Nachdem dann tatsächlich alle Gäste begrüsst waren, standen die Opfer an. Dieser Teil des Tages war für Balbus mehr oder weniger der unangenehmste, denn er wusste nicht ob alles gut laufen würde oder nicht.
Die Vorbereitungen waren getroffen und die lästigen Voropfer durchgeführt worden, als Balbus sich an jenen Punkt begab, an dem er nun opfern sollte. Er schaute zu Vespa und lächelte sie kurz an, bevor er seine Aufmerksamkeit denen widmete, die ihm als Opferdiener dienen würden.
Für das erste Opfer wurde ein weisses Schaf hereingebracht und auf die vorbereitete Opferfläche geführt. Balbus hatte ein Bisschen Mitleid mit dem Tier, wusste aber, dass kein Weg am Kommenden vorbeiführen würde.
Bevor er es vergessen konnte, bedeckte er noch schnell den Kopf mit einem Zipfel seiner Toga und nahm dann Aufstellung für das Gebet.
Er hob die Arme ein Stück weit vor dem Körper und wandte seine Handflächen gen Himmel. Das Gebet hatte er sich einige Minuten vorher eingeprägt und zur Not stand ein dezent platzierter Sklave bereit um ihm weiterzuhelfen. Er atmete noch einmal tief durch, dann sprach er laut und deutlich:
"O Iuno, Schutzherrin der Ehe, Wächterin
über die Gemeinschaft von Mann und Frau,
die du Familien bewahrst und segnest und
die du Treue wahrst unter den Eheleuten.
Vor dir stehe ich, der ich stets die Götter
geachtet und verehrt, deine Festtage geheiligt
und dir Opfer dargebracht habe."
Ein kurzes Atmen.
"Ich bitte dich, segne meine Ehe mit der
mir Gegebenen, schütze uns und schenke
uns Kinder und Erben.
Aufdass wir dir dankbar sein und dich preisen
durch gute Gaben."
Er atmete leicht auf und vollführte dabei eine kleine nach rechts gerichtete Bewegung.
Dann wandte er sich den Opferdienern und dem Tier zu. Ihm wurde das Opfermesser gereicht und er fuhr mit einer fliessenden Bewegung über den Rücken des Tieres um das Messer am Ende wieder einem der Opferhelfer zu geben. Nach der üblichen kurzen "Agone?"-"Age!"-Konversation war es dann auch um das Tier geschehen, als der Opferhelfer seiner Arbeit nachging und den Hals des Tieres öffnete. Das Blut kam in einem grossen Schwall heraus und ergoss sich in die bereitstehenden Schüsseln, die, nachdem sie gefüllt waren, beiseite gestellt wurden. Das Tier wurde seinem Schicksal überlassen und blutete aus.
Balbus beobachtete das ganze aufmerksam und wartete ab, bis das Schaf leer war. Dann galt es zu ergründen, ob Iuno das Opfer akzeptiert hatte. Hierfür gab es natürlich ebenfalls fachkundiges Personal, so dass Balbus das ganze nur mit aufmerksamen Augen überwachen und abwarten musste, ob Iuno zumindest ein bisschen glücklich war.