Schmunzelnd schritt ich neben Arrecina einher. Fast war mir so, als könnte ich den Duft ihres Haares nicht nur erahnen, sondern ihn beinahe körperlich spüren. Dass mir auf dem Heimweg von der curia so etwas passieren würde, hätte ich nun nicht gerade gedacht. Arrecina schien eine literaturbegeisterte Frau zu sein, was mir sehr behagte. Ich mochte gescheite Frauen, wie Deandra eine war. Nur die Flavierin wies den entscheidenden Vorteil auf, nicht meine Schwester zu sein. Gut, Deandra war es so gesehen auch nicht, zumindest nicht leiblich. Aber ich liebte sie auf eine besondere Art, ich begehrte sie nicht.
In diesem Moment fragte Arrecina recht zweideutig nach meinen Talenten, was mich erneut schmunzeln ließ. Das mädchen wies ein Feuer vor, das mich sogleich für sie einnahm. Ich wandte den Kopf und suchte ihren Blick, und als ich ihn gefunden hatte, entgegnete ich mit dem Anflug eines verschmitzten Lächelns:
"Mir liegt Rhetorisches mehr. Unter anderem. Aber es gibt beileibe noch anderes, doch bleiben Fremden diese Talente verborgen."
Natürlich machte ich mir ein Bild davon. Und jenes Bild von Arrecina wies seltsamerweise immer weniger Bekleidung auf. Ich musste mich über mich selbst wundern. Normalerweise lag es so gar nicht in meiner Natur, fremde Frauen gedanklich zu entkleiden, zumindest nicht bei unserem ersten Zusammentreffen, was zugegebenermaßen ganze zehn Minuten zurücklag. Aber bei der Flavierin war es anders, was vermutlich daran liegen mochte, dass sie mir Arrecina allen Anlass dazu bot.
Ein lautes Klappern hinter uns verriet mir, dass Trautwini wieder einmal die Tafeln und Rollen fallen gelassen hatte. Dieses Mal jedoch ließ ich mich nicht davon stören und ging einfach weiter, die Arme auf dem Rücken verschränkt und Arrecina von der Seite her ansehend. Die Herbstsonne beschien ihr Haar und ließ es glänzen. Eine Strähne fiel mir besonders ins Auge, und ich streckte kurzerhand die Hand nach ihr aus und steckte sie in einer vertraut wirkenden Geste wieder locker zu den anderen Haaren. Die Berührung elektrisierte mich, sodass es einen Moment dauerte, bis ich über die ars amatoria berichten konnte.
"Ovid. Jaa.... 'Odi concubitus, qui non utrumque resolvunt. (Ich mag keinen Geschlechtsverkehr, der nicht beide entspannt.)' Eine sehr bekannte Stelle seines Werkes. Er trägt vielerlei Ansichten vor, spricht von vielen Dingen ganz ungeniert, erteilt Ratschlage und eröffnet teilweise ganz neue Sichtweisen", erzählte ich.
"Aber du solltest es selbst lesen, dann weißt du, was ich meine."
Ich konnte es nicht unterlassen, in diesem Moment breit und beinahe anzüglich zu grinsen. Allerdings wurde ich recht schnell wieder ernst, als sie erwähnte, eine Nichte Aquilius' zu sein. Ich sah sie einen Moment verwirrt an.
"Du bist seine Nichte? Das ist... Naja, ich wusste nicht, dass er eine so ansehnliche Nichte hat", rettete ich meine Verwunderung. Hatte Aquilius etwa einen älteren Bruder oder gar einen jüngeren?
"Aquilius und ich trafen uns durch Zufall auf dem mercatus. Wir speisten zusammen und inzwischen ist eine recht angenehme freundschaft daraus geworden."