zu dienen. Wie könnte ich meinen Konkurrenten nötigenfalls ausstechen, wenn ich doch in der Ferne weile?"


    Ein kritischer Blick, in dem sich auch Besorgnis widerspiegelte, traf den Claudier, der als Soldat wissen musste, dass man auch nur wenig Freizeit zum Schreiben in die Heimat hatte.


    "Ich bitte dich, wenigstens den Termin der Entscheidung herauszuschieben, bis ich meinem Anliegen angemessen Handeln kann. Und dir größte Bitte, die ich derweil habe ist, mir Deandra für die Zeit anzuvertrauen, die ich in Germanien weilen werde. Bevor du etwas sagst, Claudiius, höre mir zu", bat ich ihn, noch ehe er etwas einwenden konnte.


    "In Mogontiacum steht eine aurelische villa, längst nicht so groß und geräumig wie die hiesige, und doch groß genug für alle. Meine Cousine wird mich ebenfalls begleiten, sodass sie in bester Gesellschaft wäre, solange ich im castellum meiner Tätigkeit nachgehe. Ich werde dir beim Steiin des iuppiter schwören, sie nicht anzurühren und ihr stets das beste angedeihen zu lassen, wenn du mir nur erlaubst, sie mitzunehmen."


    Ich senkte den Kopf auf die Brust. Eine demütige Haltung, die mir in diesem Moment der Bitte jedoch mehr als angebracht erschien. Schweigend wartete ich ab, ob nun Stille oder ein Donnerwetter folgen würde.

    Als am Abend die Sonne unterging, befand sich Pyrrus mit einer ansehnlichen Beule und einem violettbläulich schimmernden Auge zu Hause im Bett. Allerdings ließ sein Zustand erahnen, dass er bald wieder auf dem Damm sein würde, denn er kommandierte seinen abgerissenen Sklaven bereits wieder ausgiebig herum.


    Die Arbeit allerdings wurde auch ohne seine Anwesenheit fortgesetzt. Schließlich tat er nie etwas anderes, außer herumzusitzen und grimmig zu schauen. Seine Stelle als Aufpasser nahm nun Brutus ein, ein Sklave, der statt herumsitzen draußen stand und mit anpackte. Auf diese Weise erledigten die gut einhundert Sklavenhände einen Großteil der noch ausstehenden Arbeit an insgesamt zwei Tagen. Sie kamen schneller voran als mit Pyrrus im Genick, der immer wieder störend, aber aus eigener Sicht gerechtfertigt intervenierte.


    Am Morgen des dritten Tages ließ es sich der alte Haudegen nicht nehmen und erschien mit einem monströsen Verband um den Kopf herum auf der Baustelle. Er bestellte Brutus recht bald danach zu sich. Wenn man später einen der Sklaven fragte, was im Zelt vorgefallen war, so schüttelte jener nur den Kopf und suchte nach einer fadenscheinigen Ausrede, um nicht reden zu müssen. Den armen Brutus jedenfalls sah man so schnell nicht wieder auf der Baustelle, obwohl er sicherlich nicht mit dem Ochsen in Verbindung gebracht werden konnte.


    Erneute zwei Tage später beaufsichtigte Pyrrus, nun ohne Verband, die Arbeiter beim Zusammenräumen der Grabeutensilien und sonstigen Ausrüstungsgegenstände. Sie waren hier fertig, ihr Teil erledigt. Was nun folgen musste, war die Begrünung, und hierfür kamen Sklaven aus Baiae. Warum gerade aus dem Süden, das wusste vermutlich nur der duumvir selbst. Vielleicht hatte er, was wirklich den Tatsachen entsprach, dort eine Parkanlage gesehen, die ihm sehr gefallen hatte und die er nun nachahmen wollte. Die Begrünungssklaven würden in der folgenden Woche kommen.

    Die Wägen zogen unten im Sand der Arena ihre Bahn, kommentiert von zweien und beobachtet von tausenden von Zuschauern, die sich heute hier eingefunden hatten. An mir allerdings ging es eher am Rande vorbei. Viel zu aufgeregt war ich und viel zu sehr nahm mich meine Begleitung ein.


    "Du wirst mir auch fehlen. Wir werden ganz sicher in Briefkontakt bleiben", verpsrach ich und runzelte die Stirn. Meine Gedanken betrafen einen anderen Aurelier, bei dem es vermutlich ähnlich gewesen war. Erst das Militär, dann schier unendliches Warten. Wollte ich genauso sein?


    "Es sei denn..." mumelte ich und fragte mich, was wohl wäre, wenn ich nicht allein reisen, sondern sie mitnehmen würde. Täte Vesuvianus das überhaupt erlauben? Immerhin ging es nicht nur um ein paar Wochen, sondern um mehrere Monate, von der Gefahr, welche die Reuse bergen musste, einmal ganz abgesehen. Ich blinzelte angestrengt und sah Deandra dabei an.

    Vielleicht würde ich jemanden finden, der mir privat Unterricht erteilte, ehe ich mich absolut blamieren würde. Andererseits war ich auch nur ein Mensch. Und wenn ich Glück hatte, würde ich vielleicht gar nicht reiten müssen, auch wenn das vermutlich Wunschdenken war und ein Tribun, der sich mit einer Sänfte herumtragen ließ, vermutlich der Lacher der Legion werden würde. In meine Gedanken hinein erklangen die abweisenden Worte Helenas, und ich seufzte leise.


    "Überlege es dir bitte, Helena. Mir - und vermutlich auch deinem Vater - wäre es lieber, wenn du nach deiner Ankunft hier nicht nur von Sklaven umgeben wärest. Ich kann und will an der gegenwärtigen Situation nichts ändern, daraus resultiert meine Bitte. Es ist stets ein Privileg, dem Kaiser dienen zu dürfen", gab ich nun strenger zurück als gerade eben noch. Doch schon im nächsten Moment verwirrte mich ihre beruhigende Geste, denn sie legte die Hand auf meinen Oberschenkel. Ich sah darauf hinab und hörte ihre Entschuldigung mehr am Rande als bewusst. Zerstreut nickte ich und hatte gerade den Blick von ihrer Hand losgerissen und auf ihr Gesicht gelenkt, als ihre weichen Lippen mir einen Kuss auf die Wange hauchten und mich vollends verwirrten. Wieder nickte ich nur und gab ein recht qualifiziertes "Äh, ja." von mir. Noch einen Moment, nachdem Helena bereits verschwunden war, saß ich hier und dachte nach. Die Zeit bei der Tante hatte ihr wahrhaftig sehr gut getan. Sie schien reifer und verständiger als damals, hatte das mädchenhafte Zickentum zur Gänze abgelegt. Dass es gut verschlossen in einer Kammer ihres Herzens ruhte und bei Bedarf sehr schnell hervorgeholt werden konnte, ahnte ich nicht einmal.


    Eine Weile später stand auch ich auf, ließ Camryn zu mir kommen und trug ihr auf, für den Abend ein etwas anspruchsvolleres Mahl zu bereiten, da ich nicht, wie letzens übrig, allein, sondern in Begleitung speisen würde.

    Ich sah Deandra hilflos an und zuckte mit den Schultern.


    "Naja, es hätte ja sein können, dass man es als Frau lernt", vermutete ich ins Blaue hinein. Andererseits hatten auch Frauen ihre Sklaven, und wieso sollten sie lernen, wie man eine toga anlegte, wo sie selbst doch lediglich tunicae trugen. Mit den unzähligen wirren Stoffbahnen in den Händen betrachtete ich Deandra, wie sie nach ihrer palla angelte und sich notdürftig damit verdeckte. Erneut spürte ich den Anflug von Lust, denn der Anblick war wahrlich eine Augenweide, doch ich räusperte mich und folgte ihren Schritten mit den Augen zur Tür, wo sie klingelte. Kaum hatte sie sich wieder umgewandt, stand eine recht erschrocken wirkende Samira in der Tür und fragte sich vermutlich, was geschehen war. Sie wurde jedoch von Deandra unverzüglich beauftragt, mir zu helfen, und eben jenes ließ ich mit stoischer Gelassenheit über mich ergehen, bis ich erneut eingekleidet vor der kleinen Sklavin stand und mich knapp bedankte. Samira verließ nach einem fragenden Blick an Deandra und meiner Aufforderung dazu das Zimmer und ließ uns allein zurück. Sie sollte draußen warten und dann Deandra helfen. Ich überwand nun die geringe Distanz zwischen ihr und mir, zupfte an der palla und legte sie auf das Bett. Deandras nackten Körper ein letztes Mal innig umarmend, vergrub ich mein Gesicht in ihrem Haar und sog den Duft ein.


    "Wäre es nur schon Morgen und ich wieder bei dir."
    Ich hob den Kopf und sah sie an, ihren Kopf mit beiden Händen haltend und mit den Daumenkuppen sacht die Wangen streichelnd.
    "Ich wünsche dir angenehme Träume, Sonnenschein."


    Hier folgte nun ein letzter Abschiedskuss in Kombination mit einem liebevollen Lächeln, dann wandte ich mich um und verließ das cubiculum Deandras. Vor der Tür wartete Samira, die ich nun wieder hineinschickte. Ich selbst fand den Weg zurück zum Bankett, verweilte allerdings nicht mehr lang dort und entschuldigte mich recht bald.

    Ich lächelte schief ob ihrer Gratulaiton, neigte aber dennoch dankend den Kopf. Natürlich war sie nicht sonderlich erfreut darüber, dass ich fortreisen würde. Auch wenn ich lange Reisen ebenfalls nicht so sehr mochte, stand ich der Sache doch gänzlich anders gegenüber.


    "Auch für mich wird es eine Umstellung sein. ich hatte gehofft, der prima dienen zu dürfen, doch auch ein Amt im fernen Germanien birgt sowohl eine große Ehre als auch Erfahrung in sich. Der Kaiser selbst erteilte mir den Marschbefehl."


    Nach meiner Erwiderung überlegte ich einen Moment, was ich tun sollte, wenn sie sich weigern würde, mitzureisen. Ich konnte sie schlecht hierlassen, da ich selbst einen Großteil der aurelischen Sklaven mitnehmen würde. Immerhin galt es, die villa in Mogontiacum herrichten und wohlich machen zu lassen. Deandra ihrerseits würde vermutlich nur ihren Germanen und vielleichtAintzane mitnehmen, mir selbst genügte Camryn allerdings nicht, zumal sie wirklich miserabel kochte. ich fuhr mir mit der Hand über den Nacken und seufzte tief.


    "Du wirst sie mögen. Früher habt ihr euch auch verstanden, auch wenn ihr euch sehr selten nur gesehen habt. Vielleicht erkennt sie dich nicht sofot, aber ich bin mir sicher, dass ihr euch verstehen werdet."


    Wenn nicht, gab es nämlich ein Problem. Und zurücklassen wollte ich keinen der beiden. Deandra nicht, weil sie mir viel bedeutete, Helena nicht, weil sie nach ihrer langen Reise nicht schon wieder allein sein (und die ganze Stadt auf den Kopf stellen) sollte. Bezüglich ihrer Worte nickte ich ernst.


    "Es ist dringend, ja. Der Kaiser gab mir Zeit, um noch meine örtlichen Angelegenheiten zu regeln, doch ließ er keinen Zweifel daran, dass ich mich schnellstmöglichst auf den Weg machen sollte. Du wirst schon noch zwei oder drei Tage Zeit haben, hier zu verweilen, doch in vier Tagen wollte ich bereits unterwegs sein, spätestens. Schließlich ist das Amt ebenso Neuland für mich wie das Land an sich. Wir werden per Reisewagen gen Raetia reisen und von dort nach Mogontiacum."


    Als ich dies sagte, erschien vor meinem inneren Auge ein neues Problem: Meine Aversion Pferde betreffend. Ein Tribun, der nicht reiten konnte... So etwas hatte es vermutlich noch nie gegeben, oder doch? Hoffentlich ging ich nicht in die Annalen der legio secunda ein als tribunus non equester...

    Natürlich wachte sie auf. Oder war sie erst gar nicht eingeschlafen? Ich setzte sogleich eine ertappte Miene auf und richtete mich auf. Sie war nicht begeistert von meiner Absicht, den Raum zu verlassen und zu verschweigen, was in jenem vorgefallen war, und doch war es nötig. Ich blickte Deandra zerknirscht an und erklärte mich. Die Worte unterstrich ich mit einem liebevollen Streicheln ihrer Wange.


    "Nein. Aber ich muss. Man wird bemerken, dass ich fehle. Vielleicht wird man nach mir suchen, und die Götter allein wissen was passiert, wenn sie mich so an deiner Seite finden. Vermutlich würde Vesuvianus mich vierteilen lassen."


    Ich schauderte bei dem Gedanken daran und blickte Deandra ernst an. Das wenige Licht des Mondes erzeugte geheimnisvolle Lichtreflexe in ihren dunkeln Augen und ließ nun auch mich bedauernd seufzen.


    "Morgen früh werde ich wieder hier sein. Und dann rede ich mit Vesuvianus. Vielleicht ist im Anschluss Zeit für ein Spaziergang, hm? Aber jetzt musst du mich gehen lassen, ehe jemand etwas merkt und man uns ernsthafte Pfeiler in den Weg stellt."


    Ich küsste sie auf die Nasenspitze, lächelte aufmunternd und erhob mich dann, selbst widerwillig, aber mit genügend Nachdruck, da es wichtig war, dass ich nun ging. Mit Missbilligung nahm ich die klebrigen Hautstellen wahr, verzeichtete jedoch darauf, nach einem Tuch zu fragen und legte mir das subligaculum an. Die tunica folgte, und nach einem neuerlichen Abschiedskuss versuchte ich, mir selbst die toga anzulegen. Das Problem war allerdings, dass ich es nicht konnte. Hunderte Male hatte ich zugeschaut, im rechten Moment den Arm gehoben oder mich gedreht, und nun steckte ich in Schwierigkeiten. Schließlich seufzte ich und sah Deandra an.


    "Hm. Das wird so nichts. Du kannst mir nicht zufällig, helfen?"

    "Ich denke dennoch, dass wir den Soldaten selbst auch gute Plätze zur Verfügung stellen sollten. Es gab in letzter Zeit viel Aufreibung zwischen Angestellten der Stadt und den Soldaten. Den Besuch des Legaten habe ich als sehr positiv aufgefasst. Dies wäre eine Möglichkeit zu zeigen, dass wir auf die Annäherungsversuche ebenfalls eingehen und versuchen werden, in Zukunft besser zu kooperieren. Das Gesicht verlieren werden wir dadurch sicherlich nicht, und bedenkt, dass das Theater nicht gerade klein ist. Die Senatoren und Würdenträger Roms werden ebenfalls in den vordersten Reihen sitzen können. Die Idee, die Legionäre direkt hinter die Offiziere zu setzen, würde sich mit dieser Vorstellung ausgezeichnet decken. Ah, und da ich wohl bedauerlicherweise in Germanien sein werde, wenn die Eröffnung stattfindet, bitte ich euch zu berücksichtigen, dass die Sponsoren nach dem Opfer namentlich genannt werden. Das ist das Mindeste, was wir tun können."


    Ich dachte an den Berg an Dingen, die ich noch erledigen musste, ehe ich bereit war für den Aufbruch. Unruhig rutschte ich auf meinem Stuhl herum und versuchte, den inneren Aufruhr zu verbergen.


    Sim-Off:


    Gehalt: wird imho nurmehr alle 2 Wochen ausgezahlt.
    Abreise: Ich muss bald mal hier weg, werde mich also demnächst rausschreiben und fortreisen. Haltet die Ohren steif, und bei Fragen oder Problemen erinnert euch an den alten Haudegen zurück, der kurzzeitig in Germanien stationiert ist. Ich werde mich bemühen, SimOn den Kontakt zu halten. Nichtsdestotrotz: I'll be back! 8)

    Ich nickte geflissentlich und sah kurz dem Sklaven hinterher. Camryn war ebenfalls nirgends zu sehen, also ging ich davon aus, dass sie der Sklavin Helenas beim Herrichten und Auspacken half. Die Holzzuber-Problematik kannte ich, und insgeheim graute es mir schon vor der Reise nach Germanien, wenngleich ich dem eigentlichen Aufenthalt dort freudig entgegen sah. Allerdings stellte die Ankunft Helenas in Mantua sozusagen ein mittelschweres Problem dar. Der einzige, der derzeitig anwesend war, war ich. Vater und Mutter hielten sich auf dem Gut in Corsika auf, Cicero war nach Baiae gereist und Sophus wie Corus beim Militär. Die Frage war: Wer würde auf sie achtgeben? Grübelnd bekam ich nurmehr den letzten Rest ihrer Worte mit. Der wissbegierigen Forderung nach Klatsch und Tratsch konnte ich vermutlich ohnehin nicht einer Frau angemessen nachkommen, also grinste ich lediglich schief und zuckte mit den Schultern, was man unter der toga kaum erkennen konnte.


    "Mir ging es nicht anders als dir, als ich aus Achaia zurückkam, allerdings habe ich festgestellt, dass sowohl Mutter als auch Deandra weitaus mehr über die römische Gerüchteküche wussten als Vater oder Onkel Cicero. Inzwischen weiß ich auch warum: Einen Mann tangiert der neueste Frühjahrstrend der urbs aeterna nur perifer oder nur dann, wenn die Dame des Herzens eine Bestätigung haben möchte, dass sie gut gekleidet ist. Vermutlich holst du dir Informationen dieser Art besser anderenorts, Deandra ist recht bewandert in solchen Dingen. Du kennst sie doch noch, oder?"


    So sicher war ich dessen nicht, denn Cicero und seine Familie hatten früher auch recht häufig in Rom residiert, und wenn sie einmal hier waren, war Deandra vermutlich zeitgleich in Rom. Als ich an sie dachte, kam mir ein sensationeller Gedanke. Ich konnte mehrere Fliegen mit einer einzigen Klappe schlagen. Von mir selbst überrascht trank ich einen Schluck und stellte frohmutig den Becher auf den Tisch zurück.


    "Helena, es ist unverfroren, dich gleich zu Beginn deiner Ankunft hier in Mantua damit zu überrollen, doch wirst du vermutlich nicht um eine neuerliche Reise herumkommen. Ich wurde kürzlich zum tribunus laticlavius der legio secunda germanica ernannt. Dies bedeutet, wie du vermutlich erahnen kannst, dass ich in Reisevorbereitungen stecke und in Bälde nach Germanien aufbrechen werde. Deandra möchte mich gern begleiten, doch sehe ich diesem Anliegen zweifelhaft entgegen, denn während ich im castellum tätig bin, würde sie vermutlich von Langeweile zerfressen werden. Hättest du nicht Lust, mit uns nach Germanien zu reisen? Und steht dort ein Gut zur Verfügung, kleiner als hier zwar, aber Mogontiacum lockt gewiss mit vielen neuen Eindrücken. Zudem wäre es mir wohler ums Herz, würde nicht sie allein in Mogontiacum und du allein in Mantua sein, und vielleicht bietet diese Reise auch einiges an Potential, um euer beider Beziehung aufzufrischen und deinem Bedürfnis nach dem Tratsch der letzen Jahre nachzukommen. Entscheide dich nicht jetzt sofort, doch wenn du mir heute Abend eine Zusage erteilen könntest, wäre das äußerst vorteilhaft, da ich eine weitere Person in die Planungen einbinden kann."

    Die Reaktion des Claudiers wies zunächst schockierten Charakter auf. Ich bedauerte es einerseits, ihn auf diese Weise mit meinem Anliegen entgegenzutreten, andererseits gab es wohl kaum eine andere Möglichkeit, ihn damit zu konfrontieren. Während Vesuvianus Für und Wider gegeneinander abwog und dabei auf und ab ging, kam seltsamerweise ein Hungergefühl in mir auf, vermutlich angeregt vom Happen, der eben in meinem Mund gelandet war. Ich widerstand dem Wunsch, mir die Speisen unter dem Brotkrumenberg zuzuführen, denn es wäre vermutlich sehr kaltblütig erschienen, und folgte Vesuvianus mit den Augen, wie er hin und her ging. Draußen schrie eine Katze - vermutlich ein gut gezielter Tritt - dann war es wieder ruhig und auch der Claudier blieb stehen und betrachtete mich durchdringend.


    "Ich bin mir sicher", antwortete ich schlicht und untermalte meine solide Antwort mit einem einzigen Nicken. Vesuvianus mochte nichts vom gestrigen Abend wissen, doch würde er sicher eins und eins zusammenzählen und vermuten, dass ich mir bei Deandra schon die Sicherheit geholt hatte, um diese Behauptung nun verlauten zu lassen. Angespannt, aber gleichzeitig ruhig, harrte ich der nun folgenden Reaktion.

    Ich tippte mir mit dem Zeigefinger grübelnd an die Lippen und grinste schief, als Drakontios seine erste Begegnung mit einem Germanen beschrieb. Meine war schon länger her, wie ich bei genauem Nachdenken feststellte.


    "Mein erster Kontakt mit einem Germanen liegt länger zurück. Meine... Deandra hat einen germanischen Sklaven, der auch nicht gerade einfach war, als er hier angekommen ist. Nicht, dass er inzwischen einfach ist. Er ist eben, ja, ein Germane", endete ich und grinste. In der Tat, Assindius war ein Mensch fürs Grobe, und Bildung, ohne Höflichkeit, aber mit einem weichen und treuen Herz. Vermutlich mochte Deandra in deswegen so sehr, auch wenn er nur ein Sklave war.


    Gedanklich ging ich kurz durch, was ich als Tribun an Sold bekommen würde und was abzüglich meiner eigenen Lebensunterhaltung noch übrig bleiben würde, dann schlug ich vor:
    "Was hältst du von dreißig Sesterzen wöchentlich, zuzüglich Sonderentlohnung bei Mehrarbeit und pauschal einhundert Sesterzen dafür, dass du mit mir nach Germanien reist?"

    Mit fahriger Bewegung hörte ich auf, das Brot zu drehen, und legte die Scheibe auf den Tellerrand. So leid es mir tut... Das sagte schon alles, oder nicht? Eiseskälte hatte sich in Windeseile in mir ausgebreitet, und ein jeder wusste, das Wind die Kälte nur noch verstärkte. Das Herz klopfte bis zum Hals und zwang den Kloß nun heraus, den ich fort schluckte und mir beinahe zurückwünschte, denn irgendwie fühlte ich mich nun nackt und offenbart. Ich musste mit Vesuvianus über mein Innerstes reden. Etwas, das ich bisher nur Deandra vollkommen anvertraute hatte. Leicht fiel es mir nicht, doch die Belohnung würde sie sein, und dieser Gedanke milderte die Kälte im Inneren etwas und veränderte mein Auftreten. Ich räusperte mich.


    "Vesuvianus, mein Vater befindet sich gegenwärtig auf einem Gut auf Corsika. Weder er noch sonstige Mitglieder meiner Familie wissen von diesem Treffen oder meinen Absichten. Ich muss gestehen, dass ich um Sophus' Vorrecht weiß, doch werde ich gewiss nichts unversucht lassen, es ihm streitig zu machen. Meines Wissens nach war es zudem Sophus, der sich, der Verbindung gewiss, nicht weiter um jene bemüht hat. Ich wäre dir zutiefst verbunden, würdest du dies bei deiner Antwort berücksichtigen. Falls Deandras Wunsch ebenfalls zählt, solltest du sie ebenfalls befragen."


    Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich reinen Tisch machen konnte. Ich hatte es nie sonderlich gut gefunden, dass Sophus alles so schleifen ließ. Nun war ich am Zuge, und Vesuvianus sollte sehen, dass ich das Ziel durchaus ernsthaft und energisch verfolgen würde. Ein Stück Brot mit Käse wanderte in meinen Mund, und kauend wartete ich auf eine Reaktion, die besser ausfallen würde als die vorherige.

    Der Blick ging durch und durch, auch wenn er vermutlich nicht einmal so geplant war. Mechanisch griff nun auch ich zu einer Scheibe Brot und begann damit, sie über meinem Teller zu zerbröckeln, um etwas zu tun. Sophus. Herrje, an den hatte ich nicht einmal gedacht, seitdem sich mein Kopf in einer claudischen Zisterne befunden hatte. Stumm sah ich den Krümeln nach, wie sie auf die Speisen meines Tellers fielen und auf ihnen einen großen Haufen bildeten.


    "Nicht ganz. Um ehrlich zu sein, ist es mein eigener Wunsch, sie, also... ich wollte dich fragen, was du von einer Verbindung zwischen ihr und mir hältst", beendete ich den Satz dermaßen plump, dass ich mich augenblicklich über mich selbst ärgerte. Leider war nun auch die Scheibe Brot zu Ende gekrümelt, also nahm ich eine neue, drehte sie aber vorerst nur in den Händen und sagte nichts weiter.

    Zitat

    Original von Herius Claudius Vesuvianus
    "Dieses Bankett habe ich anlässlich der Rückkehr meiner ältesten Tochter Epicharis gegeben. Ich plane, sie demnächst einem ehrbaren Mann zu versprechen. Zwar habe ich noch keine Entscheidung getroffen, aber der heutige Abend sollte mir diesbezüglich behilflich sein."


    "Hast du bereits gehört, wie äußerst effektiv die Provinzkurie arbeitet?" Wie ironisch diese Aussage zu nehmen war, zeigte der genervte Gesichtsausdruck des Tribunen.


    Das Bankett diente demnach also der Sichtung potentieller Heiratswilliger. Das war eigentlich logisch gewesen, bedachte man Epicharis' Alter und den Umstand, dass neben der Tiberierin einzig claudische Frauen anwesend waren. Nun gab alles einen Sinn. Ich nickte und beschloss, nichts weiter zur Heirat der Claudia Epicharis zu sagen, da ich ohnehin ein gänzlich anderes Ziel verfolgte, auch wenn sich jenes gegenwärtig nicht im Raum zu befinden schien. Glücklicherweise brachte Vesuvianus selbst ein neues Thema ins Spiel. Von der Kurie hörte man, nun ja, nichts. Sie lag brach, das munkelte man zumindest. Doch wer den Gerüchten Roms Beachtung schenkte, der wusste, dass sie nur allzu oft der Wahrheit entsprachen.


    "Meinem letzten Kenntnisstand nach ist nicht einmal ein neuer comes ernannt worden. Es ist schade, wie sich diese wichtige Istitution entwickelt. Bestünde nicht die Möglichkeit, bald ein tribunisches Mandat zu erhalten, würde ich mich der Müßigkeit der Kurie stellen und das Amt des comes anstreben. Doch warten wir besser, was sich ergibt. Man sollte die Brücken erst überqueren, wenn man sie erreicht hat. Leider tritt die Kurie derzeit auf der Stelle und wird so niemals eine Brücke erreichen."


    Zitat

    Original von Manius Tiberius Durus
    "Trotzdem sind eure Verbindungen in Rom kaum zutage getreten - zumindest im Stadtgespräch. Scheinbar bevorzugt sowohl ihr, als auch die Claudier die Ruhe des Landlebens - kein Aurelier hat seit der Quaestur deines Vaters die Rostra betreten und von den Claudiern konnte man vor der Kandidatur des Marcellus auch wenig vernehmen."


    "Nun ja, soweit ich mich erinnere, scheinen die Tiberier vor der Zeit des Vitamalacus ihr Wohl ebenfalls nicht in der Politik gesucht zu haben. Mein Onkel, Aurelius Cicero, dürfte dir und der Stadt allerdings bekannt sein, denn er war kürzlich quaestor. Wie ich die Dinge sehe, muss man nicht zwanghaft von sich reden machen, sondern vielmehr durch Taten überzeugen. Was bringt es einem Mann, wenn er zwar bekannt ist, aber man das Sein anzweifelt oder gar geringschätzt?"


    Die Frage stand im Raum, doch Durus sollte vorerst nicht die Möglichkeit haben, sie zu beantworten. Wen ich gemeint hatte, durfte ohnehin klar gewesen sein. Ich leerte meinen Becher und erhob mich.


    "Ihr entschuldigt mich? Ah, und schickt einen Suchtrupp los, sollte ich derselben Sache zum Opfer fallen wie Flavius Aristides", scherzte ich und verließ den Saal, um ein anderes Örtchen aufzusuchen. Der Wein, der Wein, so gut er auch war...

    Na, das war ja ein Aneinander-vorbei-reden sondergleichen. Ich vermutete vermutlich korrekt, wenn ich die Person vermutete, die sich hinter dem Titel des Vollidioten vermuten würde, ließ das Thema allerdings auf sich beruhen und deutete dem Sklaven ersteinmal davon, mir dieses und jenes auf den Teller zu schaufeln. Zeit schinden war eine akzeptable Lösung, um überlegen zu können, was genau ich nun sagen sollte, um ihn nicht vor den Kopf zu stoßen und das zu erwirken, was ich eigentlich wollte.


    "Ja, das ist sie wirklich, und wäre ich ihr Vater, würde ich es nicht anders als du handhaben. Und doch betrifft meine Frage nach deiner Meinung nicht Epicharis, sondern Deandra."


    Ein Kloß in meinem Hals machte es mir nun gänzlich unmöglich, mit dem Frühstück zu beginnen. Auch der schnelle Griff nach dem wassergefüllten Becher verschaffte keine Linderung. Viele Dinge gingen mir durch den Kopf. Was, wenn er nein sagte? Was, wenn er dem traumhaften Vesuvianus gleich, der erstaunliche Ähnlichkeit mit einem Parzen gehabt hatte, anschwoll und mich auslachte? Und was sollte ich sagen, wenn er auf die vermeintliche ehemalige Blutsverwandschaft zu sprechen kam? Wusste er überhaupt von der Adoption in die Aurelia? Fragen über Fragen.

    Ich dachte noch kurz mit unangenehmem Gefühl daran, dass wir am Morgen klebrig erwachen würden, rümpfte die Nase und sehnte mir ein feuchtes Tuch herbei, aber dann war ich auch schon eingeschlafen, gerade als Deandras streichelnde Hand mein Hinterteil wieder verließ.


    Gut eine Dreiviertelstunde später...
    Vesuvianus' Kopf wuchs zu einer anormalen Größe an, die Gestalt des Corvinus - meine Gestalt! - vor ihm wurde immer winziger, bis der claudische Kopfumfang schließlich rund das Fünffache des Menschen vor sich betrug. Langsam öffnete sich der hämische Mund, entblößtete eine rabenschwarze Zunge und bleckte spitze Haizähne. Die Augen rollten wild in den Höhlen - waren das Ketten an denen die nackte Gestalt vor dem Kopf gebunden wa? - und gierten auf den Mann herunter. Schließlich brach das Vesuvianus-Ding ind schallendes Gelächter aus, spie dabei aus und demütigte die Person in Ketten zutiefst. Irgendwoher erschien ein fortweisender Zeigefiger und der Mann in Ketten ließ enttäuscht den Kopf sinken.....


    Ich erwachte mit heftig pochendem Herzen und einem bitteren Geschmack auf der Zunge. Was hatte das zu bedeuten? War das eine Anspielung auf meine morgige Absicht? Mein Blick irrte zum Fenster, es war immer noch dunkel und von unten erklang Gelächter. Das Bankett war also noch in vollem Gange. Ich blickte zu Deandra, dafiel es mir siedendheiß ein: Ich konnte nicht hier bleiben, nicht in ihrem Zimmer! Man würde meine Abwesenheit bemerken und mir ein schlechtes Benehmen nachsagen, weil ich einfach so gegangen war. Das konnte ich mir nicht leisten. Deandra schien zu schlafen, ob sie es tat, wusste nur sie allein. Vorsichtig wollte ich meinen Arm unter ihrem Kopf herausziehen und mich aufsetzen, später dann meine Sachen vom Boden klauben und den Raum verlassen, mir einen Sklaven suchen und die toga richten lassen....

    Ich nickte mehr zu mir selbst als zu Vesuvianus und folgte seiner einladenden Geste, während der Sklave schon hinfort eilte, um mir Essgeschirr zu organisieren. Noch darauf wartend, dass er wieder zurück kam, sah ich dem Claudier einen Moment beim Essen zu, ehe ich gen Fenster blickte und mühsam eine Einleitung zusammenstrickte.


    "Entschuldige vorab, dass ich dich beim wohlverdienten ientaculum störe", sagte ich und dachte daran, dass ich es sonst vorzog, allein zu frühstücken. Wenn Vesuvianus nun ebenfalls diese Angewohnheit hatte, war dies ein bedeutend schlechter Start gewesen. Nun ja, wie dem auch war, nun saß ich hier und blickte zum Fenster hinaus.


    "Ich weiß nicht, ob du es bereits vernommen hast, doch der Kaiser wird mich bei der Vergabe der senatorischen Tribunenämter bedenken. Die Ernennung findet während der Renntage in Rom statt, ich erhielt eine Ladung."


    Hier verstummte ich und wandte den Blick wieder Vesuvianus zu, der kurzzeitig vom Körper des Sklaven verdeckt wurde, der mir nun Teller und Becher bereit stellte, doch noch rührte ich nichts der köstlich anzusehenden Speisen an, sondern dachte darüber nach, wie ich fortfahren sollte.


    "Dieses Amt wird meine Zukunft verändern, dessen bin ich mir sicher. Doch ich gedenke, selbst auch etwas an meiner Zukunft zu ändern. Gestern sprachst du von der Verbindung unserer beiden gentes. Ich würde dieses Thema gern aufgreifen, Vesuvianus."