Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Der Sklave kam alsbald zurück, stellte zwei Becher vor uns ab und eine Karaffe mit verdünntem Wein, nachdem er eingegossen hatte. Ich nahm den Becher und sah meinen Onkel einige Zeit lang nachdenklich an. In puncto Mantua hatte er vielleicht nicht mehr so die Sicht, aber ich wusste, dass ich so gut wie nichts geleistet hatte bisher. Die paar Briefe und Absprachen mit der Decima bezüglich des noch nicht vorhandenen Parkes waren wohl kaum als Leistung anzusehen. Ich seufzte und nahm einen Schluck Wein.


    "Die Chancen stehen sehr gut, um ehrlich zu sein. Das einzige Manko mag vielleicht dein derzeitiges Amt sein. Doch ich denke, wenn du willens bist, deine Quästur zu Ende zu führen und gleichzeitig das Amt des comes gewissenhaft anzutreten, wird der Kaiser bei deinen Qualitäten nicht abgeneigt sein, dir die Erlaubnis dazu zu erteilen. Nun, was sagst du, Onkel?"

    Man wog das Für und Wider der verschiendenen Personen gegeneinenader ab. Mir ging es hauptsächlich darum, dass jemand die Führung übernahm, der derer auch fähig war. Helena vertrat zwar den Standpunkt, dass häuslicher Haushalt und städtischer Haushalt gleichwertig waren, doch war sie eine Frau und ich wollte sie ungern auf dem Posten des comes sehen. Ich musste ihr allerdings insgeheim zugestehen, dass ich von ihrer Führungsart positiv überrascht war. Dennoch, sie wäre vermutlich mit ihrer Intelligenz und ihrem Charme besser im heimischen Regiment aufgehoben denn als duumvir einer Stadt oder gar als comes. Ich selbst hatte mich nicht gerade mit Ruhm bekleckert während meiner bisherigen Amtszeit, dessen war ich mir durchaus bewusst und so stellte sich für mich nicht einmal die Frage, selbst zu kandidieren. Vesuvianus erschien mir trotz dem dass er ein guter und fähiger Mann war, nicht für den Posten des comes geeignet, dazu vertrat er zu konsequent seine eigene Stellung, was einerseits bewundernswert war, andererseits zu Problemen führen konnte, vor allem wenn es um die Frauenfrage ging. Claudius Iulianus stand für mich nach wie vor nicht zur Debatte, er hatte es in Germanien versaut und würde es vermutlich mit Italien genauso tun. Zuerst sollte er sich hier beweisen, dann würde ich mir ein neues Urteil bilden. Blieb für mich nur noch einer, und das war Cicero.


    "Bei allem Respekt, aber ich halte Aurelius Cicero für denjenigen, der derzeitig am ehesten für dieses ehrenvolle Amt in Frage kommt. Wie wir alle wissen, hat der Kaiser in besonderen Fällen schon die Bitte gewährt, zwei bedeutungsvolle Ämter auszufüllen. Ich halte es demnach für sinnvoll, wenn wir Cicero vorladen und ihn offiziell befragen, ob er denn überhaupt willens wäre, das Amt des comes als zusätzliches Amt zu seinem Quästorenamt auszuüben. Immerhin kann es sein, dass er ablehnt. Wenn er sich jedoch dafür entschließt und sich im Stande sieht, keines der Ämter zu vernachlässigen, kann man immer noch vor unseren geschätzten Imperator treten und ihn um die Entscheidung bitten, die letztendlich nur er selbst treffen kann."

    Sim-Off:

    So, den grab ich wieder aus, auch wenn es erstmal nicht weiter geht, weil du in Germanien bist. :)


    Ich schmunzelte bei ihren Worten.
    "Ich werde mich an deine Worte erinnern, wenn ich eventuelle Verehrer in Abwesenheit unseres Vaters aus der villa jagen muss", sagte ich.
    "Da fällt mir ein, in Kürze wird meine Sklavin eintreffen, ich erwarb sie in Griechenland. Sie ist Keltin, kann aber sehr gut Latein schreiben wie sprechen und wirkte sonst recht gescheit. Vielleicht sollten wir darauf achten, dass sie und Assindius des Öfteren etwas gemeinsam tun. Wenn wir Glück haben, fällt etwas von ihr auf ihn ab."

    Der Sklave schien sich kein angenehmes Reittier ausgesucht zu haben. Ich hoffte, dass unser Tier nicht so einen Aufstand machen würde, doch bisher sah es nicht danach aus. Aquilius dirigierte das Pferd, das so hieß wie es nicht sein sollte, dem Germanen auf seinem kleineren Tier hinterher und gab ihm dann die Fersen. Ich hielt mich hastig an Aquilius' tunica fest und wagte kurz darauf einen Blick nach unten. Wo eigentlich Gras sein sollte, war eine wehende, verwischte grüne Fläche. Ich gestand es mir nicht gern ein, aber ich hatte nicht unbedingt ein gutes Gefühl dabei, wenn ich an dem mächtigen Pferdeleib hinunter sah und mir vorstellte, dass ich mit gebrochenem Genick im sprießenden Gras liegen würde, wenn ich nun den Halt verlor. Ich schloss die Augen und wagte es, mich an Aquilius' Hüfte zu halten. Das prickelnde Gefühl, dass ich verspürt hätte, wenn wir nicht gerade zwei Meter über dem Boden auf einem Pferderücken übers Gelände gerauscht wären, blieb aus. Stattdessen fühlte ich mich ausgehöhlt und ganz so, als würde ich nie wieder vom Pferd steigen können, sollten wir irgendwann wieder anhalten. Pferderennen waren eben doch etwas anderes. Und ich wusste schon, warum ich das Reiten bisher nie erlernt hatte.


    Aquilius' Worte kamen mir für einen winzigen Moment wie blanker Hohn vor, er mutierte zu einem kleinen, boshaften Menschen, der sich nur an meiner eigentlich unbegründeten Angst weiden wollte, dann aber besann ich mich und schlang die Arme vollends um Aquilius' Oberkörper. Manch einer mochte einen Hintergedanken vermuten bei dieser Geste, ich aber hatte nur einen Gedanken dabei: Bloß nicht hinunterfallen! Es dauerte eine Weile, in der ich versuchte, mich zu entspannen, was mir letztendlich zumindest bruchstückhaft gelang, dann erst antwortete ich ihm, während wir gerade an einigen Passanten vorbeischossen. Dass das Pferd noch schneller werden konnte, erschien mir im ersten Moment unmöglich. Es musste schon Hermes selbst sein, mit Flügeln an den Läufen, um seine Geschwindigkeit noch zu steigern.


    "Ich vertraue dir", rief ich gegen das Zischen des Windes an, in der Hoffnung, der Flavier würde mich hören. Was hatte mich nur dazu veranlasst, einer Landpartie zu Pferd zuzustimmen? Vielleicht war es die bloße Anwesenheit Aquilius' gewesen, damals, in der villa Aurelia. So musste es gewesen sein. Er hatte meine Gedanken vernebelt und ich hatte einfach zugestimmt, ohne nachzudenken, ohne zu erwähnen, dass ich Angst vor Pferden hatte. Wenigstens gedanklich konnte ich dieses Eingeständnis machen, wenn ich es schon nicht offen zugeben konnte. Außerdem wollte man schließlich nicht als Feigling gelten.


    Während ich so grübelte und mich selbst für diese dumme Entscheidung scholt, wurden wir noch schneller und ich merkte es nicht einmal. Und doch, der Wind riss heftiger an meinem Haar und meiner Kleidung, zischte lauter in meinen Ohren und kühlte meine Haut. Einzig die Vorderseite meines Körpers blieb warm, gewärmt von Aquilius, der ja vor mir saß und den ich nun für seine Reitkunst bewunderte. Fast war ich versucht, mich etwas zu recken und den Kopf an sein Ohr zu schieben, um ihm zu offenbaren, was ich in diesem Moment fühlte, dass ich Angst hatte und diese Angst sogar meine Begierde niederkämpfte, doch es erschien mir unpassend und des Moments nicht würdig. Also lenkte ich den Blick an seiner Schulter vorbei nach vorn und versuchte mich so gut zu halten wie es mir möglich war.

    Sim-Off:

    Kein Problem :)


    Ich verengte prüfend die Augen und musterte Albinus eingehend.
    "Albinus, ich fürchte fast, dass du dir damit selbst die Möglichkeit verbaut hast, noch in dieser Amtszeit zu meinem Kollegen ernannt zu werden, was ich offen gestanden sehr bedaure, denn ich halte dich für einen fähigen Mann.
    Grinsend fügte ich hinzu:
    "...wenn manchmal auch recht impulsiv. Sag, hast du eine Abschrift dieses Beschwerdebriefes zur Hand?"

    Der Pförtner erfasste die Sänfte und den Zug, der vielleicht sogar jenem eines Imperators würdig gewesen wäre, mit einem einzigen Blick, ehe er mit dem Daumen der linken Hand nach links deutete und dem lauten Ägypter vor ihm mit leicht gelangweilter Stimme erklärte:
    "Da rein und dann rechts, die erste Tür auf der linken Seite. Der duumvir wartet glaub' schon."

    Natürlich war ich auch zugegen, denn ich weilte wieder in Italia. Den suchenden Blick des comes hatte ich wohl bemerkt, doch vermutete ich nicht, dass er nach mir Ausschau hielt, sonst hätte ich mich schon gemeldet.


    Als Vesuvianus nun einen weiteren Mann erwähnte, der den eventuellen Nachfolder des Aeliers stellen konnte, musste ich mich leise wundern. Ich hatte nun wirklich einiges gehört, was diesen Mann betraf, doch war das wenigste hiervon für eben jenen rühmlich gewesen.


    "Vesuvianus, ich kenne diesen Mann nicht persönlich, doch kann ich allein aufgrund der Dinge, die man mir über ihn berichtete, meine Stimme nicht für ihn geben. Er mag zwar pontifex gewesen sein, doch schien er sich außer Stande ewesen, seinen Posten zufriedenstellend zu bekleiden. Es gab wohl Querelen innerhalb des cultus deorum in Germanien, die sogar an des Kaisers Ohren drangen. Dein Verwandter hat kaum eine Gelegenheit ausgelassen, allen und jenen von einer aufmüpfigen sacerdos zu berichten, derer er nicht Herr geworden ist. Bei allem Respekt, aber wenn er so das Amt des comes bekleiden würde, würde das italische Schiff vermutlich direkt in einen Sturm steuern.
    Ich möchte stattdessen einen weiteren Namen ins Gespräch bringen, Aurelius Cicero. Unabhängig davon, dass er mein Onkel ist, halte ich ihn für einen sehr fähigen und gerechten Mann, der seine Sache gut machen würde."

    Ich dachte kurz an Deandra und die Situation im Gästezimmer in der Regia in Germanien - und entschloss mich, besser nichts zu entgegnen und nur sachte zu grinsen. Jenes jedoch brach recht schnell ab, als Cicero mich indirekt schalt. Ich setzte eine ernste Miene auf und entgegnete:
    "Ich bin derzeit noch nicht gänzlich über die Vorkommnisse informiert, aber sobald ich mehr weiß, werde ich dich informieren. Ich muss gestehen, dass ich Mantua vernachlässigt habe, was mein Amt als duumvir betrifft. Das wird mir nicht noch einmal passieren."


    Ich deutete auf zwei Stühle und setzte mich auf einen von ihnen. Einen Sklaven scheuchte ich, etwas Wein zu organisieren.
    "Sag, Onkel, die Amtszeit des comes läuft in Bälde ab. Ich selbst habe noch nichts vorzuweisen, du schon. Wie steht es, wirst du kandidieren? Es gibt derzeit keinen Mann, der besser hierfür geeignet wäre, das ist meine Meinung."

    Ich liebte die Thermen. Jeder Besuch kam mir wie ein flüchtiger Ausflug in eine Welt ohne Sorgen vor. Leider war auch der längste Thermenbesuch irgendwann vorüber. Im Elysium musste es einfach ein großes Becken mit warmem Wasser wie dieses geben, dachte ich schmunzelnd und ließ mich tiefer in das angenehm temperierte Nass sinken, die Augen genüsslich halb geschlossen. Der Platz auf der Steinbank mir gegenüber war noch leer. Ich atmete den Dampf des Wassers tief ein, bei jedem Atemzug darauf bedacht, so tief als möglich zu inhalieren und das Gefühl der warmen, feuchten Luft zu genießen. Ich entspannte mich zusehends mehr, wie ich träge und beinahe faul im Wasser lag.


    Diese halb sitzende, halb liegende Position hatte den Vorteil, dass ich aus ihr heraus gut die anderen Thermenbesucher beobachten konnte. Dort hinten an einer Säule stand ein recht beleibter Mann mit weißem Haar, der sich mit einem hageren Mann Mitte fünfzig unterhielt. Mein Blick folgte kurz einem recht jungen Knaben, der eilig an jenen vorbeischritt. Aber etwas von wirklichem Interesse oder einen angenehmen Gesprächspartner hatte ich noch nicht ausmachen können. Also ließ ich mich bis zum Hals in das wunderbar warmes Wasser sinken und genoss das Gefühl auf meiner Haut.



    Sim-Off:

    Wer mag, der darf.

    "Dann hoffe ich, dass deine Hoffnungen bezüglich des Tieres nicht enttäuscht werden - und das hoffe ich für mich mit", entgegnete ich und grinste kurz, um meine eigene Unsicherheit zu überspielen. Der Sklave stand schon bereit und würde mich wohl hochwuchten, was angesichts der Größe des Tieres ein hartes Stück Arbeit werden würde, obwohl ich gar nicht einmal so schwer war. Etwas skeptisch sah ich noch einmal in die Runde, nickte nur dankend als Aquilius mich zum duumvirat beglückwünschte.


    "Ich hoffe sehr, dich einmal in Mantua begrüßen zu dürfen , sacerdos", sprach ich würdevoll, doch das belustigte Grinsen auf meinem Gesicht ließ erahnen, dass die Worte zum Teil auch ironisch gemeint waren. Mit pochendem Herzen sah ich zu dem Riesenpferd, dann zu dem Sklaven, als Aquilius sich bereits auf den Rücken des Tieres schwang. Mühelos, schwerelos, behende. ich verspürte etwas wie Neid, war aber dennoch klug genug, um es nicht selbst zu versuchen, auf diesen Riesen zu klettern. Also benutzte ich den Sklaven als eine Art Leiter, ließ mich auf Drei hochwuchten und schwang mein Bein über den Pferderücken.


    Nach der Art, wie Pferde nun einmal gebaut sind, hatte auch dieses Tier einen Pferderücken, eine Art Kuhle. Aquilius saß direkt hinter dem Widerrist. Und ich saß direkt hinter Aquilius. Sehr direkt. Ich fasste vorsichtig seine Hüften und sagte von schräg hinten, so dass nicht nur mein Körper eng an seinem lag, sondern auch mein Atem ganz unvermeidlich an seinem Ohr vorbeistrich:
    "Von mir aus können wir."

    Schmunzelnd schritt ich neben Arrecina einher. Fast war mir so, als könnte ich den Duft ihres Haares nicht nur erahnen, sondern ihn beinahe körperlich spüren. Dass mir auf dem Heimweg von der curia so etwas passieren würde, hätte ich nun nicht gerade gedacht. Arrecina schien eine literaturbegeisterte Frau zu sein, was mir sehr behagte. Ich mochte gescheite Frauen, wie Deandra eine war. Nur die Flavierin wies den entscheidenden Vorteil auf, nicht meine Schwester zu sein. Gut, Deandra war es so gesehen auch nicht, zumindest nicht leiblich. Aber ich liebte sie auf eine besondere Art, ich begehrte sie nicht.


    In diesem Moment fragte Arrecina recht zweideutig nach meinen Talenten, was mich erneut schmunzeln ließ. Das mädchen wies ein Feuer vor, das mich sogleich für sie einnahm. Ich wandte den Kopf und suchte ihren Blick, und als ich ihn gefunden hatte, entgegnete ich mit dem Anflug eines verschmitzten Lächelns:
    "Mir liegt Rhetorisches mehr. Unter anderem. Aber es gibt beileibe noch anderes, doch bleiben Fremden diese Talente verborgen."


    Natürlich machte ich mir ein Bild davon. Und jenes Bild von Arrecina wies seltsamerweise immer weniger Bekleidung auf. Ich musste mich über mich selbst wundern. Normalerweise lag es so gar nicht in meiner Natur, fremde Frauen gedanklich zu entkleiden, zumindest nicht bei unserem ersten Zusammentreffen, was zugegebenermaßen ganze zehn Minuten zurücklag. Aber bei der Flavierin war es anders, was vermutlich daran liegen mochte, dass sie mir Arrecina allen Anlass dazu bot.


    Ein lautes Klappern hinter uns verriet mir, dass Trautwini wieder einmal die Tafeln und Rollen fallen gelassen hatte. Dieses Mal jedoch ließ ich mich nicht davon stören und ging einfach weiter, die Arme auf dem Rücken verschränkt und Arrecina von der Seite her ansehend. Die Herbstsonne beschien ihr Haar und ließ es glänzen. Eine Strähne fiel mir besonders ins Auge, und ich streckte kurzerhand die Hand nach ihr aus und steckte sie in einer vertraut wirkenden Geste wieder locker zu den anderen Haaren. Die Berührung elektrisierte mich, sodass es einen Moment dauerte, bis ich über die ars amatoria berichten konnte.


    "Ovid. Jaa.... 'Odi concubitus, qui non utrumque resolvunt. (Ich mag keinen Geschlechtsverkehr, der nicht beide entspannt.)' Eine sehr bekannte Stelle seines Werkes. Er trägt vielerlei Ansichten vor, spricht von vielen Dingen ganz ungeniert, erteilt Ratschlage und eröffnet teilweise ganz neue Sichtweisen", erzählte ich.
    "Aber du solltest es selbst lesen, dann weißt du, was ich meine."


    Ich konnte es nicht unterlassen, in diesem Moment breit und beinahe anzüglich zu grinsen. Allerdings wurde ich recht schnell wieder ernst, als sie erwähnte, eine Nichte Aquilius' zu sein. Ich sah sie einen Moment verwirrt an.


    "Du bist seine Nichte? Das ist... Naja, ich wusste nicht, dass er eine so ansehnliche Nichte hat", rettete ich meine Verwunderung. Hatte Aquilius etwa einen älteren Bruder oder gar einen jüngeren?
    "Aquilius und ich trafen uns durch Zufall auf dem mercatus. Wir speisten zusammen und inzwischen ist eine recht angenehme freundschaft daraus geworden."

    IN NOMINE IMPERII ROMANI
    ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI


    ERNENNE ICH

    GNAEUS AURELIUS PERTINAX,
    GAIUS CLAUDIUS VITULUS,
    CAIUS CLAUDIUS CUNCTATOR,
    CAMILLUS CLAUDIUS LAEVINUS et
    QUARTUS FLAVIUS LUCULLUS


    MIT WIRKUNG VOM
    NON OCT DCCCLVI A.U.C.
    (7.10.2006/103 n.Chr.)
    .


    ZU
    SODALES- SALII COLLINI


    Marcus Aurelius Corvinus

    MAGISTER SALII COLLINI

    "Vorzüge? Sie sind lediglich rauher und nicht gerade zimperlich um Umgang mit den Pferden. Zumindest nach dem zu urteilen, was ich gesehen habe..." sprach ich und warf Assindius einen leicht misstrauischen Blick zu.


    "Germanien. Naja, es war recht angenehm dort. Senator Meridius ist ein fähiger Mann, meines Erachtens. Deandra scheint ihn ebenfalls sehr zu mögen. Die Rennen waren sehr gut durchdacht, alles lief wie am Schnürchen. Der legatus und der quaestor haben gute Arbeit geleistet, doch, das muss man schon sagen. Aber ich bin auch froh, wieder hier zu sein. Was mantua betrifft...nun ja, Albinus scheint sich einen Schnitzer gegenüber des comes erlaubt zu haben. Ich weiß noch nicht, wie schwerwiegend es ist, aber das werde ich noch herausfinden. Ansonsten laufen die Geschäfte gut, wenngleich ich natürlich noch den ein oder anderen fähigen Mann in der Verwaltung gebrauchen könnte."

    Etwas verwundert über eine solche Großmutter grinste ich nur kurz, dann rief ich mich zur Ordnung und lächelte nur noch.


    "Dann scheint deine Großmutter eine physikbegeisterte und politikinteressierte Frau gewesen zu sein", stellte ich fest und fragte mich, ob ich ihr nicht vielleicht meinen Arm anbieten sollte. Ich unterließ es jedoch, denn wir kannten uns schließlich noch gar nicht. Eventuell war später noch Gelegenheit zu dieser höflichen, etwas innigeren Geste.


    "Du liest gern Gedichte? Sag, hast du die Werke des Aesop gelesen? Seine fabulae sind recht amüsant. Ich wünschte, ich könnte so schreiben wie er, doch ich glaube, dass mein Talent nicht gerade im Schriftlichen liegt."


    Ich verschränkte die Arme auf dem Rücken und ging ruhigen, gemessenen Schrittes neben Arrecina her. Sie war durchaus ansehnlich, zwar jung, aber das machte doch einen gewissen Reiz aus. Ob sie wohl feste Schenkel hatte? Ein vages Schmunzeln umspielte meine Mundwinkel. Ich fragte mich, was sie von mir denken würde, erzählte ich ihr von der ars amatoria. Die beiden Sklaven, die sich hinter uns prügelten, versuchte ich auszublenden, so gut es eben ging. So ein Verhalten hätte ich nicht gebilligt, aber scheinbar tat der ältere der beiden Sklaven sein Bestes, um das Ansehen seiner Herrin nicht gänzlich in den Schmutz zu ziehen. Ich wusste, dass Arrecina mit Sicherheit nichts für ein solches Verhalten konnte, also sah ich es ihr nach. Trautwini, mein germanischer Sklave, hielt größtmöglichen Abstand zu den beiden Streithähnen, wie ich mit Zufriedenheit feststellte.


    "Euripides ist auch sehr zu empfehlen. Die Alkestis ist mein Liebelingswerk. Aber ich will dir gern die Frage nach der ars amatoria beantworten. Das Werk Ovids umfasst drei Bände, in denen er sich mit der Liebeskunst auseinandersetzt. Es werden alltägliche Dinge behandelt, aber auch, nun ja, Dinge, die besser hinter den verschlossenen Türen einer schützenden casa verborgen bleiben. Alles in Allem ist es ein sehr unterhaltsames Werk. Man kann die Fantasie schweifen lassen, so man denn möchte, oder man erfreut sich lediglich an dem Stil Ovids, der wohl der beste seiner Zeit ist."


    Ich sah Arrecina an und schmunzelte. Ob ich riskieren konnte, sie nach Aquilius zu fragen? Ich ließ ihr einen Moment Zeit, das eben gehörte zu verdauen, dann fragte ich kurzerhand nach.
    "Sag, Flavia Arrecina, ich zähle einen Flavius Aquilius zu meinen Freunden. Sicher ist er mit dir verwandt?"



    Sim-Off:

    Einige Worte sind mit Wikipedia verlinkt. :)

    Ich überging die Sache mit dem Sklaven einfach. Immerhin war das nicht mein Bastard, sondern ihrer. Und wenn sie ihn sanktionieren würde, sollte sie das tun. Zufrieden sah ich, wie sie es gleich auf der Straße begann. Allzu viel durfte man nicht durchgehen lassen, das merkte ich selbst immer wieder bei Camryn. Allerdings, wussten Frauen durchaus ihre Reize enzusetzen, wenn sie keiner Bestrafung unterzogen werden wollten. Ich schmunzelte und schlenderte dann langsam neben Arrecina her.


    "Aristoteles und Cicero?" fragte ich sie erstaunt und sah sie ebenso verblüfft an. Es verwunderte mich, dass sie augerechnet diesen griechischen Gelehrten und jenen Politiker gern las.
    "Du siehst mich verwundert. Es gibt äußerst wenige Frauen, die die Lehren des Aristoteles lesen, und scheinbar noch weniger, die sich Ciceros Schriften widmen. Interessierst du dich für Physik und Politik?" fragte ich sie von der Seite her.


    "Ich selbst las vor kurzem die ars amatoria von Ovid", erwähnte ich beinahe beiläufig.
    "Ich kann sie dir empfehlen. Ovis schreibt sehr lebendig und...teilweise gewagt. Auch die Medea ist ein sehr schönes, tragisches Werk. Sollten dich wirklich die Schriften des Cicero interessieren, solltest du die de natura deorum lesen."


    Eine leicht gewagte Anspielung, die Erwähnung der ars amatoria. Aber mir war gerade danach...und Arrecina hatte meine Fantasie angeregt, denn sie hatte allein vom Äußeren her ein Feuer an sich, das ich bewunderte.

    Ich grinste Aquilius an. Mich an ihm festhalten.... Das dürfte spannend werden, dachte ich mir. Iapsus hieß er also. Ein komischer Name für ein Pferd. Stirnrunzelnd ging ich einmal um das Pferd heruml, wobei ich einen großen Bogen um das Hinterteil machte. Schließling langte ich wieder neben Aquilius an und runzelte leicht besorgt die Stirn.


    "Iapsus. Ich hoffe, sein Name hat nichts mit seinem Gemüt zu tun.... Wie kommt man dazu, sein Pferd so zu nennen?" fragte ich ihn interessiert. Ich würde mich ganz sicher nicht auf ein Pferd setzen, das so hieß wie es war: fehlerhaft.


    Die Musterung, der ich unterzogen wurde, entging mir nicht, doch ich sagte nichts und ließ Aquilius gewähren, während ich zu einem stummen Gegenangriff ansetzte und ihn nun meinerseits musterte. Groß verändert hatte Aquilius sich nicht. Er war noch immer der muskulöse, stattlich-maskuline Römer, als den ich ihn in Erinnerung gehabt hatte in Germanien. Und ich hatte oft genug an ihn gedacht und mir für einige wenige Stunden herbeigewünscht, wenn ich wieder einmal wach auf meiner Pritsche gelegen und Löcher in die weiß getünchte Decke gestarrt hatte. Ich seufzte leicht. Langsam sickerten die Worte des Flaviers in mein Bewusstsein sickerten und verdrängten die Gedanken an einen warmen, weichen Männerkörper.


    "Sacerdos publicus? Oho! Meinen Gklückwunsch, Caius. Was das ehrenvolle Amt des duumvir betrifft, so sind die Gerüchte wahr, die du vernommen hast. Ich reiste nach Germanien, um die Rennen zu sehen, und um mich mit meinem Amtskollegen zu treffen."


    Ich sah zu dem Sklaven, dann zu dem Pferd und schließlich abenteuerlustig zu Aquilius.
    "Was ist, wollen wir los?"