Mit vollkommener Zustimmung allerdings konnte Vesuvianus meinerseits nicht rechnen. Zum einen missbilligte ich die Entscheidung Sophus betreffend, stand doch außer Frage, dass er während der zwei verganenen Jahre keinerlei Anstalten gemacht hatte, um Deandra zu werben und sich vollkommen auf die Absprachen verlassen hatte. Außerdem schien es dem Claudier nicht gänzlich unwichtig zu sein, was Deandra dazu zu sagen hatte, weswegen ich seine Reaktion noch weniger verstand. Vermutlich aber, so glaubte ich, war es der einzige Mittelweg, den er als angemessen erachtet, um Sophus nicht zu erzürnen. Es tat sich allerdings noch ein weiteres Problem auf. Ich würde nach Germanien gehen, Deandra wollte mich begleiten. Meine Stirn legte sich in Falten, und ich sah nicht glücklich aus, was sicherlich auch Vesuvianus auffiel.
"Ich möchte weder dich in deiner Entscheidung kritisieren noch den Zorn Sophus' auf mich lenken, doch frage ich mich, ob denn die Unentschlossenheit meines Vetters und die Bestätigung Deandras nicht aussagekräftig genug ist, um deine Entscheidung in anderer Weise zu beeinflussen. Hm. Ich könnte dir allerdings auch nicht sagen, wie ich an deiner statt reagieren würde, dazu bin ich vermutlich zu jung und definitiv zu unerfahren was die Vaterschaft anbelangt."
Auch mir dürstete es, deswegen trank ich ebenfalls einen Schluck und überlegte, wie ich es bewerkstelligen sollte, Deandra mit nach Germanien nehmen zu dürfen. Ich stellte den Becher ab und betrachtete den ergrauten Mann mir gegenüber genauer. Statt Sophus' Chance zu berücksichtigen, entschloss ich mich, egoistisch zu sein.
"Vesuvianus, du weißt, dass ich in wenigen Tagen nach Germanien reisen werde, um unserem Kaiser dortin der secunda germanica als tribunus laticlavius zu dienen. Wie könnte ich meinen Konkurrenten nötigenfalls ausstechen, wenn ich doch in der Ferne weile?"
Ein kritischer Blick, in dem sich auch Besorgnis widerspiegelte, traf den Claudier, der als Soldat wissen musste, dass man auch nur wenig Freizeit zum Schreiben in die Heimat hatte.
"Ich bitte dich, wenigstens den Termin der Entscheidung herauszuschieben, bis ich meinem Anliegen angemessen Handeln kann. Und dir größte Bitte, die ich derweil habe ist, mir Deandra für die Zeit anzuvertrauen, die ich in Germanien weilen werde. Bevor du etwas sagst, Claudiius, höre mir zu", bat ich ihn, noch ehe er etwas einwenden konnte.
"In Mogontiacum steht eine aurelische villa, längst nicht so groß und geräumig wie die hiesige, und doch groß genug für alle. Meine Cousine wird mich ebenfalls begleiten, sodass sie in bester Gesellschaft wäre, solange ich im castellum meiner Tätigkeit nachgehe. Ich werde dir beim Steiin des iuppiter schwören, sie nicht anzurühren und ihr stets das beste angedeihen zu lassen, wenn du mir nur erlaubst, sie mitzunehmen."
Ich senkte den Kopf auf die Brust. Eine demütige Haltung, die mir in diesem Moment der Bitte jedoch mehr als angebracht erschien. Schweigend wartete ich ab, ob nun Stille oder ein Donnerwetter folgen würde.