"Ich bin aber keine Scriba.", brummte ich und streckte Aemilia die Zunge raus.
"Allerdings arbeiten zwei Scribae für mich und das sind tatsächlich sehr traurige Gestalten."
Sfz...immer wurde man aufgezogen, wenn man für Vater Staat arbeitete.

Ein Nachmittag in den Thermen
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Abrupt erhob sich Arria aus der Wanne und stieg hinaus, seufzte leicht. "Ich glaube nicht, dass ich als Priesterin geschaffen bin. Ich ehre die Götter, aber für mehr interessiere ich mich dann doch nicht. Was will man mit einer solchen Frau als Priesterin? Und ich will ja nicht auf ewig Scriba bleiben. Aber ich will einmal etwas anderes machen als nur die liebe Tochter sein."
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Verwirrt runzelt Aemilia die Stirn. Das kann sie sich nun garnicht vorstellen.
"Du interessierst dich nicht für die Götter? Aber das ist doch so ein faszinierendes Thema! Du glaubst garnicht, wie vielseitig sie sind.Allein wenn ich Iunos ganze Beinamen aufzählen muss, kann es schnell passieren dass ich einen übersehe..."
Nachdenklich sieht sie zu Arria hinauf und muss leise kichern.
"Nicht auf ewig Scriba?Das sagen sie alle am Anfang. Aber einmal Scriba, immer Scriba. Seit Aelia ihre neue Stelle hat, bin ich fest davon überzeugt, dass sie in ihrem Leben nie wieder aus der Verwaltung herauskommen wird."
Sie streckt Aelia kurz die Zunge heraus.
"Ich hingegen werde eine weithin beliebte und bekannte Sacerdos Dianae sein, die von den Göttern behütet wird. Ich werde einen wunderbaren, stattlichen Ehemann haben,mein Maysoon wird eine tolle Weide zum Grasen haben und vielleicht kauft Livianus uns eines Tages ja sogar einen kleinen Landsitz. Ohja, und ich werde Kinder haben..."
Mit schwärmerischem Gesichtsausdruck lehnt sie sich an den Beckenrand, schließt die Augen und stellt sich dieses Szenario vor. -
Stöhnend rieb ich mir mit Daumen und Zeigefinger den Nasenrücken.
"Nur, weil ich keine Aussichten auf Beförderung habe? Also bitte."
Um dem nächsten Kommentar zu entgehen tauchte ich nochmal unter. -
Arria schüttelte dennoch den Kopf. "Ich möchte irgendwann eine Pferdezucht aufmachen. Aber dazu muss ich ein bisschen wissen, wie ich so etwas verwalte. Und von Vater lerne ich es nicht", versuchte sie, Aemilia ihre Lage zu erklären. "Vielleicht finde ich in der Curie ja auch einen lieben Mann", lächelte sie träumend.
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"Meinst du?"
Aemilia kratzt sich nachdenklich am Kopf.
"Also mir hat Livianus zu unserer Verlobung einen Altarbau-Betrieb geschenkt.Das mit der Verwaltung ist eigentlich garnicht so schwer. Wenn du willst, dann können Aelia und ich dir sicher dabei helfen..."
Verschmitzt zwinkert sie der jungen Frau zu.
"Aber wenn du mich fragst, dann gibts die hübschesten Männer nicht in der Verwaltung..."
Sie erschaudert kurz.
"...nein, ganz sicher nicht. Ich für meinen Teil stehe vielmehr total auf Männer in Rüstung!Hach... Du solltest mal meinen Livianus sehen, wenn er seine Paraderüstung an hat...
Da wird einem ganz anders..."
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"Pah...die CUler Rüstung ist doch nichts besonderes.", konterte ich, wieder an der Luft. "Wenn du einen richtigen Mann willst, Arria, dann schau dich bei den Praetorianern um."
In Erwartung einer schmerzlichen Attacke meiner Schwester rückte ich ein wenig in die andere Richtung.
"Verwaltung von einem Betrieb? Na he, was meinst du, warum ich keinen Betrieb habe? Weil man in der Verwaltung sowas nicht lernt." -
Arria stöhnte nun wirklich bemitleidenswert auf. "Ich habe doch versucht, in die CU zu kommen, da wollten sie mich ja nicht reinlassen! Und dann habe ich davon erfahren, dass in Ostia eine Scriba gesucht wird..."
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"Oh, du willst gerne einen CU-ler kennenlernen? Soll ich Livianus mal fragen, ob er einen netten Mann weiß, den man dir vorstellen könnte?
Er ist nämlich ihr Kommandant..."
Stolz lächelt Aemilia und lässt Aelias dumme Kommentare ausnahmsweise einmal ganz links liegen. -
Ich gab es auf. Die arme Arria würde in ihr Unglück rennen, aber ich blieb erstmal still
Stattdessen warf ich Aemilia einen vielsagenden Blick zu und grinste frech. -
"Oh nein nein", wehrte Arria schnell ab. "Ich habe mich schon mit dem Praefectus verabredet", lächelte sie und versuchte dann verzweifelt auf ein anderes Thema zu kommen: "Wie hoch sind meine Chancen überhaupt, dass ich Scriba werde?"
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"Nicht?"
Aemilia ist sichtlich enttäuscht, muss jedoch leise lachen als Arria nach ihren Chancen fragt.
"Als Scriba?Die nehmen jeden. Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen...
Scriba ist fast wie Sklave, nur dass man Geld bekommt und wieder kündigen kann. Man sollte halt schreiben können, aber wenn man das kann, dann hat man den Posten sicher."
Sie seufzt traurig.
"Und du willst wirklich nicht in den Cultus Deorum?" -
Zustimmend nickte ich.
"Scriba zu werden dürfte einfach sein. So viele Bewerber gibt es da sicher nicht."
Und wir wussten alle warum -
Arria nickte erleichtert. "Vorerst nicht. Aber wenn ich es mir anders überlege, komme ihc gerne auf dich zurück", versprach sie natürlich sofort, ehe sie sich wieder ins Wasser gleiten ließ.
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Mitleidig sah ich zu meiner unübersehbar enttäuschten Schwester.
"Ach, mach dir nichts draus. Sie lernts schon noch.", tröstete ich sie und zwinkerte Arria zu.
"Warst du denn überhaupt schonmal in Ostia?", fragte ich sie.
Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass da jemand freiwillig hin wollte. -
Arria dachte angestrengt nach. "Ich glaube, wir haben Vater mal abgeholt, als ich noch ganz klein war. Aber sonst... ich glaube nicht, nein", lächelte sie und zuckte mit den Schultern. So schlimm konnte es in Ostia ja nicht sein.
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Ich grinste schief.
"Naja, wems gefällt."Plötzlich hatte ich einen Geistesblitz.
"Übrigens, ich kenne da einen sehr netten Praetorianer, der meines Wissens nach noch nicht vergeben ist. Wie wärs, soll ich ihn dir mal vorstellen?" -
Arria blickte sich um und wurde kurz darauf rot. "Ja gerne. Ich lerne sehr gerne neue Leute kennen", versicherte sie und lächelte dankbar, doch die Röte aus ihrem Gesicht will nicht so ganz verschwinden.
Verlegen wendet sie sich an die andere Schwester. "Und wie hast du deinen Mann kennengelernt?"
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Aemilia grinst frech.
"So, so... Ein Prätorianer? Jetzt bin ich aber auch gespannt!"
Sie nimmt sich fest vor, diese Gelegenheit nicht zu verpassen.Noch dazu ist der Anblick eines schmucken Mannes in Uniform ohnehin nie zu verachten.
Genießerisch taucht sie wieder bis zum Hals in das Wasser ein und genießt die Wärme, während sie Arria antwortet.
"Ich? Meinen Livianus? Hmm... Das war eigentlich Zufall. Zum ersten Mal haben wir uns im Atrium seiner Casa gesehen. Also, wenn ich es mir recht überlege, dann wurden wir vielleicht sogar ein klitzekleines Bißchen von einem guten Freund verkuppelt.
In dem Augenblick war aber eigentlich noch garnichts passiert. Ich war noch total in einem Tief. Ich hatte vorher einen... hm... eine Art Freund gehabt, der sich dann mit einer anderen verlobt hat."
Schmunzelnd denkt Aemilia an Hungi. Inzwischen ist sie längst darüber hinweg.
"Naja, aus diesem Grund war ich halt nicht sonderlich gut aufgelegt. Ein guter Freund von mir, auch ein Decimer - er heißt Lucidus, hat mich für eine Weile aufgenommen. Ich durfte in ihrer Casa wohnen und er hat dafür gesorgt, dass ich nicht immer so allein bin. Also hab ich dort halt Livianus, der gerade erst nach Rom versetzt worden war, getroffen und er war scheinbar in einer ganz ähnlichen Situation. Da sind wir dann notgedrungen einfach gemeinsam losgezogen und haben etwas unternommen, um uns von unserem Gram abzulenken. Wir waren bei Wagenrennen, Gladiatorenspielen, ..."
Bei diesem Wort leuchten Aemilias Augen wie immer auf.
"...in einer schönen Taberna und ich habe ihm eigentlich alles in allem die Stadt gezeigt, weil ich mich auskannte und er noch neu war.Und so ist das halt so nach und nach gekommen..."
Nachdenklich kaut Aemilia auf ihrer Unterlippe herum und schwelgt in den Erinnerungen. -
Arria hörte lächelnd zu und schüttelte dann kurz den Kopf.
"Dazu bräuchte ich erstmal einen, der mich sitzen lässt", antwortete sie und tauchte schnell unter, um Aelias Kommentaren zu entgehen, die ihr bestimmt gleich wieder erzählen würde, dass sie es nicht erzwingen konnte.
Erst, als sie kaum noch Luft hatte, tauchte sie wieder auf und schüttelte fröhlich die Haare, so dass die anderen beiden nass gespritzt wurden. "Na wir werden sehen, ob er mir gefällt. Und was bei meinem Besuch in Ostia rauskommt"
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